^■^■^-^^x-) Werner, Fr., Vergl. Zool. Zentr.-Bl. 1906. — Nr. 26-28. — — 28 — bekannt, welches der Ref. ans Abessynien beschrieben hatte; auch Pa. adelungi zeigt die auffallende Verlängerung des 7. Segmentes); Naitphorla sudcmensis (Hütten der Eingeborenen, 1 Exemplar unter Akazienriude). Im Ganzen wurden 16 Arten erbeutet. Die 3Ianto(lea des Sudans, obwohl reich an Arten, sind doch spärlich an Zahl. Die Eiablage erfolgt vor dem Februar (mit Aus- nahme von Po2)a und Pseudoharpax). Von Interesse ist die Beobach- tung, dass die langgestreckten aber kurzbeinigen Fyrgomcmtis- Arten beim Laufen schlängelnde Bewegungen ausführen, während CaJamo- thesjns an Grashalmen rasch auf und ab rutscht. Alle Arten erwiesen sich als typische Tagtiere, indem nur zweimal Exemplare ans Licht geflogen kamen. Nur eine einzige sudanesische Gattung (Centro- niantis) ist rein paläarctisch, JEremiapMIa besitzt eine äthiopische Art; viele tropische (äthiopische) Gattungen dagegen haben Vertreter in der paläarctischen Region. Ln ganzen stehen 9 paläarctischen Arten 33 äthiopische gegenüber. Nach dem tropischen Asien sind ausserdem Tenodera superstitiosa und Mantis religiosa verbreitet. Fünf Gattungen (17 Arten) sind nur aus dem Ost-Sudan bekannt [Faramorphoscelis, Tarachina, Nilomantis, üalamotliespis, Stenovates\ während mindestens 6 Arten auch dem West-Sudan zukommen. Dem systematischen Teile der Arbeit entnehmen wir folgendes : Am or phoscelid ae: Paramorphoscelis g. n., von Amorphoscelis durch das län- gere Pronotum und die nicht verlängerte Supraanalplatte verschieden, die erste ost- afrikanische Amorphoscelide, mit 1 sp. n. Or th od e ri dae : Eremiaphila 1 sp. n.; Tarachina g. n., Tarachodes nahestehend, mit 1, der Akazienrinde in der Färbung angepassten Species. Die Gattung Tarachodes Burm. erfährt durch den Verf. eine eingehende Bearbeitung, welcher auch die Gattungen Ariusa Stäl, Achlaena Karsch, Chiropacha Charp., Galepsus Stäl = Lijgdamina Sauss. als Subgenera liiei'her mit einbezieht; es ergibt sich eine sehr einheitliche, durch Geschlechtsdimorphismus ausgezeichnete Gruppe. Tarachodes s. str. ist phylogenetisch als sehr jung anzu- sehen; ihre Arten sind fast nur durch Merkmale der Färbung zu unterscheiden, welche dazu von der Verbreitung unterstützt werden. Im ganzen konnte der Verf. 24 Arten in 122 Exemplaren untersuchen, während 8 Arten nicht berück- sichtigt werden konnten; die meisten (10) Arten sind auf VVestafrika nördl. vom Äquator, 6 auf Nordost-, 3 auf Südwest-, 4 auf Südost- und 2 auf Süd-Afrika beschränkt; West- und Ostafrika haben nördlich vom Äquator, im Gegensatz zu andern Orthopterengattungen, keine Art gemeinsam; auch Nordost- und Südost- afrika weisen nur 2 gemeinsame Arten auf, wogegen eine westafrikanische Art auch auf Malakka vorkommt (verschleppt?). Die Flugunfähigkeit der Weibchen verhindert offenbar eine weitere Ausbreitung. Die bereits bekannten Arten er- fabren eine gründliche Neubeschreibung, ferner werden 7 neue Arten aufgestellt. Es sei noch bemerkt, dass der geschlechtliche Dimorphismus dieser kleinen, 25— 47 mm langen Mantodeen bei allen-Arten auch durch die verschiedene Länge der Flugorgane zum Ausdruck gelangt. Faroxyophthalmus 1 sp. ; Pyrgomanüs 3 (2 nn.) spp. (die am Boden lebenden Larven von P. septentrionalis sp. n. haben die Fär- bung des dürren Steppengrases, sind aber da, wo das Gras vorkommt und ge- schwärzt ist — schwärzlich); Elaea marchali (Cocquerel, Reiche & Fair- — Nr. 27-28. — — 29 — maire), wovon das Weibchen früher zu. Eremiaphila gestellt wurde, Avährend das Männchen vonSaussure aXs Humberliella perloides beschrieben worden ist, wird ausführlich neu beschrieben. Mantidae: yUomantis gen. n., zwischen Miomantis und Tropidomantis stehend, mit 1 sp. n. ; Tenodera 2 spp. ; Sphodromcnlis 2 spp. ; Mantis 1 sp. ; Oxithcspis 1 sp.; Calamothespin gen. n., Compsolhespis und HopJo- corypha nahestehend, mit 1 sp. n., welche im Gegensatz zu allen Mantiden kurze Mittel- und Hinterbeine besitzt und ein Klettertier ist; Hoplocorypha 1 sp.; Mio- mantis 1 sp. ; Ischnomantis 1 sp. n.; Solygia sulcafifrons Serv. (früher nur vom Kap bekannt), S. grandis Saiiss. (bisher nur von Westafrika bekannt); Lcptocola giraffa Karscli kommt sowohl in Westafrika als auch im Sudan vor, nicht aber in Ägypten — eine Verbreitungsweise, welche nach Werner darauf hinweist, dass das Gebiet zwischen Nordwestafrika, Senegambien und Togo früher tropische (sub?) Vegetation besass und die Ausbreitung tropischer Formen nach Norden zuliess, während die fehlende Ufervegetation von Nubien eine solche Ausbreitung unmöglich machte. Harpagidae: Oxypila 2spp. ; Pseudocrcohntra 1 sp. ; Pseudo- harpax 1 sp. Vatidae: Stenorates 1 sp., Popa 1 sp. , Danuria 3 (1 n) spp. Empusidae. Empusa 2 spp.; Idolomorpha 1 sp. ; Blepharis 1 sp. ; Blepharodes 2 (1 n.) spp.; Idolinn 1 sp. Zum Schlüsse gibt Werner ein Verzeichnis aller aus Nordostafrika bekannten Mantodeen , sowie eine dichotomische Tabelle der sudanesischen Arten. In der Bearbeitung der Mantodeen haben wir es mit einer äusserst wertvollen Bereicherung unserer Kenntnis der afrikanischen ]Manto- deen zu tun, wobei zu bemerken ist, dass es gerade die schwierigsten Familien sind, welche von Werner eine monographische Bearbeitung erfahren haben. Die Abbildungen sind von ausgezeichneter Aus- führung. II. Saltatoria, Gressoi'ia, Dermaptera (H. Karny). Den Haupt- bestandteil der Fauna des ägyptischen Sudans bilden äthiopische Formen; von mediterranen Formen finden sich vorwiegend Oedipo- diden. Der Übergang zwischen beiden Faunen erfolgt allmählich wegen des Fehlens eines Wüstengürtels (Westafrika), doch lässt sich eine Grenze zwischen der mediterranen Fauna Ägyptens (mit nur 20 tropischen und 10 typisch äthiopischen Arten von 75) und der äthiopischen des ägyptischen Sudaus (mit nur 13 mediterranen Arten von 113) ziehen. Ausserdem finden sich im Sudan 47 rein äthiopische und 37 endemische (32 spp. nn.) Arten, endlich 13 paläotropische Arten. Der Bestand der Fauna ist kein homogener, indem im Norden mehr Anklänge an die ägyptische Fauna zu bemerken sind, während nach dem Süden zu die äthiopischen Elemente immer mehr überwiegen. Einen besondern Platz nimmt die Fauna der Sumpfgebiete ein, deren Ver- treter meist mit langen beweglichen Dornen oder abgeplatteten An- hängen der Hintertibien versehen sind, welche das Schwimmen und Tauchen erleichtern (Convergenzerscheinung bei Vertretern verschie- ner Unterordnungen). Ausser gewissen Faratettix- und Acridium- Arten, Tridactyliden und andern Gryllodeen gehören der Sumpf fauna — Nr. 27-28. — — 30 — auch noch einige Conocephaliden , wie Conocephalus ^ Xijjhidion, Pseudorhynchus an. Den Gegensatz hierzu bildet die viel zahh-eichere Fauna der Grassteppen und Wüsten, deren Vertreter sich durch Streckung in der Längsachse auszeichnen, woran auch der Kopf und die ö^ Genitalanhänge teilnehmen können ; auch ist hier die Anpassung in der Färbung stark ausgeprägt (meist gelbbraun, nur an verbrannten Stellen dunkel). Hervorzuheben ist die geringe Zahl von Locustodeen, was durch die Armut an Bäumen zu erklären ist. Locustodea. ^) Phaneropteridae. Phaneroptera 1 sp., Eicrycozijpha 1 sp. (einziger Blattnachahmer !). Conocephalidae: Pseudorhynchus 2 spp. [Ps. werneri Karny) ; Conocephalus 1 sp. (der bekannte weit verbreitete C. nitidulus); Xiphidion 2 spp. Hetrodidae: Gymnoproclus 1 sp. ; Anepisceptus (= Pornoiiips Ks.väch.) 1 sp. Crryllodea. Eneopteridae: Euscyrtus 3 (1 n.) spp., Calyptotrypns 1 sp. ; Heterotrypus 1 sp. Trigonidiid ae : Cyrtoxipha 1 sp. n. (dichotomische Tabelle für alle Arten); Trigonidium 1 sp. Oecanthidae: Oecanthus brevicauda Sauss. (bisher nur aus Südafrika bekannt). Gryllidae: Loxoblemnms (1 sp. n., die erste vom afrikanischen Festlande nn.; suhgen. : Paraloxoblemmus, Pezoloxoblemmus, ersteres für die neue Art, letzteres für L. lativertex) ; Scapsipedus 1 sp.; Gryhodes 1 sp. ; Achaela (=: Gryllus auct.) 7 (3 nn.) spp.; Liogryllus 2 spp.; Brachytrupes 1 sp. Nemobiidae: Nemobius 2 spp. Gr y 11 o t alp idae : Gryllotalpa 1 sp. Tridacty lidae: 1 sp. (1 n. var.)' Acridioflea. Tet t igidae -): Paratettix 2 spp. (1 nov. var.). Pyrgomor- phidae: Chrotogonus 2 spp., Airaclomorpha Isp.; Pyrgomorpha 'i h^t^; Poekilocerus 1 sp. , Zonocerus 1 sp. ; Phymateiis 1 sp. Acridiidae (bei dem Verf. Locu- stidae!): Oxya 1 sp., Tristria 2 nu. spp. (in einer Revision der Arten dieser Gat- tungen stellt Karny 4 weitere spp. nn. auf); Oxyrrhepes 2 (1 n.) spp.; Isehnae- rida 1 n. sp. (Revision der Arten mit 4 weitern spp. nn.); Gonyacantha 1 sp. (Cr. cullri/era Brancs ist ^= G. gladiator Westw.); Xenippa 1 sp. ; il/cso/)s 8 spp. ; Cyr- tacanthacris (ist nur auf die Arten mit gekrümmtem Prosternalzapfen zu beziehen — gegen Kirby, Karsch) 3 spp.; Acridium (nach dem Verf. Lociisla; ersterer Name bleibt nunmehr allein für die früher Tctrix = Bulla part. genannte Gat- tung bestehen!!) 3 spp. (2 nn., 1 nov. var.; A. aegyptium war bisher nur aus der paläarctischen Region bekannt); Sehislocerca peregrina (dürfte nach dem Verf. aus der neotropischen in die äthiopische über den Ozean eingewandert sein); Phyxacra gen. nov. für Coplacra variolosa Kr., Acridium näherstehend als Coptacra 1 sp. n.; Epistaurus 1 sp. n. Die Gattung Catantops, von welcher in der Wem er- sehen Ausbeute nur 5 spp. vorla2;en, wird von Karny einer Revision unter- worfen, wobei 30 spp. nn. aufgestellt werden, so dass nunmehr 80 Species dieser in den Tropen weit verbreiteten Gattung bekannt geworden sind (Bestimmungs- tabelle). Die drei Verbreitungsgebiete zeigen grosse Selbständigkeit, indem die afrikanischen, madagassischen und indo-australischen Arten scharf von einander getrennt sind (eine Ausnahme bildet C. aacalava , welcher auch auf der benach- barten afrikanischen Küste vorkommt). Am stärksten lokalisiert sind viele ') Der Verf. verwendet die neueste Nomenklatur (hier z. B. Tettigo- nioidea); des besseren Verständnisses weiterer Kreise wegen sollen von dem Referenten in erster Linie die alteingebürgerten Bezeichnungen benützt werden. '■*) Bei Karny als Acrydiidae bezeichnet. - Nr. 27-28. — — 31 — afrikanische Arten. Der ägyptische Sudan weist nur 7 Arten auf (Tabelle), von welchen C. styUfer Kr. bisher nur aus Westafrika bekannt war. Calli- ptamus italicus (geht südlich bis zum Kilimandscharo, nördlich bis Livland!); Tylotropidius 2 spp. (3 nn. var.); Euprepocnemis 1 sp. Oedipodidae^): Humba Bol. (für Humhella Sauss.) 1 sp. ; GoMrimargus 1 sp. ; Cosmoryssa 2 spp. ; Pachytüus 1 sp. ; Trilophidia 1 sp.; Wernerella gen. nov., Thalpomena und Sphin- gonotus nahestehend, für Th. picteti Kr. und 1 sp. n.; Acrotylus 3 (1 n.) spp. (^1. versicolor bisher nur aus der Walachei bekannt!); Sphingonotus 3 sp. Acridi- dae (= Truxalidae auct.): Ailopus 1 sp.; Chortoicetes 2 spp. nn. ; Eleuthero. theca gen. nov., Arcyptera und Paorisa nahestehend, mit 2 spp. nn. ; Chorthippus Pieb. (= Stenobothrus Fisch. Fr.) 3 spp. nn. (Synopsis der 15 afrikanischen Arten mit 1 sp. n.) ; bis jetzt waren aus der äthiopischen Region, ausser zweifelhaften Walk ersehen Arten, keine echten Chorfhippus bekannt; Ochrilidia tryxalicera Fisch, (der Verf. schliesst sich bezüglich der verwickelten Synonymie dieser Art Krau SS an und bezieht auch Brachyrrotaphus steindachneri und stuhlmanni Kirsch. hierher); Flatyptcrna 1 sp.; Galephorus Fieb. (= Oxycoryphus Fisch. Fr.) 1 sp. ; Platypterna 1 sp. ; Phlaeoba 3 spp. nn.; Paracinema 1 sp. , Cymochtha 1 sp.; ^la- chaeridia 1 sp. n. ; Amycus 1 sp. ; CaJanuis 1 sp, (vollkommen einem Grashalm ähnlich sehend, unerkennbar!); Acrida 4 (1 n.) spp.; Acridella 1 sp. Phasmodea. Nur eine einzige Art, Gratidia voluptaria. Dermai)tera. Labidura 1 sp.; Forßcula 1 sp. Mit der vorliegenden ersten grösseren fannistischen Arbeit hat sich Karny auf das Günstigste in die orthopterologische Literatur einge- führt und seinem Lehrer Werner alle Ehre gemacht. N. V. Adelung (St. Petersburg). Enderlein, J. G., Ausser europäische Copeognathen aus dem Stet- tiner Museum. In: Zool. Jahrb., Abth. f. Syst. etc. Bd. 24. Heft 1. 1906. S. 81—90. Taf. 6. — Die Copeognathen-Fauna Japans. Ibid. Bd. 23. Heft 2. 1906. S. 243 -256. Taf. 10-11. — Die australischen Copeognathen. Ibid. Bd. 23. Heft 3. 1906. S. 401 -412. Taf. 23. Wie so manche andern Insectengruppen Japans, so sind auch die Psociden dieses Landes bis jetzt so gut wie unerforscht geblieben. Auf Grund einer vonMatsu- mur a zur "Verfügung gestellten neueren Ausbeute konnte der Verf. 17 Arten (früher war nur eine 'einzige bekannt geworden!) für die japanische Fauna feststellen; darunter befinden sich 14 spp. nn., für welche auch 2 neue Gattungen aufgestellt werden. Von den 17 japanischen Arten gehören 2 auch der europäischen Fauna an (Psocns vebulosus Steph. und Mesopsocus unipunctatus M.) Von den neuen Gattungen steht Matsumuraiella gen. n. Psocus nahe; sie fällt durch starke Be- haarung der Flügel, [sowie des Kopfes und der Fühler auf. Dasypsocus gen. n. (D. japonicus sp. n.) ist auf Kolbea scolox End. aus Hinterindien gegründet und besitzt ebenfalls stark behaarte Flügel. Die japanischen Psociden sind fast durch- wegs durch lebhafte Zeichnung der Vorderflügel ausgezeichnet. ^) In Kirbys neuestem Katalog figuriert diese Familie unter dem Namen „Locustidae" ; ein passendes Beispiel für die in der Nomenklatur der Orthopteren herrschende Verwirrung! d. Ref. — Nr. 27-31. — - 32 — Auch für Australien konnte der Verf. eine Reihe neuer Arten mitteilen. Von neuen Gattungen sind zu erwähnen: Clematostigma gen. n. (Typus: Cl. ma- cuUceps End., welche mit drei andern Alten der Gattung Coposlifjma End. hierher übergeführt wird) ; Cladioneura gen. n., am nächsten mit Kolhea Bertk. verwandt, mit sehr eigenartig gefärbten Vorderflügeln; Penlacladns gen. n. (mit der nach- folgenden den trimeren Psociden angehörend) mit auffallend steil nach oben ge- bogener Areola postica und bunten, fast an Papilioniden erinnernden Vorderflügeln; endlich Tricladus gen. n. Aus dem Stettiner Museum beschreibt der Verf. neue oder wenig bekannte Psociden aus Südamerika und Sumatra. Besonderes Interesse verdient ein neuer Vertreter (die erste recente Form, A. recens. war von dem Verf. 1903 aus Hinter- indien beschrieben worden), der sonst nur aus dem Bernstein bekannten Gattung Archipsocus Hag. (Farn. Caeciliidae) wegen seiner eigentümlichen Lebensweise. Archipsocus brasiliarws sp. n. legt gleich der indischen Art grosse Gespinste an. deren feine Fäden alle von einem höher gelegenen Punkte strahlenförmig aus- gehen und ein halbkegelförmiges Gespinst bilden, an dessen Peripherie die Tiere in grosser Anzahl sitzen. N. v. Adelung (St. Petersburg). 32 Williamsoll, E. B., Oviposition of Tetragoneuriu (Odonata). In: Entomol. News 1905. S. 255—256. 33 Williamsou, E. B. und Calvert, Pli. P., Copulation of Odonata. Tand. II. Ibid. 1906. S. 143—150. Taf. VII. An einem Teich in Indiana beobachtete der Verf. fliegende Weibchen von Tetragoneiiria cynosura, an deren Hinterleibsende unten ein kleines elliptisches Klümpchen haftete, welches er nach dem Ein- fangen des Weibchens in Wasser legte, wo es sich zu einer Eier- schnur von drei Zoll Länge auflöste. Die Eier waren mit wenig Gallertmasse umgeben, welche rasch aufquoll. Hierauf sah der Verf. auch den Akt der Eiablage, Das Weibchen flog mit dem Klümpchen (welches an einer am 9. Segment inserierenden gegabelten Platte ge- tragen wird) über das Wasser dahin und berührte mit dem Hinter- leibsende rasch die Oberfläche desselben; eine nähere Untersuchung ergab, dass an der betrefl'enden Stelle eine etwa 5 Zoll lange Eier- schnur an zwei untergetauchten Blättern aufgehängt war. Bezüglich des Aktes der Paarung hatte der Verf. schon früher die Ansicht ausgesprochen, dass die männlichen Odonaten die Weib- chen nicht immer am Prothorax, sondern auch am Kopfe umklammern können. Er gibt nun eine dichotomische, auf der Umklammerungs- weise basierende Tabelle. Anisoptera: in copula umfassen die obern Analanhänge des Männchens das Weibchen an der Hinterseite des Kopfes, während der untere Anhang sich auf den Kopfgipfel legt. Zygoptera: das W^eibchen wird 1. von den beiden obern An- hängen am vordersten Teil des Mesepisternum und den Mesostigmal- platten gepackt, während die beiden untern Anhänge lose über das Pronotum ausgestreckt liegen [Lestes] oder aber an der vordem Seite - Nr. 29-33. - — 33 — des hintern Prothoraxabsclinittes ruhen, {Hetaerina) — 2. von den beiden untern Anhängen an der Vorderfläche des hintern Pronotum- abschnittes gepackt, während die obern Anhänge in den ihnen ent- sprechenden Vertiefungen ruhen [Anomalagrion, Isehnura, Enallagma einerseits, Argia mit Höckern am 10. Segment, welche sich in ent- sprechende Vertiefungen der Brust des Weibchens legen, andererseits). Die Befestigung zwischen Männchen und Weibchen ist namentlich bei den vier letztgenannten Gattungen äusserst solide. Die Einzelheiten in der Beschreibung der Copulationsvorgänge müssen im Originale nachgelesen werden. Das Füllen des an der Unterseite des 2. Abdominalsegments ge- legenen Begattungsorgans erfolgt sofort, nachdem das Weibchen ge- packt worden ist [Galopteryx, Argia, Enallagma, Dromogomphus). Die Copulation kann oft nicht zustande kommen, indem es dem Weib- chen nicht gelingt, sein Hinterleibsende bis zum 2. Segment des Männchens vorzubiegen ; auch dürften Deformationen der männlichen Anhänge oder des Kopfes und der Brust des Weibchens hieran schuld sein. Der Verf. hält ein Gelingen der Copula nur dann für möglich, wenn alle Teile des complizierten Apparats fehlerlos ausgebildet sind ; wäre dies nicht der Fall, so müssten sich gleich gefärbte Arten von gleicher Grösse etc., wie sie oft nebeneinander fliegen, beständig mischen. Immerhin gibt der Verf. für Gomphus grasUnellus X sordidus und EnalJagma civile X caruncidatum, wo die männlichen Anhänge sehr ähnlich gebaut sind, Kreuzungen zu [solche sind schon früher auch für Aeschna - Arten verzeichnet worden. Ref.]. Cal- vert, von Williamson um seine Ansicht befragt, bestätigt in dem Aufsatze dieses letztern die Art der Anklammerung der cT' Ani- soptera am Kopfe der Weibchen und gibt die Photographie eines in Copula gefangenen und conservierten Pärchens von Aeschna con- sfrida, wo dieselbe gut zu erkennen ist. Schliesslich teilt Williamson noch eine Beobachtung mit, wo- nach Famphüa metacomet (Geschlecht?) häufig den Hinterleib nach oben und vorwärts streckte, jedesmal einen süsslichen Tropfen an- treten Hess und denselben aufleckte. Der Zweck dieser Handlung bleibt unbekannt. N. v. Adelung (St. Petersburg). ?A Puschiiig, Roimin , Kärntnerische Lib ellenstud ien. In: Ca- rinthia IL N. 1 u. 2 1905. S. 1—26. 35 — Weitere Kär ntnerische Lib eilen st udi en. Ibid. No. 4. 1906. S. 109—120. Die Zahl der vom Verf. für Kärnten nachgewiesenen Odonaten beträgt 34, was seiner Ansicht nach etwas mehr als die Hälfte der Zoolog. Zentralbl. 15. Band. j}j._ 32 35^ 3 - 34 — in Wirklichkeit dort vorkommenden Arten beträgt. Zur Konservierung der Farben empfiehlt der Verf. 57oigen Formalinspiritus, auch 3"/ooiges Sublimatglycerin , in dem selbst Aeschna ci/anea d' ihre blaue Färbung beibehielt. Die Fauna gehört der mitteleuropäischen Region an, enthält 42 "/„ „nordischer", 16% „südlicher" Arten, wobei letztere nur vereinzelt vorkommen ; dem mehr nördlichen Cha- rakter entsprechen Bodenbeschaffenheit und Klima. Hervorzuheben ist die Häufigkeit der Gebirgsformen (21 7„; besonders charakteristisch sind: Spmpetrum pedemontaniim, Cordulia arctica, Aeschna hoi-ealis) und die Armut an Torfformen (nur Libellula quadrimaenlata., Sym- petrum sangnineimi und Erytromma najas, wogegen alle typischen Torfformen fehlen) Der Bestand der Formen der einzelnen Sammel- gebiete war ein sehr verschiedener infolge verschiedener Eigenart der Gewässer und der Ufervegetation. Besondere Aufmerksamkeit hat der Verf. der Variabilität einer Agrionide Flatycnemis pennipes Fall, gewidmet. Indem er drei Eigen- tümlichkeiten, welche für diese Art charakteristisch sind, hervorhebt, und zwar die verbreiterten Hinterschienen, das überaus häufige Vor- kommen und die grosse Variabilität (für welche er eine scheraatische Tabelle aufstellt und die einzelnen Variationen schildert), spricht der Verf. die Vermutung aus, dieselben könnten zu einander in Beziehung stehende Erscheinungen darstellen (markante Begünstigung der bio- logischen Bedürfnisse als Ursache häufigen Vorkommens, welches wiederum Mutation begünstigt); die Variationen selbst dürften ,, Altersabstufungen am selben Individuum" darstellen: die weisse Form repräsentiert die Jugendforra, welche gegen den Sommer zu in die blaue (cf) bezw. braune oder grüne Form (9) übergeht (wesent- lich ist hierbei die Beobachtung, dass die weisse Form zarter, weich- leibiger ist, als die derbere blaue). Das Vorkommen fast aller Formen gleichzeitig und am selben Orte spricht gegen Saisondimor- phismus oder eine Folge verschiedener Bodenbeschaffenheit. Die Aufsätze von Puschnig sind wohl dazu geeignet, zu weiteren Studien auf diesem interessanten Gebiete anzuregen. N. V. Adelung (St. Petersburg). 36 Enderlein, H. G., Monographie der C onioptery giden. In: Zool. Jahrb. Abt. f. Syst. etc. Bd. 23. Heft 2. 1906. S. 173—242 mit Taf. 4—9. Eine der am wenigsten beachteten Insectenfamilien erfährt in der vorliegenden gediegenen Monographie zum ersten Male eine spe- zielle und zugleich allseitige Bearbeitung. Bezüglich der Systematik, Morphologie und Biologie einzelner Arten liegen wohl Mitteilungen — Nr. 34-36. — — 35 — hervorraa;ender älterer Autoren (wie Brauer, Curtis, Low, Müller, Schi echten dal, Mc Lachlan, Stephens u. a. m.) vor, allein die Zahl der früher bekannten Arten ist verschwindend gering im Vergleich zu dem Zuwachs, welchen das System der Conio- pterygiden durch den Verf. erfahren hat; sind doch von 39 nunmehr bekannten Arten nicht weniger als 27 durch Enderlein beschrieben worden, welcher gleichzeitig die Zahl der Gattungen von 2 auf 9 erhöht hat. In der vorliegenden Monographie ist das erste Kapitel der über- aus minutiösen Präparierung und Konservierung dieser kleinsten und zartesten Insecten gewidmet, welche infolge ihres wenig ausgesprochenen und dazu noch mit dichter Bestäubung be- deckten Geäders und ihres weichen Hinterleibes zu den schwierigsten Objekten gehören. Nur eine sorgfältige Behandlung mit Kalilauge (nach Entfernung der Flügel, welche besonders konserviert werden) mit darauffolgender Einschließung in Canadabalsam oder noch besser in Glycerin, ermöglicht es, brauchbare Dauerpräparate für das Studium des äussern Baues zu erzielen. Von den eingehenden Angaben des Verfs. über die Morpho- logie können hier nur einige wenige Befunde Erwähnung finden, welche von denen früherer Autoren abweichen oder sonst von Be- deutung sind. Maxillen stets mit deutlicher Cardo, Stipes zu einem Lobus internus zugespitzt; Lobus externus mit dem Stipes gelenkig verbunden, 1- oder 3-gliedrig (letzteres sekundär erworben); Maxillar- palpiis stets 5-gliedrig; Palpiger nie vorhanden. Labium aus 2 in der Medianlinie nicht verschmolzenen Stipites bestehend (Coxen des 2. Maxillarfusses). Labialpalpus stets o-gliedrig (gegen Schlechten- dal und Low). Fühler bei d'd' und 9 9 stets von gleicher Glieder- zahl (gegen Low), bisweilen mit sekundären Geschlechtscharakteren (Zähne, Sinnesschüppchen) versehen. Subcoxen von gliedartiger Ausbildung, jedoch unbeweglich; Tarsen 5-gliedrig, 4, Glied schaufeiförmig erweitert. Abdomen aus 9 Segmenten bestehend (das letzte bisweilen un- deutlich). Bei den Aleuroptery ginae fand der Verf. am 1. — 5. Segment unter den Stigmen je ein aiisstülpbares fein pubesciertes Gebilde (Ventralsäcke), welches bei Coniacompsa gefeldert ist und an der Spitze feine kurze Chitinstiftchen trägt. Solche Ventralsäcke finden sich nach Haase nur bei Apterygoten und Myriapoden; ähn- liche Organe wurden jedoch schon von Gerstäcker für eine Blat- todee nachgewiesen, so dass Ventralsäckchen unter den pterygoten Insecten nunmehr für Corijdia und die Coniopterygiden erwiesen sind. Der Sexualapparat weist am 9. Segment des 9 2 meist beborstete - Nr. 36. — 3* — 36 — Gonopoden auf, während das letzte Abdominalsegment des cf durch mannigfaltige Strukturen (Zäpfchen u. s. w.) gute specifische Merk- male abgibt. Die beiden Penissclerite sind sehr verschiedenartig gebaut. Die eigentümliche dichte, weisse oder braune Bestäubung besteht nach dem Verf. aus äusserst dünnen, streifenartigen Blättchen, welche zu lose auf Körper und Flügeln liegenden Ringen oder Spiralen zu- sammengerollt sind, und von dem Verf. mit dem ., Staub" der Aleu- rodiden verglichen werden. Die Larven leben völlig frei (dem Aussehen nach Hemerohius- Larven sehr ähnlich) und spinnen sich mit dem Secret einer am Hinterleibsende befindlichen Spinndrüse ein rundes, flaches, weisses Gespinnst, in welchem sie überwintern, und welches sehr an Spinnen, eiercocons erinnert. Die Coniopterygiden werden meist vereinzelt angetroffen, was darauf zurückzuführen ist, dass das Ausschlüpfen sich auf eine be- trächtliche Zeitperiode verteilt. Die Familie der Coniopterygiden teilt En der lein in die Subfamilien der Coniop t eryginae und Aleur optery ginae ein, erstere in die TribusCon- wentziini (Gen. Comventzia Enderl. 2 spp.) und Coniopterygini (Gen. Co- niopteryx Curt. 9 spp., Alemella Enderl. 1 sp., Semidalis Enderl. 11 spp., Parase- midalis Enderl. 6 spp.), letztere in die Tribus Coniocompsini (Gen. Conio- compsa Enderl. 1 sp.) und Aleuropterygini [Aleuropteryx Fr. Low 1 sp., Hc- terot'onis Enderl. 3 spp. Helicoconis Enderl. 5 spp.). Von den 25 in der Mono- graphie erstmals beschriebenen Arten stammen 2 aus der Umgebung von Berlin (Coniopteryx pygmaea, iScmidalis curtisiana spp. nn.), die übrigen sind Exoten. Sämtliche bereits früher bekannten Arten werden von Neuem mit ihrer Verbrei- tung geschildert, sowie einige neue Varietäten für dieselben aufgestellt. Dem Verf. standen ausser seinen eigenen Sammlungen (Deutsch- land) noch das Material des Berliner und des Budapester Museums zur Verfügung. Bei der Kleinheit und relativen Seltenheit dieser Neuropteren steht zu erwarten, dass die Zahl der bekannten Arten mit der Zeit (auch für Europa) noch bedeutend anwachsen wird, wenn die Sammler dieser interessanten Familie mehr Aufmerksam- keit schenken werden. Jedenfalls bedeutet die Monographie von Enderlein einen gewaltigen Fortschritt in unserer Kenntnis der Coniopterygiden. N. v. Adelung (St. Petersburg). 37 Silfveiüus, A. J., Beiträge zur Metamorphose der Trieb o- pteren. In: Acta Soc. Fauna et Flora Fennica. Bd. 27. Nr. 6. 1905. S. 1—168 mit Taf. 1—4. Die vorliegende, eine Menge interessanter Beobachtungen ent- haltende Arbeit bildet den Schluss einer Reihe von Untersuchungen desselben Verfs. über die Metamorphose der Trichopteren Finnlands; — Nr. 36—37. — — 37 — in diesen Arbeiten findet sich die Beschreibung der Verwandking sowie der Morphologie der Larven und Puppen von über 100 Tricho- pterenarten. Von den 57 finnischen Trichopterengattungen sind nur 4 auf ihre Metamorphose hin nicht untersucht worden; die meisten nicht untersuchten Arten entfallen auf die Familie der Limno- philidae (36 von 78 Arten). In der vorliegenden Abhandlung wird die Metamorphose von 48 Arten geschildert, darunter folgende bisher in dieser Beziehung noch ganz unbekannte Arten : Neuronia lapponicaU-Äg., Brachycentrus subnuhüus Curt., Micrasema setiferum Pict., Mollannodes zelleri Mc Lach., Leptocerus fulvus Ramb., L. cinereus Curt., L. excisus Mort., Erotesia haltica Mc Lach., Hyäropsyche lepida Pict., Holocentropus aurafiis Kol., H. stagnalis Albarda, Cyrnus trimacidatus Curt., Lype sp., Glossoma verncde Pict. Die Anordnung des vom Verf. gebotenen reichen Materiales (Einzelbeschreibungen) macht ein Eingehen auf die Ergebnisse aus räumlichen Gründen unmöglich. Es sei hier nur erwähnt, dass der Verf. für jede Art eine genaue Schilderung der Larve, Puppe und des Gehäuses mit allen morphologischen Einzelheiten liefert, ferner Be- stimmungstabellen für die Larven und Puppen der einzelnen Familien. Die Beschreibung der morphologischen Details wird durch zahlreiche auf Färbung und Bau der einzelnen Körperteile bezügliche Abbil- dungen erläutert. Mit dieser Arbeit hat der Verf. wiederum einen wertvollen Beitrag zur Biologie der nordischen Trichopteren geliefert. N. V. Adelung (St. Petersburg). Silfveiiius, A. J.j Trichopterologische Untersuchungen. L Über den Laich der Trichopteren. Li: Acta Soc. pro Faun. et Flor. Fenn., 28, Nr. 4, 1906. S. 1—128, 2 Taf. Siltala, A. J., (Silfveuiiis). Über den Laich der Trichopteren. Li: Arch. Hydrobiol. und Planctonkunde. Bd. IL 1906. S. 21—82, 1 Taf. [Auszug aus der obigen Arbeit]. Während die Biologie der Trichoptereiilarven, deren Metamorphose sowie ihre embrj'onale Entwicklung namentlich in neuerer Zeit eine recht gründliche Bearbeitung erfahren haben, ist unsere Kenntnis von den Eiern und der Art und Weise ihrer Ablage noch eine recht lückenhafte gewesen (von etwa 570 paläarcti sehen Arten waren die Eier nur für 27 bekannt!); dieser Umstand hat den Verf. zu einem gründlichen Studium des Trichopterenlaiches veranlasst, wozu er nach seinen bisherigen Arbeiten über die Systematik und Biologie der Trichopteren ganz besonders berufen erscheint. Eine weitere — Nr. 37—39. — — m — Uiitersucliuug über die ebenfalls wenig erforschte postembryonale Ent- wicklung der Larven wird in Aussicht gestellt. Die Einzelheiten der sehr interessanten und von bedeutender Beobachtungsgabe zeugenden Angaben über den mannigfaltig gestalteten Laich und dessen Ablage für die zahlreichen Arten von Trichopteren können hier nicht besprochen werden, dagegen sollen die hauptsäch- lichsten Ergebnisse aus dem allgemeinen Teil der S il fven ins sehen Arbeit mitgeteilt werden. Vorauszuschicken ist, dass bei den Laichmassen der Trichopteren nach dem Verf. zwei Haupttypen zu unterscheiden sind, welche sich namentlich durch die physikalische und chemische Eigenschaft der die Eier umgebenden Massen unterscheiden: die kittartigen bleiben im Wasser unverändert, haben eine plattenförmige Gestalt, schmiegen sich der Unterlage genau an und ihre Eier liegen in einer Schicht, die Längsachse parallel der Unterlage (Rhyacop hilidae, Hy drophilidae , Hydropsychidae) ; die gallertartigen Laiche quellen dagegen auf und besitzen meist die Gestalt von Klumpen (Phryganeidae, Leptoceridae, Limnophilidae, Sericosto- matidae). Das Austreten der Eier aus der Genitalöffnung er- folgt bei den Formen mit kittartiger Laichmasse meist so, dass die Eier an einer langen Schnur hintereinander angeordnet sind; eine Ausnahme bildet FJiyacophila mihila, (welche ihre Eier einzeln ablegt); bei den Formen mit gallertartigem Laichklumpen treten die Eier entweder ebenfalls an einer Gallertschnur aus (Limnophilidae, Leptoceridae, Ser icostomatidae) ; sonst liegen sie (Phryga- neidae) schon bei der Ablage in Querringen in dem Gallertstrang, was nach dem Verf. zweifellos auf einen noch zu untersuchenden abweichenden Bau der Genitalorgane der Phryganeiden zurückzu- führen ist. * Die Bildung des fertigen Laiches aus dem Strang oder der Schnur ist eine verschiedene: die Weibchen der kittartigen Laich producierenden Formen (meist mit Legescheide versehen) bringen die Eierschnur direkt auf der Unterlage an, indem sie jedes Ei für sich befestigen; ebenso verfahren die Weibchen der Phryganeidae mit ihren Eimassen, sowie die meisten Limnophilidae; dabei wird der Laich unterhalb des Wassers oder auf dessen Oberfläche abgelegt, während das Weibchen von Stelle zu Stelle kriecht oder schwimmt. Bei vielen Leptoceridae, Limnophilidae, Sericostomatidae wird die Laichmasse schon in der Genitaltasche gebildet und weist schon bei der Ablage die verschiedensten Gestalten auf. Einige Formen — Nr. 38-39. — -Be- lassen den Laich einfach in das Wasser fallen (einige L eptoceridae, Sericostomatidae, Neor)hi/lax concinnus) . Das Tragen des Laiches im Fluge, welches früher als eine allgemeine Erscheinung angesehen wurde, lässt sich nur für die Leptoceridae und Sericostomatidae nachweisen. Die Fundorte der Laichmassen sind ausserordentlich mannigfaltig; bald findet er sich mehr oder Aveniger weit vom Wasser auf Moos, in Gräben unter Brettern, an Blättern, auf Baumstämmen ; ferner an Stengeln und Blättern von Wasserpflanzen, Steinen u. dgl. m. bald über, bald unter der Wasseroberfläche; endlich am Boden der Gewässer an Steinen, Stümpfen etc. oder direkt am Grunde, Die Dauer der Eiablage ist bei FJi. mihila am grössten (etwa 1 Stunde), geringer bei den Formen mit gallertartigen Massen, die Ablage selbst kann unterbrochen und an einem andern Orte fort- gesetzt werden (Hydropsychidae, Hydrophilidae, Triaenodes hicolor)-^ die Weibchen können nach der Eiablage noch tagelang leben \Phrygmiea striata, Silo pollipes etc.). Die Veränderungen der Gallertmasse nach der Eiablage beziehen sich sowohl auf die Vergrösserung des ümfanges, als auch auf die Form und Farbe und dauern oft während der ganzen Ent- wicklung des Embryos an, wobei sie zum Teil davon abhängig sind, ob der Laich oberhalb des Wassers oder in demselben abgelegt wurde. Die Eier selbst sind meist mehr oder weniger verkürzt elliptisch oder kugelig, mit meist abgerundeten Enden; die Eischale (Chorion, sekundäre Eihülle) ist dünn, glatt, structurlos, einschichtig, nur bei einigen Hydropsychidae gefurcht oder lederartig, da sie hier die Function der tertiären Eihülle übernimmt. Die Farbe des Dotters ist grün oder gelb und kann sich mit der Zeit verändern. Die Zahl der Eier beträgt zwischen 15 [Beroeodes minuta] und 800 {Hydropsyche). Die Gallerte hat verschiedene Aufgaben zu erfüllen ; hierher gehört die Befestigung des Laiches an der Unter- lage, die Verringerung des spezifischen Gewichts bei schwimmenden Klumpen, der Schutz des Laiches gegen Austrocknen (doch können die Embryonen einiger Arten völliges Austrocknen der Gallerte über- stehen), ferner Schutz gegen Berührung der Eier mit dem Wasser, gegen Kälte (manche Trichopteren überwintern im Eistadium), even- tuell Erwärmung der Eier (bei Kugelform wirkt die Gallerthüllle als strahlensammelnde Linse) ; eine weitere Gruppe von Aufgaben besteht in dem Schutz gegen mechanische und chemische Störungen, eine dritte in dem Schutz gegen lebende Organismen (nach Analogie mit dem Laich der Frösche) u. a. m.; endlich bietet die Gallerte den. — Nr. 38-39. — — 40 — jungen Larven die erste Nahrung, sie erleichtert die Sauerstoff zufuhr (Emporheben an die Wasseroberfläche, Ansiedlung von grünen Algen), ermöglicht es den Larven, das Wasser zu erreichen (der am Lande abgelegte Laich wird durch Regengüsse hinabgespült), gibt das Ma- terial für das erste Gehäuse (allerdings nicht immer). Die Aufgaben des Kittes beschränkt sich hauptsächlich auf die Befestigung der Eier und deren Schutz gegen Feinde. Ein weiterer Abschnitt der Arbeit von Silfvenius ist der Classifikation der Trichopteren auf Grund der Be- schaffenheit des Laiches gewidmet. Zuvor bespricht der Verf die Einteilung auf Grund der Oecologie und Organisation der Larven und Puppen, wie sie von frühern Autoren aufgestellt worden ist. Gegen Fi ctet rechnet Silfvenius die Hydroptili dae zu den „larves sans etuis^S da deren Larven erst vom 4. Entwicklungsstadium an gehäusetragend sind. Es können demnach die Trichopteren in folgende zwei grosse biologische Gruppen eingeteilt werden: Larven in den meisten Stadien der postembryonalen Entwicklung ohne trag- bare Gehäuse (Rhyacophilidae , Hy drop tilidae, Hydro- psychidae) und Larven mit sofort nach dem Verlassen des Laiches angefertigten tragbaren Gehäusen (die übrigen vier Familien). Das Fehlen eines Gehäuses hat bei den Larven der ersten Gruppe das Fehlen von Kiemen und Seitenlinien und den Wegfall der Höcker des ersten Abdominalsegments zur Folge, welche Organe den Larven der andern Gruppe in der Regel alle zukommen (campodeide und raupenförmige Larven); characteristisch für die Larven der ersten Gruppe sind noch tiefe Stricturen zwischen den Abdominalsegmenten, längere Beine, stärker entwickelte Organe zum Festhalten. Auf Grund der Oecologie der Puppen wurden die Trichopteren von Fr. Müller in 2 Gruppen eingeteilt, von denen die erste (Rhyacophilidae, Hydroptilidae, nach Thienemann auch die Philopotaminae) bewegungslos in einem Gespinst ruhende Puppen besitzt. Die auf der Morphologie der Lnagines begründete Einteilung ergibt wiederum die gleichen zwei grossen Gruppen, wie bei der Einteilung der Larven, wenn man (gegen die meisten altern Autoren und mit Hagen) die Lepto- ceridae zu der zweiten, neuern Gruppe der Inaequalipalpia stellt. Was die genealogischen Beziehungen der einzelnen Familien zueinander betrifft, so bleibt es noch unentschieden, ob die Rhyaco- philidae (Klapälek) oder die Hydropsychidae (Thienemann) die primitivste Gruppe darstellen. Eine Sonderstellung nehmen die Rhyacophilidae ein: ihr meist gerades, an beiden Enden offenes Gehäuse, die ;,subraupenförmigen" Larven mit tiefen Stricturen usw. sowie Merkmale der Puppen weisen auf die erste Gruppe hin und — Nr. 38—39. — — 41 — stellen diese Familie auf eine sehr niedere Stufe. Die höchste Ent- wicklung dürften dagegen die Sericostomatidae erreicht haben. Die Limnophilidae zeigen nach dem Verf. weniger Verwandtschaft mit den Phryganeidae als mit den andern Familien mit trag- barem Gehäuse. Eine Einigung in der phylogenetischen Gruppierung der Familien ist noch nicht erzielt worden. Die Classification auf Grund des Laiches stimmt mit der oben mitgeteilten Einteilung der Larven überein ; auch sind die Gallertlaiche entschieden eine sekundäre Erscheinung, was ebenfalls für die höhere Stellung der zweiten Gruppe spricht. Auch hier zeigen •die Phryganeidae eine abweichende Stellung, indem ihre Weib- chen, gleich denen der ersten Gruppe ihren noch nicht fertig ge- bildeten Laich im Wasser befestigen. Bei den Leptoceridae ist ein Hinabtauchen der Weibchen in das Wasser wenigstens wahr- scheinlich, was sie den Phryganeidae nähert. Das Befestigen des Laiches oberhalb des Wassers ist eine spätere Anpassung an das Luftleben der Imagines und lässt auf Anfänge einer sekundären Rückkehr zum alleinigen Landleben schliessen, wie ja auch viele Larven sich bereits an das Leben ausserhalb des Wassers in feuchten Medien angepasst haben. Gegen Simroth ver- mutet der Verf., dass die Gewohnheit, Gehäuse zu bauen, sich erst später entwickelte, als die ursprünglich landbewohnenden Trichopteren zum Schutz gegen Temperaturschwankungen sekundär in das Wasser gewandert waren ; der Zweck des Gehäuses war zunächst der Schutz der Puppe. Die kleinen Unterschiede in der Form des Laiches, wie sie häufig sogar innerhalb kleinerer systematischer Einheiten vorkommen, können naturgemäß nicht entscheidend für die Festlegung der Verwandt- schaftsverhältnisse sein, sind aber w'ohl geeignet, in gewissen Fällen die Stellung kleinerer Einheiten zu characterisieren (die Gattung Neuronia der Phryganeidae ist nicht nur durch abweichenden Bau der Larve und Puppe, sondern auch durch ihren kranzförmigen Laich vor allen andern Gattungen dieser Familie ausgezeichnet). Die embryonale Entwicklung der Trichopteren bildete den Gegenstand der Untersuchungen vieler Autoren. Silfveniiis be- rührt kurz die Dauer derselben, sowie die hier maßgebenden äussern Factoren. Hervorzuheben ist, dass die Embryonen selbst beim völligen Austrocknen des (normalerweise ausserhalb des Wassers abgelegten) Laiches nicht immer zugrunde gehen, dagegen kann, wenn solcher Laich zufällig in das Wasser gelangt, die Entwicklung verzögert werden ; die- selbe Erscheinung tritt bei im Wasser befindlichem Laich durch Ver- unreinigung (Faulen der Blätter) ein. Die Eier eines Haufens ent- — Nr. 38—39. — — 42 — wickeln sich gleichmäßig, bis auf die letzte Zeit, wo das Verlassen der Eier und des Laiches mehrere Tage andauert. N. V. Adelung (St. Petersburg). 40 Baer, W., Dasyneura Jraxinea Kieff., ein neuer Schädling der Esche. In: Mitth. Zool. Instit. d. Forstak. Tharandt. V. 1907. S. 524-530. 41 Kieftei", I. I., Dasyncura fraxinea nov. sp. Ibid. S. 523—524. Die in dem zweiten Aufsatze von dem berufenen Cecidomyidenkenner in ihren verschiedenen Stadien beschriebene Art veranlasst Blattparenchymgallen auf Fraxinus excelsior und trat in den letzten Jahren in den Forsten der Stadt Annaberg im sächsischen Erzgebirge in solcher Menge auf, dass zahlreiche Eschen eingingen, nachdem sie einige Jahie hintereinander ihr Laub vorzeitig verloren hatten. Weitaus am meisten haben die Eschen da gelitten, wo sie sich auf einem ungünstigen Standort, zumal von zv/eifelhafter Bodengüte, befanden. J. C. H. de Meijere (Hilversum). 42 Becker, Th. , Die Ergebnisse meiner dipterol ogischen Früh Jahrsreise nach Algier und Tnnis. In: Zeitschr. f. Hym. Dipt. 1906. 1—16, 97—114, 145—160, 273—287, 353—367; 1907, 33—61, 97—128, 225-256, 369—407. Nachdem der Verf. früher ausfühi'liche Berichte über seine dip- terologische Ausbeute in Äg^qjten und den kanarischen Inseln ver- öffentlicht hat, enthält seine neue umfangreiche Publikation die Be- schreibung des von ihm in einem dazwischenliegenden Gebiete gesam- melten Materials. Ausser seinem eigenen konnte er auch noch einiges Material aus derselben Gegend mit in Betracht ziehen, welches sich in den Museen von Budapest, Stuttgart und Brüssel befand. Er concentrierte seine Tätigkeit hauptsächlich auf die Orte Algier, Con- stantine, Biskra und Tunis. Obgleich die allenthalben gemeinen Arten nicht aufgezählt sind, sind nicht weniger als 506 Arten in der Arbeit aiifgeführt, darunter eine beträchtliche Anzahl neuer Arten. Die Bombyliiden und Asiliden sind reichlich vertreten, dagegen werden von Tipuliden nur einige grössere Arten erwähnt. Neue (Tattungen sind: Peritta (Odontomyine), Psiatliolasins (Bombyliine), SyUegomydas (Mydaide), Strohilothrix (Asilide), Coelojms (Asilide), Empidideicus (Bombyliine), Dnpnonoeca (Dolichopodide); HeUadeinchoria (Myceto- philine), Ellipteroides (Limnobiide), Tnnisia (Ephydrine), Bisa (Agro- myzine). J. C. H. de Meijere (Hilversum). 43 Becker, Th., Zur Kenntnis der Dipteren von Central- Asien. I. Cyclorrhapha schizophora holometopa und Orthorrhapha brachycera. In: Annuaire Mus. Zoolog. Ac. Imp. d. Sc. de St. Petersbourg. XII. 1907. 65 S. mit 2 Taf. Die xVbhandlung enthält die Bearbeitung der Dipteren, welche — Nr. 38-43. - — 43 — durch die Expedition von Roborowski und Kozlov nach Gobi und Thian-Schan, bezw. durch die Expedition von Kaznakow und Kozlov nach Zaidam und Tibet gesammelt wurden. Die Ausbeute entstammt also einem bis jetzt sehr wenig durchforschten Gebiet. Trotzdem viele neue Arten in der Sammlung enthalten sind, zeigt sie doch im ganzen einen ausgesprochenen paläarcti sehen Charakter. Namentlich Ortaliden und Trypetiden sind reichlich vertreten. Dass die Bearbeitung eine zuverlässige ist, lässt sich aus dem Namen des Verf. ohne weiteres erschliessen. J. C. H. de Meijere (Hilversum). Becker, Tli., Ein Beitrag zur Kenntnis der Dipterenfauna Nord- sibiriens. In: Resultats scientifiques de l'expedition polaire russe en 1900 -1903 sous la direction de Baron E. Toll. Zool. I. 10. S. 1-6. Aus diesem wenig erforschten Gebiete werden aufgeführt: Tephrochlamis prominens Beck., Blepharoptera pleuralis n. sp., Scatophaga varipes Holnigr., aretica Beck., perfecta n. sp. , Ceratinostoma niidiseta n. sp., Microprosopa haemorrhoidalis Zett., Parydra pitsilla Meig., Borboruft vitripennis Meig., Onesia alriceps Zett. Mit Ausnahme des letzteren gehören also alle zu den Acalyptroten. Von Onesia alri- ceps wird auch das bislang unbekannte Männchen beschrieben. J. C. H. de Meijere (Hilversum). Becker, Th., Die Dipteren -Gruppe Milichinae. In: Ann. Mus. Nat. Hung. 1907. S. 507—550. Die Abhandlung bezieht sich besonders auf die erste Gruppe der Milichinen, d. h. diejenige, welche sich durch eine lappenförmige Unterbrechung der Rand- ader bei der Einmündung der Hilfsader in den Flügel-Vorderrand auszeichnet. Im ganzen gehören hierzu 44 Arten, welche alle vom Verf. berücksichtigt werden; von den meisten bis jetzt zweifelhaften Arten konnte er Typen zur Ansicht be- kommen. Die Gruppe wird in 6 Gattungen zerlegt: Milichia Meig., Ehynchomili' chia Hendel, Pseiidoniilichia n. gen., Ulia n. gen., Eceoptomma n. gen. und Mili- chiella Giglio-Tos. Auch viele neue Arten werden aufgeführt. Es bleiben nur Milichia tamaricis Bigot und Milichia minuta Walk, als unbestimmte Arten fort- bestehen , weil der Verf. nicht in der Lage war, die Typen derselben zu unter- suchen. J. C. H. de Meijere (Hilversum). Bezzi, M., Leptidae et Empididae in insula Formosa a dar. H. Saute rcollectae. In: Ann. Mus. Nat. Hung. V. 1907. S. 564-568. Ausser der Beschreibung von 4 neuen Arten aus den Gattungen: Chryso- piliis, Parahyhos, Elaphropcza gibt Verf. eine Bestimmungstabelle aller bekannten Elaphropeza- Arteji. J. C. H. de Meijere (Hilversum). Bezzi, M., Eine neue AphoehantJius-Kri aus dem paläarc- ti sehen Faunengebiete. In: Zeitschr. f. Hymen, und Dipt. 1908. S. 26—36. — Ulteriori Notizie sulla ditterofauna delle Caverne. In: Atti Soc. Ital. Scienze nat. XLVL S. 177—187. - Nr. 43—48. — — 44 - Die erste Arbeit ist weniger wegen der Beschreibung der neuen Art von Interesse, als deswegen, weil sie eine Bestimmungstabelle der j)aläarctischen Bo mbylii den - Gattungen mit an der Basis breit getrennten Fühlern enthält. Diese Gattungen werden ausführlich charakterisiert. Für die gewöhnlich als Anthrax beschriebenen Formen wird aus nomenclatorischen Rücksichten der Name Hemipenthes ge- wählt, weil Anthrax für die meistens in Argyromoeba Schin. {■=^Spongostylum^\\\.) untergebrachten Arten beibehalten werden muss. Die zweite Abhandlung bezieht sich auf die Höhlendipteren, welche dem Verf. von A b s o 1 o n aus Moravien zugingen. Es waren in der Sammlung 25 Arten enthalten, alle sind als gelegent- liche Einwohner der Höhlen zu betrachten. Aber auch die 8 als echte Höhlentiere bekannte Dipteren zeigen keineswegs auffallende Anpassungen. Was die Familien anbetrifft, zu welchen die Grottendipteren ge- hören, so fehlen Helomyziden weder in Europa noch in Amerika in irgend welcher Höhle. Dann folgen die Sciariden, Mycetophiliden und Borboriden; Jdiese 4 Familien enthalten zusammen mehr als die Hälfte sämtlicher Grottendipteren. Auch in der Ausbeute von Absolon sind die Helomyziden durch nicht weniger als 6 Arten vertreten. Die Arbeit enthält auch ein Verzeichnis aller bis jetzt aus den Höhlen von Europa und Amerika bekannten Dipteren, zu- sammen 73 Arten, ausser den als Fledermausparasiteii in denselben vorkommenden Strebliden und Nycteribiiden. J. C. H. de Meijere (Hilversum). 49 Boas, I. E. V., „Larva migrans", eine Gas trophiluslar ve in der Haut eines Menschen in Dänemark, In: Monatsh. f. Prakt. Dermatologie. Bd. LIV. 1907. S. 505—513. Von Zeit zu Zeit wurden, besonders in Russland, kleine, in der menschlichen Haut Gänge grabende Dipteren -Larven beobachtet, welche von den Russen, denen es nur gelang, dieser Larven habhaft zu werden und zu untersuchen, als junge Gastrojjhilns-Larwen ge- deutet wurden. Eine ebensolche Larve erhielt Boas vor kurzem von Q V r t r u p in Rönde (Jütland) , welcher sie der Stirnhaut eines Patienten entnommen hatte. Auch Boas kommt nach ein- gehender Vergleichung mit jungen Gastrophilns-LoxMen zur Ansicht, dass es sich hier wirklich um eine solche handelte. Das Ei muss auf ein Haar des betreffenden Kindes abgelegt worden sein und die Larve sich nachher in die Haut eingenagt haben. Obgleich die Larve selbst nur in den wenigsten Fällen constatiert worden ist, ist nach den nicht wenigen vorliegenden klinischen Angaben ein - Nr. 47-49. — — 45 — solches Vorkommnis, wenn auch nicht gerade häufig, doch nicht allzu selten auch ausserhalb Russlands. Was Hypoderyna-L2iYse,n anlangt, so finden sich diese in der menschlichen Haut ebenso selten wie im grössten Teil des übrigen Europa, im Gegensatz zu der sonderbaren Häufig- keit, womit diese Larven in der menschlichen Haut in Norwegen vor- kommen. Verirrte Larven zeigen, sowohl bei Gastropliilus wie bei Hypoderma^ einen verlangsamten Entwicklungsgang. J. C. H. de Meijere (Hilversum). 50 Frey. Rieh., Übersicht der finnischen Arten der Gattungen Tachy- dromia Meig. (= Platypalpus Macq.) In: Zeitschr. f. Hymen. Dipt. 1907. S. 407 -413. Die Arbeit enthält eine dankenswerte Bestimmungstabelle der aus dem Gebiete bekannten Arten dieser sehr schwierigen und vernachlässigten Gattung. J. C. H. de Meijere (Hilversumj. 51 Frey. Rieh., Über Helophilus consimüis Malm, und ihre Verwandten. In: Meddel. af Soc. pro Fauna et Flora Fennica. Bd. 33. 1907. S. 11—14. 52 — Beiträge zur Kenntnis der Dipteren-Fauna Finnlands. Ibid. S. 67—69. Die bis jetzt ungenau bekannte Art wird ausführlich mit ihren nächsten Verwandten Helophilus frutetorum F. und vcrsicolor F. verglichen. Im zweiten Aufsatz werden die neuen Arten Hilara barbipes, Meromyza de- cora nebst einer neuen Varietät pygmaeiis von Platychirus sculatus Mg. beschrieben. Da Verf. nur ein Stück dieser auffallend dunklen, schmalen, kleinen Form be- sitzt, kann er nicht entscheiden, ob sie als eine konstante Form oder nur als eine Abnormität zu betrachten ist. J. C. H. de Meijere (Hilversum). 53 Grünberg, K. , Die blutsaugenden Dipteren. Leitfaden zur allgemeinen Orientierung, mit besonderer Be- rücksichtigung der in den deutschen Kolonien leben- den Krankheitsüberträger. Jena (Gust. Fischer) 1907. 188 S. mit 127 Textfigg. M. 4.50. Der im Titel und im Vorwort angegebene Zweck der Arbeit scheint mir in vorzüglicher Weise erfüllt zu sein. Nach einem aus- führlichen allgemeinen Teil, in welchem die Organisation der Dipteren samt ihrer Larven und Puppen besprochen wird, folgt der systemati- sche Teil, welcher mit einer Bestimmungs-Tabelle der wichtigen Dip- teren-Familien anfängt. Im weiteren Teil werden diejenigen Familien berücksichtigt, welche Blutsauger enthalten. Der Abschnitt über die Culiciden nimmt, dem heutigen Stande der Mosquito - Frage ent- sprechend, einen grossen Teil des Buches ein, und enthält wohl alles wesentliche, was z. B. dem sich für diese Frage interessierenden Arzt bei seinen betrefi'enden Studien von Nutzen sein kann; für diesen sind eben die Arbeiten der Spezialisten, wieTheobald, weniger ge- — xNr. 49-53. — — 46 — eignet, da sie in systematischer Hinsicht zu viel , andererseits zu wenig geben. Ausser den Culiciden werden folgende Familien be- handelt: Psychodidae, Simuliidae, Tabanidae, Muscidae, Pupipara; immer sind im besonderen die afrikanischen Arten er- wähnt, und deswegen sind also auch die Glossina- Arten eingehend berücksichtigt. Trotz einiger Ungenauigkeiten, indem z. B,, falls man ein sechstes Tarsalglied annimmt, diesem und nicht dem fünften die Krallen und Haftläppchen zugewiesen werden sollen, und auch die Bogennaht der cyclorrhaphen Larven sich keineswegs in der Stirn- spalte der Imagines wiederfinden kann, weil erstere sich nach meinen Untersuchungen am 1. Abdominalsegment findet, ist das Buch allen Interessenten bestens zu empfehlen, auch für diejenigen, welche sich mit den europäischen Blutsaugern beschäftigen wollen. Für diese bildet: Austen, Illustrations of blood sucking Flies, British museum, 1906, wegen der sehr schönen Abbildungen und guten Beschrei- bungen der europäischen Arten eine erwünschte Ergänzung. J. C. H. de Meijere (Hilversum). 54 Tsuzuki, J., Über die Änopheles- Arten in Japan und einige Beiträge zur Kenntnis des Entwicklungsganges der Änopheles -Ls^rxen. In: Zool. Jahrb. Abt. System. Bd. 25. 1907. S. 525—556. Mit 3 Taf. Dem Verf., der sich besonders mit den bisher kaum studierten japanischen Änojyheles-Arten beschäftigt hat, sind jetzt 5 Arten aus diesem Lande bekannt, von welchen 3 häufig sind. Von diesen 3 Arten hat er auch die Entwicklung untersuchen können und ist demnach imstande, nicht nur Dififerentialdiagnosen der Larven der verschiedenen Arten, sondern auch der verschiedenen Altersstadien der Larven einer und derselben Art zu geben. Besonders die ein- gehenden Bemerkungen über den Entwicklungsgang der AnopJieles- Larven scheinen mir auch für das Studium der ausserjapanischen Arten von hervorragender Bedeutung. Auch über den Einfluss von Temperatur und Ernährung auf die Entwicklungsdauer werden An- gaben gemacht. Des weiteren enthält die Arbeit ausführliche Be- schreibungen der japanischen Arten. Die Tafeln enthalten colorierte Abbildungen von Larven, Puppen und der Köj^fe der Imagines ; in letzteren ist namentlich auf die charakteristischen Taster zu achten. Die 3 gemeineren Arten bezeichnet Verf. einstweilen als Änopheles jesoensis, formosaensis I und formosaensis II; jede derselben sieht einer der aus benachbarten Gebieten bekannten Art äusserst ähnlich. Verf. will jedoch die Entscheidung über die Identität verschieben, bis von diesen die Entwicklungsstadien bekannt sind, indem sich _ Nr. 53-54 - - 47 — hieraus Unterschiede könnten auffinden lassen. Allerdings sind die Unterschiede zwischen den Imagines in dieser Gattung oft sehr geringfügig, doch scheint dem Ref. die Vorsicht zu weit getrieben, wenn man immer erst die Kenntnis der Larvenstadien abwarten wollte. Falls diese verschieden sind, so werden doch auch die Ima- gines wohl nicht einander ganz ähnlich sein. J. C. H. de Meijere (Hilversum). 55 Holmgren, Nils., Monographische Bearbeitung einer schal entragenden My cetophil idenlarve {Mijcetophila an- qiliformans n. sp.). In: Zeitschr. f. wiss. Zool. Bd LXXXVIII 1907. S. 1—77. 5 Taf. 2 Fig. im Text. In den südamerikanischen Urwäldern leben auf den Blättern des Bambusrohrs die kleinen schneckenartigen Dipterenlarven, die den Gegenstand der Untersuchung bildeten. Die Larven tragen ein aus ihren Excrementen aufgebautes Gehäuse, sie bewegen sich ähnlich wie Gastropoden durch Contractionen der Fussmuskeln, wobei sie den Weg mit dem Secret von Lippendrüsen befeuchten und ernähren sich von den an den Blättern vorkommenden Schmarotzerpilzen. Zunächst wird der äussere Bau geschildert. Der Kopf ist durch Schwund der Labialteile reduciert, so dass die Kopfkapsel unten offen ist. Diese Art der Kopfbildung ist nicht mehr so ursprünglich wie der geschlossene Kopf der Chironomus - Larve. Die Mandibeln sind mit einer beweglichen Lacinia versehen, die ein gezähntes Band dar- stellt, das mit dem eigentlichen Mandibularkörper gelenkig verbunden ist und als Beissapparat funktioniert. Verf. weist darauf hin, dass eine mandibulare Lacinia bei den meisten Dipterenlarven vorkommt. Die Maxillen bestehen aus einem medialen Kieferteil und einem hier- mit unbeweglich verbundenen lateralen Tasterteil. Das Labium ist stark reduciert. Ventral am Kopfe finden sich zwei Paare von Platten, die teils den Seitenpartien des Kopfes zugehören, teils dem Mandibular- metamer entsprechen dürften. An den sieben ventral scharf von- einander getrennten Abdominalsegmenten ist die Fusssohle entwickelt. Die Hautzellen haben am Kopf die Fähigkeit, abwechselnd Schichten von schwarzgefärbtem und ungefärbtem Chitin abzuscheiden. Ersteres entsteht also nicht durch Einwirkung der Atmosphäre. Unter den Cuticularbildungen ist erwähnenswert das Vorkommen von kleinen Chitinstacheln an der Fusssohle, die so gestellt sind, dass sie bei den Kriechbewegungen sich in die Unterlage einbohren und damit die Fortbewegung ermöglichen. \ on Hautdrüsen sind erstens am Oberlippenrand gelegene Lippen- drüsen vorhanden und zweitens paarige Körperdrüsen an den ersten — Nr. 54—55. — - 48 — acht Abdominalsegmenten, deren eigenartiger histologischer Bau ge- nau geschildert wird. Im Anschluss an die Beschreibung des Muskel- systeras wendet sich Verf. gegen Stamm, der sich nicht von einer direkten Anheftung der Muskeln an die Cuticula überzeugen konnte, Holmgren fand demgegenüber, dass der M. retractor labri me- dialis sich ohne Vermittlung von hypodermalen Sehnenzellen an die Cuticula ansetzt und hält auch seine früheren Angaben aufrecht, denen zufolge bei Sarcophaga die Primitivfibrillen der sich verästeln- den Muskelfasern die Hypodermiszellen umspinnen und dann bis in die Chitinschicht eindringen. Ein weiteres Beispiel direkter Muskelinsertion schildert er auch für den Proventriculus der MycetopMla-LsiYYe. Für den genannten Darm- abschnitt ist ausserdem das Vorhandensein von glashellen Zellen charak- teristisch, die mit einem feinen Stachelsaum besetzt sind. Fädige Strukturen, die von der Cuticularschicht ausgehen, lassen sich bis in die Nähe des Zellkerns verfolgen, und legen die Annahme nahe, dass die Stäbchensäume der Arthropoden von Ciliarsäumen niederer Tiere herzuleiten sind. Vom unteren Schlundganglion geht, abgesehen von dem Nervus mandibularis, maxillaris und labialis, noch ein N. problematicus aus, der die dorsale Kopfpartie versorgt. Dieser Nerv könnte vielleicht mit dem bei anderen Mycetophilidenlarven gefundenen N. endolabii verglichen werden, ohne dass man jedoch berechtigt ist, ein beson- deres Kopfsegment (Endolabialmetamer) anzunehmen. Das Respirationssystem verhält sich bei den verschiedenen Larvenstadien abweichend. Die holopneustische llycetoji/iila-Larve ist anfänglich propneustisch, wird peripneustisch ohne Längsstämme und sodann peripneustisch mit Längsstäramen. Bezüglich der An- gaben über die Imaginalorgane und das Circulationssystem sei auf die Originalarbeit verwiesen. Die Leucocyten entstehen während der Larvenperiode aus Teilen der dorsolateralen Hypodermisschicht der Abdominalsegmente. Die Leucocyten sind also ectodermaler Herkunft. Sie haben die Fähigkeit, sich während der Histolyse zu Körnchen- kugeln umzuwandeln und können auch zu Onocyten werden. Letztere sind als Excretionszellen zu betrachten, die Ausscheidungsprodukte aus der Blutflüssigkeit aufnehmen. Die freien Onocyten stammen von den segmentalen Anhäufungen von Onocyten her. Eine neue Kategorie von Zellen beschreibt Verf. als Myzocyten. Es handelt sich ebenfalls um umgewandelte Leucocyten, sie besitzen einen Saum von feinen protoplasmatischen Härchen, haben zwar keine phagocy- tären Eigenschaften, sammeln sich aber dort an, wo Gewebsteile zer- fallen, die sie in gelöstem Zustande resorbieren. - Nr. 55. — — 49 — Der Fettkörper setzt sich aus vier Partien zusammen, die als innere Fettkörperlappen, als subvasaler Fettkörper (Pericardialzellen), subösopbagealer Fettkörper und postcerebraler Fettkörper beschrieben werden. Die jungen Fettkörperzellen vermehren sich auf mitoti- schem Wege, ihre Herkunft von Leucocyten betrachtet Verf. als wahrscheinlich und homologisiert andererseits den subösophagealen Fettkörper mit den Corpora allata. (Ein morphologischer Vergleich mit den vom Ref. zuerst unter diesem Namen beschriebenen Ge- bilden ist allerdings wohl kaum möglich.) Vorn an jeder Seite des Dorsalgetässes liegen Gruppen von Zellen, die. als Perivasalzellen beschrieben werden. Letztere umschliessen einen Knäuel von spindelförmigen Zellen (Vasalknäuel), der mit der Gefässwand zusammenhängt. Von dem Vasalknäuel werden periodisch die Perivasalzellen gebildet, die ihrerseits wieder zu den oben er- wähnten Postcerebralzellen werden. Bemerkungen über die Zerstörung der larvalen Muskeln während der Nymphose und eine Beschreibung der Imago von der neuaufgestellten Art Mycetophila ancyliformans bilden den Schluss der inhaltsreichen Abhandlung. Pt. Heymons (Berlin). 56 Kertesz, K. , Ein neuer Dipteren- Gattungsname. In: Ann. Mus. Nat. Hung. V. 1907. S. 499. Da wir für diejenigen Dipteren, welche wir heutzutage unter Clitellaria zusammenfassen, keinen Gattungsnamen vorfinden, weil gerade die als typische Art angegebene ephippium aus dieser Gattung ausgeschieden wurde , führt der Verf. für diese Arten den neuen Namen Adoxonnjia ein. Für die Art ephippium wird indessen nicht Clitellaria, sondern der älteste Name Potamida Meig. zu ver- wenden sein, wozu Clitellaria Meig. als Synonym zu stellen ist. J. C. H. de Meijere (Hilversum). 57 Kertesz, K., Vier neue Pipuneulus-kxievi. In: Ann. Mus. Nat. Ilung. V. 1907. S. 579—583. Von diesen Arten stammen 2 aus Nord- Amerika , 1 aus Formosa, eine aus Deutsch-Ost-Afrika. J. C. H. de Meijere (Hilversum). 58 Kieffer, J. J., Eine neue endoparasite Gecidomyide. In: Zeitschr. Hymen. Dipt. 1907. S. 129. Verf. beschreibt hierin Cecidomya endogena n. sp., von welcher er ein einziges Exemplar aus einer toten Larve von Tingis piri , aus Portugal, züchtete. Die Verwandlung findet in dem Wirt statt. Zusammen mit Endaphis perfidus Kieff. und der neuerdings vom Ref. beschriebenen Endopsylla agilis de Meij. sind jetzt also 3 eadoparasitische Cecidomyidenlarven bekannt; alle leben in Hemipteren. J. C. H. de Meijere (Hilversum). 59 Nielsen, J. C, The insects of East-Greenland. In: Meddel. om Grönland. XXIX. 1907. S. 365—414. Zoolog-. Zentralbl. 15. Bd. jjj. 55 kq a — 50 — Die Abhandlung befasst sich besonders mit den durch 3 ver- schiedene dänische Expeditionen nach Ost-Grönland gesammelten In- secten und gibt ausserdem eine Zusammenstellung aller von Grönland be- kannten Arten. Die grönländische Insectenfauna hat einen durchaus europäischen Charakter; die Mehrzahl gehört zu den gemeineren Nord- und Mitteleuropäischen Formen; einige finden sich auch als alpine Formen im mitteleuropäischen Gebirge und den Pyrenäen, während sie in den zvvischenliegenden Gegenden fehlen. Ausserdem enthält die Fauna manche rein arctische Art. Die Dipteren sind am zahl- reichsten, durch ] 60 Arten vertreten, die Hymenopteren durch 52, die Mallophagen durch 40, die Lepidopteren durch 39, die Coleopteren durch 26 Arten, die Collembolen durch 13, die Neuropteren durch 6 Arten. Zwischen der Ost- und Westgrönlandischen Fauna findet sich ein auffallender Unterschied, nur ist die Zahl der von der Ost- küste bekannten Arten geringer, die Westküste ist indessen bedeutend eingehender untersucht. In der Ausbeute der erwähnten Expeditionen finden sich auch einige neue Arten, von welchen 3 Dipteren in einem Appendix von Becker beschrieben werden {Fncellia pictipennis, Scato- phaga nigripalpis und Pselaphephüa arctica). J. C. H. de Meijere (Hilversum). 60 Sack, P., Beiträgezur Kenntni s der Fauna der Umgebung von Frankfurt a. M, Die Dipteren. In: Ber. d. Senckenb. naturf. Gesellsch. in Frankfurt a. M. 1907. S. 1—62. Ein Verzeichnis mit genauen Fundortsangaben, hin und wieder mit biologischen Notizen, welches eine Lücke ausfüllt, indem aus dieser Region nach 1868 kein derartiges veröffenthcht wurde. Bei der Zusammenstellung hat der Verf. nicht nur seine eigene umfang- reiche Sammlung, sondern auch die alte von Carl v. Hey den be- nutzt , in welch' letzterer mehrere Familien von Low, W i n - nertz und Jaennicke durchgearbeitet sind, so dass sie viele Typen, namentlich auch von Wi nn er tz sehen Sciara - kvien ent- hält. V. Hey den hat sich auch eifrig mit der Zucht aus Wald- holz beschäftigt, während Verf. selbst die Zucht von Wassertieren besonders betrieben hat. Der jetzt vorhandene 1. und 2. Teil enthält die Orthorrhapha. J. C. H. de Meijere (Hilversum). 61 Smith, John B., The general economic importance of Mosquitoes. In: The populär science monthly, April 1907, S. 325—329. Verf. betont, dass die Culiciden nicht nur als Überträger ver- — Nr. 59-61. — — 51 — schiedeiier Krankheiten, im besonderen von Malaria, sondern auch in anderer Hinsicht von weitestem Interesse sind. Für die Malaria- Frage kommt eben nur Änopheles, in New Jersey nur Ä. maculipennis in Betracht; überdies bilden die oft in immenser Anzahl vorkommenden Arten der übrigen Gattungen in sich selbst eine Quelle verschiedenster ungünstiger Verhältnisse. Einerseits haben die Bisse auf schwache bezw. kranke Individuen einen oft sehr schädigenden Einfluss, anderer- seits können sie auch die landwirtschaftliche Bedeutung bestimmter Regionen bedeutend herabsetzen, bald durch direkte Schädigung des Viehbestandes, bald z. B. dadurch, dass durch ihr Auftreten zur Zeit der Ernte bestimmter Gewächse kaum genügende Hilfe zu bekommen ist, indem die Arbeiter nicht imstande sind, der Mückenplage zu widerstehen. In anderen Fällen sind ganze Gegenden, welche sonst als Sommeraufenthalt zweifellos gesucht sein würden, wegen der Menge der Mosquitos nahezu unbewohnbar; oft kommt es vor, dass nach ihrer Bekämpfung durch Trockenlegen von Sümpfen und Wasser- pfützen der Wert der Gebäude unmittelbar sehr bedeutend wächst. Gerade in dieser Richtung ist man der Mückenplage schon öfters mit bestem Erfolg entgegengetreten. Weder als Larve noch als Imago sind die Culiciden in irgend einer Weise als nutzbringend zu bezeichnen; auch die von den Larven bewohnten stehenden Gewässer sind für den Menschen meistens ganz bedeutungslos, so dass kein Grund vorliegt, sie bestehen zu lassen. J. C. H. de Meijere (Hilversum). Smith, John B., Variation in Mosquito habits. In: Science 1907. S. 311—313. Verf. hat über die verschiedenen Generationen von Culex solli- citans und C. cantator Beobachtungen gemacht, besonders in Hinsicht auf die Migration. Es zeigte sich, dass unter den ca. 10 Gene- rationen bei den später im Jahre, nach Mitte August, auftretenden keine Migration vorkommt. Bei solUcitans scheint um Mitternacht eine Ruheperiode einzutreten, während bei cantator auch um diese Zeit noch einige Exemplare aktiv sind, obgleich doch bedeutend weniger als am Abend und am frühen Morgen. Die migrierenden Exemplare sind fast ausnahmsweise sterile Weibchen. J. C. H. de Meijere (Hilversum). Boas, J. E. V., Über einen eigentümlichen Sack, in dem gewisse lehne umoniden-Puppen stecken. In: Zoolog. Jahrb. Abteil. System. Bd. 25. 1907. S. 321—328. 1 Taf. Schon Ratzeburg hatte Beobachtungen über ein eigenartiges — Nr. 61-63 — 4* — 52 — Verhalten bei der Metamorphose der Ichneumonide Anomalon circwn- ßexKm, einem häufigen Schmarotzer des Kiefernspinners [Dendrolimus 2)ini) veröffentlicht. Offnet man Puppen dieses Schmetterlings, so liegen die Schmarotzerpuppen in einer von einer Haut umgebenen scholvoladenartigen Masse eingebettet, die Katzeburg für die ver- wesenden Teile der Schmetterlingspiippe hielt. Letztere Auffassung ist nach den Untersuchungen von Boas nicht zutreffend. Die ^^Scho- kolade" entspricht den während der Larvenzeit abgesonderten Fäces des Schmarotzers, in denen sich Harnsäure nachweisen lässt, und die im Mitteldarm von einer Membran umhüllt worden sind. Bei Anomalon finden diese am Ende der Larvenzeit ausgestossenen Fäcal- niassen eine Verwendung als kissenartiges Ruhepolster für die Puppe. R. Heymons (Berlin). 64 Jaiiet, Ch., Notes sur les Fourmis et les Guepes Note 19. Histogenese du Tissu adipeux rempla^ant lesMuscles vibrateurs histolyses apres le Vol nuptial, chez les reines des Fourmis. In: Compt. rend. hebd. Seanc. Acad. Sc. Paris 1907. T. 144. S. 1070—1073. 22 Fig. i. Text. Einige Wochen nach dem Hochzeitsfluge sind die Flugmuskeln der Ameisenköniginnen durch Histolyse aufgelöst worden, nur das Sarcolemma und die im Innern desselben verlaufenden Tracheen sind alsdann übrig geblieben. Leucocyten dringen jetzt in das Innere ein, besonders an den Ansatzstellen des Sarcolemms an das Integument und stellen dann die Stammzellen des Fettgewebes dar. Letztere (cellules initiales d'adipocytes) vergrössern sich, werden unregelmäßig, und ihr Kern zerfällt auf direktem Wege in eine Anzahl von Teil- stücken. Die Umwandlung zu Fettzellen geht in der Weise vor sich, dass Fetttropfen ausgeschieden werden, dass das Ganze, nämlich der ursprüngliche adipogene kernhaltige Körper (Leucocyte) und die von ihm abgesonderten Fetttropfen, von einer auftretenden Zellmembran umschlossen werden, und dass schliesslich noch albuminoide Körper- chen in grossen Massen in dem Protoplasma erscheinen. Fett und die Umsetzungsprodukte der albuminoiden Körper gelangen durch Exosmose nach aussen. Nach lebhafter Tätigkeitsperiode verliert der ursprüngliche adipogene Körper seine kompakte Form, der Leucocyten- kern zerfällt in immer kleinere Bestandteile, während der Zellleib der Adipocyte sehr voluminös wird. R. Heymons (Berlin). 65 Stange, Paul, Über die Rückbildung der Fl Halteren Scheiben bei Melophagiis ovinus. In: Abt. Anat. Ontog. Bd. 24. 1907. S. 295—322. 2 i. Text. — Nr. 63-65. — ügel - und Zool. Jahrb. Taf. 3 Fig. — 53 — Obwohl die Imaginalscheiben von Melopliagus schon früher durch Pratt zum Gegenstand der Untersuchung gemacht worden waren, gelang es dem Verf., noch manches neue über die Entwicklung der Flügel- und Halterenscheiben festzustellen. Die letztgenannten Gebilde präsentieren sich bei der jungen Larve als Hohlblasen, deren proxi- male verdickte Wand die eigentliche Imaginalscheibe ist, während die distale dünne Wandung als Peripodalmembran aufgefasst werden muss. In der Region oberhalb der Flügel- und Halterenscheiben ver- läuft ein Strang von differenten Hypodermiszellen, der mit der Bildung der Scheiben im Zusammenhang stehen dürfte. Sowohl die grossen Flügelscheiben als auch die kleinen Halteren- scheiben bilden je eine nach hinten gerichtete und in den Peripodal- raum ragende Ausstülpung, die bei den ersteren gross und zapfen- förmig ist, während sie bei den letzteren als Falte erscheint. Die zapfenartigen Ausstülpungen der Flügelscheiben sind die Flügel- anlagen, die nach dem Einreissen der Peripodalmembran frei werden und in die definitive Lage kommen. Ihre Spitze gliedert sich zu einem blasenartigen Endzäpfchen ab, das innerviert wird und als Sinnesorgan aufgefasst werden muss. Von den Halterenfalten werden die Dorsalteile des Metathorax gebildet, in denen die Stigmen gelegen sind. Die bisherige Ansicht, dass Melopliagus am Thorax ein Paar von Halteren besitze, ist also irrtümlich. Was man früher als Halteren ansah, sind in Wirklichkeit die rudimentären Flügel. Bemerkenswert ist, dass die Flügelzapfen mit einigen Borsten besetzt sind: ,,ein Erbstück von jenen Tagen, wo Melopliagus noch nicht in der Wolle parasitierte und vielleicht noch wohlausgebildete Flugorgane trug." Pt. H e y m n s (Berlin). Marshall, Wm. S., Contribution toward the Embryology and Anatom y of FoUstes pallipes IL The Early History of the Cellular Elements ofthe Ovary. In: Zeitschr. f. wiss. Zool. Bd. LXXXVL 1907. S. 173—213. 3 Taf. Die Arbeit bringt eine sehr detaillierte Beschreibung von der Entwicklung der Ovarien. Während bei Embryonen und ganz jungen Larven jede Ovarialanlage ein Syncytium ist, das gleichartige Kerne enthält, treten später Zellgrenzen auf, die verschieden grosse Zellen von einander trennen. Es lässt sich alsdann an jeder Eiröhre ein proximaler und ein distaler Abschnitt unterscheiden, von denen ersterer rundliche und grössere Zellen, letzterer kleine längliche Zellen enthält. Bei noch älteren Larven ist zwischen proximalem und distalem Abschnitt ein mittlerer Abschnitt differenziert. Die Zellen in diesen drei Abschnitten verhalten sich verschiedenartig. — Nr. 65—66. — — 54 — Im proximalen Abschnitt tritt eine Veränderung nicht ein, im mitt- leren Abschnitt differenzieren sich Oocyten und Nährzellen und der proximale Abschnitt wird zum Oviduct. Bei den Nährzellen und Epithelzellen sind Mitosen nachweisbar, die Oocyten dagegen teilen sich nach ihrer Differenzierung nicht mehr. Der Verf. beschreibt einige Vorgänge während der Synapsisphase und erwähnt das Vor- kommen kleiner, kernähnlicher Körperchen in der Umgebung des Oocytenkerns. R. H e y m o n s (Berhn). 67 Taniireuther, Geo. W., History of the Germ-Cells and early Embryology of certain Aphids. In: Zool. Jahrb. Abt. Ontog. ßd. 24. 1907. S. 609—642. 5 Taf. Die Untersuchungen wurden ausgeführt an Melanoxanthns Salicis und M. salicicola, deren Lebensgeschichte sich folgendermaßen ab- spielt. Die Stammmutter entsteht im Frühling aus einem im Herbst abgelegten Winterei. Die Fortpflanzung erfolgt parthenogenetisch und schon nach wenigen Wochen erscheint eine zweite partheno- genetische Generation. Während in der ersten aus dem Winterei entstandenen Gene- ration flügeltragende Tiere niemals auftreten, können solche in der zweiten und in der folgenden parthenogenetischen Generation vor- kommen, und zwar können bis zu 95 Vo der Nachkommenschaft einer Stammmutter geflügelt werden. Ungünstige Ernährungsverhältnisse bedingen nicht, wie vielfach angenommen wird, die Produktion ge- flügelter Formen, denn die Mehrzahl der letztern erscheint bereits in der 2. Generation, wenn Nahrungsmangel nicht vorliegt. Die ge- flügelten Formen dienen zur Verbreitung der Art auf den gleichen Nährpflanzen. Günstige oder ungünstige äussere Lebensbedingungen sind nur insoweit von Wichtigkeit, als sie die Schnelligkeit der Ent- wicklung parthenogenetischer Generationen beschleunigen oder ver- langsamen, auf das Erscheinen der Geschlechtsgeneration bleiben sie ebenfalls ohne Einfluss, Experimente in Warmhäusern und im Freien, bei reichlicher und spärlicher Nahrung zeigten jedenfalls, dass stets nach sechs parthenogenetischen Generationen (Stammmutter und Prä- sexualgeneration mitgerechnet) die Geschlechtsindividuen auftreten. Die Individuen der Präsexualgeneration bringen entweder nur männ- liche oder nur weibliche Tiere zur Welt, so dass also in der 6. oder präsexualen Generation eine Trennung der Geschlechter in gewissem Sinne bereits durchgeführt ist. Hiernach zu urteilen dürfte die Be- fruchtung für die Geschlechtsbestimmung in diesem Falle keine direkte Rolle spielen, denn es Hessen sich jedenfalls in den vorhergehenden parthenogenetischen Generationen getrennte männliche und weibliche — Nr. 66-67. — — 00 — Reihen noch nicht unterscheiden. Form und Grösse der Eier sind ebenso wie Zahl und Gestalt der Chromosomen bei den Eiern, aus denen männliche oder weibliche Tiere hervorgehen, ganz überein- stimmend. Hinsichtlich der Ursachen der Geschlechtsbestimmung lässt sich somitnichts Sicheres feststellen. Verf. neigt zur Ansicht, dass vielleicht die auf feinen Structurverschiedenheiten beruhende grössere oder geringere Energie der Chromosomen die Geschlechtsbestimmung herbeiführen möge. Die Normalzahl der Chromosomen beträgt 6, und zwar sind stets 4 grosse und 2 kleine Chromosomen sowohl bei den parthenogene- tischen Generationen als auch bei der Geschlechtsgeneration vor- handen. Beim Studium der Spermatogenese ergab sich, dass in der Prophase der ersten Spermatocytenteilung drei bivalente Chromosomen gebildet werden, so dass durch diese Teilung zwei grosse und ein kleines Chromosom in jede Spermatide übergehen. Bei den Eiern der parthenogenetischen Generationen wird nur ein Richtungskörper- chen gebildet, in der Prophase der zur Bildung desselben führenden Reifungsteilung geht die Teilung der 6 Chromosomen in üblicher Weise ohne Reduction wie bei der Teilung somatischer Zellen von statten. Furchungskern und das im Eiplasma gelegene und längere Zeit hindurch nachweisbare Polkörperchen erhalten also je 6 Chromo- somen. Bei den Eiern der Geschlechtsgeneration kommt es zu einer Reduction, es werden zwei Richtungskörperchen gebildet. Die Entwicklungsgeschichte der parthenogenetischen Eier und der befruchteten Eier weicht nur in nebensächlichen Punkten von- einander ab. Bei den letztgenannten Eiern teilt sich der Furchungs- kern im Centruin des Eies und bildet zwei Tochterkerne. Abkömm- linge beider Tochterkerne tragen zur Blastodermbildung bei, aber nur die Abkömmlinge des einen beteiligen sich an der Bildung des Keimstreifens. Eine Anzahl von Furchungskernen bleibt im Ei zurück und bildet die Dotterkerne. Einen gewissen Eintluss auf den weitern Verlauf der Entwicklung übt das Nährmaterial aus. Bei den parthenogenetischen Tieren sind die Nährzellen der Endkammer spär- lich entwickelt. Ihre Eier enthalten daher wenig primären Dotter, und die Ernährung des Eies geschieht durch den secundären Dotter, der am Hiriterende eindringt. • Bei diesen Eiern findet nur eine sehr unvollkommene Einstülpung des Embryos in den Dotter statt. Um- gekehrt ist bei den Eiern der Geschlechtsgeneration die Versorgung mit primärem Dotter eine so reichliche, dass das Ei schon vor Bil- dung der beiden Richtungskörperchen seine definitive Grösse erlangt hat. Secundärer Dotter kommt bei dem Wachstum des Embryos — Nr. 67. — - 56 — später auch noch hinzu. Bei diesen Eiern ist die Invagination des Embryos in den Dotter sehr stark ausgeprägt, R. Heymons (Berlin). 68 Kühler, A., Untersuchungen über das Ovarium der Hemi- pteren. In: Zeitschr. f. wiss. Zool. Bd. LXXXVII. 1907. S. 337—381. 2 Tai Gegenstand der Untersuchung war der feinere Bau des Ovariums verschiedener Hemipteren. Die Ergebnisse weichen in manchen Punkten von den Angaben früherer Forscher ab, mehrere strittige Punkte Averden klargelegt und hierdurch namentlich eine Übereinstimmung mit den durch entwicklungsgeschichtliche Untersuchungen an andern Insectenformen gewonnenen Resultaten erzielt. Die wichtigsten Be- funde sind die folgenden. Die Peritonealhülle des Ovariums ist bei jungen Tieren deutlich mehrschichtig, bei altern Tieren nimmt die Zahl der Schichten ab. Eine Vermehrung der Peritonealzellen findet nur bei jugendlichen Tieren statt und geht auf mitotischem Wege vor sich. Die Tunica propria setzt sich aus zwei structurlosen La- mellen zusammen, die bei jungen Tieren durch eine Zwischenschicht getrennt sind. Da späterhin diese Zwischenschicht degeneriert, kommt es zu einer Verschmelzung der beiden Lamellen, die dann nicht mehr voneinander unterschieden werden können. Ihre Entstehung verdankt die Tunica propria einem Secretionsvorgange, die innere Lamelle wird von den wandständigen Zellen der Endkammer ausgeschieden, die äussere von den Zellen der Zwischenschicht gebildet. Die Endfadenzellen und Epithelzellen der Endkammer sind von gleicher Herkunft, aber scharf unterschieden von den Geschlechts- zellen der Endkammer. Dieser Unterschied ist selbst dann ausgeprägt, wenn Endfaden und Endkammer nicht, wie es in der Regel der Fall ist, voneinander durch die Tunica propria getrennt sind. Der End- faden ist lediglich ein elastisches Band und somit als Aufhängeapparat anzusehen. Der Eiröhrenstiel weist erst auf spätem Stadien Faltungen auf. Zwischen dem untersten Ei und dem Eiröhrenstiel bleibt bis zur Ablage ein Zellenpfropf erhalten. Bei Besprechung der Endkammer macht Verf. in Übereinstim- mung mit andern Autoren darauf aufmerksam, dass es zur Vermei- dung von Irrtümern und Täuschungen unbedingt notwendig ist, die histologischen Verhältnisse bei ganz jungen Tieren zu untersuchen. Die Endkammer ist ausgestattet mit einem Epithel wandständiger Follikelepithelzellen, ihr Inneres ist von Geschlechtszellen angefüllt, zwischen denen nur ausnahmsweise Epithelzellen eingesprengt sind. Die Differenzierung der Genitalzellen spielt sich schon in embryonaler — Nr. 67-68. — — 57 — Zeit, ab und führt zur Bildung von Keimzellen und Nährzellen. „In- differente^' Zellen kommen gar nicht in Frage. Die Vermehrung ist eine mitotische, soweit die Follikelzellen der Endkammer, die Keim- lagerzellen und jugendlichen Nährzellen in Frage kommen. Amitotische Teilungen kommen vor bei den ausgebildeten Nährzellen und Follikel- zellen der Eikammern, ihre Bedeutung ist eine ganz andere als die der mitotischen Teilungen, indem die Amitose nicht zu einer Zell- vermehrung führt, sondern lediglich die Bedeutung einer Differen- zierungserscheinung hat. Sie findet statt bei Zellen, die sich zur Assimilation oder Secretion vorbereiten, und sie findet ferner statt in bereits assimilierenden Geweben. Die Amitose bezweckt in diesen Fällen eine Vermehrung der tätigen Kernsubstanz. Die Nährzellen liefern das zur Ernährung der Oocyten notwendige Material, das dieser durch Nährstränge zugeführt wird, dagegen tragen die Follikelepithelzellen der Eikammern nicht zur Ernährung bei. Die in der Oocyte auftretenden Körner sind als aufgespeichertes Reservematerial aufzufassen. Zum Schluss werden noch nähere Angaben über den feinern Bau des Chorions und der Eistrahlen von Nepa cine7~ea gemacht. R. Heymons (Berlin). Amphineura. NoAvikoflf, M., Über die Pt ückensinnesorgane der Placo- phoren, nebst einigen Bemerkungen über die Schalen derselben. In: Zeitschr. f. wiss. Zool. 88. Bd. 1907. S. 153—186. 2 Tafeln. Verf. untersuchte Arten der Gattungen Tonicia (3), Acantho- pleiira (3), Enoplochiton [1), Schizochiion (1) und Chiton (2). I. Die Schalenaugen. Die Linsen zeigen auf Schuften eine konzentrische Schichtung, die an die Struktur der Stärkekörner erinnert. An ent- kalkten Schnitten konnte Verf. ausserdem radiäre Bälkchen und Knotenpunkte auffinden, die einen wabigen Bau wahrscheinlich machen. Die Linse wird durch eine einzige Bildungszelle abgeschieden, die vermutlich s})äter zugrunde geht. Die Ftetina besteht aus Sehzellen und Zwischenzellen. In den Sehzellen findet er stark färbbare Binnen- körper, den Phaosphären bei Scorpionen, Salpen u. a. vergleichbar; Verf. hält sie nicht für specifische Bestandteile der Sehzellen, da er ähnliche Bildungen auch in einigen Epidermiszellen von Ch. olivaceiis beobachtete. Die Zwischenzellen tragen eine Menge langer Fasern, die den Glaskörper zusammensetzen. Der Glaskörper wird wahr- scheinlich nur von den Zwischenzellen erzeugt. Seine Ausdehnung und Gestalt wechselt nach den Arten. Der vom Auge selbst nicht — Nr. 68-69. — — 58 — eingenommene freie Eaum des Aiigenbulbus ist von reichlich ver- zweigten, durch ihre Fortsätze verbundenen Füllzellen erfüllt, die epi- thelialer Herkunft sind. — II. Die Aestheten. In ihnen kommen zwei Arten Zellen vor, Sinneszellen und Füllzellen; die Drüsenzellen, die bei einigen Arten fehlen, betrachtet Verf. als durch intensive Secretion stark angeschwollene Füllzellen ; ihr Secret dient vermut- lich zum Aufbau der Scheitelkappen, event. auch der Nebenkappen. In jedem Micraestheten liegt nur eine Zelle, die mit den Füllzellen der Megalaestheten identisch ist. Die Linse der Schalenaugen kann nicht eine modifizierte Scheitelkappe sein; denn die Linse liegt unter einer Schicht der Kalkschale, die Scheitelkappe oberflächlich im Zu- sammenhang mit dem Periostracum. Vielleicht sind beide von den Mantelstacheln abzuleiten: die Linse vom kalkigen Teil des Stachels, die Scheitelkappe von dem Chitinbecher desselben. Die Megalaestheten sind Sinnesorgane ; eine weitere Funktion derselben sowie die der Micraestheten besteht in der Bildung des sogen. Periostracums und im Schutz der kalkigen Schalen durch die Kappen gegen Algen und andere kalkauflösende Microorganismen. Bei den mit wenigen Micrae- stheten versehenen Acanthojüeiü'a-Arten ist die Schalenoberfläche be- schädigt, bei den übrigen Arten mit zahlreichen Micraestheten da- gegen unbeschädigt; mit der Schutzfunktion der Micraestheten hängt es wohl auch zusammen , dass sie oft um Schalenauge und Megal- aestheten besonders dicht angeordnet sind. — III. Die Faser stränge, die zwischen Aestheten und Augen einerseits und Epithel andrerseits verlaufen, enthalten Füllzellen und Nervenfaserbündel. Interessant ist, dass innerhalb der Epidermis die ganz feinen Nervenfasern intra- cellular in kettenartigen Keihen der länglich-polygonalen Epithelzellen verlaufen [Ch. olwaceits) ; Verf. hält sie für Differenzierungsprodukte des Protoplasmas der Epithelzellen. B. Hesse (Tübingen). Amphibia. 70 Tretjakoff', D., Die vordere Augenhälfte des Frosches. In: Zeitschr. f. wiss. Zool. 80. Bd. 19,J6. S. 327—410. 3 Tafeln. Die Untersuchungen betreffen den Bau des Ciliarkörpers , der Iris, des Gewebes, das den Winkel der vorderen Augenkammer aus- füllt, sowie die Gefässverteilung des Annulus pericornealis bei Bana fusca und esculenfa. Das Kammerdreieck erreicht in seinem oberen und unteren Abschnitte nicht die Grenze zwischen Hornhaut imd Sclera. Es enthält oben und unten je einen M. protractor lentis (dors. und ventr.) und einen M. tensor chorioideae (dors. und ventr.). Ein Muskel, der dem Protractor lentis analog wäre, ist bis jetzt aus keiner anderen Wirbeltierklasse bekannt. Bei der Kröte sind — Nr. 69-70. — — 59 - die Linsenprotractoren in gleicher Lage, aber weit entwickelterem Zustand vorhanden. Ihnen ist wahrscheinlich das Vortreten der Linse bei der Accomniodation, das B e e r beobachtet hat, zuzuschreiben. Den Bewegungen der Linse muss der Glaskörper und diesem wieder der Augenhintergrund folgen, Bewegungen, bei denen höchst wahrschein- lich die Ciliarmuskeln eine bedeutende Bolle spielen. Die Ciliar- muskeln (M. tens. chor.) fehlen in der Mitte des temporalen und be- sonders des nasalen Abschnittes ; es sind also zwei getrennte Portionen, ein dorsaler und ventraler Tensor chor. vorhanden. Ebenso sind zwei Schlemmsche Sinus da, ein dorsaler und ein ventraler, die sich nicht ganz so weit erstrecken, wie die Ciliarmuskeln ; beide ver- einigen sich einerseits mit den Conjunctivalblutgefässen, andererseits mit den Chorioidalgefässen. Bei der Accommodation übt wahrschein- lich die Flüssigkeit der vorderen Augenkammer einen Druck auf die Sinus und verdrängt damit die darin enthaltene, der Blutkörper ent- behrende Flüssigkeit. — Die Iris des Frosches zeichnet sich durch die Anwesenheit des ventralen Pupillarknotens aus, eines Derivats der Augenblasenspalte ; derselbe enthält beim erwachsenen Tier ein verdicktes, modifiziertes Stroma, stellt jedoch in der Embryonalperiode ein Gebilde rein epithelialer Herkunft dar. — Betreffs der Gefäss- verteilung in der Iris und dem Corpus ciliare bestätigt Verf. die An- gaben von H. Virchow. Die Gefässe des episcleralen Netzes sind dermaßen angeordnet, dass die Hauptmasse des arteriellen Blutes zum dorsalen Abschnitt des Annulus pericornealis strömt; die Haupt- masse des venösen Blutes fliesst im ventralen Abschnitt ab. Die Arterien des Lides und des episcleralen Netzes gehören dem System der A. occipito-vertebralis an, die Arenen dem System der V. cutanea magna. R. Hesse (Tübingen). Aves. Botezat, E., Die Nervenendapparate in den Mundteilen der Vögel und die einheitliche Endigungsweise der peripheren Nerven bei den Wirbeltieren. In: Zeitschr. f. wiss. Zool. 84. Bd. 190S. S. 2C5— 360. 5 Tafeln. 'Die Untersuchungen wurden mit Hilfe der Golgi sehen Methode, der Chlorgold- und der Methylenblaufärbung gemacht. — Die Cutis der Mundhöhlen- und Zungenschleimhaut der Vögel ist von einem Geflecht markhaltiger Nervenfasern durchsetzt, das in den tieferen Schichten lockerer ist, in den höheren immer dichter wird ; die Endi- gung der Nervenfasern erfolgt mit besonderen Apparaten, die teils frei, teils mit verschieden gestalteten Nebenapparaten versehen, sich über die verschiedenen Schichten der Epidermis und Cutis verteilen. — Nr. 70-71. — - 60 — Am Periost endigen die Nerven mit einem Fibrillennetz, das in den tieferen Schichten desselben gelegen ist. Die Endapparate an den Muskeln haben rundliche oder ovale Endplatten, die aus einem ge- schlossenen Netz von Neurofibrillen bestehen ; es legen sich ausserdem an die Muskelfasern noch auffallend dünne markhaltige Nervenfasern mit einem lockeren terminalen Netz an, bei denen Verf. im Zweifel ist, ob sie als sensible oder trophische Fasern aufzufassen sind. An den Blutgefässen breitet sich im perivasculären Gewebe bezw. den oberflächlichen Schichten der Adventitia ein weitmaschiges, aber völhg geschlossenes Netz von Neurofibrillen aus, mit longitudinal ge- streckten Maschen. Auch in der Muscularis der Gefässe sind Nerven- apparate in Gestalt von Fibrillennetzen vorhanden, wovon 2 Arten unterschieden werden. Betreffs der Nervenendigungen in den Schleim- drüsen der Mundhöhle findet Verf., wie Dogiel an Tränendrüsen von Säugern, dass die einzelnen Drüsenzellen von Neurofibrillennetzen allseitig umgeben werden. Von den Nervenendapparaten der Haut lassen sich die der Cutis (A) einteilen in freie Nervenendapparate (I) und in solche mit Neben- organen (11). Im Cutisstroma finden sich (I, 1) dichte baumartige Endnetze, in denen die durch wiederholte Teilung entstandenen Fibrillen wieder untereinander in unregelmäßiger Weise in Verbin- dung treten, wodurch ein Netzwerk von Neurofibrillen entsteht. Knäuel- artige Terminalnetze in den Cutispapillen (I, 2) waren bisher nur von der menschlichen Haut bekannt; Verf. fand solche auch bei Vögeln in den grossen Cutispapillen, die in die Hornzähnchen des Gaumens hineinragen. In den oberflächlichen Schichten der Cutispapillen liegen verhältnismäßig lockere, geflechtartige Terminalnetze (I, 3). In den oberflächlichsten Cutisschichten der verschiedensten Hautstellen treten baumartige Endnetze (I, 4) auf, die Verf. als besondere Endapparate ansieht, weil sie nicht ausschliesslich cutan sind, sondern auch zum Epithel in gewisse Beziehungen treten: die gesamte Oberfläche der Cutis ist mit einem continuierlichen Netz von Neurofibrillen versehen, das aus markhaltigen Nervenfasern hervorgegangen ist, — Unter den Nervenendapparaten mit Nebenorganen (II) unterscheidet Verf. zu- nächst 2 Hauptgruppen: Merkeische Körperchen (a) und Kolben- körperchen (b). „Die Merkeischen Körperchen zeichnen sich durch den Besitz von ausgesprochenen sog. Tastscheiben als Nervenend- gebilde aus, die Kolbenkörperchen hingegen haben den characteristi- schen Aufbau aus einer Doppelsäule von gegeneinand ergekehrten, wurstförmigen Zellen, welche einen Hohlraum einschliessen, durch den die kolbige Achsenfaser des zutretenden Nerves hinaufzieht." Die Merkeischen Körperchen sind entweder ohne Kapsel, frei (eigentl. - Nr. 71. - — 61 — M. K.; II a 1) oder eingekapselt (Grandrysche K; II a 2). Jene sind (ß) einfach, d. h. bestehen nur aus einer Zelle, oder {ß) zu- sammengesetzt, d. h. bilden Gruppen, Säulen oder Doppelsäulen, je nach der Zusammenordnung der Tastzellen. Der Tastmeniscus, der den Zellen in Form einer Scheibe anliegt, stellt sich als flach aus- gebreitete Perifibrillärsubstanz dar, in der das dichte, vollkommen geschlossene Neurofibrillennetz liegt; dieses stammt von einer dicken Nervenfaser. Ausserdem sind die Körperchen von einem lockeren peri- cellulären Neurofibrillennetz umgeben, das aus einer dünnen Nervenfaser entsteht. Die G ran d ry sehen K. kommen nur bei Nachtraubvögeln und bei den Lamellirostres vor ; ihre Innervation stimmt mit derjenigen der freien M. K. ganz überein. — In den Kolbenkörperchen (Vater- Pacinische und Herbstsche K. ; II b) bildet die dicke Nervenfaser im Hohlraum des Innenkolbens ein Band, bestehend aus einem Neuro- fibrillennetz, das den Innern Flächen der Kolbenzellen gemeinsam an- liegt. Seitliche Ausläufer (Neurofibrillenbündel) von diesem Band bilden zwischen den übereinander liegenden Kolbenzellen eine Art Tast- scheiben, die ebenfalls aus_ einem dichten Neurofibrillennetz bestehen. Eine dünne Nervenfaser löst sich in ein korbartig den Innenkolben umspinnendes Netz von Neurofibrillen bezw. Fibrillenbündeln a\if. — Ein vergleichender Überblick führt den Verf. zu der Überzeugung, dass die Tastzellen der Merke Ischen und Kolbenkörperchen bei Amphibien, Reptilien, Vögeln und Säugern epithelialen Ursprungs sind, gleichviel ob die Körperchen im Epithel oder im Bindegewebe liegen, und dass alle diese Tastkörperchen untereinander in stammes- geschichtlicher Verwandtschaft stehen. Die Nervenendigungen in der Epidermis (B) teilt Verf. ein in 1. einfache Nervenenden mit Terminalknöpfchen, 2. Nervenenden mit lockeren pericellulären Netzen und 3. Nervenendapparate der Ge- schmacksknospen. Die Terminalknöpfchen der einfachen Intraepithelial- nerven sind kleine Neurofibrillennetze, die in Perifibrillärsubstanz einge- bettet sind und gleichsam primitive epicelluläre Tastscheiben bilden ; das gilt nicht nur für die Vögel, sondern für die ganze Wirbeltierreihe. Geschmacksorgane kennen wir bei Vögeln erst durch den Verf. ; er fand sie zuerst am Gaumen des Sperlings, wo ,,die ganze Basis der Mundhöhle von dem Absatz am Grunde der Zunge bis in die Speise- röhre hinein mit ihnen versehen erscheint" ; besonders' zahlreich sind sie im drüsenreichen, schleimigen hintern Teil des Gaumens. Ab- weichend von den übrigen Wirbeltierklassen unterscheidet Verf. bei den Vögeln zwei Kategorien von Geschmacksknospen : solitäre und Drüsenknospen, die sich durch ihr Vorkommen unterscheiden ; die Drüsenknospen sind an die Ausführungsgänge der zahlreichen Schleim- — Nr. 71. — - 62 - drüsen gebunden und werden zum Teil von dem Ausführgang durch- brochen, so dass die Endknospenzellen diesen rings umgeben. An den Knospen sind dreierlei Endapparate vorhanden ; ein subgemmales, dichtes Cupulanetz, ein intragemmales, ebenfalls dichtes pericelluläres Netz und ein perigemmales lockeres Netz. Die intragemmalen Nerven bilden Netze, die sowohl die Deck-, als auch die Geschmackszellen korbartig umgeben. Die Endapparate aller peripheren Nerven der Wirbeltiere, sofern nicht, wie bei den höhern Sinnesorganen, Nervenzellen den Terminal- apparat ausmachen, lassen sich auf einen allgemeinen, im Princip gleichartigen Grundtypus zurückführen, welcher in einem geschlossenen Terminalnetz von Neurofibrillen besteht. R. Hesse (Tübingen). Mammalia. 72 Lyon, Marcus Ward, Notes on the Procupines of the Malay peninsula and archipelago. In: Proc. Un. Staates. Nat. Mus. 1907. S. 575-594. Taf. 54—57. In dieser vorläufigen Arbeit werden die Stachelschweine der malayischen Halbinsel und Inseln behandelt. In einer Bestimmungs- tabelle werden Subfamilien und Genera gesondert und ausserdem die Unterschiede noch tabellarisch mehr veranschaulicht. Unterschieden werden 2 Subfam. 1. Hystricinae mit 2 Genera Acanthion u. Thecurus und 2. Subfam. Atherurinae \\\\i Atherurus und Trichys. Davon ist das Genus Thecurus mit der einzigen Art Th. sumatrae neu. Es unterscheidet sich hauptsächlich durch geringere Grösse, andere Be- haarung, besonders der Schwanzquaste und anderes Verhalten der Stacheln, sowie gerades Schädelprofil von Acantltion. Es wird dann noch eine neue Species Atherurus tautaus aufgestellt. Zum Schluss versucht Verf. noch über die verwandtschaftlichen Beziehungen ins Reine zu kommen. Das tiefstehendste malayische Stachelschwein ist Trichys. Mit Atherurus hat es die wurzellosen Molaren und die Zahl der Sacralwirbel gemein, obwohl es manche nur ihm eigentüm- liche Besonderheiten besitzt. Atherurus zeigt Beziehungen zu Ihecurus, welches über Acanthion zu Hystrix führt. Verf. kommt dann schliesslich zum Aufstellen der folgenden Reihe: Hystrix . Acanthion . . Thecurus — Atherurus .... Trichys, wobei ' die Punkte den nähern oder weitern Grad der Verwandtschaft, der Strich die Trennung in 2 Subfamilien andeutet. M. Hilzheimer (Stuttgart). 73 Pocock, R. J., Notes upon some African Species of the Genus Felis based upon specimens recently exhibited — Nr. 72-73. — - 63 - m tlie Society's Gardens. In: Proceed. Zool. Soc. London. October 1907. S. 656—677. 1. Felis aurata Temmink hat die Priorität vor celidogasfer Temmink. Diese und F. chah/heata Smith sind auf dasselbe Fell ge- gründet. Diese Katze kann auf Grund der Farbe nicht in Lokal- forraen (local races) gegliedert werden, da rote und graue in dem- selben Gebiet nebeneinander vorkommen. Aber auf Grund der Grösse und Verteilung der Flecken und Striche können 2 Subspecies unterschieden werden: a) F. aurata celidogaster {= chali/heafa -\- neglecta). b) F. aurata aurata (= chrysothrix -\- rntila -\- cottoni). Färbung und Verbreitung beider wird angegeben. 2. Felis serralina wird in 4 Subspecies eingeteilt: servalma, liposticta, x)antasticta^ poliotricha^ von denen die 3 letzten neu aufge- stellt werden. Nach der ausführlichen Beschreibung wird eine Be- stimmungstabelle gegeben. F. servaUna ist eine gute Art, die von F. galeopardus und senegalensis wohl zu trennen ist. Die beiden letztern sind nicht identisch ; aber beide gehören zu 3. F. serval. als Subspecies, da sie wie der Serval deutliche Längsstriche auf dem Nacken und dem vordem Teil des Rückens haben, was bei F. servalma nicht der Fall ist. Diese Unterschiede gibt die Tafel sehr gut wieder. Auch F. togoensis Mtsch. ist nur Subsp. von F. serval. 4. Von Felis ocreata Gmelin = F. lyhiea de Winton werden 2 Subspecies angeführt: 1. Miigndere Schwann. 2. cafra Desm. Letzterer Name ist synonym mit obscura Desm., welche nur ein melanistisches Exemplar war. 5. Felis nigripes (Abb. des Schädels, des lebenden Tieres und des Balges). Der Schädel und Fell werden ausführlich beschrieben und gemessen, ersterer mit dem von F. ocreata und sylvestris ver- glichen. Der Hauptunterschied besteht, abgesehen von der geringern Grösse von F. nigripes in der starken Reduction des innern Höckers des obern Reisszahnes. Sie ist eine Zwergsform von F. ocreata. 6. Felis caracal. Die 4 Exemplare des zoolog. Gartens aus Süd- afrika, Jebba in Nigeria und vom Senegal scheinen eine subspecifische Trennung nicht zu rechtfertigen. 7. Felis pardus L. Subsp. leopardus Schreb. Dieser Name ge- bührt dem westafrikanischen Leoparden. Leoparden sind dem Jaguar sehr ähnlich, die indischen mehr als die afrikanischen, bei denen sich öfter sehr grosse Rosetten finden. Beide haben gemeinsame Ab- stammung. Der geographisch vom Jaguar am meisten entfernte F. pardus melanotica Günther von Grahamstown ist ihm auch am un- ähnlichsten. M. Hilzheimer (Stuttgart). — Nr. 73. — — 64 — 74 Pocock, ß. J., A nionographic revision of the monkeys of the genus Cerco^yithecus. In: Proc. of zoolog. Society of London. October 1907. 8. 677—745. 14 Tafeln und 14 Textfiguren. Verf. gibt hierin eine Übersicht aller bisher bekannt gewordenen Meerkatzen, die nötig geworden ist, da seit Sclaters Arbeit eine Menge dazu gekommen ist. Er teilt sie in 13 Gruppen und stellt für jede Gruppe, soweit dies nicht seitens der frühern Autoren ge- schehen ist, einen Typus auf. Die Gruppen sind die: 1. Patas-, 2. Diana-, 3. L'Hoesti-, 4. JErythrogaster-, 5. Fetaurista-, 6. Cephus-, I.Mona-, S. Neglecius-, 9. Nictitans-, 10. Leucampyx-, 11. Alhogularis-, 12. Aethiops-, 13. TaZapom-Gruppe, wobei ein generischer Wert allein der Pa/ai-GrujDpe = Erythrocehus Trouessart zuerkannt wird, welche im Körperbau von den andern abweicht. Alle andern Gruppen sind nur auf abweichende Farbe begründet. Ref. meint, dass mindestens der Ta/a^oM?-Gruppe (= Migoithecus Geoffroy) ein subgenerischer Wert zukomme, da sie ja auf die abweichende Höckerzahl des letzten untern Molaren begründet ist. Im übrigen ist die ausser- ordentlich fieissige und gewissenhafte Arbeit mit Freuden zu be- grüssen. Denn sie ist mit sehr gut brauchbarer Bestimmungstabelle ausgestattet, was ein Zurechtfinden in dieser grossen Afifengruppe sehr erleichtert. Jeder Species ist ferner ein Literaturverzeichnis, eine eingehende Beschreibung, Angabe der Heimat und, soweit sie neu sind, der Typus beigegeben. Vorzügliche Abbildungen, teilweise nach lebenden Exemplaren, vervollkommnen die Arbeit. Der Voll- ständigkeit halber sollen hier die neu beschriebenen Species und Sub- species aufgezählt werden. C. neglectus hrazziformis n. sbp. ; C. leucampyx carruthersi, äoggeti nigrigenis n. sbp.; C. alhogularü biirensis n. sbp. ; C. stairsi mossamhicus n. sbp. ; C. rufotindus n. sp. ; C. cephus cepJiodes ; C. tantalus n. sbp. ; C. pygerythrns ivhytei, john- stoni n. sbp.; C. nigroviridis n. sp.; C. talapoin ansorgei n. sbp. M. Hilzheimer (Stuttgart). Nr. 74. Zoologisches Zentralblatt 15. Band. 24. März 1908. No. 3. Zelle und Gewebe. Korff, K. V., Die Analogie in der Entwicklung der Knochen- iind Zahnbeingrundsubstanz der Säugetiere nebst kritischen Bemerkungen über die Osteoblasten- und Odontoblastentheorie. In: Arch. mikrosk. Anat. Bd. 69. 1907. S. 515-543. 1 Taf. Fleisclmiaini, L., Zur Bildung der Zahnbeingrundsubstanz. Ebenda. Bd. 70. 1907. S. 190—192. Studnieka, F. K., Über koUagene Bindegew ebsfibrillen in der Grundsubstanz des Hyalinknorpels, im Dentin und im Knochengewebe. In: Anatom. Anz. Bd. 29. 1906. S. 334—344. 10 Textfig. — Die radialen Fibrillensysteme bei der Dentinbil düng und im entwickelten Dentin der Säugetierzähne. Ebenda. Bd. 30. ]907. S. 209-228. 10 Textfig. Im Anschluss an seine Untersuchung über die Histogenese des Dentins schildert v. Korff die Entwicklung der Knochengrundsub- stanz, welche nach ihm ebenfalls in erster Linie aus den collagenen Fibrillen des umgebenden Bindegewebes aufgebaut wird. Diese Fibrillen werden von Bindegewebszellen unmittelbar ausgeschieden und strahlen in die Grundsubstanz an denjenigen Stellen des Knochens ein, wo ein ständiges Wachstum des letzteren erfolgen muss. Die im lockeren embryonalen Bindegewebe liegenden Fibrillen färben sich mit Rubin S. nicht so intensiv wie die Fibrillen der Knochen- und Zahnbeingruncisubstanz. Die zweite Art der Fibrillen hält Verf. für ein Umwandlungsprodukt der erstem, da die beiden Arten in einem kontinuierlichen Zusammenhange miteinander sich befinden. Während des ersten Entwicklungsstadiums beobachtet man in den Knochenbälkchen ausser den Bindegewebszellen nur zahlreiche sich kreuzende Fibrillenbündel ohne färbbare Interfibrillärsubstanz; das zweite Stadium charakterisiert sich durch eine färbbare, homo- gene, die Fibrillenbündel maskierende Zwischensubstanz, in Avelcbe wahrscheinlich die Kalksalze abgelagert werden. Die Osteoblasten und Knochenzellen, welche entwicklungs- geschichtlich als stark modifizierte Bindegewebszellen aufgefasst werden müssen, anastomosieren miteinander durch ein netzartiges Zoolog. Zentralbl. 15. Bd. Jjj. 75 7g_ 5 — 66 — System der Protoiilasmafortsätze. Ähnlich den Elfenbeinzellen stehen sie haui)tsächlich im Dienste des Stoffwechsels und der Ernährung. Ausserdem wird aber vermutlich in ihnen die interfibrilläre Knochen- substanz in Form von kleinen basophilen Körnchen vorgebildet. Die letztere Funktion wird jetzt übrigens vom Verf. auch den Elfenbein- zellen zugeschrieben. Die Osteoblasten sind stets durch Zwischen- räume voneinander getrennt, sie bilden also keine ununterbrochene Hülle um den Knochen. Teilungsfiguren hat Verf. in ihnen nie beobachtet. Der ganze Bildungsprozess des Knochens verläuft durch- aus in derselben Weise wie der des Zahnbeins. Die sog. Neumann sehen Scheiden betrachtet Verf. als ein Produkt der Zahnfasern. Er hält jedoch die Meinung Fleisch- manns, dass diese Scheiden die erste Anlage der Grundsubstanz darstellen sollen, für ganz unrichtig. Ebenso verneint Verf. das Vor- handensein des von Fleischmann beschriebenen, die Zahnbein- substanz gegen die Pulpa abschliessenden Häutchens. Eine kritische Betrachtung der Arbeiten von (legenbaur und Waldeyer führt den Verf. zum Schlüsse, dass die von den ge- nannten Forschern aufgestellte ,,noch jetzt allgemein anerkannte Lehre von den Osteoblasten als Knochengrundsubstanz bildenden Zellen" durch seine neueren Entdeckungen für ganz entkräftigt be- trachtet werden kann. Dagegen findet er in den Arbeiten von Virchow, H. Müller, Kölliker, Lieb erkühn und Spul er manche Anklänge an seine Auflassung. Auf die kritischen Bemer- kungen V. P^bners geht Verf. nur ganz kurz ein, indem er dieselben für vollständig unbegründet erklärt. In seiner kurzen Erwiderung auf den Aufsatz v. Kor ff s meint Fleischmann, dass die zwei von ihm festgestellten Tatsachen, nämlich das Engerwerden der Dentinkanälchen mit zunehmendem Alter und die Existenz des sog. Kölliker sehen Häutchens in keiner Hinsicht von v. Korff widerlegt worden sind. So lange aber diese beiden Tatsachen bestehen bleiben, bilden sie ein unüberwindliches Hindernis zur Anerkennung der Richtigkeit der v. Korff sehen Auffassung. Eine gewisse Bestätigung der v. Korffschen Befunde findet man in den beiden Arbeiten von Studnicka. In der ersteren be- richtet Verf. über die Resultate seiner Untersuchung verschiedener, nach der Methode von B i e 1 s c h o w s k y behandelter Stützgewebe- arten. Diese Methode soll zur Darstellung der Bindegewebsfibrillen sehr geeignet sein. — In dem ,, neuen", aus bereits difterenzierten — Nr. 75-78. — - 67 - Stützgeweben herstammenden Hyalinknorpel von Petromyzon ver- laufen die in Bündeln vereinigten Fibrillen entweder regelmäßig zwischen allen Zellen oder nur zwischen grösseren oder kleineren Zellgruppen. Sie fehlen gewöhnlich zwischen denjenigen Zellen, welche sich bei oder nach der Chondrogenese geteilt haben. Von diesem ,, neuen'" unterscheidet sich der ,,alte", in der embryonalen Zeit gebildete Knorpel dadurch, dass seine Grundsubstanz stets homogen aussieht. Ebenso homogen erscheint die Knorpelgrund- substanz von 3Iyxine\ die Bindegewebsfasern kommen hier nur aus- nahmsweise vor. Im Knorpel vom Menschen und von einigen höheren Wirbeltieren Avurden die Fibrillen nur „teilweise, meist am Rande des Knorpels" gefärbt. Die Placoidschuppen von ScylUum enthalten so zahlreiche Fibrillen, dass jede solche Schuppe mit einer verkalkten binde- gewebigen Papille verglichen werden kann. — In den Zähnen von 3Iyliohatis aqidla verlaufen die Fibrillenbündel grösstenteils parallel mit der Richtung der sog. Trabeculardentinlamellen. Jedes solche Bündel stellt eine Fortsetzung des Kieferbindegewebes dar. Die Ent- wicklung des Trabeculardentins erfolgt ausschliesslich aus Binde- gewebsfibrillen ; die Odontoblasten haben dabei nur eine Ernährungs- funktion. • — In den Rückenschildern von Acipenser und im osteoiden Gewebe der Teleosteer wird die faserige Struktur durch Silberimpräg- nation ganz deutlich gemacht. — Der Knochen von höheren Wirbel- tieren lässt sich infolge seines Fibrillenreichtums manchmal vom Bindegewebe ,,kaum oder überhaupt nicht unterscheiden''. Der gekreuzte Verlauf der Fibrillen in benachbarten Knochenlamellen ist nicht überall zu beobachten. ,,Sehr oft sieht man, dass alle Fibrillen in ein und derselben Richtung verlaufen oder sich mannig- faltig verflechten." — Die Fibrillen im Dentin der höheren Wirbel- tiere folgen in ihrem Verlaufe der Längsrichtung des Zahnes und stehen in einer direkten Verbindung mit dem Fibrillennetz der Pulpa. Der Bau und die Entwicklung der Dentingrundsubstanz wird von Studnicka in seiner zweiten Arbeit ausführlicher geschildert. Im Gewebe junger Zahnpapillen ebenso wie in erwachsenen Zahn- pulpen findet Verf. mit Hilfe der Silberimprägnation nach Biel- schowsky zahlreiche Fibrillen, welche in einer spongiösen oder alveolären Grundsubstanz verlaufen und deren Verhalten mit dem- jenigen der collagenen Bindegewebsfibrillen vollkommen überein- stimmt. Verf. war jedoch nicht imstande, die collagene Natur dieser Pulpafibrillen nachzuweisen, deswegen bezeichnet er sie als präcollagene oder plasmatische. — Nr. 75—78. — 5* - 68 — An der Peripherie der jungen Zahnpapille zeigen die Fibrillen eine radiale Anordnung, wie das auch v. Kor ff angegeben hat. Die Fibrillenbündel verlaufen zwischen den äussersten Pulpazellen, an deren Oberfläche sie sich pinselförmig ausbreiten. Die distalen Fibrillenteile (sog. Fibrillenkegel) verflechten sich miteinander und bilden auf diese Weise den Grenzsaum der Papille (Membrana prä- formativa). Der Saum wird bald durch das Secret der oberflächlichen Pulpazellen hyalinisiert. Nach der Ausbildung des Grenzsaumes orientieren sich die äusseren Pulpazellen zu einer epithelartigen Odontoblastenschicht , welche das Prädentin vom Pulpagewebe trennt. Die Trennung ist jedoch keine vollkommene, da die beiden Zahnteile durch die zwischen den Odontoblasten verlaufenden v. Korff sehen Fasern miteinander in Verbindung bleiben. Die radialen Fibrillen- systeme spielen allerdings eine vorübergehende Rolle ; sie treten nur am Beginn der Dentinbildung hervor. Die später entstandenen, definitiven Fibrillen liegen parallel zur Zahnoberfläche. Die Sub- stanzen zum Aulbau des Dentins, ebenso wie die Kalksalze werden auf späteren Entwicklimgsstadien von Odontoblasten geliefert. Dabei hält Verf. für wahrscheinlich, dass das Dentin auch „eines ganz selbständigen Wachstums fähig ist''. Die Reste der v. Korff sehen Fasern nebst den Fibrillenkegeln bleiben im fertigen Dentin, sogar in vollkommen ausgebildeten Zähnen zuweilen erhalten; sie stehen hier aber mit dem Pulpagewebe in keinerlei Zusammenhang. Eine besondere Art der Beteiligung von Bindegewebsfibrillen in der Dentinbildung findet Verf. in den oö'enen Nagezähnen von Cavia, wo das Zahnbein durch eine direkte Umwandlung der Grundsubstanz des Pulpagewebes entsteht. M. Nowikoff (Heidelberg). 79 Triepel, H., Die Knochenfibrillen in transformierter Spongiosa. In: Anatom. Anzeig. Bd. 29. Ergänzungsheft. 1906. S. 205—207. 80 — Die Anordnung der Knochenfibrillen in transformier- ter Spongiosa. In: Anatom. Hefte. I. Abt. Bd. 33. 1907. S. 46—79. 2 Tafeln. 81 Gerhardt, W., Bemerkung zu Tri ep eis Arbeit: „Die An- ordnung der Knochenfibrillen etc." in Heft 99. Ebenda. S. 667—668. Das Studium einiger ijathologisch transformierter Knochen (knö- cherne Kniegelenksankylosen, das Heilergebnis einer Kniegelenksresec- tion, ein Pes equinus) führt den Verf. zur Überzeugung, dass die trajectoriellen Architekturen solcher Knochen, welche übrigens auch nicht überall nachweisbar sind, von keinen trajectoriellen Structuren - Nr. 75-81. — — 69 — begleitet werden. Die feinsten histologischen Elemente der Knochen- spongiosa, die Fibrillen, verlaufen nicht in der Richtung der Span- nungstrajectorien ; ihre Anordnung stellt also nicht das Product einer functionellen Anpassung „an die gröbere mechanische Beanspruchung des Knochens '' dar. — Auf die Ansichten von Roux und Solger sich stützend, meint Verf. gegen Gebhardt, dass die Richtung des Fibrillenverlaufs nicht nur in der transformierten Spongiosa, sondern auch im normalen Knochen eine für mechanische Leistungen „nur untergeordnete Bedeutung" besitzt. Die Ursachen der Fibrillenrichtung in der Knochengrundsub- stanz sucht Verf. vielmehr auf „local begrenzte mechanische Ein- wirkungen" zurückzuführen, nämlich auf regelmäßig wiederkehrende Drucksteigerungen, die in den Hohlräumen des Knochens durch die Pulsation der Arterien bewerkstelligt werden. Die infolge dieser Druckveränderungen auftretenden Spannungen in der Wand der Hohlräume verursachen eine gekreuzte Anordnung der Fibrillen in benachbarten Knochenlamellen. Einer solchen Vermutung widerspricht jedoch der Umstand, „dass die Druckschwankungen in ununter- brochener Folge sich wiederholen, während die Differenzierung von Fibrillen nur in grössern Intervallen erfolgt." Die erörterte Verschiedenheit zwischen der Architektur und der Textur der Spongiosa beruht wohl darauf, dass die Bildung der Knochenarchitektur (durch die Tätigkeit von Ostoclasten und Osteo- blasten) einen primären, das Auftreten der Fibrillen in einer zunächst homogenen Grundsubstanz dagegen einen secundären Process darstellt. Auf die oben referierten Aufsätze Tri ep eis erwidert Geb- hardt, dass seine, auf einer Fülle von Beobachtungen begründete Theorie der functionellen Anpassung der feinsten Knochenstructuren ,, durch die Triepe Ische rein theoretische Anzweifelung vor- läufig nicht wesentlich gefährdet" sei. M. Nowikoff (Heidelberg). Zieg-ler, Studien über die feinere Structur des Röhren- knochens und dessen Polarisation. In: Deutsche Zeitschr. f. Chirurgie. Bd. 85. 1906. S. 248—263. 1 Taf. Die Grundsubstanz der vom Verf. untersuchten Röhrenknochen besteht aus Fibrillen. Der Durchmesser jeder Fibrille beträgt etwa 0,3125 |f<, was ungefähr der Hälfte der von v. Ebner angegebenen Dicke entspricht. Zwischen den Fibrillen ist kalkige Substanz ein- gelagert, deren Vorhandensein Verf. durch das Vergleichen des Flächen- inhaltes eines Fibrillenbündels (7,64 /.i ^) und des Flächeninhaltes sämtlicher in einem solchen Bündel enthaltenen Fibrillen (1,528 (.i^) zu beweisen sucht. — Die Knochenhöhlen besitzen eine Zwetschgenkern- — Nr. 79—82. — — 70 — form und sind sowohl in den äussern als auch in den innern Knochen- lamellen gleich gross. In bezug auf die Polarisation bestätigt Verf. die Angabe v. Ebner s, dass der Knochen positiv einachsig doj^pelbrechend ist. Dabei be- merkt er, dass die Hauptdoppelbrechung im Organischen liegt, ,,wozu eine schwache Doppelbrechung des Anorganischen sich addiert." Die Behauptung v. Ebners, dass die negative Doi^pelbrechung der aus- geglühten, in stark lichtbrechenden Flüssigkeiten eingeschlossenen Knochenschliffe durch das Fehlen der leimgebenden Fibrillen erklärt werden kann, bezweifelt Verf. aus dem Grunde, dass auch manche fossile Knochen, in welchen die organische Substanz mit Siclierheit nachweisbar ist, sich oft negativ doppelbrechend verhalten. M. Nowikoff (Heidelberg). 83 Botezat, E., Beiträge zur Kenntnis der Nervenenden in der Mundschleimhaut. In: Anat. Anz. 31. Bd. 1907. S. 575 —594. Der Gaumen des Maulwurfs ist dreimal so reich an Nerven und dementsprechend auch an Endorganen als der der Katze. In der Cutis der Gaumenschleimhaut finden sich in sehr beschränkter Zahl einfache Vater-Pacinische Körperchen, ausserdem schlingenartige Endnetze in den peripheren Teilen der Cutispapille und baumartige Terminalnetze an der Grenze von Cutis und Epidermis. In der Epi- dermis lallt vor allem die Anhäufung von Merkeischen Tastzellen in den gegen die Cutis vorragenden Epithelzapfen auf: diese stehen dort in Gruppen bis zu 50 Stück. Verf. konnte hier beide Arten von Nervenendigungen, die Endscheibe und das pericelluläre Endnetz, gleichzeitig an derselben Stelle zur Anschauung bringen. Die ein- fachen intraepithelialen Nerven, die einen zur Hautoberfläche senk- rechten Verlauf nehmen, sind mit ihren Scheibchen bis in die Nähe der Hornschicht des Epithels deutlich zu verfolgen. — Bei Mergus serrator ist die äussere Schnabelhaut sehr arm an Nerven, in der Zunge fehlen die für die Lamellirostres charakteristischen Herbst- schen und Gran dry sehen Körperchen ganz. Am Gaumen kommen beiderlei Arten vor, und zwar nehmen die Herb st sehen Körperchen eine vermittelnde Stellung zwischen denen der Entenvögel und den Vater-Pacinisch en Körperchen ein, die Gran dry sehen Körper- chen gehen sowohl in ihrer maximalen wie minimalen Grösse über die der Enten und Eulen hinaus. R. Hesse (Tübingen). 84 Mangold, E., Untersuchungen über die Endigung der Nerven in den quergestreiften Muskeln der Arthro- — Nr. 82—84. — — 71 — poden. In: Zeitschr. f. allg. Physiol. 5. Bd. 1905. S. 135-205. 4 Tafeln. Verf. bestätigt Biedermanns Befund an den Nerven des Krebsscheerenööners , dass hier in derselben Scheide stets zwei Achsenzylinder, in der Regel von verschiedenen Durchmessern, ver- laufen, die sich bis in die feinsten Verzweigungen ausnahmslos an einer und derselben Stelle teilen. Diese ,,diplotomische Nervenver- zweigung" konnte er an diesem Objekt bis unter das Sarcolemm in die feinsten, mit der contractilen Substanz in Contact stehenden Endigungen verfolgen. Andeutungen für ähnliches Verhalten fand er auch an den Skelettmuskeln des Krebses. In den Thoraxmuskeln von Deciictts, den Muskeln von Dytiscus und Hydrophüus und denen der Raupen konnte ebenfalls Doppelinnervation nachgewiesen werden. Nach dem Reichtum der Endverästelungen hält es Verf. für wahr- scheinlich, dass diese nicht bloss durch Abbiegen schon getrennt be- stehender Primitivfibrillen zustande kommen können, dass sich viel- mehr die Primitivfibrillen wirklich verästeln. — An dem gleichen Material wird mit der Methylenblaumethode deutlich , wie beim Herantreten der marklosen Nerven an die Muskelfasern die äussere Contur der Nervenscheide kontinuierlich in die äussere Contur des Sarcolemms übergeht, wie der oder die Achsenzylinder sich unter dem Sarcolemm noch ein- oder mehrmals dichotomisch teilen und mit ihren letzten Enden der Oberfläche der Muskelsubstanz, meist in deren Längsrichtung, aufliegen. Ein Eindringen nervöser Elemente ins Innere der quergestreiften Substanz lässt sich nicht nachweisen; ebenso fand Verf. nirgends bei Arthropoden eine Spur von Nerven- netzen im Bereiche der quergestreiften Skelettmuskeln. Ebenso lässt sich keine Beziehung der Nervenendfasern zur Querstreifung der in- nervierten Muskeln nachweisen. Besondere Nervenendorgane an den Muskeln, Endgeweihe, Endplatten oder dergl. fehlen; wahrscheinlich legen sich die Primitivfibrillen, die den letzten Nervenverzweigungen unter dem Sarcolemm entstammen, der contractilen Substanz an und übertragen den Reiz per contiguitatem. R. Hesse (Tübingen). Ei- und Samenzelle. Befruchtung. Kuckuck, M., Es gibt keine Parthenogenesis. Allgemein verständliche wissenschaftliche Beweisführung. Her- ausgeg. V. Ferd. Di ekel. Leipzig. (C. F. W. Fest.) 1907. 108 S. 31 Fig. Preis M. 3.—. Verf. sucht ,, gemeinverständlich" nachzuweisen, dass es über- haupt keine Parthenogenese gibt, speziell bei den Bienen nicht. Der Nachweis basiert in erster Linie auf den folgenden logischen Sätzen: — Nr. 84—85. — — 72 — „Das reifende Ei enthält nach der Ausstossung des ersten Polkörpers ZNvei Keimkerne, einen weiblichen (mütterlicher Herkunft) Keirakern (Eikern) und einen männlichen (väterlicher Herkunft) Keim- kern (spätem zweiten Polkörper)." ^^Der männliche Keimkern (seine Substanz, d. h. Chromosomen) im reifenden Ei führt um sehr viel geringere elektrische Ladungen, als der weibliche Keimkern (Eikern)/" Darum wechselt das reifende Ei den männlichen Keimkern (väter- licher Herkunft) durch Aufnahme eines neuen männlichen Keimkerns (Kern des befruchtenden Samenfadens, Spermakern), der dann den alten Keimkern aus dem Ei stösst. Diesen ausgestossenen alten männlichen Keimkern nennt man den zweiten Polkörper. Der Vor- gang des männlichen Keimkernweehsels heisst Pjefruchtung oder ge- nauer bezeichnet ,, Besamung." ,,Es gibt daher überhaupt keine Par- thenogenese des Eies, da alle natürlich sich entwickelnden Eier beide Keimkerne haben" usw. Sodann wird ,, bewiesen", dass Siebolds Untersuchungen über die Parthenogenese naiv waren, während Petrun- kewitschs Angaben darauf beruhen, dass er Sublimatniederschläge für Spermastrahlungen erklärte. Den positiven Beweis für das Be- fruchtetsein aller Bieneneier sieht Verf. darin, dass alle Blastoderm- kerne bei cf wie 9 gleich gross sind. ,,Also an der Parthenogenese sind nicht die Imker, sondern die genannten Gelehrten und ihre oberflächlichen und engen Anschauungen schuld. Die Imker haben stets und zu allen Zeiten der unnatürlichen und lächerlichen Lehre von der Jungfernzeugung sich widersetzt, wozu sie die dem Imker eigene Beobachtungsgabe und der im Imkerberufe unerlässliche ge- sunde Menschenverstand zwangen. Imker wiederholten zum Ärger von Baron von Berlepsch stets den Grundsatz der Entwicklung aller geschlechtlichen Organismen ,,ohne Befruchtung kein Leben", was allerdings heute so auszudrücken ist ,,ohne männlichen Keimkern (positive Kerncolloide) kein Leben", d. h. keine Entwicklung der negativen Eicolloide." ,,Mit dieser Arbeit ist nun endlich das Dogma der Parthenogenese, das wie ein Alpdruck mehr als ein halbes Jahr- hundert auf der ganzen Entwicklungslehre der Organismen gelastet hat, auf immer beseitigt. Der Imker weiss jetzt, dass er ein ehr- liches Bienenvolk pflegt, in dessen Staate es keine schwangeren Jung- frauen und keine vaterlosen Söhne gibt, sondern wo alle Gebärenden ehrliche Gattinnen und Mütter sind und alle Söhne Väter haben, wie bei allen geschlechtlichen Organismen auf der ganzen Erde." Leider kann Ref. nicht weiter auf den Inhalt der Schrift, die nach dem Herausgeber eine Befreiungstat ist, eingehen, da Verf. in einem Nachwort an die Kritiker besonders bemerkt, dass allen denen kein sachverständiges Urteil darüber zusteht, die nicht mit der — Nr. 85. — — 73 — physikalischen Chemie, Colloidchemie, Elektrochemie, biologischen Chemie, physiologischen Chemie, der modernen Physik, der Physio- logie, Embryologie und Cytologie gründlich vertraut sind und Ref. sich leider nicht jenen Bevorzugten zurechnen darf. R. Goldschmidt (München). Physiologie. Cole, L. I)., An Experimental Study of the Image-For- ming Power of various Types of Eyes. In: Proc. American Acad. of Arts and Sciences 13. Bd. 1907. S. 335—417. Verf. untersuchte das Verhalten verschiedener Tiere unter dem Einfluss zweier Lichtflächen von sehr verschiedener Grösse, aber gleicher Intensität, die sich auf entgegengesetzten Seiten der Tiere befanden. Allolohophora foetida und Bipalium leivense sind bei Einwirkung des Lichtes aus nur einer Richtung negativ phototropisch, bei Einwirkung beider Lichter ist Allolohophora indifferent, reagiert also lediglich auf Intensitätsunterschiede, während Bipalium sich etwas häufiger von der grossen Lichtfläche abwendet und so zwischen den beiden Lichtern einen Unterschied macht, was vielleicht der grösseren Leistungsfähigkeit seiner Richtungsocellen zuzuschreiben ist. Bei dem negativ phototropischen Mehlwurm (Tenebrio-Lsirve) können die Ocellen keine unterscheidbaren Bilder der beiden Lichtflächen bilden, vielleicht etwas mehr bei Oniscus asellus ; auch Feriplaneta americana ist indifi'erent bei Einwirkung beider Lichter. Dagegen zeigten Vanessa antiopa und Ranatra fusca bei positiv phototropi- schem Verhalten eine Fähigkeit, zwischen den beiden Lichtflächen zu unterscheiden und wandten sich in der weit überwiegenden Zahl der Fälle der grossen Fläche zu. Der kleine Frosch Acris grylliis wandte sich meist der grösseren Lichtfläche zu, auch wenn die Haut gegen Lichteinwirkung geschützt war; wenn aber beim geblendeten Tier, das bei Einwirkung nur einer Lichtquelle positiv phototropisch ist, die Haut beiden Lichtquellen ausgesetzt war, zeigte es sich in- different. Verf. unterscheidet demnach 4 Typen von Lichtreaktionen : A. Reaktionen augenloser Formen: gewöhnlich negativ; zuweilen positiv, und dann gewöhnlich gegenüber sehr schwachem Licht; reagieren nur auf Lichtintensität (z. B. Regenwurm). B. Reaktionen von Formen mit ,, Richtungsaugen" : gewöhnlich negativ, zuweilen positiv (z. B. Weidenbohrerlarve). Reaktion fast nur auf Lichtinten- sität. C. Reaktion auf die Grösse der Lichtfläcbe: gewöhnlich posi- tive Tiere, obwohl sie zeitweise negativ sein können (z. B. Frosch): wahrscheinlich nur wenn sie positiv sind, ist ihre Reaktion auf die Grösse des Lichtfeldes adaptiv. D. Reaktion auf bestimmte Objekte — Nr. 85-86. — — 74 — im Gesichtsfeld: hier treten gewöhnlich psychische Momente ein, welche die gewöhnlichen phototropischen Reaktionen inhibieren. R. Hesse (Tübingen). Spongiae. 87 Kirkpati'ick , R., Note on two species of African Freshwatör Sponges. In: Ann. Mag. Nat. Hist. Bd. 20, 1907, p. 523-525, 11 Fig. In dieser Mitteilung beschreibt Kirkpatricic zwei afrikanische Spongillen. Die eine , welche aus der Kapkolonie stammt , betrachtet er als eine neue Varietät (capensis) von Ephydntia flmdatilts ; die andere, welche in der Nähe von Kairo gefunden wurde, ist mit der in Indien vorkommenden Spongilla cerebellata Bwbk. (welche Annandale als eine Form von Spongilla lacustris betrachtet) identisch. Von der gewöhnlichen, europäischen Ephydatia ßuviatilis unterscheidet sich die neue Varietät capensis durch die geringere Länge ihrer Amphioxe und die grössere Länge ihrer Amphidisce. R. von Lenden feld (Prag). 88 Wilson, H. Y., On some phenoraena ofcoalescence and regeneration in Sponges. In: Journ. experim. Zool. Bd. 5. 1907. S. 345—258. Wilson hat weitere experimentelle Untersuchungen über Spon- gien angestellt, und in der vorliegenden Arbeit die Ergebnisse der- selben mitgeteilt. Zunächst untersuchte er gewaltsam isolierte, lebende Spongienzellen. Er drückte Stücke von Microciona prolifera Verr. durch Gaze hindurch. Der Brei, der hierbei entsteht, ist vor- nehmlich aus isolierten Zellen zusammengesetzt, von denen drei Arten unterschieden werden können. Die auffallendsten und zahlreichsten von diesen Zellen sind kugelige, dichtkörnige, ungefähr 8 (.i im Durchmesser haltende Elemente, offenbar die amöboiden Wander- zellen (Amöbocyten, oder Archäocyten) .des Schwammes. Diese Zellen senden nach ihrer Isolierung hyaline, schlanke und langgestreckte oder, häufiger, kürzere und abgerundete, bewegliche Fortsätze (Pseu- dopodien) aus. Die zweite, gleichfalls reichlich vertretene Zellenart sind mehr oder weniger umgewandelte Kragenzellen mit lang- gestrecktem Körper und schlanker Geissei, aber ohne Kragen. Der letztere ist zweifellos bei der Isolierung eingezogen worden. Anfangs schlägt die Geissei, und bewegt sich infolgedessen auch die isolierte Zelle im Wasser, bald jedoch hört diese Bewegung auf. Zu der dritten Art von Zellen rechnet Wilson verschiedene, in geringerer Anzahl vorkommende Formen, welche zum Teil ebenso gross wie die Körner- zellen, zum Teil kleiner sind, und deren Plasma entweder ganz hyalin ist oder nur wenige Körnchen enthält. Die amöboiden Körnerzellen heften sich sofort nach der Iso- lierung am Boden des Gefässes an und vereinigen sich auch mit- einander; in wenigen Minuten sind die meisten von ihnen gruppen- — Nr. 86-88. — — ir> — weise zu Massen zusammengetreten, von deren Oberfläche schlankere und breitere Pseudopodien vorgestreckt werden. Die Bewegung dieser Pseudopodien wurde unmittelbar beobachtet. Diese Körnerzellen- massen beginnen alsbald auch die Kragenzellen und die hyalinen Elemente, die, zwischen ihnen zerstreut am Boden des Gefässes liegen, an sich zu ziehen und sich anzugliedern. Nach einiger Zeit sind fast alle amöboiden Körnerzellen und viele von den Kragen- und hyalinen Zellen in solchen Massen vereint. Wenn solche Massen einander berühren, so verschmelzen sie. Dies kann, wenn genug von ihnen vorhanden sind, dazu führen, dass schliesslich ein grosser Teil des ganzen Deckglases, worauf sie aus- gebreitet wurden, mit einer kontinuierlichen Platte von diesem Ge- webe bedeckt ist. Die Massen erscheinen anfangs als dichte, ziemlich homogene Krusten. Bald bilden sie aber an ihrer Oberfläche eine dünne Membran, der unten eine Bindegewebeschicht angelagert wird, worauf in ihrem Innern zahlreiche Geisseikammern und andere Höhlen, welch' letztere zu Kanälen werden, auftreten. Kurze Oscularröhren erheben sich senkrecht über die flachen Krusten und öffnen sich an ihren Enden. Die Bewegung der Geissein in den Geisseikammern sowie die, aus den Osculis hervortretenden Wasserströme wurden unmittelbar beobachtet. Im Aquarium entwickeln sich die in der oben angegebenen Weise gewaltsam isolierten und dann sich zu- sammenballenden Zellen solcherart in 6 — 7 Tagen zu jungen Spongien ; im verankerten Behälter im freien Wasser in noch kürzerer Zeit. In den auf diese Weise erzeugten jungen Spongien werden die der Species zukommenden Nadeln angetroffen. Wilson scheint jedoch darüber im Zweifel zu sein, ob sie im jungen Schwämme neu gebildet wurden. Einige von ihnen, meint er, rühren sicher vom alten, zer- drückten Schwämme her.; Den Massen, woraus diese jungen Schwämme hervorgehen, wohnt keinerlei Individualität inne: ein Schwamm kann aus einer einzigen solchen Masse oder aus dem Produkt der Verschmelzung einer An- zahl von ihnen entstehen. Um die völlige Individualitätslosigkeit dieses Conglomeratgewebes darzutun, goss Wilson eine grosse An- zahl von solchen Massen in ein Gefäss, auf dessen Boden sie sich anhäuften und zu einer etwa 1 mm dicken Gewebeplatte verschmolzen. Diese Platte zerschnitt er in würfelförmige, ungefähr ein Kubik- millimeter grosse Stücke. Einige von diesen Stücken entwickelten sich, geradeso wie die ursprünglichen Massen, zu jungen Spongien. Der Autor stellte auch Versuche darüber an, ob in der oben beschriebenen Weise isolierte, von verschiedenen Spongienarten herrührende Zellen zusammentreten. Diese Versuche wurden mit — Nr. 88. — — 76 — Microciona, Lissodendon/x und Stylotella angestellt, deren Zellen in- folge der Verschiedenheit ihrer Färbung leicht von einander zu unterscheiden sind. Wie in Anbetracht der Verschiedenheit dieser drei Spongien wohl nicht anders zu erwarten war, gab das Experiment ein negatives Resultat: wohl verschmolzen die von demselben Schwämme herrührenden Zellen miteinander, nie aber Zellen, welche von verschiedenen Arten stammten. Wilson meint, dass solche Versuche, mit nahe verwandten Arten- von Hornschwämmen oder sponginreichen Monaxoniden (Chalineen) angestellt, Aussicht auf Erfolg haben dürften. Schon D e 1 a g e hat angegeben, dass aus Eiern hervorgegangene Schwärmlarven von Spongien unter Umständen zu Zellenmassen ver- schmelzen, die zu Spongien werden. Wilson hat nun diese Sache bei einer LiSsodendort/x-Art genauer geprüft und gefunden, dass die aus Eiern hervorgegangenen Larven dieses Schwammes ganz leicht zu dauernder Vereinigung zu bringen sind. Die von ihm beobachteten lAssodendoryx-La^ryeji sind eiförmig und grösstenteils mit Geissein bedeckt Das Vorderende ist abgestumpft und nur spärlich begeisselt. Das Hinterende trägt eine geissellose Vorragung. In auffallendem Lichte betrachtet erscheint die Larve in ihren mittleren Teilen weiss, während das Hinterende tiefblau gefärbt ist und das Vorderende einen leichten, bläulichen Anflug hat. Diese Larven hören 24 Stunden nach dem Ausschwärmen auf, lebhaft herumzuschwimmen, sinken zu Boden und beginnen am Grunde des Gefässes umherzukriechen. Wenn man Larven, welche sich in diesem lethargischen, dem Fest- setzen vorangehenden Stadium befinden, mit einander in Berührung bringt, so verschmelzen sie mit ihren Enden zunächst paarweise. Weiterhin kann man dann solche Paare mit andern ähnlichen Paaren zur Verschmelzung bringen und diverse unregelmäßige, fadenförmige oder kreuzartige Bildungen erzeugen, die aus einer grösseren Anzahl von einzelnen Larven bestehen. Dadurch, dass Wilson Schalen mit einer Paraffinschicht ausgoss, in dieser kleine Vertiefungen an- brachte und die Larven in diesen Vertiefungen zusammentrieb, gelang es ihm, selbst über hundert Larven zur Verschmelzung zu bringen. In den Massen, die durch die Verschmelzung der Larven entstehen, geht die Individualität der Larven schliesslich ganz verloren, und es entwickelt sich aus ihnen, wenn sie nur aus wenigen Larven hervor- gegangen sind, ohne Schwierigkeit je ein Schwamm. Je grösser die Anzahl der Larven ist, die in der Masse vereint sind, um so schwieriger scheint die Metamorphose vor sich zu gehen. Bei Massen, die aus zwanzig Larven bestanden, wurden noch Ansätze zur Meta- morphose beobachtet, die grossen, aus einer noch grösseren Zahl — Nr. 88. - — 77 — von Larven zusammengesetzten Massen entwickelten sich aber nicht weiter. Wilson meint, dass möglicherweise nicht nur Larven derselben, sondern auch Larven verschiedener Arten zum Verschmelzen gebracht werden könnten und empfiehlt das Anstellen bezüglicher Versuche. Zum Schluss betont der Autor die theoretische Wichtigkeit der Tatsache, dass die mit Gewalt isolierten Spongienzellen, wenn sie demselben Schwämme angehören, die Fähigkeit und das Bestreben haben, sich miteinander wieder zu vereinigen, dass sie sich jedoch nicht vereinigen, wenn sie von verschiedenen Spongienarten stammen. Diese Erscheinungen fasst er als Wirkungen von Kräften auf, die dem Spongienzellenplasma innewohnen und er meint, dass seine Er- gebnisse geeignet seien, die Richtigkeit der bezüglichen Anschau- ungen von Andrews darzutun, R. von Lendenfeld (Prag). Plathelminthes. Du Plessis, G., Etüde sur la Cercyra verrucosa nob. Nouvelle triclade marine. In: Revue Suisse Zool. 15. Vol. 1. Fase. 1907. S. 129—140. PI. 4. Verf. beschreibt eine Seetriclade, die er an der Gute d'Azur bei Marseille, Toulon, ferner bei Nizza und Villefranche fand, als eine neue Art unter dem Namen Cercyra verrucosa Du Pless. Die Be- schreibung macht es wahrscheinlich, dass es sich um 0. Schmidts Corfuer Cerc. hastata handelt. [Ref. fand dieselbe in genannter Gegend]. Verf. gibt zwei farbige Abbildungen. Als Vorwurf für Fig. 1 hat ihm statt der Cerc. verrucosa alias hastata unglücklicherweise eine junge Sahussoivia dioica (Clap.) gedient, wie Habitus, Darmbau und Augenlage erkennen lassen. Die Beschreibung, die nichts Neues bringt, enthält, zumal da der Verf. mit der einschlägigen Literatur wenig vertraut ist, viele falsche Angaben. Die Stirnbinde, die Verf. als absolute Eigenheit seiner neuen Art bezeichnet, ist von 0. Schmidt, Uljanin, Sabussow und Böhm ig für Cerc. hastata und iiapillosa beschrieben worden; das gleiche gilt für die „verrues (ou papilles)", nach denen Verf. seine Form benannte. Die junge, aus dem Ei ausgeschlüpfte Cerc. verru- cosa (der Abbildung nach Sah. dioica) soll in Abständen vereinzelte stärkere Wimpern tragen, die später schwinden. Das Wassergefäss- system mündet durch Poren, die besonders am Pharynx deutlich zu sehen sein sollen, nach aussen. Die Spermatozoen stehen um eine (n. Verf. bei Anneliden weit verbreitete und bei Turbellarien sehr wenig bekannte) Cytophore. Zum Schluss gibt Verf. eine Zusammen- — Nr. 88—89. — — 78 — Stellung der mediterranen Seetricladen und unvollständige Aufzählung ihrer Fundorte. Unter den Seetricladen wird auch noch die Alloi- ocoele Otoplana intermedia Du Plessis als die vollkommenste Über- gangsform von Dendrocoelen zu Rhabdocoelen angeführt. J. Wilhelmi (Neapel). 90 Mieoletzkj^, H., Zur Kenntnis des Nerven- und Excretions- systems einiger Süsswassertricladen nebst anderen Beiträgen zur Anatomie von Flanaria alpina. In: Zeitschr. f. wiss. Zool. 87. Bd. Heft 3. 1907. S. 382—434. Taf. 21—23. Verf. untersuchte in erster Linie Flanaria alpina (Dana), neben- her auch Flau, lactea 0, F. Müll. , [Dendrocoelnm lactemn Oe.), Flan. polychroa 0. Schm., Folycelis nigra 0. F. Müll, und Fol. cor- nufa 0. Schm. ; Angaben über Form, Farbe, Epithel, Muskulatur und Mesenchym von Flan. alpina. Der Darm zeigt durchschnittlich 28 bis 30 primäre Divertikel (Zahl inconstant entgegen den Angaben Wilhelmi s, der für Flan. alpina 32, bezw. bei anderen Formen ein Vielfaches der Zahl 8 fand; nach Micoletzkys Übersichtstabelle S. 413 beträgt die Zahl der Darmzipfelpaare bei Flan. lactea 32, bei Fol. nigra 16, Flan. alpina 28 (32)). Verf. bestätigt das Vor- handensein der von Wilhelmi für Süsswassertricladen und Böhmig für einige Seetricladen beschriebenen Darmmuscularis. Eine ausführ- liche Darstellung erfahren das Nerven- und Excretionssystem. An der Bildung des Gehirns von I^lari. alpina sind drei Ganglienpaare beteiligt, da drei Commissuren, sowie drei ihnen entsprechende laterale und dorsale Nervenpaare vorhanden sind ; rechte und linke Gehirn- hälfte verbindet ausser den Commissuren eine Faserbrücke. Nach vorn treten vier Nervenpaare aus dem Gehirn aus, von denen das innerste Paar dem vordem Teil der Längsnerven aufliegt und in dieselben übergeht. Das zweite Paar mündet nach Entsendung je einer Commissur mit dem dorsalen Längsnervenpaar in den vordem Randnerv. Das dritte und vierte Nervenpaar tritt in die Tentakel ein. Seitlich treten je zwei Nervenpaare aus dem Gehirn aus. Die ventralen Längsnerven verlaufen, an Grösse abnehmend, caudad und verlieren sich im Hinterende, ohne eine Commissur gebildet zu haben. Ein äusserer peripherer Nervenring liegt mehr ventral. Zwei dorsale Längsnerven stehen mit dem Gehirn durch drei Commissuren in Ver- bindung. Der Excretionsapparat von Flan. alpina besteht aus zwei Paar geschlängelter Kanäle, die zuweilen Anastomosen und in der Augen- gegend ein Netzwerk bilden. Der Pharynx ist frei von Excretions- kanälen. Die beiden lateralen Gefässe besitzen links 23 (22) Knäuel — Nr. 89—90. — — 79 — und Poren, rechts 21 (19), die medialen links 13 (11), rechts 11 (10). Flan. pohjchroa hat auf der Rücken- und Bauchseite je zwei mediale und laterale Kanäle und sehr zahlreiche Knäuel und Poren (dorsal jederseits 145, ventral 106); sie ist die einzige Art mit ventralen Gefässen und Poren. Bei Pol. nigra finden sich links 16 (16), rechts 16 (15) Knäuel und Poren, bei Pol. cornuta links 16 (15), rechts 15 (15), bei Plan, lactea links 9 (9), rechts 9 (8). Bei letztgenannter Art fand Verf., ebenfalls entgegen den Befunden Wilhelmis, keine regelmäßigen Abstände zwischen den Knäueln, ebenso keine Corre- spondenz der Darmdivertikel und Excretionsporen-Zahl. Angaben über den Geschlechtsapparat, ferner über Biologisches und Geo- graphisches. Auf Seite 430, Zeile 23, muss es statt „Schweden''' ., Nor- wegen" bezüglich Thienemanns Nachweis von Plan. al])ina heissen. J. Wilhelmi (Neapel). Crustacea. Nowikoff, M., Einige Bemerkungen über das Medianauge und die Frontalorgane von Artemia salina. In: Zeitschr. f. wiss. Zool. Bd. 81. 1906. S. 691—698. Über den beiden seitlichen Augenpartien des Medianauges von Artemia findet sich eine linsenartige Verdickung der Hypodermis, welche bei den mehr von Branchipns abweichenden Formen am stärksten ausgebildet sind. Verf. ist geneigt, die sog. Biesenzellen von Branchipus stagnalis, die früher dem dorsalen Frontalorgan zu- gerechnet wurden, jetzt als lichtbrechenden Apparat des Medianauges aufzufassen, obgleich es hier nicht die Ausbildung erreicht, wie bei Artemia. R. Hesse (Tübingen). Dofleiu, F., Brachyura. IL Biologischer Teil. In: Wissen- schaftl. Ergebn. d. deutschen Tiefseeexpedition 1898—1899. Jena 1906. 122 S. 12 Taf. 60 Textfig. Unter den bisher erschienenen Abteilungen des Valdivia-Werkes stehen Dofleins ,,Brachyura", was die Ausnutzung des Materials nach biologischen Gesichtspunkten betrifft , entschieden mit an erster Stelle. Die „Biologie" der Tiefseetiere kann für uns natürlich nur „Morphobiologie" sein. So geht auch Doflein von der Morpho- logie aus. Er stützt seine biologischen Ausführungen zum Teil auf die im T. (systematischen) Teil gegebenen tatsächlichen Daten (über Körperform usw.), vorwiegend aber auf eine eingehende Beschreibung von Sinnesorganen einiger Tiefseekrabben. Es werden zunächst eine grosse Anzahl Augen, sodann Ge- ruch sorgane und schliesslich Statocysten behandelt. Anstatt — Nr. 90—92. — — 80 - das Referat mit Namen zu überlasten, genüge es, auf den ausser- ordentlichen Reichtum an interessanten und grossenteils neuen Tief- seeformen hinzuweisen. Die ganz vorzüglichen Tafeln des Valdivia- werkes nochmals zu rühmen, wäre zwecklos. Zu fast jedem Organ, das beschrieben Avird, sind einige ebenso klare wie schöne Tafel- figuren (Totalbilder und viele Mikrotomschnitte) gegeben. Die Text-' figuren sind nicht minder gut. Die Angabe genauer mikrometrischer Masse bei den Augenbeschreibungen bürgt für die grösste Exaktheit der Arbeit. Die auf ein derartig umfassendes und sorgfältig ver- arbeitetes Tatsachenmaterial gestüzten Schlüsse werden wohl meistens in gleichem Maße von bleibendem Werte sein, wie die Tatsachen selbst. Namentlich zwei allgemeinere Gedanken durchziehen die Arbeit. Der eine betrifft die allgemeinen Daseinsbedingungen der Tiefsee. Do f lein weist mit Recht darauf hin, dass ausser den gewöhnlich erwähnten Einflüssen des Tiefseelebens auch die gänzliche Ruhe des Wassers im Gegensatz zu der bewegten Strandregion in Betracht kommt. Der zweite betrifft speziell die Brachyuren. Verf. scheidet dieselben in zwei grosse Gruppen, die flinkeren, gut sehenden, schlecht riechenden Formen mit w^ohlentwickelten Statocysten , mit lange dauernder Metamorphose und grosser Fruchtbarkeit — und die trägeren, in jeder Beziehung den erstem entgegengesetzt ausgebildeten Arten. Insbesondere sei die „See spinnenform" vieler Tiefseekrabben als Anpassung an das Leben im ruhigen Wasser hervorgehoben. Ferner verraten viele Formen durch allerhand Oberfiächenvergrösse- rungen eine gewisse Schwebefähigkeit. Hierher gehört die starke dorsoventrale Abplattung, die ausladende Stellung der Beine, die Be- deckung des Körpers mit Stacheln, die eigenartige Ausbildung der Dactylopoditen, die z. B. bei Fleistacantha einer Bürste ähnlich mit Borsten besetzt sind. In der Körpergrösse scheinen die Tiefseekrabben im allge- meinen die Formen der Flachsee zu übertreffen, wie das ja auch von anderen Tiergruppen gilt. Vielleicht ist dies eine direkte Wirkung der Kälte, meint Doflein. Über die Ernährung der Tiefseekrabben ergeben sich keine sicheren Schlüsse. — Bezüglich der Atmung ist die Erweiterung der Kiemenhöhlen, eine Anpassung an die Sauerstoffarmut, bei vielen Formen in die Augen fallend. Für den ,,Kampf ums Dasein" im engern Sinne scheinen die meisten Tiefseekrabben durch verschiedene Einrichtungen eher mit Schutz- als mit Angriffsvorrichtungen ausgerüstet zu sein. Verf. — Nr. 92. — bekämpft indessen die verbreitete, zuerst durch Verrill aufgestellte Meinung, dass die bei Tiefseetieren so häufige Rotfärbung als Kom- plementärfarbe zu dem Blaugrün des Meerwassers eine Schutzan- passung darstelle, und meint eher, die Rotfärbung entstehe erst beim Emporziehen des Netzes durch die Contraction der dunklen Chromato- phoren oder sei in einigen Fällen, bei functionslos gewordenen Augen, eine Folge von dauernder Chromatophorenstarre. In den Augen der Tiefseekrabben fand Doflein bei keiner Form aus mehr als 100 m Tiefe so viele und kleine Augenkeile wie bei den typischen Strandformen der Tagregion. Im einzelnen sind folgende Gruppen von Augen zu unterscheiden: I. Einfache Dämme- rungsaugen mit wenigen Augenkeilen und mäßigem Iris- und Retinapigment in Nachstellung. IL Iridopigmentäre Augen, ohne Retinai)igment. Beide Arten von Augen empfangen meist, ob- gleich nicht immer, Superpositionsbilder. III. Reflectoraugen, ausgezeichnet durch ein Tapetum, in ihrer Vollendung bei Platymaja wywille-ihomsoni entwickelt. Ein Superpositionsbild ist ausgeschlossen, das Appositionsbild ist infolge der breiten Cornealinsen, der kurzen Krystallkegel und des Tapetums relativ lichtstark. Auch mag dieses Auge durch sein Tapetum ähnlich einem selbstleuchtenden Organ wirken. IV. Pigmentlose Augen, vermutlich meist rückgebildete Organe. V. Linsen äugen mit wenigen Augenkeilen, sehr kurzen Krystall- kegeln und breiten Cornealinsen , wiederum zum Empfangen licht- starker Appositionsbilder. Was die Ursachen für die in manchen Fällen eingetretene Rück- bildung der Augen betrifft, so stellt Doflein das Gesetz auf, dass die Crustaceen mit rückgebildeten Augen jeweils eine abgekürzte Metamorphose oder eine direkte Entwicklung durchmachen. Da diese Formen also keine wanderfähigen Larven besitzen, ist ein andauernder Aufenthalt im Tiefseedunkel gewährleistet, welcher eine Unterdrückung der Pigmentbildung physiologisch zur Folge hat. Pig- mentverlust und Rudimentärwerden der Augen aber hängen eng mit- einander zusammen. Das Geruchs organ der Decapoden liegt in den hohlen Haaren der Aussengeissel der Innern Antennen. Diese Geissei ist nun nach Doflein bei den Tiefseekrabben durchweg länger als bei den Flach- seeformen, wo die lebhaftere Wasserbewegung eine kürzere und damit vor dem Abbrechen besser geschützte Geissei erfordert. Ferner zeigt das Geruchsorgan innerhalb der Reihe der Tiefseekrabben ver- schiedene Abstufungen, je nachdem unter jedem Riechhaar nur eine einzelne nervöse Riech spindel gelegen ist, oder diese Spindeln unter Vermehrung ihrer Zahl sich zu einem proximalwärts (eventuell bis in Zoolog. Zentralbl. 15. Band. jijj. 92 6 — 82 — das vorangehende Stilglied gerückten) Riech lobus vereinigen; und es ist interessant, dass die Abstufungen sich auf die verschiedenen Arten genau umgekehrt wie die Stufen in der Ausbildung des Seh- organs verteilen. Unter den Statocysten unterscheidet Doflein I. offene Stato- cysten, IL geschlossene Bläschen ohne Otolithen. Grosse Statocysten sitzen stets an vergrösserten Basalgliedern der innern Antennen, kleinere an verkleinerten. Die Formen mit bessern Augen und schlechtem Riechorganen, also die flinkem Formen, besitzen auch bessere Statocysten, eine Tatsache, die wohl zu der Annahme stimmt, dass die Statocysten zur Orientierung im Räume und nicht zum Hören dienen. Für die Ausbildung des Tastsinnes scheinen, nach der Ent- wicklung der Antennen und deren Sinneshaaren zu urteilen, eher systematische als biologische Gesichtspunkte maßgebend. Doch dürfte im allgemeinen der Tastsinn bei den Tiefseekrabben gut entwickelt sein. Hinsichtlich der Fortpflanzung und Fruchtbarkeit haben durchgehends die flinkem Formen viel mehr und viel kleinere Eier als die trägern. Bei den letztern ist ja infolge der abgekürzten Metamorphose und der ruhigem Lebensweise eine so hohe Sicherheit für den Fortbestand der Art nicht mehr erforderlich. Recht anziehend schildert Verf. am Schlüsse den Lebensgang je einer Krabbe der flinkem und der trägern Gruppe. V. Franz (Helgoland). Arachnlda. 93 Petninkevitcli, A., St u dies in Adaptation. L The sense of sight in Spiders, In: Journ. Exp. Zool. 5. Bd. 1907. S. 275 —309. Verf. untersuchte bei drei amerikanischen Spinnen, Fhidippus tripunciatus^ einer Springspinne, Lycosa nidicoJa , einer Laufspinne, und Heteropoda venatoria, einer subtropischen Heteropodide , die Richtung der Augenachsen und die Ausdehnung der Sehfelder, Die Achsen aller 8 Augen divergieren, und zwar weichen die Winkel, die sie mit 3 aufeinander senkrechten Ebenen (Symmetrie-, Hori- zontal- und Querebene) bilden, bei verschiedenen Arten beträchtlich voneinander ab, sind aber für dieselbe Art konstant. Schon wenn die junge Spinne den Cocon verlässt, sind die Augenachsen in der endgültigen gegenseitigen Stellung fixiert. Je grosser ein Spinnen- auge ist, umso kleiner ist in der Regel sein Sehfeld, um so grösser seine Sehschärfe. Bei Fhidippus beherrscht die ganze Augengruppe 240" des Horizonts, bei Lycosa 253", bei Heteropoda 267°. Bei — Nr. 92-93. — - 83 — Phidippiu^' bedeckt das Bild eines Quadratcentimeters, der sich in 10 cm Abstand vom Auge befindet, im vorderen Mittelauge 1444 Stäbchen, im vorderen Seitenauge 64, im hinteren Mittelauge 4 und im hinteren Seitenauge 49 Stäbchen. Bei Lycosa hat das hintere Mittelauge die grösste Schärfe. R. Hesse (Tübingen). 94 Police, G., Sugli occhi delle Scorpione. In: Zool. Jahrb Abt. f. Anat. 25. Bd. 1907. S. 1—70. 2 Taf. Die Untersuchung wurde an Enscorpius carpatJiicus ausgeführt. In den Medianaugen geht die Linse aus Hypodermiszellen her- vor, die zuvor eine starke Vermehrung und verschiedene Formver- änderungen erfahren haben. In der Retina lassen sich 3 Schichten unterscheiden : Retinaschicht, Phaosphärenschicht, postretinale Schicht. Die Retinaschicht besteht nur aus Retinazellen, ohne Spur besonderer Pigmentzellen zwischen ihnen. An den fibrillär längsgestreiften Retinazellen, die proximal in die Xervenfaser übergehen, unter- scheidet Verf. eine Rhabdom- und eine Pigmentzone; die seitlich stehenden Rhabdomere sind zu je 5 zu Rhabdomen gruppiert. Die Phaosphären liegen nicht in den Retinazellen, sondern in besonderen Phao.sphärenzellen, die eine eigene Schicht bilden; die Phaosphären sind Differenzierungen des Protoplasmas. Verf. hält es für wahr- scheinlich, dass die Phaosphärenzellen Reserveelemente sind, die beim weiteren Wachstum des Auges zu Sehzellen werden ; er führt dafür an, dass ihre Zahl mit dem Wachstum des Embryos mehr und mehr abnimmt. Die postretinale Schicht besteht aus stark pigmentierten Zellen, welche die ganze Konvexseite des Auges überziehen. Ihre Basalmembran bildet, zusammen mit bindegewebigen Elementen, die Augenkapsel. Die präretinale Membran besteht aus der Basalmembran der linsenbildenden Zelllage und derjenigen der Retinaschicht, zwischen welche mesodermale Elemente eingewandert sind. Von den 3 Lagen ectodermaler Zellen, die bei der Entstehung des Median- Auges durch Einstülimng auftreten, wird die äussere zur linsenbildenden Schicht, die mittlere bildet die Retinaschicht, die innerste wird zur Phao- sphärenschicht und Postretina. — Im Seitenauge lassen sich die gleichen Teile wie im Medianauge unterscheiden. Aus der Anwesen- heit einer präretinalen Membran schliesst Verf. auf das ursprüngliche Vorhandensein einer besonderen linsenbildenden Schicht, die er auch bei Embryonen auf der ganzen Oberfläche der Augenanlage findet, während sie beim erwachsenen Tier auf die Peripherie der Linse beschränkt ist. Im Retinateil unterscheidet er gleichfalls eine Retina-, Phaosphären- und Postretinaschicht. Die Retinaschicht unterscheidet sich von derjenigen der Medianaugen nur durch die — I^r. 93—94. — 6* 95 — 84 — unregelmäßige Gruppierung der Retinazellen ; perineurale Zellen (Lankester und Bourne) sind nicht vorhanden. Bei der Ent- wicklung der Seitenaugen glaubt Verf. dementsprechend auch einen Einstülpungsvorgang nachweisen zu können. — Median- und Seiten- augen des Skorpions sind also sowohl nach ihrem anatomischen Auf- bau wie nach ihrer P^ntwicklung vollkommen vergleichbar. Wenn Verf. die Augen der Skorpione wegen der Gruppierung ihrer Seh- zellen zu Retinulae in Gegensatz bringt zu den Ocellen der Insecten und den Augen der Spinnen, so trägt er den bekannten Tatsachen (Redikorzew, Hesse) nicht genügend Rechnung. R. Hesse (Tübingen). Vertebrata. Froriep, A., Über den Ursprung des Wirb eltierauges. In: Manch, med. Wochenschr. 1906. No. 35. ^^ — Über die Herleitung des Wirbeltierauges vom Auge der Ascidienlarve. In: Verh. Anat. Ges. 20. Vers. Rostock. 1906. S. 145-151. 97 Jelgersma, J., Der Ursprung des Wirbeltierauges. In: Morph. Jahrb. 35. Bd. 1906. S. 377—394. 1 Taf. Der Aufsatz von Jelgersma ist eine phylogenetische Phantasie, in der Ray Lankester s Herleitung des Wirbeltierauges von dem der Ascidienlarve als etwas Neues dargeboten wird. Die Frage, wie in Kowalevskys Darstellung des Auges der Ascidienlarve die Lage des Pigments zwischen Linse und Retina zu verstehen sei. erörtert Verf. nicht, und seine ganze Darstellung erwähnt die Pigmentver- hältnisse überhaupt nicht, die für seine Ableitung eine ernstliche Schwierigkeit bieten. Genauere Kenntnis der einschlägigen Literatur hätte ihn davor bewahrt. Froriep dagegen gründet seine Erwägungen auf eine erneute Untersuchung des Auges der Ascidienlarve, die er an Distaplia magnilarva durchführt. Er hält dies Auge nicht für ein unpaares, sondern für ein laterales, rechtsseitiges Organ, dessen linksseitiger Partner rückgebildet ist und sieht darin eine nicht unwesentliche Stütze für die Homologisierung desselben mit der Augenblase der Vertebratenembryonen. Für ein Vorläuferstadium des Vertebraten- auges kann er es dagegen nicht ansehen. Der lichtbrechende Apparat ist nämUch nicht, wie Kowalevsky und Kupffer es darstellen, nach dem Körperinnern gerichtet, sondern er sieht schief lateral- dorsal- und rostralwärts nach aussen und legt sich an die Epidermis an. Die Augen von Ascidienlarve und Wirbeltier sind gleicher Ab- - Nr. 94—97. — — 85 — stammung, und zwar sind sie von Grubenaugen an der ursprünglich offenen ventricularen Oberfläche der Medullarplatte abzuleiten, deren Spuren bei den Vertebraten in der Anlage noch nachweisbar sind. R. Hesse (Tübingen). 98 Boiinet, Robert, Lehrbuch der Entwicklungsgeschichte Berlin (P. Parey) 1907. 467 S. Mit 341 Textfiguren. Preis Mk. 13. — brosch. Das Werk ist eine „freilich gänzlich umgearbeitete und nach jeder Richtung hin erweiterte zweite Auflage" des vergriffenen „Grundrisses der Embryologie, der Haussäugetiere" des Verfassers. Es zerfällt in zwei grosse Hauptabschnitte: Vorentwicklung bis zur Befruchtung, und eigentliche Entwicklung vom Auftreten der ersten Furchnngsebene an. Im ersten Teil werden die Sexualzellen in ihrer ausgebildeten Form und ihren Entwicklungserscheinungen geschildert ferner die Bildung der Eihüllen, Gallertschichten, Schalen etc die Erscheinungen der Ovulation, Corpus luteum-Bildung, Reifungsteilungen und Befruchtung geschildert, alles in gedrängter Kürze (der I. Teil mit Einleitung umfasst 40 Seiten). Der zweite Hauptteil, „Entwicklung" zerfällt in 5 Unterteile- 1. die Furchung oder Teilung des Spermoviums, 2. die Gastrulation lind die Keimblätter, 3. Entwicklung der wichtigsten Primitivorgane und der Leibesform der Amnioten, 4. die Eihüllen und Embryonalan- hange, Decidua, Placenta, 5. Entwicklung der Organe und Systeme. Bei der F u r c h u n g werden drei Modi unterschieden : erstens die pri- mär totale, adäquale und inäquale Furchung, zweitens die partielle, discoi- dale und inäquale, drittens die äquale der viviparen Säuger, also die totale Fiirchung nach Dotterverlust. Amphioxus, Frosch, Huhn und einige Sauger werden als Beispiele herangezogen. Kurze Bemerkungen über einige entwicklungsmechanische Experimente und die Zurück- weisung angeblicher parthenogenetischer Furchung schliessen das Kapitel. Im Abschnitt über Gastrulation und Keimblätter geht Verf von der Invagmationsgastrula aus. Nach einem kurzen Überblick über die aus den einzelnen Keimblättern stammenden Organe werden an Amphioxus, den geschwänzten und ungeschwänzten Amphibien die emfacheren Modi an mehreren Beispielen aus den Klassen der Amnioten die schwierigen Probleme der Gastrulation, Mesoderm- und Chorda- bildung erörtert. Zum Schluss wird auf die Unzulänglichkeit unserer Kenntnisse von den gleichen Vorgängen beim Menschen hingewiesen Im nächsten Abschnitt werden die erste Abgrenzung des Embryos imd des Fruchthofes, sodann die erste Entstehung und Differenzieruno — Nr. 95—98. — — 86 — des centralen Nervensystemes samt Spinalganglienleiste, der Somiten, des Herzens, sowie der provisorischen Excretionsorgane besprochen. Es schhesst sich die DarsteUung der Kopf- und Gesichtsentwicklung an, so- dann die der Nase und des Mundes, des Caudalendes und der Cloake, so- wie der Gliedmaßen. Einige dieser Besprechungen sollte man wohl eigentlich an anderer Stelle, bei der Organentwicklungslehre, er- warten, und man kann verschiedener Meinung darüber sein, ob ihre Einordnung hier, in ein allgemeines Kapitel, zum Nutzen der späteren speziellen Kapitel dient. Bei der Besprechung der Eihüllen und Embryonalanhänge, Decidua und Placenta werden Sauropsiden und Säuger getrennt be- sprochen. Die Brunsterscheinungen am Uterus der Säuger werden erwähnt, sodann die Achoria, Choriata und Placentalia besprochen. Centrale , excentrische und interstitielle Placentarentwicklung wird unterschieden. Die einzelnen Modifikationen der Ausbildung der Embryonalhüllen werden besonders an Beispielen aus der Haustier- embryologie erläutert, ausserdem die menschlichen Verhältnisse ein- gehend erörtert. Der fünfte, spezielle Abschnitt behandelt die Entwicklung der einzelnen 'Organsysteme in folgender Reihenfolge: Erst werden die Organe des Ectoderms, Haut, Nervensystem und Sinnesorgane, dann die des Entoderms, also der Darmtractus mit seinen Adnexen, der Thymus, Schilddrüse und dem Respirationsapparat sowie den grossen Darmdrüsen besprochen. Sodann folgen vier grössere Abschnitte, die sich mit den Abkömmlingen des Mesoderms beschäftigen. Im ersten wird die Entwicklung der Bindesubstanzen, des Blutes, der Lymphe und des Gefässsystemes, im zweiten die der Muskulatur geschildert. Der dritte Abschnitt hat die Entwicklung des Skeletts und der vierte, der letzte des ganzen Buches, die des Urogenitalapparates, einschliess- lich der Nebennieren, zum Gegenstand. Wie aus dieser gedrängten Übersicht hervorgeht, enthält das Bonnetsche Buch eine Fülle von Material, und besonders die ein- gehende Berücksichtigung der allgemeinen Entwicklungslehre der Wirbeltiere verdient hervorgehoben zu werden. Es muss bemerkt werden, dass Wirbellose kaum irgendwo in dem Werke herangezogen werden, was aus dem Titel nicht hervorgeht. Die Ausstattung mit Textabbildungen ist vorzüglich; in reichem Maße ist von Reproduktionen Ziegler scher Modelle Gebrauch ge- gemacht worden. Neben Wiedergaben von Figuren aus andern Werken sind zahlreiche Originalabbildungen dem Buche beigegeben. U. Gerhardt (Breslau). - Nr. 98. — — 87 — Kollmaim, Julius, Handatlas der Entwicklungsgeschichte des Menschen. IL Teil. Embryologia intestinorum, Erabr. cordis et vasorum, E]mbr. cerebri et nervorum, Organa sensuum, Nomina anctorum, Index rerum, Index auctorura. 67 S. Jena (G. Fischer) 1907. Mit 429, zum Teil mehrfarbigen Abbildungen und einem kurz- gefassten, erläuternden Texte. Der zweite Band des Koll mann sehen grossen Werkes reiht sich dem ersten^) würdig an und bringt gleichzeitig dessen willkommene Vollendung. Vielleicht befremdet es Manchen zuerst, die „Nomina und den Index auctorum^' in der kurzen, mit dem Titel verbundenen Inhalts- angabe zu finden. Der Verf. glaubte auch diesen bei einem Atlas neuen Brauch in der Vorrede besonders rechtfertigen zu müssen, doch ergibt sich dessen Zweckmäßigkeit wohl von selbst, in einer Zeit, wo es kaum genug Literaturverzeichnisse geben kann. Auch in diesem Teile sind zur Ergänzung der menschlichen Ent- wicklungslehre, wo nötig, Befunde aus der vergleichenden und ex- perimentellen Entwicklungsgeschichte herangezogen worden. Als ein grosser Vorzug des Altlas dürfte es anzusehen sein , dass Ab- bildungen von Serienschnitten nicht, dafür aber in ausgedehntem Maße solche von Rekonstruktionsmodellen angewandt worden sind. Die völlige Unübersichtlichkeit und Unverständlichkeit von aus dem Zu- sammenhang herausgenommenen und abgebildeten Serienschnitten wenigstens für den Anfänger zeigt sich genügend an andern embryo- logischen Illustrationswerken, und die fördernde Wirkung der Modelle für das Verständnis kann wohl nicht ernsthaft in Zweifel gezogen werden. Ferner ist rühmend hervorzuheben der sparsame, aber im Einzel- fall höchst zweckmäßige Gebrauch, der von Farben in den Abbil- dungen gemacht worden ist. Nur zur Unterscheidung von Organen oder Organsystemen, nicht aber zur Wiedergabe an sich gleichgültiger Präparatfärbungen sind scharf contrastierende Farben angewandt. Sonst sind die Figuren entweder uncoloriert oder in einem indiffe- renten gelben Ton (ähnlich dem in Zoologischen Museen gebräuch- lichen ,,Möbiusgelb") gehalten. Alle Figuren sind gross und über- sichtlich angelegt, mit dem Baum ist nirgends gespart worden, und es gereicht den Abbildungen und ihrer Betrachtung sicher zum Vor- teil, dass möglichst wenig von ihnen auf einer Seite angebracht sind. Kann so die Ausstattung des Atlas vortrefflich genannt werden, so bietet auch der Inhalt der Darstellungen mehr als in ähnlichen 1) Vgl. Zool. Zentr.-Bl. 14. Bd. Nr. 182. - - Nr. 99. — Werken geboten worden ist. Die zahlreichen Darstellungen nach Originalpräparaten und die vorsichtige Auswahl der aus andern Werken entlehnten Figuren zeigen, dass der Verf. erfolgreich bemüht war, das Beste und jeweils dem neuesten Stand der Dinge ent- sprechende zu bringen. Die Entwicklung des Darmtractus wird in 84, die des Urogenitalapparates (der gleichfalls mit unter der Rubrik „Intestina" begriffen wird) 87 Figuren dargestellt. Auch pathologische Befunde, wie Atresia ani, Uterus bicornis, werden als Hemmungs- bildungen mit herangezogen. 71 Figuren erläutern die Entwicklung des Gefässsysteraes, wobei auch die peripheren Gefässe eingehender als sonst meist üblich, berücksichtigt sind. Weitere 69 Abbildungen sind dem Nervensystem, der Rest, 98 an der Zahl, dem Integument und den Sinnesorganen gewidmet. Die beiden Bände des Werkes bilden zusammen ein wahrhaft zur Erfüllung seines Zweckes geeignetes Ansch auungsw.e rk, das dem Anfänger, wie auch dem, der sich in ein Specialgebiet der Embryo- logie einarbeiten will, das Eindringen in schwer verständliche Kapitel erleichtern muss. U. Gerhardt (Breslau). 100 Grurwitscli, Alexander, Atlas und Grundriss der Embryo- logie der Wirbeltiere und des Menschen. 339 S. Mit 143 vielfarbigen Abbildungen auf 59 Tafeln und 186 schwarzen Abb. im Text. (Lehmanns med. Handatlanten, Bd. 35) München 1907. Preis geb. Mk. 12.—. In der rühmlichst bekannten guten Ausstattung derLehmann- schen Atlanten und zu dem diese gleichfalls auszeichnenden billigen Preise tritt dies kleine Werk auf, das eigentlich mehr ist als ein blosser ,, Grundriss" und ,, Atlas"; es ist ein reich illustriertes kleines Lehrbuch, das in einem allgemeinen und einem speziellen Teil nicht nur die Fundamentaltatsachen, sondern auch viele Einzelheiten der Entwicklungslehre der Wirbeltiere bespricht. Wie in der Vorrede erörtert wird, waren die Bedürfnisse des Mediziners maßgebend für die Abfassungsweise des Buches. Im allgemeinen Teil werden die Keimzellen und ihre Reifung und Vereinigung sehr eingehend geschildert, hierauf Furchung und Keimblätterbildung. Entwicklung der Körperform und Hauptorgan- anlagen, endlich die Dotterorgane und Embryonalhüllen besprochen. Der spezielle Teil enthält 6 Abschnitte: 1. Darmsystem mit Anhangsdrüsen, Atmungsapparat und Peritoneum. 2. Skelett- und Muskelsystem, als Bewegungsapparat zusammengefasst. 3. Blut und Gefässe, einschliesslich des Lymphgefässsystemes und der Milz. — Nr, 99—100. — - 89 - 4. Urogenitalsystem mit Nebennieren. 5. Nervensystem. 6. Sinnes- organe und Integument. Theoretische Erklärungen der Entwicklungsvorgänge sind überall in knapper Eassung beigefügt, und überall stellt sich die Darstellung auf einen möglichst objektiven, die neuesten Forschungen berück- sichtigenden Standpunkt. Die Abbildungen sind, soweit sie auf farbigen Tafeln gegeben sind, sämtlich, von den Textfiguren ein grosser Teil Originale. Zu den Tafeln sei ein Wort der Kritik gestattet. Bei der Besprechung des Kollmannschen Atlas wurde auf die Vorteile möglichst nach Organsystemen, distinktiv und nicht unnötig colorierter Abbildungen hingewiesen. Auch wurde es für einen Vorzug jenes Werkes ange- sehen, dass von der Reproduktion einzelner Serienschnitte abgesehen wurde. Ref. steht auch dem G u r w i t s c h sehen Buche gegenüber auf dem gleichen Standpunkt und kann den Nutzen, den die genaue, technisch in diesem Falle vorzügliche Wiedergabe von Hämatoxylin- oder Carminfärbungen für den Anfänger bietet, nicht hoch anschlagen. Auch ist er der Meinung, dass Schnittbilder, wie Tab. 17 od. Tab. 25 in ihrer Deutung dem Anfänger trotz ihrer genauen Wiedergabe des Präparates grosse Schwierigkeiten bereiten müssen. Der Verfasser geht von der Absicht aus, durch Abbildungen nach Möglichkeit das Präparat zu ersetzen. Nach Meinung des Referenten zeigen die Tafeln dieses Handatlas, wie wenig das möglich ist. Der geringe Preis des Werkes ermöglicht seine Anschaffung auch Solchen, denen die Anschaffung des grösseren Kollmann- schen Atlas zu kostspielig ist. U. Gerhardt (Breslau). Pisces. Deichsel, G., Beiträge zur Kenntnis des Knochenfisch- auges mit besonderer Berücksichtigung der Frage nach der Accom odation. I. - D. phil. Breslau. 1908. 61 S. Deichsel untersuchte makroskopisch und mikroskopisch den Accomodationsapparat von 7 Meeres- und 8 Süsswasserteleosteern. Verf. meint, jede Species habe ihren eigenen, characteristischen Accomodationsapparat. Bei den agilen Grundfischen, z. B. bei dem nach Beer gut sehenden Blennius ist eine kräftige Campanula vor- handen, bei den trägern Arten ist sie kleiner. Wo der Linsenmuskel sehr kräftig ist, hat er flächenförmige Anordnung der Fasern, ist von der Iris frei und hat innige Beziehungen zur Zonula zinnii (Ring- band). Je kleiner er ist, um so fester verbindet er sich mit der Iris. Ziegenhagens Angaben werden in manchen Punkten korri- • - — Nr. 100—101. — - 90 — giert. Dass der Muskel überhaupt mit der Iris verbunden ist, dafür gibt Verf. die folgende Erklärung: auf diese Weise wird bewirkt, dass die Iris bei der Contraction des Muskels dem Zuge desselben folgen kann, so dass kein apliakischer Raum entsteht. Darum tritt auch an dieser Stelle das Ligam. pectinatum zurück. Ahnliches gilt von der dorsalen Aufhängung der Linse. Die Sehne des Linsen- muskels verbindet sich aufs innigste mit der Linsenkapsel, so dass zwischen beiden keine Grenze zu erkennen ist. Die Muskelelemente von der Campanula strahlen in das Ringband ein laufen also merk- würdigerweise nicht in das Lig. musculocapsulare (zwischen Campanula und Linsenkapsel) aus und helfen bei ihrer Contraction die Linse teni- poralwärts verschieben. Leider fehlen der Arbeit Abbildungen. V. Franz (Helgoland). 102 Hof er, B., Studien über die Hautsinnesorgane der Fische. I. Teil. Die Funktion der Seitenorgane bei den Fischen. In: Berichte d. Biol. Versuchsstation in München. 1. Bd. 1907. S. 115—164. Die Versuche wurden am Hecht [Esox Incms) angestellt, der durch seine ruhige Haltung die Beobachtung seiner Reaktionen auf Reize erleichtert und auf Erregungen in sehr auffallender und stets gleichbleibender Weise, durch Lageveränderungen der Rückenflosse, unter Umständen auch der After- und Schwanzflosse , antwortet. Ausserdem ist an ihm die Durchschneidung des Nervus lateralis und Cauterisierung der Seitenorgane am Kopf leicht durchzuführen. Der adäquate Reiz auf die Seitenorgane wird durch strömende Bewegungen des Wassers gegen den Fischkörper ausgelöst; diese dürfen bei den Versuchen nur so stark sein, dass der Fisch dadurch nicht aus seiner Lage gebracht wird, da sonst die Statolithenorgane und der Bogen- gangapparat des Labyrinths erregt werden. Die Strömung wirkt auf die Seitenorgane durch den auf den Fischkörper übertragenen Druck, der naturgemäß bei gleichbleibender Strömung um so stärker ist, je senkrechter diese auf den Körper auftrifft. So sind diese Organe imstande, die Fische über die Stärke und die Richtung adäquater Wasserströme zu unterrichten. Hierdurch wird die geographische Verbreitung der Fischfauna in den mehr oder weniger schnell fliessenden Gewässern reguliert. Durch Berührung mit festen Körpern werden die Seitenorgane nicht in Erregung versetzt, sie sind keine Tastorgane, Wohl aber werden feste Körper bei Annäherung der Fische vermittelst reflektierter Ströme durch sie „von ferne gefühlt'': ein geblendeter Hecht weicht beim Schwimmen einem vorgehaltenen Lineal aus, wenn seine Seitenorgane intakt sind ; werden diese ausser — Nr. 101—102. — • — 91 — Funktion gesetzt, so stösst er an. Steigerung und Abnahme des hydrostatischen Druckes, ebenso Erschütterungen des Wassers von grösserer oder geringerer Schwingungszahl haben auf die Seitenorgane keinen Einfliiss. Wahrscheinlich erfolgt die Erregung der Seiten- organe durch Verbiegung der Endstiftchen auf den Sinneszellen in- folge des Druckes, den der in der Kanalrichtung gegen sie vor- geschobene Schleim der Kanäle ausübt. R. Hesse (Tübingen). Aves. Gräper, Ludwig-, Untersuchungen über die Herzbildung der Vögel. In: Arch. f. Entw.-Mech. XXIV. Bd. Heft 3. 1907. S. 375—410. 4 Taf. 5 Fig, im Text. Den Anlass zu der Gräp er sehen Untersuchung gab der von Verocay 1905 beschriebene Befund eines sonst normalen Huhnes mit 7 Herzen, die sämtlich Avohl ausgebildet waren, soweit sie darauf- hin untersucht werden konnten. Ferner soll jedes der Herzen ein normales Pericard gehabt haben, ausserdem fanden sich in dem Prä- parat einige Stückchen Lebergewebe. Gräp er suchte nun auf zweierlei Wegen zu prüfen, ob für die Erklärung dieses seltsamen Befundes, wie Verocay wollte, eine Hypothese von C. Rabl heranzuziehen sei, nämlich die, dass das Herz ein Produkt der Venae omphalomesentericae sei und dass Doppel- oder, wie in diesem Fall, Mehrfachbildungen von Herzen sich aus unterbliebener Verschmelzung dieser Venen erklären lassen. ,,Da nun aber die Venae omphalomesentericae ihrerseits wieder aus den Dottervenen sich zusammensetzen, so könnte es vorkommen, dass jede dieser Venenwurzein sich getrennt erhält und für sich eine vollständige Herzanlage bildet.^' Die beiden Wege der Nachprüfung waren möglichst genaue Untersuchung der normalen und experimentelle Schaffung von patho- logischen Entwicklungsbedingungen. Als Wahrscheinlichkeits- beweis für die Rabl sehe Hypothese betrachtet G r ä p e r ausserdem das erwähnte Vorhandensein von Stücken von Lebergewebe, Neben- lebern, in der Nähe des Herzens. Der Darm scheint, entsprechend den verschiedenen getrennten Venenwurzeln, verschiedene Lebern gebildet zu haben. Embryonen von Ente, Huhn, Lachmöve und Gans wurden zur Untersuchung verwendet. In technischer Beziehung ist zu er- wähnen Fixierung in Pikrinsäure-Sublimat, mit nachfolgender sehr vorsichtiger Härtung in Alkohol, Färbung in Boraxcarmin, Nach- färbung mit Hämalaun und Erythrosin, Einbettung in Paraffin, Aufkleben mit Nelkenöl-Collodium. — Nr. 102—103. — — 92 - Die wesentlichsten Resultate des descriptiven Teiles sind: 1. „Blutinseln und Gefässe entstehen ans Keimwallmaterial, sind also entodermalen Ursprungs." Hiermit bekämpft Gräper Rücker ts Theorie von der mesodermalen Entstehung des Herzens. 2. ,,Gefässzellenzüge gelangen zwischen die verdickten Splanchno- pleura und das verdickte Entoderm, um hier als Stamm der Vena omphalomesenterica jederseits eine Herzanlage zu bilden (bei den Vögeln zunächst noch ohne Lumen). o. Durch Vereinigung beider und Bildung eines einheitlichen Lumens entsteht das Herz gewissermaßen als Produkt der Venae omphalomesentericae. " Die Ergebnisse des beschreibenden Teils der Arbeit sprechen also durchaus für die zur Erklärung des Verocay sehen Falles heran- gezogene C. Rab Ische Auö'assung. Ebenso ist dies der Fall bei den Resultaten des experimentellen Teiles. Zweck der Versuche musste es sein, die Vereinigung der Herz- anlagen im Embryo zu verhindern. Es wurde nur mit Hühnereiern gearbeitet. Zunächst wurde die Herzanlage einer Seite zerstört, durch einen mit Hilfe einer Starkstromleitung glühend gemachten Platin- draht, durch Auflegen von mit Paraffin überzogenen Kupferdraht- stückchen, oder durch Auflegen von kleinen, aus Stücken Eisen- und Kupferdraht zusammengesetzten Elementen. Die besten Resultate wurden durch Anwendung einer differenten Platin- und einer indiffe- renten Messingblechelektrode erhalten, wobei die letztere nicht einmal in das Ei selbst eingeführt zu werden braucht, sondern auch, in die das Ei umgebende Kochsalzlösung gebracht, sich als wirksam erwies. Der Strom wurde entweder von einem kleinen Inductionsapparat oder besser durch Anschluss an eine Starkstromleitung mit Vorschaltung einer Glühlampe erhalten. Zum Verschluss des Defektes der Eischale wurden Schalenstücke andrer Eier oder das Ger lach sehe Embryo- skop benutzt. Es zeigte sich, dass die Vena omphalomesenterica der unverletzten Seite eine normale Herzanlage zu bilden imstande war. Doppelseitige Verletzungen ergaben keine klaren Bilder. Ferner wurde in einer andern Versuchsreihe dadurch die Ver- einigung der beiden Herzanlagen verhindert, dass ein Druck von oben durch ein besonders konstruiertes kleines Drahtgestell ausgeübt wurde. Es bildeten sich zwei getrennte Herzen aus. ,,An Embryonen, bei denen die Vereinigung der Herzanlagen noch nicht erfolgt ist, ist es möglich, diese dauernd zu verhindern und so Embryonen mit zwei Herzen gewöhnlicher Grösse zu erhalten." Es steht also nichts der Annahme entgegen, dass, wenn zufällig auch die Wurzeln der Venae omphalomesentericae isoliert in den — Nr. 103. — — 93 — Embryo gerieten, mehrere Herzen aus diesen Venenwurzeln ihren Ursprung nehmen könnten. U. Gerhardt (Breslau). 104 Denker, A., Das Gehörorgan und die Sprech Werkzeuge der Papageien. Eine vergl. -anatom.-physiol. Studie. Wiesbaden. (J. F. Bergmann). 1907. gr. 4«. 49 S. 10 Tafeln. Preis M. 25.40. Verf. geht bei der Untersuchung des Gehörorganes der Papageien davon aus, dass diese Tiere die menschliche Sprache reproduzieren, daher also sicher mit ihrem Gehörorgan percipieren. Wesentliche Unterschiede zwischen dem Papageienohr und dem Hörorgan der übrigen Vögel finden sich nicht ; nur wurde die Macula neglecta ver- misst. Die Länge der Basilarpapille beträgt beim Papagei 2,6 bis 2,7 mm (beim Menschen 33,5 nach Retzius); in der Basilar-Membran sind verschieden lange elastische Fasern, etwa 1200, ausgespannt, deren äusserste Längenmasse 0,5 und 0,04 mm sind, also eine ähn- liche Längendifferenz wie beim Menschen. Man kann diese Fasern ebenso wie beim Menschen als mechanischen Hilfsapparat auffassen, dessen einzelne Saiten beim Erklingen eines Tones mitschwingen. Das Untersuchungsergebnis erlaubt den Schluss, dass ein viel ein- facher als das Gehörorgan der Säuger zusammengesetzter Apparat schon imstande ist, die menschliche Sprache zu percipieren. Dazu sind, entsprechend der Ähnlichkeit ihrer Gehörapparate mit dem der Papageien, wahrscheinlich auch die anderen Vögel imstande. Die Be- fähigung der Papageien, die menschliche Sprache nachzuahmen, be- ruht auf dem Bau ihrer Sprechapparate. Da auch die anatomische Gestaltung der Syrinx, abgesehen vom Fehlen der Membrana semi- lunaris, nicht wesentlich vom Kehlkopf anderer Vögel abweicht, so darf auch an dieser Stelle der Sitz der Sprechfähigkeit nicht gesucht werden. Vielmehr findet sie ihre Erklärung einerseits in der Ge- staltung des oberen Teils des Ansatzrohres, d. h. in den Wölbungs- verhältnissen der Mund- und Rachenhöhle, und andrerseits in der besondern Ausbildung und reichen Entwicklung der Zungenmuskulatur. R. Hesse (Tübingen). 105 Franz, V., Bau des Eulenauges und Theorie des Teleskop- auges. In: Biol. Centr.-Bl. 27. Bd. 1907. S. 271—280 und 341 —351. Das „fernrohrartig ausgezogene^' Eulenauge ist ein Teleskopauge, wie sie bei Tiefseefischen und Cephalopoden vorkommen: es handelt sich um eine Convergenzerscheinung. Die Bedingungen, die dem Auge die Teleskopform aufzwingen, sind am leichtesten bei den Fischen zu durchschauen. Bei den Fischen ist Form und relative Brechkraft — Nr. 103-105. — — 94 — 106 Teleskopauge von Argyropelecus affinis, nach Brauer. In punktierter Linie ist darauf der Umriss eines normalen Fisclianges pro- jiziert. (Brennweite im Verhältnis zum Durchmesser) der Linse konstant (Matthi essen): eine Fischlinse vom Radius r sammelt parallele Strahlen in einem Abstand von etwa 2,52 r von ihrem Zentrum. Dies ist auch der Abstand der Retina bei den Teleskopaugen der Tiefseefische, ebenso wie in den Augen der Flachseefische. Wegen geringer Lichtmenge braucht auch der kleine Tiefseefisch eine grosse Linse, und dementspre- chend eine Retina von grossem Abstand : das Auge wird im Verhältnis zu den Körperdimen- sionen sehr gross, und eine Raumersparnis kann dadurch erreicht werden, dass die seit- lichen Ausbauchungen wegblei- ben : das Teleskopauge ist also nicht röhrenförmig „ausgezo- gen", sondern röhrenförmig verengt (vgl. Fig.). Die Tiefe des Auges ist das Gegebene, be- stimmt durch die erforderliche Linsengrösse und das Erfordernis des deutlichen Sehens, und alle seine weiteren Eigentümlichkeiten sind Folgeerscheinungen. Auch beim Eulenauge ist die Grösse des Netzhautabstandes durch die Grösse der Linse bedingt, und diese ist erforderlich wegen geringer Lichtmenge; die trichterartige Gestalt bedeutet eine Umfangs- und Raumersparnis. Die Convergenz zwischen dem Teleskopauge der Tief- seefische und dem Eulenauge zeigt sich auch darin, dass die Augen- muskeln in beiden ausserordentlich schwach sind: sie sind im Laufe der Stammesentwicklung zugunsten des wachsenden Auges atrophiert. R. Hesse (Tübingen). Hess, C, Über Dunkel adaption und Sehpurpur bei Hüh- nern und Tauben. In: Arch. f. Augenheilkunde, 57. Bd. 1907. S. 298—316. Verf. macht Versuche darüber, bei welchen Lichtmengen hungernde Hühner und Tauben noch Körner sehen können, d. h. nach ihnen picken, nachdem sie einerseits im Hellen, andererseits längere oder kürzere Zeit im Dunkeln gehalten waren, und kommt zu dem Ergebnis, dass die herrschende Lehre von der Nachtblindheit der mit vorwiegend zapfen- haltigen Netzhäuten sehenden Hühner und Tauben nicht mehr halt- bar ist; die Tiere zeigen vielmehr eine sehr ausgiebige Dunkeladap- tion, deren Umfang hinter dem der Adaptation im menschlichen Auge — Nr. 105-106. - — 95 — kaum oder gar nicht zurücksteht. Die Netzhäute dunkelgehaltener Tauben und Hühner zeigen sich nach Entfernung der farbigen Ölkugeln mittelst Benzol nur schwach gelblich gefärbt, mit einem schwachen Stich ins rötliche, wogegen ebenso behandelte Netzhäute von Gans und Ente noch deutlich rot, solche vom Käuzchen prachtvoll rot erschienen ; die Netzhaut der Hühner und Tauben enthält also nur ver- schwindend geringe Mengen von Sehpurpur. Diese Tatsachen sind schwer vereinbar mit der heute ziemlich allgemein angenommenen Annahme, dass die Stäbchen die ausschliesslichen Organe für das Dämmerungs- selien sein sollen und dass die Ansammlung von Sebpurpur bei schwachem Licht dafür von Wichtigkeit sei. Dass auch Pigment dabei keine Rolle spielt, geht daraus hervor, dass albinotische Tauben völlig das gleiche Verhalten zeigen. R. Hesse (Tübingen). 107 Hess, C, Untersuchungen über Li cht sinn und Farben- sinn der Tagvögel. Li: Arch. f. Augenheilkunde. 57. Bd. 1907. S. 317—327. Hühner picken in der Dunkelkammer die auf einem schwarzen Tuche ausgestreuten und durcli ein Spectrum von mittlerer Licht- stärke beleuchteten Reis- und Weizenkörner zuerst im Rot, dann im Gelb und Grün bis zum Grünblau auf; von den im ultrarot und im Blau und Violett gelegenen Körnern wird keines ge^jickt. Es geht aus diesen vielfach variierten Versuchen hervor, dass für das Huhn die sichtbare Grenze des Spectrums nach dem langwelligen Ende hin merklich genau mit jener für unser Auge zusammenfällt; dagegen ist es nach dem kurzwelligen Ende hin im Vergleiche zu unserm Auge hochgradig verkürzt. Wenn man die Körner mit farbigem Glas zum Teil rot, zum Teil blau beleuchtet, so kann man durcli Abmessen der Helligkeit es so einrichten, dass die Hühner nur die Körner der roten Hälfte picken, die derblauen dagegen dauernd unberührt lassen. Dies geschieht auch bei Belichtungsverhältnissen, wo uns die Körner der roten Hälfte tief dunkelrot erscheinen und nur eben noch sicht- bar sind, während die blauen Körner , die das Huhn nicht sieht, unserm kurz dunkel adaptiertem Auge deutlicher, zum Teil beträcht- . lieh heller und leichter sichtbar erscheinen. Die nächstliegende Er- klärung dafür ist die, dass infolge der den Zapfen eingelagerten roten, gelben und grünen Kugeln in der Netzhaut nur Strahlen von ver- hältnismäßig grosser Wellenlänge zur Wahrnehmung gelangen können. Ahnliche Verhältnisse ergeben sich für den Menschen, wenn er vor das eine Auge ein rotes, vor das andere ein orangegelbes Glas setzt; es erscheinen dann die im spectralen Lichte roten und rotgelben Körner auf schwarzem Grunde dem Auge leuchtend rot, die gelb- — Nr. 106-107. — - 96 — grünen und grünen schon viel undeutlicher. Damit ist auch der Be- weis erbracht, dass für die Farbenwahrnehmung in den Augen der Hühner und Tauben der Ort der primären Reizung jenseits der farbigen Olkugel, also im Aussengliede, gelegen ist. R. Hesse (Tübingen). Mammalia. 108 Bielscliowsky, M., Über sensible Nervenendigungen in der Haut zweier Insectivoren [Talpa europaea und Centetes caii- datus). In: Anat. Anz. 31. Bd. 1907. S. 187—194. 4 Abb. Mit seiner Silberaldehydmethode findet Verf. an den E im er- sehen Organen der Maulwurfsschnauze einen besondern Innervations- modus der Merkeischen Tastzellen: auf Tangentialschnitten sieht er die aus der Cutis eindringenden marklosen Fäserchen den Seiten- rand dieser Zellen so innig umspinnen, dass „Bilder entstehen, welche an Buzenscheiben erinnern; die Zellen würden dabei den Glasscheiben, die Nervenfaseren deren Bleiumfassungen zu vergleichen sein". Die bekannten Endscheiben sind, obwohl mit der Methode gut darstellbar, weder auf Längs- noch auf Tangentialschnitten zu sehen. — Bei Centetes liegen auf zwei wulstigen Höckern, die sich vom Septum her in den Naseneingang schieben, in der Cutis grosse Zellen in Gruppen von 3 — 12, deren jede von einem dichten Fibrillennetz gleichmäßig umsponnen wird; an den Fibrillen des Netzes zeigt sich überall die Tendenz, in rückläufigen Touren zu ihren Stammbündelchen zurück- zukehren. Verf. glaubt, dass die Zellen thermische Reize vermitteln. R. Hesse (Tübingen). 109 Jacobi, A., Die Einführung des zahmen Rentieres in Alaska. In: Cilobus. Bd. 92. Nr. 14. S. 219—223. Die Vernichtung des wilden Rentieres in den Küstengebieten Alaskas und die Verminderung der Fleisch und Tran spendenden Seesäuger durch rücksichts- los betriebenen Walfang und Robbenschlag beraubten die Eingeborenen der wich- tigsten Lebensbedürfnisse und hätten sie allmählig dem Hungertode preisgegeben. Daher begann der Oberinspektor des Erziehungswesens für Alaska, Dr. Shelden Jackson, im Jahie 1891 mit der Einführung zahmer Herdenrene vom nahen Sibirien als Ersatz für das ausgerottete Wildren, anfangs für 2000 Dollar aus Piivat- mitteln, später mit grösseren Summen der Regierung und bis 19u5 wurden im Ganzen für 207 500 Dollar Rentiere eingeführt. Die Acclimatisaticn verlief günstig, die eingeführten Herden haben sich vermehrt, sodass 1907 bereits 10241 Stück nachgewiesen werden konnten. Lappländische Rentiere erwiesen sich als weniger geeignet wie die tungusischen Rentiere. F. Römer (Frankfurt a, M.). — Nr. 107-109. - Zoologisches Zentralblatt 15. Band. 21. April 1908. No. 4/5. Neuere Arbeiten über die Morphologie ;und Biologie der Gastropoden. Von Dr. H. Simroth (Leipzig-Gautzsch). 110 Andre, E., Supplement aux Mollusques d'Amboine et description d'un nouveau genre de la famille des Phyllirboides. In: Rev. Suisse Zool. 14. 1906. S. 73-80. 1 T. 111 Asliworth. I. H.. ASpecimen oi Helix pomatia with paired male organs. In: Proc. R. Soc. Edinburgh 27. 1907. S. 312-331. 1 T. 112 Bartsch, F., A new parasitic Mollusk of the genus Eulima. In: Proc. U.-St. Nat. Mus. 32. 1907. S. 555—556. 1 T. 113 Bergli, It., The Opisth obranchia ta from South Africa. In: Marine luvest, in S. Africa. 5. 1907. 114 S. 14 T. 114 Biedermann, W., Studien zur vergleichenden Physiologie der peri- staltiscben Bewegungen. I. Die peristaltis eben Bewegungen der Würmer und der Tonus glatter Muskeln. In: Arch. ges. Physiol. 102. 1904. S. 475-542. 115 — II. Die loco motorischen Wellen der SchneckensohJe. Ibid. 107. 1905. S. 1—56. 2 Textfig. u. 2 Taf. 116 — III. Die Innervation der S ch n e clcen s ohie. Ibid. 111. 1906. S. 251 — 297. 3 Taf. 117 Carles, M. P. , Le fluor dans les co quill es du mollusques. In: C. r. Ac. sc. Paris 144. 1907. S. 437 und S. 1240. 118 Dnbois, R., et F. VIes, Locomotion des Gas ter opo des. In: Cr Ac. sc. Paris 144. 1907. S. 657-658. — Bull. soc. zool. France 32. 1907. S. 49. 119 Eliot, C. N. E., Nudibranchs from New Zealand and the Falkland Islands. In: Proc. Mal. Soc. London 7. 1907. S. 327—361. 1 T. 120 — Report upon a collection of Nudibranchiata from the Cape Verte Islands, with notes by C. Crossland. Ibid. 7. 1906. S. 131 — 159. 1 T. 121 — Nudibranchs and Tectibranchs from the Indo-Pacific II and III. In: Journ. conchol. 11. 1906. S. 298-315 und 12. 1907. S. 81-93. 122 — The genus Doriopsilla Bergh. Ibid. 11. 1906. S. 366—367. 123 Fniton, H. C, The presence of a double wall in some species of the Diaphora group of Ennea In: Proc. mal. soc. London 7. 1907. S. 364. 1 Fig. 124 Günther, R. T. , Die Stellung der Chaetognathen im System. In: ZooL Anz. 32. 1907. S. 71—72. 125 Hesse, F., H el icinae. In: Rossmaesslers Ikonographie der europäischen Land- und Süsswassermollusken, fortgesetzt von Kobelt. N. F. 14. 1907." Lief. 1 — 4. 20 T. 126 Jackson, AV., An attempt to breed from a sinistral Belix pomatia. In: Journ. Chonchology. 11. 1906. S. 341-345. 127 Ingier, A., Ueber den Bau der Genitalorgane von Acera buUata. In: Arch. math. og naturvidenskab. 28. 1906. 18 S. 2 T. Zoolog. Zentralbl. 15. Bd. Jjj-^ JJQ 259_ 7 — 98 - 128 Joi'dan, Tl., Die Physiologie der Locomotion bei A'plyaia. limacma. München 1901. 129 — Untersuchungen zur Physiologie des Nervensystems bei Pul- monaten. In: Arch. ges. Physiol. 106. 1905. S. 189-228 und 110. 1905. S. 533-597. 1 Fig. 130 — Beitrag zur ph y si ol ogischen Tech ni k für „T onusm uskeln", v or- nehmlich bei wirbellosen Tieren, nebst Beschreibung eines Mess- und Registrier -Apparates für die Reaktionen solcher Muskeln. Ibid. 121. 1908. S. 221—235. 131 Kai>pers , V. U. A. , Die Bildung künstlicher Molluskenschalen. Ein Beitrag zu Kartings Versuchen über die künstliche Her- stellung von Skeletten. In: Ztschr. f. allgeni. Physiol. 7. 1907. S. 166 — 176. 4 Textfigg. 132 Lang, A., Ueber die Mend eischen Gesetze, Art- und Varietätenbil- dung, Mutation und Variation, insbesondere bei unseren Hain- und Garten seh necken. In: Verhdl. Schweiz. Nat.-Ges. 1906. 48 S. 2 T. 133 Mac Farland, F. M., Opisthobranchiatamolluscafrom Monte reyßay Ca], and Vicinity. In: Bull, of the bureau of fisheries 25. 1906. . S. 109 — 151. 14 T. 134 Marchand, AV., Die latente Segmentierung der Mollusken. In: Biol. Centrbl. 27. 1907. S. 721^728. 135 Meisenlieimer, J., Biologie, Morphologie und Physiologie des Be- gattungs-Vorgangs und der Eiablage von Hclix pomatia. In : Zool. Jahrb. Syst. 25. 1907. S. 461-502. 3 T. 4 Textfig. 136 Merton, H., Ueber den feineren Bau der Ganglienzellen aus dem Centralnervensystem von Telhys leporina Cuv. In: Zeitschr. wiss. Zool. Bd. 88. 1907. S. 327-357. 2 Taf. 137 Nierstrasz, H. F., Beiträge zur Kenntnis der Fauna von Süd-Afrika. Vi. Chitonen aus der Kapkolonie und Natal. In: Zool. Jahrb. Syst. Bd. 23. 1906. S. 487-520. 2 T. 138 Nowikoff, M., UeberdieRückensinnesorgane der Place phoren nebst einigen Bemerkungen über die Schale derselben. In: Zeitschr. wiss. Zool. Bd. 88. 1907. S. 153-186. 2 Taf. 4 Textfigg. 139 Pacaut, M., et F. Vig'ier, Les glandes de Nalepa (glandes salivaires an t er i eures) de l'Escargot. In: C. r. soc. biol. 60. 1906. S. 230 ff. 140 — La salive agit-elle, chez l'Escargot, dans la digestion des Al- buminoides? Ibid. 233 tf. 141 — Distinctions de deux evolutions secretoires dans les glandes salivaires proprement dites de l'Escargot. Evolution duMuco- cyte. Ibid. S. 417 ff. 142 — Evolution du zj'mocyte dans les glandes salivaires proprement dites de l'Escargot. Ibid. S. 419 ff. 143 — Sur le role du suc des glandes de Nalepa dans l'Escargot. Ibid. S. 545 ff. 144 — Notes cytologiques sur les glandes salivaires d' Helix pomatia. In : Bibliogr. anat. T. 14. 1905. S. 247-255. 145 Plate, L., Die Variabilität und die Artbildung nach dem Prinzip geographischer Formen ketten bei den Ce?Jo?i -Seh necken der Bahama-Inseln. In: Arch. f. Rassen- und Ges.-Biol. 4. 1907. S. 433 — 470. 581—614. 5 T. (Dazu die vorl. Mittig. in Verhdign. d. zool. Ges. 1906. S. 127 —186. 1 T.) — Nr. 110—159, — - 99 - 146 Reyiiell, A., On Burtoa nilotlea and its relationship to Achatrna. In: Proc. Mal. Soc. London 7. 1906. S. 197—200. 1 T. 147 Robert, A., Remarques sur la progression des Rhi pidoglosses. In: Bull. soc. zool. France 32. 1907. S. 55-62. 148 Simrotli. H. , lieber eine Reihe von Nacktschnecken, die Herr Dr. Cecconi auf Cypern und in Palaestina gesammelt hat. Tn:Nclirbl. d. d. mal. Ges. 38. 1906. S. 84—91. 149 Smallwood, W. M., The maturation, f ertilization and early clea- vage of Hanünea solünria (Say.) In: Bull. Mus. Comp. Zool. Harvard College 45. 1904. S. 261—318. 13 T. 150 Smitli. E. A., Note on the occurrence o{ F eavls in Haliolis gigantea and Pectcn sp. In: Proc. malac. Soc. London 7. 1907. S. 311—312. 151 Sollas , B. J. I. , The molluscanradula: itschemicalcomposition and so nie points in its development. In: Quart. Journ. micr. sc. 51. 1907. S. 115-136. 1 T. 152 Stantschinsky, W., Zur Anatomie und Systematik der Gattung Onci- dium. In: Zool. Jahrb. Syst. 25. 1907. S. 358-402. 2 T. 3 Textfig. 153 Thiele, J., Archaeomenia prisca n. g. n. sp. In: Wissensch. Ergebnisse d. d. Tief- seeexpedition 1906. Bd 9. S. 315-324. 1 T. 154 — Ueber die Chitonen der deutschen Tief see - Exped ition. Ibid. S. 325-336. 1 T. 155 VIes, F., Sur les ondes pedieuses des Mollusques reptateurs. In: Compt. r. Ac. sc. Paris. T. 145. 1907. S. 276-278. 156 Willcox, M. A. , Biology of Acmaea tesUidinalis Müll. In: Amer. Naturalist. 39. 1905. S. 325—333. 157 — Anatomy of Acmaea tcsludinalis Müll. Part. I. Introductory Material. Exte mal Anatomy. Ibid. 40. 1906. S. 171—187. 4 Fig. 158 — The homing of FissureUa and SipJionaria. In: Science 22. 1905. 3 S. 159 Woodward, B. B., What evolutionary processes do the Mollusca show? Presidential address. In: Proc. mal. Soc. London 7. 1907. S. 246-259. Allgemeines. Pt. T. Günther glaubt, dass die Chaethognathen den Mollusken- Vorfahren am nächsten stehen (124). Er stützt seine Ansicht auf folgende Punkte: Der wurmförmige Körper, die bilaterale Symmetrie, besonders der Leibeshöhle im Eingeweidesack hinter dem After, Mangel unzweifel- hafter Segmentierung, Kieferbewafifnung von Sagitta und Proneomenia, Buccal- und Visceralcommissur, Velum, Endoskelet im Kopfe von Nautilus und Spadella, Seiten- und Schwanzflossen bei Sagitta und Cephalopoden, zwei paarige Öffnungen, die vom Gonadenhohlraum nach aussen führen, Kappe und circumorales Propodium der Cephalopoden, Ei-Entwicklung auf Stielen innerhalb eines folliculären Epithels, Neigung pelagischer Mollusken zum Schwund von Schale, Mantel, Kiemen und Fuss. [Soll letzterer auf Rückschlag beruhen? Srth.]. Danach sollen die Mollusken zerfallen in A. Nectomalacia mit — Nr. 110-159. — 7* - 100 — den beiden Klassen der Chaetognathen und Cephalopoden und B, Herpetoraalacia mit allen übrigen. Marchand nimmt zu der Frage vorsichtig Stellung, weil wir über den Ursprung beider Tiergruppen, der Chaetognathen und Mol- lusken nichts Näheres wissen (134). Die Vergleichung führt ihn aber zu dem Ergebnis, dass diese wie jene als gegliederte Tiere aufzu- fassen sind. Die Mollusken haben mindestens drei Segmente, von denen das erste der Kopf ist; die beiden anderen gründet er auf die doppelten Kiemen- und Vorhofpaare bei Nantilns , auf die Ge- schlechtswege und das Coelom, aus dem die Gonade hervorgegangen ist. Die Genitalgänge bei den zwitterigen Cephalopoden u. a. sollen ursprünglich getrennt sein, also jederseits ein männlicher und ein weiblicher, so gut wie es Muscheln gibt mit zwei Hoden und zwei Ovarien {Foromya, Anatinaceen). Eine Angabe, dass Vorderkiemer mit paarigen Gonaden vorkommen, ist mit hoher Wahrscheinlichkeit zurückzuweisen ; auch gelegentliche Zweilappigkeit der Zwitterdrüse bei Pulmonaten darf schwerlich in dem Sinne von Verschmelzung paariger Organe gedacht werden. Vor der notwendigen Folgerung, dass alle die getrennten Hoden und Eierstöcke anfangs zwitterig gewesen wären, dass also Cephalopoden und Muscheln 4 Zwitterdrüsen gehabt hätten, schreckt er nicht zurück. [Hier versagen wohl zunächst die Tat- sachen. Srth.] Wie dem auch sei, Marchand redet von einer latenten Segmentierung der Mollusken. Ich habe früher von Pseudo- metamerie geredet und würde in erster Linie dahin die Rückenschalen von Chiton rechnen, die Marchand ganz beiseite lässt. Alle diese Schwierigkeiten verschwinden, wenn man die Mollusken mit den Chaetognathen von Turbellarien -\- Gastrotrichen ableitet; und zwar gewinnt die von mir vertretene Auffassung um so mehr an Halt, als neuerdings nicht bloss Polycladen, sondern auch Tricladen eine Seg- mentierung ihrer Secretionsorgane zeigen, die noch dazu der Zahl nach mit der Gliederung der Chitonschale übereinstimmt. Die Gastro- trichen haben nicht nur eine ähnliche Mundbewaffnung wie die Chaeto- gnathen, sondern auch eine segmentale Anordnung der ßorstenbündel, die einerseits mit den Borstenbündeln mancher Placophoren harmo- niert, andererseits im Sinne von Eisig leicht auf Excrete zurück- geführt werden kann. Hier dürfte die gemeinsame Wurzel liegen. B. B. Wood ward (159) untersucht in einer Presidential address unter gleichzeitiger Berücksichtigung des fossilen und des recenten Materiales die Frage, wieviel in der Entwicklung der Mollusken auf continuierlichem Fortschritt, und wieviel auf Anpassung an äussere Verhältnisse beruhe. Der Mangel eines inneren Skelettes bedingt eine viel grössere Plastizität als bei den Wirbeltieren, die eine weit — Nr. 110—159. — — 101 — festere Entwicklungsreilie ergeben [worin ich dem Autor nicht ganz folgen möchte. Srth.] Die äussern Faktoren, die er berücksichtigt, sind namentlich die Flachküste, in die er den Ursprungsherd des Typus verlegt, Felsenbrandung, Schlickgrund, der auf die in ihm lebenden Tiere hauptsächlich Seitendruck ausübt, das ruhige Wasser der Tiefe, das freie Meer, das Süssvvasser, das Land, die carnivore Lebensweise. Die Hauptergebnisse sind die folgenden: In allen Klassen zeigt sich die Neigung, die Schale zu reducieren, im Interesse freierer Beweglichkeit namentlich bei den carnivoren. Bei den Scaphopoden soll eine Schalenverkürzung am Hinterende eintreten, daher der vordere Schalenspalt, bei Schizodentalimn durch Brücken zu Löchern abge- schlossen, erst als sekundäre Erwerbung gedeutet wird. Die Körperform und die verschiedene Ausbildung des Fusses sind lediglich Anpassungen an die Lebensweise und den Aufenthalt. Die Radula dagegen zeigt einen regelrechten Fortschritt von zahl- reichen kleinen Zähnen zu wenigen grossen, besonders bei den Fleisch- fressern [bei den carnivoren Pulmonaten, den sogenannten Testacelliden, dürfte allerdings die Zungenbewaffnung der ursprünglichen Stufe durch- weg sehr nahestehen. Srth.]. Das Blutgefässsystem schreitet regelrecht fort von einer archa- istischen diffusen Form zu einer scharf umschriebenen bei den höchsten Vertretern. Umgekehrt beruht die Ausbildung der Eespirationsorgane lediglich auf Anpassung an verschiedene Umgebung, daher vor einer einseitigen taxonomischen Betonung bei den Muscheln zu warnen ist. Das Nervensystem endlich zeigt bestimmten Fortschritt zu immer schärferer Konzentration. — Die Einzelheiten zu verfolgen würde zu weit führen. Die Schale. Eine sehr merkwürdige Beobachtung machte Kappers (131). Beim Erstarren von Paraffin sah er Gestalten entstehen, die mit Mollusken- und Brachiopodenschalen auffallende Ähnlichkeit haben ; so wurden verschiedene Dinge photographisch abgebildet, die nach 0. Böttgers Erklärung, also nach autoritativem Urteil, einer Terebratel, einer Area noae, einem Operculum von Turho aufs Haar gleichen. Kapp er s sah sich dadurch veranlasst, nach dem Tertium comparationis zu suchen, welches dem gleichen äusseren Bau zugrunde liegt. Er greift auf die alten Experimente von Harting zurück, unter Berücksichtigung der neuen Erfahrungen von Biedermann, Lehmann, Bechhold u.a. In den Schalen handelt sichs um das Auskristallisieren von Kalksalzen in einer viskosen Grundmasse, mag man sie als Conchin, als Rest des Calciumalbuminats, aus dem — Nr. 110-159. — — 102 — der Kalk sich abscheidet, oder dergl, betrachten. Was man bei der künstHchen Herstellung solcher oder ähnlicher Bedingungen, z. B. bei Erstarrung von geschmolzenem Schwefel, erhält, sind bald Sphaero- kristalle, bald normal entwickelte Kristalle, bald solche, die sich beim Festklemmen der Endflächen krümmen und winden. Im Paraffin lassen sich ebenfalls Microkristalle nachweisen, rhombisch und doppelt- brechend; und das Material erscheint ja beim Erstarren plastisch genug, wobei die Kristallbildung mit der Erstarrung der zähen Grund- masse der Temperatur nach beinahe zusammenfällt. Kappers steigen denn auch bald alle Möglichkeiten auf, die verschiedenen Formen der rechts- und linksgewundenen Schale, der Heterostrophie u. dergl. auf solche rein physikalischen Ursachen zurückzuführen. Ob es wirklich gelingen wird, die verwickelte Morphologie der Schale auf diesem Wege aufzulösen? Zunächst erscheinen ja selbst beim Paraffin die wunderlichen Pseudomorphosen noch rein zufällig. Es käme wohl fürs erste darauf an, dass man sie experimentell beherrschen lernte, Aber wenn das gelänge und der entsprechende Nachweis sich selbst auf die Ausscheidung des Molluskenmantels übertragen Hesse, so er- hebt sich doch das Dilemma: wird die Form des Weichkörpers eines Mollusks lediglich durch die rein physikalischen Kristallisationen in seinen Mantelabscheidungen bedingt, während wir doch gewohnt sind, gerade umgekehrt die Form der Schale sekundär als Folge der Körpergestalt zu betrachten? Geht wirklich die Übereinstimmung auf die morphologisch doch so verschiedenen Schalen der Muscheln und Armfüsser auf das rein physikalisch -chemische Prinzip zurück? Wie wird sich das Rätsel einst lösen? In dieser Hinsicht sind vielleicht alle feinen Differenzen in der chemischen Zusammensetzung einst von Bedeutung. Carl es (117) hat dazu einen Beitrag gegeben, durch Untersuchung des Fluorgehaltes. Das Meerwasser enthält danach 0,012 g Fluor im Liter. Austern- schalen zeigen die 10 fache Menge. Sie wird wesentlich geringer im Süsswasser und auf dem Lande. Die Schalen von Najaden (moules du Tarn) enthalten 3 bis 4 mg, die von Limnaeen und Planorben, von Helix aspersa und pomatia 2 bis 3 mg in 100 g Schalensubstanz nach Abzug des Periostracums. Das Fluor zeigt sich verbreitet im Süsswasser, die Landschnecken entnehmen es den Blättern der Pflanzen. Carles vermutet, dass das Fluor ganz allgemein zur Bildung und Festigung von Skeletten beiträgt. Das britische Museum erhielt neuerdings von rFapan Perlen aus Haliotis gigantea und einer Peclen-Art (150). Die von Haliotis sind besonders wertvoll wegen des starken Irisierens; die von Pecten sind v/eniger geschätzt, da sie durchscheinend sind und weniger glänzen. — Nr. 110—159. - — 103 — Eine grosse schwarze Perle aus einer Pinna schätzt E. Smith auf 4 — 5000 M. Wert. Die Haliotis wird in Japan von tauchenden Weibern gefischt. Perlen darin sind selten. Ob sie auch von para- sitierenden Trematoden veranlasst sind, ist nicht festgestellt. Die Radula. Unter einen ähnlichen Gesichtspunkt gehören die Untersuchungen von Miss Sollas (151) über die chemische Zusammensetzung der Raspel. Sie hat überall eine organische Grundlage von Chitin. Bei den Docoglossen enthalten die Zähne (ausser den marginalen) noch Siliciumhydrat oder Opal bis zu 27 Prozent, bei den übrigen wird die obertiächliche Schmelzlage durch Kalk, Eisen und Phosphorsäure im Betrag von 2,4 bis 6 Prozent erhärtet. Ilelix asper sa hatte im Winterschlaf Kieselsäure, im wachen Zustande aber nicht, dagegen nie Phosphorsäure. Die Chitoniden unterscheiden sich durch das Eisenoxyd, welches die Zähne allein festigt und dunkel färbt. Auf- fällig ist die Tatsache, dass sich die verschiedenen Abteilungen der luidula gegen Tinktions mittel verschieden verhalten. Auf Grund der Radulaentwicklung kommt Miss Sollas zu dem Schluss, dass die Zellen des Daches der Radulascheide bei der Schmelzbildung beteiligt sind, was Rös s 1er annahm. Wenn es einleuchtet, dass die besondere Festigkeit der Radulazähne bei Docoglossen und Placophoren auf der Lebensweise beruht, auf dem Abschaben der Felsen, das auch die Länge der Radualscheide bewirkt hat, so ist doch die chemische Verschiedenheit auffallend genug. Und da scheint mir der starke Eisengehalt der Chitonen auf das Land hinzuweisen, auf dem durchweg das Eisen vorwiegt. In derselben Richtung weist wohl auch die Übereinstimmung der Mantelsinnesorgane der Chitonen mit denen der Cycladiden, auf die Nowikoff hinweist (s. Nr. 138). Die Locomotion. Vor etwa 30 Jahren kam ich auf Grund von Untersuchungen, die fern von den Hilfsmitteln der Universität mit ihren zoologischen und physiologischen Instituten angestellt waren, zu einer Reihe von Schlüssen, die ich kurz wiederhole, weil sie die Grundlage bilden für die neuen Arbeiten, die jetzt endlich von berufener Seite mit Energie das Thema wieder aufnehmen. 1. Bei unseren Wasserschnecken, Vorderkiemern und Basommato- phoren zieht über die Sohle ein diffuses Wellenspiel , das einer genauen Analyse kaum zugänglich erscheint. 2. Bei den Stylommatophoren sind die Wellen zu scharfen Quer- bändern geordnet, die von hinten nach vorn über die Sohle hinweg- - Nr. 110-159. — — 104 — ziehen. Sie beruhen auf Längsmuskelfasern, unterstützt durch die Bhitsch wellung des Fusses. Da die Muskelfasern regelrecht die Sohle nach vorn schieben und verlängern, was sonst bei ähnlichen Bewegungen (Darm, Würmer und dergl.) durch Quer- oder King- muskeln geschieht, so kam ich — schweren Herzens — zu dem Schlüsse, dass die Fasern sich selber in der Tätigkeit nicht contra- hieren, sondern verlängern, und nannte sie extensile, im Gegensatz zu den contractilen. Da das Microscop die gleichen Erstarrungs- oder Gerinnungsbäuche zeigt, so nahm ich an, dass dabei eine Ex- pansion erfolge, ähnlich wie Engel mann die Anschwellung der tätigen Muskelfibrille durch Vergleich mit einer durch Wasserauf- saugung quellenden Pflanzenfaser plausibel zu machen versucht hat. 3. Anfang und Ende des Wellenspiels werden von den Fuss- nerven, d. h. von den Pedalganglien ausgelöst, die ausserdem auch während des Spiels bei Erschütterungs- und Belastungsreizen neue Impulse in die Sohle schicken können. Sie zeigen sich in stabilen Wellen , die zwischen den beweglichen auftauchen und allmählich wieder ausklingen. 4. Das Spiel der Wellen wird unterhalten von einem gangliösen Nervennetz, in das sich die Fussnerven auflösen. Bei Limax kommt es zu einer regelrechten Strickleiter, deren Längsstränge an den Seiten des locomotorischen Mittelfeldes liegen ; die Querverbindungen sind zahlreicher als die Wellen. Bei Helix ist das Netz weniger regelmäßig. — Wir haben es in dem ganzen Apparat mit einer Zwischenstufe zwischen automatisch- wirkendem Sympathicus und willkürlichen Nerven zu tun. 5. Die Ordnung der diffusen Wellen bei den Basommatophoren zu den regelmäßigen Querwellen der Stylommatophoren hat die Auf- gabe, den erhöhten Adhäsionsdruck auf dem Lande zu überwinden und die gleitende Reibung in eine Art rollende Reibung umzusetzen. Cydostoma, das, wiewohl auf dem Lande, nur ein diffuses Wellen- spiel hat, weicht dem Adhäsionsdruck dadurch aus, dass es die Sohle durch eine mediane Furche in zw^ei Hälften teilt imd die Hälften abwechselnd von der Unterlage löst. Die abgehobene Hälfte vollzieht die Verlängerung. 6. Die Schwierigkeit, die in der Abhängigkeit der Reibung von der Oberflächenbescbaffenheit der aneinander hingleitenden Körper liegt, wird aufgehoben durch die Secretion der Fussdrüse, welche ein Schleimband zwischen den Boden und die Sohle legt. Dieses Schleimband trägt die Schnecken, die im Wasser an der Oberfläche gleiten. Da es sich stetig über das Hinterende hinaus verlängert, — Nr. 110-159. - - 105 — so nimmt die Stabilität der Schnecke mit der Länge des Scliwimm- bandes zu. Später konnte ich noch zeigen, dass bei einer andern Land- deckelschnecke, Fomatias, die auch mit diffusen Wellen gleitet, ein Spiel rascherer Wellen anderer Art in entgegengesetzter Richtung von vorn nach hinten durch die Sohle zieht. Ich glaubte es auf das in gleichmäßigen Stössen durchgetriebene Blut beziehen zu sollen. Endlich konnte ich noch bei Vaginula, deren Sohle durch feine Querfurchen ziemlich tief geteilt ist, das gleiche Wellenspiel nach- weisen, wie bei den übrigen Stylommatophoren, allerdings nur nach Zeichnungen, die mein Freund S trüb eil für mich auf Java machte. Denn der Versuch, die Tiere lebend nach Europa zu bringen, scheiterte, trotzdem sie mit einem Orchideentransport sorgfältig be- handelt wurden. Gelegentliche Versuche, meine Theorie durch eine andere zu er- setzen und den Mechanismus, der etwa bei Würmern wirksam ist, auf die Schneckensohle zu übertragen (Thiele, Carl, Hai 1er u. a.), waren leicht zurückzuweisen. Dagegen zeigte mein Freund Kunkel, dass, was bei Helix nicht gelingt, ausgeschnittene Stücke namentlich der izw?«x-Sohle, leicht zu regelrechtem Wellenspiele ge- bracht werden können. Es vollzieht sich schneller als am lebenden Tier. Hier setzen nun die neuen Untersuchungen ein. VI es sucht zunächst 2in Fissurella durch Entfernung der untersten Sohlenfläche zu beweisen, dass weder Wimpern noch Blut, sondern nur die Muskeln selbst die Bewegung bewirken (155). Die Diskussion in der zoologischen Gesellschaft von Frankreich zeigt aber, dass doch das Blut noch in Frage kommen kann, da eine völlige Entblutung kaum möglich ist. So sind wenigstens die Cilien als Hilfsfaktor aus- geschlossen. Hier muss wohl eingeschaltet werden, dass sie umgekehrt an ganz kleinen Formen ganz allein ohne Muskelhilfe die Locomotion bewirken können, wie es Plate an Caecum gezeigt hat und wie es auch bei den Turbellarien des Wassers geschieht. Dagegen ist die Annahme, dass Limnaeen an der Wasseroberfläche mit Hilfe des Wimperspieles gleiten, wie sie Biedermann nach Willems noch gelegentlich vorbringt, mit einiger Sicherheit auszuschliessen , denn Succinea, die als Stylommatophor wieder im Wasser sich benehmen gelernt hat, zeigt die nicht misszudeutenden echten Querwellen am Wasserspiegel, und die Sohle von Limnaea wogt in deutlichem Muskelspiel. V 1 e s hat an einer grössern Anzahl verschiedener Amphineuren und Gastropoden, was sehr wünschenswert war, die äussern Vorgänge — Nr. 110-159. — — 106 - beobachtet und gesichtet; er kommt zu der Ansicht, dass grosse Ver- schiedenheiten vorliegen. Bei manchen Formen [Nassa , Buccinimi) erkennt man die Muskeltätigkeit nur an der Veränderung der Um- risse, bei so langsamen, wie Patella und Helcion, ist überhaupt nichts weiter zu sehen, als dass sie vorwärts kriechen. VI es unterscheidet zwei Typen, mit direkten Wellen, die von hinten nach vorn über die Sohle ziehen in der Richtung der Locomotion , und mit retrograden Wellen. Jeder zerfällt in weitere Gruppen. a) Mit direkten Wellen. l.Monotaxisch. Die Wellen überziehen ungeteilt quer die Sohle. Die Pulmonaten (besser die Stylommatophoren) bilden das Gros. Bei Oncidmm ceUlcuni erscheint nur je eine Welle auf einmal. Erst wenn sie vorn angekommen ist, taucht hinten die nächste auf. Viele Opistho- branchien, Aplysia, Äeolis, Doris, scheinen sich hier anzuschliessen. [Hier möchte ich einschieben, dass nach Jordans früherer Arbeit von 1901 bei Äphjsia die Wellen von vorn nach hinten verlaufen, was er mit aller Schärfe im Gegensatz zu den Pulmonaten betont]. 2. Ditaxisch. Die Sohle wird durch die Medianlinie in zwei Hälften geteilt, in deren jeder die Wellen nach vorn ziehen, in beiden Hälften alternierend. Dieser Typus tritt deutlich auf bei Proso- branchien mit homogenem Fuss: Haliotis; Trochus magnus und zi.ii)- phiniis, aber noch schärfer dann, wenn die beiden Hälften durch eine mediane Spalte getrennt sind: Trochus crassus. Das Maximum in dieser Richtung stellt Cyclostoma dar, bei dem jede Sohlenhälfte nach Art eines monotaxischen Fusses selbständig wirkt. Die Spalte soll durch Atrophie der nicht tätigen Medianlinie entstanden sein. Die Distaxie soll durch Arbeitsteilung die höchste Staffel darstellen, und die Formen dieses Typus sollen die höchste Geschwindigkeit erreichen. [Leider fehlen Zahlenangaben. Nach meiner Erfahrung leisten die Stylommatophoren das Maximum, die Ackerschnecken namentlich sind vielmal schneller als Cyclostoma]. 3. Tetra taxisch. Dieser Typus soll an den vorigen anknüpfen, als eine Steigerung: In der Mitte eine Spalte, jede Hälfte wieder der Länge nach geteilt, und in jedem Teilstück abwechselnde Wellen; jede Hälfte verhält sich also für sich wie ein ditaxischer Fuss. Der Typus findet sich bei kleinen Littorina- Arten. b) Mit retrograden Wellen. 1. Monotaxisch: Chitoniden {Acantocliiton fascicularis). Das Verhalten ist so einfach wie bei Oncidinm ceUicimi, nur entgegen- gesetzt. 2. Ditaxisch: Littorina Uttorea, L. ruclis. Vles legt auf die Bewegung mit retrograden Wellen besondern — Nr. 110-159. — - 107 — Wert, da sie der Locomotion der Oligochaeten, Nemertinen, Gephyreen, mancher Insectenlarven etc. entsprechen soll. Ich kann nicht leugnen, dass hier doch noch viele Unklarheiten bleiben. Zum mindesten ist es doch wohl imwahrscheinlich, dass inner- halb der Gattung Littorma die beiden entgegengesetzten Typen ver- treten sein sollen. Ich vermute, dass es sich um eine Verwechslung handelt zwischen den eigentlichen locomotorischen Wellen und der Pulsation des Blutes. Beide werden durch Muskeln bewirkt, sind aber ganz verschiedener Natur, wie wir noch sehen werden (s. u.). Wahrscheinlich handelt es sich um die Unterscheidung , die ich oben für Stylommatophoren und Fomatias aufgestellt habe. Hier muss wohl die Untersuchung von neuem einsetzen. Einiges lässt sich jetzt bereits sagen, wenn wir Roberts Arbeit ansehen (147). Er be- schreibt und analysiert die Locomotion von Trochus [TrochococMea) crassus. Jede der beiden, durch die Furche getrennten Sohlenhälften zeigt einige 50 hellere Querstreifen, die nur am Vorder- und Hinter- ende convergieren, worauf weiter nichts ankommt. Die Wellen gleiten in der Regel, in beiden Hälften abwechselnd, von hinten nach vorn. Man sieht dabei eine Anzahl der hellen Streifen, die in der Figur schwarz gehalten sind, dicker werden und sich einander nähern. Der seitliche Umriss der Sohle zeigt dabei an der Welle eine Ausladung. Wenn das Tier sich drehen will, laufen oft die Wellen auf der einen Hälfte nach vorn, auf der andern aber, d. h. auf der Seite, nach der sich das Tier krümmt, von vorn nach hinten. Es kann selbst vor- kommen, dass die Schnecke rückwärts kriecht (recule) und dass dabei alle Wellen nach hinten ziehen. Die Wellen und die Mittellinie sollen den Stellen entsprechen, wo die Sohle den Boden verlässt; das soll besonders klar hervortreten, wenn die Schnecke, durch die Nachbarschaft einer Asterie erschreckt, sich zu schneller Flucht anschickt. Die letzten Punkte sind im Auge zu behalten. Robert versucht nun durch ein Schema die Bewegung klar zu machen (s. S. 108). Es soll keine genaue auf den Einzelfall berechnete Darstellung sein, sondern auch für verwandte Bewegungsformen gelten. Das Schema setzt den Fall, dass in der Trochus-^ohle statt 50 nur 14 Querlinien wären, und man sieht, wie eine Anzahl derselben, — es sind je 4 — , sich von hinten her nach vorn gleichzeitig contra- hieren; während sich die letzte in Dilatation befindet und auf die frühere Breite zurückgeht, kommt vorn eine neue Querlinie zur Contraction — Nr. 110—159. — Solilenfläche von Tro- chns in Locomotion (nach Robert). — 108 — und so fort; und man erkennt, wie daraus ein allmähliches Vorrücken der ganzen Sohle zustande kommt. Ich bezweifle , dass die Auffassung , ja selbst die Beobachtung, die im Wasser schwer genug sein muss, richtig ist. Ich glaube nicht, dass die Contractionsstellen sich vom Boden abheben. Die seitliche Ausbauchung spricht dagegen. Wenn man die gange Welle nach Art eines geschwollenen Muskelbauches betrachtet, so ist nicht V] W VIII II 1 < — — <«« Schema der Locomotion von Trochus (nach Robert). einzusehen, wie er seitlich zwar sich verdicken , an der Sohlenfläche •aber sich verdünnen und vom Boden abheben soll. Mir macht diese ganze Welle vielmehr den Eindruck, dass in ihr, selbstverständlich durch irgendwelche Muskelcontractionen veranlasst, eine Blutschwellung vorliegt als wesentliches Moment. Daher die Ausbauchung. Der gelegentliche Richtungswechsel dieser Wellen stimmt besonders scharf, worauf Biedermanns Beobachtungen hinweisen (s. u.). — Nr. 110-159. — 109 — In seiner ersten Arbeit geht Biedermann (114) auf die Peristaltik der Eegenwürmer, der Gephyreen, nach v. Üxküll u. a. ein. Wenn ich ihn recht verstehe, nimmt er überall die Ringmuskeln und die Längsmuskeln als Antagonisten, von denen die ersteren den Quer- durchmesser des Tieres vermindern und damit den Wurm verlängern, während die Längsmuskeln umgekehrt die Verkürzung bewirken. Wesentlich dürfte sein, dass die Peristaltik bei Lumhricus nur durch das Bauchmark beherrscht wird, daher sie weitergeht, wenn zwei Wurmstücke nur durch dieses noch in Verbindung stehen, sonst aber vollkommen getrennt sind. Dieses Resultat scheint auch die zweite Arbeit (115) zu beherrschen, in der er sich den Stylommatophoren, speciell Hellx, zuwendet. Er nimmt hier Stellung gegen meine Be- hauptung, dass das Wellenspiel zwar von den Pedalnerven ausgelöst, weiterhin aber in seinem automatischen Verlauf vom subcutanen Nervennetz unterhalten wird. Sobald die Fussnerven durchschnitten sind, sollen in dem dahinter gelegenen Sohlenstück die Wellen aus- bleiben, der Fuss aber in starkem, wochenlang anhaltendem Tonus sich contrahieren, sei es, dass man nur auf einer Seite operiert, sei es auf beiden. Dass dabei vollkommenere Methoden des geschulten Physiologen zur Anwendung 'gebracht sind, als mir seinerzeit zur Verfügung standen, versteht sich von selbst, beeinträchtigt aber meine Ergebnisse nicht. Das Pedalganglion hemmt also einerseits den Tonus, und regt andererseits die Wellen an, das Nervennetz hat nichts damit zu tun. Und doch lehrt schon bei Biedermann eine Abbildung (Fig. 2, S. 42), dass die Beobachtungen nicht stimmen. Die Figur zeigt eine Weinbergschnecke, der durch einen Einschnitt in der Mitte der Sohle auf der rechten Seite die Fussnerven durchschnitten waren. Entsprechend ist der Fuss rechterseits in der Hinterhälfte stark contrahiert, die Wellen gleiten aber trotzdem darüber lijnweg. Das letztere hat Biedermann übersehen , indem er vermutlich die Medianlinie falsch orientierte. Sie können nur durch das communi- cierende Nervennetz von der linken Seite her in Ordnung gehalten worden sein. Zu demselben Resultat kommt er denn auch in der dritten Arbeit (116), die sich namentlich mit Liniax agrestis und Helix beschäftigt. Goldfärbung zeigt ihm hier an Gefrierschnitten ein feines Maschennetz in der ZfeZ/rr-Sohle , ein ebensolches in der von Limax, jedoch mit dem Unterschiede, dass bei der Ackerschnecke jederseits vom locomotorischen Mittelfeld ein Längsnervenstrang entsteht, von dem regelmäßige Quercommissuren zum Partner hinüberziehen; von ihnen geht das feine Netz aus. In die Längsstränge sind in regel- mäßigen Abständen kleine Ganglien eingelagert, wie solche , unregel- mäßig verteilt, ebenso in dem Netz selbst sich finden. Das Nerven- — Nr. 110—159. — — HO - netz aber beherrscht das Wellenspiel, nachdem es von den Fussganglien her in Gang gesetzt ist, genau wie ich es seinerzeit erschloss. Das Ingangsetzen erfolgt bei Helix erst dann, wenn das vorderste Sohlen- ende die Unterlage berührt. Eine freigehaltene Schnecke streckt und dehnt ihren Fuss (durch Blutschwellung), aber das Wellenspiel beginnt erst, wenn das Vorderende einen Haftpunkt findet. Biedermann schliesst auf Vermittlung durch die Pedalganglien , welche demnach noch sensitive Fasern enthalten müssen ausser den motorischen, um die Peristaltik in Gang zu setzen und den Blutfluss zu regeln, worauf wir gleich zurückkommen, und ausser Hemmungsnerven, um den Tonus herabzusetzen und die Peristaltik der locomotorischen Wellen wieder auszuschalten. Die Einzelheiten erreicht und beweist Biedermann durch verschiedene Anwendung der elektrischen Reizung. Seine Ver- wunderung, bei zwei so nahe verwandten Tieren so abweichende Ver- hältnisse zu finden, ist nicht nötig ; denn es handelt sich um die tief- greifende Trennung in Aulacopoden und Holopoden (s. u,). Ein anderer, interessanter Punkt betrifft die Schwellungsverhält- nisse sowohl in der Sohle, wie in den Hautrunzeln. Biedermann beobachtet ganz richtig das fluktuierende Spiel der Runzeln, das selbst beim leisen Anhauchen erfolgt (man sieht es nirgends schöner als an den grossen Limaces der Südalpen). Er zeigt , dass dieses Spiel unter dem direkten Einfluss der Pedalnerven steht, und dass es, auf dem Rücken sowohl wie an der Sohle, ebensogut rückwärts wie vorwärts fortschreiten kann. Hier haben wir, wie mir scheint, den Schlüssel für die Einteilung von Vles. Er wirft offenbar die Pulswellen mit den locomotorischen zusammen, was umso leichter möglich ist, als die letztern in den Fällen, wo sie difiiis und nicht in Querlinien geordnet sind , sich nicht beim Kriechen am Glase beobaphten lassen. Auch die Wellen, die Robert von Troclius beschreibt (s. o.), sind wohl nur derartige Pulswellen, die bald vor-, bald rückwärts laufen. Sie werden , so gut wie die Körperschwen- kungen, Krümmungen etc. von den verschiedensten Muskelfasern in ihrer komplizierten Durchflechtung bewirkt, nicht aber von den loco- motorischen Längsmuskeln (s. u.). Auch Jordan kommt zu dem Resultat, wie Biedermann, in bezug auf das Nervennetz. Auch er betrachtete früher (128) die Pedalganglien als das Centrum für die Unterhaltung des Wellenspiels, hat sich aber inzwischen (129) ebenfalls zu meiner Auffassung be- kehrt, dass dieses in dem Nervennetz zu suchen sei. Wir haben hier in dem locomotorischen Apparat der Sohle ein System erster Ordnung (nach Bethe), das sich wie bei Quallen und anderen Tieren mit ähnlichen Nervennetzen eben aus diesem und der zu- — Nr. 110—159. ~ - 111 — gehörigen Muskulatur zusammensetzt. Das Nervencentrum, speziell die Fussganglien, regulieren den Tonus, und Jordan macht sich dessen Messung auf experimentellem Wege zur Hauptaufgabe (130), wobei zu wünschen ist, dass nicht die Beobachtung der feineren anatomi- schen Verhältnisse zugunsten der Registrierapparate in den Hinter- grund treten möge. Zunächst scheint mir sein Nachweis, dass die Cerebralganglien ebenso gut wie die Pedalganglien bei der Bewegung tätig sind, erstere indem sie den Reiz auslösen und die Locomotion sistieren, letztere indem sie den Tonus regulieren, im Vordergrund zu stehen. Die Frage, auf die er ein Hauptgewicht legt, ob es dabei Hemraungsnerven gibt oder nicht, hat zunächst wohl hier mehr neben- sächliches Interesse. In bezug auf den Tonus scheinen mir zwei Beobachtungen von Biedermann besonders beachtenswert, sie be- treffen das ganz verschiedene Verhalten von Helix und Limax agrestis gegen die Wärme. Eintauchen in Wasser von ca. 35^ ist das sicherste Mittel, um an einer contrahierten Helix-'$)o\i\e, die Peri- staltik wieder hervorzurufen , und wenn dieses versagt , mag man weiteres Experimentieren überhaupt aufgeben. Umgekehrt bewirkt dieselbe Temperatur bei der Ackerschnecke augenblicklich Contrac- tion, welche alle Peristaltik unterbricht. In Schmelzwasser dagegen von 0° dauert das Wellenspiel noch an, wenn auch verlangsamt. Der rätselhafte Unterschied klärt sich sofort auf, wenn man die geographische Verbreitung der Tiere im Lichte der Pendulations- theorie betrachtet. Die Pentataenien haben in Helix pomatia ihren nördlichsten Vertreter in Deutschland, die Gattungsgenossen schliessen sich jenseits der Alpen an , in Italien eine nach der andern räum- lich getrennt, nach Vorderasien zu dagegen convergieren alle Arten, Die Tacheen, also Helix nemoralis und hortensis, gehen zwar unter dem Schwingungskreis weiter nördlich, aber bei weitem nicht so weit, wie die Ackerschnecken, die Grönland erreichten und während der Eiszeit die ganze Eismeerküste bis Ostsibirien entlang gegangen sind. Dem entspricht scharf die verschiedene Anpassung ihres Pro- toplasmas an die Wärme, wofür uns vorläufig das chemische Ver- ständnis noch abgeht. Die ganze Schöpfung ist eben nur eine Function der Sonnenstellung. Noch bleibt die Hauptfrage zu erörtern? Welches ist die eigentliche locomotorische Muskulatur? und wie vollzieht sich in ihr das Wellenspiel? Biedermann findet, namentlich sicher bei der Ackerschnecke mit ihrer schärfsten Differenzierung des ganzen Apparates, dass nur die Längsmuskeln des locomotorischen Mittel- feldes in Frage kommen können. Den Mechanismus aber sucht er auf eine andere, einfachere Weise zu erklären als ich, da dem Phy- — Nr. 110—159. — — 112 - siologen von Fach der Begriff" der extensilen Fasern, der der land- läufigen Auflassung der Muskulatur ins Clesicht schlägt, naturgemäß ein Horror sein muss. Doch lässt sieh leicht zeigen, dass seine Erklärung keineswegs stichhält und über die Schwierigkeiten nicht hinweghilft. Seine Erklärung lautet folgendermaßen (115, S. 17): „Denken wir uns eine Längslinie der Sohle (ax) in gleiche Abschnitte geteilt, und nehmen wir der Einfachheit wegen an, es pflanze sich ein einziger Wellenzug in der Richtung von a nach x fort, so wird, da die ganze Sohlenfläche infolge ihrer Klebrigkeit der Unterlage fest anhaftet, bei Contraction der hintersten Strecke (ab) zunächst der Punkt a an b herangezogen (bis a) und durch die dabei gleichzeitig h c d c X 'I \—x — ^— X. — h-x — I 1 1 1 1 1 * ■ a. ß y entstehende Verdickung stärker gegen die Unterlage angepresst. Tritt dann Erschlaffung ein, während die Contraction auf (bc) über- greift, so rückt eben der Punkt b an c heran (bis /?), und es wird dadurch das unterdessen erschlafi'te Stück (ab) wieder auf seine frühere Länge [aß) ausgedehnt und befindet sich daher als Ganzes um die Länge der Verkürzung einer solchen Teilstrecke in der Richtung nach x hin verschoben. So schreitet der Vorgang wellen- artig von Querschnitt zu Querschnitt fort und wird, unterstüzt von den namentlich vorn am Kopfende in Wirksamkeit tretenden Quer- und Längsmuskeln der Hauptmasse des Fusses, zur Vorwärtsbewegung des ganzen Tieres.'' Der letzte Passus von der Unterstützung durch Quer- und Längsmuskeln wäre nach dem Ergebnis der dritten Arbeit wegzulassen, da sich der Autor inzwischen an Limax überzeugt hat, dass nur Längsmuskeln in Betracht kommen. Aber auch mit dieser Einschränkung entspricht die Erklärung nicht den Tatsachen, aus dem einfachen Grunde, weil die Wellen anders verlaufen. Es er- schlafft nicht die ganze Welle, um demnächst eine neue davor auf- treten zu lassen, sondern es erschlafft nur der hintere Rand, während sich die Welle vorn um ein entsprechendes Stück verbreitert. Die Hauptmasse ist also noch in Contraction , ist folglich noch der Unterlage fest angedrückt, während vorn die neue Contraction dazu kommt. Diese kann mithin unmöglich das noch festhaftende Stück dahinter an sich heranziehen. Mir scheint sich kaum ein anderer Ausweg zu bieten , als dass die Contraction oder Gerinnung am vordem Rande der Welle eine Verlängerung der Faser bewirkt, daher ich sie als extensil bezeichnet habe , mag schliesslich''^ die — Nr. 110-159. — — 113 — Lösung des Problems in der oder jener Richtung gefunden werden ; denn auf die nähere theoretische Begründung des Phänomens, die ich versucht habe, wage ich um so weniger Wert zu legen, als eben bis jetzt überhaupt keine ausreichende Theorie der Muskelwirkung existiert. Wir befinden uns hier an der Stelle, wo das Eätsel des Lebens seinen stärksten Ausdruck findet („Bewegung ist Leben"). Noch drastischer aber wird die Bemühung des Physiologen in ihrer Unzulänglichkeit, wenn wir hören, dass Jordan bei ApJysia eine ganz gleiche Wirkung herausrechnet, wiewohl die Wellen von vorn nach hinten über die Sohle ziehen. Er sagt: „Der Bewegung des Fusses liegt eine Art Wellenbewegung zugrunde. Diese zu veran- schaulichen, stellen wir uns die Sohle in Abschnitte zerlegt vor. Die Welle beginnt damit, dass sich der vordere Abschnitt AB in der I h I I I I I A B D Richtung nach A ausdehnt, bei A haftet, durch Contraction B zu A nähert; gleichzeitig lässt der Teil BC den Boden los und dehnt sich, bis B haftet ; dann folgt eine Contraction B C, begleitet von einer Ausdehnung CD und Haften von C usw. Entziehen wir dem Fuss die Unterlage, so fällt das Haften fort, und wir erhalten eine ständige von vorn nach hinten laufende Welle, in der die Berge durch gedehnte, die Täler durch contrahierte Partien gebildet werden, und die erst durch zweckmäßiges Haften zur Locomotion verwandt werden kann." Da Aphjsia wohl den Basommatophoren näher steht als den Stylommatophoren, so vermute ich, dass die Welle gar keine echte Muskelwelle ist, sondern eine Blut- oder Pulswelle, die durch rückwärts gegen die haftende Masse des Tieres gerichteten Druck das Vorderende nach vorn treibt, während eigentliche locomotorische Muskelwellen entweder diftus oder gar ^nicht entwickelt sind. Dem sei wie ihm wolle, die Verwendung der entgegengesetzten Phänomene zu derselben Wirkung, wie sie die beiden Physiologen vornehmen, kann kaum geeignet sein, das Vertrauen in ihre Erklärungen zu stärken ; und näheres Zusehen erschüttert sie erst recht. Auf jeden Fall stellt die Tatsache, dass die Längsmuskelfasern imstande sind, durch ihre peristaltisch fortschreitenden Contractionen das Tier vor- wärts zu bewegen, eine solche Ausnahme dar, dass schon deshalb die Fasern einen besondern Namen verdienen. Zur Erklärung der Erscheinung wird man zweifellos weiter zurück- greifen müssen. Die einzigen Tiere, welche ausser den Stylommato- phoren die scharfen locomotorischen Wellen zeigen, finden sich be ZooJog. Zentr.albl. 15. Band. jijj, jiQ jgg 8 — 114 — den Turbellarien ; es sind die Landplanarien. Und zwar haben wir bei ihnen gleich dieselben Gegensätze, die Limax und Helix scheiden, entweder eine schmale locomotorische Mittelsohle, oder die breite Bauchseite. Von ihnen sind also die aulacopoden Schnecken (mit Limai) und die holopoden (mit Helix) gleich in getrennten Kolonnen abzuleiten. Bei den Strudelwürmern aber stehen wir am Anfang der Metazoen, bei denen zum ersten Male ein in Muskel- und Nerven- fasern zerlegtes Bewegungsorgan auftritt. Die Strudelwürmer sind aber meines Wissens die einzigen, jeden Hautskelettes entbehrenden Tiere, welche allein die Muskulatur der Bauchseite zur Locomotion verwenden. Die Peristaltik mit den Bing- und Längsmuskeln als Antagonisten kommt so wenig zur Geltung, als andererseits die In- sertionen am Hautskelett, welche eine schärfere Mechanik in ge- wohnter Weise ermöglichen, noch fehlen. Hier muss das Rätsel, wie die Längsmuskelfasern der Bauchseite durch irgend welche Umlagerung des uns noch unbekannten Elementarvorganges zur Locomotion, zur Verlängerung des Körpers nach vorn, dienen können, gesucht werden und einst seine Lösung finden. Der durch den Tonus der Gesamt- muskulatur bewirkte Druck wird dann bei den Schnecken weiter ver- wendet, um die Locomotion durch Blutschwellung zu unterstützen. Die Pulsationen, die durch das Muskelgetlecht bald vor-, bald rück- läufig bewirkt werden, können, wie es scheint, unter Umständen die Aufgabe der Locomotion allein übernehmen, namentlich im Wasser, das so viele auf dem Lande erworbene Fähigkeiten nachträglich wieder verloren gehen lässt. In der direkten Linie, bei den Stylomniato- phoren , dagegen bleibt zum mindesten die scharfe Ausbildung in Querwellen erhalten; vielleicht möchte es vorkommen, dass auch hier die Blutschwellung an Stelle der Längsmuskeln eintritt, aber dann in einem ebenso geordneten und besonders wirksamen Wellenspiel, bei den Soleoliferen nämlich. Denn bei den Vaginuliden konnte ich an den Seiten der Sohle ein ausgesprochenes System von Sphincteren an den Blutlacunen nachweisen; und der Umstand, dass hier die Wellen gegen das Hinterende, wo die Pedalarterie in die Sohle ein- tritt, kräftiger sind als vorn, scheint in der gleichen Richtung zu deuten. Ampliiueura. a) Aplacophora. In der Proneomenia valdiviae von der afrikanischen Ostküste kommt noch eine Form aus der Valdivia-Ausbeute von der Südspitze, von der Agulhasbank, die Thiele (153) als neue Gattung und Art beschreibt, Ärchaeomenia prisca. Er erwähnt ausserdem noch von — Nr. 110-159. — — 115 - der Westküste eine Form des Berliner Museums, wahrscheinlich liliopalomenia aglaopheniae , die im Atlantic bis England und im Mittelmeer verbreitet ist. Die neue Archaeomenia steht im Habitus und im Bau der Neo- menia sehr nahe. Und wenn diese bisher von Thiele für das pri- mitivste Aplacophor gehalten wurde, so weist jene jetzt noch mehr primitive Merkmale auf, denn sie besitzt eine mehrreihige Radula, die der Neomenia fehlt, dazu eine nur dünne Cuticula ohne Hypo- dermisfortsätze. Charakteristisch sind ferner der Mangel besonderer Speicheldrüsen, die Gegenwart eines zungenförmigen Copulations- organs und zweier Penisstacheln in Verbindung mit schlauchförmigen Drüsen, sowäe reiche Kietnenfalten in der hintern Höhlung. Die Körperbedeckung besteht aus kurzen rinnenförmigen und längeren nadei- förmigen Kalkstacheln in besonderer Anordnung, dazu kommen pfeil- i'örmige, die ebenfalls rinnenförmig zusammengekrümmt sind. Der dünne Hautmuskelschlauch ist primitiv, zwar mit Anschwellung neben der muskellosen Bauchrinne, doch ohne Ablösung besonderer Muskel- bündel. Ebenso ist das Nervensystem ursprünglich, wie bei Neomenia. Auch das wohlentwickelte Herz fasst Thiele in diesem Sinne auf, so gut wie die getrennte Mündung der Genitalwege, die auch nicht mit der Kiemenhöhle zusammenhängt; denn die zwischen ihnen ge- legene Haut erhebt sich kielartig und verlängert sich nach hinten in ein Copulationsorgan , das zw^ar in einer Rinne , aber nicht in einer besonderen Scheide liegt. Die rinnenförmigen Penisstacheln sind distal stärker verkalkt. Für Neuerwerbungen hält Thiele den Mangel eines vorderen dorsalen Blinddarms, die Aussackungen des Mitteldarms an die Penisstacheln, die einfachen, sackförmigen Gonaden und die einfache Bauchfalte. Interessant erscheint mir die geographische Lage dieser Urform, am weitesten südwärts verdrängt unter dem Schwingungskreis. b) Polyphacophora. Thiele (154) und Nierstrasz (137) bringen gelegentlich geo- graphischer Arbeiten eine Menge morphologischer Einzelheiten, die allerdings wenig geeignet sind unsere allgemeinen Kenntnisse zu er- w^eitern , sondern nur zu systematischer Sichtung beitragen. Ich übergehe daher die Beschreibung der Stacheln, der Schalen, der Ästhetenanordnung, der Radula. Die taxonomischen Erörterungen lehren aufs neue, welcher Sorgfalt es bedarf, um auf diesem Gebiete Klarheit zu schaffen. So zeigi Thiele an der Schale, dass Lepido- pleurus sylcesi nicht, wie Sowerby meinte, zu Hanleya gehört, dass Chaetopleura miranda zu NuttaJochiton gezogen werden muss, oder — Nr. 110-159. — 8* — 116 — Adelmehr auf Grund der Radula, der paarigen Gonaden u. dergl. die Aufstellung einer neuen Gattung oder Untergattung Notochiton ver- dient. Sars' LophyvHS exaratus kann weder zu Lophyrns noch zu Trachydermon , noch zu Lepidozona gestellt werden, wo er bisher herumgeworfen wurde, sondern gehört zu Ischnochiton, und zwar zu der neuen Untergattung CJiondropleura^ die noch einige neue Arten aufnimmt, auf Grund der lladida. Ischnochiton texfilis Gray steht nach Nierstrasz in bezug auf die Darmschlingen zwischen Niitta- lochiton hyadesi und Hanleya hanleyi, die Lateropedalconnective sind bis auf wenige Reste verschwunden. Chiton nigrovirens hat nach demselben als Speicheldrüsen nur unverzweigte, kugelförmige Ausstülpungen des Pharynx, wie sie sonst nur primitiven Chitoniden zukommen. Bei Onithochifon Uteratus Krauss communiziert die Herzkammer hinten mit dem Canalis communis; es scheint, dass sich hier ein neuer höherer Bau des Herzens herausgebildet habe, wie ihn Plate bereits vermutete. Nowikoffs sorgfältige Arbeit (138) stellt einen wesentlichen Fortschritt in unserer Kenntnis der sogen. Sinnesorgane der Chitonen- schale dar, in histologischer und physiologischer Hinsicht. Der Bau der Augen, wenigstens der sogen, extrapigmentären, wird namentlich dadurch erweitert, dass ihnen allen ein Glaskörper zuerkannt wird, den Mierästheten wird ihre sensorielle Natur ab-, dagegen eine wesent- liche Bedeutung für den Schutz der Schale zugesprochen. Die Linse, die bisher von M o s e 1 e y und Plate als homogen beschrieben wurde, zeigt sich bei Acanthopleura japonica deutlich geschichtet, nach Art der Stärkekörner, auch wohl nach deren Art aus zweien verschmolzen, und die Knötchen in den konzentrischen Linien lassen auf alveolären, wabigen Bau schliessen. Eine solche Grundlage scheint in schwächerem Maße auch den übrigen Linsen eigen zu sein. Nicht nur in dieser Struktur, sondern auch in der Entstehung entspricht die Linse einem der grossen Rückenstacheln, die von einer Zelle abgeschieden werden. Freilich war es nicht ganz sicher , ob von der Gruppe der Bildungszellen nur eine die Linse lieferte, oder ob auch die Nebenzellen dabei mitwirkten. Die Schrumpfung der Gruppe ergibt bisweilen noch einen letzten Rest im Glaskörper. Die Retina besteht, entgegen der bisherigen An- schauung, die nur eine Zellform in ihr anerkannte, aus Sehzellen von verschiedener Länge und aus Zwischenzellen. Die Sehzellen enthalten, entweder distal, oder neben dem zur Seite gedrängten Kern einen gleichmäßigen rundlichen Binnenkörper, eine Phaosphäre, die aber, schon weil sie auch in andern Epithelzellen auftritt, schwerlich für den Sehakt Bedeutung hat. Die Zwischenzellen haben sich wohl bis- — Nr. 110-159. — — 117 — her der Wahrnehmung deshalb entzogen, weil sie meist zwischen den Sehzellen sehr eingeengt sind und nur an den Enden anschwellen. Distal lassen sich oft Faserfortsätze wahrnehmen , die in den Glas- körper übergehen. Fraglich bleibt es, ob auch die Sehzellen solche Fasern entsenden. Die Fasern des Glaskörpers sind in der Regel gegen die Linse gerichtet, bei den Liolophurinen aber mit einem tief- beutelförmigen Bulbus haben sie Querlage. Im Querschnitt zeigt der Glaskörper hier eine kleeblattartige Figur, doch ist diese Ähnlichkeit mit einem Rhabdom nur änsserlich und ohne physiologischen Wert. Der Bulbus wird umgeben von Füllzellen, welche zwar einem netzigen Bindegewebe gleichen, aber doch epithelialer Natur sind. Denn das Auge entsteht in der ästhetenbildenden Kante lediglich aus einer Gruppe von Epithelzellen, von denen es auffällt, dass sie ihr Pigment nur an der Oberfläche ausscheiden und in die Grundsubstanz des Tegmentums einlagern. Für die Ästheten weist Nowikoff zunächst darauf hin, dass sie nicht mehr den Amphineuren allein zukommen, sondern unter den Muscheln bei CahjciiUna nach 0. Schroeders Untersuchung ihr Homologon haben. Die Megalästheten enthalten dieselben Füllzellen, wie das Auge. Darin lassen sich Sinneszellen unterscheiden. Drüsen- zellen sind wahrscheinlich weiter nichts als besonders angeschwollene Füllzellen, welche die Abscheidung der Scheitelkappen besorgen. Jedes Mierästhet enthält nur eine Zelle , welche dieselbe Aufgabe hat. Das Auge entspricht einem Megalästheten, aber die Linse ist nicht einer Scheitelkappe gleichzusetzen (contra Plate), sondern, wie er- wähnt, dem kalkigen Teil eines Rückenstachels, während die Scheitel- kappe auf dessen Chitinbecher zurückgeht. Gegen die Function der Mierästheten als Sinneswerkzeuge spricht nicht nur ihr Nerven- mangel, sondern ebenso ihre oft dichtgedrängte Stellung. Die Ent- fernung der Megalästheten dagegen voneinander entspricht ungefähr dem kleinsten Abstände, der noch in der menschlichen Haut wahr- genommen werden kann, 4 — 6 mm. Die Aufgabe der Mierästheten und z. T. auch der Megalästheten liegt in einer andern Richtung, in dem Ersatz nämlich des Periostracums , das durch Wasserbe- wegung, Sand und Algen sehr leicht zerstört wird. Da treten die Scheitelkappen schützend ein, zumal sie sich um so mehr verbreitern, je stärker die Abnutzung der Schale vorschreitet. Schliesslich wird noch die verschiedenartige , sehr regelmäßige Durchbohrung der Schale durch die nervösen Faserstränge, die von den lateralen Strängen ausgehen, und ihre Verzweigung besprochen. Nr. 110—159. — — 118 — Prosobraiichia. Miss Will cox (156, 157) beginnt eine aiisfiihrliche Monographie von Acniaea testudinalis. Der anatomische Teil bringt die Be- schreibung des Äusseren und alles dessen, was man nach Abheben der Schale an dem bei 15 — 25° C erschlafften Tier sehen kann, die Kieme, die Mantelnerven und namentlich die Gefässe, nämlich: 1. Ein ringförmiges inneres Mantelgefäss, 2. das periviscerale Gefäss, U-förmig auf der Innenseite des Schalenmuskels, der noch Coluraellarmuskel genannt wird. Rechts vorn verbindet sich es mit dem inneren Mantel- gefäss, links geht es gerade hinter dem Pericard in eins der hori- zontalen interfascicularen Gefässe über, 3. Das äussere Mantelgefäss bildet einen zweiten Ring um den Mantel am Grunde der Drüsenzone, 4. Die horizontalen interfascicularen Gefässe verbinden 1 und 2. 5. Die vertikalen interfascicularen Gefässe steigen von der Sohle auf zu den horizontalen. 6. Der Mantelplexns besteht aus einem dorsalen und einem ventralen Netzwerk, jenes vom äusseren, dieses vom inneren Mantelgefäss ausgehend, jenes in der drüsenfreien, dieses in der Drüsenzone des Mantels blind endend. 7, Ein oder zwei transversale Mantelgefässe vom äussern Mantelgefäss links vorn zur Vorkammer. 8, Ein Suprarenalplexus entsteht dadurch, dass die Coeca der Niere nach oben in den subcutanen Sinus hineinwachsen und ihn in einzelne Räume zerlegen, 9. Supravisceralgefässe hängen mit den vorigen zusammen. 10. Die Kiemengefässe laufen an den Seiten des Cteni- diums entlang. Das Vas afferens bringt das Blut vom Suprarenal- plexus, das Vas efferens führt es in die Vorkammer, Besonders wertvoll sind die biologischen Beobachtungen. Die Acmaeen leben an allen Küsten ausser an denen von Afrika, hier nur an der Südspitze. [Die Pendulationstheorie hat daraus den Schlnss zu ziehen, dass sie in polarer Schwingungsphase unter dem Schwingungs- kreis durch Flucht in das Gleichmaß des Wassers entstanden, von luftatmenden Formen, wahrscheinlich Patellen, ausgehend. Die niedrige Temperatur, welche den Tonus aufhebt (v. o.), spricht schon dafür. Auf dieser Flucht würde die Erwerbung der Kieme beruhen. Srth.J A. testudinalis tritt nur vereinzelt auf südwärts von Cap Cod, nach Norden von dort wird sie häufiger und zugleich grösser, aber nicht allein infolge der kalten Nordströmung, die sich hier geltend macht; denn nicht nur ein niedriges Wärme -Optimum kommt in Frage, sondern ausserdem das Gleichmaß der Temperatur. Auch an den nördlichen Fundstellen nämlich leben die grössten Tiere an der Wassermarke bei tiefstem Ebbestand, nicht aber darüber, wo sie, an schattigen und feuchten Plätzen aushaltend, täglich zweimal der Luft ausgesetzt sind. Im Brackwasser verkümmern sie. Bei Eastport — Nr, 110—159. — — 119 — (Long Island) bleiben sie das ganze Jalir an der Küste, bei Boston (Massachusetts) verschwinden sie im Spätherbst, um'Jm März oder April wiederzukehren. Sie gehen aber nicht unter die Linie des niedrigsten Wasserstandes, um der Kälte auszuweichen (denn selbst Eisbildung unter dem Mantel schadet ihnen nichts), sondern um die starken Temperaturschwankungen der Luft zu vermeiden. Unbe- stimmt bleibt es, ob die Art an der amerikanischen Küste sich weiter nach Süden auszudehnen sucht , wie es um die Mitte des vorigen Jahrhunderts in England beobachtet wurde, wo sie zuerst bei Isle of Man plötzlich auftrat. Die Verbreitung mag schneller durch losgerissene Tangstücke geschehen, an denen sie gelegentlich haften, als durch die Veligerlarve, die wenigstens bei A. virginica nur mehrere Tage ein freischwimmendes Dasein führt. Die Schnecke kann an der Oberfläche des Wassers gleiten. Sonst ist sie sehr träge, und die Gewohnheit, den alten Fleck nach der Wanderung wieder auf- zusuchen (.homing'), welche Miss Willcox jetzt auch für Fissurella harhadensis und Siphonaria alternaia festgestellt hat (158), konnte für die Acmaea nur auf Umwegen erschlossen werden. Die Nahrung scheint rein vegetabilisch zu sein; vom Felsen werden dabei kleine Sandkörnchen mit aufgenommen; sie sollen zur Zerkleinerung ^^des Futters dienen und um so nötiger sein, als der Darmkanal sehr muskelarm ist [können sie da wirken?]. Von den Tangen wird die Rindenschicht abgeweidet, indem das Tier die Schnauze hin und her bewegt und dabei auffallenderweise rückwärts geht.- Zur Atmung dient der Hauptsache nach das Wasser, das durch den Mantelrand und die Kieme aufgenommen wird. Doch ist Luftatmung nicht aus- geschlossen, da die Schnecken im Aquarium oft an der Oberfläche sitzen und die Atemhöhle weit öflnen und voll Luft nehmen. Von Sinnen scheint nur das Gesicht, das Gefühl und der Wärmesinn ent- wickelt. Das Gesicht scheint nur Licht und Schatten zu unter- scheiden und kommt erst in Frage, wenn die Wärme, die den Haupt- einfluss ausübt, steigt und das Tier zur Locomotion veranlasst; es sucht dann den Schatten auf. Das Gefühl ist nicht nur in den Fühlern, sondern auch in der Kieme verfeinert ; sie wird als ein Taster gebraucht, wiewohl sie keine Sinneszellen enthalten soll. Die Ge- schlechter sind getrennt, können aber nur im Reifezustande an der verschieden gefärbten, durch den Fuss scheinenden Gonade erkannt werden, da sekundäre Sexualcharaktere fehlen. Die Fortpflanzungs- zeit währt von Mitte April bis Ende Juli bei Boston, bei Eastport bis Mitte September, d. h. jedesmal bis kurz vor der höchsten Wasser- temperatur. Die Eier werden nicht einzeln abgelegt, wie bei Patella, sondern in eine von der Sohle abgeschiedene Schleimschicht einge- — Nr. 110-159. - - 120 — bettet. Ob die Befruchtung eine innere oder äussere ist. konnte nicht entschieden werden. Bei Patellen muss sie gelegentlich eine innere sein, da Embryonen in der Gonade vorkommen. Eines Abends wurden zwei Acmaeen beobachtet, wie das Männchen auf das ruhig dasitzende Weibchen stieg und es mit den Fühlern caressierte. Dann wurden die Nackenhöhlen links aneinander gedrückt. Da der Wimper- strom in der Nackenhöhle von links nach rechts geht, könnte wohl das Sperma zu der rechts gelegenen Genitalöffnung geleitet werden. Die Eiablage erfolgt abends. Den andern Tag bereits soll die Trocho- sphäre gebildet Averden. Die Entwicklung scheint sehr rasch zu gehen; den Winter über werden die Tiere geschlechtsreif, oft schon bei der geringen Körpergrösse von 1 cm. — Die Acmaeen scheinen nur einen Feind zu haben in Purpura lajnllus, die die Schalen anbohrt. Bartsch beschreibt eine neue Eiilima, die in 3000 m Tiefe bei Britisch Columbia parasitisch an dem Crinoiden Ftilocrinus pinnatns gefunden wurde, E. j^üJocrinicoIa (112). Die Tiere senken ihren Rüssel in das weiche Gewebe des Wirtes, und punktförmige Löcher auf dessen Haut deuten auf frühere Angriffe. Bergh beschäftigt sich wieder (113) mit der Anatomie einiger Lamellariiden, und zwar mit LameUaria (Ifarsenia) perspicua und 2 neuen südafrikanischen Arten aus tiefem Wasser. Die Verhältnisse sind typisch in bezug auf Radula, Penis, Kieme, Verdauungskanal. Die L. leptoconcha hat sehr kleine Augen träger, anscheinend ohne Augen , als Anpassung an die Tiefsee. Dass das Weibchen eine Radula mit viel gelberen Zähnen hat, als das Männchen, könnte als sekundärer Geschlechtscharakter gelten, wenn mehr als ein Weib- chen erbeutet wäre. Von Sic/aretus plamdatus liess sich nach dem Erhaltungszustande nur das Äussere, die Furche, welche das Pro- podium abtrennt, der Penis, der zwar distal das Ende des Samen- leiters hervortreten lässt, gleichwohl aber eine äussere Rinne trägt u. dgl. m. beschreiben, sowie die Radula. Ojnstliobraucliia. Eine Menge von biologischen und anatomischen Einzelheiten verstecken sich in faunistischen Arbeiten. Ich will versuchen, das Interessante herauszuheben, wiewohl eine oft noch nicht geklärte Systematik das Wirrsal steigert. Doch zunächst ein paar Spezial- abhandlungen ! M ertön beschreibt (136) bei Tethys, die ja bei den Concho- logen jetzt wieder Ajjli/sia heisst, nach I bering aber Phoenicttrus heissen sollte, zunächst einige grosse und ein Paar kleine weisse Ganglienzellen, denen das gelbe Pigment fehlt, und geht dann sehr - Nr. 110—159. — - 121 — ausführlich aiif den histologischen Bau der Nervenzellen überhaupt ein, mit ausführlicher Diskussion der neueren Arbeiten. Den Kern lässt er unberücksichtigt. Er unterscheidet im wesentlichen ein Exo- plasma und ein Endoplasma. Das letztere enthält zwei Gebilde, die im Exoplasma zurücktreten, aber zu einander in engen Beziehungen stehen, ein spongiöses Netzwerk und grössere oder kleinere Plasma- schollen. Sie haben wohl mit der Ernährung der Zelle zu tun, lassen aber auch einen schmalen Saum um den Nucleus frei. Von aussen treten die Lymphspalten des Hüllgewebes in das Exoplasma ein, begrenzt von Membranen im Zusammenhange mit kleinen Zellen, die vorläufig als Hüllzellen bezeichnet werden, da die ontogenetische Analyse noch aussteht zur Entscheidung, ob es sich um Neuroglia- zellen handelt. An einzelnen Stellen treten zwar diese Lymphspalten oder deren in feine Fasern auslaufende Enden mit dem Netzwerk des Endoplasmas in Zusammenhang. Doch glaubt M ertön das Netzwerk nicht aus ihnen ableiten, sondern als einen echten Be- standteil der Ganglienzellen selber betrachten zu sollen. Die Exi- stenz und Herkunft echter Neurofibrillen bleibt zweifelhaft, vielmehr kommt die Streifung der Nervenfaser, die bei ihrem Eintritt in die Ganglienzelle in das Exoplasma und wohl auch in die Lückenräume des Endoplasmas ausstrahlt, durch die Längsstreckung der Plasma- waben zustande. Das gelbe Pigment gehört zu den Lipochromen, die einzelnen Farbkugeln bestehen aus kleinsten Körnchen, die in eine gleichmäßige Grundsubstanz eingelagert sind. Die Diskussion übergehe ich. Alexandra I n g i e r berichtigt und vervollständigt M a z a - rellis Beschreibung der Genitalien von Acera hnllata , wiewohl einiges noch unentschieden blieb (127). Eier und Sperma reifen in der Zwitterdrüse zu gleicher Zeit und wandern gleichzeitig und zu- sammen durch den Zwittergang. Wo er in den Spermoviduct über- geht, sitzen verschiedene Organe an, über deren genauere Mündungs- verhältnisse die Orientierung schwer scheint, das Receptaculum seminis, die Eiweissdrüse und die Nidamentaldrüse. Es ist wohl sicher, dass das Ei beim Passieren vom Receptaculum aus befruchtet wird, dann erhält es das Eiweiss von der Eiweissdrüse, aber das weitere bleibt noch festzustellen. Ist in der Nidamentaldrüse eine gesonderte Schalendrüse enthalten? Sie stellt einen Blindschlauch dar, der sich in mehreren Windungen zusammenkrümmt. Auf der concaven Seite im Innern des Knäuels läuft aber noch ein besonderer Nidamentalgang, der mit den Windungen mehrfach communziert. Die Eier treten, wenn sie fertig sind, in das distale Schlauchende ein und erhalten hier ihren Schleimübergang, der sie zu einem Laich- — Nr. 110-159. — — 122 — band zusamraenfasst (zum Unterschied von Äcmaea, \\o diese Auf- gabe vom Fuss übernommen wird, s. o.). Unklar bleibt ferner ein Blindsack und ein Drüsenbesatz am distalen Ende des Spermoviducts; dieser wird als Prostata gedeutet, jener enthält während der Fort- pflanzungszeit Sperma, sollte also wohl als Bursa copulatrix gelten. Doch wird ausdrücklich betont, dass er an der männlichen Rinne des Spermoviducts sitzt und nicht an der weiblichen. Flimmerrinne, Penis und Histologie bieten keine Besonderheiten. Die Laichzeit fällt an der norwegischen Südküste m den Mai. Die langen Laich- schnüre werden dicht unter dem Wasserspiegel an Zosterablättern befestigt. Haminea solitaria laicht dagegen nach Smallwood (149) an der amerikanischen Küste zwischen Cape Cod und Florida vom Juni bis September. Die Fortpflanzung erfolgt ebenfalls an der Küste. Die übrige Zeit des Jahres aber verbringen die Tiere in tieferem Wasser. Die Eiablage, die meist 11 bis 12 Stunden nach der Copula einsetzt, erfolgt zwar zu jeder Tages- und Nachtzeit, aber die Morgen- stunden zwischen 3 und 6 Uhr werden bevorzugt. Eine Eikapsel, die leider nicht näher beschrieben wird, enthält ca. 2000 Eier, und die ersten davon befinden sich im Zweizellenstadium, wenn die letzten abgelegt werden. Von anderen Tectibranchien gibt Bergh zahlreiche ein- zelne Anatomien, ohne dass wesentliche Differenzen von früher be- kannten herauskämen (113), von Aplysiiden 8 Aplysien, 1 DolaheJla, von Notarchiden 1 Acclesia, von Philiniden 1 Philine, von Doridiiden 1 Doridium, von Pleurobranchiden 2 Pleurolranchaea, 1 Oscaniopsis, 1 OscanieUa und 1 Berthella. Eliot (121) erörtert die Stellung von Newnesia. Sie steht vermutlich Diaphana am nächsten, mit der sie den Mangel von Parapodien und von Kauplatten im Magen gemein hat, doch ist die Radula dreireihig, gegenüber der einreihigen von Diaphana. TJtriculus steht ebenfalls benachbart, hat aber keine Radula, dafür Kauplatten. Wenn die Kieme nicht frei herabhinge, sondern angewachsen wäre, so würde sie der der Lophocerciden gleichen, mit der sie manche Eigentümlichkeiten des Darmkanals, der Mangel der Kiefer und Kauplatten, verbinden. Doch fehlen die Parapodien, und das Sperma wird durch eine offene Samenrinne, aber nicht durch ein geschlossenes, inneres Yas deferens geleitet. Die Lophocerciden haben die typische Zungenbewaffnung der Asco- glossen, doch werden die abgenützten vorderen Zähne nicht in einem Blindsack aufbewahrt. Die Gattungen Lohiger und Lophocercus unterscheiden sich dadurch, dass der letzteren die Schwimmlappen fehlen, sie schwimmt, indem der Schwanz ausschlägt. Auch hat sie — Nr. 110—159. — — 123 — einen grossen Pharynx und kleinen Kropf, während die Verhältnisse bei Lohiger umgekehrt liegen. Die Arten von Lophocercus unter- scheiden sich durch die bald fehlende, bald vorhandene Anhangs- drüse des Penis. Das Heer der Nudibranchi en erhält viele Bereicherungen. MacFarland bringt (133) vorzügliche bunte Habitusbilder der ge- meineren californischen Arten, dazu eine neue, von der Berghschen etwas abweichende Einteilung, die durch zahlreiche Abbildungen von der Mundbewaffnung und den Genitalien illustriert wird. Sie stützt sich ausserdem auf die Körperform , die Tentakel und die Kiemen. Ich gebe sie in abgekürzter Übersicht. Section Do ridoid ea. Fam. A. Dorididae. Bathydoridinae, Hexabranchinae, Archi- doridinae, Discodoridinae, Diaululinae, Cadlininae, Kentrodoridinae, Platydoridinae, Chromodoridinae, Miamirinae. Fam. B. Doriopsididae. Fam. C. Phy lli didae. Fam. D. Poly ceridae. Polycerinae, Goniodor idinae. Fam. E. Corambidae. Fam. F. Doridoxidae. 20 Arten werden aus- führlich anatomisch geschildert, nämlich 1 Archidoris, 1 Anisodoris^ 1 Discodoris, 1 Bostanga, 1 Diaidula, 1 Aldisa, 2 Cadlina, 1 Chromo- doris, 1 Doriopsis, 1 Aegires, 1 Laila, 3 Triopha, 1 Polycera, 2 Acantho- doris, 1 Ancula, 1 Hopldnsia. Gelegentlich der Bearbeitung der Fauna von den Cap Verden (120) macht Eliot die interessante Bemerkung, dass Nudibranchien an kleinen oceanischen Inseln kleiner bleiben als die Vertreter der gleichen Arten an Kontinentalküsten. Von Neuseeland (119) beschreibt er eine neue Untergattung Ctenodoris , die er mit Staurodoris , Archidoris u. a. einfach unter Doris subsumieren will; ebenso tritt er (121) für eine engere Zu- sammenfassung von Artacliaea, Cadlina, Sphaerodoris , Chromodoris und wohl auch Aldisa ein, als Bergh sie wollte. Die Unterschiede der Mundbewafifnung, des Penis, der Kiemen sind oft gering, viel- leicht auch wechselnd, wie er die Jie/i&e- Arten bald mit Kiefern, bald ohne solche vorfand. Solche Vereinfachungen sind äusserst er- wünscht. Bergh hat, lange Zeit beinahe als einziger, uns die ver- schiedenen Formen fremder Meere unterscheiden gelehrt, dabei aber allmählich ein so enormes Material geschaffen, dass es nunmehr Zeit wird, nach neuen Erfahrungen möglichst zu sichten, um niclit die Übersicht zu verlieren. Bergh selber sieht sich wieder zur Schaffung einer neuen Gattung TrHo7tidoxa gezwungen (113), die mit den Tritonien im allgemeinen übereinstimmt^ aber der Rückenkiemen völlig entbehrt. Von seinen Abbildungen verdient das schöne llabitusbild einer Idaliella besondere — Nr. 110-159. — - 124 — Erwähnung. Mit welchen Schwierigkeiten die Unterscheidung der Nudibranchien oftmals zu kämpfen hat, ersieht man daraus, dass es selbst diesem Kenner nicht gelang, eine Reihe hart conservierter Tiere an bestimmter Stelle unterzubringen. Von Eliot sei noch die Abbildung des Vorderdarmes einer Doriopsilla erwähnt (119). Die Form ist bekanntlich agloss , an Stelle des Pharynx ist ein langer geknickter Munddarm vorhanden. Er geht beim Durchtritt durch den Schlundring in den Ösophagus über. Beide Abschnitte sind durch eine Klappe getrennt, die sich merk- würdigerweise nach vorn und aussen öffnet, nach innen zu aber schliesst. Schliesslich wird noch die absonderliche Familie der Phylirrhoiden durch Andre (110) um eine neue Gattung Ctilopsis bereichert. Er selbst wird freilich bereits schwankend, ob seine östliche Form nicht mit der PhpUirrhoe trematoides Chun zusammenfällt, die kurz vor seiner Publikation von Elise Hanel als Cephalopyge generisch abgetrennt wurde. In der Tat zeigt sich eine grosse Übereinstimmung in der Ausbildung der Fühler, der Körperform, des Darms mit dem vorn auf dem Rücken mündenden After, der Genitalorgane, ja selbst des Fussdrüsenrestes. Doch scheinen auch einige Unterschiede vorhanden. So beschreibt Andre die flach linsenförmigen, dem Hirn aufliegenden Augen, während sie weder Chun noch Hanel von Cex)halopyge er- wähnt, woraus freilich auf ihre Abwesenheit noch nicht bestimmt geschlossen werden darf. Was er vorläufig als Myoblasten beschreibt, würde wohl auf die verzweigten Quermuskelfasern yor\' Cephalopyge sich zurückführen lassen. Und so halte ich es für das beste, die Gattung Ctilopsis wieder einzuziehen. Pulmoiiata. An der Schale einiger Ennea-kviQw aus der DmjjÄorrt-Gruppe fand Fulton (123) eine eigentümliche Verdoppelung der Wand an etwa sechs Umgängen unterhalb der Spitze. Bei andern Species blieb die Wand jedoch, wie gewöhnlich, einfach. Bei Ennea tuha dagegen werden die oberen Windungen durch ein Querseptum abgeschnitten. Man wird in der Erklärung nicht fehlgehen, wenn man das Septum so gut wie die Wandverdoppelung auf die gleiche Ursache zurück- führt. Die langcylindrische Schnecke zieht beim Weiterwachstum die Spitze des Eingeweidesacks aus der Schalenspitze heraus, und diese schreitet zu einer neuen Abscheidung des Ostracums. Die Secretion in Form eines Septums ist ja bekannt genug, wo dann \die Spitze abgeworfen zu werden pflegt, bei Clausilien Stenogyra decoUata usw. Aber dass ein solches Septum von der Form der Gehäusespitze selbst, — Nr. 110-159. — — 125 — nur etwas verkürzt, gebildet werde und erhalten bleiben kann, ist neu. Es erhöht nur die Ähnlichkeit mit den Kammersepten von Nautüns, auf die ich früher hinwies. Pacaut und Vi gier haben die Speicheldrüsen der Weinberg- schnecke einem minutiösen histologischen und chemisch-physiologischen Studium unterworfen, und zwar nicht nur die eigentlichen, sondern auch jene kleinen drüsigen Komplexe, welche Nalepa an der Mündung der Speichelgänge in den Bulbus nachwies und die sie daher als Nalepa sehe Drüse bezeichnen (139 — 144). Die Histologie lehrt in den Speicheldrüsen fünf verschiedene Zellformen kennen, die alle durcheinander gemischt die Ausführgänge umgeben. Es entsteht die Frage, ob darin verschiedene Ausbildungsstufen eines und desselben Elementes vorliegen oder ob den microscopischen Differenzen ver- schiedene Aufgaben entsprechen. Das Ergebnis ist, dass die fünf Elemente zu zwei Entwicklungsreihen gehören. Die Elemente sind folgende: a) punktierte Zellen, deren dichtes Cytoplasma nur kleine Vacuolen und eine sehr feine Punktierung aufweist, b) alveoläre Zellen, deren schaumiges Plasma sich nur schwach färben lässt, c) granulöse Zellen mit vielen stark brechenden und stark färbbaren Körnchen beladen, d) cystische Zellen mit einer grossen Vacuole, die den Kern zur Seite drängt; sie enthält das Produkt der mehr oder weniger aufgelösten Körnchen, e) muköse Zellen, deren Cytoplasma sich auf Scheidewände zwischen zahlreichen Vacuolen beschränkt und Muciu- reactionen gibt. Chromophile Substanzen finden sich hauptsächlich in a und b. Sie umgeben zunächst die excentrischen Kerne als Calotte auf der der Zellmitte zugewendeten Seite. Dann lösen sie sich ab und ballen sich kugelig zusammen , so dass konzentrische Schalen oder Bänder einen klareren Innenraum umschliessen. Solche Parasomen entsprechen ganz den Vorgängen bei der Dotterbildung in der wachsenden Ovocyte, dem Nebenkörper im Spinnenei u. dergl. Sie können sich zum Teil wieder auflösen, so dass nur einzelne Bänder übrig bleiben. Die Parasomen hängen mit dem Wachstum der Zellen zusammen, gleichgültig, welches das Endprodukt sei, sie kommen bei Schleim- wie bei Fermentzeilen vor. Zu den erstem, den Muco- cyten, gehören die Elemente a und e, zu den Fermentzellen oder Zymocyten c, b und d. Die Schleimzellen beginnen also mit einem punktierten Stadium. Der Kern hat besonders bei überwinternden Tieren seine chromophile Calotte von Ergastoplasma. Die Punkte werden immer dichter in den Maschen des Plasmanetzes, in dessen Knotenpunkten sie sich zu Körnchen vergrössern; das Hyaloplasma in den Maschenräumen geht, nach Maßgabe der Keaktionen, immer mehr in Schleim über, in jeder Kugel von der Peripherie nach der — Nr. 110-159. — - 126 - Mitte fortschreitend, die Schieimkugeln wachsen und fliessen zu- sammen. Der Kern wird dabei an die Seite gedrückt, verliert sein Chromatin mehr und mehr, seine Membran faltet sich ein. Endlich wird der Schleim in den Ausführgang entleert, entweder direkt oder in Form eines schlanken Fortsatzes, je nachdem die Schleimzelle ihm näher oder ferner liegt. Schliesslich verliert sich der Stiel, der Kern schwillt wieder an, bekommt seine Calotte, und das Spiel beginnt von neuem, oder die Zelle ist erschöpft und verschwindet. Anders die Fermentzellen. Sie entstehen durch amitotische Teilung. Durch ihr mit Calottenbildung verbundenes Wachstum drängen sie Bindegewebe und Muskulatur zurück, die nun eine Scheide bilden. Jene Körnchen wachsen und werden zymogen, bis sie schliesslich Wasser aufnehmen und sich auflösen zu dem Ferment, das entleert wird. Da nur die Körner entweichen, bleiben zunächst ihre Stellen erhalten, und die Zelle erscheint alveolär. Der Kern nimmt dann wieder sein gewohntes Aussehen an mit den Nucleolen, die er verloren hatte, bildet eine neue Calotte, die sich als Parasoma ab- und in peripherische Bänder auflöst, und der Vorgang der Excretion wieder- holt sich. Bei gesteigerter Secretion scheint eine Abänderung vor- zukommen, so dass die Körnchen klein bleiben. Hier scheint der Übergang zu liegen zwischen Ferment- und Schleimzellen. Die cystische Zelle entstellt aus der gewöhnlichen Fermentzelle lediglich durch eine veränderte Lage ; sie befindet sich in der Tiefe und kann nur durch einen schmalen Fortsatz entleert werden ; dadurch wird das Secret zurückgehalten und bildet die Alveole. Wenn der Fortsatz obliteriert, dann kann sich die Secretzelle nicht wieder erholen und wird zu einer Leydig sehen Zelle. Solche Zellen würden also auch vom Ectoderm stammen können, gegen die gewohnte Auffassung. Die Zellen in den Nalepaschen Drüsen verhalten sich genau wie die in der eigentlichen Speicheldrüse. Schleim und Ferment wird gebildet. Das Ferment hat nur die Aufgabe, Starke in Zucker um- zuwandeln. Alle Untersuchungen, ob es auch Eiweiss zu lösen ver- möchte, allein oder in Verbindung mit einem andern Secret, ergaben ein negatives Resultat. Die Nale pasche Drüse gehört aufs engste mit der Speicheldrüse zusammen. Helix pomatia hat zu verschiedenen Erweiterungen unserer Kenntnisse von der Fortpflanzung Anlass gegeben. Ashworth fand einen Fall, der bisher wohl unter den Pulmonaten, ja unter den Gastropoden einzig dasteht, nämlich ein Exemplar mit einem zweiten Penis auf der linken Seite (Hl). Nur bei dem Pteropoden Halopsyche konnte Meisenheim er das entsprechende Vorkommnis beschreiben. Der linke Penis entspricht genau dem rechten, öffnet — Nr. 110—159. - — 127 — sich durch ein Atrium nach aussen, hat dieselben Verhältnisse der Scheide und der Glans, so dass eine Strecke vor der Glans ein ringförmiges Septum nach unten cylindrisch vorspringt und der distale Abschnitt in der Wand eine kleine Papille trägt, dasselbe Flagellum, den gleichen Retractor , die gleiche Innervierung und dasselbe Vas deferens. Es krümmt sich am Penis wie gewöhnlich zurück und läuft bis zu seiner Basis, hinter der es sich, blind ge- schlossen, in kurzem Abstände mit der Haut verbindet; also eine vollkommene Symmetrie. Ashworth schliesst jedenfalls mit vollem Recht, dass wir das Organ haben, wie es, unabhängig von den übrigen Genitalien, selbständig durch Hauteinstülpung entsteht. Dazu passt die Parallele mit den Auricalaeen. Das Vas deferens braucht sich nur zu öffnen und in die Flimmerrinne überzugehen, und Avir haben die Verhältnisse von Fytliia ; durch Schluss der Rinne entstehen daraus die von Aiiricula, durch Vorwärtsschieben der weiblichen Geschlechtswege, bezw. des Spermoviducts , die der Stylommatophoren. Zu der Auffassung stimmen auch manche ab- norme Fälle, die von der Weinbergsschnecke bekannt gegeben wurden, soAvie die Entwicklung. Die nachträgliche Entwicklung des Penis, wie sie bei Nacktschnecken vorkommt, soll mit deren hochgradiger Weiterbildung und Spezialisiernng zusammenhängen. Meisenheim er hat an derselben Art die Begattung, Befruch- tung und Eiablage auf das eingehendste studiert (135). Jetzt ist eine solide Grundlage für das Verständnis geschaffen. Die Brunst erstreckt sich vom Mai bis in den Juli, vereinzelt in den August, die Höhezeit fällt in die erste Junihälfte. Auf das einleitende Liebesspiel, das in dem Aneinanderpressen der erhobenen Sohlen und den lebhaften Bewegungen der Lippen, Mundpapillen und Fühler bei intensiver Atmung besteht, folgt eine Zeit der Erschlaffung. Dann wird das Spiel wieder aufgenommen, bis das eine Tier vorn aufschwillt und die weiblichen Teile ausstülpt. Vom Penis kommt nur eine kleine Papille zum Vorschein, die w^ohl der von Ashworth beschriebenen (s. o.) entspricht. Unmittelbar nach der Vorstülpung des Pfeilsacks wird die weissliche Flüssigkeit der fingerförmigen Drüsen (Pfeildrüse Srth.), die in ihn eingedrungen war, heraus- geschleudert, zum Schlüpfrigmachen der Wege, dann der Liebespfeil selbst, worauf Ermattung folgt. Der Pfeil wird in die Haut des Partners tief und schmerzhaft eingestossen, meist in den Fussrand, einmal durchbohrte er Dach und Boden der Lungenhöhle und drang bis in die Leibeshöhle, so dass die verwundete Schnecke, wiewohl sie die weiteren Phasen mitmachte, doch nicht zur Ausstossung der Spermatophore kam. Der Pfeil wird meist durch Muskelbewegungen — Nr, 110-159. — — 128 — wieder aus der Haut entfernt und fällt zu Boden. In der Regel wird nur einer ausgestossen, selten beide, wie es bei anderen Arten die Norm bildet. Durch den Schmerz wird die getroffene Schnecke heftig zu Begattungsversuchen angeregt, während die andere zunächst ermattet. Wieder beginnt das Liebesspiel, bis die Genitalorgane von neuem hervortreten. Für den Penis ist dabei charakteristisch ein basaler llingwulst mit seitlicher Papille ( — sie entspricht wohl der inneren kleinen Papille s. o. — ), der sich zu dem Kegel verlängert. Aus dessen Spitze schiebt sich das distale Ende zunächst teleskop- artig hervor, bis endlich ein gleichmäßiges Rohr gebildet wird, oben in einer Papille endend (der Glans). Da sich die Sohlen der Partner kreuzen müssen, um die Geschlechtsöffnungen zusammenzubringen, so erfolgen oft vergebliche Begattungsversuche, worauf jedesmal Ein- stülpung und neues Hervorstossen der Genitalien eintritt, bis schliess- lich die Penes kreuzweise in die Vaginae eindringen. Spermatophoren werden nur abgegeben , wenn gleichzeitig von beiden Tieren die normale Lage erreicht wird [im Gegensatze zu den Ackerschnecken, Srth.]. Der eigentliche Coitus dauert ca. 5 Minuten. Dann lösen sich die Vorderkörper, aber die Tiere sind noch auf Stunden durch die Spermatophorenendfäden verbunden. Der aus der Scheide ge- zogene Penis, der jetzt wulstförmige Schwellungen zeigt, schiebt sich aus und ein, ein lebhaftes Wellenspiel auf der Sohle hilft bei der Beförderung der Spermatophorenfäden mit. Allmählich werden die Genitalien zurückgezogen und die Tiere sind von einander gelöst. Nach mehreren Stunden der Erschlaffung erst gehen sie auseinander. Während der ganzen Zeit der Erregung waren sie gegen andere Reize fast unempfindlich. — Das Ausstossen des Liebespfeils: Der Pfeil sitzt auf einer Papille im Grunde des Pfeilsacks, diese wieder auf einer kugeligen Muskelwulst, die durch einen Spaltraum von der äussern starken Muskelwand getrennt ist. Die Contraction der letzteren verlängert die Papille bis fast an die Mündung des Pfeil- sacks, so dass er ausgetrieben wird und meist über der Basis ab- bricht. Die Basis wird, später ausgestossen, bisweilen mit in das Receptaculum seminis ( — Bursa copulatrix — ) aufgenommen (— so gut wie Fremdkörper — ) und dort mit den Spermatophorenhülsen aufgelöst. — Der Penis zerfällt in drei Abschnitte: a) vom Atrium bis zum kegelförmigen, durchbrochenen Septum (s. o. Ashworth), b) von da bis zur Glans, c) von da bis zum Flagellum. Ich würde vorschlagen, c als Epiphallus zu bezeichnen, so gut wie ich , Glans' beibehalten möchte. Dann hat der eigentliche Penis nur zwei Abschnitte, einen distalen a und einen proximalen b^). a und 1) Meisenheime r hat vermutlich einen nicht völlig ausgestülpten Penis — Nr. 110—159. — — 129 — b haben hohes Cylinderepithel mit dicker Cuticula, c niederes ohne solclie. Ein äusserer Hülhniiskel ist a und b gemeinsam, ein innerer beschränkt sich auf b. Zwischen ihm und dem Epithel b liegt ein System getrennter Muskelsepten. Bei der Begattung wird erst a ausgestülpt, dann daraus, zunächst teleskopartig b. Die Muskelsepten dienen schliesslich als Schwellapparat (s. o.). Ein lockeres subcutanes Gewebe erlaubt dabei das Ausglätten der inneren Vorsprünge und Falten , wie es ähnlich beim Pfeilsack vorkommt unter gleicher Function. — Die Spermatophore in ihrer complizierten Form wird lediglich vom Secret des Flagellums gebildet, das beim Beginn der Copula in den Epiphallus überfliesst, während aus dem Samenleiter Sperma eintritt. Die Form stammt vom inneren Relief des Epi- phallus, die des PZndfadens von dem des Flagellums. [Bei Schnecken ohne Flagellum secerniert selbstverständlich der proximale Teil des Epiphallus ; Srth.]. Eine starke Muskelhülle bewirkt die Austreibung. Die Schwellung des in den Bursa-Stiel eingedrungeeen Penis glättet dessen Falten aus und erleichtert den Übertritt der Spermatophore. Sie wandert dann im Blasenstiel, vermutlich durch dessen Peristaltik (Drüsenepithel , innere Ringe , äussere Längsmuskeln) aufwärts und kommt nach etwa 12 Stunden in der Bursa an, wenn sie sich nicht in das Divertikel verirrt. Das hohe, stark secernierende Epithel der Bursa bewirkt die Auflösung der Hülse. Die Bursa wimmelt von dem Protozoon Bodo heUcis. — Die Retraction des am weitesten ausgestülpten geschwollenen proximalen Penisteiles macht zunächst Schwierigkeiten, weil erst das Blut zwischen den Muskelsepten ent- fernt werden muss. Erst nach dessen Abfluss tritt der Penisretractor in Tätigkeit. — Anfang Juli erfolgt die Eiablage. Unter kreisei- förmigen Bewegungen des Tieres wird das Erdnest gemacht, oben ein Trichter für die Schale, dann ein engerer Gang, durch den der Vorderkörper herabhängt , um die Eier in Pausen in den untern rundlichen Hohlraum fallen zu lassen. — Die Befruchtung erfolgt in der Befruclitungstasche (Vesicula seminalis autt. , Receptaculum Brüel). Dieses Divertikel hat im Innern auf der einen Seite in seiner Wand noch eine Anzahl Blindschläuche, durch Muskel-Bindegewebe zusammengehalten. Das Epithel wimpert. Das Innere ist voll Sperma. Aus dem Zwittergang treten Haufen zusammengepresster Eier ein, noch mit Keimbläschen und Keimfleck. Sie werden befruchtet, Polstrahlung und die erste Richtungsspindel tritt auf, das Keim- bläschen verschwindet , vegetativer und animaler Dotter sondern zerlegt, wenn er behauptet, dass die Glaiis nicht die Spitze bildet, sondern im Innern bleibt. Die Verhältnisse anderer Formen, Parmacella z. B., sprechen mit Bestimmtheit für völlige Ausstülpung bis zur Glans. Zoolot;. Zentralbl. 15. Baud. jvjj. JJQ ^59 9 — 130 - sich. Gleich nach der Befruchtung treten rings aus der Oberfläche kleine Vorwölbungen auf, die sich zu spit/en Hohlkegeln ausziehen, von homogener Membran gebildet. Offenbar eine Schutzvorrichtung gegen Polyspermie, deutet doch die Form vielleicht auf eine phylo- genetische Reminiscenz Beim Übertritt in den Spermoviduct werden die Stacheln bereits wieder abgestossen. Der Nachweis, ob die Be- fruchtimgstasche immer nur fremdes und kein eigenes Sperma ent- halte (ausser vielleicht vor der Begattung zur Aufsammlung für die Spermatophorenbildung), lässt sich möglicherweise führen auf Grund einer Angabe von P e r e z , wonach die Spermatozoen aus dem Zwittergange im Wasser unbeweglich sind, die in der Bursa aber sich lebhaft bewegen. Der Versuch Jacksons, eine linksgewundene Weinbergschnecke mit einer rechtsgewundenen zu paaren (126), misslang (so gut wie alle früheren). Die Tiere begannen oft das Liebesspiel bis zum Aus- stossen der Pfeile, von denen er 5 erhielt, in Pausen von 10 — 12 Tagen. Die Tatsache, dass Helix -pomatia am Bursastiel bald gar kein, bald aber ein wechselnd langes Divertikel besitzt , wobei sogar das letztere Vorkommnis in bestimmten Gegenden prävalieren soll, könnte als Objekt für den modernen Streit über Mutation und Varie- tät verwandt werden, das Auftreten überhaupt als Mutation, die wechselnde Länge als Variation. Verschiedene Arbeiten betrachten auch die Pulmonaten von diesem Gesichtspunkt aus. Lang gibt wenigstens einen Einblick in einige Ergebnisse seiner bekannten umfassenden Zuchtversuche (132), eröffnet aber vorläufig noch mehr Perspektiven auf zukünftige. Er operiert hauptsächlich mit Tachea hortensis und nemoralis und zeigt, dass sie in hervor- ragendem Maße mendeln, also ein vorzügliches Untersuchungsobjekt abgeben würden, wenn die Aufzucht nicht so langsam vor sich ginge. Denn Exemplare aus freier Natur eignen sich nicht zum Experiment, weil sie bereits fremdes Sperma mitbringen und jahrelang wirksam bewahren können. Die Mendel sehen Regeln für Monohybride demon- striert Lang zunächst an der ungebänderten und der fünfbänderigen Varietät der Gartenschnirkelschnecke. Die Einfarbigkeit zeigt sich als dominierendes, die Fünfbändrigkeit als recessives Merkmal. Ent- sprechend ist die nächste Generation einfarbig, von der folgenden aber der vierte Teil fünfbänderig ; und diese letztern Tiere, unter- einander gekreuzt, übertragen das Merkmal konstant auf ihre Nach- kommen, sie bilden eine reine Rasse oder kleine Art; die übrigen hellen dagegen geben als Fortpflanzungsprodukt ^'c gebänderte und Vg einfarbige Schnecken. Die letzteren produzieren, untereinander gekreuzt, teils eine reine Rasse von einfarbigen, teils aber, weniger - Nr. 110-159. — — 131 — zahlreich, reine gebänderte, teils endlich einfarbige, aus denen in gleicher Weise beide Formen hervorgehen können usf. Zu diesen Er- gebnissen stimmen Erfahrungen aus der freien Natur. In einer Kolonie (oder „Population", de Vries) von bänderlosen und fünfbänderigen Formen ergeben die letzten immer gebänderte Nachkommen, die erstem aber teils einfarbige, teils gebänderte. Die gleichen Gesetze gelten für die Bastarde zwischen beiden Arten, T. hortensis und nemoralis. Bei beiden dominiert die Einfarbigkeit über die Bänderung, die rote Grundfarbe über die gelbe. Ein ungebändertes Exemplar von hortensis^ gekreuzt mit einem fünfbänderigen von nemoralis, ergibt entweder lauter einfarbige, oder teilweise einfarbige und teilweise gebänderte Nachkommen. Aber auch die Artmerkmale mendeln. Die Hybriden haben die Form des Peristoms von hortensis und die Pigmentierung der Lippe und der Kehle von nemoralis. Eine gelbe, bänderlose Varietät von T. nemoralis mit einer roten gebänderten derselben Art ergibt rote bänderlose Nachkommen , d. h. keine Zwischenformen, sondern Mischformen, welche beide dominierende Merkmale aufweisen. Meist liegen in der Natur die Dinge viel komplizierter. Eine Kolonie von nemoralis hat fast immer mindestens 4 verschiedene Varietäten. Das Experiment kann unendlich variieren. Mit Hilfe der Tatsache, dass Bänder sich in Tüpfelbänder auflösen, andererseits miteinander verschmelzen, lassen sich weitere Versuche herleiten. Ob Längs Absicht, daraus quergestreifte Formen, die in der Natur fehlen, zu züchten, gelingen wird? Die Reduction der Bänder vollzieht sich in verschiedener Variationsfolge, bald der Reihe nach von 1 bis 5, bald abwechselnd eins um das andere, bald mit 1 und 5 beginnend. Schon ist es geglückt, aus einer ungebänderten Schnecke und einer gebänderten, der das Band 3 fehlte, Nachkommen zu erzielen, bei denen dieses wieder zum Vorschein kommt. Das Gesamt- material wird zweifellos noch wichtige Grundlagen der Vererbungs- und Züchtungslehre erbringen. [Schade, dass die Versuche nicht mit Limax maximus und Verwandten in Angriff genommen sind. Die Aussichten wären viel günstiger gewesen, viel schnelleres Wachs- tum, w^eit grössere äussere und innere Variation nach allen Richtungen, starke klimatische Beeinflussung. Die konstante Übertragung selbst unscheinbarer Merkmale hat Kunkel bereits gezeigt]. Plate hat eine grosse Variationsreihe in der Natur gesammelt und studiert (145), die C'er/ojz- Arten von den Bahamas. Im Gegen- satz zu den Amerikanern, welche die Gattung in eine Unsumme von Species zerlegt haben, belegt er bloss die stärksten Differenzen mit besonderen Namen und verfolgt ihre schrittweise Umwandlung zu- nächst an den Schalen. Denn wenn auch jede Localität diesen ihr — Nr. 110—159. — 9* — 132 — örtliches Gepräge aufgedrückt hat, vermutlich durch geringe Nieder- schlagsunterschiede, so lässt sich von West nach Ost eine regelrecht fortlaufende Kette erkennen. Der 77 ° vv. L. macht die Grenze. Nach Westen zu werden die Schnecken immer grösser, weisser, sparsamer, aber stärker gerippt, nach Osten immer bunter, kleiner und glatter, indem die Rippen immer zahlreicher und niedriger werden und schliesslich ganz verschwinden. Einige Ausnahmen scheinen auf künst- licher Verschleppung zu beruhen. Auf der mittleren Zone leben primitive Formen mit schmalem Peristom und einfarbig brauner, höchstens auf den Rippen hellerer Färbung. Auf Cuba, woher die Gattung stammt, leben die Arten mehr durcheinander, wold infolge der Gebirgsbildung. Nach den Bahamas kann die Gruppe erst spät gelangt sein, denn die Inseln sollen erst in postpliocäner Zeit ein- heitlich entstanden und dann durch Submersion zerschlagen sein. Ich will nur darauf hinweisen, wie genau die Rechnung zur Pendiilations- theoiie passt. Die Bahamas gehören noch zu unserm europäisch- atlantischen Nordquadranten. Sie tauchten auf in polarer Schwingungs- phase bei maxim.al nördlicher Lage während der Eiszeit; seither werden sie bei äquatorialer Phase wieder nach Süden bewegt, unter- getaucht und dadurch in einzelne Eilande getrennt. Die Isolierung trug dazu bei, die Localformen zu züchten. Die Zunahme der Schalen- starke in westlicher Richtung scheint auf dem Vorwiegen der Ost- winde zu beruhen, deren Regenmengen die Ostinseln feuchter machen. Die grosse Verschiedenheit im einzelnen dürfte wohl einmal auf nicht vererbbaren ,,Somationen" beruhen [sollte man nicht besser Somatien sagen?], die durch wechselndes Wetter und verschiedene Bodenver- hältnisse bedingt sind, weiter aber durch die wichtigere Variabilitjit, welche die allmählich durch die Wiederholung der Reize erworbenen Unterschiede erblich macht und durch Paarung auf die verschiedenen Glieder einer Kolonie nach Mendelschen Regeln überträgt und mischt. Dabei dürfte das Keimplasma sehr labil geworden sein, was mit der geologischen Vergangenheit recht wohl in Einklang stehen würde. Damit scheint weiter ein fast völliger Mangel correlativer Ver- knüpfung der einzelnen Charaktere Hand in Hand zu gehen. Wir sehen eine Reihe von Merkmalen, Stärke des Peristoms und der Parietalfalte, Columellarfalten und verschiedene Zahnvorsprünge in der Öffnung, Übergreifen der Rippen auf das glatte Embryonalgewinde, Pigment u. dergl. oft sprungweise in einer sonst wohl geordneten Kette auftreten, sie sollen von localen Einflüssen bedingt sein. Die Mitwirkung der Selection bei der Artbildung hält Plate für unwahr- scheinlich. Im Anschluss an Cerion bespricht er die Formenketten iinierhalb der Gastropoden im allgemeinen, zunächst die der Sarasins — Nr. ] 10-159. — — 133 — von Celebes. Er zeigt an denen, dass es sich einmal nicht durch- wegs, wie sie meinen, mn einfache Reihen handelt, sondern z. T. um Verzweigung, und dass ferner die morphologischen Reihen keineswegs sich mit den geographischen decken. Das führt ihn zur Aufstellung verschiedener Unterarten der Forraenreihen, Er unterscheidet a) die rein morphologische Formenkette, bei der die Fundorte der Indi- viduen sich nicht zu einer correspondierenden Reihe ordnen lassen. Beispiele liefern die Sara sin sehen Reihen von Celebes, Limnaea stagnalis nach M a r t e n s , Achatinellen nach B o r c h e r d i n g. b) Die morphologisch-paläontologische Kette, wenn eine Art sich durch ver- schiedene aufeinander folgende geologische Schichten in ihren phyle- tischen Wanderungen verfolgen lässt,. wie bei Flanorhis multiformis von Steinheim und den Paludinen und Melanopsiden von Kos und Westslavonien. c) Die morphologisch -geographische Kette, bei der die morphologische Wandlung mit der räumlichen Anordnung parallel geht. Er wendet sich hier gegen die Auffassung der Sarasins, dass die geringen äusseren Veränderungen der Umgebung zum Ver- ständnis unzureichend seien. Schliesslich erörtert er den Begriff der „Species" und nimmt Stellung gegen Doe der 1 eins Anschauung, der alle Individuen, welche durch Übergänge miteinander verbunden sind, zu einer Art rechnen will, stellt sich vielmehr auf Hein ck es Stand- punkt, wonach auch bei vorhandenen fortlaufenden Reihen die Grösse der Unterschiede der verschiedenen Merkmale und die Häufigkeit der Übergänge entscheidend sein sollen. Wenn die Unterschiede gross sind und nur an einem oder an wenigen Organen bei vereinzelten Individuen auftreten, so können diese trotzdem als Arten gelten. Andernfalls sind es nur Unterarten. Auf Grund dieser Prinzipien teilt er sein Cer/ow-Material in eine Anzahl von Arten und Unterarten ein, über deren Berechtigung sich natürlich streiten Hesse. In erfreulicher Weise schliesst sich an diese Untersuchungen der neueste Band von Rossmaesslers Iconographie , von dem die ersten 4 Lieferungen vorliegen (125). P. Hesse bearbeitet darin, z.T. nach Wieg mann s Nachlass, eine engere J^e/iar-Gruppe, die als Helicinae bezeichnet wird, so zwar, dass von möglichst viel Arten jeder Gattung die Anatomie in gleicher Weise durchgeführt wird. Es steht zu hoffen, dass wir auf diesem Wege einen guten Einblick in die Umwandlung der Arten tun werden. Wenn auch Vollständigkeit noch nicht zu erreichen war, so liegen doch schon gute Resultate vor. Die Gattung Murella steht zwischen Campylaeinae und Heli- cinae mitten inne. Sie ist fast ganz auf Italien und die tyrrhenischen Inseln beschränkt. Sie zerfällt in vier Subgenera, Murella s. str., wahrscheinlich rein sizilianisch, Opica auf den Gebirgen Mittel- und - Nr. 110—159. — — 134 — Unteritaliens, Tyrrheniberus nur auf der Ostseite Sardiniens und Marmorana auf den tyrrlienischen Inseln und der Westküste von Toscana. Die Anatomie lehrt, dass die marokkanischen Formen, die man für Murellen hielt, nichts mit den Sizilianern zu tun haben, die äussere Ähnlichkeit ist eine reine Convergenzerscheinung. Die Opica- Arten lassen sich von Norden nach Süden bereits jetzt in eine Reihe von Gruppen zerlegen, die sich durch das helle oder dunkle Peristom, die Ausbildung der Pfeildrüse, die Länge des Blasenstieldivertikels, das Relief des Liebespfeiles u. dergl. unterscheiden. Allerdings be- darf es noch reichlichen Materiales und vieler Arbeit, um die Gesetze der Artbildung klarzulegen. Die Morphologie der Gattung Amalia erhielt eine merkwürdige Erweiterung durch eine kleine Form von der Ostgrenze A. CAjpria{\Ai'S). Statt des Liebespfeils haben v/ir ja hier oft einen kleinen sichel- förmigen Körper im Atrium, die Pfeildrüsen stellen eine Anzahl feiner Schläuche dar, die ebenfalls ins Atrium münden und bisweilen ganz verkümmern. Bei der A. cypria aber traf ich eine kompakte Drüse, die an einem muskulösen Ausfübrgang hängt, wie ein ührgewicht an seiner Schnur. Der Stiel war weit länger als die Schnecke und in eigentümliche Schlingen gelegt. Die geographische Lage deutet mit Bestimmtheit darauf hin, dass wirs hier nicht mit einer Steigerung, sondern mit dem Ausgangspunkt zu tun haben. Aber wo liegt die Anknüpfung V Reynell hat durch eine genaue Section die systematische Stellung der Burtoa nüotica von einer Insel des Viktoria Nyanza festgelegt (146). Lunge, mit allerdings stark wechselndem Gefässnetz, Niere, Kiefer, Radula und Geschlechtsorgane ergaben übeinstimmend die Zugehörigkeit zu den Achatinen, zwischen Acliatina und Limi- colaria. Ein Unterschied liegt höchstens in dem gut entwickelten Penisretractor, der vom Diaphragma kommt. Zwei von den drei Indi- viduen enthielten im Spermoviduct, der zum Uterus angeschwollen war, Eier, zusammen über 150, kalkschalig und von auffällig ver- schiedener Grösse und Form , denn die Länge schwankt zwischen 4 und 8,5 mm , die Breite zwischen 2,75 und 6,5 mm. Sie enthielten Embryonen, die von der grossen Podocyste ganz eingehüllt waren, wie wir es zuerst von den Sarasins kennen lernten. Schliesslich bringt Stantschinsky eine gute anatomische Be- schreibung von 4 neuen Oncidinm- Arten (152), aus der sich eine Klärung der Systematik ergibt. 0. merialrii führt zur Auffindung bisher unbekannter Muskeln am Pharynx (2 Protractores laterales). Sonst stimmen die Darmverhältnisse mit verwandten Arten genau überein , auch im Mangel einer Rectaldrüse. Die Lunge ist sym- — Nr. 110—159. — — 135 — metrisch , der Ureter mündet in den Enddarm , es ist nur 1 Reno- pericardialgang vorhanden, alles im Sinne von PI ate und v. Wisse), gegen B. Haller u.a. Die Cerebralganglienentsendenjederseits 6 Nerven, dazu rechts den Penisnerv. Der ]\Inskelnerv wurde von PI ate über- sehen , er fehlt auch bei andern Species, bei denen zudem Ver- schmelzungen und dadurch Reductionen in der Nervenzahl vorkommen. Die beiden Pleuralganglien geben je 3 Nerven den Ursprung, das Visceralganglion zweien, dem Pulmonalnerven, der keine Aste zu den Geschlechtsorganen abgibt, und dem Cardiogenitalnerven, der ausser- dem den Darmkanal versorgen hilft. An den Pedalnerven, jeder- seits 6, kommen keine Anastomosen vor, sie finden sich aber bei andern Arten. An den Geschlechtswerkzeugen bildet der Spiralgang drei Knäuel ; es gelang der Nachweis , dass alle drei nur Aufwicke- lungen sind, daher die Annahme besonderer Anhangsdrüsen zu streichen ist (gegen PI ate). Dem Copulationswerkzeug fehlt eine Penisdrüse, ebenso eigentUche Chondroidelemente im Innern. — Bei O.fungiforme ist die Pharynxmuskulatur noch komplizierter, 3 laterale Protractoren statt 2, dazu jederseits noch 2 Retractores dorsolaterales anteriores. Unterschiede in den Radulazähnen. Die 3 Lebern sind an Grösse sehr ungleich, der Darmkanal ist küi'zer und daher anders aufge- wunden. Die Lunge zeigt eine andere Gefässausbildung als bei der vorigen Art. Am Nervensystem treten bei allen Ganglien Ver- schmelzungen verschiedener Stämme auf. An den Genitalien bildet der Spiralgang nur 2 Knäuel u. dergl. Eigentümlich ist eine Schlinge des Oviductes, welche durch strahlenförmig angeordnete Muskeln am Diaphragma befestigt ist. Dem Penis fehlt eine besondere Penis- papille, ebenso die Kalkconcremente der Oncidiellen, dagegen trägt die Innenwand Schleimzellen. — 0. gracile ähnelt der vorigen Art, doch fasst die Niere weiter um das Pericard herum u. dergl. Ahn- lich ist 0. hntschlii auf feinere Unterschiede in den verschiedenen Organen begründet. Der Nervus tentacularis ist im Begriffe sich in zwei functionell verschiedene Nerven zu spalten, von denen auffälliger- weise der stärkere der Opticus sein soll. Alle Arten haben retractile, augentragende Rückenpapillen, bei dreien wird angegeben, dass eine genau im Scheitel steht. Kiemen fehlen. Der Autor meint, dass die Augen keine Neubildungen seien, wie man gemeinhin annimmt, sondern sich in Rückbildung befinden, daher man blosse Pigmentfiecke , die auf Papillen sitzen , als Augenrudimente zu betrachten hätte , wie denn in der Tat Semper auch solche Rückbildung während des individuellen Lebens beobachtet hätte. Eine allgemeine Übersicht führt Stantschinsky zu dem Schluss, dass von den 5 Gattungen, die Plate gelten liess, 3 zu Recht be- — Nr. 110—159. — — 136 — stehen, nämlich Oncidella, Oncidina und Feronina Plate [nicht zu verwechseln mit Peronia Blainv., wie es der Verf. durchweg tut], dass dagegen Oncis und Oncidium enger zusammengehören und eine fort- laufende Reihe bilden, die durch eine Tabelle unter Berücksichtigung der verschiedenen Organe erläutert wird, daher man die Genera wohl in eines zusammenzuziehen hätte. Die Owm-Gruppe soll die primi- tiveren Formen enthalten und den Anfang der Kette darstellen, womit es denn auch harmoniert, dass unter ihr sich ausgesprochenste Land- tiere finden , hoch über der StrandUnie. Gerade solche sollen gute Übergangsformen sein. Stantschinsky meint, sie wären im Kampfe ums Dasein aufs Land gedrängt, nach der Darwinschen Hegel vom Aussterben der Zwischenglieder. Ich erblicke in ihnen Reste der Urformen auf ihrem natürlichen Boden. Auch sonst wird man mit der systematischen Gliederung nicht ganz einverstanden sein können. Oncidium merialcrii erinnert durch seinen Habitus mit dem steilen Hyponotum sehr an Feronina, die freilich eine Penisdrüse besitzt und die weibliche Öffnung ein Stück vor dem Hinterende trägt. Letzterer Chai'akterzug ist zweifellos besonders primitiv; An- oder Abwesenheit der Pfeildrüse aber kann kaum in der einen oder andern Richtung beweisend sein, denn es scheint sicher, dass der Verlust nicht durch allmäliche Verkümmerung entstanden ist, sondern plötzlich und sprung- weise eingesetzt hat, als eine echte Mutation. Ei- und Samenzelle. Befruchtung. 160 Fick, R.,- V er er bungs fragen, Reductions- und Chromo- somenhy pothesen; Bastardregeln. In: Ergebn. Anat. Ent- wicklungsgesch. Bd. 16. 1906 (1907). S. 1-140. Fick stellt die Ergebnisse der neuern Ohromosomenforschung zusammen, ausgehend von einem extrem kritischen Standpunkt. Als Hauptergebnis seiner Arbeit bezeichnet er selbst ,,die Unhalt- barkeit einer Summe von Hypothesen und Theorien , die sich, wie ich gern anerkenne, eine gut zur andern passend, zu einem namentlich den Fern er st eh enden imponierenden Bau zu- sammenfügten. Ich gab meiner kritischen Untersuchung eine mög- lichst breite Basis, um hoffen zu dürfen, dass ihr Resultat nicht ein- fach als eine „Meinung" betrachtet wird, der eben die Meinung andrer Autoren gegenübersteht, sondern dass meine Kritik entweder — Nr. 110-160. — — 137 — sachlich einwandfrei widerlegt Avird oder aber jene Hypothesen nim- mehr nicht weiter als „bewiesene'' Lehren verbreitet und auf ihrer in Wahrheit haltlosen Grundlage neue, immer kühnere Hypo- thesen errichtet werden." Aus den Einzelresultaten, die Verf. zum Schluss in Leitsätzen zusammenstellt, seien folgende, den herrschen- den Anschauungen zuwiderlaufende erwähnt: ,,Alle Beweise für das Vererbungsmonopol des Kerns sind haltlos." ,,Das Nuclein kann nicht die Vererbungssubstanz sein, ebensowenig des sog. Chromatin." ,, Erbungleiche Teilungen der Chromosomen sind nicht bewiesen." ,,Ein einwandfreier Beweis für das Vorkommen von Ileductions- teihmgen ist immer noch nicht erbracht, die heftigen Controversen über die Vorgänge bei den einzelnen Objekten beweisen die Unsicher- heit aller Deutungen." ,,Üas Dogma von der Notwendigkeit beson- derer Reductionsteihmgen scheint auf die Unbefangenheit der Autoren durch Suggestion verhängnisvoll gewirkt zu haben." „Die Chromo- somenzahl ist oft nicht konstant." .,Wenn die Chromosomenzahl konstant ist, ist die Zahlenreduction eine logische Notwendigkeit, unabhängig von jeder Vererbungstheorie." ,,Die Darstellungen von K. und E. Schreiner für die Conjugation sind nicht beweisend, es ist an ihren Objekten sogar eine der Zahlenreduction vorangehende Verdoppelung der Chromatinbälkchen nicht ausgeschlossen." ,,Der eigentliche Mechanismus der Zahlenreduction ist somit noch nicht festgestellt." ,,Die Beobachtungen an Bastarden deuten keineswegs auf das Vorhandensein getrennter väterlicher und mütterlicher Chromo- somen." ,, Nicht nur theoretische Betrachtungen, sondern auch histo- logische Beobachtungen sprechen durchaus gegen die Gonomerie," ,,Das Bestehen einer besondern Keimbahn steht keineswegs allgemein fest." ,,Boveris Beweise für die verschiedene Qualität der Chromo- somen sind nicht stichhaltig." ,,Die Zahlenconstanz der Chromosomen ist nicht wunderbarer als die bestimmte Staubfäden- oder Blüten- blätterzahl usw." ,,Die väterliche und mütterliche Natur der sogen, homologen Chromosomen ist vollständig hypothetisch." ,, Die Geschlechts- bestimmung durch das Übertreten eines überzähligen Chromosomes in eine Keimzelle ist weder bewiesen noch überhaupt wahrscheinlich." ,,Die Sonderchromosomen haben vielleicht eine besondere Bedeutung für den Stoffwechsel, nicht für die Vererbung^)." ,,Die cytologischen Untersuchungen sprechen nicht für die Reinheit der Gameten, d. h. dafür, dass die einzelnen Merkmale in verschiedenen Chromo- somen der Keimbahnzellen enthalten sind , die sich bei den Reife- ^) Vielleicht darf Ref. darauf hinweisen, was dem Verf. entgangen ist, dass er diese Anschauung schon 1904 zu begründen versuchte und für zahh'eiche Fälle (spez. die der Orthopteren) noch aufrecht erhält. — Nr. 160. - — 138 — teilungen getrennt und auf verschiedene Keimzellen verteilt haben. Es ist vielmehr wahrscheinlich, dass alle Keimzellen beide Merkmal- anlagen enthalten, nur das eine im aktiven, das andere in latentem Zustande." Wie aus dieser Auslese aus den Schlüssen des Verf. hervorgeht, reisst er alles, was die neuere Cytologie auf diesem Gebiete aufbaute, wieder ein. Wenn auch Ref. glaubt, dass Fick vielfach weit über das Ziel hinausschiesst, so sieht er in dieser Arbeit doch einen not- wendigen und heilsamen Rückschlag gegen das wuchernde Unkraut der Chromosomenhypothesen und hofft, dass die viele berechtigte Kritik, die darin enthalten ist, eine luftreinigende Wirkung aus- üben wird. R. Goldschmidt (München). 161 Haecker, Y., Die Chromosomen als angenommene Ver- erbungsträger. In: Ergebn. Fortschr. Zool. Bd. 1. 1907. S. 1 —136. 43 Figg. Haecker hat die schwierige Aufgabe übernommen, in dem 1. Heft von Sp eng eis „Ergebnissen" die neue Chromosomenliteratur seit Korschelt-He ider s klarer Zusammenfassung zu verarbeiten. Es kann natürlich nicht die Aufgabe sein, hier ein Referat einer referierenden Arbeit zu geben. Es sei nur gesagt, dass er den Stoff in 3 Hauptgruppen behandelt als Individualitätslehre, die Frage nach der Verschiedenheit der Chromosomen und das Reductions- und Con- jugationsproblem. Es sei — bei aller Verschiedenheit des Stand- punktes des Ref. in vielen Fragen — rühmend hervorgehoben, dass der Verf., ohne seine individuellen Anschauungen preiszugeben, sich stets der grössten Objektivität befleissigt und zwischen Tatsachen und Theorien scharf sondert. Besonders trifft dies für das 3. Kapitel zu, wo z. B. Verf. ebenso wie Fick uud der Ref. die Tatsachen, die der sog. parallelen Chromosomenconjugation zugrunde liegen, für den Aus- druck einer frühzeitigen Längsspaltung erklärt. Die Verhältnisse der Pflanzen werden stets in ausreichendem Maß herangezogen. Der nichtcytologische Leser wird sich aus dieser mühsamen Arbeit ein gutes Bild vom Stande dieses Forschungszweiges machen können, vielleicht aber auch als nüchterner Zuschauer den Kopf schütteln und der ganzen Richtung den baldigen Zusammenbruch prophezeien. Ob mit Recht? R. Goldschmidt (München). 162 Böhmig-, L. , Zur Spermiogenese der Triclade Procerodes gerlachei n. sp. In: Arch. Biol. Vol. 23. 1907. S. 1—12. 1 Taf. Die Spermatogonien zeigen 12 Chromosomen, unterscheiden sich in der Grösse aber gar nicht von den Spermatocyten. Die Vorgänge — Nr. 160-162. 164 — 139 — in der Synapsis sind nicht sehr klar, so dass nicht zu sagen ist, ob Längsspaltung oder Chromüsomenconjugation vorliegt. Nachher finden sich 6 Doppelelemente, die sich in Ringe und Achter umformen. Die 1. Reifeteilung verläuft nach dem heterotypischen Modus; dann folgt ein Ruhestadium. Die 2. Reifeteilung ist eine Längsteilung. Li die Bildung der Spermie gehen Nebenkörper und Idiozom nicht ein. R. Gold Schmidt (München). Moiitg-omery, Th. H. jr., On the Maturation Mitoses and Fertilisation of the Egg of Theridium. In: Zool. Jahrb. (Anat.). Bd. 25. 1907. S. 237—250. 2 Taf. In dem sich zu den Reifeteilungen anschickenden Ei der Spinne Theridium trepidariormn C. Koch bilden sich aus einem Nucleolus 24—26 Chromosomen aus. Bei der Ablage liegt das Spermatozoon schon im Ei auf halbem Wege zum Centrum, während der Eikern sich im Stadium der L Richtungsspindel befindet. Die Chromosomen konnten hier nicht gezählt werden, Centrosomen fehlen, eine Be- ziehung der Richtungsspindel zum Eipol ist auch nicht vorhanden. Der 1. Richtungskörper wird zunächst nicht abgeschnürt, sondern bildet eine neue Spindel und teilt sich. Gleichzeitig bildet sich die 2. Richtungsspindel mit 12 Chromosomen aus. Es formen sich dann die Vorkerne und gewöhnlich erscheint der männliche grösser. Sie bilden dann ihre zunächst noch getrennten Chromosomen zur 1. Furchungsspindel aus. Häufig ist Polyspermie und es scheint, als ob überzählige Spermakerne sich weiter teilen könnten und viel- leicht in den Körperaufbau eingehen. R. Goldschmidt (München). Marshall, Wm. S., Amitosis in the Malpighian tubules of the Walking-Stick {Diaplieromera femorata). In: Biol. Bull. Vol. 14. 1908. S. 89—92. 1 Taf. Verf. findet in den Malpighischen Gefässen erwachsener Tiere der erwähnten Phasmodee alle Stadien der Amitose, während in Embryonen die Kerne sich mitotisch teilen. R. Gold Schmidt (München). Otte, H., Samenreifung und Samenbildung bei Locusta viridissima. In: Zool. Jahrb. (Anat.) Bd. 24. 1907. S. 431—520. 3 Taf. 2 Textfigg. Aus den Spermatogonienteilungen ist als bemerkenswert hervor- zuheben, dass die Chromosomen zwischen zwei Teilungen als getrennte Kernbläschen von charakteristischem Aussehen erhalten bleiben. Es handelt sich dabei um 33 Chromosomen, von denen 32 gewöhnliche — Nr. 162—165. — — 140 - und ein accessorisches. Unter ersteren wurden konstant 14 grosse, 2 mittlere und 16 kleine gezählt. Die grossen sind in der Äqua- torialplatte meist in einem äusseren Kranz angeordnet und lassen noch einmal 2 Paare besonders unterscheiden. Auch die übrigen lassen sich einigermaßen nach Paaren anordnen. Das accessorische Chromosom ist weitaus das grösste. Es bleibt in den Metaphasen der Teilung gewöhnlich hinter den andern zurück und ist dann bei der Kernrekonstruktiön durch eine besondere mehr abseits liegende Kernvacuole ausgezeichnet. In den jungen Spermatocyten findet dann eine Ausbildung feiner Fäden und paarweise Vereinigung der Länge nach statt, ohne dass dabei ein echtes Synapsisstadium in Erscheinung tritt. Die Seriierung der Conjugationsstadien scheint dem Verf. durch die Anordnung der Cysten im Hodenschlauch sicher gestellt. Die Doppelnatur der Fäden verschwindet wieder eine Zeit lang und tritt dann von neuem auf. An all dem beteiligt sich das accessorische Chromosom nicht. Es liegt vielmehr als glatte Scheibe kalottenförmig aussen dem Kern auf oder bildet einen besonderen Nebenkern. In diesen Stadien zeigt sich, dass das accessorische Chromosom aus einem Fadenknäuel besteht, aus dem sich allmählich ein langer verschlungener Faden entwirrt. Dieser verkürzt sich zu einem in der Mitte umgeknickten Stab, so dass es den Anschein eines längsgespaltenen Elementes hat. Der Faden bleibt stets glatt, während die übrigen Chromosomen körnig erscheinen. Vor Eintritt in die 1. Reifeteilung bilden die Chromosomen durch Umbiegen ihrer Enden Ringe, oder sie behalten die Form von Doppelstäben, die dann bisweilen in der Mitte eine Unterbrechung zeigen oder Kreuzform annehmen, was Verf. aber nicht als Vorstufe einer Tetradenbildung gelten lassen will. Nun werden die Ringe in Halbringe zerlegt, d. h. die nach dem Verf. durch parallele Conjugation entstandenen Doppel- fäden quer durchtrennt! Das accessorische Chromosom, das bald in der Äquatorialplatte, bald im Plasma liegt, geht imgeteilt in eine Tochterzelle über. Auch in der 2. Reifeteilung treten wieder Ringe auf, die in Halbringe zerfallen, so dass auch hier wüeder eine Quer- teilung vorliegt und die conjugierten Elemente nicht getrennt werden. Das accessorische Chromosom wird in der Hälfte der Spermatocyten, an der Stelle der erwähnten Umbiegiing durchgeteilt und so auf die Tochterzellen verteilt. Die Reifeteilungen wären also 2 Äquations- teilungen. [Ref. möchte dazu nur bemerken, dass er die Interpre- tation, die Verf. seinen Bildern gibt, für irrig hält. Näheres darüber wird demnächst von anderer Seite mitgeteilt werden.] Der 2. Teil der Arbeit befasst sich mit der Ausbildung der Spermie. In ihren Aufbau gehen die bekannten Zellteile ein. Schon — Nr. 165. - — 141 — in den Spermatogonien findet man um den Kern Mitochondrien an- gehäuft, die in der Spermatocyte I. sich zu einem Mitochondiien- körper vereinigen. Er besteht aus einer Grundsubstanz, in die einige Ringe eingelagert erscheinen. Als Ringe werden sie in den Reife- teilungen verteilt und verdichten sich erst in den Spermatiden zu kompakten Körnern, die zu einem verschiedenartig gebauten Mito- chondrienkörper zusammentreten. In den Spermatiden bildet sich ferner ein Idiozora aus Resten der Centralspindelfasern. Bei der Umwandlung der Spermatide in die Spermie wird der Kern in der bekannten Weise kompakt. Bemerkenswert ist, dass das accessorische Chromosom noch lange in ihm zu erkennen ist, sich schliesslich aber auch auflöst. Von nun an sind die beiden Arten von Spermien nicht mehr zu unterscheiden. Sehr interessant ist, dass in den Spermatiden mit accessorischem Chromosom konstant der Central- körper mit Achsenfaden diesem anliegt, oft so dicht, dass es aus- sieht, als käme der Achsenfaden aus jenem. Der proximale Central- körper teilt sich und jede Hälfte gibt ein weiteres Körnchen ab, das in den Kern hineinwandert und sich hier in einen merkwürdigen Innenkörper umwandelt, der später wieder undeutlich wird. Dann verschmelzen die beiden Centralkörperhälften wieder und bilden sich in einen Stab um. InzAvischen umlagert der Mitochondrienkörper den intracellularen Achsenfaden und bildet seine Umhüllung. Das Idio- zom wandert an die Spitze des sich abplattenden Kernes und wandelt sich in das ankerförmige Spitzenstück um. Die weiteren Vorgänge weichen nicht von dem Üblichen ab. R. Goldschmidt (München). 166 Wilke, (j}., Die Spermatogenese von Hydrometra lacustris L. In: Jenaische Ztschr. Naturw. Bd. 4-2. 1907. S. 669—720. 3 Taf. 19 Fig. Schon in den kleinen Ursamenzellen von Hydrometra liegt dem Kern haubenförmig ein Mitochondrienkörper an, der dann den ganzen Kern umfasst und seine Zusammensetzung aus Fäden erkennen lässt. In die Teilungen gehen 11 Chromosomen ein, darunter 1 grosses, 8 mittlere, 2 kleine, alle von runder Gestalt. Die Synapsis bietet, wie es scheint wegen der Ungunst des Objekts, nichts Besonderes. Es sollen in dieser Zeit 2 Chromosomen zu einem Chromatin- nucleolus verschmelzen. Aus dem nun erscheinenden Spiremfaden bilden sich durch Zerfall ca. 20 Segmente, die sich paarweise hinter- einanderlegen und, indem ein Längsspalt auftritt, zu Tetraden umwandeln. Die 1. Reifeteilung erfolgt in der Conjugationsebene und ist eine Reductionsteilung, die 2. eine Aquationsteilung. Diese — Nr. 165-166. — — 142 — merkwürdige Erscheinung der Normalzahl von Tetraden sucht Verf. durch Conjugation halber Chromosomen zu erklären. Die Aus- führungen sind zu naiv, um wiedergegeben zu werden, und zu klar, wie die Tatsachen einer etwas verworrenen Fiktion angepasst werden. Die Umwandlung in die Spermatide bietet gegenüber andern Objekten nichts Neues. 11. Gold Schmidt (München). 167 Wilson, E. IJ., The case of Anasa trlstis. In: Science N. S. Vol. 25. No. 631. 1907. S. 191—93. Den bekannten Untersuchungen Wilsons an Anasa trlstis gegenüber hatten Foot und Strobell behauptet und durch Micro- photogramme belegt, dass die Chromosomenzahl der Spermatogonien 22 (nicht 23) ist, dass es kein accessorisches Chromosom gibt, alle Chromosomen normal bei den Reifeteilungen verteilt werden und der sogen. Chromosomnucleolus der Wachstumsperiode ein Nucleolus ist. Demgegenüber hält Wilson an seiner alten Angabe fest, dass es ein accessorisches Chromosom gibt, die Zahl in den Spermatogonien 21, in den Eiern aber 22 beträgt, und da das accessorische Chromo- som in der 2. Reifeteilung ungeteilt an einen Pol geht, die Hälfte der Spermatozoen 10, die Hälfte II Chromosomen enthalten. (Auch Wilson legt zum Beweis wundervolle Mikrophotogramme vor.) Verf. meint die Schuld für die verschiedenen Resultate auf die Ver- schiedenheit der Methode schieben zu können (Schnitte contra Aus- striche). Man darf jedenfalls auf die Klärung dieses „Falles" gespannt sein, da er für das Schicksal der Theorien über das acces- sorische Chromosom sehr belangreich ist. R Goldschmidt (München). 168 Meves, F., Die Sp erm atocy tente ilungen bei der Honig- biene [A^ns meUifica L.) nebst Bemerkungen über Chro- matinreduktion. In: Arch. mikr. Anat. Bd. 70. 1907. S. 414 —491. 5 Taf. In den Spermatogonienteilungen von Apis treten 16 Chromo- somen auf, während in den Follikelzellen etwa 60 zu finden sind. In der Wachstumsperiode bildet sich ein Ruhekern aus, an der Zell- oberfläche treten die erst kugeligen, dann stabförmigen Centriolen auf, und die zuerst an einem Pol des Kerns angehäuften Mitochon- drien hüllen diesen vollständig ein. Mit Beginn der ersten Reife- teilung wandert das eine Centriol an einen Pol der Zelle und hier stülpt sich eine Knospe vor. Der Kern wird spindelförmig, seine Chromosomen spalten sich längs und die Doppelstäbchen verkürzen sich zu Doppelkugeln. Der Kern zieht sich spindelförmig aus, seine — Nr. 166-168. — — 143 — ]\Iembran bleibt erhalten und im Innern treten Spindelfasern auf. Die Knospe aber \Yird als 1. Richtungskörper ohne Anteilnahme des Kernes abgeschnürt. Die Chondromiten haben sich in der Zwischenzeit in dicke, hohle Fäden verwandelt, die den Kern um- geben. Nunmehr wird die 2. Reifeteilung dadurch eingeleitet, dass der Kern sich an dem dem Centriol zugelagerten Pol von neuem zuspitzt. Von der Spitze aus erstreckt sich eine Halbspindel in den Kernraum. Die an einem Kernpol gelagerte Chromatinmasse zerlegt sich in die 16 Doppelkugeln, die in sie eingegangen waren. Während dann die Kernmembran zerreisst, bildet sich eine richtige Teilungs- spindel aus und die Ausstossung eines 2. Richtungskörpers erfolgt, indem sich der Tochterkern rekonstruiert. Die Mitochondrienfäden wandeln sich dann in den Mitochondrienkörper um. Über das weitere Schicksal der Spermatiden hat Verf. keine neuen Unter- suchungen angestellt. Die grossen Zellen wie die 2. Richtungskörper entwickeln sich zu Spermien, von denen die aus letztern entstan- denen zu degenerieren scheinen. Im allgemeinen Teil der Arbeit wendet sich Meves vor allem kritisch gegen die Annahme einer Chromosomencopulation. Die Synapsis erscheint ihm als ein initiales Stadium der 1. Reifeteilung, welches durch seine Tendenz zur Schrumpfung ausgezeichnet ist. Die Angaben über parallele Conjugation besagen sämtlicli in Wirk- lichkeit nichts anderes, als dass die Längsspaltung der Chromosomen, wie auch der Somazellen sehr früh auftritt resp. in den Fäden prä- formiert ist, eine Auffassung, die auch die des Ref. ist. Für das Wesentliche der Reifeteilungen hält Verf. einmal die Herabsetzung der Chromosomenzahl. Sie kommt so zustande, dass die vorhandene Chromatinmasse sich im Beginn der 1. Reifeteilung in der halben Anzahl von taktischen Verbänden zusammenfindet. Das sei eine Tatsache, die als solche hingenommen werden müsse. Eine besondere Erklärung dafür lasse sich nicht geben. Wenn ein Spiremfaden ge- bildet wird, könne dies nach A. Brauer durch Unterlassung einer Quersegmentierung eintreten. Die Herabsetzung der Chromatin- masse erfolgt durch Viertelung, durch 2 Teilungen ohne Pause dazwischen. Das in die Reifeteilung eintretende Chromosom hat doppelt soviel Chromatinmasse wie ein Somachromosom im Beginn der Mitose, nach Ablauf der beiden Reifeteilungen also halb so viel. Da die reifen Geschlechtskerne davon die halbe Zahl erhalten, be- sitzen sie ein Viertel der Masse eines normalen Somakerns und es wächst dann bis zur Copulation der Vorkerne im befruchteten Ei ihre Masse auf das Doppelte an. ,,Nach obiger Auseinandersetzung wird man mir glauben, dass ich die Schwierigkeiten des Reductions- — Nr. 168. — — 144 — Problems, von dem Janssens schreibt, dass es alle Welt beiinruliigt, niemals recht begriffen habe". Weitere Betrachtungen werden den Centriolen gewidmet in bezug auf die bekannte Streitfrage mitBoveri. Verf. möchte dabei, um das Eintreten des Bef. für Boveris Anschauung zu entkräften, dessen Befunde bei Zoogonus so deuten, dass der winklig geknickte Stab nur der optische Schnitt einer abgeplatteten Scheibe ist, also ein Centrosom und gar kein Centriol. Verf. übersah dabei, dass die meisten Abbildungen des Ref. ja nach nicht mit Eisenhämatoxylin gefärbten und von allen Seiten untersuchten Totalpräparaten hergestellt sind, die diesen Irrtum natürlich ausschliessen. Schliesslich wendet sich Verf. noch kurz gegen die Anschauungen des Ref., dass die Mitochondrien mit Chromidien zu identifizieren seien. R. Goldschmidt (München). 169 Ballowitz, E., Die Form und Struktur der Schuppentier- spermien. In: Ztschr. wiss. Zool. Bd. 86. 1907. S. 619—624. 1 Taf. Die Spermien von llanis longicauäata weichen von denen andrer Säugetiere durch ihren langgestreckten schmalen Kopf ab. Das Ver- bindungsstück ist von einem Spiralfaden umgeben. Der ganze Habitus erinnert selir an den von Reptilien. R. Goldschmidt (München). Tiergeographie. Reisen. 170 Sjösteilt, Yiig've, En bestigning af Kilimandjaros högsta delar. In: Entomol. Tidsskrift. 1906. S. 97—118. Verf. berichtet über Untersuchungen in den höchsten Regionen des Kilimandjaro ; oberhalb des Regenwaldes, in etwa 10000 Fuss Höhe, wurde Station genommen und von dort Excursionen sowohl nach oben bis zum ewigen Schnee, wie nach unten gemacht. Da der Bericht in Form eines Reisebriefes und bevor noch das gesammelte Material bearbeitet worden ist, geschrieben wurde, enthält er natürlich nur allgemeine Betrachtungen über die beobachtete Fauna, insbesondere die Insectenfauna. — In einer Höhe von mehr als 4000 m, an der Grenze der höhern Vegetation, wurde von Vögeln am häufigsten be- obachtet eine CislicoIa-Ai% die durch ihren lebhaften Gesang der einförmigen Natur eine besondere Anziehung verlieh, ferner die an unsere einheimischen Saxicolen erinnernde Finarochroa ki/pospadia, sowie die auf dem Zuge sich befindende Saxicola oenanthe; ein Paar weisshalsige Raben {Corvulhir alhicoUis), ein Serinns und ein Buteo- ähnlicher Vogel gehörten auch zu den als Bewohner dieser Einöden - Nr. 168-170. - — 145 — beobacliteten Arten; das Vogelleben war offenbar recht ärmlicli. An Säugetieren wurde eine wahrscheinlich neue Rattenart gefangen und Spuren von einer kleinen Antilope (wahrscheinlich CephaJolophus spadi-r) wurden an der äussersten Grenze des Tier- und Pflanzen- lebens beobachtet. Auch die wärmeliebenden Reptilien waren in diesen Höhen vertreten inid zwar ein Chamäleon und eine schön gezeichnete llahma, während in dem eiskalten Wasser Kaulquappen gefunden wurden. An Arthropoden wurden ein grünglänzender Cara- bide, ein Paar Heteromeren-Arten, rote Trombidiiden, vereinzelte Collem- bolen, flügellose Acridiiden, eine Phalangide, eine Psocide, grüne Capsiden und einige Blattwespen beobachtet. — Unmittelbar am ewigen Schnee, in einer Höhe von etwa 18000 Fuss, wurde ein Collembolle und eine Spinne gefunden; da letztere, wie Verf. vermutet, sich nicht von den CoUembolen ernährt, müssen auch andere Inaecten, wahrscheinlich Mücken, daselbst vorkommen. — Im ganzen hat Verf. von den alpinen Regionen des Kilimandjaro etwa 7000 Tiere mit- gebracht, grösstenteils kleinere Formen und wahrscheinlich einer ziem- lich geringen Anzahl von Arten angehörend. E. Strand (Berlin). Chaetognatha. 171 Brocli, H., Ueber Chaetognaten des Nordmeeres. In: Nyt Magazin f. Naturvidensk. Christiania. 44. Bd. 1906. S. 144—150. 2 Taf. Das reiche, von den norwegischen Terminfahrten herrührende Planctonmaterial ergab in bezug auf die Verbreitung der Chäto- gnathen in den Xordmeeren folgende Befunde. Drei Arten spielen die Hauptrolle und zwar Sagitta hipunctata^ S. gigantea n. sp. und Krohnia hamata. Das Vorkommen von .S. hexaptera (D'Orb.) scheint zweifel- haft. Durch die Faröe-Rinne dringt wahrscheinlich als fünfte Art die S. tvhartoni Fowler ein. SpadeUa ceplialoptera Busch wurde spo- radisch gefischt. S. hipimctata ist eine Oberflächenform in der Nähe der Küste und mehr im Süden des Gebietes. S. gigantea fand sich nie an der Oberfläche und sie charakterisiert die kalten Teile der Nordmeere. Diese Form erreicht eine Länge von 9 cm. Krohnia kommt überall in dem Nordmeer vor und bevorzugt die Küstenregion und das tiefe Wasser. C. I. Cori (Triest). Prosopygia. 172 Seitz , Ph. , Der Bau von Echiurus chilenensis (ürechis n. g. chilenensis. In: Zool. Jahrb. Abth. f. Anat. u. Ontog. 24. Bd. 1907. S. 323—356. Taf. 29—81. Der Verf. zieht die bisher beschriebenen Echiurus-S])ecie3 in die drei: Echi- urus chilenensis, E. echinrus und E. unclnatus zusammen. Da sich aber zwischen Zooloff. Zentralbl. 15. Band. j^j. J-JQ 172. 10 — 146 — den beiden erst genannten Arten tiefgreifende Unterschiede ergeben, so stellt er eine neue Gattung mit dem Namen Urechis auf und plaziert in dieser die beiden nahe verwandten Arten ü. cJiilenensis und U. uncinatus. C. I. Cori (Triest). 173 Seleiisky, W. Ueber den Bau und die Entwicklung der so- genannten Urn en der Sipunculiden. Zool. Anz. Bd. XXXII, 1907. S. 330—336. In einer vorläufigen Mitteilung werden die wichtigsten Punkte einer neuerlichen Untersuchung der viel umstrittenen Natur der Urnen der Sipunculida mitgeteilt. Diese ergab, dass die in Ilede stehenden Gebilde keine selbständigen Organismen seien (Kunstler, Gruvel), sondern Gebilde, welche aus dem Bindegewebe und Peri- tonealepithel der Gephyreen entstehen. Ihre Bildungsstätten sind in erster Linie die Tentaculargefässe, dürften eventuell aber auch an anderen Orten der Cölomwand zu finden sein. Die Urnen sind keines- wegs nur aus 2 Zellen aufgebaute Organe (M e t a 1 n i k o f f), sondern be- stehen aus mehreren Zellen und aus einem Bindegewebsanteil. Ihre Ent- stehung zeigt der Verf. an einer Entwicklungsreihe. Nach seiner Meinung kommt ihnen nicht die Function der Phagocytose im gewöhn- lichen Sinne zu; wahrscheinlich wirken sie agglutinierend auf orga- nische Körperchen der CölomÜüssigkeit und auf diesem Wege reinigend. Zum Schluss wird die Frage aufgeworfen, ob nicht zwischen den hier beschriebenen Organen und den Si/napfa-\] rnen und den Wimperorganen der Hirudineen morphologische Übereinstimmungen nachgewiesen werden könnten. In den beiden letzt genannten Fällen scheint eine solche Annahme Berechtigung zu haben. C. I. Cori (Triest). 174 Annandale, N. , Notes on the freshwater fauna of India. Nr. XII. The Polyzoa occurring in Indian fresh and brackish jiools. In: Journ , and Proc. Asiatic Society of Bengal. (New Series). Vol. III. Nr. 2. 1907. S. 83—93. PI. II. Im indischen Gebiete weist die Liste folgende Bryozoen auf: Membranipora 6ej?f/a/f?(s!'sStoliczka, Gangesdelta, Brackwasser; Vicforclla pavida Kent, Gangesdelta, Brackwasser; PaludiceUa spec. Bombay und Gangesdelta, Brackwasser; Hislopia lacustris Carter, Nagpur und Calcutta, Süsswasser; Plumatella repens Linn. Bombay und Calcutta; PI. emarginata Allman, Bombay und Calcutta ; PI. allmani Hancock, Bhim Tal, Kumaon ; PL punctata Kancocli, Calcutta; Lophopus lendcnfeldl Ridley, Bhim Tal, Kumaon: L. spcc. Madras; Pectinatella'? carteri, Hyatt, Bombay. C. I. Cori (Triest). 175 Annandale, N., Notes on t;he freshwater fauna of India. Nr. IL The affinities of Hülopia. Ibid. Vol. IL Nr. 8. 1906. S. 59-63. Verf. betrachtet die H. als einen etwas aberranten Vertreter der Ctenosto- mata. Die Mündungen der Zooecien zeigen Modificationen , die möglicherweise — Nr. 172-175. — — 147 — im Zusammenhang sfehen mit dem Leben im Süsswasser. Diese Form kann als eine eigene Familie betrachtet werden, welche sich eng an Paludicella anschliesst. C. I. Cori (Triest). 176 Kraepelin, K. , Eine Süssw asserbryozoe (PiumateUa) aus Java. In: Mitt. Naturhistor. Mus. Hamburg. XXIII. Jahrg. 1906. S. 143 — 146. 3 Abbild, im Text. Der Verf. sammelte in Teichen bei Buitenzorg und im Gebirgsgarten Tji- bodas an der Unterseite von Seerosenblättern eine PlumalcUa , welche sich nach ihrem Gesamthabitus insbesondere durch den Verzweigungsmodus, ferner durch die Zartheit der Röhren — diese zeigen einen scharf hervortretenden Kiel — und durch die Form der Statoblasten der emarginata-Reihe anschliessen. C. I. Cori (Triest). 177 Levinson, G. 31. R. , Sur le regeneration totale des ßryozoaires. In: Oversigt over det kgl. Danske videnskabernes selskabs forhandlinger 1907. Nr. 4. S. 151—159. 1 Taf. Die Untersuchungen wurden an recenten und fossilen Formen angestellt. Die Regeneration bei den Bryozoen stimmt in den Hauptpunkten mit jener bei den Hydroiden überein. C. I. Cori (Triest). 178 Oka, A., Zur Kenntnis der Süss wasser-Bryo zoenf aun a von Japan. In: Annot. zool. Japon. Vol. VI. Part. II. 1907. S. 117—123. 8 Textfig. Die Süsswasser-Bryozoenfauna Japans ist noch äusserst wenig erforscht und der Verf. dieser Mitteilung konnte selbst erst nur sehr wenige Seen daraufhin untersuchen. Er fand Pectinatella gelatinosa Oka in einem Teiche bei Tokyo, ferner P. darenporti n. sp. in dem See Kasumiga-Ura. Durch Abbildung der Statoblasten und ihrer Dornen von den beiden genannten P.-Species und von P. magnißca Leidy werden die deutlich hervortretenden unterscheidenden Merkmale gezeigt. Ferner wurde das Vorkommen von PiumateUa repens Lamk. bei Tokyo in einem Teiche und einem Bache nachgewiesen. Schliesslich beschreibt 0. eine neue, der früher genannten PiumateUa- Kit sehr ähnlich Species, die er PI. casmina n. sp. benennt. Die Statoblasten zeichnen sich durch eine ausseroidentlich schmale Gestalt aus. Als Fundort für diese Form ist genannt der Kasumiga - Urasee. Wenn die Zahl der japanischen Süsswasserbryozoen in Zukunft keine Vermehrung erfahren sollte, wäre die Armut an diesen so weit verbreiteten Formen eine für die japanische Festlandsfauna interessante Erscheinung. C. I. Cori (Triest). 179 Silbermaiiii, S., Untersuchungen über den feineren Bau von Alcijonidinm myiili. In: Arch. Naturgesch. 72. Jahrg. 1906. S. 265—310. Der Schwerpunkt der vorliegenden Bearbeitung von Alcyonidium liegt in der eingehenden Darstellung der histologischen Verhältnisse. Es ist dies insoferne als eine dankenswerte Aufgabe zu betrachten, als die ctenostomen Bryozoenforraen in dieser Beziehung in neuerer Zeit stark vernachlässigt erscheinen. Zunächst wird der feinere Bau der Leibeswand, der Tentakel- scheide und der Tentakelkrone beschrieben. Von Interesse ist der — Nr. 175-179. — 10* — 148 — Nachweis von Sinneszellen an den Tenakeln. Diese Zellen haben die typische, spindelförmige Gestalt und überragen das Niveau der Epithel- oberfläche mit ihrem Sinneshaar. Den Nervenfortsatz vermochte der Verf. nicht weit centralwärts zu verfolgen und auch nicht den Zu- sammenhang mit andern Sinneszellen und dem Cerebralganglion fest- zustellen. Was die umstrittene Frage betreffend das Vorhandensein von Muskelelementen in den Tentakeln betrifft, so konnte S. zunächst durch genaue Beobachtung des lebenden Objektes, welches unzweifelhaft eine aktive Mobilität seiner Tentakel erkennen lässt, die Überzeugung von dem Bestehen muskulöser Elemente gewinnen und diese Annahme wurde dann auch durch das histologische Bild bekräftigt und erwiesen. Der von Ehlers in Abrede gestellte, den Ösophagus umgreifende Ring- kanal ist bei Ä. unzweifelhaft vorhanden. Das Ganglion besteht aus einer zentral gelegenen Masse von Punktsubstanz und einer äussern Rindenschicht, in welcher die Ganglienzellen eingelagert erscheinen. Der Darmtractus von A. bietet gegenüber andern verwandten Formen keine Besonderheiten dar. Eingehend werden in der vorliegenden Arbeit die Drüsenzellen des Magens beschrieben. Im Cardialtheil des letztern wurden Gregarinen gefunden. Die microscopischen Bilder Hessen ferner im Magen Zellen erkennen, welche sich aus dem Verbände des Epithels lösten. Der Verf. möchte in diesem Befunde den Aus- druck einer excretorischen Tätigkeit des Darmepithels erkennen, wie dies Zarnik für Amphioxus angegeben hat. An den Muskeln Hess sich sehr deutlich eine Querstreifung nachweisen (entgegen Hart- mann). Die Insertion jener an der Leibeswand findet direkt an der Cuticula des Ectoderms statt und, um dahin zu gelangen, zwängen sich die Muskelfibrillen zwischen den Ectodermzellen durch. Ein specifisches Excretionsorgan besitzt die untersuchte Form nicht. Die weiblichen Gonaden gehen nach den Beobachtungen des Verf. aus einer Ectodermeinstülpung hervor, wie dies auch schon von andern Forschern beschrieben worden ist. Meist sind die Individuen getrennt geschlechtlich und nur gelegentlich finden sich Zwitter. Ein Inter- tentakularorgan wurde sehr selten gesehen. C. I. Cori (Triest). 180 Weltner, W., Pectinatella magnifica (Leidy) bei Berlin. In: Arch. Naturgesch. 72. Jahrg. 1906. S. 259-264. 3 Textfig. Der Verf. berichtet über das Vorkommen von P. in der Havel nördlich von Spandau und in der Nähe des Tegeler Sees nur an altem Flossholze. In andern Gewässern bei Berlin und in der Mark Brandenburg, in Mecklenburg und Pommern waren bezügliche Bemühungen, diese aus Amerika bei uns eingeschleppte Bryo- zoenform aufzufinden, ohne Erfolg. Nach W. Meinung erzeugen die aus Larven hervorgehenden Kolonien noch im selben Herbste Statoblasten. C. I. Cori (Triest). — Nr. 179-180. — ~ 149 Arachnida. 181 Jainbuiiathan, X. S., The Habits and Life History of a So- cial Spider {Stegochjphns sarasinorum Karsch). In: Smiths. Mis- cell. Coli. II. 1904/1905. S. 365—372 mit 1 Taf. "Wie wahrscheinlich alle Stegodyphus-kxtQY]. ist die südindische St. sarasinorum eine gesellige Art ; die Tiere leben zu 40 — 100 zusammen in einem schwammähnlichen Nest ; letzteres ähnelt in der Färbung der Spinne so sehr, dass diese im Netze nicht leicht zu entdecken ist. Am häufigsten finden sich die Netze in dornigen Bäumen oder Sträuchern nnd der ganze Baum wird durch die Netze bisweilen so bedeckt , dass die Blätter kaum sichtbar sind. Die Nester und Netze werden von den Weibchen allein gebaut und eventuell repariert; wenn ein Insect ins Netz geraten ist, sammeln sich die Spinnen und fressen gemeinschaftlich und friedlich das Beutetier auf. Bemerkenswert ist es, wie sie sich vereinigen können, um gemeinschaftlich grössere Aufgaben zu erledigen. Weniger friedlich verhalten sich die beiden Geschlechter zu einander und es geschieht wohl sehr selten, dass ein 6' die Copulation vollziehen kann, ohne dabei ein oder mehrere Glieder der Extremitäten oder sogar sein Leben zu verlieren. Der Eicocon ist linsenförmig, weiss, etwa 6 mm im Durchmesser und liefert die Jungen nach 13 — 14 Tagen; diese sind nach drei Monaten erwachsen und werden, so lange sie noch jung sind, von den Eltern gefüttert, die wenn nötig, selbst hungern, um die Jungen sättigen zu können; die Reste der Mahlzeiten wer- den für den Bau der Nester verwendet. Letztere werden meistens im Schatten gebaut. E. Strand (Berlin). 182 Simon, E., Description d'un Blothru.t nouveau des grottes des Bas- ses- Alp es. In: Bull. Soc. ent- Frauce. 1905. S. 282—283. Blothrus peyerimhoffi n. sp. unterscheidet sich von den andern bekannten Blothrus dadurch, dass der Cephalothorax mindestens doppelt so breit wie lang, sehr schwach von vorn nach hinten verschmälert und hinten breit umrandet ist. Der Palpus erinnert an B. abeillei. E. Strand (Berlin). 183 Strand, Embrik, Diagnosen neuer Spinnen au s Madagascar und San- sibar. In: Zoolog. Anz. XXXI. 1907. S. 725—748. Die Novitäten sind: Zorodktyna n, g. (intermediär zwischen Zoropsidae und Dictynidae, ähnelt Zorocrates, aber Afterkralle an I— II vorhanden, Lippen- teil länger, Clypeus niedriger u. ra. ; Type: Z. intermedia n. sp.) , 1 Scytodes, 1 Ariadna, 1 Echemella, 1 Scotophaeus. 1 Poecilochroa, 1 Prosthesima, 1 Capheris, 1 Hersilia, 1 Therldula, 1 Phoroneidia, Tmeticldes n. g. (mit Tmeticus verwandt, aber Augenreihe II recurva, Clypeus niedriger, der untere Falzrand mit wenigeren (3) Zähnen usw.; Type: T. arancifonnis n. sp.), l Lcucatuje, 1 Chsinome, 1 Cyclosa, — Nr. 181—183. ~ — 150 — 4 Aranea, Lampcrlia n. g. (mit jipyrc verwandt, aber Cephal. länger als breit, Augenreihe I erheblich kürzer als II, Feld der M. A. vorn schmäler als hinten usw.; Type: L. pulchra n. sp.), 1 Dieta, 2 Thomisus, 1 Jhincinia, 1 Phrynarachnc, 3 Damastes, 1 Hhitymna, 1 Olios, 2 Palystes, 1 Chiracanlhinm, 1 ^inahita, 4 Vulsor, 1 Copa, 1 Corinna, 1 Nilus, 2 Thalassius. 1 Hijgropoda, 1 Dolomedes, 5 Tarenhda, 1 Lycosa, 1 Portia, 1 Myrmarachne, 1 Heliophanus, 1 Veiloa, 3 Hyllus, 1 Mallonela, 1 Tusitala. E. Strand (Berlin). 184 Tullgreii, Albert, Svensk spin delfa un a. I. Klokrypare. Chelonethi. IL Lac kespindl ar. Phalangidea. In: Entoniol. tidsskrift. 27. 3 — 4. H. 1906. ö. 195-213 mit 8 Textfig. 185 — Notiser rörande arter af arachnidgrupperna Chelonethi eck Phalangidea. Ebenda. S. 214-218. Nach einer kurzen Übersicht über das System der Arachniden folgt eine Dar- stellung des allgemeinen Körperbaues und der Hauptzüge der Biologie der beiden angegebenen Gruppen. Dann Bestimraungstabellen und kurze Beschreibungen der schwedischen Vertreter dieser Tiere. Diese gehören folgenden Arten an: 1 Chciri- dium, 6 Chelifer, 1 Obisium, 1 Chlhonius (Chelonethi) ; 2 Liobnnum, 1 (oder 2) Mi- topus, 2 Phalangium, 1 Platybunus, 3 AcantlioJopinis, 1 Nemasloma. Im zweiten Aufsatz werden im Anschluss an die vorhergehende Mono- graphie genauere Verbreitungsangaben, synonymische Bemerkungen etc. gegeben. Liobunnm laeve Tb. und gracile Th. sind auf junge Individuen von L. rupestre Herbst gegründet. Acantholophus iongisctus Th. sei gleich ^1. hispidns Herbst. E. Strand (Berlin). 186 Banks, Nathan, A Rock-boring Mite. In: Entomol. News. XVII. 1906. S. 193—4 mit 3 Fig. Verf. beschreibt eine Oribatide, Scntovertex ^^tetropliagus n. sp., die in kleinen Höhlungen an befeuchteten Kalksteinklippen lebt; es scheint, dass die Milbe selbst, vielleicht mit Hilfe irgend eines Secretes, diese Höhlungen gegraben bat und sie bringt darin wahrschein- lich fast sein ganzes Leben zu. Vielleicht findet sie in den feinen Furchen und Löchern im feuchten Kalksteine winzige Pflanzen-Organis- men, wovon sie sich ernährt; dass sie direkt petrophag ist, lässt sich wohl bezweifeln. E. Strand (Berlin). 187 Jarvis, T. D., Mit es affecting Farm Homesteads. In: Canadian En- tomologist. Nr. 7. 1906. S. 239-41. Populär gehaltene Darstellung der Hauptzüge der Naturgeschichte des Tyroglyphus longior mit Anweisung, wie man diesen Schädling am zweckmäfsigsten ausrotten kann. E. Strand (Berlin). 188 Lounsbury , Ch. P. , Ticks and African Coast Fever. In: Agrie. Journ. Cape Good Hope. 28. 1906. S. 634—54. Die Frage nach der Übertragung des Küstenfiebers durch die Zecken war seit längerer Zeit Gegenstand der Untersuchungen des Autors. Durch die Experimente wurde festgestellt, dass das Fieber — Nr. 183-188. — — 151 — diircli 5 verschiedene Arten der Gattung Rhipicephalus (ünterg. Eu- rliipicephalus) von den kranken Rindern an gesunde übertragen werden kann; wohl aber haben nicht alle Rinder Anlage zu dieser Krank- heit. Es wurde das Fieber durch die Experimente von 12 kranken Tieren auf 35 gesunde übertragen und zwar sowohl durch adulte JRhiincephahis wie durch deren Nymphen. In allen Fällen ist die Ansteckungs-Fähigkeit der Zecke in einem Entwicklungsstadium er- worben und die Übertragung der Krankheit hat in dem folgenden Stadium stattgefunden. Von den 35 durch die Versuche angesteckten Tiere genasen nur 2 von der Krankheit ; keines von diesen war stark erkrankt, sie erwiesen sich aber dennoch nachher als immun. Die Zecken scheinen immer übertragungsfähig zu sein. Gewöhnlich wurden ein Dutzend oder mehr Zecken angewandt, aber die Ansteckung er- folgte in einem Falle durch den Angriff eines einzigen Individuums, in einem andern von nur zwei solchen. Die Incubationsperiode be- trägt durchschnittlich 137^ Tage (von 9 bis 19 Tagen). Die Krank- heitsfälle dauerten durchschnittlich 12 Tage und wenige von den Tieren schienen ernstlich krank zu sein , bis einige Tage vor dem Tode. Daraus folgt, dass im Laufe einiger Zeit ein krankes Tier auf den Feldern ansteckende Zecken wird weiter verbreiten können. Eine Ansteckung wurde in keinem Falle erzielt, weder durch Zecken « von den genesenen Tieren, noch durch die Nachkommen der Zecken von kranken Tieren, noch durch erwachsene Zecken der pathogenen Arten, die als Nymphen an immunen Tieren, aber als Larven an kranken gelebt hatten. — Die Einzelheiten der Versuche werden u. a. in tabellarischer Form dargestellt. E. Strand (Berlin). 189 Rousseau, E. , Notes pour servir k l'etude des Hydrachnides de Belgique. In: M^m. Soc. ent. Belgique. XII. 1906. S. 181-188. Aus Belgien waren bisher nur 23 Hydrachniden-Arten bekannt, welche An- zahl durch den Verf. auf 44 erhöht worden ist; wenn dazu noch 43 andere Arten kommen, welche aus den Nachbargebieten bekannt sind und gewiss auch in Bel- gien vorkommen werden, würde die Fauna im ganzen 87 Hydrachniden aufweisen. Diese werden aufgezählt; bei den schon in Belgien gefundenen Arten werden deren dortige Fundorte, bei den andern deren bekannte Verbreitung in grossen Zügen angegeben. E. Strand (Berlin). 190 Trägardh, Ivar, Description of two myriopodophilous Genera of Antennophorinae with notes on their development and biology. In: Arkiv för Zoologi. Bd. 3. Nr. 28. 1907. S. 1—33 mit 1 Taf. und 18 Textfig. Die erste Milbe von der Unterfani. Antennophorinae wurde 1877 als Ant. uklmanni Hall, beschrieben; seitdem sind mehrere hinzugekommen, so dass wir heute (Gen. Megistanus nicht mitgerechnet) 9 Arten kennen, wozu Verf. nun 2 neue (südafrikanische) hinzugefügt hat, die je eine neue Gattung bilden; zum — Nr. 188-190. — — 152 — erstenmal wird hier über die früheren Entwickliingsstadien der Ante nnoph orinen berichtet. — Neomcgidus udidicola Tgdh. wird als (^f, 9) Deutonympha, Tritonympha (j^unddto. 2 beschrieben. Die Deutonympha ähnelt gänzlich der Tritonymphe mit der Ausnahme, dass sie kleiner ist und keine Copulationsorgane oder deutliche Schil- der aufweist. Die Form der Dorsalseite , Epistoma, Maxilien, Maxillarpalpen, Mandibeln und Beine sind genau gleich bei den Tritonympben beider Geschlechter. — Von Paramegisius confralcr Tgdh. werden nur die erwachsenen beschrieben. — Dass die beschriebenen Tritonympben trotz des Vorhandenseins von Genitalien nicht adulte Formen, sondern Nymphae generantes sind, findet Verf. dadurch bestätigt, dass die Mandibeln bei beiden Geschlechtern gleich sind und dass die Cuticula so weich ist wie bei den Prostigmaten. Die Untersuchungen des Verf. waren so eingehend, dass er es als festgestellt betrachten möchte, dass nur diese zwei A nten n p h ori n en -Arten in Natal und Zululand vorkommen. Ebenso ist es festgestellt, dass nur die erwachsenen, nicht auch die unreifen P'ormen die- ser zwei Arten an Myriopoden bezw. Ameisen leben. Nachdem Verf. dann näher begründet hat , dass er die gefundenen unreifen Formen zu Neomajistus und nicht zu Paramegisius gezogen hat, wird hervorgehoben , dass die Unterschiede zwischen Neomegistus und den Nymphen durch die verschiedene Lebensweise sich erklären. Interessanterweise kommen die Neomegistus an luliden nur während der Sommermonate vor und zwar deswegen, weil die luliden den Winter im Boden zubringen und dadurch den Neomegistus an den luliden keine Existenz- möglichkeit gegeben wäre. Die Neomegistus leben von der Flüssigkeit, welche durch die Foramina repugnatoria der luliden ausgeschwitzt wird; in Überein- stimmung mit solcher Nahrung sind die Laciniae der Mandibeln von Neomegistus noch stärker entwickelt als bei Anlennophorus. Im Frühsomnier finden sich an den luliden erwachsene Milben, welche copulieren, und das $ legt dann etwa P/2 Dutzend Eier ab, aus welchen viele freilebende Larven, Proto- bezw. Deuto- nymphen und Tritonymphae generantes masculinae und femininae sich entwickeln, von denen mindestens zwei Generationen vorkommen ; die Nymphae generantes 9 bekommen nur 1 , aber recht grosses Ei. Aus der letzten Generation ent- wickeln sich Nymphen, welche gegen das Ende des Winters völlig erwachsen worden sind und dann die luliden befallen. — Dass der Körper so breit oder breiter als lang, sowie stark abgeflacht ist und dass die Tiere sich ebenso leicht rück- und seitvvärts als vorwärts bewegen können, lässt sich als Anpassungser- scheinung zu dem myriopodophilen Leben erklären. — Zu den Antenno- phorinae rechnet Verf. auch die Gattung Sejodes und zwar als die primitivste Form, von welcher Parantcnnulus und dann die Tritonympha generans von Neo- viegistus sich ableitet; von letzterer entspringen 3 Äste, nämlich einerseits An- lennophorus, andrerseits Physaloccrcon und dazwischen Echino-, Neo-, Paramegisius. E. Strand (Berlin). 191 Warl)ui'toiJ, Cecil and Embleton, Alice L., The Life-History of the Black-C u rrant Gall-Mite, Eriophyes {Phytoptus) rihis Westwood. In: Journ. Linn. Soc. Zool. 28. S. 366 — 378. Taf. 33—34. Die überwinternden Milben, die nicht eine vollkommene Stag- nation in dem Wachstum der Knospen verursacht haben, sondern durch die Entwicklung der letztern vor dem Mai aus ihrem Schlupf- winkel herausgetrieben ^verden, gehen wahrscheinlich zugrunde. Es — Nr. 190-191. — — 153 — findet eine Migration statt (Mai-Juni), wenn die abortiven Knospen eintrocknen und für die Milben unbewohnbar werden, während gleich- zeitig nene Knospen bereit sind, die Milben zu empfangen. Die Ver- breitung geschieht durch Kriechen, Festklammern an Insecten oder Hüpfen. Während einer kurzen Periode ist die Gesamtzahl der lebenden Milben ausserordentlich gering, indem die alten Knospen tot sind, die emigrierenden Milben aber, welche die neuen Knospen erreicht haben, sich noch nicht vermehrt haben ; dies tritt etwa Ende Juni ein. Am Boden kann die Art nicht leben und sie greift nie die Wurzeln der Pflanzen an. Die Milben erscheinen anfangs an der Aussenseite der Knospen und dringen erst, wenn sie zahlreicher geworden, ins Innere hinein. In den angesteckten Knospen findet sich häufig eine Cecidomy id en-Larve, die sich von den Milben ernährt. E. Strand (Berlin). Insecta. 192 Walilgreii, Eiiiar, C o 1 1 e m b o 1 a f r ä n T o r n e I a p p m a r k o c k a n g r ä n s a n d e trakter. In: Entomol. tidsskrift. 27. 3.-4. H. 1906. S. 219-230 mit4Textfig. Bebandelt CoUemboIa vom schwedischen Lappland (Tome Lappmark) und zwar: 4: Arten Achorutett, von denen zwei neu, 1 Pochira, 1 Aphoromma, 1 Ncanura, 1 Onyrhiurus , 1 Anurophorvs, 10 Isotoma (1 n. sp.) , 1 Orchesella , 1 Entomobnja, 1 Tomocerus, 2 Lepidocyrtus, 2 Sminthurides, 4 Sminthurus, 3 Dlcyrloma (1 n. sp.). Die Diagnosen der nn. spp. deutsch. E. Strand (Berlin). 193 Wahlgren. Einar, Svensk insektfauna. I. Borstsvansar och bopp- stjärtar. Aptery gogenea. In: Entomol. tidsskrift. 27. 1906. S. 233— 270 mit 30 Fig. Eine kurzgefasste monographische Bearbeitung der schwedischen Thysanuren und Collembolen, mit Bestimmungstabellen uod Abbildungen der wichtigeren Formen. An Thysanuren besitzt Schweden nur 4 Arten (je 1 Campodea, MachUis, Pclrobius und Lepisma) , an Collembolen 129 Arten und zwar : 19 Achorutes, 1 Brachy-stomella, 5 Pseudachorutea, 5 Xenylla, 2 Anurida, 1 Aphoromma, 1 Odon- tella, 2 Friesea, 1 Podiira, 1 Tetracanthella, 1 Neanura, 5 Onyehiurus, 1 TuUbergia, 1 Anorophorus, 28 Isotoma, 4 Orchesella , 1 Sinella , 7 Entomobrya , 4 Tomocerus, 4 Sira, 6 Lepidocyrtus, 1 Cyphoderus, 1 He'eromiirus, 1 Jfegalothorax, 4 Dicyrtoma, 2 Sminthurides, 5 Sminthurnius, 15 Sminthurus. E. Strand (Berlin). 194 Petersen, Esben, Odonata Daniae. Bidrag til en fortegnelerover Danmarks guldsmede. In: Entomol. meddelelser. 2 R. IL 7. H. 1905. S. 359-363. In Dänemark sind bisher 40 Arten Odonaten gefunden und zwar 3 Libellula, 2 Orthetrum, 3 Leurorrhinia, 5 Sympctritm, 3 Cordulia, 2 Gomphns, 1 Cordulegaster, 7 Aeschna, 2 Calopteryx. 3 Lcstes, 1 Platycncmis und 8 Agrion- Arten. E. Strand (Berlin). 195 Petersen, P]sben, Notitser om danske Orthopterer og Neuropterer. In: Entom. meddelelser. 2 R. III. 2. H. S. 134—139. — Nr. 191—195. — — 154 — Ectohia cricelorum Wesm. kommt in Dänemark, aber anscheinend nur an der Westküste Jyllands, vor. Ectobia livida F. wurde bisher nur im weiblichen Geschlecht gefunden. Mit dem Hinzukommen von Hemerobius lutescens Fbr. und Goniopteryx lutea Wall, zählt die dänische Planipenni a-Fauna nunmehr 47 Arten. E. Strand (Berlin). 196 Petersen, Esben , Neuroptera Danica. Planipennia. In: Entomol. meddelelser. 2 R. III. 1. H. S. 21—49 mit 8 Textfig. Monographische Bearbeitung der Imagines der in Dänemark vorkommenden Planipennia, mit Beschreibungen und Bestimmungstabellen der Familien , Gat- tungen und Arten sowie genauen Verbreitungsangaben. Im ganzen sind 45 Arten als dänisch angegeben und zwar: 2 Alyrmcbon, 2 Nolhochrysa, 1 Hypochrysa, 9 Chrysopa, 1 Sl.syra , 1 Osmylns , 3 Micromy^ , 1 Drepanopteryx , 13 Hemerobius, 3 Coniojiicryx, 2 Sialis, 3 Raphidia, 3 Panorpa, 1 Borens. Keine Novitäten. E. Strand (Berlin). 197 Miichardt, Harald, En for Dan mark ny Bombus- Art, Bombus pomorinn Panz. In: Entomol. meddelelser. 2 R. IL 7. H. S. 353-354. Bombus pomorum Panz.. eine Art, die bisher weder aus Dänemark noch Skandinavien bekannt war, wird aus Sjaelland (Dänemark) angegeben. Besuchte fast ausschliesslich Trifolium pratense. E. Strand (Berlin). 198 £n;2:elhart, Chr., De danske Arter af Slaegten vI;j(o?i Hrbst. In: Entomol. meddelelser. 2 R. II. 3.-4. H. S. 115—179. Eine monographische Behandlung der dänischen Arten der Gattung Apion enthaltend im ganzen 69 Arten; Bestimmungstabelle wie Beschreibungen in der dänischen Sprache. Die Arten werden in 16 Gruppen verteilt, die doch nicht mit besonderen neuen Namen bezeichnet werden. Als besonders seltene Arten werden angegeben: A. ßavofemorolum Hrbst., bohemani Boh., detrilum Rey, colum- binum Germ, und sedi Germ. E. Strand (Berlin). 1Ü9 Johansen , Joh. P. , Meddelelse om Fund af adskillige for Faunaen nye og af nogle kjendte, sjaeldne Biller. In: Entomol. meddelelser, 2. R. IL 3.-4. H. S. 180—187. Enthält Mitteilungen über einige für die Fauna Dänemarks neue oder seltene Käfer und zwar sind 1 Myrmecopora , 1 Thiasophila, 1 Hygropora, 3 Oxypoda, 3 Homalota, 1 Placnsa, 1 Oligota, 1 Tachinus, 2 Stenus, 1 Omalium, 1 Agathidium, 2 Flenidium, Cryptopliagus, 1 Lathridius und 1 Corticaria neu für die Fauna. — Catops colonoides Kr. kann in Vögelnestern in hohlen Bäumen vorkommen. E. Strand (Berlin). 200 Johansen, Joh. P. , Meddelelse om fund af adskillige for Faunaen nye ogafnoglekjaendte, sjaeldne biller. III. In: Entomol. meddelelser. 2 R. IIL 2. H. S. 65-84. Enthält faunistische und biologische Mitteilungen über dänische Käfer, ins- besondere Staphyliniden, im ganzen 44 Arten, von denen 17 für die Fauna neu sind. Aieoehcwa brunneipennis Kr. wurde in Vögelexcrementen gefunden, Homalota aubc'i Br,, islandica Kr. und falliciosa Sh. in Moos auf feuchtem Boden. Homalota f,ybrida Sh. ist eine von trinotala Kr. zweifelsohne verschiedene Art; H. myr- mecobia Kr. ist nicht immer Ameisengast, sondern wurde auch zu wiederholten Malen unter Laub, wo keine Ameisen waren, gefunden. E. Strand (Berlin). — Nr. 195—200. — - 155 — 201 .Tohaiisen. Job. P., Meddelelse om fund af adskillige for fauriaen nye og af 110 gle kjaend te , sj aeldn e bill er. II. In: Kiitomol. Meddelelser. 2 R. II. 7 H. S. 364-375. Enthält Mitteilungen über für die Fauna Dänemarks neue oder seltene Käfer, im Ganzen 30 Arten, von denen 15 faunistisch neu sind. E. Strand (Berlin). 202 Kye, B. G., Beste mmelsesta bei over de danske Elater- (Ampedus-) Arten. In: Entom. nieddelelser. 2 R. II. 2. H. S. 72—77 mit 4 Fig. 203 — Notes on tlie Genus Elater (Ampcdu.^). Ebenda S. 78-80. Enthält Übersicht der 14 in Dänemark gefundenen Elater-Arten, mit Be- stimniungstabelle und ergänzende descriptive Bemerkungen, Verbreitungsangaben etc. Da Verf. Gelegenheit gehabt, T}pen von mehreren zweifelhaften Arten zu untersuchen, ist er in der Lage, mehrere Fragen beantworten und die Synonymie korrigieren zu können.. — Die Färbung der Behaarung des Thorax und der Flügeldecken ist ein unzuverlässiges Merkmal. — Elater coccinens Schiödte ist ein Synonym von E. sanguineus L., nicht von E. sanguinole^itus Seh. — El. cur- dinalis Schiödte hat als Synonyma E. coceinatus Rye und praeustus H. R. Wime Fabr., El. dibaphus Schiödte ist gute Art, die zusammen mit den südeuropäischen Arten E. quadrisignatus Schön, und sairapa Kiesw. eine besondere Untergattung bilden könnte, weil das dritte Antennenglied dreieckig und gleich dein vierten st. — E. lythropterus Germ, hat bisweilen schwarze Behaarung (var. atropilosus Rye n. var.). E. Strand (Berlin). 204 Boas, J. E. V., Nonne-Angreb i Sverrig og i Danmark i de sidste Aar. In: Entomol. meddelelser. 2 R. IL 2. H. S. 81—88. Verf. berichtet über die von der Nonne [Lymantria monacha L.) in den letzten Jahren in Schweden und Dänemark verursachten Verwüstungen. Der Nonnen- Angriflf ist an den betreffenden Lokalitäten offenbar selbständig und nicht durch Einwanderung von anderen Orten entstanden. Überhaupt ist Verf. geneigt, anzunehmen, dass (aktive oder passive) Wanderungen eine höchst unwichtige Rolle für die Verbreitung und das Auftreten dieser Art spielen. E. Strand (Berlin). 205 Klöcker, Alb., Tillag til fortegnelsen over de i Dan mark levende Macrolepidoptera. In: Entomol. meddelelser. 2 R. IL 1. H. S. 31—51. 206 — Et apparat til fängst afLepidoptera paa lys. Ebenda. S. 52 — 53 mit 1 Fig. Der erste Aufsatz enthält Mitteilungen über das Vorkommen von 213 Arten dänischer Macrolepidopteren, darunter 20 Arten neu für die Fauna des Landes. Im zweiten Aufsatz wird ein Apparat zum Fang von Schmetterlingen mittelst Licht beschrieben und abgebildet. E. Strand (Berlin). 207 Klöcker, Alb., Tillaeg til hortegnelsen over de i Danmark levende Macrolepidoptera. In : Entomol. meddelelser. 2 R. IIL H. 1. 1906. S. 52-6- Enthält Fundorte für dänische Macrolepidoptera, im Ganzen 52 Arten. Neu für die Fauna sind Cijmatophora Jlitctnosa Hbn. und Hahrostola asclepiadis Schiff., dagegen muss Anaitis praeformata Hbn. aus der dänischen Liste gestrichen'werden. E. Strand (Berlin). — Nr. 201-207. — — 156 — 208 Lampa, Sven, Berättelse til Kgl. Lan dtbruksstyrelsen an- gäende Verksamheten vid Statens Entomologiska An- stalt imder är 1903. In: Entomol. tidsskrift 25. 1904. S. 1-64. In dem Bericht über die Tätigkeit der schwedischen entomolo- gischen Station werden als die wichtigsten Ergebnisse der Unter- suchungen über die Nonne {Lymantria monacha L.) hervorgehoben, dass die Erscheinungszeit der Iraagines durch ungünstige Witterung so stark verschoben werden kann, dass, während normalerweise die cTcf Ende Juli und die 9 9 Anfang August erscheinen, dieselben unter Umständen erst Ende September oder noch später ausschlüpfen ; die überwinterten Eier können bei besonders günstigen Temperatur- verhältnissen schon Ende März oder Anfang April die Falter liefern; wenn der Herbst den Faltern ungünstig ist, legen sie ihre Eier tief in Steinhaufen ab und Eier an der Oberfläche der Steine sind da- bei sehr selten ; das beste Ausrottungsmittel ist Steinkohlenteer, wobei die Qualität des Teers von wenig Bedeutung ist, indem die billigern Sorten desselben ebenso gute Resultate geben können. E. Strand (Berlin). 209 Meves, J., Om tallspinnar en. In: Entomol. tidsskrift. 25. 1904. S. 87—88. Der berüchtigte Schädling Lasiocanipa pini L. braucht in Skandi- navien in der Regel zwei Jahre, um seine ganze Entwicklung vom Ei bis zum Falter durchmachen zu können. Während die Larven in Deutschland schon in der ersten Hälfte vom März die Bäume be- fallen, fangen sie in Skandinavien erst Mitte April an; schon Mitte September beziehen die Larven ihr Winterquartier. Die Fresszeit derselben ist in Deutschland fast doppelt so lang wie in Skandi- navien. E. Strand (Berlin). 210 Träg^ardli, Ivar, Notes on a Termi tophil ous Tineid Larva. In: Arkiv för Zool. 3. Nr. 22. 1907. S. 1—7 mit 1 Taf. Verf. hat in Zululand eine Tineidenlarve in Termitennestern {Bhinotermes sp.) gefunden ; die Zucht gelang leider nicht, weshalb die genaue systematische Stellung der Larve nicht festzustellen gewesen ist. Sie wird aber dennoch beschrieben und abgebildet, weil sie in mehreren Beziehungen von Interesse ist. Das Verhältnis zwischen der Larve und den Termiten ist offenbar freundschaftlicher Natur. Sie lebt von dem hölzernen Stoff, aus welchem das Termiten- nest gebaut ist, und ist dem Neste und dessen Bewohnern insofern nicht ganz unschädlich. Die Larven geben einen starken Geruch von sich, was Verf. in Verbindung mit dem Vorhandensein von je — Nr, 208— 21Ü. — — 157 - einem Paar lateraler, fingerförraiger, konischer Fortsätze an den 7 ersten Abdorainalsegmenten 7,11 bringen versucht. Diese Fortsätze scheinen homolog zu sein mit den Glandularfortsätzen der Larve von Megalopyge {Lagoa) crispa und den sogenannten Osmeteiia der Larven von den Hemil enci den; es ist aber insofern ein grosser Unter- schied vorhanden, als die Hypodermis der Fortsätze bei Megalopyge sich zu Drlisenzellen umgebildet hat, während sie bei der Tineidenlarve keine Umbildung erfahren hat. Ferner haben diese Fortsätze grosse Ähnlichkeit mit den p]xudat-Knospen (Was mann) von Xenogaster; allerdings besitzen letztere feine Poren, die bei den Fortsätzen der Tineidenlarve fehlen, aber als Ersatz dafür dienen wahrscheinlich die daselbst vorhandenen äusserst feinen Haare. Man darf so annehmen, dass diese Abdominalfortsätze der Tineidenlarve als ein Exudations- organ functionieren, wodurch die Larve den Termiten angenehm wird. Solche Organe finden sich somit nicht nur unter den symphilen Termiten-Insecten, sondern auch unter den „Synoeci". E. Strand (Berlin). 211 Adlerz, Gottfried, Utvec klingen af et Polistes-s^mhäiWe. In: Entomol. tidsskrift, 25. 1904. S. 97—106. Die Gattung Polistes gehört zwar zu den socialen Vespiden, nähert sich aber in mehreren Beziehungen den solitären, steht auf einer niedrigem Entwicklungstufe als die echten Wespen. — Polistes higlumis L. baut sein Nest an südwärts gerichteten Felsenwänden ; es besteht aus einem einzigen Zellkuchen ohne irgendwelche um- gehende Hülle und enthält etwa 40 — 50 ziemlich horizontal gerichtete Zellen. In den Zellen finden sich gleichzeitig erwachsene und ganz kleine Larven; einige Zellen enthalten Honig, der wahrscheinlich als Nahrung für die Imagines bestimmt ist, während die Larven animalische Kost bekommen. Die Stammutter produciert sowohl Arbeiter als fortpflanzungsfähige cf d' »nd $ $ ; daraus folgt aber nicht, dass nicht auch diese von der Stammutter gelegten cfcT-Eier sich parthenogenetisch entwickeln können. Die Arbeiter schlüpfen früher als die Geschlechtsindividuen aus. Die vom Verf. beobachteten Imagines hatten, auch bei schönem Wetter, auffallend wenig Lust, sich vom Neste zu entfernen, um Proviant zu holen; wenn die jungen Individuen einmal ausgeflogen waren, kehrten sie nicht mehr zum Nest zurück. Die Stammutter war das einzige arbeitende Individuum der ganzen Kolonie. Es scheint, dass die kleinern, in ihrer Entwicklung zurückgebliebenen Larven unter Um- ständen als Nahrung für ihre kräftigern Geschwister verwendet werden. E. Strand (Berlin). — Nr. 210-211. — — 158 — 212 Jörsenseti, P., De danske arte af bl a d h ve psesla egten PonUmia Costa. (Chalastogastra). In: Entomol. meddelel«er, 2 R. III. 2. H. S. 113 — 126. Taf. III. Enthält Beschreibungen und Bestinimungstabellen der Larven, Gallen sowie Imagines der dänischen (12—13) Arten der Blattwespengattung J\>ntania; auf der Tafel werden Gallen bezw. Blattwohnungen der Larven dargestellt. Eine Art wird als ^P. n. sp. (?)" beschrieben; sie steht P. colleclanea Forst, nahe, aber das Untergesicht, die ganze Endhälfte und die Unterseite der Basalhälfte der Anten- nen rotbraun, letztere mehr komprimiert, das Stigma dunkler braun, die Nervatur wie bei den Cryptocampen : die Art möge eventuell J. Jö'rgenseni Strd. genannt werden. E. Strand (Berlin). 213 Mncliardt. Harald, Nogle Bemerkninger i Anledning af Hr. Jensen- Haarup's „Bestemmelsestabul over danske Tager". In: Entom. meddelelser. 2 R. III. 2. H. S. 127-133. Verf. kritisiert eine von Jensen-Haarup 1904 verfasste Bestimmungs- tabelle der dänischen Wanzen ; allerdings sind auch ihm selbst dabei einige kleine Ungenauigkeiten untei laufen. E. Strand (Berlin). 214 Jöi'geiisen , P. , De danske galled annende Gynipider. In: Entomol. meddelelser. 2 R. IIL 2. H. S. 85—112 mit 1 Taf. und 1 Textfig. Verf. gibt ein Verzeichnis mit Verbreitungsangaben der dänischen gallen- bildenden Cynipiden und beschreibt, sowie bildet z. T. ab deren Gallen; durch eine tabellarische Übersicht wird die Bestimmung der Gallen sehr erleichtert. Die Arten sind nach den Gallenformen gruppiert ; folgende werden behandelt : A. Eichengallen: a) Wurzelgallen: 1 Andricus, 1 Biorrhiza; b) Rinden- gallen: 3 Aiidvicua; c) Knopfgallen: 1 Trigonaspis, 2 Dryophanta, Q Andricus, 1 Biorrhiza; d) Blattgallen: 1 Trigonaspis, 4 Dryophanta, Q Netiroterus, % Andri- cus, 1 Dryophanta; e) Staubblumengallen: 8 Andricus; B. Rosengallen: 4 Rhodites; C. Rubnsgallen: 1 Diastrophus; D. Potentillengallen: 1 Dia- slrophus, 1 Xestophanes; E. Papavergallen: 1 Aulax; F. Glechomagallen: 1 Aulax ; G. Centaureagallenrl Phaenacis ; H. H i e r a c i u m g a 1 1 e n : 1 Aulax. — Die Arbeit dürfte sowohl als Bestimmungsbuch wie durch Mitteilungen über wenig bekannte Gallen von Wert sein. E. Strand (Berlin). 215 Kryger, J. P. . Danske trimere Chalcidier. In: Entomol. meddelelser. 2^R. II. 3-4 H. 1904. S. 192—7. Verf. bespricht einige der in Dänemark bisher wenig untersuchten trimeren Chaicidien; die betreffenden Formen sind leider nur als Genus bestimmt. Aus Eiern von Sicdis lidaria, welche auf Phragmitis communis gefunden wurden, er- zog Verf. eine Trichogramma- Art in zahlreichen Exemplaren. Aus den Eiern von jRhynchites bctulae wurden Trichogrnmma sp. und Chactosticha sp. erzogen. Aus alten Weidenzweigen bekam Verf. eine Oligosita sp., die wahrscheinlich von Nematus-FAern herrührte. E. Strand (Berlin). 216 Adlerz, (xottfried, Om cellbygnad och tjufbin hos Trachusa serratulae Panz. In: Entomol. Tidsskrift. 25. S. 121—129. Trachusa seirahdae Panz. gehört zu den soHtären Bienen, die kolonienweise nisten (bauen) und an einer solchen Kolonie am Ljungan — Nr. 212—216. — — 159 — (Schweden) hat Verf. die Art studiert. Als Baumaterial wurden Blatt- streifen von jungen Weiden und Harz benutzt ; erstere werden offenbar sehr sorgfältig gewählt und ausgesucht. Übrigens kann Blattmaterial von recht verschiedenen Bäumen oder Sträuchern verwendet werden. Die ganze Innenseite der Zelle wird aus Harz gebildet und mit durch solches zusammengeklebten Blattstücken wird die Öffnung der Zelle ge- schlossen, Avenn das Ei abgelegt ist. Es scheinen nie mehr als zwei Zellen in einer Keihe zu sein. Das Graben der Höhlung wird dann und wann durch einen kurzen Orientierungsflug oder durch das Putz- geschäft unterbrochen ; bei letzterem hält sich die Biene mittelst der Mandibelen an einem steifen Grashalm fest, streckt den Körper horizontal aus und putzt denselben nun mit den dadurch frei ge- wordenen Beinen. Durch Experiment wurde festgestellt, dass die Biene die Lage ihrer eigenen Höhlung im Verhältnis zu den um- gehenden Gegenständen bezw. den Höhlungen ihrer Nachbarn be- stimmen kann. Die verschiedensten Blumen, z. B. Hieracium, Dian- thiis, Viola und Vicia werden besucht. — Auffallenderweise lassen sich die Tracliusa häufig des Diebstahls zu Schulden kommen, ähn- lich wie man es schon längst bei socialen Bienen und Raubwespen beobachtet hat; allerdings wird bei Tracliusa nicht Honig, sondern Baumaterial und zwar besonders das Harz gestohlen. Das Stehlen war keine Ausnahme oder Seltenheit, sondern wurde sehr häufig in jeder der beobachteten Kolonien betrieben; es scheint, dass die In- dividuen, welche einmal angefangen haben, sich unehrlicherweise Harz für ihre Wohnungen zu versch.affen, auch damit immer fort- setzen ; dass dabei hauptsächlich das Harz gestohlen wird, erklärt sich dadurch, dass das Einsammeln desselben an den Bäumen mehr mühsam und zeitraubend, als das der Blattstreifen ist. Wenn das gestohlene Stück Harz so schwer ist, dass die Biene es nicht leicht tragen kann, spaltet sie es in zwei und trägt jede Hälfte besonders nach ihrem Nest. — Es sprechen die Beobachtungen dafür, dass diese Bienen nicht nur vom Instincte geleitet werden, sondern dass sie auch planmäßig und absichtlich tätig sein und Erfahrungen sammeln können. E. Strand (Berlin). 217 Nielsen, J. C, Fortegnelse over de danske Gedehamse. In: Entomol. meddelelser. 2. R. III. S. 140—141. Ein Verzeichnis dänischer Wespen, umfassend 7 Yespa, 1 PoUstes, 1 Diszoelms, 1 Eumenes, 1 Pterochilus, 4 Hoplomerus, 2 Lionotus, 1 Microdynerus, 7 Ancistrocerus und 6 Odynerus-krten. E. Strand (Berlin). 218 Lampa, Sven, Trogosila maitritanica L. In: Entomol. tidsskrift. 26. S. 57 — 59. 219 — Lökflugan (Anthomyia antiqua Mg.). Ebenda. S. 60 — 63 mit 1 Taf. 220 — A pelmärgstekeln (Taxonns glabraius Fall., agilis Ki.). Ebenda. S. 63 — 64. - Nr. 216-220. - — 160 — Diese 3 Arten werden unter besonderer Berücksichtigung ilircr Sebädlichkeit und die damit in Verbindung stehenden biologischen Verhältnisse kurz beschrieben. die Fliege {Anthomyia antiqua) ausserdem in allen ihren Entwickelungsstadien an einer schön kolorierten Tafel dargestellt, und die Vertilgungsmittel gegen diese Schädlinge werden diskutiert. — Letztere Art (laxomis) ruht als Puppe nur eine Woche und die Larven werden von 3 Arten Schlupfwespen heimgesucht. E. Strand (Berlin). Mammalia. 221 MicliJÜlow, S., Ein neuer Typus von eingekapselten sen- sibeln Endapparaten. In : Anat. Anz. 31. Bd. 1907. S. 81— 86. 2 Fig. Im visceralen Blatt des Pericardiums des Pferdes findet Verf. sensible Endkörperchen von folgendem Bau : Eine ziemlich dicke, ge- schichtete bindegewebige Kapsel umgrenzt den inneren Kolben des Körperchens. In diesen dringen die Achsencylinder von mindestens zwei markhaltigen Nervenfasern ein, einer dicken und einer dünnen. Der erstere verbreitert sich zu einem plattenförmigen Gebilde, der Basalplatte, von der wiederum die Nervenfäden und Nervenästchen in grösserer oder geringerer Anzahl abgehen. Diese endigen teils mit Endplatten und Keulen, teils bilden sie ein Nervenendnetz, dessen einzelne Teile in Form von Nervenknäueln einzelne dieser Platten und Keulen oder Gruppen von ihnen umflechten. Die dünne Nerven- faser bildet im Innern Kolben des Körperchens ihr eigenes Nerven- endnetz in Gestalt eines lockern Nervenknäuels, das sich sowohl in der Peripherie als in den Zentralteilen des Innenkolbens ausbreitet. Verf. nimmt an, dass die Endverzweigungen der beiden Nervenfasern im Kolben voneinander unabhängig sind. R. Hesse (Tübingen). 222 Lönnl)erg, E. , Two apparently new antelopes from British East- Afrika. With 3 tigures in the Text. In: Arkiv för Zool. Bd. 4. 1907. Nr. 3. S. 1 -10. Die eine der beiden neuen Antilopen gehört zu Madoqua und zwar zur jBÄ2/?icAo<»-a^«s-Gruppe und zwar zu der Abteilung mit den kürzeren Nasalia; Diese neue Form hat den Namen Madoqua {Rhynchotragus) nasoguttatus erhalten. Der Schädel wird eingehend beschrieben und mit denen von j\[. yv,cntheri und smithi, den beiden bisher allein bekannten Vertretern dieser Gruppe verglichen. Es folgt dann eine Beschreibung des Felles. Besonders charakteristisch ist die bei keiner andern Madoqua bis jetzt bekannte weisse Sprenkelung des Gesichtes und der Nase, welche auch die Ursache zur Namensgebung war. Die zweite neue Form ist eine geographische Subsp. von Cobus defassa. Sie ist nach ihrem Entdecker C. d. tjäderi, benannt worden. Das Fell wird eingehend beschrieben. Ihre Fell- und Schädelmafse werden angegeben. M. Hilzheimer (Stuttgart). Nr. 218—222. — ^^f^^:^ Zum 60. Geburtstag, 3. Mai 1908. Zoolog. Zentr.-Bl. 15. Band. Zoologisches Zentralblatt 15. Band. 5. Mai 1908. No. 6. Methodik und Technik. 22.3 Küster, Ernst, Anleitung zuiKultur der Mikroorganismen. Für den Gebrauch in zoologischen, botanischen, medizinischen und landwirthschaftlichen Laboratorien. Leipzig u. Berlin (B. G. Teubner) 1907. 201 S. 16 Abbild, im Text. Geb. Mk. 7.—. Das vorliegende Buch ist aus der Praxis hervorgegangen und beruht auf den langjährigen Erfahrungen, die der Verf. als Assistent von Georg Klebs, dem das Buch auch gewidmet ist, im Unterricht zu sammeln Gelegenheit hatte. Es soll kein Handbuch, sondern ein in erster Linie für den Anfänger bestimmter Leitfaden sein; aus diesem Grunde wird im speziellen Teil nur eine beschränkte Anzahl von Beispielen erläutert und die Aufzählung der Literatur auf die wichtigsten Angaben beschränkt. Die technisch wichtigen und pathogenen Micro- organismen werden, da für sie schon eine ausgedehntere Lehrbuch- literatur besteht, nur kurz bebandelt. Nach einer kurzen Einleitung werden im A 1 1 g e m e i n e n T e i 1 beschrieben: I. Wasser und Glas; IL Nährböden: III. Kulturen: in letzterem Abschnitt im besondern: Sterilisation; Form der Kulturen; Isolierung — Reinzucht; Impfen; Atmosphäre: Temperatur, Licht; Verdunstung und Transpiration, Schüttelvorrichtungen und strömende Nährböden : Nachweis und Wirkung der Stoffwechselprodukte ; Gift- wirkungen; Microbiochemische Analyse, Auxanogramme ; Konservierung der Kulturen. Der Spezielle Teil schildert in besondern Abschnitten die Kultur der Protozoen, Flagellaten (wegen ihrer „Ernährungsweise'' für sich besprochen), Mycetozoen, Algen, Pilze und Bacterien. Die Anweisungen sind durchweg von physiologischen Gesichts- punkten aus gegeben; so weit nur irgend möglich, werden die Tat- sachen der Phj-siologie zur Begründung benutzt, um auf diesem Wege zum wissenschaftlichen Verständnis der Kulturmethoden und zu späterm selbständigen Fortschreiten anzuleiten. Obwohl von den behandelten Abteilungen für den Zoologen nur die Protozoen in Betracht kommen, ist die Schrift für jedes zoologische Laboratorium nur zu empfehlen. Sie ist übersichtlich, klar und an- regend geschrieben und gibt in den speziell den Zoologen interessieren- den Teilen wertvolle Anleitungen. Wie so vielfach auf physiologischem Gebiete kann indessen der Zoologe auch auf dem der Kultur der Organismen, die in gewissem Grade praktisch angewandte Physiologie ist und deshalb für Physiologie und Oecologie so wertvolle Aufschlüsse ZnoloiT .Zentralbl. 15. Band. j,j 223 11 — 162 — zu geben vermag, noch sehr vieles lernen. Auch von diesem allge- meinen Gesichtspunkte aus ist daher die Küster sehe Schrift für den Zoologen von grossem Interesse. A. Schuberg (Berlin-Gross-Lichterfelde), Lehr- und Handbücher. Sammelwerke. 224 Kienitz-Oerlolf, F., Physiologie und Anatomie des Menschen. Leipzig und Berlin (B. G. Teubner) 1907. 130 S. 111 Textfig. Mk. 3.—. 225 Kraepelin, R., Leitfaden für den zoologischen Unterricht in den unteren und mittleren Klassen der höheren Schulen. Leipzig und Berlin (B. G. Teubner) 1907. 330 S. 410 Abbildungen. Mk. 3,20. 226 — Leitfaden für den biologischen Unterricht in den oberen Klassen der höheren Schulen. Leipzig und Berlin (B. G. Teubner) 1907. 315 S. 303 Textfig. Mk. 4,-. 227 Tümmler, B., Streifzüge durch Wald, Heide und Moor. Stcyl (Missionsdruckerei) 1907. 234 S. 8 Vollbilder. 27 Textillustrationen. Mk. 3,50. Der Erfolg unserer Bestrebungen, den biologischen Unterricht an allen unseren höheren Schulen bis Prima einzuführen, zeitigt selbst- verständlich neue Bücher, und es ist zu erwarten, dass die nächsten Jahre eine Hochflut bringen werden. Denn wir haben einmal unsere Vorliebe für die Schulmeisterei, mit der sich gern ein Stück Pedan- terfe verbindet. Der Vorzug, den unsere klassisch-humanistische Erziehung vo- raus hat und mit deren Hilfe es ihr gelungen ist, den modernen naturwissenschaftlichen Bestrebungen so lange ihr Recht streitig zu machen, liegt doch wohl in der aus mittelalterlicher Scholastik übernommenen Konsequenz, mit der sie das abgeschlossene Mate- rial einer toten Sprache, noch dazu auf etwa zwei sogen. Klassiker beschränkt, grammatikalisch und syntactisch scharf gegliedert hat und nun den wohl geordneten Stoff stufenweise dem zu bildenden Geist des Schülers vorsetzt, so dass dieser Geist schliesslich wohl dressiert wird, nicht auf das Latein im allgemeinen, sondern vornehmlich auf Cicero; denn schon Tacitus und Cäsar machen zahlreiche grobe Fehler, deren Nachahmung dem Knaben eine jämmerliche Zensur ein- trägt. Wir wollen nicht untersuchen, inwieweit ,, moderne" Schul- meister die Methode auf lebende Sprachen übertragen haben. Sie hält jedenfalls bloss Stand den fremden Idiomen gegenüber, die sich als tote behandeln lassen, und versagt glücklicherweise bei der Mutter- sprache ; denn hier lernt der Schüler durchs Leben von Jahr zu Jahr — Nr. 223—227. - — 163 — in einer solchen Fülle von selber zu, dass es unmöglich wird, ihm die Summe der jährlichen Neuerwerbungen, in Paragraphen vorgesetzt, nachträglich erst einzupauken, wiewohl es vielleicht an Versuchen nicht mangelt. Die Biologie befindet sich in einer ähnlichen Lage. Hüten wir uns, dass wir nicht die alte schulmeisterliche, klassische Methode allzu peinlich auf sie übertragen. Der Schüler sammelt selber Erfahrungen; als tote Gegenstände lassen sich nur Anatomie und Histologie behandeln, und die erhalten nur Wert, insofern sie das Leben verstehen lehren. Kraepelins Bücher wird man als Musterversuch anzusehen haben, dem Entwurf neuer Lehrpläne, an dem er selbst beteiligt war, gerecht zu werden. Aber man wird schwerlich den Unterricht pein- lich danach erteilen dürfen. Das vorläufige Reglement für die eben gegründeten Oberrealschulen in Sachsen bewegt sich weit freier. Ob es richtig ist, die Biologie so zu gliedern, wie Kraepelin will, mag gleich fraglich sein. Er behandelt erst die Abhängigkeit der Lebewesen von den Einwirkungen der Umwelt und zwar zunächst die Pflanzen in ihrer Abhängigkeit von den physikalisch - chemischen Bedingungen, dann die Pflanzen in ihren Beziehungen zueinander und zum Tierreich, dann die Tiere entsprechend unter denselben beiden Rubriken, darauf erst kommt Bau und Lebenstätigkeit der organischen Wesen und wieder zunächst die Pflanzenanatomie und dann die der Tiere. Ich würde den entgegengesetzten Weg wählen. Denn es erscheint mir viel leichter, die Abhängigkeit von der Umwelt zu verstehen, wenn ich fortwährend auf die Anatomie zurückgreifen kann, von der erwünschten Repeti- tionsgelegenheit ganz abgesehen. Repetitorische Wiederholung des früheren Pensums unter Vertiefung und neuen Gesichtspunkten, zu- gleich mit gegenseitiger Durchdringung der inzwischen gewonnenen chemischen Kenntnisse scheint mir das Wichtigste ; das lässt sich aber kaum in einem peinlichen System niederlegen. Bergmann und Leuckarts grundlegendes Werk bleibt methodisch noch immer maß- gebend, wie jeder zugeben wird, der an Leuckarts fascinierende Manier sich erinnert. Lohnt es, darüber zu streiten, ob der Darwinismus in der Zoologie oder in der Geologie, der ihn Kraepelin zuweisen will, behandelt werden soll? Gibt nicht schon in den Unterklassen die Besprechung einer Pflanze, wenn sich die einzelnen Exem- plare, wie beim Waldmeister etwa, dem Schema des Schulbuchs nicht fügen wollen, beste Gelegenheit zur Anknüpfung ? Ein Hinweis auf die Variabilität der Haustiere, mit denen Darwin anfing, später Erweiterung und zusammenfassende Bemerkungen, und die Sache ist nebenbei erledigt. In wieviel verschiedenen Vorlesungen hört nicht — Nr. 224—227. — 11* — 164 — der Student in der Einleitimg über Zelle und Mitose? Es wird nur zur Klärung seiner Vorstellungen beitragen, ohne ihn zu langweilen, wenns nicht gar zu toll kommt. Echt schulmeisterlich ist es, wenn auf der Unterstufe die Urtiere als Schleimklümpchen geschildert werden, eben weil die Zelle noch nicht behandelt war. Aber der Sauerstoff figuriert von Anfang an bei der Atmung, wiewohl man ge- rade hier mit guter und schlechter Luft auskommt und der Chemie das Nähere überlassen kann ; und das schwierige und historisch so spät geklärte Kapitel vom Kreislauf wird von Anfang an verwertet. Kienitz-Gerloff passiert es, dass er überall die leiteinischen Fachausdrücke peinlich meidet und verdeutscht, nur die Hirnnerven aber lateinisch und gleich im Plural aufzählt. Nervi trigemini etc. Solche Ausstellungen gehören vielleicht mehr ins rein Pädagogische, aber sie laufen doch mit dem Sachlichen zusammen. Kraepelins Satz: ;,Zu den Salpen (Thaliacea) gehören die Salpen (Salpae)" kann schwerlich bestehen bleiben. So kann man eine Menge Einzelheiten anführen, die an die schulmeisterlichen spanischen Stiefel erinnern; sie sind uns Deutschen so lieb. Auch sachlich würde ich mit Kraepelin in manchen Punkten nicht übereinstimmen, von meinen persönlichen allgemeinen Anschauungen ganz abgesehen. Die Behaup- tung: 7, Die Aufnahme des Wassers erfolgt bei den Wassertieren vor- nähmlich durch Hautdiffusion, so dass eine Zufuhr desselben durch Mund und Darm unnötig wird'^ ist sehr problematisch ; einmal fehlt den Wassertieren ein besonderes Durstgefühl wohl wegen der mangeln- den Verdunstung, sodann aber wird zum