Fritz Müller Werke, Briefe und Leben Gesammelt und herausgegeben von Dr. Alfred Möller ■1 Erster Band Gesammelte Schriften soweit sie bereits früher im Druck erschienen sind Mit 303 Abbildungen im Text und einem Atlas mit 85 Tafeln Text Abteilung 1: Arbeiten aus den Jahren 1844—1879 (Nr. 1-124) (Seite 1-800) Mit 157 Abbildungen im Text und Tafel 1 — 57 im Atlas Jena Verlag von Gustav Fischer 1915 Verlag Ton GriistaT Fischer in Jena. Morphologie und Biologie der Algen. S. !]e'r BjL'nlk't r*S^""'' sität Freiburg i. Br. Zwei Bände. Preis: 32 Mark. Erster Band: Spezieller Teil. Mit 3 farbigen und 473 schwarzen Abbild, im Text. 1904. " Preis: 20 Mark. Inhalt: I. Chrysomonadineae. II. Keterocontae. III. Chryptomonadineae. IV. I^uglenaceae. V. Dinoflagellata. VI. Aoontae. VII. Chlorophyceae. VIII. Phaeo- phyceae. IX. Rhodophyceae, Zweiter Band: Allgeineiiier Teil: Mit 3 Tafeln und 150 Abbildungen im Text. 1905. Preis: 12 Mark. Inhalt: I. System der Algen. II. )ie Entwicklung der Fortpflanzungs- organe. III. Die Algenzelle. IV. Die ■ ihrung der Algen. V. Die Lebens- bedingungen. VI. Vegetationsperioden. ^il. Keizorschoinungen. VIII. Polimor- phisnuis. IX. Generation.-^wechsel. X. Au-iassungen. XI. Hilfsmittel und Arbeits- methoden. Zeitschrift für Physiologie, Bd. VII, Heft 2/3: . . . Jedem, der über Algen arbeitet, wird dieses großangelegte Werk ein un- entbehrlicher Wegweiser sein. Oesterreich. botanische Zeitschrift, 1905, Nr. 12: Wie der erste Band enthält auch der zweite eine Fülle von Angaben ; er be- weist sorgfältigste Literaturbenützung und eigene Untersuchungen. Wir besitzen nunmehr in dem Oltmannschen Buche eine ungemein w ertvolle Zusam men- fassung der die Algen betreffenden morphologischen, entwicklungsgeschichtlichen und ökologischen Kenntnisse. W et t stein. Naturwissenschaftliche Wochenschrift, vom 28. Januar 1906: . . . Ein mustergültiges Kompendium für jeden, der sich um Algen kümmert oder etwas wesentliches von ihnen zu erfahren wünscht. niP RpnnranhiP ripr FarnP ^'"" ^ Christ, Basel. Mit einem Titelbild, Ulb Ueuyrctpiim Uei rcirilb. i^ü Abbildungen (meist nach Originalphoto- graphien) im Text und 3 Jvarten. 1910. Preis: 12 Mark. I. Teil: Die Farne unter den Einflüssen von Boden und Klima. Die Farne als mesotherme Hygrophyten und als Xerophyten. II. Teil: Die Farnfloren. 1. Grundlagen der Florislik. 2. Die Floren- gebiete. 3. Florengeschichtlicher Ueberblick. — Einige Literaturnachweise. - Erläuterungen zu den Karten. Geographische Zeitschrift, 17. Jahrg , 1911, 4. Heft: Wie kaum ein zweiter war der Verf. berufen, die geographische Verbreitung der Farne in zusammenhängender Darstellung zu geben. Ein Studium von mehr als 30 Jahren verschaffte ihm die erforderliche Spezialkeniitnis und eine er^taun- liche Vertrautheit mit den Lokalfloren aller Länder. So tritt das neue Werk des Verf. in vollendeter Form uns entgegen, gediegen im Inhalt, glänzend in der Dar- stellung, reich ausgestattet mit Bildern, die volles Lob verdienen. F. l'ax. nio roi*nLi*Qii1-oi* Hol» ITrHo Beschreibende Darstellung der Geschlechter und Uie rdlllMdUlCI Uei Ciue. .vichtigeren Arten der Farni)flanzen. Mit be- sonderer Berücksichtigung der Exotischen. Von H. Christ, Basel. Mit 291 Abbildungen. 1897. ' Preis: 12 Mark. Englers botanische Jahrbücher, 1898, Bd. 26, Heft 1: Wer sich in die Kenntnis der Farne einarbeiten und kleinere Bammlungen da- nach ordnen will, wird das Buch mit großem Vorteil gebrauchen. Namentlich ist es zur Einführung für Gärtner besonders geeignet. Boden und Klima auf kleinstem Raum. l'^rL'tJ^^s" !:'t. Weilenkalk. Von Dr. Gregor Kraus, Professor der Botanik. Mit 1 Karte, 7 Tafeln und 5 Abbildungen im Text. 1911. Preis: 8 Mark. Inhalt: Einleitung. I. Das Karbonat des Wellenkalkbodens: 1. Das Mutter- gestein. 2. Der Boden. — II. Bodenphysikalisches und Klimatisches: 1. Bodenbau (Morj)hologie des Bodens): Boden])rofil. Körnung (Körnigkeit) des Bodens. 2. Wasser- gehalt des Bodens. -- HI. Temperatur. — IV. Hygrometrisches. — V. Anemoinetrie. — Literatur. Botanisches Z entralh latt, Bd. 117, Nr. 18: Die Arbeit bedeutet einen großen Fortschritt in der Forschungsmethode und in unserem Verständnis für die Ursachen der Pflanzenverteilung. Der Verf. zeigt unter Mitteilung eines großen in jahrelangen Studien in günstigem Gelände am Uebergang des Spessartsandsteins in dem Wellenkalk des Maintales gewonnenen Materials, daß a,uf kleinstem Kaum in der Natur eine unendliche Mannigfaltigkeit chemisch und physikalisch verschieden gebauter Standorte gegeben ist, deren Be- schaffenheit für die Pflanzenverteilung maßgebende Bedeutung besitzt. Büsgen. Fritz Müller Werke, Briefe und Leben Gesammelt und herausgegeben ' von B Dr. Alfred Möller s^m° Erster Band ^5 5 Gesammelte Schriften ^^ soweit sie bereits früher im Druck erschienen sind "^^ Mit 303 Abbildungen im Text und einem Atlas mit 85 Tafeln Text Abteilung 1: Arbeiten aus den Jahren 1844—1879 (Nr. 1-124) Seite 1-800 Mit 157 Abbildungen im Text und Tafel 1-57 im Atlas Jena Verlag von Gustav Fischer 1915 Alle Rechte vorbehalten 11^3 Vorwort Es war mir, dem unterzeichneten Herausgeber, vergönnt, drei Jahre lang (1890 — 93) in Bhimenau, dem langjährigen Wohnorte Fritz Müllers, botanisch- mykologischen Arbeiten mich widmen zu dürfen. Fritz Müller, dem ich durch verwandtschaftliche Beziehungen nahestand, führte mich in den Tropenwald der südbrasilianischen Küste ein, nahm an meinen Arbeiten, die er in jeder Hinsicht zu fördern suchte, den lebhaftesten Anteil und war mir in fast täglichem Verkehr ein immer gleich gütiger und bereitwilliger Lehrer und väterlicher Freund. So lernte ich den großen Biologen, den genialen Beobachter der lebenden Natur persönlich kennen, lieben und verehren. So gewissenhaft Fritz Müller in der täglichen Aufzeichnung seiner Be- obachtungen war, so gern er über sie sprach und in Briefen an gleichstrcbende Naturforscher in aller Welt rückhaltlos berichtete, so wenig kümmerte ihn das weitere literarische Schicksal dieser Mitteilungen. Ein Meister der Sprache, der deutsch, englisch und portugiesisch in gleicher Gewandtheit und Vollendung schrieb, spanische, französische, dänische, schwedische, italienische, ungarische Ar- beiten ohne sichtliche Mühe mit Freuden las, verstand er es ausgezeichnet, die Ergebnisse langer mühsamer, oft Tage und Jahre umfassender Beobachtungen in knappster Form zusammenzufassen, und ein einfacher Brief auf dünnem, mit seiner kleinen klaren Schrift bis zum äußersten Rande gefülltem Ueberseepapier trug oftmals wertvolle wissenschaftliche Arbeit zu irgendeinem literarischen Freunde, dem die Veröffentlichung überlassen blieb. Nie hat Fritz Müller Korrekturen der unter seinem Namen veröffentlichten Abhandlungen und Abbildungen ge- sehen, und so ist es nicht zu verwundern, daß er sich häufig über allzu viele oder sinnstörende Druckfehler und über mangelhafte Wiedergabe seiner Zeichnungen zu beklagen hatte. Weit störender war es für alle Verehrer des großen Natur- forschers, daß infolge der geschilderten Umstände seine reiche Lebensarbeit in beispielloser Weise in alle Winde zerstreut wurde, und daß manch reicher Schatz nur in Briefen niedergelegter Beobachtungen der Oeffentlichkeit ganz vor- enthalten blieb. Bei dem hohen Ansehen, welches Fritz Müllers Name im Laufe der Jahre sich in der ganzen Welt erwarb, wurde der wesentliche Inhalt seiner ge- druckten Abhandlungen freilich in weiteren Kreisen bekannt; die Urschriften aber, in viele Jahrgänge vieler Zeitschriften zerstreut, blieben denen schwer zu- l\T Vonvort. gänglich, die sie gründlich studieren, nachprüfen oder aus ihnen die dort so reichlich gebotene Anregung zu weiteren Beobachtungen schöpfen wollten. Ein Ueberblick über den unendlich reichen Gesamtertrag dieses ganz der Natur- forschung geweihten Lebens war überhaupt unmöglich. Als im Mai 1897 Fritz Müller die Augen für immer geschlossen hatte, erstand vor mir gleich einer moralischen Pflicht die Aufgabe, alles zu sammeln, was er an wissenschaftlichen Mitteilungen hinterlassen hatte, und über seinen eigenartigen Lebens- und Entwicklungsgang die noch erreichbaren Nachrichten zu gewinnen, damit es dereinst vielleicht möglich würde, diesem deutschen Forscher in fremden Landen in der deutschen Literatur ein würdiges Denkmal zu setzen. Meine seit nunmehr 17 Jahren fortgesetzten Sammlungen hatten sich all- mählich der erreichbaren Vollständigkeit genähert. Die Briefe wissenschaftlichen Inhalts waren von den Empfängern meist gesammelt und sorgsam aufbewahrt; sie wurden mir für den beabsichtigten Zweck bereitwillig zur Verfügung gestellt. Der ursprüngliche Plan, mit der Veröffentlichung dieser Briefe zu beginnen, er- wies sich aber bald als unausführbar. Vielfach war der Inhalt der Briefe ganz, noch öfter teilweise in den gedruckten Aufsätzen enthalten, dann wieder war zum Verständnis ein Hinweis auf diese unerläßlich. Man mußte also die ge- druckten Arbeiten sämtlich zur Hand haben, wenn unnötige Wiederholungen vermieden und die Briefe in nutzbringender Form der Allgemeinheit zugänglich gemacht werden sollten. Es sind nun im ganzen 250 gedruckte Abhandkmgen aufgefunden und in diesem Bande vereinigt worden. Von ihnen ist nur eine: „Für Darwin" selbständig im Buchhandel erschienen. Die übrigen sind auf 36 verschiedene deutsche und ausländische Zeitschriften und Vereinsberichte und auf sehr viele Jahrgänge derselben verteilt. Es wäre unmöglich gewesen, all diese zum Teil schwer zugänglichen Bände auf lange Zeit zur Verfügung zu haben. So ergab sich der nun zur Ausführung in Angriff genommene Plan der Arbeit. Die gedruckten Abhandlungen Fritz Müllers mußten zuerst gesammelt heraus- gegeben werden, für die Folge ist dann die Veröffentlichung der Briefe und die Schilderung des Lebensganges in Aussicht genommen. Inzwischen stellte mich mein Beruf vor neue Aufgaben , welche meine Zeit und Kraft völlig in Anspruch nahmen — Wohl war eine Zusammen- stellung der gedruckten Abhandlungen schon von Loew (Ber. der Deutschen Botan. Ges. 1897 Bd. XV S. 24) mit 1 10 Nummern, von Ludwig (Botanisches Centralblatt 1897) mit 100 Nummern veröffentlicht, meine eigenen Nach- forschungen hatten manches hinzugefügt; um aber die mögliche Vollständigkeit zu erreichen, war planmäßige Arbeit in einer großen Bibliothek erforderlich. Um Verhandlungen mit einem Verlage zu beginnen, mußte auch der Umfang der einzelnen Schriften festgestellt und die Zahl der vorhandenen Abbildungen und Tafeln ermittelt werden. Da hatte ich das Glück, in meinem Assistenten, Herrn Forstassessor Bandow, die zur Vollendung der Arbeit unentbehrliche Hilfe zu gewinnen. Bandow hatte sich mit dem Lebensgange und der Lebens- arbeit Fritz Müllers vertraut gemacht und bald für die zu leistende Arbeit ein lebhaftes Verständnis und freudige Begeisterung entwickelt. Er arbeitete längere Zeit in der Berliner Bibliothek, und seinen emsigen selbstlosen Bemühungen war es zu danken, daß im Laufe weniger Monate die Sammlung so vollständig Vorwort. -y wurde, wie sie nun vorliegt. Auch weiterhin widmete er sich der einmal über- nommenen Aufgabe mit der ihm eigenen peinlichen Gewi.ssenhaftigkeit und bis zum 31. Juli 19 14, bis zum Beginn der Arbeit über Trichodactylus (S. 1171) sah er sie nach und nach entstehen, alle Korrekturen lasen wir gemeinsam. Die Pflicht der Dankbarkeit gebietet, dem treuen Mitarbeiter und lieben Freunde, der sein junges Leben dem Vaterlande gab, an dieser Stelle ein Denkmal zu setzen das seinen Namen allen denen aufbewahrt, die aus den Gesammelten Schriften Fritz Müllers Belehrung und Anregung schöpfen werden. Max Bandow wurde am 28. Juni 1881 zu Oppeln als Sohn des verstorbenen Baurats Bandow ge- boren, besuchte das Gymnasium seiner Vaterstadt und das Falck-Realgymnasium zu Berlin, welches er im Herbst igoo mit dem Zeugnis der Reife verließ. Er widmete sich der preußischen Forstverwaltungslaufbahn, studierte zunächst zwei Semester Rechts- und Staatswissenschaften in Berlin und besuchte dann die Forstakademie Eberswalde. Nachdem er im Sommer 1904 das Forstreferendarexamen bestanden halte, diente er als Einjährig-Freiwilliger beim Garde-Schützenbataillon, studierte fernere zwei Semester Rechts- und Staatswissenschaften in Berlin und fcirderte seine forstliche Ausbildung in der vorgeschriebenen zweijährigen praktischen Tätigkeit in verschiedenen preußischen Oberförstereien. Nach bestandenem Forstassessorexamen im Frühjahr 1908 war Bandow zunächst Assistent an der forstlichen, sodann seit 191 1 an der mykologischen Abteilung der Hauptstation des forstlichen Versuchswesens zu Eberswalde. Bandow war seit 19 10 verheiratet und hinterließ seine Witwe mit einem beim Tode des Vaters ein Jahr alten Sohne Albrecht. Ausgestattet mit einer guten Beobachtungsgabe und bemerkenswerter Hand- geschicklichkeit, vor allem aber mit einer nie nachlassenden Gewissenhaftigkeit und Zuverlässigkeit, fand er in den Aufgaben der mykologischen Abteilung ein ihn bald lebhaft erfreuendes Arbeitsgebiet, auf dem er manche schöne Erfolge erreichte. Da- neben aber widmete er sich mit großer Hingabe der Arbeit für die Herausgabe der vorliegenden gesammelten Schriften Fritz Müllers, und seiner fleißigen Tätigkeit war es zu danken, daß die im Herbst 19 13 begonnene Drucklegung ohne wesentlichen Aufenthalt fortschreiten und binnen Jahresfrist nahezu vollendet werden konnte. Unmittelbar aus der friedlichen Arbeit des ihm lieb gewordenen Laboratoriums rief ihn der Mobilmachungsbefehl am 2. August nach Orteisburg zum i. Jäger- bataillon, als dessen Reserveoffizier er ins Feld an die russische Grenze rückte. Am 22. und 23. August lag die 2. Kompagnie, welcher Bandow angehörte, in Schützen- gräben vor dem Dorfe Lahna mit der Front nach Neidenburg. Am 23. mußte^ sidi die Kompagnie ihrem Auftrage gemäß nach Eintreffen stärkerer feindlicher Kräfte durch das Dorf nach Norden auf "die Brigade zurückziehen. Hierbei kam es in Lahna zu einem heftigen Nah- und Nachtkampf. Dort fiel Bandow, sofort t()dlich getroffen. Russische Hände bereiteten ihm auf deutschem Boden dicht beim Dorfe Lahna das Heldengrab. Die Drucklegimg des Werkes ist in erster Linie dem verständnisvollen Entgegenkommen des Verlages zu danken. Trotz weitgehenden Entgegen- kommens der Verlagsfirma war indessen ohne erhebliche Zuschüsse unser Plan nicht zu verwirklichen. Mußten doch allein 85 Tafeln neu hergestellt werden. Die erforderlichen Zuschüsse sind von dem Herrn Kultusminister, von dem Herrn Landwirtschaftsminister und aus den Mitteln der Albert Samson-Stiftung gegeben worden. "yj Vorwort. Für die Förderung und tatkräftige Unterstützung des Werkes habe ich daher Seiner Exzellenz dem IMinister der geistlichen und Unterrichtsangelegen- heiten Herrn von Trott zu Solz, Herrn Ministerialdirektor Wirklichen Geheimen Oberregierungsrat Dr. Schmidt, Herrn Geheimen Regierungsrat Professor Dr. Krüß, Seiner Exzellenz dem Minister für Landwirtschaft, Domänen und Forsten Freiherrn von Schorlemer, Seiner Exzellenz dem Ministerialdirektor und Oberlandforstmeister a. D. Herrn Wesener, dem Herrn Regierungs- und Forstrat Gernlein, sodann dem Kuratorium der Albert Samson-Stiftung und insbesondere Herrn Geheimen Obermedizinalrat Professor Dr. Waldeyer den ehrerbietigsten und herzlichsten Dank zu sagen. Es lag der Gedanke nahe, Fritz Müllers Arbeiten in zoologische und botanische zu trennen und so gesondert zum Druck zu bringen. 151 könnten als überwiegend zoologisch, 83 als botanisch bezeichnet werden, 5 gehören eben- sowohl der einen, wie der anderen Richtung an ; etwa 1 1 Arbeiten blieben dann noch in unsicherer Stellung, Aber Fritz Müllers Arbeit weilte mit besonderer Liebe auf den Grenzgebieten botanischer und zoologischer Forschung; die Be- ziehungen der Blumen zu den Insekten, die Feigenwespen, die Ameisen der Cecropien beschäftigten ihn auf das lebhafteste, und was er hierüber schrieb, hätte man doppelt drucken müssen. Bald entschied ich mich dafür, alle Arbeiten in der durch die Zeit der Veröffentlichung gegebenen Reihenfolge zu ordnen, dies um so mehr, weil dabei das Lebenswerk des großen Naturforschers auf das getreueste zum Spiegelbilde seiner Lebensgeschichte wird. Im Anfange des brasilianischen Aufenthaltes war seine Arbeit ganz der Meeresfauna gewidmet; später, als er seinen Wohnsitz mehr ins Innere des Landes verlegte, stehen die Blütenbiologie, Bef ruchtun gs versuche, Vererbungs- erscheinungen (Abutilon) im Mittelpunkte seiner nie ruhenden Tätigkeit. Viele Jahre wurden dann der Beobachtung der Insekten, zuerst der Termiten, dann der stachellosen Honigbienen gewidmet; gegen Ende der 70er Jahre folgen die überraschenden Entdeckungen über Duftorgane der Schmetterlinge. Diese wurden abgelöst von den unendlich mühsamen, aber höchst erfolgreichen Studien über die Phryganiden, von denen die über Steingeröll zu Tale springenden Urwald- bäche Blumenaus ein ungeahnt reiches Beobachtungsmaterial lieferten. In die 80er Jahre fallen die Beobachtungen von Feigeninsekten. Dann aber wendet sich Fritz Müller im Alter wieder der „scientia amabilis" zu. Die Fülle der Bromelien hatte seine Aufmerksamkeit erregt, mit Hilfe seiner scharfäugigen, klettergewandten Enkel sammelte er aus den Baumkronen die vielgestaltigen Formen, die ihn während seiner letzten Lebensjahre vollauf beschäftigten. Das Bild seines Lebens, welches durch die Reihenfolge seiner Arbeiten dar- gestellt wird, sollte nicht zerstört werden. Daß die Arbeiten so, wie sie geschrieben waren, zum Teil also englisch, französisch und portugiesisch wiedergegciben werden mußten, konnte nicht zweifel- haft sein. Um sie aber der Wissenschaft wirklich nutzbar zu machen, erschien Vorwort. VII eine Uebersetzung zum mindesten der portuiriesischen Arbeiten erwünscht. Die Abhandlung über die Gehäuse der Trichopterenlarven (S. 694 ff.) hatte schon Hermann Müller, der Bruder, im Jahre 1880 für die Zeitschrift für wissen- schaftliche Zoologie übersetzt; hier wurde der deutsche Text neben den portu- giesischen gesetzt. Dil diese Anordnung dem Zwecke am besten zu dienen schien, wurde sie auch für die späteren umfangreichen Abhandlungen aus den Archivos do Museu Nacional gewählt. Inzwischen waren nun schon mehrere portugiesische Abhandlungen, ins- besondere diejenigen über die Duftorgane der Schmetterlinge, ganzseitig gedruckt. Ihre deutschen Uebersetzungen wurden daher in einem Anhange angefügt. Bei der Uebersetzung hat Herr E. Ule, zurzeit in Berlin, in bereitwilligster Weise seine Hilfe geliehen, wofür ich hier den herzlichsten Dank ausspreche. Indessen sind seine Uebersetzungen von mir so stark überarbeitet worden, daß ich für die neu gewählte Fassung und etwaige Irrtümer ebenso wie für die von mir allein übersetzten Arbeiten (Nachtrag zum Inhaltsverzeichnis a — f) auch allein die Verantwortung tragen muß. Offensichtliche Druckfehler habe ich überall ohne weitere Bemerkung be- richtigt. In vielen zweifelhaften Fällen durfte ich mich mit Rückfragen an Herrn Prof. Dr. G. W. Müller in Greifswald, an Herrn Prof. Dr. G. Lindau in Berlin und auch an meinen hiesigen Kollegen Herrn Prof. Dr. Wolff wenden, denen ich für ihre jederzeit bereitwillig geleistete Hilfe zu Dank verpflichtet bin. — Daß trotz aller aufgewendeten Mühe Druckfehler dennoch durchgeschlüpft sind, bitte ich mit der Schwierigkeit der Aufgabe für einen durch Amtspflichten gebundenen Flerausgebcr zu entschuldigen. Fritz Müllers gesammelte Schriften sind zum weitaus größten Teile Tat- sachensammlungen. So feinsinnig und anziehend seine Betrachtungen über die Tatsachen und ihre Verknüpfung auch sind, so wenig sie fehlen, da wo man sie zu erwarten berechtigt ist, der ihnen gewidmete Raum ist verschwindend gering gegenüber dem durch die meisterhafte Darstellung der Tatsachen selbst in An- spruch genommenen. Die Zuverlässigkeit und Gewissenhaftigkeit der Beobachtung aber, die Schärfe der Prüfung des Beobachteten, das staunenswerte Gedächtnis, welches die Vorstellung des Beobachters mit greifbar deutlichen Vergleichsbildern füllte, der Reichtum seiner Vorstellungsgabe, die durchaus eigenartige Versuchs- anstellung und die Unermüdlichkeit in deren Verfolgung, das sind die großen Eigenschaften, die PYitz Müller zum „Fürsten der Beobachter" werden ließen. Deshalb können seine Arbeiten nie veralten, und dadurch rechtfertigt sich ihre Sammlung und Herausgabe. Eberswalde, im Mai 1915. Dr. Alfred Möller. I nhalts - Verzeichniss. Ueber Hirudo tessulata und margi- nata O. F. Müller, i Textfig. De Hirudinibus circa Berolinum huc- usque observatis Clepsine costata, neue Art. 2 Textfigg. Ueber Gammarus ambulans, neue Art. 3 Textfigg. Ueber die Geschlechtstheile von Clepsine und Nephelis. Taf. I Bemerkungen in Betreff des Geschlechts- verhältnisses bei den Hirudineen 13 14 17 18 Zur Kenntniss des Furchungsprocesses im Schneckenei. Taf. II Orchestia Euchore und Gryphus, neue Arten aus der Ostsee, Taf. III, und Bemerkungen zu Zaddachs Synopseos Crustaceorum Borussicorum prodro mus Ueber die Begattung der Clepsine com- planata Sav. Tanais Rhynchites und balticus, neue] Arten aus der Ostsee. Taf. IV i —4 Eine Beobachtung über die Beziehung der Gattungen Caligus und Chalimus. Taf. IV 5—6 Beiträge zur Kenntniss der Landplana- rien Lumbricus corethrurus, Bürstenschvvanz Einiges über die Annelidenfauna der Insel Sa. Catharina an der brasi- lianischen Küste. Taf. V, VI. Die Magenfäden der Quallen Archiv für Naturgesch. 1844 I Ebenda 1846 I Ebenda 1846 I Müllers Archiv für Ana- tomie 1846 Steenstrup, Untersuch, üb. das Vorkommen des Hermaphroditismus in der Natur, aus d. Däni sehen übersetzt von C. Hornschuch , Greifs- wald 1846 Archiv für Naturgesch 1848 I Ebenda 1848 I Ebenda i< Zeitung f. Zoologie, Zoo- tomie u. Paläozoologie V. d'Alton 1849 I Archiv für Naturgesch 1852 I Ebenda 1852 I Abhandl. d. Naturforsch Ges. in Halle 1856 Bd. 4 Archiv für Naturgesch. 1857 I Ebenda 1858 I Dissertation Berlin 1844 Zeitschr. f. wissenschaftl. Zoologie 1858 IX Abhandl. d. Naturforsch. - Ges. in Halle 1859 V Zwei neue Quallen von Santa Catha-i rina, Tamoya haplonema und quadru-1 mana. Taf. VII, VIII, IX Polypen und Quallen von Santa Catha- rina. Die Formwandlungen der Li- riope catharinensis n. sp. Taf. X, XI Polypen und Quallen von Santa Catha-sEbenda 1860 I rina. Philomedusa Vogtii n. sp.i 1 Textfig. I Archiv für Naturgesch, 1859 I Für sich gedruckt bei H. W. Schmidt Halle 1857; s. auch Ann. and Mag. of Nat. History 1857 XX p. I — 12. s. auch Ann. and Mag. of Nat. His- tory 1857 XX p. 13—15 s. auch Ann. and Mag. of Nat. His- tory 1859 p. 446—447 Für sich gedruckt bei H. W. Schmidt Halle 1859 s. Ann. and Mag. of Nat. History 1860 p. 432—436 I 6 23 26 30 36 40 44 50 52 56 59 61 75 76 83 85 93 Inhalts- Verzeichniss. IX Beschreibung einer Brachiopodenlarve. Taf. XII Das Kolonialneivensystem der Moos- thiere nachgewiesen an Serialaria Coutinhii n. sp. Taf. XIII -XIV Cunina Köllikeri n. sp. Taf. XV Die Brachiopodenlarve von Santa Ca- tharina. 2. Beitrag Ueber die systematische Stellung der Charybdeiden Polypen und Quallen von Santa Catha- rina. Olindias sambaquiensis n. sp. Taf. XVI Ueber die angebliche Bilateralsym- metrie der Rippenquallen Die Rhizocephalen, eine neue Gruppe schmarotzender Kruster. Taf. XVII Entoniscus Porcellanae, eine neue Schmarotzer-Assel. Taf. XVIII Die Verwandlung der Porcellanen. Taf. XIX Bruchstück zur Entwicklungsgeschichte der Maulfüsser. Taf. XX Ein zweites Bruchstück aus der Ent- wicklungsgeschichte der Maulfüsser. Taf. XXI Die Verwandlung der Garneelen. Erster Beitrag. Taf. XXII Die zweite Entwicklungsstufe dei Wurzelkrebse (Rhizocephalen). Taf. XXIII Ueber die Ursache der Strömungen in der Leibeshöhle der Sertularinen Ueber eigenthümliche Gebilde in der Samenflüssigkeit von Janthina. Taf. XXIV Observations sur la Respiration des Ocypodiens Ueber den Bau der Scheerenasseln (Asellotes heteropodes M. Edw.) Ein Wort über die Gattung Herklotsia J. E. Gray u. Nachtrag dazu Für Darwin. Leipzig bei Engelmann 1864. 67 Textfigg. Reichert u. Dubois-Rey- mond Arch. f. Anatom, u. Physiol. 1860 Archiv für Naturgesch, 1860 I Ebenda 1861 I Ebenda 1861 I Ebenda 1861 I Ebenda 1861 I Ebenda 1861 I Ebenda 1862 I Ebenda 1862 I Ebenda 1862 I Ebenda 1862 I Ebenda 1863 I Ebenda 1863 I Ebenda 1863 I Ebenda 1863 I Ebenda 1863 I Ann. d. sc. nat. 1863 4 Ser. Zool. Tome 20 p. 272 Archiv für Naturgesch. 1864 I Ebenda 1864 I s. Ann. and Mag. of Nat. History 1860 p. 310 s. auch Anat. Journ. niicrosc. Sc. 1861 I p. 300 — 305; Ann. des sc. nat. 1862 IV Scr. Zool. Tome 18 p. 212; Arch. sc. phys. et nat Gencve 1862 p. 179 — 180; Fro- rieps Notiz. 1861 III p. 155 — 157; Arch. per la zool. 1' analomia e fisiolügia 1861 I p. loo — 10 1 s. Arch. sc. phys. et nat. Gcnöve 1862 p. 101 — 102. s. Ann. and Mag. of Nat. Hist. 1861 VIII p. 505—506 s. wie vor. 1862 X p. 6 — 12 s. wie vor. 1862 p. 475—479 und Arch. sc. phys. et nat. Geneve 1862 p. 376 — 378 s. Ann. and Mag of Nat. Hist. 1862 p. 475 — 479 S.Ann, and Mag. of Nat. Ilist. 1862 p. 44—50 s. wie vor. 1862 p. 87 — 93 u. Arch sc. nat. et phys. Gencve 1863 P. 351--352 s. Ann. and Mag. of Nat. History 1863 p. 47-50 s. wie vor. 1863 p. 13 — 19 u. Arch. sc. phys. et nat. Gtneve 1863 p. 196—197 Ann. and Mag. of Nat. History 1864 XIV p. 104— 115 s. Ann. and Mag. of Nat. Hist. 1864 XIV p. 430—433; Quart. Journ. microscop. Sc. N. Ser. Vol. 5 1865 p. 55 Englische Uebersetzung von Dallas, London bei Murr.iy i8h9; fran zösischcUei)ersetzung von Dcbray Bull, scicnt. DCp. du Nord 1883 Auszüge: Arch. sc. phys. et nat, Geneve 1865 p. 154—163; Bibl Univ. 1865 Bull, scient. p. 154 ff.; Ann. and Mag. of Nat. History 1865 XV p. 410—416 116 «-3 126 132 137 141 147 «53 '57 163 167 177 «83 «85 18K 190 «94 200 X Inhalts- V erzeich ni SS. d Titel Aus Bemerkungen 'S 39 Description of a new Genus of Ani- phipod Crustacea: Batea n. gen. Taf. XXV Ann. and Mag. of Nat. History 1865 XV p. 2-6—277 — 264 40 Ueber Cuniaceen Arch. f.Naturgesch 1865 I — 266 41 Uebcr die Randbläschen der Hydroid- quallen. i Textfig. Schnitzes Arch. f. mikro- skop. Anatom. 1865 I — 274 42 Ueber Darwinella aurea, einen Schwamm mit sternförmigen Hornnadeln. Taf. XXVI Ebenda 278 43 Notes on some of the Climbing-PIants Journ. Linn. Soc. of Lon- s. Kosmos 1882/83 XII p. 321 — 285 near Desterro in South Brazil. Taf. don; Bot. 1865 329; Bot. Ztg. 1866 p. 57—60 XXVII u. 65—69 44 Ueber das Holz einiger um Desterro Botan. Zeitung 1866 24. s. Journ. Linn. Soc. 1865 IX 289 wachsender Kletterpflanzen. Taf. Jahrg. P- 344—349 XXVIII 45 Ueber die Befruchtung der Martha (Posoqueria) fragrans nebst Nachwort von D. F, L. von Schlechtendal. Taf. XXIX Ebenda 299 46 Ueber Baianus armatus und einen Ba- Archiv für Naturgesch., s. Ann. and Mag. of Nat. History 307 stard dieser Art und des Baianus 1867 I 1868 p. 393—412 improvisus var. assimilis Darw. Taf. XXX, XXXI, XXXII 47 Notizen über die Geschlechtsverhält- nisse brasilianischer Pflanzen Botanische Zeitung 1868 Bd. 26 — 324 48 Befruchtungsversuche an Cipö alho (Bignonia) Ebenda — 327 49 Ueber Befruchtungserscheinungen bei Orchideen Ebenda — 330 50 Exkursionsberichte aus Südbrasilien Flora 1869 — 332 51 Ueber einige Befruchtungserschei- nungen Botanische Zeitung 1869 Bd. 27 — 349 52 Ueber eine dimorj^he Faramea Ebenda — 351 53 Umwandlung von Staubgefässen in Stem- pel bei Begonia. Uebergang von Zwitterbliithigkeit in Getrenntblüthig- keit bei Chamissoa. Triandrische Varietät eines monandrischen Epi- dendram. Taf. XXXIII Botanische Zeitung 1870 Bd. 28 355 54 On the Modification of the Stamens in a Species of Begonia. 5 Textfig. Journ. Linn. Soc. (Bot.) 1871 XI s. auch No. 53 358 55 Botanische Notizen Botanische Zeitung 1870 — 360 56 Die Bewegung des Blüthenstieles von Alisma Jen. Zeitschr. f. Natur- wissenschaft 1870 V — 363 57 Bemerkungen über Cypridina. Taf. XXXIV, XXXV Ebenda 1870 V — 367 58 Bruchstücke zur Naturgeschichte der Bopyriden. Taf. XXXVI, XXXVII Ebenda 1871 VI — 384 59 Ueber den Trimorphismus der Ponte- derien. 4 Textfigg. Ebenda 187 i VI — 400 60 Remarks on some white Ants Proc. Bost. Soc. of Nat. Hist. 187 1 — 404 61 Bestäubungsversuche an Abutilon-Arten I u. II. 1 2 Textfigg. Jen. Zeitschrift f. Natur- wissenschaft 1873 VII — 405 62 Beiträge zur Kenntniss der Termiten. Ebenda 1873 VII und s. Arch. phys. et nat. Geneve 1874 432 I, 11 mit Nachtrag, III und Anhang, 1875 IX p. 254 — 259; Ann. and Mag. IV. 14 Textfigg. Taf. XXXVIII of Nat. History 1874 p. 202—204 — XLIII und Nature 1875 XII p. 218 63 Larvae of Membracis serving as Milk- cattle to a Brazilian species of Honey- bees. 7 Textfigg. Nature 1873 VIII und 1874 X 481 64 Recent researches of Termites anc Honey-bees Nature 1874 IX s. American Naturalist 1874 VIII P- 554-556 486 65 The Habits of various Insects Ebenda 1874 X — 489 Inhalts-Verzeichniss. XI Stachellose brasilianische Honigbienen Poeys Beobachtungen über die Natur- geschichte der Honigbiene von Cuba. Melipona fiilvipes Gucr. Aus Brasilien (Meliponen) On Brazil Kitchen Middens, Habits of Ants etc. Einige Worte über Leptalis. 2 Textfigg. Aeglea Odebrcchtii nov. spec. Taf- XLI V Ueber das Haarkissen am Blattstiel der Imbauba (Cecropia), das Gemüsebeet der Imbaubaameisc. i Textfig. Aus Brasilien (Meliponen) Ueber Haarpinsel, Filzflecke und ähn- liche Gebilde auf den Flügeln männ- licher Schmetterlinge Aus einem Briefe Fritz Müllers aus Brasilien (Flora des Hochlandes) A correia^äo das flores versicolores e dos insectos pronubos As maculas sexuaes dos individuos masculinos das especies Danais Erip pus e D. Gilippus. Taf. XLV Os orgäos odoriferos das especies Epi calia Acontius, Linn. e de Myscelia Orsis, Drury. Taf. XLVI Os orgäos odoriferos nas pernas de certos Lepidopteros. Supplemente Taf. XLVH, XLVni Tischgenossenschaft zweier Raupen Der Minhocäo Nectar absondernde Drüsen, mit einer Erwiderung von Thomas Belt Ueber Blumen und Insekten. Brief mit Einleitung von Ch. Darwin Maracujäfalter Die Grannen von Aristida Beobachtungen an brasilianisch. Schmet terlingen I. i. Die Flügeladern der Schmetterlingspuppen. 2. Die Duft- schuppen der männlichen Maracujä- falter. 6 Textfigg. Fortsetzung des vorigen. H. 3. Die Duftschuppen der (^ von Dione Vanillae. 4. Kommt auch geschlecht liehe Auswahl von Seiten des (^ vor? 7 Textfigg. Fortsetzung des vorigen HI. 5. Acraea und die Maracujäfalter als Raupen, Puppen und Schmetterlinge. 4 Text figuren Der Zoolog. Garten 1875 Ebenda Eichstädter Bienenztg. 1875 Bd. 31 Nature XHI 1876 Jen. Zeitschr. 1876 Bd. 10 Ebenda Ebenda Eichstädter Bienenztg. 1877 Bd. 33 Jenaische Zeitschrift 1877 XI Flora 1877 Archiv, do ISIuseu nacio- nal do Rio de Janeiro 1877 II Ebenda 1877 II S. Revisla agticola do linp. Insliluto Fluminensc de Agricollura Rio de Janeiro 1888 XIX \). 76-84 s. Eichstädter Bienenzeilung 1876 Bd. 32 S. 91 — 94 s. American Naturalist 1876 p. 534 — S36 Ebenda Ebenda Der Zoologische Garten 1877 18. Jahrg. Ebenda Nature 1877 XVI Ebenda Stettiner Entomol. Ztg. 1877 38. Jahrg. Kosmos 1877 I Ebenda Ebenda 1877/78 II Ebenda s. George B. Longstaff, BuUerfly- Hunting in inany lands, London 1912 Deutsche Uebersetzung s.auf S. 1427 dieses Werkes ; englische Ueber- setzung bei Longstaff, Butterfly- Hunting London 1912 Deutsche Uebersetzung s. S. 1432 dieses Werkes; englische Ueber- setzung bei Longstaff, Butterfly- Himting, London 191 2 Deutsche Uebersetzung s. auf S. 1436 dieses Werkes; vgl. auch Kosmos 1878/79 IV S. 285-292; eng- lische Uebersetzung bei Longstaff wie vor. Deutsche Uebersetzung auf S. 1440 dieses Werkes; englische bei Longstaff wie vor. s. Nature XV p. 264; F'icld and Forest II 1876/77 p. 217—218 Uebersetzt von E. Krause (('anisl Sterne) in Ges. kleinere .Schriften, von Ch. Darwin p. 220 — 221 Uebersetzt ins Englische bei Long-: staff, Bultcrfly-Hunling in nianyj lands, London 19 12 Englische Uebersetzung bei Long- staff, Buttcrfly-IIunting wie oben Ebenda Ebenda 492 502 5"7 509 Sil 520 528 532 534 545 547 555 559 5«^7 568 572 57<' 579 I583 I 585 593 598 XII Inhalts- Verzeichniss . 6 Titel Aus Bemerkungen -^ 89 Der Rückschlag der Kreuzung weit abstehender Formen, i Textfig. Kosmos 1877/78 II — 605 90 Der sprachlose Urmensch und die Sprachlosigkeit der Kinder Ebenda — 608 91 Pflanzengattungen, an denen mir be- kannte Tagfalter-Raupen leben Stettin. Entomol. Ztg. 1878 39. Jahrg. — 611 91a Proboscis capable of sucking the Nectar of Angrecum sesquipedale. (Erst nachträglich aufgefundene und daher nicht an der richtigen Stelle einge- reihte Veröffentlichung. Der Herausg.) I Textfig. Nature 1873 VIII 612 92 Scent-fans of a Sphinx-moth. i Textfig. Proc. Ent. Soc. Lond. 1878 — 615 93 Notes on Brazilian Entomoiogy (Odours emitted by Butterflies and Moths) Trans. Entomol. Soc. Lon- don 1878 — 615 94 Os orgäos odoriferos da Antirrhaea Archiv, do Museu Nacio- Deutsche Uebersetzung auf S. 1448 625 Archaea Hübner. Taf. XLIX nal do Rio de Janeiro 1878 III dieses Werkes; englische Ueber- setzung bei Longstaff, Butterfly- Hunting in many lands, London 1912 Deutsche Uebersetzung auf S. 1454 95 A prega costal das Hesperideas. Taf. Ebenda 631 L— LI dieses Werkes ; englische wie vor. 96 Macrosilia cluentius Nature Vol. XVII 1878 — 639 97 Ueber die Naupliusbrut der Garneelen Zeitschr. f. Wissenschaft). Zoologie 1878 Bd. 30 s. Ann. and Mag of Nat. Hist. 1878 Vol. I p. 481 — 485, Vol. 2 p. 426 —427 Englische Uebersetzung bei Long- 640 98 Die Stinkkölbchen der weiblichen Ma- Ebenda 643 racujäfalter. Taf. LH staff, Butterfiy-Hunting, London 99 Ueber Numenia Acontius Zool. Anz. 1878 I. Jahrg. 191 2 646 100 Ueber Gerüche von Schmetterlingen Ebenda 647 lOI Ueber die Vortheile der Miniicry bei Schmetterlingen Ebenda — 648 102 Wo hat der Moschusduft der Schwärmer seinen Sitz? Kosmos 1878 III s. Entomol. Nachrichten 1878 4. Jahrg. p. 109 649 103 [n Blumen gefangene Schwärmer Ebenda — . 651 104 Blumen der Luft Ebenda — 653 105 Die Königinnen der Meliponen Ebenda — 654 106 Hesperiden-Blumen Brasiliens Ebenda 1878/79 IV — 658 107 On a remarkable case of mimicry of Eueides pavana with Acraea Thalia Trans. Entom. Soc. Lon- don 1879 Proc. II — 659 108 Epicalia Acontius. Ein ungleiches Ehe- paar. 6 Textfigg. Kosmos 1878/79 IV s. auch oben No. 78 660 109 Kritik über: Dr. Paul Kramer, Theorie und Erfahrung, Beiträge zur Be- urtheilung des Darwinismus, Halle, L. Nebert 1877 Ebenda 668 110 Phryganiden-Studien. 3 Textfigg. Ebenda s. Zool. Anz. 1879 p. 38, 180,283,405 676 III Ueber Phryganiden Zool. Anz. 1879 2. Jahrg. — 688 1 12 Sobre as casas construidas pelas larvas de Insectos trichopteros da Provincia de Santa Catharina. Supplemento. Taf. LUX, LIV, LV, LVI Archivos do Museu Na- cion. do Rio de Janeiro 1878 III • 694 '13 Ueber die von den Trichopterenlarvcn der Provinz Santa Catharina verfer- tigten Gehäuse. Nachtrag. Ueber- setzung des vorigen von Dr. Hermann Müller, Lippstadt Zeitschr. f. wissenschaftl. Zoologie 1880 Bd. 35 s. Nature XXIII 1880 p. 192 l 694 114 Extracts from letters regarding Brazilian caddis-flies Proc. Entomol. Soc. Lon- don 1879 — 759 "5 On a trichopterous insect belonging to the family Leptoceridae with branchiae Ebenda — 762 116 Notes on the Cases of some South Brazilian Trichoptera Ebenda vgl. Zeitschr. f. wissenschaftl. Zoo- Ic^ie 1880 p. 47—87 763 Inhalts- Verzeichniss. XIII "7 ii8 119 122 123 124 125 126 127 128 129 130 131 132 133 134 135 136 137 138 139 140 141 142 143 144 On a frog having eggs on its back. On the abortion of the hairs on the legs of certain caddis-flies (Phryganiden). 3 Textfigg. Bud- Variation in Bananas Schützende P^ärbung und die Farben- empfindung der Tiere Ituna und Thyridia, ein merkwürdiges Beispiel von Mimicry bei Schmetter- lingen. 4 Textfigg. Ein Käfer mit Schmetterlingsrüssel. 1 Textfig. Wasserthiere in Baumwipfeln, i Textfig. Descripcäo do Elpidium Bromcliarum. Taf. LVir On a curious insect from Brazil (Pal- tostoma torrentium) A metamorphose de um insecto diptero (Paltostoma torrentium) Primeira parte : Descripcäo do ex- terior da larva. Taf. LVIII Secunda parte: Anatomia da larva. Taf. LIX Terceira parte: Anatomia da larva. Taf. LX Quarta parte: Chrysalida e insecto perfeito. Taf. LXI Erklärung Die Putzfüsse der Kruster. 15 Textfigg. Palaemon Potiuna. Ein Beispiel ab- gekürzter Verwandlung. Berichtigung Aehnlichkeit von Blumen und Früchten I Textfig. Branch-cutting Beetles Paltostoma torrentium. Eine Mücke mit zweigestaltigen Weibchen. 1 1 Textfigg. Die Imbauba und ihre Beschützer (Az- teca instabilis). 8 Textfigg. Zur Kritik der Absonderungstheorie Haeckels biogenetisches Grundgesetz bei der Neubildung verlorener Glieder Farbenwechsel bei Krabben und Gar neelen Movements of Plants The movements of Leaves Atyoida Potimirim , eine schlämm fressende Süsswassergarneele. 20 Textfigg. Verirrte Blätter, i Textfig. Two Kinds of Stamens with different Funct. in the sameFlower. i Textfig. Leaves injured at Night by free Ra- diation Verwandlung und Verwandtschaft der Blepharoceriden Eine Beobachtung an Trigona mirim Eine Pflanze, welche bei Nacht die Himmelsgegenden anzeigt Nature 1879 Ebenda Kosmos 1879 V Ebenda Kosmos 1879/80 VI Ebenda Archivos do Museu Nac. do Rio de Janeiro 1879 Vol. 4 Trans. Entom. Soc. of London 1879 Proc. Archiv, do jMuscu Nac. do Rio de Janeiro 1879 IV Zoolog. Anz. 1881 IV Kosmos 1880 VII Zoolog. Anz. 1880 Jahrg. Kosmos 1880 VII Nature i Kosmos Ebenda io Vol. 22 ii VIII Kosmos 1880/81 VIII Ebenda Ebenda Nature i I Vol. 23 Ebenda Kosmos 1881 IX Ebenda Nature 1881 Vol. 24 Ebenda Zoolog. Anz. 1881 IV Kosmos 1881/82 X Ebenda Trans. Entom. Soc. 1879 Proc. of London s. Nature 1880 Vol. 22 Deutsche Uebcrsctzung auf S. 1463 dieses Werkes; siehe auch die Erklärung auf S. 831 Deutsche Uebcrsctzung auf .S. 1470 dieses Werkes ; vgl. auch No. 1 3 1 vgl. die portugiesische Abhandlung S. 1225 vgl. No. 125 S. 801 ; Entom. Monthly Mag. Vol. 17 p. 225 — 226; Naturhistoriker (Knauer) 3 Bd. 1880 No. 4 p. 30 Uebersetzt von Ernst Krause (Carus Sterne) in Ges. kleinere Schriften von Ch. Darwin p. 224—226 Uebersetzt wie vor. p. 222—224 vgl. die portugiesische Arbeit S. 1186; Journ. R. microscop. Soc. Vol. 2 p. 42, 43 Uebersetzt von Ernst Krause ((."arus Sterne) in Ges. kleinere Schriften von Ch. Darwin p. 227 776 777 779 788 791 793 800 801 801 809 815 823 831 833 837 842 843 844 850 857 858 860 862 8Ü4 866 874 876 877 878 881 884 xw Inhal ts-Verzeicliniss. 6 Titel Aus Bemerkungen -5 HS Bemerkenswerte Fälle erworbener Aehn- Kosmos 1881/82 X — 1 887 lichkeit bei Schmetterlingen (Taf. LXII) nebst einem Nachtrag: Ange- Ebenda 1883 XHI s. Trans. Entom. Soc. Proc. 1888 899 bissene Flügel von Acraea Thalia. p. XXIII I Textfig. 146 Bemerkungen zu: Hildebrand, Die Lebensdauer und Vegetationsweise der Pflanzen, ihre Ursachen und ihre Entwicklung Englers Botan. Jahrbuch 1882 n 904 147 Crotalaria cajanaefolia Kosmos 1882 XI — 908 148 Eine Beobachtung an Bauhinia brasi- liensis. 2 Textfigg. Ebenda — 909 149 Bericht über: Graf zu Solms-Laubach, Die Herkunft, Domestication und Verbreitung des gewöhnlichen Fei- genbaumes (Ficus Carica L.) Ebenda 912 150 Caprificus und Feigenbaum Ebenda s. Bot. Ztg. XI 1882 p. 912—914; Bot. Centrbl.XI 1882 p. 384— 386 922 151 Die gefügelose organische Substanz der Termiten-Nester Ebenda 1882/83 XII — 927 152 Corbula intermedia Ebenda 928 153 Ein Schmetterling, der einen Kolibri nachahmt, i Textfig. Ebenda — 931 154 Bericht und Bemerkungen über: Dr. Paul Mayer, Zur Naturgeschichte der Feigeninsekten Ebenda s. Botan. Centralbl. 1883 XIV p. 13 — M 934 155 Zweigklimmer. Taf. LXHI Ebenda s. Botan. Centralbl. 1883 XIV p. 72 — 73; ferner No. 43 und 44 dieses Verzeichnisses 939 156 Die Farben der Puppen von Papilio Polydamas Ebenda Trans. Entom. Soc. Proc. 1883 p. XXIII, XXIV 948 157 Wie die Raupe von Eunomia Eagrus ihre Haare verwendet. i Textfig. Ebenda Trans. Entom. Soc. Proc. 1883 p. XXIV, XXV 949 158 Animal Inteiligence Naturc 1882/83 XXVII Uebersetzung in Kosmos 1882/83 XII p. 460 — 462 950 159 Two Kinds of Stamens wilh Different Functions in the same Flower. 2 Textfigg. Ebenda vgl. No. 140 und 162 dieses Ver- zeichnisses 951 160 Bericht über: The colour and patterns of insects by Dr. H. A. Hagen Kosmos 1882/83 XII — 953 161 Die Blumen des Melonenbaumes, i Textfig. Kosmos 1883 XIII s. Bot. Centralbl. XV p. 102 — 103 957 162 Arbeitstheilung bei Staubgefässen von Pollenblumen. 10 Textfigg. Ebenda — 960 1^3 Einige Nachträge zu Hildebrands Buch: Die Verbreitungsmittel der Pflanzen nebst Berichtigung. Taf. LXIV Kosmos 1884 XIV s. Bot. Centralbl. 1884 XX p. 234 -237 979 164 Einige Eigenthümlichkeiten der Eich- hornia crassipes Kosmos 1883 XIII s. Bot. Centralbl. 1883 XVI p. 299 — 300; Biolog. Centralbl. 1886,87 VI p. 299; Trans. Linn. Soc. 1882 16 III 988 165 Biologische Beobachtungen an Blumen Ber. d. Deutsch. Bot Ges. s. Botan. Centralbl. 1883 XV p. 992 Südbrasiliens, i Textfig. 1883 I 164—166 166 Eine Aufgabe für Lepidopterologen Berl. Entomol. Zeitschr. 1883 XXVII — 997 167 Drymonema an der Küste Brasiliens Zool. Anz. 1883 VI — 999 168 Der Anhang am Hinterleibe der Acraea- Weibchen Ebenda — lOOI 169 Christian Conrad Sprengel Nature 1883/84 XXIX und 1884 XXX — 1002 170 Anfrage Chr. K. Sprengel betreffend Kosmos 1884 XIV — 1004 171 Butterflies as Botanists Nature 1884 XXX Entom. Nachrichten 1884 p. 190 1005 172 On the larvae and pupae of some Nymphalinae und Heliconinae Proc. Entom. Soc. Lon- don 1884 — 1006 Inhalts- Verzeichniss. XV 173 174 175 176 177 178 179 180 181 182 183 184 185 186 187 188 189 190 191 192 193 194 195 196 197 198 199 200 201 202 203 204 Titel Die Verzweigung von Stromanthe Tonckat. i Textfig. Jugendgeschiclite der Wurzelkrebse, (Eine Besprechung.) Die Zwiegestalt der Männchen der nordamerikanischen Flußkrebse. (Be rieht.) Wird Philodendron durch Schnecken bestäubt? Fühler mit Beisswerkzeugen bei Mücken' puppen. 4 Textfigg. Die Blütenpaare der Marantaceen 5 Textfigg. Eine zweizählige Blume von He- dychium. i Textfig. Endständige Zingiberaceenblüten. Textfig. Das Ende des Blütenstandes und die Endblume von Hedychium. Taf, LXV u. LXVI Wie entsteht die Gliederung der In- sektenfühier? Die Zwitterbildung im Tierreiche Einige Nachträge zu Hildebrands Buch : Die Verbreitungsmittel der Pflanzen. 4 Textfigg. Wurzeln als Stellvertreter der Blätter. I Textfig. Biologische Beobachtungen an brasi- lianischen Orchideen Notes on Fig-Insects Neue Beobachtungen über Feigen- wespen Feigenwespen. Bericht über: Gustav Mayr, Feigeninsekten Critogaster und Trichaulus Bericht über : Die Geschlechterdifferen- zierung bei den Feigenbäumen von Graf zu Solms-Laubach Zur Kenntnis der Feigenwespen Zur Kenntnis der Feigenwespen Besprechung von „Biooks, The law of Heredity ' Knospenlage der Blumen von Feijoa. I Textfig. Feijoa, ein Baum, der Vögeln seine Blumenblätter als Lockspeise bietet. I Textfig. Ein Züchtungsversuch an Mais Einige neue Beispiele langer Lebens- fähigkeit von Samen und Rhizomen Die Nymphen der Termiten Ueber die Gattung Chimarrha Die Larve von Chimarrha. i Textfig. Eine deutsche Lagenopsyche. 1 Textfig. Nebenspreiten an Blättern einer Be- gonia. I Textfig. Schiefe Symmetrie bei Zingiberaceen- blumen. 3 Textfigg. Aus Bemerkungen Ber. d. Deutsch. Bot. Ges 1884 Kosmos 1884 XIV Ebenda Kosmos 1884 XV Ebenda Ber. d. Deutsch. Bot. Ges. 1885 III Ebenda Ebenda Kosmos 1885 XVI Kosmos 1885 XVII Ebenda Ebenda Ebenda Verhandl. d. Bot. Ver. d. Prov. Brandenburg 1886 XXVIII Trans. Entom. Soc. Lon don 1886 Biol. Centralbl. 1886 VI Kosmos 1886 XVIII Kosmos 1886 XIX Kosmos 1886 XVIII Entom. Nachr. 1886 XII Ebenda 1887 XIII Kosmos 1886 XVIII Ber. d. Deutsch, bot. Ges. 1886 IV Kosmos 1886 XVIII Kosmos 1886 XIX Biol. Centralbl. 1886/87 VI Entom. Nachr. 1887 XIII Ebenda Ebenda Ebenda Ber. d. Deutsch, bot. Ges. s 1887 V Ebenda s. Bot. Centralbl. 1885 XXIII p. 19 vgl. No. 163 u. Bot. Centralbl. 1886 XXV p. 202—203 s. Bot. Centralbl. 1886 XXV p. 202; Biol. Centralbl. V 1885/86 p. 765 Die Seite 1067 ist irrtümlich als 1167 bezeichnet s. Ber. d. Deutsch. Bot. Ges. 1886 Heft 1 1 s. Bot. Centralbl. 1886 XXVII p. 189 — 192; Biolog. Centralbl. 1885/86 V p. 745—746 s. Bot. Centralbl. 1886 XXVIII p. 228; Biolog. Centralbl. VI 1886 p. 483 CA) , Bot. Centralbl. 1887 XXX P- 43—44 Bot. Centralbl. 1886 XXVI p. 218 — 219; Biolog. Centralbl. 1886 VT p. 191 — 192 Bot. Centralbl. P- 364—365 1887 XXXII 1008 1012 1016 1018 1020 1022 1025 1027 1030 1043 1046 1059 1065 1066 1068 1070 1077 1079 1081 1086 1089 1095 1098 1103 1108 IIIO 1112 1114 1 116 1119 II 22 XVI Inhal ts-Verzeichniss. 205 206 20 208 209 211 212 213 214 215 216 217 218 219 220 223 224 225 Keimung der Bicuiba. Taf. LVII Die Eier der Haarflügler Larven von Mücken und Haarflüglern mit zweierlei abwechselnd thätigen Athemwerkzeugen. 3 Textfigg. Zweiniännige Zingiberaceenblumen. 2 Textfig. Ueber ein abweichendes Verhalten einer in Europa gezogenen Urena lobata bezüglich der Ausbildung der Ameisen-Nektarien Neue Beobachtungen über das absatz- weise Blühen von Marica. Abweichend gebildete Blumen von Marica. 4 Textfigg. Beobachtungen an Hypoxis decumbens. 7 Textfigg. Abändening des Blüthenbaues von Hedychium coronarium in Folge un- genügender Ernährung. Taf. XLVIII Freie Gefässbündel in den Halmen von Olyra. 13 Textfigg. Zur Verbreitung der Pflanzen durch die Excremente der Thiere Weitere Beobachtungen über das Variieren der Blüthenzahl bei Hyp- oxis decumbens. 2 Textfigg. Fnicht in Fnicht von Carica Papaya. I Textfig. Kreuzung von Hedychium Clepsine verrucata. Eine Berichtigung Die Begattung der Clepsinen Verzeichniss der in der Umgegend von Blumenau und Desterro beobachteten (60 verschiedenen Familien ange- hörenden) Bäume und Sträucher Trichodactylus, siri de agua doce sem metamorphose. Taf. LXIX u. LXX Trichodactylus, eine Süsswasserkrabbe ohne Verwandlung. Uebersetzung des vorigen. O camarfio miudo do Itajahy, Atyoida Potimirim. Taf. LXXI u. LXXH Die kleine Gameele vom Itajahy, Atyoida Potimirim. Uebersetzung des vorigen O camarfio preto, Palaemon Potiuna. I. Des9ripcrio do animal adulto. Die schwarze Gameele, Palaemon Potiuna. Taf. LXXIII I. Beschreibung des erwachsenen Tieres. Uebersetzung des vorigen. II. A metamorphose dos filhos II. Die Verwandlung der Jungen. Taf. LXXIV und LXXV Descrip^äo da Janira exul, Crustaceo Isopode do Estado de Santa Catha- rina. Taf. LXX VI Beschreibung der Janira exul, einer Assel aus Santa Catharina Ber. d. Deutsch. Bot. Ges. 1887 V Entom. Nachr. 1888 XIV Ebenda Ber. d. Deutsch. Bot. Ges. 1888 VI Biol. Centralbl. 1888/89 VIII Ebenda Ber. d. Deutsch. Bot. Ges. 1889 VII Flora 1889 Ebenda Ebenda Monatl. Mitteil. d. Natur- wissensch. Ver. Frank- furt a. O. 1889/90 VII Schriften d. Naturf. Ges. in Danzig 1890 Flora 1890 Abh. d. Naturw. Ver. Bremen 1890 Zoolog. Jahrb. 1890 V Zoolog. Jahrb. Abt. f. System. 1891 VI Grunert, Forstl. Blätter i8qi Arch. do Museu Nac. do Rio de Jan. 1892 VIII Ebenda Ebenda Ebenda s. Monatl. Mitteil, des Naturwiss. Ver. Frankfurt a. O. VII 1889/90 p. 39-40 s. No. 165 dieses Verzeichnisses s. Bot. Centralbl. 1890 XLII p. 8; s. Bot. Centralbl. 1892 LI p. 243 vgl. No. 138 dieses Verzeichnisses vgl. No. 128 dieses Verzeichnisses II 24 128 130 134 139 141 '43 147 149 154 160 161 163 165 166 167 168 171 171 186 186 225 225 246 246 270 270 Inlialts-Verzeichniss. xvn Titel Aus 226 228 229 230 231 232 233 234 235 236 237 238 239 240 241 242 243 244 245 246 247 Die Banibusraite , Dactylomys am- blyonyx Bemerkungen über brasilianische Bro- meliaceen. 2 Textfigg. Die Tillandsia augusta der Flora flu- minensis. I Textfig. Geradläufige Samenanlagen bei Hohen- bergia. Taf. LXXVII Aechmea Heningsiana und Billbergia Schiniperiana Wittm. Die Bromeliaceen von Blumenau Mischlinge von Ruellia formosa und silvaccola Ueber Unfruchtbarkeit bei Bestäubung mit eigenem Pollen Ueber epiphytische Gewächse Zum Diagramm der Zingiberaceen Blüte. 5 Textfigg. Contribution towards the history of a new form of larvae of Psychodidae (Diptera), from Brazil. Taf. LXX VIII u. LXXIX Die Untergattung Nidulariopsis Mez. Taf. LXXX Die Keimung einiger Bromeliaceen. Taf. LXXXI Orchideen von unsicherer Stellung Taf. LXXXII Billbergia distacaia Mez. i Textfig. Das Ende der Blütenstandsachsen von Eunidularium Blumenblätter und Staubfäden von Canistrum superbum. i Textfig. Die Bromelia silvestris der Flora flu- minensis. Taf. LXXXIII Einige Bemerkungen über Bromeliaceen I— XIII. Taf.LXXXIVu. LXXXV und 3 Textfigg. Ein Fall von Naturauslese bei imge schlechtlicher Fortpflanzung Ein Versuch mit Doppelbestäubung Mischlinge von Ruellia formosa und silvaccola Observa9oes sobre a fauna marinha da Costa de Santa Catharina mit Ueber- setzung: Beobachtungen über die Meeresfauna der Küste von Santa Catharina Bemerkungen Der Züol. Garten 1892 Englers Jahrb. f. System. Pflanzengeschichte und Pf lanzengeograph. 1 892 XV Ber. d. Deutsch, bot. Ges. 1892 X Ebenda 1893 XI Ebenda Gartenflora 1893 Abhandl. d. Naturw. Ver. Bremen 1893 Ebenda Ebenda Flora 1895 Trans. Entom. Soc. Lon- don 1895 Ber. d. Deutsch. Bot. Ges. 1895 XIII Ebenda Ebenda Ebenda Ebenda Ebenda Ebenda 1896 XIV Flora 1896 u. 1897 Flora 1897 Bd 84. Er- gänzungsband Flora 1897 Bd 83. Jenaische Zeitschr. 1898 XXXI Revista Museu Paulista 1899 III s. auch No. 231 s. Bot. Centralbl. 1893 LV p. 160 s. auch No. 227 vgl. No. 142 und 207 zeichnisses dieses Ver- s. auch No. 232 1292 1293 1297 1301 '304 1306 1314 1322 1324 1325 J327 1330 1339 1345 1355 »357 1364 1365 1373 1400 1403 1413 XVIII Inhal ts-Verzeichniss. N achtrag". Uebersetzung , portugiesischer Arbeiten Fritz Müllers. 13 Titel Aus Bemerkungen 0) 'S IT) a Die Beziehungen farbenwechselnder Arch. do Museu Nac. Uebersetzung von No. 76 dieses 1427 Blumen zu den befruchtenden In- do Rio de Janeiro 1877 Verzeichnisses sekten Vol. II b Die Geschlechtsflecken bei den Männ- chen der Arten Danais Erippus und D. Gilippus. Taf. XLV Ebenda dgl. von No. 77 1432 c Ueber die Duftorgane von Epicalia Acontius Linn. und Mj^scelia Orsis Dniry. Taf. XLVI Ebenda dgl. von No. 78 1436 d Die Duftorgane an den Beinen gewisser Schmetterlinge, und Nachtrag. Taf. XLVII u. XLVIII Ebenda dgl. von No. 79 1440 e Die Duftorgane von Antirrhaea Archaea Hübner. Taf. XLIX Ebenda 1878 Vol. III dgl. von No. 94 1448 f Die Schulterfalte der Hesperiden. Taf. L u. LI. Ebenda dgl. von No. 95 1454 g Beschreibung von Elpidium Brome- liarum. Taf. LVII Ebenda 1879 Vol. IV dgl. von No. 123 1463 h Die Verwandlung eines Zweiflüglers (Paltostoma torrentium) Ebenda dgl. von No. 125 1470 Erster Teil : Beschreibung des Aeusse- — 1470 ren der Larve. Taf. LVIII Zweiter Teil: Anatomie der Larve. — 1479 Taf. LIX Dritter Teil: Anatomie der Larve. — i486 Taf. LX Vierter Teil: Puppe und vollkom- — 1495 menes Insekt. Taf. LXI Hierzu : Explanation of the female Nature 1881 XXIV — 1505 dimorphism of Paltostoma torren- tium by Hermann Müller Ueber HIrudo tessulata und marginata O. F. Müll.'). Mit I Textfigur. Seit man Linne's Genus Hirudo in kleinere Gattungen geteilt hat, finden sich O. F. MüUer's Hirudo tessulata und marginata ^) von den verschiedenen Schrift- stellern den verschiedensten dieser neugebildeten Gattungen zugerechnet. Hirudo tessulata wurde von Blainville^) zu Erpobdella (Nephelis Sav.), von Auduin ^) zu Clepsine gezählt, und von Moquin-Tandon ^) als Synonym zu seiner Piscicola tessellata gezogen. Ja ßlainville *') führte sie später gleichzeitig unter Ichthyobdella (Piscicola Lam.) und als Varietät von Erpobdella (Nephelis) vulgaris auf. Hirudo marginata stellten Blainville und Audouin früher zu Clepsine ''), nach dem aber Carena sie als Hir. cephalota beschrieben^) und als wahrscheinlich zu zu Haemocharis Sav. (Piscicola Lam.) gehörig bezeichnet, und nachdem Moquin- Tandon ^) die Benennung in Piscicola marginata geändert, traten auch sie dieser letzteren Ansicht bei^°). Schon eine genauere Vergleichung der von O. F. Müller und Braun *^) ge- gebenen Beschreibungen beweist, dass beide Arten nur zu der Gattung Clepsine gehören können. Kein anderer der bekannten Blutegel trägt seine Jungen unterm Bauche mit sich, wie es Müller von H. tessulata, Braun von H. marginata (varie- gata Braun) beobachtet hat ; bei keinem andern Blutegel ist ein gefiederter Darm- kanal von aussen sichtbar. Dass H. tessulata von Blainville zu Nephelis gestellt worden ist, beruht le- diglich auf der Uebereinstimmung in der Zahl der Augen ; allein die acht Augen von H. tessulata stehen in zwei Längsreihen, eine Stellung, die gerade der Gattung i) Archiv für Naturgeschichte 1844. I. pg. 370—376. Taf. X, Fig. 14. 2) Histor. vermium Tom. I, pars II. pg. 45 u. 46. 3) Dictionn. des Sc. nat. Tom. 47 pg. 261. 4) Dict. classique d'hist. nat Tom. 4. pg. 208, Tom. 15. pg. 109. 5) Monogr. de la Fam. des Hirud. pg. 133. 6) Dict. des Sc. nat. Tom. 57 pg. 558, 564. 7) Blainville, 1. c. Tom. 47. pg. 266. Audouin, 1. c. Tom. 4. pg. 208. 8) Mem. dell. Accad. di Torino, Vol. XXV. pg. 298, 316; Vol. XXVIII. pg. 336. 9) Monogr. pg. 132. 10) Blainville, 1. c. Tom. 57. pg. 558. Audouin, 1. c. Tom. 15 pg. no. 11) Braun, Systematische Beschreibung einiger Egelarten. Berlin, 1805. pg. 56, 61. Fritz Müllers gesammelte Schriften. ' 5 Hirudo tessulata und marginata. Clepsine eigenthümlich ist; die Augen von Nephelis bilden dagegen, wie die von Sanguisuga, Haemopis, etc. einen Halbkreis. Zu Piscicola hat man beide Arten stellen zu müssen geglaubt wogen der deutlichen Sonderung des Kopfes; allein selbst der Kopf, der hier aus mehreren Ringen zusammengesetzt ist, hat keine Aehnlichkeit mit dem aus einem einzigen Stücke bestehenden Mundsaugnapf von Piscicola geometra. Uebrigens ist Moquin-Tandon's Piscicola tessellata weder, wie er meint, die Hir. tessulata O. F. Müll., noch auch eine Piscicola, denn sie hat weder acht Augen, noch einen aus einem Stück bestehenden, sondern aus zahlreichen Ringen zu- sammengesetzten Kopf. Die Vergleichung der von Saint- Amans ^) gegebenen Beschreibung und Abbildung, die Moquin-Tandon nur excerpirt und copirt hat, hat es mir sehr wahrscheinlich gemacht, dass es nichts anderes ist, als H. marginata. Soviel ergiebt sich aus dem, was über beide Arten bei den verschiedenen Schriftstellern vorliegt; um jedoch ihre Stellung unter der Gattung Clepsine noch fester zu begründen, wiU ich noch einige ihrer für diese Gattung bezeichnendsten Eigenthümlichkeiten hervorheben. Beide Arten kommen nämlich um Berlin vor, und ich habe so Gelegenheit gehabt, sie sowohl lebend zu beobachten, als zu zergliedern. H. marginata findet sich gar nicht selten zwischen den Blättern der Wasserpflanzen (besonders Spargan ium und Stratiotes) in allen Seen, wie auch in den Gräben des Thiergartens ; H. tessulata, die seit O. F. Müller im erwachsenen Zustande nicht wieder beobachtet zu sein scheint (Braun sah nur ziemlich junge Individuen), fand ich nur selten in leeren Anodontenschaalen und an faulenden Aesten im Tegler See. Der Körper beider Arten ist bei erwachsenen Individuen verhältnissmässig kurz, breit und nach vorn stark verschmälert; bei jüngeren Exemplaren von H. marginata, und nach O. F. Müller auch von H, tessulata ist er schmaler, vorn und hinten ziemlich gleich breit. Er ist ungemein flach, wodurch die den Clepsinen eigenthümliche Fähigkeit, sich in eine Kugel einzurollen, bedingt wird. Die Zahl der Ringe ist gegen 60. Die Nervenknoten des Bauchstrangs, die sich in gleicher Anzahl, wie bei Nephelis und Piscicola finden, schicken jederseits einen einzigen Nervenfaden aus, der sich dann ohne bemerkbare Anschwellung verästelt ^). Die einzelnen Ganglien liegen um je drei Ringe voneinander entfernt, während bei Piscicola in jedem Ring, bei Nephelis, Sanguisuga, u. s. w. in jedem fünften Ring ein Ganglion liegt. Daher bei gleicher Anzahl von Ganglien bei Piscicola 20, bei Clepsine 60, bei Nephelis 100 Leibesringe gezählt werden. Ebenso wiederholen sich alle in der Mehrzahl vorhandenen Organe, wie Darmanhänge, Gefässklappen, Hoden- bläschen, von drei zu drei Ringen, wie sich denn auch in der Zeichnung äusserlich dieses Zahlen verhältniss geltend macht (Segmens ternes, Savigny). i) Hirudo oscillatoria Saint-Amans, M6m. de la Soc. Linneenne de Paris. Tom. III, pg, 193, Vol. VIII. (besonders Fig. 5, wo auch die Augen, obgleich vom Verf. als solche nicht erkannt, deutlich ge- zeichnet sind). 2) Auf diesen Bau des Nervensystems hat zuerst Audouin bei Clepsine complanata aufmerksam ge- macht; ich habe ihn bei allen von mir untersuchten Clepsinen gefunden. Bei Albione, wo auch jedes Ganglion nur ein Nervenpaar ausschickt, schwellen diese Nerven vor ihrer Teilung in ein sehr deutliches Ganglion an, nach Audouin (Dict. classique d'hist. nat. Tom. 15. pg. 115) und R. "Wagner (Isis 1834, pg. 131.) Hirudo tessulata und marginata. Der Verdauungs- Apparat der Clepsinen ist theils durch einen in dem dünnhäutigen Oesophagus gelegenen vorstreckbaren fleischigen Rüssel, theils dadurch ausgezeichnet, dass nicht nur der Magen, sondern auch der Darm mit seitlichen Blindsäcken versehen ist, was sich meines Wissens bei keinem anderen Blutegel findet. Diese grosse Verästelung des Nahrungskanals erreicht nun gerade ihr Maximum in H. tessulata und marginata. Der Magen hat bei beiden Arten 7 Paar seitlicher Anhänge, von denen das letzte sich zu beiden Seiten des Darms bis in die Gegend des Saugnapfs erstreckt, und an der äussern Seite 5 secun- däre Blindsäcke trägt. Bei H. tessulata sind alle diese Anhänge ungetheilt, bei H. marginata hat jeder der zwölf vordem Anhänge drei, jeder der zehn Nebenanhänge des letzten Paares zwei, oft mannigfach ausgebuchtete Zweige. Der zwischen den beiden letzten Magenanhängen gelegene Darm hat jederseits vier Blindsäcke, die nach den Seiten über die Magenanhänge hinweggehen ^). Ausser diesen Anhängen, die sie mit den übrigen einheimischen Arten der Gattung Clepsine gemein haben, besitzen H. tessulata und marginata noch ein besonderes System von Blind- säcken, nämlich vier Paar vor dem Magen gelegener An- hänge, von denen das vordere nach vorn, die mittleren seitlich, das hintere nach hinten gerichtet ist. Diese An- hänge sind selten mit Nahrungsstoff gefüllt und deutlich von aussen wahrnehmbar; wenn sie es sind, so zeigen sie meist eine von der des Magens verschiedene Färbung. Dass sie ein besonderes, dem eigentlichen Magen nicht zu- zuzählendes System bilden, scheint mir theils aus der oft verschiedenen Farbe ihres und des Mageninhalts, theils aus der von den Magenanhängen abweichenden Gestalt, theils aus der Richtung des vordersten und hintersten Paares wahrscheinlich; denn auch bei den Magen- und Darmanhängen der meisten Arten ist das vorderste Paar nach vorn, das hinterste nach hinten gerichtet. Vor diesen Anhängen beginnt der Rüssel , der bei den übrigen Arten sogleich vor dem Magen anfängt ; da- i) Filippi, der neuerdings die Clepsinen zum Gegenstand einer speciellen anatomischen Unter- suchung gemacht hat, betrachtet die beiden letzten langen Magenanhänge als Coeca, den zwischen ihnen liegenden Theil des Darmkanals als Rectum. (Lettera del Dott. F. de P'ilippi al Sign. Dott. M. Rusconi sopra l'anatomia e lo sviluppo delle Clepsine. Pavia 1839. p. 12). Ich glaube nicht, dass man diesem letzten Paare eine andere Bedeutung beilegen kann, als den übrigen Magenanhängen ; sein Inhalt ist stets dem der andern ganz gleich; selbst in der Form ist es bei einer der Clepsine complanata Sav. nahe stehenden, wahrscheinlich neuen Art kaum davon verschieden, indem es sehr kurz ist, und noch vor dem zweiten Paar der Darmanhänge endet. Der von Filippi als Rectum angesprochene Teil scheint mir gerade der Hauptsitz der Verdauung zu sein, während der Magen hauptsächlich als Reservoir des Nahrungsstoffs dienen mag. So sah ich den Mageninhalt bei einer H. marginata durch sechs Monate (Oktober bis April) unverändert dieselbe Farbe behalten; sobald er dagegen in den Darm getreten ist, wird seine Farbe ge- ändert. Auch sieht man ihn im Darme der fast farblosen Clepsine hyalina Moqu. Tand, durch eine deutliche peristaltische Bewegung umhergetrieben; ein sehr schönes Schauspiel, das mich oft Stunden lang gefesselt hat. , Nahrungskanal von Clepsine marginata. a Oesophagus; h Rüssel; c die 4 Paar vor dem Magen gelegener Anhänge ; d die 7 Paar Magenanhänge ; e die 4 Paar Darmanhänge; f Rectum. A Hirudo tessulata und marginata. durch wird er natürlich hier auf ein verhältnissmässig weit geringeres Volumen reducirt. Namentlich ist diess bei H. tessulata der Fall, wo er bei einem i Y2 Zoll langen Exemplar kaum länger als bei einer 4 Linien langen Clepsine hyalina war. Das Blut der H. tessulata und marginata ist, wie bei allen Clepsinen, farblos^); das von Nephelis und Piscicola bekanntlich roth. Die Geschlechtstheile, die ich bei der grossen H. tessulata genauer unter- suchen konnte, bieten zwar im Einzelnen manche Abweichungen von denen der Clepsine complanata, sind aber nach ganz demselben Typus gebaut. Dass H. tessulata und marginata, wie die übrigen Clepsinen, ihre Jungen unterm Bauche mit sich tragen, habe ich schon früher angeführt. Nach allem diesem scheint mir kein Zweifel über die S3^stematische Stellung beider Arten zu bleiben, denn die einzigen bedeutenderen Unterschiede von den andern einheimischen Clepsinen bestehen in der deutlichen Sonderung des Kopfes, dem verhältnissmässig grossen Saugnapf und der Anwesenheit der vor dem Magen gelegenen Anhänge des Nahrungskanals. Schliesslich mögen hier noch die Diagnosen beider Arten und ihre zahl- reichen Synonyme Platz finden; eine ausführlichere Beschreibung scheint mir durch die von O. F. Müller gegebene, an der nichts wesentliches zu ändern wäre, unnöthig gemacht. Clepsine tessulata. Corpus gelatinosum, mollissimum, dilatatum, cinereo-viride, dorso macularum flavescentium seriebus 2 — 6 notato, margine cinereo flavoque tessulato. Caput subdistinctum. Oculi 8, in series duas longitudinales antice convergentes dispositi. Long 18 — 20"', Lat. 4—5"'. Hirudo tessulata. O. F. Müll., Hist. verm. Tom. I, pars II, pg. 45. Hirudo tessulata, Der Spion. Braun, Syst. Beschreibung einiger Egelarten pg. 56. Tab. VI. Fig. 6 — 10. Hirudo (Erpobdella) tessellata. Blainville, Dict. des Sc. nat. Tom. 47. pg. 261. Erpobdella vulgaris var. tessulata. Id. Ibid. Tom. 57. pg. 564. Ichthyobdella tessellata. Id. Ibid. Tom. 57. pg. 558. Clepsine marginata. Corpus subcartilaginosum , dilatatum, fusco-viride , dorso macularum flave- scentium seriebus quatuor, linearum ejusdem coloris serie media notato, margine flavo-albofuscoque tessulato. Caput distinctissimum. Oculi 4, postici majores, magis inter se distantes. Long. 10'", Lat. 2 — 2 Y2'". i) Das Gefässsystem hat Filippi ganz übersehen; was er als Seitenstämme beschreibt, ist eine längs des Randes verlaufende Höhle ohne scharfe Conturen, welche sich, wenn das Thier stark zwischen zwei Glasplatten gedrückt wird, durch Zerreissung der Darmhaut mit dem Darminhalt füllt. Ich sah ein dünn- häutiges mit Klappen versehenes contractiles Rückengefäss, ein Bauchgefäss, und jederseits, doch bis jetzt noch nicht deutlich in ihrem ganzen Verlaufe, zwei Seitengefässe. Somit bedarf auch wohl Filippi's etwas abentheuerliche Ansicht (1. c. p. lo) von einem unmittelbaren Uebergang des Nahrungsstoffs aus dem Darmkanal in das Gefässsystem keiner besonderen Widerlegung. Die Contractionen des Rückengefässes lassen sich bei den kleinem durchsichtigen Arten und bei den Jungen der grossem unterm Mikroskop be- obachten; die Klappen öffnen sich, wenn der hinter ihnen, und schliessen sich, wenn der vor ihnen ge- legene Theil des Gefässes sich zusammenzieht. Hinido tessulata und marginata. e Hirudo marginata. O. F. Müll. Hist. vermium Tom. I, pars II, pg. 46. Hirudo variegata. Der gesellige Egel. Braun, Syst. Beschreib, einiger Egelarten, pg. 61. Tab. VII. Fig. 1—6. Hirudo cephalota. Carena, Mem. dell. Accad. di Torino. Vol. XXV. pg. 298, 316; Tab. XII, Fig. 19. Vol. XXVIII, pg. 336. Hirudo oscillatoria. Saint-Amans, Mem. de la Soc. Linn. de Paris. Tom. III, pg. 193, pl. VIII. Piscicola marginata. Moqu. Tand. Monogr. de la Fam. des Hirud. pg. 132. Tab. VII. Fig. 2. Piscicola tessellata. Id. Ibid. pg. 133. Tab. VII. Fig. 3. (excl. Synon. Hir. tessulata O. F. Müll.) Hirudo (Glossobdella) cephalota. Blainville, Dict. des Sc. nat. Tom. 47, pg. 266. Ichthyobdella marginata. Id. Ibid. Tom. 57, pg. 558. De Hirudinibus circa Berolinum hucusque observatis ^). „Caeterum, nullius in verba jurans, aliorum inventa consarcinare haud institui; quae ipse quaesivi, re- peri, repetitis vicibus diversoque tempore obser- vavi, propono." O. F. Mueller, Histor. vermium. Caput primum. § 1. Familiae diagnosis. Hirudinum 2) nomine vermes ann ulati designantur, setis et bran- chiis carentes, ore et ano praediti, pede disciformi^) carnoso fulcris cartilagineis destituto postice terminati. Quibus notis facile ab aliis omnibus vermibus distinguuntur. Discis enim suctoriis sie dictis praeter Hirudines nonnisi Entozoa Trematoda gaudent, genera- que dua incertae sedis, novissimis temporibus detecta, Gyrodactylus Nordm., et Myzostoma Leuck. (Cyclocirra J. Muell.) E quibus Trematoda ano carent, Gyro- dactylus discum radiis cartilagineis suffultum gerit, Myzostoma^) discis pluribus neque in extrema corporis parte positis, pedibusque praeterea parvis carnosis in- structum est. Quem locum in zoologiae systemate naturali Hirudinum familia obtineat, non satis inter auctores constat. Cuvier e. g. et Latreille cum Lumbricis, Naidibus, Gordiis in Abranchiorum Cuv. vel Enterobranchiorum Latr. ordine ponunt ^) ; cum Sipunculis in Apodum ordine Wiegmann "). Optime fortasse naturae convenientem haberes Burmeisteri '') sententiam, qui Hirudines cum Entozois Trematodibus et i) Dissertatio inauguralis zoologica quam consensu et auctoritate amplissimi philosophorum ordinis in alma literarura viniversitate Friderica Guilelma Berolinensi pro summis in philosophia honoribus rite capessendis die XIV. m. decembris A. MDCCCXLIV. h. 1. q. s. publice defendet auctor Fridericus Mueller Thuringus. Berolini, typis fratrum Schlesinger. 2) Annelides Hirudin^es Sav.; Entomozoaria Apoda Myzocephala Monocotylaria seu Bdellaria Blainv. (exclusis tarnen generibus Epibdella Bl., Nitzschia Baer, Axine Ok., Capsala Bosc, inter Entozoa Trema- toda potius referendis); Trematodes Ascocoeli Malacobdellei s. Hirudinei Burmeist. (hunc in familia circum- scribenda secutus sum). 3) seu, ut plerisque audit, disco suctorio; at talem non esse, Brandtius jam demonstravit. (Mediz. Zool. Bd. IL pg. 230.) 4) Cf. Lov6n, Wiegm. Archiv. 1842. Bd. I, pg. 306. Tab. VIII. 5) Cuvier, Rfegne animal, Tom. III; Latreille, familles nat. du regne animal. 1825. 6) Wiegmann, Handbuch der Zoologie. 7) Burmeister, Handbuch der Naturgesch. Bd. H. De Hinidinibus. ^ Planarieis (Turbellariis Dendrocoelis Ehrbg.) in eundem ordinem conjunxit, com- muni Trematodum nomine ab illo designatum. Planariis saltem Clepsinarum genus corporis forma depressa, proboscide qua nutrimentnm hauritur, intestino ad arboris instar in ramos diviso, sanguine decolorci aliisque notis haud absimile^). Sed structura interna diversissima; sanguinis circuitus e. g. in Hirudinibus omnibus vasorum contractione, in Trematodibus et Planariis motu vibratorio valvularam filiformium quae intra vasa existunt, efficitur ; nervorum systema in illis ad Articulatorum normam compositum, a qua et in Trematodibus, et, quantum innotuit^), in Planariis longe recedit, et quae alia. Ipse Savignyo potissimum et Milne-Edwards 3) adstipularer, qui ordinem vermium proprium hanc nostram familiam constituere arbitrantur. § 2. Forma externa. Hirudinum corpus plus minus elongatum, in aliis exacte cylindricum, in aliis subcylindricum, ventre piano, in aliis valde depressum, dilatatum; versus extremi- tatem utramque plus minus attenuatum; plerumque molle lubricum, in quibusdam duriusculum, cartilaginosum, in una e nostris specie mollissimum gelatinosum. Annulorum numerus secundum genera diversus, in codem vero animali constans, neque, ut in Lumbricis, aetate auctus. Caput et pedem versus annuli et angustiores et breviores fieri, ad latera corporis prominere solent, quo margo cre- natus vel dentatus apparet. Caput, i. e. maxime antica corporis pars oculos gerens, maxillas et annulum nerveum qui oesophagum cingit includens, modo distinctc a corpore separatum, modo prorsus cum eo confusum est; modo annulis pluribus compositum, m^do exannulatum. Contractione peculiari in disci formam redactum affigendo inservit. Oculis plerumque binis usque denis instructum est, in figuras varias in superiore ejus facie dispositis; raro oculis caret. Oculi non e simplicibus pigmenti acervulis constant, sed sphaeras referunt, quarum altera dimidia pars pellucida, altera pig- mento in pullis rubro, in adultis nigro vestita est. Quam oculorum structuram, a Brandtio jam in Sanguisuga observatam, ipse distinctissime in Aulastomate, Xcphe- lide, Clepsinis omnibus, minus distincte in Piscicola vidi. Os raro (in Branchiobdella) exacte terminale, plerumque subinferum, annulis primis incompletis ad labri instar prominentibus. In aliis inerme, in aliis maxillis tribus (superiore duabusque lateralibus) vel duabus (superiore et inferiore), in aliis denique proboscide exsertili tubulosa armatum. Postice corpus pedC^) disciformi carnoso, ex annulis pluribus confusis, uti ganglia docent, exorto terminatur, modo exacte terminali, h. e. in axem corporis 1) Magis adhuc ad Planarias et Trematoda accedere videtur Malacobdella grossa Blainv. (Hirudo grossa O. F. Muell. Zool. D. Prodr.) in Molluscorum quorundam marinorum pallio parasitica, atque Hirudinula illa, quam in Caligo curto Kröyer observavit. (cf. Isis, 1841 pg. 195.) 2) F. F. Schulze, De Planariarum vivendi rat. etc. pg. 39. 3) Savigy, Systeme des Annelides. — Milne-Edwards, in Lamarck, An. sans vertibres. Ed. II. 4) Pedis nomen servavi, quia usum organi optime exprimit; aptius fortasse cauda diceretur; sicuti enim in cauda Vertebratorum medulla dorsalis, ita hie medulla ventralis ultra anum prolongatur. Anuni supra caudam situm esse, multis mirum visum est; quod ad me, si infra inveniretur, aeque mirum mihi videretur, ac si in Vertebrato quodam rectum columnam vertebrarum perforans in dorso aperiretur. 8 De Hirudinibus. perpendiculari, modo oblique terminali, modo infero. Supra pedem in dorsi fine an US Situs est Capite et pede alternatim affixis, erucarum geometrarum more Hirudines progrediuntur. Quaedam corpore musculorum a dorso ad ventrem descendentium ope deplanato et ancipite reddito habilissime natare, aliae corpus in globum involvere valent. § 3, Partes internae. Tractus intestinalis duae praesertim in Hirudinibus observantur formae diversae, vario nutrimenti genere definitae. Nam omnes quidem e regno animali victum petunt, sed aliae (Nephelis, Aulastoma) partes solidas devorant, aliae (San- guisuga, Haemopis, Piscicola, Clepsine) succos tantum animalium exsugunt. Ulis Oesophagus longus carnosus inermis aut maxillis minutis armatus, plicis fortibus longitudinalibus instructus; ventriculus amplus tubum simplicem vix in quinto quovis annulo parum angustatum referens, appendicibus lateralibus aut prorsus destitutus aut ad extremitatem posticam duabus gracillimis donatus; in- testinum amplum, in parte anteriore plicis validis circularibus rugulosis munitum, in anum maximum abiens. His tractus intestinalis minus simplex. Oesophagus in Sanguisuga et Haemo- pide brevis musculosus maxillis tribus validis armatus, in Clepsine membranaceus proboscidem musculosam cylindricam basi in bulbum incrassatam includens. Ventri- culus appendicibus lateralibus coecis, quarum numerus in variis varius, instructus, atque in Sanguisuga et Haemopide sphincteribus in plures quasi divisus; appendi- cum par ultimum ceteris plerumque multo longius, juxta et sub intestino versus posteriora descendens. Intestinum angustum, in Sanguisuga, Haemopide, Piscicola exappendiculatum, in Clepsine appendicum lateralium paribus quatuor instructum. Rectum angustissimum in anum exiguum desinens. Digestio in iis, qui partibus solidis vescuntur, celerrime, in iis qui sanguinem sugunt, lentius fit, et minus quidem lente in iis qui Molluscorum, lentissime in iis qui Vertebratorum sanguinem. Aulastoma e. g. in una hebdomade Nephelides duodecim devorare vidi ; Clepsinae hyalinae, quae Planorbium succis nutritur, diebus quatuor usque octo, Clepsinae marginatae, quae Pisces et Batrachia aggreditur, mensibus sex et ultra ad coenam unicam digerendam opus esse observavi; imo Sanguisugae annorum plurium spatio egere dicuntur. Quod ad glandulas secernentes attinet cum canali alimentari conjunctas, hepar Hirudinibus omnibus esse videtur. In Sanguisuga, Aulastomate, Nephelide telam illam fuscam vel flavescentem spongiosam constituit, quae undique fere tractum intestinalem cingens totum paene inter illum et corporis parietes spatium occupat. In Branchiobdella coecula brevissima refert, globulos virescentes includentia quibus totus canalis alimentaris, oesophago et recto exceptis, circumdatur. In Clepsine tessulata supra ventriculi superficiem ductuli flavescentes observantur, quorum plures e centro communi radiorum instar progrediuntur; acidi nitrici pauxillo adjecto color eorum viridis evadit, quo ductulos hepaticos esse probatur. (xlandulas salivales Brandt in Sanguisugis observavit. Vasorum systema formas duas offert typice diversas; in aliis enim (San- guisuga, Aulastomate, Nephelide) circulatio horizontalis, in aliis (Branchiobdella, Piscicola, Clepsine) verticaUs. De Hirudinibus. q Ulis vasa dua lateralia, quae contrahendo sanguinem propellunt; vas ventrale gangliorum scriem cum mcdulla ventrali includens; vas dorsale in aliis satis magnum, in aliis (Nephelide) fortasse nulluni. Sanguis, in omnibus hisce ruber- rimus, in altero semper vase laterali prorsum, in altero retrorsum fluit. Directio vero fluendi pluries per horam mutatur, ita ut mox in vase dextro prorsum, in sinistro retrorsum, mox in dextro retrorsum, in sinistro prorsum fluat. Simul fluctuatio existit, qua sanguis ab altero ad altcrum latus per vascula transversa transit ^). His vas dorsale contractile, cordis munere fungens, in Piscicola et Clepsine valvulis instructum. Vas ventrale medullam ventralem non includens; hoc quoque in Branchiobdella et Piscicola contrahitur; num in Clepsine, nescio; valvulis etiam in Piscicola munitum. Vasa lateralia in Branchiobdella non hucusque reperta; in Piscicola dua valvulis destituta, non contractilia ; in Clepsine, uti videtur, plura exigua, rete singulare formantia, quorum tamen decursum completum plane per- spicere nondum valui. Sanguinem pallidiorem, rubescentcm, flavesccntem , vel omni colore destitutum, in Branchiobdella et Clepsine vase dorsali prorsum semper propelli vidi, in Piscicola quoque valvulae directionis mutationem vetare vidcntur ^). Respiratio, cujus Organa peculiaria desiderantur ^), in reti capillari cutaneo fieri videtur. Cui ut reccns semper aqua advehatur, singulari modo, secundum genera vario, corpus moveri solet. In aliis enim corpus solo pede (in Sanguisuga et affinibus), vel pede simul et capite (in Clepsine) fixum motu undulatorio sursum et deorsum flectitur ; in aliis (Piscicola, Branchiobdella) corpus pede fixum atque in lineam rectam extensum coni superficiem describit, cujus apex in pede positus est. Ad utrumque corporis latus prope vas laterale in quinto quovis annulo in Sanguisuga et Aulastomate vesiculae parvae membranaceae sitae sunt, in facie ventrali apertae, quibuscum canales in ansam flexi (schleifenförmige Organe auctorum) cohaerent. Hae respirationis organa a pluribus habitae atque vesiculae respiratoriae nuncupatae. Nihil vero cum respiratione commune eas habere, eo jam patet, quod si Sanguisugam vivam aperire velis, eas prorsus albas neque vero reti respiratorio praeditas invenies. Id potius iis tribuendum videtur munus, ut mucum quo corpus lubricum reddatur, secernant. Nervorum systema Articulatorum typum sequitur; habent enim ganghon oesophago superpositum (cerebrale); et gangliorum ventralium seriem, filis binis i) In Nephelide vulgari facile hie circulationis modus observari potest, si modo individua pcllucidiora eliguntur; expositionem ejus accuratissimam figuris illustratam dedit J. Mueller (Meckels Archiv, 1828 pg. 22. Tab. I, fig. I et 2). Cf. etiam Duges, Ann. des Sc. nat. Tom. 15 pg. 308. R. Wagner, Isis 1832 pg. 635 sqq. In Sanguisuga quoque et Aulastomate, si viva apeiiuntur, vasorum lateralium contractiones facile conspiciuntur. 2) Facillime in Clepsinis pullis sub microscopio vasis dorsalis contractiones et valvulae observantur. Vas dorsale amplum, valde flexuosum, in tertio quovis annulo valvula instructum, cujus forma simiiis, ac in Piscicola. In Clepsine tessulata caute a dorso aperta lentis jam ope valvulas conspicies. De Piscicola, quam ipse non dissecui, cf. Leo, Muellers Archiv 1835. pg. 419 sqq. Tab. XI. 3) Branchiae Hirudinibus omnibus deesse videntur; nam in Brancheliio Sav. ([uoquc ap|)cndices illas laterales branchiiformes, quibus hoc genus excelht, nihil de branchiarum natura habere Blainville obsenavit. (Dict. des Sc. nat. Tom. 57 pg. 557.) Etiamsi vero branchiae hae essent, tamen cum Hirudinibus potius hunc vermem conjungerem, quam cum Arenicola, toto coelo diversa, uti Latreillium fecissc videmus. (Famill. natur. du regne anim. pg. 244.) j^ De Hirudinibus. valde sibi approximatis conjunctorum. Ganglion ventrale primum cum cerebral! filis binis oesophagum cingentibus cohaeret; ganglion ultimum, in pede positum, maximum, e pluribus coalitum. Numerus gangliorum ventralium viginti duo omnibus esse videtur, Branchiobdella excepta, cui decem tantum; singula aequali a se in- vicem distant annulorum numero, secundum genera diverso ; annulis quinis nimirum in Sanguisuga et affinibus, (quaternis in Albione), ternis in Clepsine, binis in Bran- chiobdella Astaci, singulis in Piscicola. Quo fit, ut gangliorum numero haud mu- tato centum circa annuli in Sanguisuga, sexaginta ^) in Clepsine, viginti in Piscicola numerentur. Eodem modo, ut ganglia, alia quoque Organa pluries obvia in quinto quovis annulo in Sanguisuga, tertio in Clepsine repetuntur; quae ratio numerica jam etiam extrinsecus in colorum dispositione apparet. Quod ut brevi designetur, Sanguisugarum annuli quinati, Clepsinarum ternati (SegmensternesSav.) dicipossent. Nervus sympathicus in Sanguisuga a Brandtio observatus; gangliis tribus con- stat minutis pone maxillas positis, quae cum cerebro filis tenuissimis conjunguntur, et filo nerveo exiguo supra ventriculum decurrente. Hirudines omnes hermaphroditae ; aperturae genitales, anterior et posterior, in linea media ventris, capiti propiores, sitae. Partium genitalium internarum fabricam hie transeam, uberius hanc in capite tertio expositurus. § 4. Generum diagnoses. Hirudines omnes uno eodemque genere Linnaeus amplectebatur ; at, cum postea accuratiori examini subjectas tantopere inter se differre pateret, ut vix tam arcto generis vinculo conjungi posse viderentur, unicum illud Linnaeanum genus a Savignyo aliisque in plura minora dissolvebatur ; jamque, quod genus antea fuerat, familiae dignitatem accepit. E quibus generibus, quae intra Germaniae fines occurrunt, ita distinguuntur: Sect. L Corpus valde depressum, dilatatum, in globum se in- volvens. Caput a corpore discretum aut indiscretum, ex annulis pluribus compositum, Annuli ternati. Genus i. Clepsine. Os edentatum, proboscide exsertili armatum. Oculi (2 — 8.) Sectio II. Corpuselongatum,plusminusdepressum,angustum. Caput a corpore haud discretum ex annulis pluribus compositum. Annuli quinati. A. Oesophagus longus. Anus maximus. Genus 2. Nephelis. Os inerme. Oesophagus plicis tribus longitudinalibus. Oculi 8. Genus 3. Aulastoma. Os maxillis tribus minutis armatum. Oesophagus plicis longitudinalibus numerosis. Oculi 10. B. Oesophagus brevi s. Anus exiguus. Genus 4. Haemopis. Maxillae tres validae non compressae, obtuse parum dentatae. Oculi 10. i) Neque vero 76, ut Moquin-Tandon dicit. De Hiradinibus. Genus 5. Sanguisuga. Maxillae tres validae, compressae, argute multidentatae. Oculi 10. Sectio IIL Corpus elongatum teres. Caput a corpore discre- tum, exannulatum. Genus 6. Piscicola. Annuli vix distincti. Maxillae nullae. Oculi. Genus 7. Branchiobdella. Annuli distinctissimi. Maxillae duae planae tri- anguläres. Oculi nulli. § 5. Generum in sectiones distributio. Plures jam auctores Hirudinum genera in sectiones distribuere conati sunt, alio aliam sibi notam externam pro dividendi norma assumente; appendices bran- chiiformes e. g., capitis et oris formam Savignyo '), oculorum praesentiam et defectum Latreillio 2), maxillarum evolutionem Burmeistero 3). At, cum ex totius organismi constructione vivendique ratione, neque vero e singulo quodam charactere. quem e reliquorum complexu pro libitu tibi elegeris, omnis classificatio naturalis derivanda sit, quid mirum, parum et inter se, et cum ipsa horum animalium natura has distributiones convenire; modo enim genera diversissima (Clepsine et Sanguisuga; Trochetia et Branchiobdella; Piscicola, Clepsine et Nephelis) in eandem sectionem conjuncta, modo similia (Aulastoma, Sanguisuga) in diversas divulsa videmus. Mihi, quae apud nos obviam veniunt genera (exclusis igitur Branchellio Sav., Albione Sav., Trochetia Dutr., Bdella Sav., Malacobdella Blainv.) in tres quas supra proposui sectiones dividenda videntur, habitu externo, partium internarum fabrica, vivendi modo distinctissimas, quarum notas brevi sequentibus exponam. Sectio prima Clepsinarum genus amplectitur. His corpus valde depressum, plus minus dilatatum, subtus planum vel concavum, facultate in globum sese in- volvendi donatum; qua facultate, si vivas observas, primo intuitu distinguuntur. Annuli ternati. Caput modo distinctum, modo indistinctum, annulatum. Pes inferus. i) Sect. I. Sangsues Branchelliennes. Des branchies saillans. Ventouse orale d'une seule piece Separee du corps par un fort etranglement. Ouvertüre circulaire. Branchellio n. Sect. 2. Sangsues Albioniennes. Point de branchies. Ventouse orale d'une seule pi^ce separ^e du corps par un fort etranglement. Ouvertüre sensiblement longitudinale. Albione. Haemo- c h a r i s (= Piscicola) . Sect. 3. Sangsues Bdelliennes. Point de branchies. Ventouse orale de plusieures pi^ces, peu ou point separ^e du reste du corps; ouverture transverse comme ä deux lövres. Bdella. Sangui- suga. Haemopis. Nephelis. Clepsine. cf. Sav. Syst. des. Annd. pg. io6. 2) I. Point d'yeux. Trochetia, Branchiobdella. II. Des yeux. A. Albione Haemocharis. B. Bdella. Sanguisuga. Nephelis. Haemopis. Clepsine. Latr. Famill. nat. du rögne anim. pg. 246. 3) A. Ohne oder mit un vollkommnen Kiefern. Branchiobdella. Piscicola. Clepsine. Nephelis. Albione. Aulastoma. B. Mit grösseren harten am Rande meist gezähnten Kiefern. Haemopis. Hirudo {= Sanguisuga) Bdella. Burmeister, Handb. der Naturgesch. Bd. II. 12 De Hirudinibus. Oculi 2, 4, 6, vel 8. in series duas longitudinales parallelas vel antice convergentes dispositi. Oesophagus plus minus longus, membranaceus, proboscide tubulosa ex- sertili armatus. Maxillae nullae. Ventriculus et intestinum appendicibus coecis lateralibus utrinque instructa. Circulatio verticalis, vase dorsali nimirum sanguinem colore destitutum propellente. Vas ventrale gangliorum seriem non includens. Ganglion quodvis nervorum par unicum emittens. Ova, in capsulam cartilagineam haud inclusa, aut sub ventre secum gerunt, aut ad corpora aliena deposita, quiete iis donec pulli excludantur supersedentes, quasi incubant. Pullos ventri affixos secum portant. Pede et capite fixis corpus motu undulatorio flectere amant. Natare nequeunt. Sectione secunda genera Nephelis, Aulastoma, Haemopis, Sanguisuga com- prehenduntur. His corpus elongatum angustum , plus minus depressum , capite indistincto annulato, pede oblique terminali, annulis quinatis, Oculi 8 vel lo, in figuram semicircularem vel hippocrepidiformem dispositi. Oesophagus musculosus, proboscide carens. Maxillae tres, vel, si desunt, oesophagi plicae tres longitudinales. Ventriculus appendicibus lateralibus saepius instructus; intestinum semper iis caret. Circulatio horizontalis, vasis lateralibus nimirum pulsantibus. Sanguis ruberrimus. Vas ventrale gangliorum seriem includens. Ganglion quodvis nervorum paria dua emittens. Ova plura pariunt in capsulam cartilagineam communem inclusa ^). Ovis depositis mater prolis non amplius curam habet. Pede fixo corpus antice liberum motu undulatorio flectere solent. Corpore deplanato habilissime natant. Tertiam denique sectionem Piscicola et Branchiobdella constituunt. Horum corpus teres, elongatum, capite distincto, exannulato, pede exacte terminali. Proboscis nulla; maxillae nullae, aut duae planae trianguläres. Intestinum exappendiculatum, Circulatio verticalis, vasibus dorsali et ventrali contractilibus. Sanguis pallide rubens vel flavescens. Vas ventrale gangliorum seriem haud includens. Ova capsulis cartilagineis tecta pariunt; num vero hae capsulae embryones singulos includant, an plures, nondum, quantum scio, constat. In Branchiobdellae capsulis omnibus, quas perscrutatus sum, pullos singulos vidi. Prolis cura nulla. Pede fixae corpore in lineam rectam extenso conum describere amant. Parasitice in Piscibus et Crustaceis vitam degunt^). i) Hae ovonim capsulae, quales Hiradinum genera lau data, Lumbricini, Naides pariunt, nullo modo, ut saepius fit, cum Planariarum (lacteae, torvae etc.) ovis comparari possunt, omnino diversis. Illae enim (Nephelidis saltem et Lumbricinorum plurium, quas observavi) ova completa vitello, albumine, chorio com- posita, materia nutriente structuram nuUam offerente circumdata includunt. In Planariarum contra ovis recenter partis ne ullum quidem germinis vestigium conspicuum ; tota cellulis granula minutissima globulosque majores continentibus repleta, quae primo post partum tempore motu singulari quasi peristaltico, a celeberrimo v. Siebold detecto praeditae sunt. Sero demum prima embryonum vestigia apparent. Praeterea Planariarum ova in ipso jam matris utero formantur; capsulae vero (in plerisque saltem, si non in omnibus) extra, muci superficie, quo involuta ova eduntur, in integumentum cartilagineum coagulante. 2) Quod ad locvun attinet generibus extra patriae fines obviis assignandum, cum parum de eorum structura interna sciamus, incertas tantum de eo conjecturas proferre licet. Branchellion Sav. tribum proprium constituere videtur, Malacobdella Blv. in Clepsinarum fortasse vicinio coliocanda, Albione cum Piscicola et Branchiobdella conjungenda erit. Bdella Sav. (Limnatis Moqu. Td.) et Trochetia Dutr. quin sectioni nostrae secundae adscribendae, vix dubito. Ejusdem sectionis Hirudinem lineatam O. F. Müll, esse suspicor, etiamsi oculorum (sex) numcro differat. Quae omnia accuratius horum animalium examen postea docebit. De Hirudinibus. t ^ § 6. Mutuae generum relationes. Quod ad mutuas relationes attinet, quae inter singula genera existunt, Clepsinae notis plerisque ab aliis omnibus longe recedenti Nephelis quodammodo accedit genitalium femineorum structura (cf. Cap. III). Nephelidi proximum Aulastoma nutrimenti genere ideoque canalis alimentaris fabrica. Haec enim sola e nostris genera partibus solidis (vermiculis, carne etc.) vescuntur. Utrique Oesophagus longus carnosus, ventriculus amplus simpliciter tubulosus, intestinum aeque amplum, in anum, ut pro tali nutrimenti genere opus est, maximum abiens. Jam vero Aulastoma maxillis exiguis et appendicum ventriculi pari unico gracili a Nephelide transitum struit ad Haemopidem et Sanguisugam, maxillis validis armatas, appendicibus ventriculi numerosis amplissimis instructas. Qui- buscum etiam oculorum numero, genitalium structura, aliisque notis congruit. Haemopis et Sanguisuga arctissimo affinitatis vinculo conjunctae et vix in duo genera sejungendae, oesophago brevi, maxillis validis armato; ventriculo appendicibus amplissimis instructo et sphincteribus in plures quasi diviso ; intestino angusto in anum exiguum aperto a reliquis discrepantes, levioribus tantum inter se differunt notis; maxillis nimirum in Haemopide non compressis, dentes paucos obtusos, in Sanguisuga compressis, dentes plurimos acutos gerentibus, et genitalium masculorum structura. Piscicola systemate vasorum, vase dorsali nimirum contractili valvulis instructo, et epididymide haud in glandulae formam contorta (cf. Cap. III.) cum Clepsine congruit, intestini forma ad Haemopidem et Sanguisugam accedere videtur. Branchiobdella denique, Piscicolae quidem inter omnes simillima, multis tarnen rationibus, pro parte, ut oculorum defectus, e vita parasitica explicandis, et ab hac, et aliis omnibus Hirudinibus longe recedit. Caput secundum. Hirudinum Berolinensium expositio systematica. Sectio I. Hirudines corpore valde depresso dilatato in glo- bum se involvente; capite distincto aut indistincto, annulis plu- ribus composito, annulis ternatis. Genus L Clepsine. Os edentatum proboscide exsertili armatum. Oculi (2—8.) Hirudines dilatatae subtus planae vel concavae, dorso elevatae; pullos secum ferentes. Braun. Glossiphonia et Glossopora Rawl. Johns. Helluo spec. Oleen. Clepsine Sav. Glossobdella Blainv. Clepsinis omnibus corpus plus minus pellucidum, modo duriusculum cartilagi- nosum, modo moUissimum gelatinosum, coloribus minus obscuris utplurimum ornatum. j . De Hirudinibus. Tractus intestinalis magis quam in alio ullo genere complicatus. Oesophagus plerisque longus membranaceus, proboscidem carnosam tubulosam cylindricam basi in bulbum incrassatam includens, Haec in aliis (ut Cl. hyalina) maxima quartam fere corporis partem longitudine aequans, in aliis (Cl. tessulata) valde exigua facile praetervidenda ; antice crenata apparet; protruditur musculis gracilibus ab oris regione ad bulbum proboscidis descendentibus ; retrahitur fibris muscularibus a postica bulbi parte in ventriculi parietes dispersis. Oesophagum sequitur ventriculus longus angustus appendicum coecarum paribus 5 usque 7 (in nostris) instructus. Hae plus minus longae, modo simplices, modo in ramos plures divisae ; par ultimum ceteris plerumque multo longius ad utrumque corporis latus versus posteriora des- cendens, appendicibus secundariis in latere exteriore interdum instructum ; raro (in Cl. verrucata) anterioribus vix longius. Praeter haec 5 — 7 appendicum paria omnibus communia in Cl. marginata et tessulata ventriculus alio adhuc appendicum systemate gaudet, proventriculum quasi constituente. (cf. pg. 15.) Inter ultimum appendicum ventriculi par intestinum tenue descendit, appendicum lateralium paribus quatuor instructum. Hoc in pellucidioribus (Cl. hyalina, tessulata) motus peristaltici phae- nomenon offert. Tum pars brevis in globulum dilatata sequitur, e qua rectum an- gustum spiraliter saepius tortum egreditur, in anum exiguum loco solito situm abiens. Aliae, quibus hoc genus excellit, notae supra jam expositae (Cap. I. § 5.); id tantum hie adjiciam, nervorum par illud unicum e quovis ganglio ventrali pro- grediens modo dimidiam corporis latitudinem indivisum percurrere (ut in Cl. verru- cata, complanata), modo paulo postquam e ganglio egressum, in ramos plures solvi (ut in Cl. tessulata). Clepsinae aquas puriores fossarum, lacuum, fluviorum habitant. Extra aquam mox pereunt. Nutriuntur aliae Molluscorum, aliae Vertebratorum sanguine. Pullos ventre affixos secum portant I. Clepsine marginata mihi ^). Corpus subcartilaginosum, dilatatum, fuscoviride, dorso ma- cularum f lavescentium seriebus4, linearum ejusdem coloris serie media notato; margine flavo, albo, fuscoque tessulato. Oculi 4, postici majores magis inter se distantes. Long. max. 10'". Hirudo marginata O. F. Muell. Hist. verm. Tom. I. pars II. pg. 46. Hir. variegata. Der gesellige Egel. Braun, Systemat. Beschreib, einiger Egelarten. pg. 61. Tab. VII, fig. I — 6. Hir. cephalota Carena, Mem. dell. Accad. di Torino. Vol. XXV. pg. 298. Tab. XII, fig 19. Vol. XXVIII. pag. 336. Hir. oscillatoria Saint-Amans. Mem. de la Soc. Linneenne de Paris. Tom. III. pg. 193. pl. VIII. Piscicola marginata Moqu. Tand. Monograph. de la Fam. des Hirud. pg. 132. Tab. VII. fig. 2. Piscicola tessellata Id. Ibid. pg. 133. Tab. VII, fig. 3. (exclus. synon. Hir. tessulata O. F. Muell.) Hir. (Glossobdella) cephalota Blainv. Dict. des Sc. nat. Tom. 47. pg. 266. Ichthyobdella marginata Id. Ibid. Tom. 57. pg. 588. I) Hujus generis et hanc et sequentem speciem esse, alio jam loco (Wiegmann's Archiv 1844. Bd. i. pg- 370) uberius demonstravi. De Hiradinibus. , c Corporis color admodum variat, plerumque fusco viridis, interdum pulcherrime viridis, interdum viridi-flavus, ventre semper pallidiore. Dorsum punctorum fla- vescentium annulis ternis distantium sericbus 4 longitudinalibus; inter quas series alia linearum transversalium ejusdem coloris e punctis singulis interdum compo- sitarum observatur. Margo subinteger. Caput distinctum, ovale, apice mar- ginibusque hyalinum, striis fuscis transversis et maculis flavescentibus una media duabusque utrinque lateralibus ornatum. Oculi 4, quorum duo postici majores magis inter se distant. Pes magnus corporis fere latitudine, radiis fuscis punctis- que flavescentibus radiis interpositis ornatus. Intestinum extrinsecus plerumque conspicuum, viride, flavum vel ruberrimum. Ventriculi proprii appendices utrinque Septem, quarum sex priores transversae in ramos tres, saepe varie crenatos vel lobatos dividuntur, ultima vero juxta corporis latera ad pedem usque extensa latero externo appendicibus secundariis quinque bifurcis munita est. Ante ventriculum proprium aliud appendicum systema, proventriculus, paribus 4 constans, quorum pri- mum prorsum, secundum et tertium lateraliter, quartum retrorsum spectat. Intestini tenuis, ut in omnibus, appendices utrinque 4. Proboscis parva. Juniores angustae, Piscicolae habitu haud absimiles ; adultae dilatatae. Amoris tempore testiculorum paria undecim et Ovaria extrinsecus pellucent ^). Habitat aquas puriores rivorum et lacuum, ubi haud infrequens ad plantarum folia et ramos arborum dejectos offenditur. (Thiergarten, See bei Tegel, Grunewald.) Per totam Europam occurrere videtur; in Dania ab O. F. Muellero, in Ger- mania a Braunio et memet ipso, in Italia a Carena, in Gallia a Saint-Amans pul- cherrima haecce omnium species observata est. Batrachiorum gyrinis sanguinem eam exsugere vidi ; Mollusca non aggreditur. Mensibus Majo et Junio ovorum (60 — 80) flavo-viridium parit acervum, cui quiete supersedet, donec pulli post hebdomadem circa exclusi matris ventri sese affigant, et ab illa secum ferantur. 2. Clepsine tessulata mihi. Corpus gelatinös um mollissimum dilatatum, cinereo- viride, dorso macularum flavescentium seriebus 2— önotato. Caput sub- distinctum. Oculi 8, in series duas longitudinaies antice conver- gentes dispositi. Long. 18'" Hirudo tessulata O. F. Muell. Hist. verm. Tom. I, p. IL pg- 45- — — , Der Spion, Braun, Systemat. Beschr. pg. 56. Tab. VI. flg. 6—10. Hirudo (Erpobdella) tessulata Blainv. Dict. des Sc. nat. Tom. 47. pg. 261. Erpobdella vulgaris var. tessellata. Id. Ibid. Tom. 57. pg. 584. Ichthyobdella tessellata. Id. Ibid. Tom. 57. pg. 558. Corpus mollissimum, quäle in Medusis, in junioribus angustius, in adultis latissimum, cinereo-viride, rarius pallide violaceum, atomis fuscis adspersum. In dorso maculae flavescentes series duas v. plures longitudinaies constituentes ; in ventre aperturae genitales macularum albidarum instar conspicuae. Margo leviter crenatus. I) Quas Saint-Amans (1. c.) describit ventris maculas sanguineas „en forme d'y grec," ventncuh appendices fuisse suspicor. j^ De Hirudinibus. Caput orbiculare, animali quiescente, ut iam O. F. Mueller notavit, a cauda vix distinguendum. Oculi 8, in series duas longitudinales dispositi, atri, areis albis cincti. — Intestini appendicum numero cum Clepsine marginata congruit, forma differt. Ventriculi enim appendicum paria sex priora itemque paris ultimi appendices secun- dariae simplices neque ramosae vel bifurcae. Proboscis tam exigua ut vix quar- tam tertiamve capitis partem longitudine aequet. — Testiculorum paria sex amoris tempore extrinsecus conspicua. Elegantem hanc speciem in Dania O. F. Mueller detexit; juniora exempla Braun prope Neo-Ruppinum observavit. Alibi hucusque nondum reperta esse videtur. Ipse in lacu prope Tegel inveni, ubi rarissima ad arborum ramos dejectos et in Anodontum testis vacuis occurrit. Vertebratorum, (piscium vel Batrachiorum) sanguine nutriri videtur, ut Cl. marginata. Saepius enim contento sanguineo vel atropurpureo ventriculum scaten- tem reperi, Mollusca vero, quae ei obtuli, nunquam aggressa est. Mense Junio ova plurima (trecenta O. F. Mueller, CL et supra ego numeravimus) saturate vitellina deponit, iisque donec pulli excludantur, quasi incubat. Aspectum quo nil pulchrius mater offert pullis centum et quod excedit onusta; in quovis enim pullo ventriculus elegantissime pinnatus, vitello virescente farctus, oculique octo coccinei conspicui. Mirum est, quanta de hac specie tam clare et distincte ab O. F. Muellero descripta apud Blainvilleum et Moquin-Tandonium confusio. Blainville enim ocu- lorum numero ductus Nephelidi generi eam adnumeravit ipsique postea Nephe- lidi vulgari tanquam varietatem subjunxit. Moquin-Tandon, qua solet levitate, Hirudinem oscillatoriam Saint-Amans hanc Muelleri speciem esse arbitratus, Pisci- colae generi eam adscripsit; imo vero tantum abest, ut vix a Clepsine tessulata Hir. oscillatoria differat (Moqu. Td. Monogr. pg. i8), ut vix ullam potius reperire possis notam, qua Saint-Amansii cum exactissima O. F. Muelleri descriptione congruat. 3. Clepsine verrucata mihi. Corpus subcartilaginosum dilatatum antice vix angustatum, dorso viridi-fuscescenteverrucarum valdeprominentium seriebus sex notatum. Caput subdistinctum. Oculi 6 (rarissime 4) seriebus duabus longitudinalibus subparallelis dispositi. Appendicum ventriculi paria 7, par ultimum inter appendicum intestini par primum et secundum terminatum^). i) Non potui quin hunc characterem magis anatomicum quam zoologicum in diagnosin reciperem ; quamvis enim toto jam habitu satis a sequente differat, nullas tarnen reperire valui notas extemas quibus satis distincte ab ea discematur. Ceterum haec quoque nota quodammodo externa, intestino nimirum sae- pissime, quoties cibo repletum, extrinsecus conspicuo. Alias quoque quae apud nos occurrunt species, si cibo repletas invenias, facillime paris ultimi appendicum ventriculi longitudine et forma distinguere poteris. Terminatur enim ultimum ventriculi appendicum par inter intestini appendicum A. par primum et secundum in Cl. verrucata, B. - secundum et tertium in Cl. com plan ata, C. - tertium et quartum inCl. bioculata. De Hirudinibus. . _ Long. 14'". Corpus dilatatum aequali fere, in animali quiescente, antice et postice latitudine. Dorsi color primarius virescens, lineolis vero fuscis creberrimis fuscescit. Verrucae conicae albidae, valde prominentes seriebus sex longitudinalibus supra dorsum dispositae ; aliae minores irregulariter sparsae. Verrucarum series duae intermediae lineis fuscis longitudinalibus conjunctae. Margo crenatus pallidior. Venter albo- virescens, atomis fuscis minutis adspersus ; in anteriore ventris parte pori genitales conspicui, annulis fuscis utplurimum cincti. Caput subdistinctum, quando protenditur semiellipticum, affixum orbiculare, pedi tunc, si a ventre adspicias, simillimum; apice album, postice fasciis pallide fuscis transversis notatum. Annuli corporis duo v. tres capiti proximi reliquis multo obscuriores, nigricantes, coUare quasi formantes. Oculi sex, vix unquam quatuor, in lineas duas longitudinales subparallelas dispositi. Proboscis ut in sequentibus omnibus magna. Ventriculi appendicum paria 7, gracilia, leviter retrorsum arcuata; par ultimum jam ante secundum intestini appen- dicum par terminatum. Intestini appendicum par primum breve, paria tria ultima sat longa gracilia retrorsum arcuata. A Clepsine complanata, cui simillima, differt magnitudine, corpore minus cartilaginoso molliore, crassiore, antice minus angustato; colore; poris genitalibus annulo obscuro cinctis; capite subdistincto ; verrucarum dorsi numero, forma, colore; intestini denique appendicum numero et forma. Haec sola nota per omnem aetatem constans; jam enim pullos vix exclusos matris ventri adhuc adhaerentes facile ea distingues. Moribus quoque differt; complanata omnium segnissima, haec multo vividior. Reperi hanc speciem, nondum quantum scio observatam, vel cum complanata confusam, in lacu prope Tegel, ubi rara ad ramos arborum dejectos occurrit. Mollusca Gasteropoda exsugit. Ova non observavi ; at puUis plurimis (centum et ultra) onustas plures mensibus Majo et Junio offendi. 4. Clepsine complanata Sav. Corpus subcartilaginosum duriusculum dilatatum antice acu- minatum, cinereo vel fusco viride, dorso f usco-maculato, verru- carum vix prominentium seriebus duabus longitudinalibus no- tatum. Caput indistinctum. Oculi sex in series duas longitudi- nales subparallelas dispositi. Appendicum ventriculi paria sex, par ultimum inter appendicum intestini par secundum et tertium terminatum. D. pone par quartum in reliquis, et tunc quidem: a. appendicibus secundariis aut caret, in Cl. Carenae, b. aut instructum est, et quidem : a. quatuor in Cl. hyalina, ß. quinque, 1. simplicibus in Cl. tessulata, 2. bifurcis in Cl. margin ata. Fritz Müllers gesammelte Schriften. ^o De Hinidinibus. Long. 12'". Hirudo complanata O. F. Muell. Hist verm. Tom. I, pars II, pg. 47. — Carena, Mem. dell. Acad. di Torino. Tom. XXV. pg. 297. — , Der Faule, Braun, Syst. Beschreib, pg. 58, Taf. VI, fig. 11 — 16. Glossiphonia tuberculata Rawl. Johns. Treatise on the med. Leech. pg. 25. Glossopora tuberculata. Id. Further Observ. on the med. Leech. pg. 49. Clepsine complanata Sav. Syst. des Annelides, pg. 120. — — Moqu. Tand. Monogr. pg. 10 1. Tab. IV, fig. i. — — Filippi, Lettera sopra l'anatomia e lo sviluppo delle Clepsine. Pavia 1839. pg. 5. Glossobdella complanata. Blainv. Dict. des Sc. nat. Tom. 47. pg. 263, Tom. 57. pg. 515. Corpus dilatatum, maxime depressum, duriusculum (presque crustace Moqu. Td.), antice acuminatum, in caput indiscretum sensim abiens. Color admodum variat; dorsum plerumque fusco vel cinereo viride, interdum griseum, rarissime rubescens, punctis et lineolis fuscis modo aequaliter totam superficiem obtegenti- bus, modo in figiiras elegantissimas dispositis ornatum. Verrucae seriebus duabus dispositae, singulae lineis longitudinalibus fuscis conjunctae, albidae, punctis glan- dulosis aureis circa 15 quaevis notata, maculas plerumque magis quam verrucas constituentes. Raro enim prominent; quod si fit, non conum acutum, ut in Cl. verrucata, sed hemisphaeram referunt. Verrucae praeterea minores, punctis glan- dularibus aureis et hae notatae, saepius aut irregulariter sparsae, aut in lineas longitudinales plus minus regulariter dispositae, observantur. Margo crenatus. Venter paUidior, punctorum fuscorum seriebus duabus ab ore ad pedem usque decurrentibus notatus. Caput indistinctum ; oculi sex in series duas longitudinales parallelas parumve antice convergentes dispositi. Appendicum ventriculi paria sex, simplicia vel crenata, parum retrorsum arcuata ; par ultimum inter intestini appendicum par secundum et tertium terminatur. Appen- dicum intestini paria duo priora breviora prorsum, duo posteriora retrorsum spectant. Per totam Europam, uti videtur, vulgatissima ; legerunt in Suecia Bergmann, in Dania O. F. Mueller, in Brittania Rawlins Johnson, in Gallia Moquin-Tandon, in Italia Carena, Risso, Filippi. Ipse aeque frequentem in aquis stagnantibus et fluviis Marchiae, quam in rivulis qui a Thuringiae montibus decurrunt, observavi. Omnium segnissima, per totos saepe dies locum haud mutans. Physas, Plan- orbes, Limnaeos aggreditur; pullos Nephelidis quoque sanguinem sugere vidi. Primo vere (Februario, Martio) ova circa 70 albida ad saxa, plantas, vel vitrum, in quo servatur, deponit, iisque immobilis tanquam incubans per hebdomadis spatium supersedet. Tunc pulli excluduntur, quos ventri affixos secum fert. 5. Clepsine hyalina Moqu. Td. Corpus subcartilaginosum hyalin um dilatatum, antice neque vero postice angustatum, f lavic ans. Caput indistinctum. Oculisex. Long. 5'". Hirudo hyalina O. F. Muell. Hist. verm. Tom. I. p. IL pg. 49. Clepsine hyalina Moqu. Tand. Monogr. pg. 106. Glossobdella hyalina Blainv. Dict. des Sc. nat. Tom. 47. pg. 263. Tom. 57. pg. 565. Corpus peUucidissimum, valde depressum, latum ; versus extremitatem posticam latissimum, anteriora versus sensim angustatum, postice rotundatum vel medio De Hirudinibus. j^ emarginatum, pede postice prominente. Color pallide flavescens; quando animal extenditur vix conspicuus, quando contrahitur, citrinus. Dorsum punctulis v. striulis nigricantibus interdum adspersum. Margo subinteger, crenis nudo oculo haud conspicuis. Oculi sex, vel interdum, secundum O. F. Mueller, pari primo deficiente, quatuor; paris primi minores approximati, rarissime in unum confusi; paris secundi et tertii majores, remoti, aequaliter distantes. Appendicum ventriculi paria 6; paria 5 anteriora retrorsum arcuata, plerumque simplicia, rarius unum alterumve apice bilobum; par ultimum intestini appendices omnes excedens, usque ad pedem fere extenditur et appendicibus secundariis 4 simplicibus in latere externo instructum est. Intestini appendicum paria 4, brevia, pulcherrimum motus peristaltici spectaculum observatoris oculo offerentia. Proboscis magna, quartam vel quintam corporis partem longitudine aequans. Hirudinem hyalinam O. F. Muell. hanc neque sequentem esse, ex descriptione ab illo data luculenter patet. Nam et oculorum situm accurate exposuit et appendices secundarias paris ultimi appendicum ventriculi, quae sequenti desunt, observavit. Rarius in lacubus nostris (See bei Tegel, Plötzensee et alibi) occurrit, inter Stratiotis folia saepe latitans ; facile et propter minutiem et propter corpus prorsus hyalinum praetervidenda. Segnissima. Nutritur Gasteropodum minorum (Physae, Valvatae, Planorbis nitidi, spirorbis etc.) sanguine. Ova pallide virescentia 10 — 30 parit, neque vero, ut Cl. marginata, tessulata, complanata, ad corpora aliena deponit, sed sub ventre secum portat, uti sequentes. 6. Clepsine Carenae !M[oqu. Tand. Corpus sub c ar t il agi n osum dilatatum antice acuminatum, postice angustatum, albo cinereum, dorso atomis fuscis dense adsperso; marginibus et capite immaculatis. Caput indistin ctum. Oculi sex. Long. 5'". Hirudo papulosa Braun, Syst. Beschr. pg. 64. Tab. VII, fig. 7 — 10. Hir. trioculata Garen a, Mem. dell. Accad. di Torino. Vol. XXV. pg. 303. Vol. XXVIII. pg- 334- — — Blainv. Dict. des Sc. nat. Tom. 47. pg. 267. Clepsine Carenae Moqu. Tand. Monogr. pg. 105. Tab. IV. fig. 4. Glossobdella Carenae Blainv. Dict. des Sc. nat. Tom. 57. pg. 565. Corpus peUucidum depressum, partem mediam versus latissimum, antice acu- minatum, versus posteriora angustatum, postice rotundatum, pede haud prominente. Color albo-cinereus ; dorsum punctis fuscis modo pallidioribus modo obscuri- oribus in lineas longitudinales plus minus regulariter dispositis adspersum, quibus, si animal contrahitur, totum fuscum apparet. Caput et margines punctis carent; linea media dorsi aut Immaculata aut punctorum nigricantium acervulo in tertio quovis annulo ornata. Margo subinteger. Oculi sex ; paris primi maxime approxi- mati in unum paene confusi ; item et secundus atque tertius cujusvis latcris oculus sibi proximi subcoalescentes. Quo fit, ut tres tantum oculi, nisi lente fortissima contempleris, adesse videantur. Caeterum oculi paris secundi et tertii non, ut in Cl. hyalina, aeque distantes, sed paris tertii a se invicem remotiores. 2^ De Hirudinibus. Appendicum ventriculi paria 5 (in Cl. hyalina 6), quorum par ultimum flexu- osum intestini quidem appendices omnes, ut in Cl. hyalina, excedit, appendicibus vero secundariis caret Proboscis magna. Praecedenti satis similis; differt corporis forma et colore, oculorum situ, pede haud prominente, ventriculi appendicibus. Ad Cl. bioculatam corporis parte anteriore acuminata, nee non colore quodammodo accedit. Hirudinem papillosam Braun huc referendam esse diagnosis ab illo pro- posita suadet, in qua capite acuminato, striis tribus minutissimis nigris (oculis) in labio superiore praeditam esse dicit; colorem quoque cinereo-fuscum ei tribuit, at Cl. hyalina flavescens. In lacubus, fossis, fluviis ad plantas aquaticas minus frequens offenditur. (Thiergarten, Grunewald, Schaafgraben, Spree.) Antecedente vix vividior. Nutrimento inserviunt Gasteropoda minora, quorum succos bibit. Majo et Junio ova 10 — 30 pallide virescentia parit, quae sub venire secum fert. 7. Clepsine bioculata Sav. Corpus subcartilaginosum, depressum, angustum, antice acuminatum, albo-cinereum, fusco punctatum. Caput indistinc- tum. Oculi 2. Long. 8'". Hirudo bioculata O. F. Muell. Hist. verm. Tom. I. p. II. pg. 41. _ — Carena, Mem. dell. Accad. di Torino. Vol. XXV. pg. 302. — — der Läufer, Braun, Syst. Beschr. pg. 53. Tab. VI, fig. i — 5. Glossiphonia perata Rawl. Johns. Treatise on the Med. Leech. pg. 26. Glossopora punctata Rawl. Johns. Further Observ. on the Med. Leech. pg. 50. Clepsine bioculata Sav. Syst. des Annel. pg. 119. ■ — — Moqu. Tand. Monogr. pg. 102. Tab. IV, fig. 2. — — Filippi, Lettera sopra l'anatomia e lo sviluppo delle Clepsine pg. 6. Glossobdella bioculata Blainv. Dict. des Sc. nat. Tom. 47. pg. 265. Tom. 57. pg. 565. ? Helluo bioculatus Oken, Lehrb. der Naturgesch. Tbl. III, Abth. i. pg. 367 i). Corpus angustius magisque elongatum, quam in reliquis generis speciebus; antice acuminatum, margine annulis valde prominentibus quasi serrulatum vel den- tatum. Color sordide albus vel griseus, punctis fuscescentibus variegatus; linea media dorsi, capite, marginibus subimmaculatis. Oculi duo approximati. In un- decimo circiter corporis annulo tuberculum cartilagineum flavo-fuscum conspicitur, rarissime deficiens, cujus analogon in alia nulla specie vidi. Pullis adhuc deest. Ventriculi appendicum paria sex, quorum quinque anteriora brevia lateraliter spectant, ultimum amplum appendicibus secundariis destitutum inter appendicum intestini par tertium et quartum terminatur, Proboscis magna. Frequentissima ubicunque in fossis, stagnis, fluviis per totam Europam (Sueciam, Daniam, Brittaniam, Germaniam, Galliam, Italiam) occurrit. I) Interrogationis Signum adjeci; magis enim in Planariam, quam in Clepsinem nostram ejus descriptio quadrat. En, quae dicit: Zwei Augen. Leib flach, schwarz, unten grau, i" lang (PI. torva?); bisweilen ganz weiß. (PI. lactea?) De Hirudinibus. 21 Omnium vividissima, unde etiam Braun nomine germanico „der Läufer" desig- navit. Gasteropodum, ut rcliquae, succos sugit. Majo et Junio ova parit albida, vix quiddam rubicunda, ventrique affixa secum portat, ut jam Rawlins-Johnson et Filippi observaverunt. Quid vero Rawlins-Johnson cum marsupio suo abdominali ^) sibi velit, in quo ova includantur, haud intelligo. Nihil enim tale quid observare potui, nisi forte ventrem contractione peculiari concavum redditum ita designare voluerit auctor laudatus. Rayerum, qui hanc capsulas globosas fusc^is parerc con- tendit, Planariam lacteam potius quam Clepsinem nostram observasse, Filippi jam notavit. Huic specierum expositioni observationes quasdam Clepsinarum propagationem spectantes adjungam, zoologorum attentione non prorsus fortasse indignas. Copulam in Cleps. tessulata saepius vidi. Reciproca est, ut in Sanguisugis, ita ut utrumque animal maris simul et feminae vicibus fungatur. Utrumque enim alterius abdomini capite sese affigens, vaginam penis replicatam in alterius vulvam (s. porum genitalem posteriorem) introducit. Tali modo conjuncta per totos dies sedent. Cleps. complanatas, quamvis plurimas amoris tempore continua attentione obser- vaverim, coeuntes nunquam observavi; sed eodem fere ante ovorum partum tem- pore, quo Cleps. tessulatae coire solent, singulare mihi in Cleps. complanatis sese obtulit phaenomenon, cujus neque analogon inter reliqua animalia reperire -), ncque explicationem dare valeo. Ad utrumque nimirum faciei ventralis latus Organa singularia filiformia, tres usque quinque corporis annulos longitudine aequantia modo simplicia, modo ad basin usque bipartita exseruntur, modo singula modo plura, mode in anteriore modo in posteriore corporis parte. Haec per plures dies pro- pendent, dum animal, alioquin segnissimum, multo alacrius in vitro suo circum- vagatur. Simul substantiae floccosae albidae magna copia secernitur, totam mox vasis in quo servantur aquam turbidam reddens. Inter phaenomenon hoc et propagationem relationem quandam existere, nuUus dubito ; plurimas enim Cleps. complanatas per tria semestria domu observavi, neque vero alio unquam tempore Organa haec filiformia eas exserere vidi, dum amoris tempore ne una quidem inter triginta et plures non exserebat. Praeterea his organis exsertis, ut in Cleps. tessulata post coitum, ovariorum motus peristalticus, quo ova a funiculis suis solvuntur, incipit. Quo vero munere fungantur haec organa, nescio ; anatomica quoque disquisitione nihil de eo docente. Nam corpora quidem in crura dua reflexa divisa in tertio quovis annulo utrinque sub tractus intestinalis appendicibus latentes reperi, quibus replicatis organa illa filiformia fortassis for- mantur; num autem cum testiculis, quibus interjacent, aliave apparatus sexualis parte cohaereant, videre haud contigit. Corpora similia etiam in Cleps. verrucata, marginata, tessulata inveni, quam- vis in nulla praeter complanatam specie organa filiformia exseri vidi. In Cleps. 1) When the whole of the ova are excluded, they are received into the abdominal pouch of the parent, where they constantly remain, until their contents are fuUy evolved. Rawl. Johns, furtber Observat. on the medic. Leech, pg. 58. 2) Nisi forte appendiculae generatrices a Morrenio (De Lumbr. terrestr. pg. 77.) sie dicta, f]uas in Lumbrico terrestri auctor laudatus, in aliis pluribus Lumbricinis Gel. Dr. Hoffmeister et ipse observavimus, Cleps. complanatae organis filiformibus analogae. 22 De Hinidinibus. tessulata haec corpora Sanguisugae vel Aulastomatis vesiculis respiratoriis sie dic- tis cum organis ansiformibus, quae eodem loco sitae sunt, quodammodo similia. Brevi post eoitum in Cleps. tessulata, post Organa filiformia exserta in Cleps. complanata, motus ovariorum peristalticus incipit, cxtrinsecus conspicuus, quo ova de funiculis suis solvuntur. Eundem ovariorum motum etiam in Cleps. marginata, hyalina, Carenae, bioculata vidi. Ova soluta paucos post dies, albuminis Strato tenu- issimo et chorio subtili h3^alino munita pariuntur. Omnes enim spezies modo laudatae oviparae^). Pariendi actum saepissime in Cleps. complanata, interdum etiam in Cleps. tessulata observavi. Corpore et ante et pone vulvam quam maxime coarctato, an- terior corporis pars sub posteriorem ita inflectitur, ut vulva faciem ventralem partis posterioris spectet. Fortibus tunc et quasi convulsivicis contractionibus ova eduntur eorumque ea, quae primum egressa, a subsequentibus versus latera et dorsum pro- pelluntur, donec in medio dorso ab utroque latere congredientia annulum completum corpus cingentem efficiunt. Ex hoc annulo caput protrahens mater ovorum acer- vum vitro apprimit, ubi mox muci, quo ova involuta sunt, superficies in membra- nam tenuem pellucidam coagulatur. Tales ovorum acervos tres usque septem ova dena usque quadragena continentes Cleps. tessulata et complanata, unum tan- tum Ovis 60—80 compositum Cleps. marginata parit. Ovorum numerus, et color, itemque amoris tempus secundum species variat, ut supra in specierum descriptio- nibus notavi. Ovis ad vitrum vel plantam aquaticam vel moUusci testam lapidemve de- positis Cleps. tessulata, marginata, complanata immotae supersedent, ea quasi in- cubantes, donec septem fere usque decem diebus praeterlapsis pulli excludantur, quas tunc mater ventri affixos secum fert. Contra Cleps. hyalina, Carenae, bioculata ipsa jam ova sub ventre secum portant, neque vero ad corpus alienum deponunt. Quod etiam de Cleps. paludosa, apud nos non obvia, observavit Carena. Cleps. verrucata quomodo sese habeat, nescio; omnes enim quas reperi pullos jam exclusos sub ventre fovebant^). i) Oviparas esse Cleps. bioculatam jam Rawlins Johnson, Cleps. bioculatam, Carenae, complanatam Filippi observarunt. Contra Moquin-Tandon Cleps. complanatam ; Carena Cleps. bioculatam, Carenae (Hir. trioculat. Car.) marginatam (Hir. cephalot. Car.) viviparas esse contendunt. 2) Reliqnam dissertationis partem imprimendani haud curavi, cum generum reliquorum expositio parum novi contineat, genitaliiun vero fabrica, capite tertio explicanda, vix sine tabulis adjectis satis clare demonstrari posse videretur. Clepsine costata, neue Art^). Mit 2 Textfiguren. Diagnose: Corpus subcartilaginosum dilatatum fuscescens. Dorsum vitta media longitudinali flava, nigro interrupta, lineisque punctorum obscuriorum prominulis utrinque binis ternisve quasi costatum. Oculi duo, subrotundi. Long. 12 — 16'". Die Zahl der Augen unterscheidet diese neue Art feist von allen bis jetzt beschriebenen Hirudineen; unter den Clepsinen stimmen nur Cl. bioculata Sav. und sanguinea Filippi hierin mit ihr überein 2); von beiden ist sie durch die übrigen der angegebenen Charaktere, so wie durch den unten zu beschreibenden Bau des Nahrungskanals hinreichend verschieden. In Gestalt und Art der Be- wegung steht sie der Cl. marginata zunächst, und bildet gewissermassen ein Mittelglied zwischen dieser und der Cl. verrucata. Der Körper ist von etwas knorpliger Konsistenz, sehr flach, bei erwachsenen Individuen sehr breit und nach vorn verschmälert ; bei den Jungen ziemlich schmal. Seine Farbe ist grünlichbraun, auf dem schwach convexen Rücken bedeutend dunkler als auf der ganz flachen Bauchseite. Mitten über den Rücken verläuft vom Mund bis zum After eine gelbe Binde, die durch drei oder mehr schwarze Flecken (von ungleicher Lage und Ausdehnung bei verschiedenen Individuen) unterbrochen wird. Auf dem Kopf, der minder deuthch als bei Cl. marginata gesondert ist, wird diese gelbe Binde breiter und trägt hier die beiden ansehn- lichen, dem Vorderende sehr nahe liegenden, schwarzen rundlichen Augenpunkte. Zwischen dieser mittleren Binde und dem Seitenrand verlaufen jederseits 2—3 durch dunklere Punkte gebildete Längslinien. Die deutlichste dieser Linien ist von drei zu drei Ringen durch einen weissen Punkt unterbrochen. Sowohl diese LängsHnien, als die mittlere Binde springen ziemlich stark vor und geben so dem Thier ein geripptes Ansehen. Der Fuss ist gross, und auf der oberen Seite mit weissen Radien gezeichnet. Der seitliche Rand des Körpers erscheint gekerbt, jeder dritte Ring desselben ist durch dunklere Farbe ausgezeichnet. Die inneren Theile zeigen alle wesentlichen Eigenthümlichkeiten der Clep- sinen. — Von jedem Ganglion des Bauchstrangs (dessen einzelne Ganglien um je drei Ringe von einander entfernt sind) g^t jederseits ein einziger Nerv ab, der sich jedoch bald weiter theilt. 1) Archiv für Naturgeschichte, 1846. I. pg. 82—85. Taf. III, Fig. i u. 2. 2) Ausserdem hat Risso (HisL des princip. product. de l'Europe mcrid. Tom. 4. p. 429) eine San- guisuga marginata mit zwei Augen beschrieben. 24 Clepsine costata. Die männlichen Geschlechtstheile zeichnen sich aus durch eine auffallend grosse Ruthenscheide (Fig i c), und dadurch, dass die Epididymis deutlich in zwei Abschnitte gesondert ist; der in die Ruthenscheide einmündende vordere (Fig. i d) ist enger, von einer festen sehnigen glänzenden Haut umschlossen, und von blassgelber Farbe, der hintere (Fig. i e), der die unmittelbare erweiterte Fortsetzung des gemein- schaftlichen Hodenausführungsganges seiner Seite ist, ist auffallend weit, anscheinend drüsig, von einer zarten Haut bekleidet und weiss von Farbe. Die Zahl der Hodenbläschen, die ausser der Zeit der Fortpflanzung bei den Clepsinen so leicht zu übersehen sind, kann ich nicht bestimmt angeben. Der Uterus (Fig'. i/) steht in der Mitte zwischen dem der Cl. complanata und tessulata; mit dem der ersteren stimmt er in der Form, mit dem der letzteren durch seine fleischige Beschaffenheit überein. In der Figur ist der obere Querbalken desselben etwas nach hinten gezogen, um den darunter liegenden Theil und den Durchtritt des Nervenstrangs deutlicher zu zeigen. — An ihn heften sich zu beiden Seiten die unter Magen und Epididymis nach hinten steigenden Schläuche (Fig. i^) an, welche in gewöhnlicher Weise die gewundenen keimbereitenden Stränge der Clepsinen einschliessen. Der Magen hat wie bei Cl. mar- ginata, tessulata, verrucata, sieben Paar seitliche Anhänge, der Dünndarm wie bei allen (einheimischen) Clepsinen, vier Paare; das letzte Paar der Magen- anhänge steigt bis vor das vierte Paar der Darmanhänge nach hinten, während es bei Cl. marginata und tessulata noch über dies Paar hinausreicht, bei verrucata schon vor dem zw^eiten Paare der Darm- anhänge endet. Es trägt an der äussern Seite 4 Nebenanhänge (5 bei Cl. marg. und tess. keine bei verr.). Sowohl diese Fig. I. Rüssel, Speicheldrüsen und Genitalien der Clepsine costata, von oben. Der die Genitalien bedeckende Magen ist weggenommen. a Rüssel ; b Speicheldrüsen ; c Ruthenscheide ; d vor- derer, blassgelber, e hinterer weisser Theil der Epi- didymis ; / Uterus ; ^ die die keimbereitenden Stränge einschliessenden Schläuche. Fig. 2. Rüssel mit den Speichel- drüsen isolirt. «Muskelfasern, die sich auf dem Magen ausbreiten, und zum Zurückziehen des Rüs- sels dienen. Nebenanhänge des letzten Paares, als die sechs vorderen Paare der Magenanhänge sind, wie bei Cl. marginata, zierlich ver- ästelt. So lässt sich auch diese Art durch Zahl und Form ihrer Magenanhänge scharf von allen übrigen unterscheiden, während auch hier die Vierzahl der allen andern Hirudineen fehlenden Darmanhänge als ein sämmtlichen Clepsinen ge- meinsames Merkmal sich bestätigt. Die wichtigste anatomische Eigenthümlichkeit unserer Art ist jedoch der Bau des vor dem Magen gelegenen Theils des Nahrungskanals, — Bekanntlich nähren sich die einheimischen Clepsinen theils von den Säften der Mollusken, theils (Cl. marginata und tessulata) vom Blute der (Fische (?) und) Batrachier. Bei jenen beginnt gleich vor dem Magen der lange cylindrische muskulöse Rüssel während bei diesen, deren Magen übrigens durch bedeutendere Verästelung sich auszeichnet, vor demselben noch ein besonderes System von seitlichen An- Clepsine costata. 2 t; hängen des Nahrungskanals eingeschoben, und dadurch der Rüssel auf ein ver- hältnismässig weit geringeres Volumen reducirt ist i). Clepsine costata schliesst sich im Bau des Magens eng an die letzteren an; dagegen beginnt gleich vor demselben ein ausnehmend langer, nicht cylindrischer, sondern nach vorn immer enger werdender Rüssel (Fig. i a, Fig. 2), und jederseits liegen neben diesem Rüssel, vor dem Magen, der Ruthenscheide und dem vorderen Theile der Epi- didymis zwei ansehnliche weisse Drüsen, eine kleine vordere, und eine grössere hintere (Fig. i 6, Fig. 2), deren ziemHch lange, anfangs weitere und noch von Drüsenmasse umgebene Ausführungsgänge, sich nahe dem Hinterende des Rüssels vereinigen und sich hier in die Seiten desselben einsenken. Man darf sie wohl ohne Bedenken als Speicheldrüsen bezeichnen. Bei keiner anderen Clepsine kenne ich ähnliche Drüsen ; dagegen erinnert ihre Lage an das vor dem Magen gelegene System von Anhängen bei Cl. marginata und tessulata. Sollten diese vielleicht dieselbe Function haben, während sie in der einfacheren Form einer blossen Ausstülpung des Nahrungskanals auftreten? — Das Vaterland der Clepsine costata ist die Krim, wo sie die Sümpfe der Jaila, d. h. der Hochgebirge am Südrande der Halbinsel bewohnt. Ich erhielt mehrere Exemplare die Herr Prof. Dr. C. Koch in Jena lebend aus ihrer Heimath mitgebracht, durch die Güte des Herrn Geh. Rath Joh. Müller. Nach des Herrn Entdeckers freundlicher Mittheilung sollen sie in ihrem Vaterlande auf ähnliche Weise, wie unsere Sanguisugen, gefangen und mcdicinisch benutzt werden. Allerdings macht es der Bau ihres Magens wahrscheinlich, dass sie vom Wirbel- thierblute leben; allein umsonst suchte ich nach einem Apparate, mittels dessen sie in die Haut des Menschen einzudringen im Stande wären ; auch gelang es weder Herrn Prof. Koch, noch mir, sie an uns zum Saugen zu bringen, so dass doch wohl die betreffende Anwendung einer weitern Bestätigung zu bedürfen scheint. I) Siehe S. 3. Ueber Gammarus ambulans, neue Art^). Mit 3 Textfiguren. Als einzige Repräsentanten der Ordnung der Amphipoden im Gebiet der deutschen Süsswasserfauna sind bis jetzt wohl nur die beiden von Gervais zuerst unterschiedenen Gammarus-Arten zu betrachten, der G. fluviatilis Edw. (RoeseHi Ger\^) und G. pulex Fabr., da Koch's G. putaneus nur eine durch den Aufenthalts- ort bedingte Varietät zu sein scheint. Diesen beiden kann ich eine neue sehr eigenthümliche Art derselben Gattung hinzufügen, die ich zu Anfang Juni dieses Jahres in einem mit Lemna und Hydrocharis bewachsenen Graben bei Greifswald auffand. Schon Grösse, Farbe, allgemeine Körperform und Manieren unterscheiden sie zur Genüge von den genannten Arten. Sie ist im ausgestreckten Zustande gegen 2'" lang, einförmig dvmkel schwärzlich- oder bräunlichgrün gefärbt, selten heller und mehr gelblich, und trägt auf der Stirn zwischen beiden Augen einen lebhaft schwefel- oder citronengelben querovalen, hinten in der Regel ausgerandeten Fleck, der zugleich sich schwach über seine Umgebung erhebt. Der Körper ist weit weniger zusammengedrückt, breiter, an den Seiten gewölbter, als sonst in dieser und den verwandten Gattungen gewöhnlich, und damit steht im Zusammenhang eine von der unserer anderen Arten abweichende Bewegungs- weise, nach welcher ich den Namen dieser Art gewählt habe. Diese besteht nämlich in der Regel nicht in dem sprungweisen Schwimmen auf der Seite, sondern in einem aufrechten Gange, Dabei werden die drei letzten Abdominal- segmente, die sehr kurz und zu einem Stück verwachsen sind, so untergeschlagen, dass ihre Rückenfläche wagrecht auf dem Boden aufliegt ; betrachtet man dabei den Körper von oben, so sieht man an seiner hintern Hälfte die drei letzten wahren Fusspaare seitlich weit hervortreten, während die vier vorderen Paare fast immer unter dem Thorax verborgen bleiben. Dies ist auch die gewöhnliche Stellung des ruhenden Thieres. Nur selten, besonders wenn es gestört und ver- folgt wird, schwimmt es nach Art des G. pulex, oder ruht auf der Seite, die letzten Fusspaare nach dem Rücken in die Höhe geschlagen. Der Kopf ist klein, ohne vorspringende Stirn, mit ziemlich kleinen rund- lichen Augen. i) Archiv für Naturgeschichte, 1846, I, p. 296 — 300. Taf. X Fig. A — C. Gammarus ambulans. 27 Die oberen Antennen sind etwa um die Hälfte länger als die untern und erreichen ungefähr ein Drittel der Körperlänge; die drei cylindrischen fast gleich langen Glieder des Stiels, der bis etwa zur Mitte des letzten Stielgliedes der unteren reicht, nehmen der Reihe nach an Dicke ab; die Geissei, gegen 1V2 mal so lang als der Stiel, besteht aus 14 Gliedern; die Nebengeissel , ausserordentlich klein, wenig länger als das erste Geisselglied und dreimal dünner als dasselbe, ist aus zwei Gliedern zusammengesetzt (Fig. 3). Das erste und zweite Glied der unteren Antennen sind kurz, ersteres mit einem nach unten und vorn gerichteten konischen Fortsatz, in welchem ein cylindrischer Kanal zu verlaufen scheint, das dritte und vierte Glied lang, cyUndrisch; die Geissei, wenig länger als das letzte, vierte Stielglied, besteht aus sechs Gliedern. Sämmt- liche Geisselglieder der Antennen tragen an ihrem Ende kurze Borsten ; die Stiel- glieder sind der ganzen Länge nach mit einzelnen Borsten besetzt. Fig. I. Fig. 3. Fig. 2. Fig. I. Die 4 letzten Hinterleibssegmente, mit den 3 letzten Paaren der Afterfüsse und den Schwanz- anhängen. Fig. 2. Das letzte Paar der Afterfüsse, stärker vergrössert. Fig. 3. Der Stiel der obern Antennen mit der kleinen Nebengeissel und dem Anfange der I4gliedri- gen Geissei. Bis zum vierten Segment des Thorax nimmt der Körper an Breite, und die ansehnlichen Epimerien, die am Rande schwach gewimpert sind, an Grösse zu. Der Rücken zeigt weder auf diesen noch auf einem der folgenden Segmente eine Spur von Zähnen oder Dornen. Die vier ersten Fusspaare, wie gewöhnlich nach vorn gerichtet, sind klein und schwach, weit kürzer als die drei letzten, von denen das sechste das längste ist. Die Hände am ersten und zweiten Paare sind fast vollkommen gleich gebildet, nur dass die des zweiten Paares, wie der ganze Fuss, etwas länger und schlanker sind. Das 4te und 5te Glied dieser Paare sind stark verdickt, letzteres (das Handglied) länglich viereckig, und wie die beiden vorhergehenden Glieder, an der hintern Seite mit zahlreichen starken Borsten be- waffnet. Die Klaue, massig gekrümmt, reicht bis zum Ende des fast gerade ab- gestutzten mit kurzen Borsten besetzten Randes der Hand. Die ersten Glieder der langen drei letzten wahren Fusspaare sind \on be- trächtlicher Grösse, oblong, doch nach unten etwas verschmälert, (die des siebenten Paares sind die breitesten), am Hinterende gezähnelt mit feinen kurzen Borsten in den Buchten der Zähne und etwas stärkeren am Vorderrande. 28 Gammarus ambulans. Die grossen, ovalen, die Eier schützenden Lamellen der Weibchen sind am Rande mit einzeln stehenden langen Wimpern besetzt. Die Weibchen, deren Anzahl die der Männchen bedeutend zu überwiegen scheint, wurden in der Mitte des Juni mit Eiern angetroffen und gegen Ende des Monats begannen die ent- wickelten Jungen die Bruthöhle der Mutter zu verlassen. Die drei ersten Abdominalsegmente sind ein wenig länger als die des Thorax ; die vordere Ecke ihres untern freien Randes ist abgerundet, die hintere in eine nach hinten gerichtete Spitze verlängert. Die Schwimmfüsse, welche sie tragen, sind von gewöhnlichem Bau, nur dass die langen Borsten, mit denen ihre Aeste besetzt sind, einfach und nicht, wie z. B. bei G. pulex und locusta, gefiedert sind. Die drei folgenden, letzten Abdominalsegmente sind kurz und und zu einem einzigen ungegliederten Stück verschmolzen i), das an seiner untern Seite die drei letzten Afterfusspaare, an seinem Ende zwei kleine cylindrische, an der Spitze mit (in der Regel 5) kurzen Dornen bewehrte beweg- liche Schwanzanhänge trägt. Die Enden der Basalglieder des 4ten und 5ten Afterfusspaares liegen in gerader Linie mit dem Hinterleibsende; natürlich ist also das Basalglied des weiter nach vorn eingelenkten 4ten Paares länger als das des 5ten ; die beiden Aeste des 4ten Paares sind gleich, etwas länger als ihr Basal- glied, und überragen die des folgenden Paares, dessen Aeste etwa von gleicher Länge mit ihrem Basalglied, und bei dem der äussere Ast unbedeutend kürzer als der innere ist. Basalglieder und Aeste sind am Hinterrand und an der Spitze mit starken kurzen Dornen bewehrt; ich zählte deren (ohne die Enddornen) 4 an den Aesten des 4ten und dem innern Aste des 5ten, 3 am äussern Aste dieses letzteren Paares. Die Afterfüsse des sechsten Paares endlich sind ganz rudimentär, kaum als eine winzige Spitze zwischen dem vorhergehenden Paare und den Schwanzanhängen vortretend; sie bestehen aus einem dicken konischen Basalglied, auf welches ein kurzes an seiner Hinterseite mit einigen Borsten besetztes weit kleineres Endglied aufgesetzt ist (Fig. 2). Unter den bekannten Arten der Gattung ist eigentlich keine, die der eben beschriebenen besonders nahe stände; am meisten scheinen noch mit ihr über- einzustimmen G. Ermanii Edw. aus Kamschatka, bei dem aber die sehr kurzen letzten Afterfüsse zwei Aeste tragen und die Schwanzanhänge ohne Haare und Dornen sind (Edw. Hist. nat. des Crust. HL p. 49) und G. Zebra Rathke von der Küste Norwegens, bei dem aber die Nebengeissel völlig ungegliedert, die einfachen letzten Afterfüsse ansehnlich gross, die Schwanzanhänge ganz rudimentär sind (Nov. Act. Ac. Caes. Leop. Vol. XX. p. L p. 74). i) Selbst bei den jüngsten Thieren, die man der Bruthöhle der Mutter entnommen, ist keine Gliederung zu erkennen. Ueberhaupt sind diese Jungen den Alten schon ganz ähnlich; der Hauptunter- schied liegt in der geringern Zahl der Geisselglieder, deren man an den oberen Antennen 4, an den unteren 3 zählt, während die Nebengeissel schon ihre 2 Glieder besitzt. Das Längenverhältniss der Fühler unter sich, zum Körper, der Stiele zu den Geissein ist übrigens ziemlich wie später, indem die geringere Zahl der Geisselglieder durch verhäJtnissmässig grössere Länge ersetzt wird. Ausserdem sind die Domen, Borsten etc. noch weit weniger ausgebildet; die Zähnelung am Hinterrande des ersten Gliedes am 5ten — yten Fuss- paare, die Dornen der Afterfüsse des 4ten und 5ten Paares, mit Ausnahme der Enddornen, fehlen noch, die Schwanzanhänge tragen einen einzigen Dorn am Ende etc. Das sechste Paar der Afterfüsse ist ver- hältnissmässig grösser, doch ganz von derselben Form, wie beim Erwachsenen. Gammaras ambulans. 2q Rathke hält es für nicht unzweckmässig-, die mit der zuletzt genannten Art durch die Merkmale: „yeux circulaires, fausses pates abdominales de la sixieme paire ne portant pas deux grands articles cilies" übereinstimmenden Arten als eigene Gattung von Gammarus abzusondern. In diese würde auch der G. ambulans zu stellen sein, Ueberhaupt dürften wohl die in Form und Zahl ihrer Theile so verschiedenen Afterfüsse und Schwanzanhänge ein passenderes Moment für die generische Sonderung der zahlreichen unter Gammarus und Amphithoe begriffenen Arten abgeben, als die Nebengeissel ; denn gewiss sind durch Modificationen im Bau der für die Bewegung der Amphipoden so wichtigen Afterfüsse bedeutendere Differenzen in der ganzen Lebensweise bedingt, als durch die An- oder Abwesenheit der Nebengeissel, die überdies bei mehreren Gammarus zu einer fast verschwindenden Kleinheit herabsinkt (G. ambulans, Zebra u. s. w.), und gewiss ist z. B. unser G. ambulans bei weitem mehr als die grosse Mehrzahl der Amphithoe- Arten von den typischen Formen seiner Gattung (G. pulex, locusta) verschieden. Schliesslich die Diagnose der Art: Gammarus ambulans, fronte inermi, oculis subrotundis, antennis superioribus inferiores excedentibus, flagello auxiliari minimo biarticulato instnictis, dorso laevi, pedibus spuriis paris sexti simplicibus, conicis, perexigiiis, appendicibus caudae duabus, brevibus, cylindricis, apice spinulosis. Long. 2'", antennar. sup. 0,8'". Ueber die Geschlechtstheile von Clepsine und Nephelis'). Mit Tafel I. In derselben Abhandlung, in welcher Treviranus seine seitdem so viel be- sprochenen Ansichten über die Geschlechtstheile und die Fortpflanzung des me- dicinischen Blutegels entwickelt, beschreibt er auch die Geschlechtstheile von Nephelis vulgaris mit dem besonderen Bemerken, dass dieselben hier wesentlich verschieden gebaut seien ^). Ebenso erscheint auch in der von Filippi gegebenen Beschreibung des Geschlechtsapparats der Clepsinen derselbe typisch verschieden von dem aller übrigen Hirudineen ^). Nach den Untersuchungen, die ich selbst darüber angestellt, scheint mir da- gegen derselbe gemeinsame Plan, nach welchem die Geschlechtstheile in den Gattungen Sanguisuga, Haemopis, Aulastoma, Piscicola gebaut sind, auch in den beiden genanten Gattungen der Bildung derselben zu Grunde zu liegen, und theils in dieser Hinsicht, theils weil sich daraus eine, meines Erachtens unzweifelhafte Deutung der einzelnen Theile des Geschlechtsapparats auch für den medicinischen Blutegel ergiebt, glaube ich die nachfolgenden, leider oft noch unvollständigen Beobachtungen der Mittheilung nicht ganz unwerth. Bei Clepsine tessulata^), die sich sowohl ihrer Grösse als der weichen, fast gallertartigen Konsistenz ihres Körpers wegen vor allen andern Arten zu ana- tomischen Untersuchungen eignet, liegen jederseits auf der Bauchseite nach aussen von den bei den Clepsinen besonders entwickelten vom Bauch nach dem Rücken aufsteigenden Muskeln (Filippi's fasci abdomino-dorsali) sechs Hoden (Fig. i.a), d. h. ziemlich grosse, ovale, äusserst dünnwandige Bläschen, die ausser der Zeit der Fortpflanzung zusammengefallen und leicht zu übersehen sind, während dieser Zeit aber von einer milchigen Flüssigkeit strotzen und durch die Bauchdecken hindurch schon von aussen sich wahrnehmen lassen. Von oben werden sie zum Theil durch den Magen bedeckt, zwischen dessen seitlichen Anhängen sie liegen. Nach aussen von ihnen verläuft jederseits ein ausserordentlich feiner Ausführungs- gang (Fig 1.6) nach vorn bis in die Gegend des siebenten Bauchganglions; hier i) Müllers Archiv für Anatomie. 1846. pg. 138—148. Taf. VIII. 2) Tiedem. und Trevir. Zeitschr. für Phsysiol. Bd. 4 pg. 166. 3) Filippi, lettera sopra l'anat. e lo sviluppo delle Clepsine. Pavia 1839. 4) Cf. Wieg mann 's Archiv. 1844. Bd. I, pg. 370 = Gesammelte Schriften pg. i. Geschlechtstheile von Clepsine und Nephelis. ■. . verdickt er sich plötzlich zur Epididymis (Fig. i.c), die sich nach innen unter den Magen wendet, allmähg an Dicke zunehmend, mit mannichfachen Biegungen in der Mittellinie bis etwa zum letzten Hodenpaare nach hinten geht, und von da wieder nach vorn bis vor das sechste GangHon zurückkehrt; hier bildet sie mehrere kurze verschlungene Windungen und mündet in das vordere Ende einer zweischenkhgen, dickwandigen, sehnigglänzenden Scheide (Fig. i.d), die zwischm j sagen, jedenfalls können über der Samenblase keine Gehirnganglien liegen, sondern diese müssen am entgegengesetzten Körperende gesucht werden. Bei diesem immerhin dürftigen Stande unserer Kenntniss von dem Baue der Landplanarien kam es mir sehr erwünscht, ein Exemplar eines solchen Thieres zur Untersuchung zu erhalten. Dasselbe war von Herrn Burmeister bei Rio Janeiro gefunden und lebend in Spiritus gesetzt, in welchem es sich bis auf eine zufällige Verletzung in der Mitte des Körpers recht gut erhalten hatte. Zur mikroskopischen Untersuchung waren die Gewebe freiHch nur zum Theil noch gut brauchbar. Doch gelang es, mit Hülfe des. Glycerins, das zur Aufhellung von Spiritusprcäparaten für das Mikroskop oft vortreffliche Dienste leistet, eine Einsicht in den feineren Bau mehrerer Organsysteme zu erhalten. Leider stand die Entwickelung der Generationsorgane bei dem Thiere so zurück, dass über die Geschlechtsdrüsen gar Nichts ermittelt werden konnte. Unser Exemplar gehört keiner der oben characterisirten 26 Arten an und führe ich dasselbe unter dem Namen von Geoplana Burmeisteri in das System ein. Die Länge beträgt 2V2 Zoll, die grösste Breite hinter der Mitte des Körpers fast Y2 Zoll, die Dicke i Linie. Der Körper ist nach vorn und hinten zugespitzt, nach hinten schneller, nach vorn sehr allmählig verjüngt und in eine lange Spitze aus- gezogen. Die Farbe ist auf dem Rücken sepiabraun, am Vorderende schwarz- braun, ein hellbrauner Streifen von \ Linie Breite läuft in die Mitte des Rückens vom vordersten bis zum hintersten Ende, sehr deutlich und scharf von fast schwarzen Rändern begränzt im vorderen Viertel des Thieres, dann verwaschen und erst in der Nähe des hinteren Endes wieder deutlicher. Auf dem Rücken finden sich ferner eine Menge kleiner kreissrunder weisslicher Pünktchen zerstreut, welche eben noch mit blossem Auge erkannt werden können, in der vorderen Hälfte kleiner sind und dichter stehen als in der hinteren, und nach dem Kopfende zu endlich ganz verschwinden. Die Unterseite ist gleichmässig graugelb, zeigt dicht hinter der Mitte die Mundöffnung, aus welcher in unserem Exemplar das vielfach gefaltete, trichterförmig erweiterte Mundende des Schlundrohres hervor- ragt und 5 Linien weiter nach hinten die sehr kleine Geschlechtsöffnung, Augen wurden bei mikroskopischer Untersuchung des Randes der vorderen Körperhälfte aufgefunden und stellen in einfacher Reihe ziemlich dicht hintereinander liegende, meist halbmondförmig gestaltete schwarzbraune Pigmentflecke dar, in deren nach aussen gerichteter Concavität ein runder, durchsichtiger Körper liegt, welcher das Licht nicht auffallend stark bricht und in dieser Beziehung ganz dem gleich- gelagerten, als Linse zu deutenden Körper des Auges unserer Süsswasserplanarien gleicht. Die mikroskopische Untersuchung der Haut bestätigte zunächst die von F, Müller ausgesprochene, übrigens nach seiner oben mitgetheilten Beobachtung des Beweises durch das Mikroskop kaum mehr bedürfende Vermuthung, dass ein Wimperepithelium hier so gut wie bei den übrigen Turbellarien vorhanden sei. Wenn auch im Allgemeinen durch die Aufbewahrung in Spiritus der Wimper- überzug sehr gelitten hatte, so konnten an einzelnen Stellen doch die Epithelial- zellen mit ihrer Wimperkrone unzweifelhaft erkannt werden. Ob freilich dieser Wimperüberzug ein ganz allgemeiner sei oder, wie bei vielen Schnecken, nur an einzelnen Körperstellen vorhanden, Hess sich nicht entscheiden. Doch dürfte nach -^ ■) Landplanarien. Analogie der übrigen Turbellarien kaum ein Zweifel an der gleichmässigen Ver- breitung jenes Ueberzuges gerechtfertigt sein. Die Wimperzellen sind farblos und meist von Keilgestalt. Unverkennbar war an mehreren derselben die Verdickung der vorderen, Wimpern tragenden Zellmembran, welche diesen Epithelialgebilden eben so allgemein zuzukommen scheint, wie den Cylinderzellen des Darmes nach den Beobachtungen von Funke und Kölliker. Unter ihnen befindet sich eine Lage unregelmässig sechseckiger Pigmentzellen, welche der Sitz der eigentlichen Hauptfärbung sind. Gänzlich vermisst wurden in der Haut unserer Geoplana stäbchenförmige Körper, welche bekanntlich den Süss- und Seewasser- Planarien so allgemein zukommen. Dieselben lassen sich, wie ich mehrfach be- merkt habe, in Spiritus sehr gut conserviren, und konnte ihr Mangel demnach schwerlich in der Aufbewahrungsmethode begründet sein. Unter den Zellen der Haut folgt wie bei den übrigen Turbellarien ein Haut- muskelnetz und zwar zunächst eine einfache Lage dicht aneinander gefügter Längsfasern. Darunter befindet sich eine dichtere Schicht quergelagerter Muskelelemente. Erstere lösen sich im Zusammenhange mit den Zellen der Ober- haut leicht als dünnes Häutchen von den KLreismuskeln ab, die ihrerseits eine innige Verbindung mit den Eingeweiden, namentlich den feineren Endzweigen des Darmrohres eingehen, so dass sie nicht ohne anhängende Theile der letzteren abgehoben werden konnten. Der Zustand der Maceration, in welchem sich durch die mehrjährige Aufbewahrung unsere Geoplana befand, erleichterte die Trennung der genannten Schichten, welche im frischen Zustande schwerlich ausführbar ge- wesen wäre. Die Elemente dieser Muskelschichten sind lange Fasern von 0,0006—0,002 Linien Breite, durchaus homogen, ohne Unterschied von Hülle und Inhalt, ohne Spuren von Querstreifen, ganz denen gleichend, welche ich bei den Rhabdocoelen unter den Turbellarien beschrieben und abgebildet habe (Beiträge zur Natur- geschichte der Turbellarien, 1850), und wie sie sich bei den grösseren Dendro- coelen des Wassers finden. Schmale und breite sind untermischt, die schmaleren an Zahl bei weitem überwiegend, die breiteren theilen sich öfter, in einzelnen Fällen sieht man pinselförmige Ausstrahlungen an denselben. Den von den Ringmuskeln umgebenen Raum fand ich fast ganz ausgefüllt vom Darmcanale, indem, wie schon angeführt wurde, von dem secernirenden Theile der Geschlechtsorgane, welcher sich bei geschlechtsreifen Thieren in grösserer oder geringerer Ausdehnung sicher zwischen die Verzweigungen des Darmes einschieben wird, in unserem Exemplare Nichts wahrgenommen werden konnte. Nur in der unmittelbaren Nähe der Geschlechtsöffnung nahm das kug- lige Begattungsglied einen verhältnissmässig bedeutenden Raum ein. Den An- fang des Darmrohres bezeichnete die äusserlich vorragende, gefaltete Mundöffnung des Schlundrohres, von weisser Farbe, aus sehr dicht verfilzten schmalen Muskel- fasern gebildet. Das Schlundrohr setzt sich unter der Haut verborgen und ziem- lich die ganze Dicke des Thieres einnehmend als ein etwa i Linie starker und 4 Linien langer Cylinder nach vorn fort. Von ihm entspringen an dem der Mund- öffnung 9ntgegengcsetzten Ende 3 Zweige des Darmes, einer nach vorn in der Richtung des Schlundrohres verlaufend und unter Abgabe zahlreicher rechtwinklig abstehender Aeste allmählig verschmälert bis in die Nähe des vorderen Endes Landplanarien. «7 -i reichend, und zwei nach hinten gehende Aestc, welche nach rückwärts umgebogen längs des Schlundrohrcs und über dasselbe hinaus bis an das hintere Ende reichen, und nach aussen zahlreiche Zweige abgeben. Diese Haupt- und die grösseren Nebenzweige des Verdauungsrohres besitzen stark muskulöse Wandungen und einen inneren kleinzelligen Epithelialbelag. Mit der immer mehr ins Feine gehenden Theilung der Seitenäste des Nahrungscanales verdünnt sich die Muskelschicht immer mehr, während die Epithelialzellen grösser und dunkler granulirt werden, bis letztere die an die Ringmuskeln der Haut innen angehefteten traubigen Enden der Darmverzweigungen ausschliesslich darstellen, nur von zarter structurloser Hülle umgeben. Diese grosszelligen letzten Enden des verzweigten Verdauungs- rohres dürften in ihrer Function einer Leber verglichen werden. Die Muskelfasern des Nahrungscanales gleichen zum grossen Theile den oben geschilderten der Haut. Ausser diesen finden sich aber noch andere mus- kulöse Elemente in der ganzen Ausdehnung dieses Canals)^stems, welche den organischen Muskelfaserzellen höherer Thiere in der Form nicht unähnlich sind. Es sind dies meist spindelförmige, abgeplattete Körper mit abgerundeten oder unregelmässig gerissenen Enden von ähnlicher Grösse und Gestalt, wie die breiten kurzen Muskelfaserzellen aus Arterienhäuten, die ich in meiner Inauguraldissertation: De arteriarum notione, structura etc., 1849, tab. III, Fig. 2 u. 4 abgebildet habe. Dieselben sind durchsichtig, blass, farblos, nicht körnig, dagegen mit einer An- deutung von Längsstrichelung versehen und entweder homogen, oder zeigen einen körnigen centralen Streifen, welcher entweder durch die ganze Länge des faser- zellenähnlichen Gebildes läuft, oder nur im Centrum auf eine kürzere Strecke wahrnehmbar ist. Dieser Streifen besitzt in der Mitte immer eine Anschwellung und ist nach den Enden zugespitzt, hat aber keine Aehnlichkeit mit einem scharf- umschriebenen Kerne, sondern erinnert eher an die körnigen Axenstränge der Muskelfäden, welche neuerdings C. Semper von den Schnecken beschrieben hat (Zeitschr. f. wiss. Zoologie, Bd. VIII, p. 345, Tab. VII, Fig. 10). Die Gestalt der beschriebenen Körper variirt mannigfach. Wenn auch die Spindelform die ge- wöhnliche ist, so kommen auch einzelne keulenförmige vor, welche an einem Ende in einen längeren Faden ausgezogen sind, andere gleichen Bruchstücken von Fasern, und noch andere stellen wirklich längere Fasern dar, gleichen dabei in ihrem Lichtbrechungsvermögen und der Andeutung einer Längsstrichelung den Spindelkörpern vollkommen, wenn ihre Breite auch eine geringere ist, so dass ein Uebergang der einen Form zur andern nicht verkannt werden kann. Alle diese Elemente kommen in den Wandungen des Verdauungsrohres mit schmäleren Muskelfasern, wie ich sie in der Haut gelegen beschrieb, gemischt vor, und zeigen wieder deutliche Uebergänge zu diesen, so dass ich namentlich aus diesem Grunde den Schluss auf die muskulöse Natur auch der Spindelkörper zu ziehen nicht an- stehe. Es scheint demnach, als wenn die breitesten unter den Muskclbändern im Körper unserer Geoplana aus einzelnen, den Faserzellen der höheren Thiere ähn- lichen Elementen zusammengesetzt wären, welche sich nach der Maceration leicht isoliren lassen, oder, wo sie fester bereits verbunden waren, leicht abbrechen, während die schmäleren lange continuirliche Fäden bilden, an welchen eine Ver- schmelzung aus mehreren Zellen nicht mehr wahrzunehmen oder überhaupt niemals vorhanden gewesen ist. •JA Landplanarien. In dem Schlundrohre unseres Thieres fand ich einen Bissen eingeschlossen, welcher aus der Reibeplatte und den Kiefern einer vSchnecke mit anhängenden muskulösen Theilen bestand. Es spricht diese Beobachtung wie die Angabe von F. Müller über den Vernichtungskrieg, welchen die Geoplana subterranea gegen die Regenwürmer führt, gegen die Annahme von Darwin, dass die Landplanarien sich nur von vegetabilischer Kost nährten und zwar von zersetztem Holze, an welchem man sie vornehmlich findet. Darwin hielt zwar einige Exemplare 2 1 Tage eingesperrt ohne ihnen anderes zur Nahrung zu reichen wie faules Holz, und wuchsen die Thiere in dieser Zeit beträchtlich. Doch möchte diese Beobachtung immer noch nicht entscheidend sein, da der Darm auf seinen Inhalt nicht unter- sucht wurde. Unser Exemplar enthielt nicht eine einzige Pflanzenzelle in demselben. Vom Nervensysteme konnte durch Präparation Nichts dargestellt werden, und von den Generationsorganen habe ich nur noch den an der Geschlechts- öffnung als kugligen Körper von ^/g Linie Durchmesser leicht isolirbaren Penis und die Samenblase zu erwähnen. Letztere enthielt keine Spermatozoiden. Die wahre Gestalt dieser contractilen und ganz aus feinen Muskelfasern gebildeten Organe wird nur die Untersuchung frischer Exemplare ermitteln können. Ein Gleiches gilt von den Geschlechtsdrüsen, dem Wassergefässsystem u. s. w. Immer aber würde eine Aufbewahrung dieser so äusserst zarten Thiere behufs späterer histologischer Untersuchungen in einer Lösung von doppelt chromsaurem Kali I — 2 Gran auf eine Unze Wasser dem Spiritus bei weitem vorzuziehen sein, und empfehle ich diese Lösung allen Sammlern aufs wärmste. Lumbrlcus corethrurus, Bürstenschwanz ^). Der Inhalt der Abhandlung ist in der Anmerkung S. 65 — 66 der gesammelten Schriften wieder- gegeben. Angefügt ist noch die folgende Notiz des Herausgebers des Archivs: Die obige Mittheilung ist mir im Januar 1857 mit folgendem Schreiben des Hrn. Prof. Max Schultze in Halle zugegangen, welches manchem Leser des Archives von Interesse sein dürfte: Mit besten Grüssen sende ich Ihnen anbei die Beschreibung eines neuen Regenwurmes von Dr. Fritz Müller in Colonie Blumenau in Brasihen, Ihnen bekannt durch seine früheren Beiträge zu Ihrem Archiv, in welchem auch diese Zeilen wohl einen Platz finden dürften. Nachdem Müller mehrere Jahre Landbauer in der genannten Colonie ge- wesen und kaum Zeit zu naturwissenschaftlichen Beobachtungen, geschweige denn dazu hatte, solche in einer mittheilbaren Form niederzuschreiben, dürfen wir jetzt auf reichhch erfolgende Mittheilungen und Sammlungen von ihm hoffen. Er ist seit Kurzem als Lehrer der Mathematik an einer neugegründeten Schule in Desterro auf der Insel St, Catharina angestellt, wohnt unmittelbar am Meere, dessen Fauna er mir in beredten begeisterten Worten als eine ausserordentlich mannichfaltige schildert, und wird sich zoologischen Studien nunmehr so viel es seine Zeit erlaubt widmen. Ich freue mich ungemein, dass eine so tüchtige Kraft der Wissenschaft wiedergewonnen ist. Ein Mikroskop habe ich ihm jetzt auch durch Bur meist er hinüber geschickt I) Archiv für Naturgt;schichte 1857. I. p. 113 116. Einiges über die Annelidenfauna der Insel Santa Catharina an der brasilianischen Küste ^). (Aus einer brieflichen Mittheilung an Prof. Grube.) Mit Tafel V und VI. Die nachfolgenden Bemerkungen über brasilianische von Herrn Dr. Fr, Müller gesammelte Anneliden glaube ich dem wissenschaftlichen Publikum um so weniger vorenthalten zu dürfen, da uns von exotischen Thieren dieser Klasse so wenig bekannt, die hier besprochenen von Herrn Dr. Müller lebend beob- achtet und darunter viele neue Gattungen aufgestellt sind. Wir entnehmen daraus zugleich, dass die grüne Blutfarbe bei den Anneliden weiter verbreitet ist, als wir bisher gewusst, dass auch bei den Polynoen verschiedene Arten verschieden ge- färbtes Blut besitzen, und dass sich die Zahl der Anneliden mehrt, denen das sonst so allgemein vorkommende lebhaft pulsirende Rückengefäss und überhaupt ver- zweigte Gefässe fehlen, und bei denen, wie es scheint, das Blut nur wandungslos in der Leibeshöhle vorkommt, und zwar ein Blut, dessen P'arbstoff nicht an seiner Flüssigkeit, sondern an den in ihm sehr zahlreich vorkommenden ganz regel- mässig geformten Körperchen haftet. Was an genauerer Unterscheidung der hier erwähnten Arten noch mangelt, das werden hoffentlich bald zu erwartende Nachträge ergänzen. Ed. Grube. . . . Wie zu erwarten stand, sind alle hiesigen Arten neu: Ihre Zahl beläuft sich auf etwa 60, die sich, wie folgt, unter die einzelnen Familien verteilen: Fam. Aphrodite a. 4 Polynoe (Lepidonote-) und 2 Palmyraarten. Letztere dadurch interesssant, dass aUe Segmente gleich ausgestaltet sind und Rückencirren tragen, auch das grüne Blut der P. obscura ist eine bemerkenswerthe Eigen- thümlichkeit. Von den Polynoen hat die gemeinste Art (P. fusca) eine grössere Zahl von Elytren als alle übrigen Lepidonotcn, nämlich 2 1 Paar -), die auf die 45 Segmente so vertheilt sind, dass sie dem 2ten, 4ten, 5ten, 7ten, gten u. s. w. 25sten, 27sten, 28sten, ßostcn, 3isten, 34sten, 36sten, 38sten, 4isten zukommen. 1) Archiv für Naturgeschichte 1858. I. p. 211 — 220. Taf. VI. u. VII. 2) Nicht mehr die einzige Art mit 21 Elytrenpaaren. Gr. Annelidenfauna der Insel Santa Catharina. y^^ P. lunifera mit 37 Segmenten trägt ihre 15 Paar Elytren auf dem 2ten, 4ten, 5ten, yten u. s. w., igten, 2isten, 24sten, 27sten, ßosten, 33sten Segment. Bei dieser und P. pallida beobachtet man Fhmmerepithelium auf der Basis der Ruder, wo es auch sonst öfter vorkommt. Fam. Eunicea. i Diopatra, i Onuphis, 3 — 4 Eunice, 3 Lumbriconereis und I neue Gattung^), Die Lumbriconereis sind entschieden nicht blosse Jugendzustände, wie für die eine Art die beobachteten Eier und Spermatozoiden, für die anderen beiden die sehr eigenthümliche Gebiss- und Borstenbildung beweist. Diopatra hat grünes Blut. Die Normalzahl der Aftercirren der Euniceen, die ich bei allen unseren Arten finde, ist 4, selten gleich lang wie bei 2 Lumbri- conereis, meist die untere beträchtlich kürzer und selbst fast verschwindend klein. Die Borsten in vollzähliger Entwickelung zeigen 6 verschiedene Formen an dem- selben Ruder, von unten nach oben in folgender Ordnung: i) Rückenborsten, bisweilen fast gerade und den Aciculis ähnlich, selten die einzige Bewaffnung des Ruders bildend ; 2) ein Bündel zusammengesetzter Borsten ; 3) Aciculae meist in mehrfacher Zahl, bisweilen mit knopfförmiger Spitze, bisweilen in eine haarförmige Spitze auslaufend; 4) ein Bündel haarförmiger Borsten, denen sich bisweilen paleen- ähnliche Borsten beigesellen ; 6) endlich einige sehr zarte nach dem Rückencirrus zu sich erstreckende, nicht aus der Haut austretende Borsten, Vielfache Eigenthümlichkeiten hat die Gattung Anisoceras' Gr. (Taf. V. Fig. 1). Der elliptische Kopflappen trägt 2 Paar Augen, nahe dem Seitenrande I Paar geringelter und daneben ein zweites Paar plumper ungeringelter Fühler. Das zweiringlige Mundsegment, das beiderseits wulstig neben dem Kopflappen vorspringt, ist anhangslos. Die ziemlich schlanken Ruder mit drei Lippen (Taf. V. Fig. 2), einer unteren und zwei oberen, über der unteren ein Büschel sichelförmiger, zwischen den oberen ein Büschel einfacher Borsten, eine einzelne Acicula, ein kurzer Bauch- und ein ziemlich langer zweigliedriger Rückencirrus. Keine Kiemen. Vier Aftercirren. Das abweichendste ist indessen das Gebiss, indem hier die Kiefer in eine grosse Zahl (gegen 100) einzelner Zähne zerfallen, die jederseits vier paar- weis genäherte gebogene Längsreihen bilden. Auch die Färbung ist eigenthüm- lich, indem der gelbliche Körper auf dem Rücken jedes Segments zwei braun- rothe Querbinden trägt. Die unteren Fühler scheinen nicht den äusseren Rückenfühlern der Euniceen zu entsprechen, sondern ähnliche nur beträchtlicher entwickelte und an die so- genannten Fühlercirren der Spiodeen erinnernde Organe, wie sie sich bei den Larven der Onuphis finden. Fam. Lycoridea. 6 Arten Nereis, meist aus der Abtheilung Nereilepas, Für diese scheint mir die Deutung des grossen oberen Züngelchens als Kieme unzweifelhaft. Eine bis jetzt nur einmal beobachtete Art hat grünes Blut. i) Herr Dr. Müller hatte noch nicht das Heft der Videnskabelige Meddelelser fra den natur- historiske Forening i Kjöbenhavn vom Jahre 1856 in Händen, in welchen ich p. 60 die hier beschriebene Gattung bereits unter dem Namen Anisoceras aufgestellt und darauf aufmerksam gemacht habe, dass auch delle Chiaie eine zu derselben gehörige Art unter dem Namen Nereis Rudolphii in seinen Memorie beschrieben. Die Art, welche Herr Dr, Müller vor Augen gehabt, scheint mir dieselbe, die Oerstedt bei Punta arenas gefunden und die wir in der oben genannten Zeitschrift als Anisoceras vittata beschrieben. Gr. 78 Annelidenfauna der Insel Santa Catharina. Fam. Ph)^llodocea. Eine kleine Eulalia und eine Hesione, letztere (H. picta) mit weissen Querbinden auf schwärzlichem Grunde und mennigrothem Grundgliede der Rücken- und Fühlercirren ist vielleicht die schönst gefärbte der bekannten Anneliden. Sie ist fühlerlos (Taf. V. Fig. 3). Rothes Blut, dicht aneinander liegende Hälften des Nervenstranges und büschelförmige Ovarien entfernen sie von den eigentlichen Phyllodoceen. Fam. Syllidea. Eine Art Syllis, die vielleicht wegen der Randpapillen des Rüssels eine eigene Gattung Lalage bilden muss, wenn den übrigen Syllis diese Papillen wirklich fehlen. Wie arm sind hier diese beiden in nordischen Meeren so reichen Familien im Vergleiche mit den Euniceen. Fam. Glycerea. Eine neue Gattung: Gly cinde. Mit reichlicher bewaffnetem Rüssel als irgend ein anderer Wurm (Taf. V. Fig. 4. 5. 6). Randpapillen und nahe dem Rande ein Kreis von etwa 20 schwarzen Kieferspitzchen, von denen die zwei untersten ansehnlich gross sind. Auf der Rückenseite zwei Längsbinden farbloser aufwärtsgekrümmter Zähne (mehrere 100), kleinere Zähnchen auf seiner Bauchfläche und einzelne flache Plättchen zerstreut an den Seiten. Kopflappen geringelt, die vier Fühlerchen zweigliedrig, ein Paar Augen an seiner Basis, ein zweites nahe der Spitze. Keine Kiemen. Rücken- und Bauchcirrus und zwei blattförmige Lippen an jedem der beiden Borsten- büschel. Zwei lange untere und zwei rudimentäre kuglige obere Aftercirren. Ich vermisse bis jetzt bei diesem Thiere Gefässe. Die Flüssigkeit der Leibeshöhle hat Blutfarbe, enthält zahlreiche grosse flache kreisrunde Scheibchen (von 74^ Milli- meter Durchmesser 1)) und scheint die Stelle des Blutes zu vertreten. Spec. Glycinde multidens. Fam. Amytidea? Sigambra Grubii. Kopflappen nicht deutlich vom langen Mundsegmente geschieden mit zweilappiger Stirne; zwei winzigen Stirn- und drei Nacken- Fühlern (Taf. V. Fig. 9), jederseits zwei Paar Fühlercirren ; der obere des hinteren Paares sehr lang, zwischen denen des hinteren Paares ein Borstenbündelchen. Ruder einästig mit einem Bündel einfacher Borsten und einer Acicula, kurzer fadenförmiger Bauch- und langer schmal blattförmiger Rückencirrus, in dessen Basis versteckt sich eine zweite Acicula, begleitet von einem einzelnen gestreckten Häkchen (Taf, V. Fig. 7 u. 8). Zwei lange Aftercirren; zahlreiche kurze Seg- mente. Rüssel cylindrisch mit Randpapillen, Darm mit seitlichen Fortsätzen in die Basis der Ruder. Blut gelblich. Fam. A r i c i e a. 2 Arten Spio (?), i Leucodore, i Magelona (nov. gen.), I Gisela n. g., 4 Cirratulus, i Aricia, i Theodisca n. g., i Cherusca n. g., i Her- mundura. Sie sehen, wie reichlich diese Familie oder vielmehr das Gemisch heterogener nur durch negative Charaktere vereinigter Thiere hier vertreten ist. Ob wirklich L e u c k a r t's Leucodore mutica der sogenannten Fühler entbehrt. I) Wir hätten hier also ein drittes Beispiel von einer frei im Leibe einer Annelide fluctuirenden an regelmässigen gefärbten Körperchen reichen Flüssigkeit, beim Mangel von Gefässen. An Glycera und Capitella haben Quatrefages, van Beneden, Oersted und ich ähnliches beobachtet. Gr. Annelidenfauna der Insel Santa Catharina. 79 möchte ich, beiläufig bemerkt, bezweifeln; da die Spionen leicht diese Organe verlieren und nicht selten ohne dieselben angetroffen werden, M a g e 1 o n a. Kopflappen flach, häutig, breit herzförmig; zwei sehr lange mit cylindrischen Papillen besetzte sogenannte Fühlercirren, ich sage sogenannte, da ich in der That kaum eine Analogie zwischen diesen Organen und den Fühlercirren anderer Rapacia finde. Vordere Körperabtheilung aus 9 Segmenten mit zweizeiligen Bündeln ein- facher Borsten, jedes mit einer cirrenartigen Lippe. Die sehr zahlreichen Seg- mente der hinteren Körperabtheilung tragen jederseits eine untere und eine obere Querreihe gestreckter Häkchen (Taf. V. Fig. 11) und zwischen beiden zwei cirren- artige fadenförmige oder schmal blattförmige Fortsätze. Zwei Aftercirren. Wenig vorstülpbarer Rüssel. Darm in der hinteren Körperabtheilung zwischen je zwei Segmenten sehr stark eingeschnürt. Das Blut blassviolett mit sehr zahlreichen Blutkü gelchen. Rücken- und Bauchgefäss; an der Grenze je zweier Segmente der hinteren Körperabtheilung entspringt aus jedem derselben ein Seitengef äss ; diese laufen neben einander nach aussen, dann geschlängelt nach hinten und enden in eine gemeinsame contractile Blase (Taf. V. Fig. 10). Weitere Gefässe scheinen zu fehlen. Das Blut fluctuirt sehr lebhaft, doch in stets wechselnder Richtung. In der vorderen Körperabteilung scheint das Blut gefässlos die Leibeshöhle zu füllen, und dringt in den Kopflappen und die Fühlercirren. Spec. Magelona papillicornis. Gisela. Herzförmiger Kopflappen; zwei Paar Augen. Ein Büschel Haarborsten zwischen einer breit blattförmigen unteren und oberen Lippe, von denen die letztere in einen cirrusähnlichen Faden ausläuft ; auf der Bauchseite eine Querreihe Hakenborsten, von denen eine einfach S-förmig und stärker ist, die anderen einen kurzen scharf umgebogenen Schnabel haben (Taf. V. Fig. 12). Von der oberen Lippe läuft eine niedrige häutige Lamelle mit stark flimmerndem Rande quer über den Rücken und scheint als Kieme zu fungieren. Die vorderen Segmente sind abweichend ausgestaltet. Zwei Aftercirren. Spec. Gisela heteracantha. Theodisca. Theodisca schliesst sich im Baue der seitlichen Fortsätze an Aricia an, unter- scheidet sich aber durch einen einzig dastehenden Rüssel, der dendritisch in zahl- reiche fingerförmige mit Flimmerepithelium bedeckte Lappen zerschlitzt ist (Taf. V. Fig. 14). Ruder der hinteren Segmente Taf. V. Fig. 13, Aftersegment Taf. V, Fig. 15. Spec. Theodisca aurantiaca. Hermund ura. Kopflappen zweispitzig oder vielmehr in zwei einstülpbare Stirnfühler (Taf. VI. Fig. iq) auslaufend. Zweiästige Ruder, der lange untere Ast mit farbloser Acicula und einem Büschel zahlreicher ziemlich starker einfacher Borsten ; der sehr kurze obere Ast hat als einzige Bewaffnung eine Acicula, kürzer und stärker als die gQ Annelidenfauna der Insel Santa Catharina. des untern (Taf. VI. Fig. 21. Keine Kiemen. Zwei seitlich abstehende und ein kurzer unpaariger Aftercirrus (Taf. VI. Fig. 20). Spec. Hermundura tricuspis. Cherusca. Winziger Kopflappen mit unpaarem Fühler, auf seinem Rücken (oder dem des isten Segments?) ein ästiger Anhang, fast wie eine Terebellenkieme ! Die seitlichen P'ortsätze aller Segmente mit einer oberen und unteren blattförmigen Lippe. Borsten des isten Segments ein Bündel gerader und ein Bündel schwach S-förmig gebogener Borsten, am 2ten und ßten Segmente einige dieser S-förmigen Haken und ein Bündel zarter Haarborsten, am 4ten bis 6ten Segmente nur diese letzteren, ebenso am jten bis i3ten, an denen die Enden der beiden Lippen in spateiförmige Paleen übergehen, die diesen Weichtheilen nicht ein-, sondern auf- gepflanzt sind! (Taf. VI. Fig. 18). Die übrigen Segmente mit mehreren Büscheln verschiedener starker Haarborsten und im oberen Theile des Ruders mit einem Säckchen voll äusserst zahlreicher loser, in Masse goldglänzender sehr zarter kurzer Borstchen, die bei jedem Reize in Menge entleert werden und mit dem aus dem vorderen Theile des Ruders austretenden Schleime das Thier umgeben (Taf. VI. Fig. 16). Drei Aftercirren (Taf. VI. Fig. 17). Diese hintere Körper- abtheilung ist unendlich lang, ich habe schon über fusslange Fragmente, aber noch kein unversehrtes Exemplar des sehr schmalen und flachen äusserst zer- brechlichen Thieres gefunden. Keine dieser sonderbaren Aricieen ist etwa nur Larvenzustand : ich habe alle mit entwickelten Zeugungsstoffen beobachtet. Familie? Drilidium. Der kurze rundliche Körper hat gegen 20 undeutlich geschiedene Segmente; ein deutlicher Kopflappen, zwei Augen, Mund am Vorderende, daneben ein paar längere Papillen (Fühler?), winzige Borstenhöcker mit einer Acicula und ein zwischen zwei kurzen Lippen vortretendes Bündel von etwa fünf einfachen lanzett- förmigen Borsten. Haut mit kleinen Papillen besetzt. Kurzer muskulöser Schlund und weiter häutiger etwas gebogener Darm, der frei in der Leibeshöhle liegt. Das Thier, frei im Meerwasser aufgefischt, war nur 373 Millimeter lang, hatte aber die Leibeshöhle voll Eier in verschiedenen Stadien der Entwickelung. Fam. Pherusea. Ein Siphonostomum. Die sogenannten oberen Fühler sind ohne Zweifel Kiemen, das beweist ihr Blutreichthum vmd ihr ungewöhnlich lebhaft wimperndes Flimmerepithelium, auch die sogenannten unteren Fühler scheinen mir wenig Anspruch auf diesen Namen zu haben. Fam. Maldan ia. i Clymene und 1 Ammochares vielleicht nicht verschieden von A. Ottonis, dessen Beschreibung mir nicht mehr erinnerlich ist. Clymene hat einen vorstülpbaren Rüssel. Die zerschlitzte Kopfmembran des Ammochares ist ziemlich blutreich und flimmert, und ist deshalb wohl als Kieme anzusprechen. Blut roth. Zahlreiche blinde frei in der Leibeshöhle flottirende Gefässe. Fam. Terebellacea. Etwa ein halb Dutzend Terebella, i Terebellides, I Isoida nov. gen., i Sabellides ?, i Polycirrus. Terebellides anguicomus (Taf. VI. Fig. 22). 17 Paar Borstenbündel, Haken- borsten gestreckt, fehlen unter dem isten bis 4ten Borstenbüschel, unter dem 5ten Annelidenfauna der Insel Santa Catharina. gl sind sie von abweichender Form (Taf. VI. Fig. 23). Der hintere Körpertheil mit Flösschen, die sehr winzige Häkchen tragen, ist durch eine Einschnürung in zwei Abtheilungen geschieden, die vordere mit 11 — 12 ziemhch langen, die hintere mit gegen 30 sehr kurzen Segmenten. Keine Aftercirren, kein die Fühlfäden deckendes Blatt, diese zahlreich, zart mit lanzettlich verbreiterter Spitze. Kiemen aus vier verwachsenen Blättern bestehend, die beiden unteren oder hinteren sehr klein und nur an der Spitze als schmale Züngelchen vortretend, die obern mit queren kreis- förmigen Lamellen besetzt. Vor dem muskulösen Magen zwei dunkelbraune Drüsen. Einer der gemeinsten unserer Ringelwürmer. Isoida. Ueber dem Lippenblatte wenig zahlreiche kurze Fühlfäden, acht Kiemen- fäden auf dem Rücken dicht beisammen, die vier äussern einfach, die vier innern mit doppelter Reihe von Nebenfäden (Taf. VI. Fig. 26). Ausser dieser Form der Kiemen erinnert das Thier auch dadurch bei oberflächlicher Betrachtung an die Serpulaceen. dass es die Kiemen meist in der Richtung der Körperachse aus dem häutigen Rohre vorstreckt. Kiemen und Fühlfäden flimmern. Im hinteren Theile des Körpers nur Flösschen mit kurzen Häkchen ; vorn Bündel einfacher Borsten und untere Häkchenreihen, an deren Stelle bei den ersten Borstenbüscheln eine dichte Reihe kurzer, gerader Borsten; die Bewaffnung des ersten Segments be- schränkt sich auf einen einzigen starken Stachel mit kurzer sichelförmiger Spitze. Blut blassroth mit einem Stich in's Grünliche. Spec. Isoida pulchella. Sabellides? Das Thier, das ich seiner einfachen fadenförmigen Kiemen wegen vorläufig hierher stelle, hat sonst, so viel ich mich der Sars'schen Be- schreibung erinnere, wenig Aehnlichkeit mit dessen Art. Das Lippenblatt, 7* des Umkreises bildend, umgiebt kreisförmig den Mund und trägt am Rande und darüber die zahlreichen langen und ziemlich starken röthlichgrauen Fühlfäden, die durch kein Blatt von oben gedeckt sind. Kiemenfäden sehr zahlreich in sechs Gruppen den sechs Kiemen der Terebellen entsprechend, können sich pfropfen- zieherartig zusammenziehen. Körper von gewöhnlicher Terebellenform, lang, mit Borstenbüscheln und Häkchenreihen an allen Segmenten. Polycirrus? beobachtete ich erst in wenigen unvollständigen Exemplaren. Ein ziemlich langes Blatt über dem Munde trägt zahlreiche hohle Fäden mit Flimmerepithelium, in denen das rothe Blut mit auffallend grossen Blutkörperchen durch Contraktion dieser Fäden lebhaft hin und her wogt. Die Querreihen der Häkchen beginnen unter dem yten Borstenbüschel. Fam. Hermellacea. i Sabellaria, i Centrocorone. Fam. ^erpulacea. 4 Sabellen ^), i Protula, i Eupomatus und verschiedene Serpula- und Spirorbisröhren. I) Die von Herrn Dr. Müller hier angeführten von ihm für neu gehaltenen Arten scheinen mir noch nicht so genau charakteisirt, dass man sie mit Sicherheit von allen übrigen unterscheiden könnte; weshalb ich es im Interesse der Wissenschaft für räthlicher halte, ihre Namen hier vorläufig noch nicht mitzutheilen. Fritz Müllers gesammelte Schriften. " g2 Annelidenfauna der Insel Santa Catharina. Erklärung- der Abbildungen auf Tafel V und VI. Fig. I. Vorende von Anisoceras vittata Gr. Oerst. Fig. 2. Ruder derselben. Fig. 3. Kopflappen von Hesione picta. Fig. 4. Zahn von Glycinde multidens. Fig. 5. Grössere Kieferspitzen von Glycinde multidens. Fig. 6. Kleinere Kieferspitzen von Glycinde multidens. Fig. 7. Ruder von Sigambra Grubii. Fig. 8. Hakenborste von Sigambra Grubii. Fig. 9. Vorderende von Sigambra Grubii. Fig. 10. Gefässschlinge von Magelona papillicornis. Fig. II. Hakenborste von Magelona papillicornis. Fig. 12. Querreihe von Hakenborsten von Gisela heteracantha. Fig. 13. Ruder der hinteren Segmente von Theodisca aurantiaca. Fig. 14. Rüssel von Theodisca aurantiaca. Fig. 15. Aftersegment von Theodisca aurantiaca. Fig. 16. Ruder der hinteren Körperabtheilung von Cherusca nitens. a Säckchen mit losen Borsten, b Schleimkügelchen. Fig. 1 7. Aftersegment von Cherusca nitens. Fig. 18. Palee des 7.— 13. Segments von Cherusca nitens. Fig. 19. Einstülpbaare Stirnfühler von Hermundura tricuspis. Fig. 20. Aftersegment von Hermundura tricuspis. Fig. 21. Ruder von Hermundura tricuspis. Fig. 22. Terebellides anguicomus. Fig. 23. Hakenborste unterm 5. Borstenbüschel von Terebellides anguicomus. Fig. 24. Hakenborste unterm 6. — 17. Borstenbüschel desselben Thieres. Fig, 25. Hakenborste der Flösschen desselben Thieres. Fig. 26. Vorende von Isoida pulchella. Fig. 2"]. Aftersegment von Isoida pulchella. Fig. 28. Borsten vor dem Borstenwechsel von Sabella. Fig. 29. Borsten des ersten Segments nach dem Borsten Wechsel von Sabella. Fig. 30. Borsten der hinteren Segmente von Sabella. Fig. 31. Aftersegment einer Sabella. Fig. 32. Augen mehr vergrössert von derselben. Fig. 33. Hakenborsten vor dem Borstenwechsel von derselben. Die Magenfäden der Quallen^). Man kennt seit lange bei den höheren Schirmquallen, den Familien der Rhizostomiden, Medusiden, Pelagiden und Charybdeiden, Gruppen tentakelähnlicher Fäden in der Nähe des Mundes, die mit langsam wurmförmiger Bewegung begabt, mit Flimmercilien bedeckt und mehr weniger reichlich mit Nesselorganen aus- gestattet sind. Sie scheinen den Quallen der genannten Familien allgemein zu- zukommen und dürften das einzige sie von den niederen Quallen (Cryptocarpae Eschsch., Gymnophthalmata Forb., Craspedota Gegenb.) scheidende gemeinsame Merkmal sein. Der Mangel des Velum wenigstens, den Gegenbaur als solches be- trachtet, ist es eben so wenig, als die Bedeckung der Randkörperchen, von der Forbes den Namen der Steganophthalmata entlehnte; zwei mit Charybdea marsu- pialis Per. in den wesentlichsten Zügen ihres Baues übereinstimmende Arten, Tamoya haplonema und quadrumana mihi, deren ausführliche Beschreibung ich dieser Tage meinem Freunde Max Schultze übersandte, haben ein höchst entwickeltes Velum. Weniger übereinstimmend, als über das Vorkommen, lauten die Angaben über die Bedeutung dieser Fäden. Ihr constantes Vorkommen in der Nähe der Geschlechtsorgane bei den ersten drei Familien gab Veranlassung, sie als „fühler- ähnliche Anhänge der Geschlechtsorgane" zu bezeichnen und damit implicite eine Beziehung zur Geschlechtsfunction auszusprechen. Gegenbaur, der sie bei Nausithoe und Charybdea als hohle mit der Magenhöhle in Verbindung stehende Fäden be- schreibt, erklärt sie als Reservoirs der im Gastrovascularsystem sich bewegenden Flüssigkeit. Milne Edwards bezeichnet sie bei Charybdea als canaux biliaires. Leuckart paralleHsirt sie den von ihm als nierenartige Absonderungsorgane ge- deuteten Mesenterialfilamenten der Actinien. Soweit ich darüber Angaben finde, werden sie allgemein als hohl und vom Gastrovascularsystem frei nach aussen oder in die Geschlechtshöhlen gerichtet be- schrieben. Ich hatte Gelegenheit, diese Fäden bei den genannten beiden Arten von Tamoya, bei einer Rhizostomide und bei einer grossen Chrysaora zu untersuchen, ohne mich einer der gegebenen Deutungen anschliessen zu können. Bei Tamoya finden sich die Geschlechtsorgane in den weiten Seitentaschen des Magens, entfernt von den dem blossen Auge als trübe Streifen der Magen- I) Zeitschrift für wissenschaftliche Zoologie. 1858. IX. p. 542 — 543. g^ Magenfäden der Quallen. haut erscheinenden Gruppen der Magenfäden, so dass also wenigstens hier an eine nähere Beziehung beider Organe nicht zu denken ist. Bei allen 4 Arten finde ich die Fäden solid und in die Höhle des Magens gerichtet, letzteres ist bei allen, namentlich bei Chrysaora leicht zu constatiren, wo sie eine Länge von einigen Zoll erreichen ; ersteres wird besonders nach Behandlung mit Chromsäurelösung deutlich, worauf sich die Rindenschicht leicht von dem durchsichtigen bei frischen Fäden allerdings einer Höhle ähnlich erscheinenden soliden Centralstrang abpinseln lässt. Dadurch ist denn für unsere Arten die Erklärung von Gegenbaur unmöglich gemacht. Nahe liegt es dagegen, an eine Beziehung der Magenfäden zur Verdauung zu denken. Diese Vermuthung zu bestätigen oder zu widerlegen, bedeckte ich Muskeln aus einer Krabbenscheere und ein Stück vom Hintertheile eines Alpheus mit den einer lebenden Tamoya haplonema entnommenen Magenfädengruppen und übergoss sie mit ein wenig Seewasser. Entsprechende Stücke legte ich in reines Seewasser. Letztere zeigten sich nach 10 bis 12 Stunden nicht merklich verändert. Dagegen war unter dem Einfluss der Magenfäden das Fleisch des Alpheus vollständig, das aus der Krabbenscheere fast ganz zu einer trüben Flüssig- keit gelöst; die schwärzlichgrüne Schaale des Alpheus hatte sich röthlich gefärbt; ein schleimig erweichter Rest auf der Chitinplatte, von der die Muskeln der Krabben- scheere entspringen, Hess unterm Mikroskop noch seine Muskulatur erkennen. Die Magenfäden zeigten sich noch frisch, flimmernd und wie gewöhnlich in langsam wurmförmiger Bewegung. Ob nun ein eigenthümliches von dem der übrigen Magenwand verschiedenes Secret von den Fäden erzeugt wird, oder ob sie nur zur Vergrösserung der ver- dauenden Magenfläche dienen , ist allerdings hiermit noch nicht entschieden, ersteres jedoch mir wahrscheinlicher, da ich unregelmässig rundliche dunkel con- tourirte Körperchen von 0,01 Millimeter Durchm., die ich auf der Oberfläche der Fäden und in der umgebenden Flüssigkeit bei Tamoya fand, im übrigen Theile des Magens vermisste. Auffallend sind die bei Tamoya sehr spärlich, bei den beiden anderen Arten sehr reichlich den Fäden eingestreuten Nesselorgane, wie sie auch Will bei Cephea, Gegenbaur bei Charybdea fand. Bei Tamoya und Chrysaora könnte man sie auf Bewältigung lebend verschluckter Beute beziehen. Was aber können sie in der centralen Höhle unserer polystomen Rhizostomide bedeuten, die weit entfernt liegt von den Oeffnungen der Arme? Zwei neue Quallen von Santa Catharlna^). Tamoya haplonema und quadrumana. Mit Tafel VII, VIII und IX. Das Meer von Santa Catharina scheint nicht eben reich an Quallenarten zu sein ; doch finden sich unter diesen mehrere in systematischer wie in anatomischer Hinsicht besonders merkwürdige Formen. Zu diesen rechne ich vor allen die beiden nachstehend näher zu beschreibenden Schirm quallen, die am Strande der Praia de fora bei Desterro gefunden wurden. Die eine derselben, Tamoya quadrumana mihi gehört zu den seltneren Arten; im Laufe zweier Jahre bekam ich nur 3 Exemplare zu Gesicht, Weit häufiger ist die andere, Tamoya haplonema mihi, von der ich bisweilen an einem Tage über ein Dutzend fand. Des Gemeinsamen beider Arten ist so viel, dass ich ihre Beschreibungen in eine zusammenfasse, der Schilderung jedes Organes die specifischen Differenzen anschliessend. Der Körper ist glockenförmig, von wasserheller, recht fester Substanz und deshalb wenig veränderlicher Form, aussen bedeckt mit kleinen flachwarzigen Erhabenheiten, auf denen weissliche Fleckchen, Gruppen von Nesselzellen, liegen. Bei T. haplonema ist die Glocke höher (15 cm hoch, bei 12 cm Durchm.), mit flachem Scheitel, fast senkrecht niedersteigenden Wänden und ziemlich viereckig im Querschnitt; bei T. quadrumana niedriger {10 cm hoch, bei 12 cm Durchm.), der Halbkugel sich nähernd, mit gewölbtem Scheitel und nach unten ansehnlich erweitert. Durch Längsfurchen sind die Seiten der Glocke aussen in 8 Längs- wülste getheilt, 4 schmälere dickere, den Ecken des vierseitigen Querschnitts bei T. haplonema entsprechend, und 4 breitere, flachere. Ich bezeichne der Kürze wegen auch bei T. quadrumana erstere als Eck-, letztere als Seitenwülste. Bei T. haplonema sind die Wülste in ihrer ganzen Länge ziemlich gleich breit, die Seitenwülste reichlich doppelt so breit als die Eckwülste; diese letzteren sind fast in der ganzen Länge von einer mittleren Längsfurche durchzogen und ausser- dem finden sich auf jeder Seiten wulst im unteren Drittel noch zwei nach unten convergirende seithche Furchen. Bei T. quadrumana sind die Eckwülste oben, I) Abhandlungen der Naturforschenden Gesellschaft in Halle. 1859. V. p. i— 12. Taf. I, II, III. üA Zwei neue Quallen von Santa Catharina. die Seitenwülste unten breiter (beide oben 3 cm, unten erstere 2 cm, letztere 6 cm), die Mittelfurche der Eckwülste durchzieht nur deren oberes Drittel, während auf den Seitenwülsten zwei parallele Längsfurchen ein mittleres 3 cm breites Feld abgrenzen. Entsprechend den äusseren Furchen verlaufen ähnliche auf der Innen- fläche der Glocke und ausserdem findet sich hier eine mittlere Längsfurche der Seitenwülste, bei T. quadrumana nur im unteren Drittel, bei T. haplonema in der ganzen Länge, jedoch häufig mehr als allmälige Verdünnung der Glocken- substanz, denn als scharfe Furche ausgeprägt. Bisweilen zeigt sich auch bei beiden Arten eine entsprechende schwache äussere Furche. Vom unteren Ende der Eckwülste entspringen 4 sehr ansehnliche Fort- sätze. Bei T. haplonema sind sie einfach keulenförmig, seitlich zusammen- gedrückt, mit scharfer äusserer und innerer Kante, 6 bis 7 cm lang, 4 cm hoch, am Ende einen bis gegen 5 Fuss langen bränlichen Fangfaden tragend ^). Weit weniger einfach sind sie bei T. quadrumana; hier ist dieser abwärts gerichtete und etwas einwärts gebogene Fortsatz am Ursprung rundlich, 16 — 18 mm dick, wird aber bald seitlich zusammengedrückt, mit scharfer äusserer und innerer Kante; seine Länge am inneren Rande beträgt etwa 45 mm; der äussere Rand trägt IG bis 1 1 schwertförmige seitlich comprimirte mit der Spitze etwas einwärts ge- bogene Fortsätze, von denen der erste unpaare von der Mittellinie, die folgenden paarig von den Seiten des äusseren Randes entspringen. Sie nehmen an Länge ab von dem ersten 45 mm bis zum letzten 10 — 15 mm langen; an der Basis deckt jeder folgende von aussen den vorhergehenden und am Ende trägt jeder einen sehr langen bräunlich gefärbten Fangfaden. Die Fangfäden sind hohl, sehr contractu (mit deutlicher Längsmuskel- schicht), und erscheinen durch in Querbinden geordnete Nesselzellen wie geringelt. Sie scheinen kaum zu brennen, haften dagegen sehr fest an Gegenständen, mit denen sie in Berührung kommen ; halbverdaute Fische im Magen der T. haplo- nema fand ich noch von einem Stück Fangfaden umschlungen. Die Nesselzellen dieser Art sind spindelförmig, 0,06 mm lang bei 0,015 mm Dicke, und jede ist von etwa sechs soliden cylindrischen Fäden (0,0g mm lang, 0,004 mm dick) um- geben, die vom Rande einer die Basis der Nesselzelle umhüllenden Scheide zu entspringen scheinen. Bei T. quadrumana finden sich grössere spindelförmige Nesselzellen (0,056 mm lang, 0,008 mm dick) und kleinere (0,012 mm lang, 0,003 "i^n dick), jede Art für sich in Querstreifen geordnet, die mit den kleinen Nesselzellen sind schmäler, aber weit zahlreicher. Der Kanal der Fangfäden setzt sich fort durch die Anhänge der Glocke und steht auf unten näher zu bezeichnende Weise mit dem Gastrovasculärsysteme in Verbindung. Ziemlich in gleicher Höhe mit dem Ursprung der keulen- oder bandförmigen Anhänge findet sich mitten auf den Seitenwülsten eine Querspalte, die in eine die Substanz der Glocke fast vollständig durchsetzende Nische führt. Sie ist von einer bei T. haplonema stärker entwickelten kreisförmigen Wulst umgeben und nach abwärts erstreckt sich von ihr bis über den Rand der Glocke ins Velum hinein eine zungenförmige Wulst, schmaler und dicker bei T. quadrumana, l) Ein einziges Mal sah ich an einem der 4 keulenförmigen Anhänge einen zweiten überzähligen Fangfaden. (Fig. 2.) Zwei neue Quallen von Santa Catharina. 87 flacher und als Fortsetzung des von den convergirenden Seitenfurchen begrenzten Feldes erscheinend bei T. haplonema. Im Grunde der Nische sitzt der gestielte Randkörper. Der untere Rand der Glocke ist eingefasst von einem reichlich zollbreiten häutigen Velum, das bisweilen schlaff niederhängt, bisweilen mehr oder weniger quergespannt erscheint. Der dünnhäutige Magen nimmt den Grund der Glocke ein ; er erscheint aufgeblasen mehr weniger kuglig und ist durch eine engere verschliessbare Stelle von dem sehr beweglichen, am Ende erweiterten, vierkantigen und in 4 Lappen gespaltenen Mundtrichter geschieden. Der Mundtrichter ist durch eine Schicht Gallertsubstanz verdickt, die indess viel weicher ist, als die der Glocke, und die auf der Mitte jedes Lappens eine abgerundete Längsrippe bildet. In ihrer Lage entsprechen diese Lappen den Seiten der Glocke (also den Randkörperchen). — Bei T. quadrumana ist der Mundtrichter relativ länger als bei T. haplonema, wo er in der Regel selbst nicht bis zur Hälfte der Glockenhöhe niederreicht. Abwechselnd mit den Mundlappen zeigt die Magenwand 4 trübe Streifen, die schon durch die Loupe in Gruppen äusserst zahlreicher wurmförmiger und langsam wurmförmig bewegter in die Höhle des Magens ragender Fäden von 5 — 6 mm Länge und 0,15 — 0,2 mm Dicke sich auflösen. Bei T. haplonema erstrecken sich diese Streifen in gerader aufwärts gerichteter Linie durch die zwei oberen Drittel der Magenwand ; die Fäden sind meist ein- bis zweimal in je 2 bis 3 lange Aeste getheilt, selten stärker verästelt. Bei T. quadrumana sind die Streifen hufeisenförmig gebogen, der Bogen dem Grunde der Glocke, die Schenkel dem Munde zugekehrt, und die Fäden unverästelt. — Die Flimmercilien, mit denen diese Fäden bedeckt sind, erzeugen eine lebhafte nach deren Spitze gerichtete Strömung; einzelne kleine Nesselzellen finden sich namentlich am unteren Theile der Fäden ; ausserdem zeigt ihre Oberfläche unregelmässig rundliche, dunkel con- tourirte Körperchen von 0,01 mm Durchm., und ähnliche, wahrscheinlich Secret der Fäden, fanden sich in der umgebenden Flüssigkeit. Man ist beim ersten Blick durchs Mikroskop versucht, diese Fäden für hohl zu halten; indessen weist eine nähere Untersuchung die scheinbare Höhle als einen soliden durchsichtigen Central- strang nach. Nach Behandlung mit Chromsäurelösung lässt sich leicht die äussere Schicht von dem Centralstrange abpinseln. Aehnliche wurmförmige Fäden, wie die unserer beiden Arten, sind bei den meisten einer näheren Untersuchung unterworfenen höheren Schirmquallen ge- funden worden. Indess weichen von denen der Tamoya die der übrigen Quallen nach den früheren Angaben dadurch ab, dass sie hohl sind (so nach Gegenbaur bei Nausithoe und Char}^bdea), nach aussen oder in die Geschlechtshöhlen ragen, und in unmittelbarer Nähe der Geschlechtsorgane sitzen. Letzteres ist jedenfalls ein reeller und charakteristischer Unterschied der EJiizostomiden, Medusiden und Pelagiden von Tamoya; dagegen möchten wohl die ersteren Angaben einer neuen Bestätigung bedürfen; wenigstens finde ich bei einer Rhizostomi de und bei einer grossen Chrysaora, wo sie eine Länge von einigen Zoll erreichen, die Magenfäden ebenfalls sohd und in die Höhle des Magens gerichtet. Der Magen ist bei T. haplonema nur an den Ecken des Glockengrundes befestigt, während die ganze Breite der Seiten offen bleibt als Eingang in 4 weite 83 Zwei neue Quallen von Santa Catharina. Seitentaschen. Trotz dieses breiten Eingangs findet durch die straff heriiber- gespannte Magenhaiit ein vollständiger Abschluss statt, so dass man Magen oder Seitentaschen ziemlich stark aufblasen kann, ohne dass Luft aus einem in das andere übertritt. — Weit complicirter sind diese Verhältnisse bei T. quadru- mana; stülpt man hier, was leicht geschehen kann, die Glocke um, und entfernt Mundtrichter und Magen, so erscheint der Boden der Glocke als ein Viereck mit abgerundeten Ecken und leicht ausgebuchteten Seiten, jene den Eck Wülsten, diese den Seiten der Glocke entsprechend. Der Ausbucht jeder Seite liegt eine stark gewölbte i6 mm lange, 14 mm breite eiförmige Wulst vor, zu deren Seiten von der hier stark verdickten Glocke zwei ansehnliche fingerförmige Fortsätze ausgehen. Sie sind drehrund, 4 bis 5 cm lang, an der Basis gegen 2 cm dick, allmälig verjüngt, mit abgerundeter Spitze; ihre Substanz ist etwas weicher, als die der Glocke. Der Magen nun inserirt sich im ganzen Umfang des Vierecks, mit Ausnahme der Ausbucht der Seiten, soweit ihnen die eiförmige Wulst vor- liegt; hier bleibt der Eingang in die Seitentaschen. Diese Seitentaschen nehmen die ganze innere Seitenwand der Glocke ein; ihre innere Wand inserirt sich der Glocke längs der Mittelfurche der Eck- wülste; sie entsprechen also in ihrer Lage den Randkörpern und wechseln ab mit den fangfadentragenden Anhängen. Nach unten reichen sie bis zum Ursprung dieser Anhänge und zu den Randkörperchen, und zwischen diesen 8 Puncten noch etwas tiefer abwärts, bei T. haplonema mehr geradlinig am Glockenrande endend, während bei T. quadrumana ein breiterer Fortsatz der Seitentasche zu jeder Seite der bandförmigen Anhänge, ein schmälerer zu jeder Seite der Randkörperchen bis ins Velum niedersteigt. Vom unteren Rande der Seiten- taschen und bei T. quadrumana besonders von diesen Fortsetzungen derselben gehen dendritisch verzweigte nicht anastomosirende Kanäle bis zum Rande des Velum. Seitentaschen und fangf adentragende Anhänge wechseln ab, wie bereits er- wähnt ist; jede Seitentasche communicirt mit den beiden Anhängen und also jeder Anhang mit den beiden Seitentaschen, zwischen denen er liegt. Der Anhang entspringt nämlich mit breiter Basis von der Aussenseite des Glockenrandes, während ein schmaler Fortsatz seines Innenrandes an dessen Innenseite sich in- serirt gerade da, wo die Grenzlinie beider Seitentaschen unten endet; so bleibt zwischen den oben abgerundet endenden Seiten des Anhangs und den gleichfalls gerundet endenden Eckwülsten der Glocke jederseits eine schmale Spalte, die aus der unteren Ecke der Seitentasche in den Kanal des Anhangs führt. Dieser Kanal ist bei T. haplonema anfangs dreieckig, später viereckig und am untern Ende schmal elliptisch ; letztere Form hat er durchweg bei T. quadrumana; wo er einen Ast für jeden Finger abgiebt. Wenn nun auch auf diese Weise der Kanal der Fangfäden ins Gastro- vasculärsystem, also auf die Unterseite der Glocke führt, so ist es doch hier augen- scheinlicher als sonst, dass die Fangfäden selbst nicht auf dieser Unterseite ent- springen, wie es Gegenbaur als allgemeines Gesetz betrachten möchte. Im Gegen- satz hierzu möchte ich unterständige Fangfäden, wie bei Sthenonia, als einen Ausnahmsfall betrachten. Für Gegenbaur's Craspedota wenigstens erscheint es als offener Widerspruch, gleichzeitig das Velum als Fortsetzung des Schirms an- Zwei neue Quallen von Santa Catharina. 3q zusehen und die stets nach aussen vom Velum befindlichen Randfäden der Unter- fläche zuzutheilen. Ob, wie nach der Analogie zu vermuthen, auch in den Stiel der Rand- körperchen ein Fortsatz der Seitentaschen geht, ist mir nicht ganz klar geworden. Flimmerbewegung sah ich nie in diesem Stiele. — Die 8 fingerförmigen Fortsätze, die bei T. quadrumana paarweise vom Glockengrunde niederhangen, sind, wie Finger vom Handschuh, lose umhüllt von einer dünnen Haut, deren Höhle unten rings in offener Verbindung steht mit den Seitentaschen ; von diesen aus aufgeblasen überragt sie die Spitze des Fingers noch um einige Linien. — ' Die Gallertsubstanz des Mundtrichters setzt sich bei derselben Art von dessen Kanten (abwechselnd also mit den Reifen der Magenfäden) nach oben in die Magenwand bis zwischen die fingerförmigen Anhänge fort als ein etwa i cm breiter flacher Streifen; dieser ist von einem schmalen Kanäle durchzogen, von dem unter spitzem Winkel zahlreiche mehrfach verzweigte und mit kurzen fiedrig gestellten Reiserchen dicht besetzte Aeste abgehen. Durch lebhafte Flimmer- bewegung wird aus dieser äusserst zierlichen dendritischen Drüse eine feine, dunkle Körnchen führende Flüssigkeit nach aussen gefördert. Die Mündung des Kanals scheint noch innerhalb des Magens zu liegen, doch führt eine Rinne weiter nach unten bis in den Mundtrichter, so dass diese Drüse jedenfalls als Excretions- organ zu deuten ist. In der Lage diesen Drüsen entsprechend finden sich bei T. haplonema 4 dünne verticale Scheidewände, die vom Magen zur Mitte der Seiten- taschen gehen und den Raum zwischen Magen und Glocke in 4 Kammern theilen. Ihre Ausdehnung unterliegt individuellen Schwankungen ; bisweilen reichen sie an den Seitentaschen fast bis zu den Randkörperchen, am Magen bis zum Ursprung der Mundlappen nieder. Ein der Drüse der T. quadrumana entsprechendes Organ konnte ich in ihnen nicht auffinden. Das ganze Innere der Glocke, Velum, Seitentaschen, Magen u. s. w. sind mit theils einzelnen, theils in rundliche Gruppen vereinigten Nesselzellen besetzt, die ein lebhaftes Brennen verursachen; sie sind von kurz elliptischer Form, etwa 0,024 mm lang bei 0,016 mm Durchm. Das Nervensystem ist bei beiden Arten mit überraschender Deutlichkeit ausgeprägt. In der Höhe der Randkörperchen verläuft in der inneren Wand der Seitentaschen ein schmaler, weisslicher oder gelblicher Streif ringförmig um die Höhle der Glocke, jederseits eingefasst von einem durchsichtigen Saume; bei günstiger Beleuchtung ist er bisweilen selbst von aussen durch die Substanz der Glocke hindurch wahrnehmbar, tritt aber mit besonderer Deutlichkeit hervor, wenn man die Seitentaschen aufbläst; minder nachgiebig als deren Wandungen bildet der Streifen dann eine Furche auf den aufgetriebenen Taschen. Diese geringere Nachgiebigkeit wird dadurch veranlasst, dass der Nervenring eingebettet liegt in eine dünne Leiste Gallertsubstanz, die als solche dem Gefühl erkennbar, dem Auge zunächst als der erwähnte helle Saum erscheint. Bei T. haplo- nema ist sie dicker und gewölbter als bei T. quadrumana. Bei letzterer fand ich den Nervenring 0,10 mm bis 0,12 mm, den hellen Saum jederseits etwa doppelt so breit. go Zwei neue Quallen von Santa Catharina. Dem Ursprung der bandförmigen Anhänge gegenüber bei T. quadrumana, soweit hier die Wand der Seitentaschen im Niveau des Nervenrings der Glocke sich anheftet, in einer Länge von etwa 3 mm, verdickt sich der Nerv bis auf 0,33 mm und sendet vom untern Rande dieses Ganglions gegen 20 verschiedene starke (0,02 bis 0,06 mm dicke) Fäden ab, die bald nach ihrem Ursprung von dem hier abgehenden undurchsichtigen Velum verdeckt werden, und theils in diesem, theils und wohl hauptsächlich in dem bandförmigen Anhange sich ver- breiten mögen. Bei T. haplonema sind diese Ganglien weniger ansehnlich, die abgehenden Nerven weniger zahlreich, jedoch dicker als bei T. quadrumana. Eine zweite Stelle, wo im Niveau des Nervenrings die Haut der Seiten- taschen an die Glocke herantritt, ist an den Randkörperchen; auch hier findet sich eine Anschwellung, von der ein ansehnlicher Nerv in den Stiel des Randkörperchens tritt. Dieser Stiel entspringt im Grunde der Nische von deren oberer Wand, wo die Glockensubstanz ihre geringste Dicke hat, und trägt am Ende einen unregelmässig kugligen Körper von etwa i mm Durchm., blassgelb- licher Farbe, und aussen, wenigstens stellenweise, von Flimmercilien bedeckt. In diesen sind eingebettet zunächst ein mehr weniger endständiger elliptischer gelber Körper von 0,75 mm Durchm., aus einer unregelmässig krystallinischen, zwischen den Zähnen knirschenden, in Säure nicht löslichen Masse gebildet; ob derselbe auch nach Innen durch eine besondere Haut abgegrenzt ist, also als Krystallsack bezeichnet werden kann, weiss ich nicht. Dann zwei stark lichtbrechende Körper, ein grösserer kugliger von 0,33 mm Durchm., dem Stiele näher liegend, und ein kleinerer von minder regelmässiger Form, zwischen diesem und dem krystallinischen Endkörper, Sie zeigen sich aus kugligen Zellen von 0,02 bis 0,03 mm Durchm. zusammengesetzt, werden durch Säuren undurchsichtig weiss, und sind bis auf ein aus dem Randkörper vorragendes Segment von schwarzem Pigment umgeben» das feinkörnig und in kleinen Zellen von 0,005 bis 0,008 mm Durchm. enthalten ist. Von dieser der T. haplonema entnommenen Beschreibung zeigen die Rand- körperchen der T, quadrumana keine wesentliche Abweichung. Kann man die lichtbrechende, von schwarzem Pigment umgebene Kugel unbedenklich als Auge deuten, so scheint es dagegen zweifelhaft, ob man den unregelmässig kry- stallinischen, dicht umschlossenen Endkörper ohne Weiteres den frei in einer Blase bewegten Otolithen der Mollusken oder den Randbläschen der niederen Schirm- quallen (Aequorea, Eucope u. s.w.) mit ihren kugligen, stark lichtbrechenden Con- cretionen parallelisiren und als Gehörorgan ansprechen darf. Weitere Nerven sah ich vom Nervenring nicht abgehen und konnte nament- lich keine" aufwärts gerichteten Fäden auffinden, ebensowenig als einen zweiten Nervenring in der Nähe des Mundtrichters, wie ihn die Angaben von Agassiz würden vermuthen lassen. Die Geschlechtsorgane ist man gewohnt, bei den mit Magenfäden ver- sehenen Quallen in deren unmittelbarer Nähe zu suchen; bei Tamoya indess finden sie sich weder an diesem Orte, noch in der sonst gewöhnlichen Form. Sie bilden breite, dünne Platten von sehr verschiedener Ausdehnung, die in der ganzen Länge des Seitenrandes der Seitentaschen entspringen und frei in deren Höhle hineinragen, Ihre Seitenränder sind mehr weniger parallel, die freien Enden ab- gerundet, Sie sind sehr dünnn, zart, leicht zerreisslich, von leicht getrübter gelb- Zwei neue Quallen von Santa Catharina. g j lieber oder weisslicher Färbung. Die jüngeren kürzeren sind meist auch schmäler; im Verlauf des Wachsens scheinen mehrere benachbarte zu verfliessen, wobei bis- weilen rundliche Lücken bleiben. Die Ovarien scheinen in der Regel beträcht- lichere Ausdehnung zu erlangen als die Hoden; erstere fand ich bei T. quadru- m a n a , von der ich kein Männchen sah, bis 1 6 cm lang bei 2 cm Breite, also weit länger als irgend eine Dimension der Seitentasche. Sie scheinen in ihrer ganzen Substanz Eier zu entwickeln, die sich in den verschiedensten Reifegraden neben- einander finden ; sie sind elliptisch, farblos, mit feinkörnigem Dotter und deutlichem Keimbläschen und Keimfleck ; die grössten, die ich (bei T. q u a d r u m a n a) sah, hatten 0,16 mm Länge, 0,12 mm Breite, das Keimbläschen 0,04 mm, der Keim- fleck 0,008 mm Durchm. Die Hoden (der T. h a p 1 o n e m a) scheinen aus einer einzigen Lage langer Röhren mit von 0,025 bis über 0,06 mm wechselnder Weite gebildet, die bald gestreckt und parallel verlaufen, bald in mäandrische Windungen verschlungen und mannigfach ausgebuchtet sind, bald sich auf kür- zere unregelmässige Zellen reduciren. Die reifen Spermatozoiden sind cercarien- förmig mit 0,004 "^^n dickem, rundlichem Kopfe und sehr feinem haarförmigem Anhang. Was nun die verwandtschaftlichen Beziehungen und die syste- matische Stellung unserer Arten betrifft, so scheint ihnen unter den näher bekannten die von Gegenbaur genauer beschriebene Charybdea marsupialis Per. am nächsten sich anzuschliessen und unbedenklich in dieselbe Familie mit ihnen vereinigt werden zu können. Die ganze Architectonik der Glocke ist die- selbe; ebenso ist der Bau der Randkörperchen und der mit weiten Seitentaschen versehene Magen übereinstimmend. Freilich würde man dann nicht mehr mit Gegenbaur das Velum als scheidendes Merkmal zwischen höheren und niederen Schirmquallen ansehen können und ein anderes Unterscheidungszeichen suchen müssen, wenn man überhaupt die in den Systemen von Eschholtz, Forbes und Gegenbaur angenommene Zweitheilung beibehalten will. Ein solches charakte- ristisches IMerkzeichen der höheren Schirmquallen, Rhizostomiden, Medusiden, Pelagiden und Charj^bdeiden, würden die Magenfäden bieten können. Indessen scheint die Entwicklungsgeschichte eher auf eine Dreitheilung hinzuweisen in Quallen mit pol3Apenförmigen Ammen, Quallen mit Polypen als Ammen und Quallen ohne Generationswechsel. Ob unsere Quallen nun nicht in die letzte dieser Abtheilungen eintreten würden, mit denen sie die taschenförmigen Fortsätze des Magens gemein haben, in denen sich die Geschlechtsproducte bilden, müssen fernere Beobachtungen lehren. — Die Gattung Tamoya der Familie der Charybdeiden einreihend, wird es nöthig, die von Gegenbaur gegebene Charakteristik dieser Familie zu modi- ficiren. Das Gemeinsame der drei Arten zusammenfassend, würde sie sich vor- läufig wie folgt, stellen lassen : Körper glockenförmig mit 4 (blatt-, keulen- oder bandförmigen) hohle Fangfäden tragenden Randanhängen. Zwischen ihnen 4 in Nischen geborgene Randkörper mit Krystallsack und Augen. Magen im Grunde der Glocke, die der 4-lappige Mundtrichter nicht überragt, mit 4 Gruppen Magen- fäden und 4 Seitentaschen. Die beiden so vereinigten Gattungen würden sich durch folgende Charaktere scheiden : 92 Zwei neue Quallen von Santa Catharina. Charybdea. Glockenrand in Lappen getheilt. Fortsätze des ]\Iagens mit Seitencanälen. Fangfäden in die Seitencanäle mündend. Magen und Mundtrichter nicht geschieden- (?) Magenfäden hohl, in die Höhle der Glocke gerichtet. T a m o y a. Glockenrand mit ganzrandigem Velum. Seitentaschen ohne Nebencanäle. Fangfäden in die Seitentaschen mündend. Magen gegen den Mundtrichter ver- schHessbar. Magenfäden solid, in die Magenhöhle gerichtet. Erklärung der Abbildungen auf Tafel VII, VIII und IX. Fig. I. Tamoya haplonema, halbe nat. Gr. Fig. 2. Keulenförmiger Anhang mit 2 Fangfäden. F'g> 3- Querschnitt der Glocke in der Höhe der Nischen. Fig. 4. Desgl. 2 cm höher. Fig. 5. Längsschnitt durch den Ursprung des keulenförmigen Anhangs. Fig. 6. 7. 8. Querschnitte desselben, oben, mitten und unten. Fig. 9. Längsschnitt durch die Nische. Fig. 10. Der untere Theil der Glocke von Innen. Fig. II. Eingang in den Kanal des keulenförmigen Anhangs, von Innen; der innere Fortsatz des Anhangs durchschnitten und zurückgebogen. Fig. 2 — II in nat. Gr. Es bedeutet in diesen Figuren a Eckwulst der Glocke. b Innenwand der Seitentasche, c Scheidewand zwischen Magen und Glocke, d Genital- platten, n Nervenring, i' Velum. Fig. 12. Verzweigung der Gastrovasculärsystems im Velum, etwas vergrössert. Fig. 13. Nesselzellen der Fangfäden; a mit vorgetretenem Nesselfaden; b mit den umgebenden soliden Fäden ; c einzelne dieser Fäden, abgerissen. Fig. 14. Nesselzellen aus der Magen wand. Fig. 15. Solide Achsenstränge der Magenfäden, vergr. Fig. 16. Randkörper, desgl. Fig. 17. Das grössere Auge desselben, stärker vergr. n Pigmentzellen, noch mehr vergr. Fig. 18. Tamoya quadrumana, halbe nat. Gr. Fig. ig. Handförmiger Anhang. Fig. 20. Eingang der Nische. Fig. 21. Längsschnitt durch die Nische; a Scheitel der Glocke; b eiförmige Wulst am Eingang der Seitentaschen ; c Verdickung der Glocke, von der die fingerförmigen Anhänge entspringen ; d Innenwand der Seitentasche ; v Velum. Fig. 22. Querschnitt nacli der Linie AB (Fig. 21); a Aussenwand der Glocke b Wulst unterhalb der Nische; c Wand des Fortsatzes der Seitentasche. Fig 2T^. Verzweigung des Gastrovasculärsystems ins Velum, von Innen; ängsspalte den Mund, und um ihn — wahrschein- lich Andeutungen früher deutlicherer Mundtheilo — verschiedene Linien, für die ich, da ich sie im Einzelnen nicht zu deuten weiss, auf die Abbildung (fig. 5) ver- weise. Die Aehnlichkeit des Kopfes mit einem Hirne wird noch erhöht durch unregelmässige Furchen, die ihn fast wie Hirnwindungen durchziehen. Zerzupft man die äussere Haut, so sieht man, dass sie herrühren von zahlreichen kegel- förmigen Blindsäckchen, deren fettreichem Inhalte der Kopf seine weisse Farbe dankt und die den früher als Leber gedeuteten Blindsäckchen am vorderen Lheile des Darmes von Bopyrus entsprechen dürften. Von Fühlern und Augen ist bei geschlechtsreifen Weibchen nichts zu finden ; bei einem jüngeren sah ich einmal ij Archiv für Naturgeschichte 1862. I. p. 10 — 18. Taf. II. 148 Entoniscus Porcellanae. ein paar plumpe kurze Zipfel über dem unpaaren unteren Lappen, die wahrschein- lich Fühlerreste waren. Aufwärts sich biegend bildet der Kopf einen stumpfen Winkel mit der Brust und ist nur unbedeutender Bewegung von oben nach unten fähig. Ganz regungs- los scheint das lange schlauchförmige ungegliederte Bruststück zu sein, das Leber und Eierstöcke fast vollständig füllen; beide fallen durch lebhafte Färbung sofort in die Augen, jene durch ein prachtvolles gesättigtes Orange, diese durch ein röthliches Violett. Die Leber besteht aus zwei auf der Bauchseite dicht aneinander gelagerten etwa 0,2 bis 0,3 mm weiten Schläuchen, die 0,5 mm vom Hinterende der Brust blind beginnen und sich bis an den Kopf erstrecken. Die Eierstöcke nehmen die Rückenseite ein, über die sie in unregelmässigen Hügeln hervorragen und lassen vorn eben so viel freien Raum, wie die Leber hinten. Füsse habe ich in der Regel selbst bei jüngeren Weibchen, die wegen der weniger entwickelten Brutblätter leichter darauf zu untersuchen sind, völlig vermisst. Einige Male, und nicht gerade bei jüngeren, traf ich einen oder den anderen in Form kurzer, kegel- förmig zugespitzter, rückwärtsgekrümmter, mit kleinen Borstchen zerstreut besetzter Zipfelchen (fig. 7). Zu ungeheueren, vielgefalteten, gelappten und zerschlitzten häutigen Lappen sind dagegen die Brutblätter entwickelt. Wo ich sie deutlich zählen konnte, — denn oft erscheinen sie als eine einzige kaum entwirrbare, ge- waltige Blätterkrause, — fand ich sechs Paar! Sie sind durchzogen von engen baumförmig verästelten Gängen, in die man bisweilen durch den Druck des Deck- glases die Galle aus der zersprengten Leber hineintreiben kann und enthalten äusserst zahlreiche dichtgedrängte Fettkügelchen eingelagert. Wenn man schon bei Bopyrus verwundert die Eiermenge betrachtet, die sich unter ihrer breit schildförmigen Brust anhäuft, so ist dieselbe bei Entoniscus noch weit erstaunlicher; sie bildet unregelmässig zusammengeballte Haufen, deren Breite oft der Länge der Brust gleichkommt, die sie vorn und hinten bisweilen noch weit überragen, so dass nicht selten der ganze Körper vollständig in ihnen versteckt ist. Und während Bopyrus, wie andere Asseln, jede Brut erst vollständig sich entwickeln und ausschwärmen lässt, ehe er neue Eier legt, häuft Entoniscus eine ganze Reihe aufeinander folgender Brüten gleichzeitig um sich an, so dass man Stoff für die ganze Entwickelungsgeschichte den Brutblättern desselben Thieres entnehmen könnte. Dem Bruststücke folgt ein weit dünnerer höchst beweglicher, sechsgliedriger Hinterleib, von sehr wechselnder Länge, bald weit kürzer, bald über anderthalb Mal so lang wie die Brust. Diese Verschiedenheiten der Länge rühren nament- lich her von den beiden ersten zu langen Cylindern ausgezogenen Ringen. Bei einem Thiere von 14 mm Länge finde ich für die Länge des ersten Hinterleibs- ringes 2,3; des 2ten 2; des 3ten 1,2; des 4ten 0,32; des 5ten 0,25 und des Oten 0,38 mm; die Dicke war beim ersten Ringe 0,25 und beim letzten 0,2 mm. Die 5 ersten Ringe tragen nahe ihrem hinteren Ende ein i*aar ungegliederter säbel- förmiger borstenloser Füsse; die des dritten Paares sind die längsten und reichen bis zum Ende des vorletzten Ringes. Die Füsse lassen sich nicht nur heben und senken, sondern auch seitlich ausspreiten. Das letzte Glied des Hinterleibes (fig. 6) ist am Ende oben abgestutzt und hat unterhalb einen bis zu seiner Mitte reichen- den V förmigen Ausschnitt. — An der Bauchfläche des isten und 2ten Hinterleibs- Entoniscus Porcellanae. 149 ringes, und weniger entwickelt an der des 3ten, zieht sich jederscits eine weit vorspringende contractile Hautfalte hin ; ihr stark wellig gebogener Rand enthält eine gefässartige Höhlung, die sich in den Rand des entsprechenden Fusses fortsetzt. Am Anfange des ersten Hinterleibsringes trägt dessen Rückenfläche eine bruchsackartige Ausstülpung von etwa 0,5 mm Länge und fast gleicher Höhe; darin liegt das ziemlich matt pulsirende Herz. Wenn nun im Baue des Weibchens kaum die Blinddärmchen am Anfange des Verdauungsrohres, die beiden Leberschläuche, und das am Anfange des Hinterleibes liegende kurze Herz an Bopyrus erinnern, so tritt die Verwandtschaft mit dieser Assel unverkennbar hervor in den Männchen (fig. 2 u. 3), die wie dort fast beständige Begleiter des Weibchens, aber viel zwerghafter und daher zwischen den unendlichen Eiermassen leicht zu übersehen sind. In der Regel findet sich nur eines; ein einziges Mal sah ich ihrer zwei auf dem Leibe derselben Dame spazieren gehen. Das Männchen ist gegen 0,8 mm lang, kaum 3 — 4mal länger als die eben ausgeschlüpften Jungen; in der Mitte der Brust erreicht die Breite fast Vs der Länge; von da ab ist der Körper schwach nach vorn, stark nach hinten verjüngt. Die Brust ist deutlich in 7, der Hinterleib in 6 Ringe geschieden; die Grenze zwischen Kopf aber und erstem Brustringe ist nur durch eine tiefe seitliche Ein- schnürung angedeutet. Der Kopf (fig. 8) hat die Gestalt eines Trapezes mit ab- gerundeten Ecken, dessen Höhe der kürzeren der parallelen Seiten etwa gleich und die Hälfte der längeren hinteren ist. Er trägt ein Paar ungegliederter, platter, viereckiger Fühler ; mit der inneren Seite entspringen sie von der Unterfläche des Kopfes, die vordere schliesst sich dem Stirnrande desselben an, die hintere ist ihr ziemlich gleichlaufend und die äussere richtet sich schief nach hinten und aussen. An der vorderen, stumpfen Ecke steht eine Gruppe kurzer, einwärts gekrümmter Borsten. Augen fehlen oft; sind sie vorhanden, so sind sie vom Kopfe bis fast an den Hinterrand des damit verschmolzenen ersten Brustringes gerückt. Der Ursprung des dreieckigen Saugrüssels liegt auf der hinteren Grenze des Kopfes; seine Spitze legt sich zwischen den Ursprung der Fühler. Die sechs vorderen Brustringe tragen nahe dem Rande zu fast sitzenden ungegliederten rundlichen Klumpen verkümmerte Füsse (fig. 9), mit denen nichts desto weniger das Thier sich ziemlich rasch von der Stelle hilft. Der 7. Ring ist fusslos, trägt aber am hinteren Rande jederseits einen warzenförmigen Vorsprung und auf diesem die Geschlechtsöffnung. Der hinterwärts stark verjüngte Hinterleib ist ohne Anhänge, wie bei den Männchen zweier anderen hiesigen Bopyriden ; der letzte Ring zeichnet sich durch grössere Länge vor den übrigen aus und ist am Ende mit winzigen Dörnchen besetzt. Von Innern Theilen fallen zunächst zwei weite, st^irk bräunlich gefärbte, contractile Leberschläuche auf, die im isten oder 2ten Hinterleibsringe blind be- ginnen und bis zum 2ten Brustringe sich erstrecken. Zwischen ihnen verläuft der Darm. Ueber Darm und Leber lagert sich jederseits ein weiter schlauchförmiger Hode, der von der schon erwähnten Geschlechtsöffnung durch 3 bis 4 Ringe nach j CQ Entoniscus Porcellanae. vorn sich erstreckt und in der Regel in jedem nach Luissen eine seitliche Aus- sackung hat. — Das Herz sieht man dicht hinter der Leber pulsiren. Ebenso ähnlich, wie die Männchen, sind die Larven (fig. 4) denen von Bopyrus. Der flache asseiförmige Körper ist etwa 0,2 mm lang und halb so breit; die grösste Breite fällt auf den 2ten und 3ten Brustring, von wo sich der Körper hinterwärts bis auf 0,04, vorwärts bis auf 0,06 mm, die Breite des fast geradlinigen Stirnrandes, verschmälert. Von der Länge nimmt etwa Y5 der Kopf, den Rest nehmen zu gleichen Theilen Brust und Hinterleib ein, von denen jedes deutlich in sechs Ringe geschieden ist. Der Kopf trägt oberhalb nahe der hinteren Ecke zwei rundliche schwarze Augenflecke, wie es scheint, ohne licht- brechenden Körper, unterhalb zwei kurze dicke zweigliedrige vordere Fühler, die nur mit ihren Endborsten den Kopfrand überragen, und zwei lange hintere Fühler, die gerade unter den Augen entspringen und bis zum Anfange des Hinterleibes reichen; sie sind sechsgliedrig ; das vorletzte Glied und das letzte borstenförmige sind die längsten. — Im Munde, der nahe dem Hinterrande des Kopfes liegt, konnte ich nur 2 Kiefer unterscheiden. — Dicht am Vorderrande des Kopfes fällt ein rundlicher, vorn ausgerandeter, aus hellen runden Körnchen gebildeter Fleck in die Augen ; er erinnerte mich an den Fleck, den man am Kopfe vieler Amphi- poden bemerkt (besonders deutlich bei dem Gammarus ambulans der pommerschen Torfmoore, auch bei Leptocheirus pilosus Zadd.). Die fünf vorderen Brustringe tragen gleichgebildete Füsse, die nahe an deren Rande entspringen; man unterscheidet an ihnen zwei längere cylindrische Grund- glieder, ein kurzes .drittes Glied, ein verdicktes eiförmiges Handglied von der Länge des i. Grundgliedes und eine schwachgekrümmte kräftige Klaue, die reichlich halb so lang, wie das Handglied ist. — Am sechsten Fusspaare, das dem Rande weniger nahe entspringt, sind nur drei Glieder zu unterscheiden: ein C3dindrisches Grundglied, ein winziges zweites und ein elliptisches Endglied, das 0,04 mm lang und halb so breit ist. Dieses Fusspaar pflegt dem Leibe dicht anzuliegen mit einwärtsgerichtetem Grund- und rückwärts gewandtem Endgliede. Der Hinterleib trägt zunächst vier Paar Schwimmfüsse mit halbmondförmigem Grundgliede, das etwa in der Mitte der gewölbten Seite so angeheftet ist, dass das eine wenig längere Hörn nach innen und etwas nach hinten, das andere nach vorn und aussen gerichtet ist. Die Entfernung der Hörner ist 0,03 mm. Das äussere Hörn trägt ein lanzettförmiges Endglied, das gerade in den Ausschnitt des Halbmondes passt und an seinem schief abgeschnittenen Ende drei Borsten von etwa doppelter Länge des Gliedes trägt. Bisweilen ist dieses Endglied am vierten Paare merklich kleiner, als an den drei vordem ; meist iiber sind sie alle gleich. Am inneren Hörne der drei vorderen Grundglieder steht eine einfache Borste; bald fand ich diese Borsten alle gleich lang, etwas länger als die des Endgliedes, öfter die 2te und 3te merklich kürzer, die letzte nur Ys der Länge der ersten erreichend. Dem 4. Schwimmfusspaare fehlt diese Borste. Der 5te Hinterleibsring trägt einen schmalen und kurzen borstenlosen Anhang (fig. 13), der in eine längere innere und kürzere äussere Spitze gespalten ist. Endlich zu den Seiten des letzten Hinterleib.sringes stehen an.sehnliche Anhänge mit dickem Grundgliede und zwei schlanken zweigliedrigen Endästen, von denen der äussere unbedeutend länger ist. Das letzte dornförmige Glied dieser Aeste ist gerade; ein Entoniscus Porcellanae. j r j kurzer Dorn findet sich aussen am Ende des Grundgliedes und des ersten Gliedes der Aeste. Die Thierchen kriechen nicht besonders behend, schwimmen aber recht hurtig. Die ruckweise Bewegung-, im Vereine mit den langbeborsteten Schwimmfüssen und dem durch die seitlichen Anhänge gabiig erscheinenden Schwänze, giebt ihnen dabei eine entfernte Aehnlichkeit mit Cyclops. Das Weibchen des Entoniscus ist im Innern der Porcellana so gelagert, dass sein Kopf zwischen den Blindsäckchcn der I>eber verborgen liegt; dann zieht es sich hinterwärts und unterm Herzen bis ans Ende der Kopfbrust; die Brutblätter reichen sogar bisweilen noch ziemlich weit in den Hinterleib hinein. Das ganze Thier, auch Kopf und Mund, ist ziemlich eng umschlossen von einem häutigen Schlauche, der sich nach hinten in einen engeren Ausführungsgang fortsetzt, und bis auf die Grenze zwischen Brustschild und dem freien Ringe sich verfolgen lässt, der bei den Porcellanen das verkümmerte fünfte Fusspaar trägt. Dieser um- hüllende Schlauch entsteht wahrscheinlich, indem der junge Entoniscus, um ins Innere der Porcellana zu gelangen, die weiche Haut jenes Gelenkes nicht durch- bricht, sondern vor sich herstülpt. So könnte man ihn, als in einer Einstülpung der äusseren Haut seines Wirthes lebend, einen äusseren Schmarotzer nennen, wie Bopyrus und andere Asseln, obwohl er zwischen Leber, Darm und Herz sich bettet und von den Windungen der Samengänge umschlungen ist. Nicht selten finden sich 2, einmal traf ich sogar 3 Entonicus bei derselben Porcellana. Sicher umschlossen von dem umhüllenden Schlauche bedarf das Männchen des Entoniscus nicht die scharfkralligen Klammerfüsse der Bopyrusmännchen, und das Weibchen hat wiederum eine ausreichende Bürgschaft für die eheliche Treue seines Genossen in jenen Klumpfüssen, die ihm einen Ausflug ins freie Meer un- möglich machen. In Bezug auf das Vorkommen habe ich noch eines bemerkenswerthen Um- standes zu gedenken, dass nämlich häufig Lernaeodiscus und Entoniscus bei der- selben Porcellana sich finden. Aufmerksam geworden auf dies(\s Verhältniss und wohl wissend, wie trüglich Schätzungen von Zahlenverhältnissen ohne wirkliche Zählung sind, habe ich über die Schmarotzer von 1000 vom 4. Juli bis i. August untersuchten Porcellanen Buch geführt. Glücklicherweise wurde diese Unter- suchung dadurch sehr erleichtert, dass auch Entoniscus von aussen zu erkennen ist, indem bei stark zurückgebogenem Schwänze bald die Leber oder die Eier- stöcke, bald die Eier zwischen den Brutblättern, oder selbst die schwarzen Aeugel- chen der jungen Brut in dem Gelenke hinter dem Brustschilde durchschimmern. — Es fanden sich Lernaeodiscus bei 84, Entoniscus bei 4g unter jenen 1000 Porcellanen ; danach hätte man bei 49X84 unter einer Million, oder bei 4 unter Tausend beide Schmarotzer zugleich finden sollen, während sie 2imaP) vereinigt vorkamen, also 5mal häufiger, als die Häufigkeit jeder einzelnen Art erwarten liess. — Die Er- klärung dieses häufigen gemeinsamen Vorkommens glaube ich darin zu finden, I) Wobei weder die jüngeren, von aussen nicht erkennbaren Entoniscus mitgezählt wurden, die sich später bei den Lernaeodiscus tragenden Porcellanen fanden, noch auch die mit Entoniscus behafteten, die nur noch die goldene Krone abgefallener Lernaeodiscus an sich trugen. j e2 Entoniscus Porcellanae. dass Lernaeodiscus ein dichtes Aneinanderschliessen von Schwanz und Brustschild hindert und so dem jungen Entoniscus den Zugang zur Bauchfläche der Porcellana erleichtert. Desterro, Anfang August 1861. Erklärung- der Abbildungen auf Tafel XVI IL Fig. I. Entoniscus Porcellanae, Weibchen, nach Entfernung der Eier aus den Brut- blättern, I5mal vergr. e Eierstock, // Herz, / Leber. Fig. 2. Männchen, bei gleicher Vergrösserung. Fig. 3. Dasselbe, gomal vergr. // Hoden, / Leber, a Augen. Fig. 4. Larve, den Brutblättern des Weibchens entnommen, 180 mal vergr. Fig. 5. Mund des Weibchens und dessen L^mgebung, gomal vergr. Fig. 6. Letzter Hinterleibsring desselben, 45mal vergr. Fig. 7. Füsse von der Brust desselben, gomal vergr. Fig. 8. Kopf des Männchens; v. oben; wie alle folgende Figuren, 180 mal vergr. Fig. g. Fuss desselben. Fig. 10 — 14. Füsse der Larve; flg. 10 vom letzten Brustringe; fig. 11 vum ersten, 12 vom dritten, 13 vom fünften und 14 vom sechsten Hinterleibsringe. Die Verwandlung der Porcellanen*). Vorläufige Mittheilung. Mit Tafel XIX. Seit zwei Jahren kenne ich eine Zoea, die sich durch den Mani^el des Rücken- stachels und durch ungemeine Länge des gerade vorgestreckten Stirnhorns vor ihren Verwandten auszeichnet; doch erst vor wenigen Monaten erkannte ich in ihr den Sprössling derselben Porcellana, deren sonderbare Schmarotzer ich in meinen letzten Aufsätzen den Lesern des Archivs vorführte. Inzwischen fand ich Gelegenheit, die junge Brut von noch zwei anderen Porcellaniden zu untersuchen. Die eine ist eine kleinere Porcellana mit fast kreisrundem Rückenschilde, die sich selten an Felswänden zwischen Polypen und Moosthieren findet; — die andere (Fig. I — 3) hält sich schmarotzend auf einigen Arten afterloser Seesterne auf und unterscheidet sich im ganzen Aussehen, in den Scheeren, und besonders durch die Kürze der äusseren Fühler so sehr von den eigentlichen Porcellanen, dass ich sie als Vertreter einer eigenen Gattung ansehe und Porcellina stellicola nenne-). Da diese Porcellana-Larven in allen wesentlichen Verhältnissen mit der Zoeaform der jungen Krabben übereinstimmen, verspare ich ihre ausführliche Beschreibung für eine grössere Arbeit über die Jugendzustände der Krabben, zu der ich seit längerer Zeit Stoff sammle und beschränke mich für jetzt auf eine- übersichtliche Schilderung ihres Baues. Der Rückenschild ist von eiförmigem Umrisse und deckt nicht nur oben und seitlich den vorderen ungegliederten Körpertheil, sondern auch die ersten freien Ringe des Hinterleibes. Gerade vorgestreckt entspringt seinem Vorder- rande ein Stachel oder Hörn, das die Länge des Schildes bis über 5mal (bei der kleineren Porcellana 3mal) übertrifft. Zwei ähnliche Stacheln erstrecken sich vom Hinterrande des Schildes gleichlaufend (bei Porcellina bisweilen auseinander- weichend) gerade nach hinten; bei der kleineren Porcellana (Fig. 10), wo sie nur 7s der Länge des Schildes erreichen, ist ihre Spitze leicht abwärts gebogen und nahe ihrem Ursprünge tragen sie einen ansehnlichen schief nach unten und vcjrn gerichteten Dorn ; bei der gemeinen Porcellana sind sie unten mit einer ganzen Reihe kleiner Dornen weitläufig besetzt und übertreffen schon die Länge des i) Archiv für Naturgeschichte 1862. I. p. 194 — 199. Taf. VII. 2) Noch merkwürdiger durch ihre Lebensweise ist eine andere Porcellana (P. Crcplinii n. sp.), die sich paarweise in der Röhre des Chaetopterus pergamentaceus aufhält. ■j e • Die Verwandlung der Porcellanen. Schildes, dessen mehr ails dreifache Länge sie bei Porcellina erreichen. So ist bei dieser letzten Art der Schild der eben ausgeschlüpften Jungen mit seinen Fortsätzen doppelt so lang, als der der JMutter. Ausser diesem wunderlichen Rückenschilde ist nur noch die Bildung des zu einer Flosse verbreiterten letzten Ringes auffallend von anderen jungen Krabben verschieden. Es ist bekannt, dass der letzte Ring der Krabbenlarven jederseits in ein oft sehr ansehnliches Hörn sich auszieht, und dass in der mittleren Bucht zwischen diesen Hörnern jederseits drei kurze gefiederte Borsten zu stehen pflegen. Bei den Porcellanen sind die seitlichen Hörner durch unbedeutende Stacheln ver- treten, und der mittlere Theil springt zwischen ihnen so weit vor, dass der ganze Schwanz ungefähr die Gestalt einer Raute annimmt. Besonders langgezogen, über doppelt so lang als breit, ist derselbe bei Porcellina. An jeder der beiden hinteren Seiten der Raute stehen 5 lange gefiederte Borsten. (Eine Mittelform, näher jedoch den Porcellanen sich anschliessend, bildet der Schwanz der jungen Paguren.) In allem Uebrigen, dem Baue der Augen, Fühler, Mundtheile und P\isse, so wie der inneren Theile, stimmen die jungen Porcellanen vollständig mit den jungen Krabben überein und zeigen keine grössere Verschiedenheit von ihnen, als sie selbst oder jene unter sich. Hier wie dort sind die vorderen Fühler (Fig. 5, a) ungegliedert und haben einen starken Nervenknoten in der Nähe ihrer Spitze, von der ausser einigen winzigen Borstchen zwei (bei Porcellina drei) längere eigenthümliche Fäden ent- springen. Sie sind von gleichmässiger Dicke, oder seltener schwach verjüngt, enden abgerundet und unterscheiden sich ausserdem durch sehr zarte Umrisse und matte Trübung von anderen Borsten. Dieselben Fäden kehren übrigens wieder auch an den vorderen Fühlern der jungen Bopyriden (besonders deutHch bei Entoniscus Cancrorum n. sp.) und Rankenfüssern, bei welchen letzteren sie einzeln auf einem winzigen Grundgliede dicht neben dem Auge entspringen. Die hinteren Fühler (Fig. 5, b) zeigen bei Porcellina stelHcola schon grosse Aehnlichkeit mit denen des erwachsenen Thieres (Fig. 2); dasselbe aufgetriebene Grundglied mit der bekatmten Oeffnung des noch immer streitigen Sinnesorganes, dasselbe spitzig dreieckige zweite Glied, von dem aussen und oben hier eine mehr- gliedrige Geissei, dort ein einfacher stachelförmiger Fortsatz entspringt. Dieselben Stücke in ganz ähnlicher Gestalt finden sich auch bei den anderen Arten ^). Die Mundtheile (Hg. 5) bestehen aus einer höchst ansehnlichen Oberlippe (t). zwei starken, scharf gezähnten, wie es scheint, tasterlosen Oberkiefern {d), einer zweitheiligen Unterlippe (e) und zwei Paaren Unterkiefer (/, g). Der vordere Unterkiefer (Fig. 8) ist in drei, der hintere (Fig. 9) in fünf mit starken, zum Theil gezähnten oder gefiederten Borsten bewehrte Blätter gespalten, und letzterer trägt nach aussen noch eine grössere häutige Platte, die nach hinten in einen finger- förmigen Fortsatz ausläuft, der Fortsatz trägt eine, die Platte selbst vorn und am Rande sechs gefiederte Borsten. Diese Platte ist aufwärts gebogen und zwischen Leib und Rückenschild in beständiger Bewegung. 1) Bei der Zoca einer kleinen Xantho erreichen die äusseren Fühler (Fig. ii) die Länge des Stirn- horns und die spätere Geissei ist von fast verschwindender Kleinheit. Die Verwandlung der Porcellanen. 155 Die beiden Schwimmfusspaare bestehen aus einem starken cylindrischen Grundgliede und je zwei Endästen, der innere Ast, den das Thier vorwärts zu strecken liebt, hat vier, der äussere, der nach aussen und oben geschlagen zu werden pflegt, zwei weniger deutlich geschiedene Glieder. Am Ende des äusseren Astes stehen vier längere Fiederborsten, eine einzelne Fiederborste am Ende des 3ten Gliedes am inneren Aste des letzten I^aares, einfache Borsten am Grundgliede und an allen Gliedern des inneren Astes. Hinter dem Ursprung der Schwimmfüsse beginnt der sechsgliedrige anhangs- lose Hinterleib, der oben etwas hinter der Mitte des Rückenschildes von diesem sich loslöst. Der Magen ist etwas erweitert, und zeigt schon (wenigstens bei Porcellina) mit Borsten besetzte Längsleisten ; neben ihm liegen jederseits zwei vorwärts und zwei rückwärts gerichtete Leberblindsäcke; der Darm verläuft gerade und öffnet sich etwas vor der Mitte des Schwanzringes. Das Herz, am Hinterende der Brust gelegen (bei jungen Krabben unter dem Ursprünge des Rückenstachels), scheint schon ganz wie beim erwachsenen Thiere gebaut zu sein und dieselben Gefässe abzugeben. Das vordere unpaare Gefäss lässt sich leicht bis fast zur Spitze des Stirnhorns \erfolgen, dessen oberer Wand es anliegt. Blutkörperchen sind in den ersten Tagen äusserst sparsam (was indessen nicht für alle Zoea gilt). In jedem Hinterleibsringe liegt ein ansehnlicher Nervenknoten, der durch zwei getrennte Stränge mit seinen Nachbarn in Verbindung tritt; im vorderen Theile des Thieres konnte ich das Nervensystem im Zusammenhange noch nicht mit rechter Schärfe erkennen. Wenn es leicht ist, in reichlicher Zahl sich die frühesten Zustände der ver- schiedensten Krustenthiere zu verschaffen, so ist es um so schwieriger, über ihre späteren Schicksale Aufschluss zu erhalten. Obschon die Porcellanen zu den aller gemeinsten Krustern gehören, fand ich erst ein einziges Mal (im December vorigen Jahres) eine ältere Larve (Fig. 6, 7). An der Stelle, wo ich sie fing, lebt weder Porcellina stellicola, noch Porcellana Creplinii ; die Larven aber der gemeinen und der kleineren Porcellana sind schon durch die hinteren Fortsätze des Rücken- schildes auf den ersten Blick zu unterscheiden und so kann diese L^irve unbe- denklich der ersteren Art zugetheilt werden, von deren frühester Form sie nur durch 12 (statt 10) Borsten des Schwanzringes und durch die Anwesenheit je eines Paares kurzer ungegliederter Anhänge an den vier vorhergehenden Ringen ver- schieden ist. Diese eine Larve war zum Glück ungemein lehrreich dadurch, dass sie, der Häutung nahe, schon die neuen Glieder mit verschiedener Deutlichkeit innerhalb der alten wahrnehmen liess. Die neuen äusseren Fühler hatten eine vielgliedrige Geissei, Füsse mit grossen Scheeren und andere nicht vollständig zu entwirrende Gliedmassen waren hinter den Schwimmfüssen angelegt, so wie innerhalb des Schwanzringes eine fächer- förmige Endflosse (Fig. yj. Wenn somit die Larve selbst sich eng an den frühesten Jugendzustand an- schliesst, so dürfte das aus der nächsten Häutung hervorgehende Thier kaum noch wesentlich von der erwachsenen Porcellana verschieden sein. 156 Die Verwandlune der Porcellanen. So weit meine zu vorläufiger Mittheilung geeigneten Beobachtungen. Ihr Ergebniss fasse ich in einige kurze Sätze zusammen: Die Zoeaform der Krabben entbehrt vollständig der fünf eigentlichen Fuss- paare und selbst der sie tragenden Ringe. Die Schwimmfüsse der Zoea werden zu Kiefcrfüssen der Krabbe. Die Porcellanen sind Krabben, die auf der Stufe der Megalops stehen ge- blieben sind^). Desterro, Anfangs November 1861. i) Auch bei Milne Edwards stehen bekanntlich Megalops und Porcellana in derselben Familie. Erklärung der Abbildungen auf Tafel XIX. Fig. I. Porcelli na stellicola n. g. et n. sp. 5mal vergr. Fig. 2. Aeussere Fühler derselben, 25mal vergr. Fig. 3. Fünftes Fusspaar des Männchens derselben, 4 5 mal vergr. Fig. 4. Jüngste Zoeaform derselben, v. oben, I5mal vergr. Fig. 5. Kopftheil derselben, v. unten, gomal vergr. a vordere, b hintere Fühler, c Oberlippe, d Oberkiefer, e Unterlippe, / erstes, g zweites Paar der Unterkiefer. Fig. 6. Aeltere Zoeaform der (in Santa Catharina) gemeinen Porcellana, 6mal vergr. Fig. 7. Schwanzende derselben (45mal vergr.). Im Innern sieht man die fächer- förmige Schwanzflosse des nächstfolgenden Zustandes angelegt. Fig. 8. Erster und Fig. g. Zweiter Unterkiefer der jüngsten Zoeaform der gemeinen Porcellana. Fig. IG. Hintere Fortsätze des Rückenschildes von der jüngsten Zoeaform einer kleineren Porcellana. Fig. II. Aeussere Fühler der jüngsten Zoeaform einer kleinen Xanthu. g Geissei. Bruchstück zur Entwickelunoseeschichte der Maulfüsser^). Mit Tafel XX. Seit lange kennt man unter dem Namen ZoOa Jugendzustände der Krabben und Einsiedlerkrebse, die sich besonders durch den Mangel der zehn Füsse aus- zeichnen, denen die erwachsenen Thiere den Namen der Decapoden v^erdanken. Denen der Krabben aufs Engste sich anschliessende Zoeaformen beschrieb ich kürz- lich von den Porzellankrebsen. Aber auch bei gewissen Garneelen und Maulfüssern kommen, wie ich seitdem fand, ähnliche Zustände vor. lieber die Verwandlungs- geschichte der ersteren, die bald, wie bei Rankenfüssern und Wurzelkrebsen (Rhizorephalen), mit monoculusartigen Formen anhebt, um durch sehr eigenthümliche Zoea- und M3^sis-ähnliche Zustände hindurchzugehen, bald mit Zoeaformen beginnt, die in Bau und Art der Bewegung denen der Einsiedlerkrebse ähneln, während bei wieder anderen bekanntlich kaum von einer Verwandlung die Rede sein kann, — hoffe ich in Kurzem eine einigermassen vollständige Uebersicht geben zu kininen ; bei letzteren habe ich fürs Erste keine Aussicht zu neuen Beobachtungen und theile daher mit, was ich über die einzige bis jetzt gefundene Earve aufgezeichnet habe. Das 3,25 mm lange Thierchen (Fig. i) hat im Allgemeinen die Gestalt und hat auch in vollem Masse die glashelle Durchsichtigkeit einer Alima. Die Körperringe sind fast in gleicher Zahl, wie bei erwachsenen Maulfüssern vorhanden; denn mü- der sechste und siebente Hinterleibsring sind noch nicht von einander geschieden ; aber wie bei den Zoea der Krabben und Porzellankrebse fehlen noch spurlos die Anhänge der sechs hinteren Brustringe ^), und die Seitenblätter der Schwanzflosse ^). 1) Archiv für Naturgeschichte 1862. I. p. 353 — 361. Taf. XIII. 2) Der überaus gezwungenen Auffassung, die die Brust der Kmster, wie die der Insekten, auf drei Ringe beschränken will, habe ich mich nie befreunden können. Sie wird, scheint mir, durch die Entwicklungs- geschichte der einer Verwandlung unterliegenden Krebse widerlegt, während die altherkönunliche augenfällige Grenzlinie zwischen Brust und Hinterleib dadurch bestätigt wird. Nur die Rücksicht auf die Insekten konnte von dieser ab und zu jener neuen künstlichen Demarcationslinie hinführen. Wenn nun aber überhaupt Kruster in ihren Körperabschnitten mit Sicherheit den Insekten vergleichbar sind, so sind es gewisse Zoea- formen (z. B. von Pagurus) mit drei Paar Mundtheilen, drei Paar Füssen und anhangslosem Hinterleibe. Diese drei Fusspaare werden nun allerdings, wie jene Auffassung will, zu Kieferfüssen des Krebses, aber die fünf eigentlichen Fusspaare desselben entstehen nicht etwa aus dem Hinterleibe der Zoea, während hinten ein neues „Postabdonien" hervorsprosst, — sondern sie entstehen vor dem Hinterleibe und häufig gleichzeitig und in gleicher Form mit dem dritten Paare der Kieferfüsse. Sie sind als ein den Insekten ganz fehlender Zuwachs zur Brust zu betrachten, und es wiederholt sich hier noch einmal der Vorgang, dass nach dem Auftreten neuer hinterer Füsse die vorderen ihrer ursprünglichen Verrichtung untreu und zu Fühlern oder Fresswerkzeugen werden. 3) Die beiden letzten Hinterleibsringe, die meist so auffallend von den vorhergehenden ab- j.o Bruchstück zur EiUwickelungsgeschichte der Maulfüsser. Das Schild, das die drei hintersten Brustringe unbedeckt lässt, ist flach, fast gar nicht seitlich herabgebogen. Sein hinterer Theil hat ungefähr die Gestalt einer sog. Seemaus, also eines Vierecks, dessen Ecken in vor- und hinterwärts gerichtete Spitzen ausgezogen, dessen Vorder- und Hinterrand gleich breit (etwa 2/3 der Länge), und dessen Seiten sanft gewölbt sind. Der Hinterrand ist in der Mitte, so weit er dem Körper aufliegt, ausgebuchtet. Die vorderen Ecken liegen über dem Ursprünge der hinteren Fühler; zwischen ihnen setzt sich das Schild nach vorne fort, rasch sich verjüngend und in eine Spitze auslaufend, die den Körper um etwa Vc, seiner Länge überragt. Die Länge des vom Schilde be- deckten vorderen verhält sich zu der des hinteren unbedeckten Körpertheiles etwa wie 3:5. Der vorderste, Augen und Fühler tragende Abschnitt des Körpers (Fig. 2), der fast ganz von einer ansehnlichen Nervenmasse gefüllt ist, bildet ein 0,28 mm langes, hinten ebenso, vorn halb so breites Viereck, in dessen Mitte auf der Unter- seite ein kurzer vorwärts gerichter Dorn steht. Von seinen vorderen Ecken ent- springen die Augen, deren äusserste Wölbungen , wenn sie gerade seitwärts gerichtet. 0,5 mm von einander entfernt sind; Vs dieser Entfernung kommt auf den Stirnrand und die schlanken Grundglieder der Stiele. Das Endglied des Augenstieles bildet einen schiefen Kegel, dessen vorderer Rand etwa -/.{ des hinteren misst; letzterem kommt der Durchmesser der Grundfläche etwa gleich, über welche sich das eigentliche Auge wölbt. Unter dem Stirnrande sieht man in der Mitte eines halbkreisförmigen Vor- sprunges ein kleines schwarzes unpaares Auge, welches vielleicht darauf hin- deutet, dass auch hier die Entwickelung mit einäugigen Zuständen beginnt. Etwas näher den Augen als den hinteren Fühlern entspringen vom Rande des Körpers die vorderen Fühler, die auf dreigliedrigem Stiele einen zwei- gliedrigen oberen und einen ungegliederten unteren Ast tragen und etwa Vö der Körperlänge erreichen. Von den drei Gliedern des Stieles ist das mittlere halb so lang als jedes der beiden anderen; die beiden ersten sind walzenförmig, das dritte nach oben verdickt. Der obere Ast ist schlank, von der Länge des Stiels und trägt eine lange Borste am Ende des ersten, zwei am Ende des kurzen zweiten Gliedes. Der untere Ast ist kegelförmig zugespitzt, kürzer, aber weit dicker als der obere, mit langer Endborste; er trägt (Fig. 3) etwa in der Mitte .seiner oberen Fläche sechs dünne, walzenförmige Fäden oder „Stäbchen" mit ab- gerundeter Spitze und sehr zarten Umrissen. Die drei oberen sind etwa 0,2 mm lang; die drei unteren erreichen nur 7r, dieser Länge. In Bezug auf diese „S t ä b c h e n" an den inneren Fühlern der Kr u st er sei mir eine kleine Abschweifung gestattet. Es scheinen diese Gebilde, auf die man in neuerer Zeit bei niederen Krustern von mehreren Seiten aufmerksam geworden ist^) sehr allgemein in der ganzen Klasse verbreitet zu sein. Ich fand welchen, denselben unter eigenem Namen, als Schwanz, entgegenzustellen, lässt sich ebenfalls aus der Entwickelungsgeschichte der Genannten rechtfertigen i) Schüdler sah sie 1846 bei Acanthocercus, Leydig 1851 bei Branchipus, später bei Polyphemus u. a. Daphniden, Max Schultze 1852 bei Balanenlarven. Auch ,,eigenthümliche, schotenförmige, gestielte Anhängsel" (Fig. 12), die mir 1846 am dritten und den folgenden Geisseigliedern der inneren Fühler des Sphaeroma der Ostsee auffielen, dürften trotz der abweichenden Gestalt hierher gehören. Bruchstück /ur Entwickeluiigsgeschichle dci Maulfüsscr. j -q sie bei verschiedenen Copepoden, bei den Larven von Bakmen und Rhizocephalen, bei jungen Bopyrus, bei Tanais u. a. Isopoden, bei Caprella, bei vielen Gamma- rinen, bei H3rperia, bei Cuma und Bodotria und bei allen stielaugigen Krebsen, die ich darauf untersuchte. Ich vermisste sie nur bei einigen Schmarotzern (Bo- pyrus, Cymothoa) und landbewohnenden Krustern (Ligia, Orchestia). Von zwei hiesigen Arten der letztgenannten Gattung fehlen sie der einen, während die andere sie besitzt i). Ihre Zahl und Anordnung, ihre Grösse und Form unterliegt vielfacher Verschiedenheit. Ein einziges Stäbchen fand ich an der Spitze der Fühler bei mehreren Isopoden (Fig. 15), mitten am Fühler bei einem Copepoden (Fig. 18); einen Fächer von etwa zehn Stäbchen bei jungen Bopyrus (Fig. 13). Bei Isopoden, Caprellen, Amphipoden pflegen sie zu einem oder zweien an der Spitze und auf der unteren Seite der Geisseiglieder zu stehen, bald aller, bald mit Aus- nahme der unteren (Fig. 14. 17). Bei Squilla, wo der äussere Ast der inneren Fühler sich nochmals spaltet, fand ich sie zu drei am Ende der 14 letzten Glieder des kürzeren 42-gliedrigen Zweiges. Bei den Decapoden scheinen sie meist den Anfang der Geissei einzunehmen und das Ende frei zu lassen. So bei Mysis, wo sie bei einer Art (Fig. 10) sich auf einem eigenen Vorsprung zusammendrängen. So auch bei Krabben, Porcellanen und Paguren (Fig. 8), wo sie in gr()sster Zahl und ansehnlichster Grösse (bis i mm lang) vorkommen und in einer oder mehreren Ouerreihen die dicken kurzen Glieder des einen aus verdickter Ba.sis rasch ver- jüngten Fühlerastes besetzt halten. Wo die vorderen Fühler noch als Füsse dienen, fehlen die Stäbchen, wie bei Garneelenlarven ^^), oder entspringen vom Kr)rper selbst, wie bei den Larven der Balanen und Rhizocephalen. Die Gestalt der Stäbchen ist in der Regel einfach walzenförmig; unten zwiebeiförmig angeschwollen und hier mit derberer Hülle versehen fand ich sie bei Squilla (Fig. 11), bei einer kleinen Garneele (Plippolyte? Fig. g) und bei Ocypoda. Das Ende ist meist halbkuglig abgerundet und zeigt bisweilen einen kleinen stärker lichtbrechenden Fleck. Bei der erwähnten Garneele (Fig. ga) war dem abgerundeten Ende ein kurzes, zartes Spitzchen aufgesetzt. Bisweilen sind sie nach dem Ende zu verjüngt; so fand ich sie bei Pagurus; hier, wie bei Krabben und Porcellanen, sind sie durch zarte Ringfurchen in kürzere oder längere Glieder i) Zusatz von M. Schu 1 tzc: Ausführlicher noch als an den Fritz Müller bekannten Stellen sind die in Rede stehenden Gebilde geschildert von de la Valette in seiner Inauguraldissert. de Cramniaro puteano 1857, von Leydig Naturgeschichte der Daphniden 1860. p. 42 — 46 und am genauesten von dem- selben in dem Archiv für Anatomie und Physiologie 1860. „Ueber Gerachs- und Gehörorgane der Krebse und Insekten" p. 281 ff. Leyding kommt wie Fritz Müller zu dem Schlüsse, dass die Gebilde aller "Wahrscheinlichkeit nach Geruchsorgane seien. Was aber als das eigentlich Charakteristische für die als Geruchsorgane zu deutenden Anhänge zu gelten habe, geht auch aus !>eyd ig's Darstellung noch nicht hervor, doch dürfte vorläufig, abgesehen von ihrem Sitze an den Antennen (bei den Krebsen am inneren Fühlerpaare), ihrem Nervenreichthume und einer gewissen Zartheit der äusseren Haut die stumpf ge- endigte Spitze und der Anschein einer Oeffnung an derselben als charakteristisch gelten. Hiernach würden die zuerst von mir bei Balanenlarven beschriebenen neben dem Auge entspringenden borstenartigen Fühler (siehe Zeitschr. f. wiss. Zoologie Bd. IV. 1852. p. 191), welche spätere Beobachter übersahen, Fritz Müller aber wiederfand und mit zu den Geruchsorganen rechnet, eher Tastorgane sein. - 2) Die Fühler der Garneelen sind umgewandelte Schwimmfüsse; schwerlich aber umgekehrt die Ruderfüsse der Daphnien ,, umgeformte Antennen." jAq Bruchstück zur Entwickelungsgeschichte der Maulfüsser. getheilt und kegelförmig zugespitzt. Bei grösseren Stäbchen erscheint der Inhalt bisweilen zart längsgestreift, oder man sieht längsgeordnete feinste Körnchen. Aeste und einen winzigen Taster ; der hintere (Fig. 6) ist ein ganz ungegliedertes längliches Stummelchen mit einigen Borstchen am Ende. Welches ist nun wohl die Verrichtung dieser Stäbchen tragen den Fühlergeissein? Will man nicht an einen uns Landbewohnern ganz fehlenden Sinn denken, — und dafür Hesse sich allerdings die Verkümmerung der inneren Fühler bei landbewohnenden Krustern, bei Asseln, bei Orchestia, bei Oc3'poda ^) anführen — so wird man kaum umhin können, sie als Geruchs werk zeuge zu deuten. Zum Betasten fester Körper sind sie bei den Krabben, wo ihr Stäbchen- besatz gerade am reichsten entwickelt ist, untauglich wegen ihrer Lage, ihrer geringen Länge und selbst wohl wegen jener so zarten, leichtverletzlichen An- hänge, Bewegungen des Wassers wahrzunehmen, wozu ebenfalls schon ihre Kürze sie wenig passend erscheinen lässt, hindert sie eine lebhafte vom Munde aus bei ihnen vorüberziehende Strömung. In einer solchen vom Munde wegführenden Strömung wird man ebenfalls kein Geschmackswerkzeug suchen wollen. Es bleibt so von unsern fünf Sinnen nur der Geruch übrig. Derselbe kann Thieren nicht fehlen, die sich durch stark riechende Köder anlocken lassen. Sieht man nun, wie die inneren Fühler der Krabben, Porcellanen, Paguren, in fast ununterbrochener Bewegung sind , in kurzen , raschen Schlägen mit ihrem Stäbchenbüschel das Wasser gleichsam durchfühlend, das in beständigem Strome bei ihnen vorüberzieht, so darf man sie wohl für ebenso geeignet zu Wahrnehmung von Gerüchen halten, wie die bisher als Geruchswerkzeuge gedeuteten Teile im Grundgliede der äusseren oder inneren Fühler hierzu ungeeignet erscheinen, da ihnen das unerlässlichste Erforderniss eines Geruchwerkzeuges, leichter und freier Zutritt des Wassers, abgeht -). Ich kehre zurück zu unserer Larve. Die hinteren Fühler entspringen ebenfalls v^om Rande des Körpers an den hinteren Ecken des erwähnten, Augen und Fühler tragenden Vierecks; kaum kürzer als die vorderen bestehen sie aus einem zweigliedrigen Stiele und einem gegen das abgerundete Ende etwas verbreiterten und mit Borsten besetzten blatt- fr)rmigen Endgliede, das dem Stiele an Länge gleichkommt und in der Ruhe hinterwärts gerichtet ist. Die gegliederte Geissei der erwachsenen Maulfüsser vermisse ich. Der Mund liegt in der Mitte zwischen den vier seithchen Ecken des Schildes; vor ihm eine ansehnliche helmförmige Oberlippe; zu seinen Seiten die anscheinend tasterlosen Oberkiefer (Fig. 4), mit je drei spitzen Zähnen be- waffnet, die nach hinten an Länge zunehmen und an ihrem vorderen Rande wieder fein gezähnelt sind. Dann folgen zwei Paar schwach entwickelter U nter - kiefer; der vordere (Fig. 5) hat zwei mit je drei dornartigen Borsten bewaffnete i) Auch bei Gelasimus finde ich die Stäbchen ungewöhnlich zart und kurz. 2) Wenn Leydig (Histologie p. 280) mit Recht Bedenken trägt, eine Höhlung, in der sich „allerlei Detritus" anzuhäufen l'flegt, ohne Weiteres als „Ohrhöhle" anzuerkennen, so dürfte dieser wenig zugängliche Raum mit seiner Ansammlung verwesender Stoffe gewiss noch weniger sich als „Nasenhöhle" empfehlen. BnichstücU zur Kntwickelungsgeschichte der Maulfüsser. j5f Das nächstfolgende Fusspaar ist dünn, schlank, fünfgliederig, und reicht zu den Seiten des Mundes nach vorn bis fast zum Ursprünge der hinteren Fühler; seine beiden letzten kurzen Glieder pflegen einwärts und rückwärts gerichtet zu sein. Dicht dahinter entspringen die ansehnlichen Raubfüsse. Das Thierchen liebt sie, während es senkrecht im Wasser schwebt, weit ausgespreizt zu tragen (Fig. i). Dann reicht das Grundglied quer nach aussen bis zum Rande des Schildes; das zweite und dritte bilden einen gegen das Ende schwach verdickten, I mm langen Stiel, der schief nach oben gerichtet bis zur Höhe der Augen reicht ; das vierte Glied ist kurz und undeutlich g'eschicden und verbindet den Stiel mit dem wagerecht nach aussen gerichteten, i mm langem Handgliede, das schwach keulenförmig verdickt ist und am geraden Innenrande einen längeren und eine Reihe ganz kurzer Dornen trägt. Die Klaue endlich ist schwach gekrümmt, un- gezähnt und hat etwa -/g der Länge des Handgliedes. Am Grunde der Raubfüsse bemerkt man einen kleinen rundlichen, blatt- oder blasenförmigen Anhang. Hinter den Raubf üssen folgen sechs anhangslose Ringe; die drei vorderen, noch vom Schilde bedeckt, aber nicht mit ihm verwachsen, nehmen nach hinten an Länge zu und verhalten sich etwa wie 2:3:4; zusammen sind sie halb so lang als die drei hinteren, die unter einander gleich sind. Die sechs Ringe zusammen sind 0,75 mm lang; ihre Breite beträgt 0,2 mm. Um die Hälfte breiter, an den Gelenken etwas eingeschnürt und an den hinteren Ecken mit je einem kurzen Dorne bewehrt, erscheinen die folgenden fünf Ringe, die zusammen reichlich ^/4 der Körperlänge ausmachen. Die vier vorderen von diesen fünf Ringen tragen Schwimmfüsse (Fig. 7), die alle in gleicher Weise gebildet sind; ein 0,3 mm langes, kräftiges, am Ende etwas verbreitertes Grundglied trägt zwei etwa halb so lange mit Borsten besetzte Endblätter, von denen das innere gegen das Ende seines Innenrandes einen kleinen fingerförmigen Fortsatz hat. Kiemen fehlen noch vollständig. Der Schwanz endlich, aus einem einzigen vStücke bestehend, bildet ein ansehnliches, viereckiges Blatt von etwa ^j^ der Körperlänge und kaum minderer Breite; seine Seitenränder sind sanft gewölbt, sein Hinterrand seicht ausgebuchtet; 16 winzige Zähnchen stehen in dieser Ausbucht, ein etwas längeres an jeder Ilinter- ecke und sechs an jedem Seitenrande. Der einzige Maulfüsser, den ich hier kenne, ist eine Squilla, wenig oder nicht verschieden von Squ. Mantis. Ihm wird wahrscheinlich die eben beschriebene Larve zugehören. Junge Squillen derselben Art von etwa 10 mm Länge, gleichen schon ganz den Erwachsenen bis auf die geringere Zahl der Fühlerglieder, der Zähne an den Raubfüssen, der Kiemenfäden u. dergl. — Sie hatten noch die glashelle Durchsichtigkeit unserer Larve und besassen, wie diese, ein un- paares Auge. Desterro, im Januar 1862. Fritz Müllers ^esamnipltf Schriften II f. Bruchstück zur Entwickelungsgeschichte der Maulfüsser. Erklärung- der Abbildungen auf Tafel XX. Fig. I. Zoeaform ^) eines Maulfüssers aus dem Meere von Santa Catharina, I5mal vergr. Fig. 2 — 7. Einzelne Theile desselben, stärker (Qomal) vergr. Fig. 2. Vorderster Theil des Körpers, v. u. Fig. 3. Vordere Fühler, v. d. Seite. Fig. 4. Oberkiefer. Fig. 5. Vorderer Unterkiefer. Fig. 6. Hinterer Unterkiefer. Fig. 7. Die beiden letzten Ringe der Brust und der erste des Hinterleibs mit einem seiner Schwimmfüsse. Fig. 8 — 18. Stäbchen von den inneren Fühlern verschiedener Kruster ; gomal vergr. (mit Ausnahme von Fig. 10, 12 u. 16). ^ Stamm, a äusserer, / innerer Ast des Fühlers, 7' Blutgefäss. Fig. 8. von einem kleinen Pagurus. 8 a. Die Spitze eines der Stäbchen. Fig. 9. Von einer kleinen Garneele (Hippolyte?). 9 a. Die Spitze stärker vergr. Fig. 10. Von Mysis (45mal vergr.). Fig. II. Von Squilla. Fig. 12. Von dem Sphäroma der Ostsee (Vergrösserung unbestimmt). Fig. 13. Von einem jungen Bopyrus. Fig. 14. 15. Von zwei verschiedenen Tanaisarten. Fig. 16. Von Caprella (iSomal vergr.) g Ganglion (?) Fig. 17. Von Gammarus. Fig. 18. Von einem Copepoden. i) Ich möchte den Namen Zoea auf alle Krebslarven ausdehnen, die 2 Paar Fühler, 3 Paar Mund- theile und 2 bis 3 Paar Füsse an der Brust besitzen, aber noch der 5 bis 6 letzten Paare der Bnistfüsse entbehren. Ein zweites Bruchstück aus der Entwickelungs- geschichte der Maulfüsser^). Mit Tafel XXI. Durch die bei einer Art ungemein reich entwickelten „Stäbchen" der inneren Fühler waren mir neuerdings die Hyperien merkwürdig geworden. Ich fing daher ein Thierchen ein, das in seinen Umrissen und durch die Art, wie es in einem Gewimmel anderer kleiner Krebsthiere herumschwamm, an Hyperia erinnerte, und das mir durch den grünen Schimmer seiner Augen und seine Durchsichtig- keit aufgefallen war. Schon die einfache Linse zeigte, dass es nicht war wofür ich es gehalten, und eine nähere Untersuchung ergab Folgendes: Das bis auf die Augen farblose Thier ist fast 2 mm lang. Sein Leib lässt drei sehr verschieden ausgestattete, nahezu gleich lange Abschnitte unterscheiden : der vordere ist ungegliedert, trägt Augen, Fühler, Mundtheile und ein ansehn- liches Rückenschild, das von seiner hinteren Grenze weit nach hinten vorspringt; der mittlere, ganz von diesem Schild bedeckt, besteht aus fünf Ringen, die zwei- ästige Schwimmfüsse tragen ; der hintere Abschnitt ist anhanglos, aus drei kurzen Ringen und einem grossen Schwanzblatte gebildet. Die Mitte des geraden Stirnrandes trägt einen, ein wenig abwärts gerichteten spitzen Fortsatz, dessen Länge etwa der halben Breite des Stirnrandes gleich- kommt. Seitlich, vorn an den Stirnrand sich anschliessend, springen die grossen, ungestielten und unbeweglichen, beinahe halbkugelig gewölbten Augen vor, deren Oberfläche in regelmässig sechsseitige Feldchen (von 0,025 mm Durch- messer) getheilt ist, und deren grüner Schimmer schon erwähnt wurde. Zwischen ihnen liegt auf der Unterfläche ein kleiner scharf umschriebener schwarzer Augenfleck. Hinter diesem entspringt ein kleiner vorwärts gerichteter Dorn (Fig. 2, c). Noch etwas weiter nach hinten, doch noch zwischen den Augen und ihnen genähert, stehen die inneren Fühler (Fig. 2, a; Fig. 3), die auf kurzem dünnen Stiele ein längeres Endglied tragen und nur mit ihrer äussersten Spitze den Stirnrand überragen. Ausser drei Borsten an der Spitze und einer am Aussen- rande tragen sie oberhalb, nahe der Spitze, drei meist stark gekrümmte, einfach walzenförmige Stäbchen mit abgerundetem Ende. Die äusseren F ü hier (Fig. 2, b) entspringen dicht hinter den Augen, nahe dem Seitenrande des Körpers, sind drei- I) Archiv für Naturgeschichte. 1863. 1. p. i — 7. Taf. I. j A , Ein zweites Bruchstück aus der Enlwickelungsgeschichle der INIaulfüsser. gliedrig, reichen ein- und vorwärts sich krümmend bis zur Aiitte des Endgliedes der inneren Fühler und tragen an der Spitze sechs gefiederte Borsten. Den J\I u n d , der etwas hinter der Alitte des vorderen Leibesabschnittes ge- legen ist, umgeben Oberlippe, Unterlippe, ein Paar Oberkiefer und ein einziges Paar Unterkiefer. Die Oberlippe (Fig. 4, a) überdeckt vollständig die Oberkiefer; ihr freier Rand erscheint bald sanft gewölbt, bald (bei stärkerer Zu- sammenziehung der Fig. 4, m gezeichneten Muskeln) in der Mitte ausgebuchtet. An den Oberkiefern (Fig. 4, b) unterscheidet man einen mehr oberflächlich nach hinten und innen mehr in der Tiefe und nach vorn gelegenen Theil ^), von denen jeder mit mehreren Zähnen bewaffnet ist. Die beiden Hälften der Unter- lippe (Fig. 4, c; Fig. 5) stossen in der Mittellinie zusammen; ihr Rand ist dicht mit kurzen Haaren besetzt. Der Unterkiefer (Fig. 4, d) hat zwei übereinander- gelegene mit einwärtsgerichteten Dornen bewaffnete Vorsprünge; der dem Körper nähere trägt vier kürzere, der andere drei längere Dornen; nach hinten von ersterem Hegt ein kleiner ungegliederter Anhang [Fig. 4, d'), dessen Innenrand einige kurze Borsten trägt, und der wohl als äusserer Ast (fouet, M. Edw.) zu deuten ist. Mit der Rückenfläche des vorderen Leibesabschnittes ist das ansehnliche Schild verwachsen. Es beginnt hinter den Augen und reicht bis über den mitderen Leibesabschnitt hinaus, je nach dessen verschiedener Zusammenziehung noch einen bis drei Ringe des hinteren Abschnittes bedeckend. Seine Breite ist vorn Vs der Körperlänge (den Stirnfortsatz nicht mitgerechnet), hinten etwas ge- ringer. Es ist seitlich nur wenig abwärts gebogen. Seine hinteren Ecken sind in zwei starke hinterwärts gerichtete Spitzen ausgezogen, (Länge = % des Stirn- fortsatzes) und einen (halb so langen) Stachel trägt die Mitte des Hinterrandes. Ein winziges Höckerchen (Fig. 7. n) findet sich in der Mittellinie des Schildes am Anfange des letzten Drittels des unverwachsenen Theiles. Der (an den Seiten- theilen einwärts gekrümmte) Rand des Schildes ist eingefasst mit einem schmalen, dünnen, fein und unregelmässig gezähnelten Saume (Fig. 7, s). Der mittlere Leibesabschnitt ist, wie gesagt, aus fünf Ringen zu- sammengesetzt und trägt fünf Paar zweiästiger Füsse (Fig. 4, e; Fig. 6), die bis auf einige Unterschiede in der Beborstung übereinstimmend gebildet sind ; alle haben einen dicken zweigliedrigen Stamm, einen stärkeren zweigliedrigen inneren und einen schwächeren ungegliederten äusseren Ast, der von dem inneren um die Länge seines kurzen Endgliedes überragt wird. Der äussere Ast trägt vier längfere g-efiederte Borsten am Ende, eine an seinem Aussenrande und beim vierten und fünften Fusspaare ausserdem zwei kürzere Borsten an seinem (rrunde. Das Endglied des inneren Astes trägt beim fünften Fusspaare drei, beim dritten und vierten vier lange Borsten und ausser diesen bei den ersten beiden Fuss- paaren einen am Ende schwach einwärts gekrümmten Dorn etwa von halber Länge des Astes, Kürzere Borsten stehen am Innenrande des inneren Astes. Die drei folgenden anhanglosen Ringe machen zusammen kaum y., der Körperlänge aus und tragen jedcrseits je ein winziges rückwärts gerichtetes Dörnchen. i) Dieser tiefer gelegene Theil des Oberkiefers ist wahrscheinlich von mir bei der älteren nur einmal gesehenen Maulfüsserlarve übersehen worden. Ein zweites Bruchstück aus der Entwickelungsgeschichte der Maulfüsser. |5r Der Schwanz ist ein ansehnliches spatelförmiges Blatt von 0.3 der T.eibes- länge ; seine Breite kommt in der Mitte der Länge fast gleich, ist hinten nur wenig geringer, vorn nur halb so gross. Der ziemlich gerade Hinterrand trägt vier grössere, schmale und spitze Zähne; zwei davon nehmen die hinteren Ecken ein ; zwischen jedem von diesen und dem nächsten der beiden mittleren Zähne stehen vier, zwischen den beiden mittleren stehen zwei halb so lange Zähnchen ; vier bis fünf weit kleinere Dörnchen stehen in jeder der so gebildeten 13 Buchten. Jeder Seitenrand trägt in seiner hinteren Hälfte drei schmale rückwärts gerichtete Zähne. Das Verdauungsrohr, von ziemlich gleichbleibender Weite, steigt vom Munde schief nach vorn in die Höhe, um dann umbiegend gerade zum After zu laufen, der am Anfange des Schwanzblattes gelegen ist. Im hinteren Theile des vorderen Leibesabschnittes nimmt es die farblose Absonderung von zwei vorderen und zwei hinteren weiten Leber schlauchen (Fig. 7, /) auf. Die vorderen Leberschläuche sind kurz, schief nach vorn und aussen gerichtet, die hinteren begleiten den Darm bis fast zum Schwänze und haben vorn eine ansehnliche Er- weiterung (Fig, 8, /"). Das dem Darme aufliegende Herz (Fig. 7, a) bildet in den fusstragenden Ringen einen gleichmässig weiten Schlauch, der im vorderen Leibesabschnitte, über der erwähnten Erweiterung der hinteren Leberschläuche, sich aufs Doppelte erweitert und im hinteren Drittel dieses Abschnittes endet. Hier, an seinem vorderen Ende, wird es durch zwei ansehnliche dreieckige seitliche Äluskelbündel (Fig. 7, i) an die Rückenwand befestigt. Für den Eintritt des Blutes sind fünf Paar Oeffnungen vorhanden, ein Paar nahe dem hinteren Ende des vorderen Leibesabschnittes, die folgenden ungefähr den Grenzen der fünf fusstragenden Ringe entsprechend. Die vier vorderen Paare (Fig. 7, b) bilden ansehnliche mit Klappen versehene Spalten; die des letzten Paares (Fig. 7, c) sah ich einmal sehr deutlich kreisförmig; andere JMale waren sie minder deuthch zu erkennen und schienen den vorderen ähnlich zu sein. — Innere balkenartige Muskeln fehlen dem Herzen. Die vom FI erzen abgehenden Gefässe beschränken sich auf ein vorderes und ein hinteres. Am Eingange des ersteren (Fig. g) liegen ähnliche Klappen, wie an den seitlichen Spalten. — Von diesem vorderen Gefässe geht ein starker unpaarer Ast zwischen Schlund und Hirn nach unten, ein anderer jederseits nahe dem Stirnrande bis zum Auge, während der schwache Endaat etwa in der Mitte des Stirn fortsatzes sich öffnet. Das aus den Aesten des vorderen Gefässes aus- tretende Blut strömt in der Leibeshöhle lebhaft nach hinten. Das hintere Gefä.ss endet mit weiter Oeffnung (Fig. 7, h) etwas hinter dem After. Selbst durch schwachen Druck des Deckgläschens, der eben hinreicht, das Thier festzuhalten, wird der Blutlauf im Schwanzblatte leicht gestört; die dem Gefässe entströmenden Blutkörperchen zögern oder stocken ganz in der Nähe der hinteren Ecken, und man hat dann hier Gelegenh(!it, aufs Gemächlichste die merk- würdige eigene Bewegung der Bl utk(')rperch en (Fig. 10) zu beobachten, die Lieb er kühn bei den farblosen Blutzellen der Wirbelthiere kennen gelehrt hiit. Sie besteht bei unserem Krebschen hauptsächlich darin, dass das Blut- körperchen einen oder zwei kurze spitze Fortsätze ausschickt, und ist so langsam, dass man sie nur an der nach einiger Zeit veränderten Gestalt des Blutkörperchens j^^ Eiu zweites Bruchstück aus der Entwickelungsgeschichte der Maulfüsser. erkennt. JMan überzeugt sich leicht, dass diese Formveränderungen, und dass die unregelmässigen Gestalten der Blutkörperchen nicht etwas Krankhaftes, etwa eine Erscheinung des Absterbens sind, wie man wohl geglaubt hat ; denn dieselben mannichfachen Gestalten, die nach und nach dasselbe im Schwanzblatte ruhende Blutkörperchen annimmt, findet man wieder in dem kroisenden Blute des eben eingefangenen lebensfrischen Thieres. Meine lückenhafte und der Nachprüfung bedürftige Beobachtung über die Anordnung des Nervensystems übergehe ich. Ueber die Deutung des eben beschriebenen Krebschens als Maulfüsser- larve dürfte namentlich nach dem Bau des Herzens kaum ein Zweifel sein. Ob sie zu derselben Art, oder wenigstens in dieselbe Entwickelungsreihe mit der älteren Larve gehört, die ich vor Kurzem beschrieb, ist schwerer zu entscheiden. Doch vermuthe ich es. Unter einer nicht unbedeutenden Zahl von Krebslarven, die ich kenne, sind diese beiden die einzigen, die das kleine Dörnchen zwischen dem Ursprünge der Fühler besitzen. Jedenfalls gehört die Farve einem in der Nähe der Küsten lebenden Thiere an ; die sieben Exemplare, die ich untersuchte, fing ich an drei aufeinander folgenden Tagen bei anhaltendem Südwinde, bei dem niemals Thiere der hohen See in unsere Bucht kommen. Gehören beide Lar\'en zusammen, so wird die Entwickelung jener älteren aus dieser jüngeren kaum anders vor sich gehen können, als dass die drei vorderen Fusspaare sich in das zweite Paar der Unterkiefer und die zwei ersten Paare der Kieferfüsse umbilden, und dass zwischen ihnen und den beiden hinteren Fusspaaren die sechs anhanglosen Ringe der älteren Larve entstehen. Desterro, Mitte Februar 1862. Erklärung der Abbildungen auf Tafel XXI. Fig. I ist 45mal, 2 bis 8 sind Qomal, 9 und 10 sind i8omal vergrössert. Fig. I. Stomatopodenlarve von Praia de fora bei Desterro, v. u. Fig. 2. Die Fühler, in ihrer gegenseitigen Lage, v. u. a der rechte innere, b der linke äussere Fühler; c der kleine Dorn zwischen ihnen. Fig. 3. Spitze des vordem Fühlers, v. d. Seite. Fig. 4. Mundtheile in natürlicher Lage; a Oberlippe; h Oberkiefer; c Unterlippe; d Unterkiefer ; d' äusserer Ast desselben ; e Fuss des ersten Paares ; di Muskeln der Oberlippe. Fig. 5. Unterlippe. Fig. 6. Fuss des vierten Paares; a äusserer, i innerer Ast. Fig. 7. Herz und Gefässe von oben, a Herz ; h Spalten zum Eintritte des Blutes ; c runde Oeffnungen ohne Klappen; d Klappen am Ursprünge des vorderen Gefässes; e vorderes Gefäss ; / Ast desselben, der zwischen Schlund und Hirn nach unten geht ; g hinteres Gefäss; Ji dessen hintere Oeffnung; / Flügelmuskeln des Herzens; / Muskeln, die den Schlund an den Rücken heften; /• Muskeln, die den After öffnen; / Leber; in Anheftunssstelle des Rückenschildes ; 11 ein kleiner Dorn des Rückenschildes ; s der gezähnelte Saum desselben. Fig. 8. Der vordere Teil der Leber, v. o. ^S" Schlund; r/Darm: / vordere, /' hin- tere Leberschläuche ; /" Erweiterung der letzteren. Fig. 9. Ursprung des vorderen Gefässes aus dem Herzen, a eine oft zu beobach- tende doch nicht bleibende Einschnürung dieses Gefässes. Fig. 10. Blutkörperchen. Die Verwandlung der Garneelen ^). Erster Beitrag. Mit Tafel XXII. M i 1 n e Edwards deutete als wahrscheinlich der Gattung Peneus zugehörige Garneelenlarve einen kleinen Krebs, den man früher als eigene Gattung Cryptopus Latr., den Schizopoden zugezählt hatte. Krebschen, die im allgemeinen Ansehen noch enger den Schizopoden sich anschliessen, im Besitze dreier Scheerenpaare mit Crj^ptopus und Peneus übereinstimmen, beobachtete ich in mehreren Arten und konnte sie zurückverfolgen zu scheerenloser Mysisform, von da zur Gestalt einer Zoea, und eine Art weiter bis zur Gestalt eines Nauplius, zu jener jugend- lichen Grundform also, die schon die Rhizocephalen und Lernaeen mit den Ranken- füssern und der formenreichen Gruppe der Cyclopen verbindet. Von der Zoeaform wurden fünf verschiedene Arten und einige derselben ziemlich häufig während des ganzen Sommers beobachtet; die unveränderte Naupliusform, wahrscheinlich dieselbe, in der das Thier aus dem Eie schlüpft, kam ein einziges Mal (13. December) zur Beobachtung-). Der Körper dieser jüngsten Larve (Fig. i) ist ungeghedert, birn förmig, 0,4 mm lang, vorn abgerundet und 0,2 mm breit, nach hinten bis auf Vj der Körperlänge verjüngt, hinten abgestutzt und seicht ausgerandet. Nahe dem X^order- rande steht ein kleines, schwarzes, scharfumschriebenes Auge. Der Hinterrand trägt jederseits eine starke gerade Borste von halber Körperlänge und daneben einen kurzen Dorn. Der Unterfläche des Eeibes entspringen sechs schlanke, langbeborstete Füsse, von denen die vorderen und mittleren Vü' die hinteren etwa die Hälfte der Körperlänge erreichen. Die vorderen stehen dicht am Stirnrande, die mittleren nahe dahinter, die hinteren etwa in der Mitte des Körpers. Die vorderen sind einfach, die mittleren und hinteren zweiästig; der hintere Ast er- scheint als unmittelbare Fortsetzung des Stammes, und ist stärker, bei den hinteren F'üssen auch viel länger als der vordere. Deutliche Gliederung ist nirgends an 1) Archiv für Naturgeschichte. 1863. I. p. 8—23. Taf. II. 2) Dies beweist, dass wenigstens zur Zeit der Fortpflanzung die Eltern sich nicht in der Nähe des Strandes aufhalten, da sonst umgekehrt die jüngsten Larven die häufigsten sein müssten. Eine dem Peneus Caramote nahe stehende Art, die hier häufig unter dem Namen Camaräo verspeist wird, erscheint im Sommer überhaupt nur spärlich und kaum je über mittelgross auf dem Markte. jgg Die Verwandlung der Garneelen. den Füssen zu erkennen, eine Andeutung von vier bis fünf Gliedern ist am hinteren Aste der mittleren Füsse zu sehen. Eine starke Borste von Körperlänge steht nebst einigen kürzeren an der Spitze der vorderen Füsse, zwei an der Spitze des vorderen Astes, sechs am vorderen Rande und der Spitze des hinteren Astes der mittleren Füsse; je zwei Borsten an der Spitze und eine unter derselben an jedem Aste der hinteren Füsse. Das Thierchen ist ziemlich undurchsichtig und von bräunlicher Färbung, die besonders an der Spitze der Füsse stärker hervortritt. Die Bildung des IMundes und der inneren Theile wurde nicht beobachtet. Die ziemlich biegsamen Füsse bilden mit ihren sparsamen langen Borsten eben kein rasch förderndes Bewegungswerkzeug. Ein Mann, der senkrecht im Wasser schwebend, mit weit ausgebreiteten Armen, schwanke Weidengerten in der Hand, sich emporarbeiten wollte, würde etwa ein Bild der eigenthümlichen Bewegungsweise geben, an der man auf den ersten Blick unter Hunderten anderer kleiner Kruster diese Nauplius und die daraus hervorgehende Zoea erkennen kann ^). Bei einer wenig grösseren (0,5 mm langen) Larve (Fig. 2), die in allgemeiner Körpergestalt, Bildung der Füsse und Färbung mit der vorigen übereinstimmt (am 13. Januar gefangen), hat sich das Hinterende in zwei dicke kegelförmige Zapfen ausgezogen, an deren Spitze jetzt die beiden langen Schwanzborsten stehen, begleitet nach innen von je zwei, nach aussen von je drei kürzeren, zum Theil noch dornartigen Borsten. Auch die Zahl der Borsten an den mittleren Füssen hat sich vermehrt. Als erste Andeutung des Rückenschildes zieht sich ziemlich in der Mitte des Körpers eine Hautfalte quer über den Rücken. Die hinteren Füsse sind mehr nach vorn und näher an die Mittellinie, an den zwischen ihnen liegfenden Mund oerückt, vor welchem, zwischen den mittleren Füssen eine grosse helmförmige Oberlippe („Mundkappe") gelegen ist. Der kurze Stamm dieser Füsse hat sich fast kuglig verdickt; offenbar bildet sich in seinem Inneren irgend ein neuer Theil, dessen Umrisse aber noch nicht deutlich hervortreten. Hinter dem Munde, das mittlere Drittel der Körperlänge füllend, sind aus der Bauch- fläche vier Paar langer plumper Zapfen hervorgesprosst, die sich hinterwärts dem Körper anlegen. In der Gestalt der ersten beiden Paare lassen sich schon die späteren Unterkiefer erkennen. Eng an diese Larve schliessen sich vier andere an, die — wahrscheinlich demselben Schwärme entstammend — gleichzeitig (24. Januar) gefangen wurden. In der Anschwellung am Grunde der hinteren Füsse (Fig. 3) sind deutlich die Umrisse des späteren Oberkiefers zu erkennen ; aus dem hinteren Aste hat sich der lebende Inhalt mehr oder weniger vollständig zurückgezogen; der vordere Ast ist noch ziemlich gefüllt, aber schon zu sehen, dass auch ihm nach der Häutung Borsten fehlen werden. Von diesen Füssen wird also, ausser dem zum Oberkiefer umgewandelten Stamme, nur ein kurzes borstenloses Stummelchen übrig bleiben. — (Ein solches, durch seine dunkle bräunliche Färbung sehr augenfällig, wurde i) An dieser Bewegungsweise hatte ich mit biossein Auge das eben beschriebene Thierchen als Peneuslärve erkannt; das Mikroskop Hess diese Deutung, wenn nicht als irrig, so doch als höchst un- wahrscheinlich erscheinen. Einen Monat später fanden sich Mittelformen, die dem unbewaffneten Auge gegen das Mikroskop Recht gaben ; letzteres allein hätte mich wahrscheinlich nie die wahre Natur meines Nauplius ahnen lassen. Die Verwandlung der Garneelen. 1 5q in der That einmal, am 3. Januar, bei einer sehr jungen Zoea beobachtet; sehr bald aber schwindet auch dieses vollständig.) — Zwischen dem Ursprünge der beiden vorderen Füsse sind jetzt schon zwei ansehnliche in der Mittellinie zu- sammenstossende Ganglien zu unterscheiden. Im vorderen Winkel zwischen diesen beiden Ganglien liegt das Auge, umgeben von mehreren kleinen orangefarbenen Kügelchen (Oeltröpfchen ?). Ueber dem Auge, es von oben verdeckend, hat sich ein trübes, feinkörniges Gewebe gebildet, dem jederseits ein kleines, durchsichtiges, halbkuglig über den Stirnrand vorspringendes Knöpfchen aufsitzt. Darm, Leber und Herz sind schon in ähnlicher Form vorhanden, wie bei den jüngeren Zoea. Wahrscheinlich schon mit der nächsten Häutung, darauf deuten die bereits angelegten Borsten derselben hin, treten die Fussstummel in Thätigkeit und aus dem Nauplius wird eine Zoea, auf deren Anhänge sich schon ungezwungener die für die erwachsenen Thiere üblichen Namen anwenden lassen. Ich bezeichne also weiterhin die beiden ersten Fusspaare des Nauplius als Fühler, das dritte als Oberkiefer, von den vier neuen Fusspaaren die beiden vorderen als Unterkiefer, die hinteren als Kieferfüsse. Als Zoea (Fig. 4 — 8) wurde unsere Larve von 0,8 bis 1,6 mm Länge be- obachtet. Während dieses Lebensabschnittes entwickeln sich die paarigen Augen ; es bilden sich 10 oder 11 neue Ringe, an dem ersten derselben ein Fusspaar und an den fünf folgenden die Anlagen von solchen, so wie endlich die seitlichen Schwanzanhänge. Diese neuen Theile sind natürlich in sehr wechselnder Gestalt zu finden ; im Uebrigen erleiden die Thiere keine erheblichen Veränderungen, — selbst nicht in der Grösse; denn die Zunahme der Länge rührt fast ausschliesslich von der wachsenden Ausdehnung der 1 1 neuen Ringe her. Das Rückenschild, 0,4 bis 0,5 mm lang, ist anfangs fast kreisrund und flach ausgebreitet. Bald biegt es sich herab und deckt von den Seiten die Mund- theile und die Grundglieder der Füsse. Flinten erhält es, so weit es dem Körper aufliegt, eine seichte Ausbuchtung. Während es bei seinem ersten Auftreten (s. o.) hinter dem jetzigen Oberkiefer von dem Körper sich abhebt, geschieht dies hinter dem zweiten Paare der Kieferfüsse und frei vorspringend deckt es noch 2 — 3 der neu sich bildenden Ringe. Vorn ist es zuerst von den aneinanderstossenden Augen bedeckt (Fig. 4) ; wenn diese später auseinanderweichen, überdeckt es den Zwischen- raum und den Grund der Augenstiele mit einem dreieckigen Fortsatze, der in einen bis 0,12 mm langen Stachel ausläuft (Fig. 7). Andere stachelförmige Fort- sätze fehlen ihm. Unter diesem vordersten Theile des Rückenschildes und den paarigen Augen liegt das un paare Auge: die ganze Breite (0,1 mm) zwischen dem Ursprünge der vorderen Fühler füllen zwei ansehnliche Ganglien, die in der Mittellinie zu- sammenstossen ; ihre vorderen Flächen sind stark gewölbt und über beid(^ spannt sich in einem ziemlich halbkreisförmig gewölbten Bogen die Leibeshaut. Aus der Tiefe des so zwischen den Ganglien und der Haut frei bleibenden Räume >s erhebt sich ein keulenförmiges Stäbchen („Krystallkegel"), das fast die Haut erreicht und in seinem unteren Theile von schwarzen Farbkörnchen umlagert ist. Die Haut schien mir bei dieser Art ohne linsenförmige Verdickungen zu sein. Die Fühler bilden noch das hauptsächlichste Bewegungswerkzeug, während sie bei allen anderen Zoea (der Maulfüsser, Krabben, Porcellanen, Paguren und J..Q Die Verwandlung der Garneelen. der in Zoeaform das Ei verlassenden Garneelen) nichts mit der Ortsbewegung zu thun haben. Die vorderen (inneren) Fühler (0,4 mm lang) erscheinen jetzt in vier Glieder geschieden, von denen das erste fast die Hälfte der Länge einnimmt ; die längste der drei starken Endborsten hat fast die doppelte Länge des Fühlers. Dicht an den Endborsten, nach aussen von ihnen, stehen ein oder zwei zarte o,og mm lange Stäbchen, und ein oder zwei andere etwas unter der Spitze an der Aussenseite des Endgliedes. Die hinteren (^äusseren) Fühler sind jetzt dicht an die Seite der inneren gerückt und erreichen nur etwa Vs von deren Länge; ihr dicker Stamm lässt 2, der innere (vordere) Ast 3, der äussere (hintere) bis 10 Glieder unterscheiden. Wie früher ist der innere Ast wenig kürzer aber viel schmächtiger als der äussere. Die Zahl der gefiederten Borsten des äusseren Astes steigt bis auf 10, von denen 4 an der Spitze, die anderen am Ende der sechs vorhergehenden Glieder stehen. Die grosse Oberlippe (L) hat etwa die Gestalt eines preussischen Soldaten- helmes, den man sich nur breiter und dessen Schirm man sich bedeutend ver- grössert und in der Mitte ausgerandet denken müsste. Der Helm, dessen Spitze \orwärts gerichtet ist, i:<" unbeweglich und von ihm gehen Muskeln in den be- weglichen Schirm, der sich deckend über den Mund und einen Theil der Ober- kiefer legt. Von den kräftigen Oberkiefern (///) fällt bei Betrachtung des unver- letzten Thieres von unten nur ein langer 2 — 3-spitziger Zahn in die Augen, der weit über die tiefer gelegene mit niedrigen Leisten und Höckern besetzte Kau- fläche vorspringt. Am Grunde des Zahnes, nach der Kaufläche zu, stehen mehrere derbe, mit kurzen Dörnchen besetzte Borsten (Fig. 8). — Die Oberkiefer sind tasterlos. Es scheint dies eine Eigenthümlichkeit zu sein, in der alle Zoea mit den Insekten übereinstimmen und die hier doppelt auffallend ist, da nicht nur das erwachsene Thier Kiefertaster besitzt, sondern auch die jüngeren Larven an dieser Stelle zweiästige Füsse besitzen, aus denen die Kiefer hervorgehen. An den Unterkiefern {IV, V) unterscheidet man den Stamm mit Vor- sprüngen an seiner Innenseite, die fast das Ansehen von Gliedern haben und mit starken, zum Theil dornartigen, zum Theil gezähnelten oder gefiederten Borsten besetzt sind, — einen mehrgliedrigen Endtheil (inneren Ast?), der an Innenseite und Spitze längere und zartere Borsten trägt, — und einen kleinen länglichen blattförmigen Anhang (äusseren Ast, fouet M. Edw. Fig. 5, a, a) an dessen Rande einige wenige zarte Borsten stehen. An den Unterkiefern des ersten Paares {IV) hat der Stamm 2 längere, an denen des zweiten ( V) 4 kürzere Vorsprünge, an jenen der Endtheil 3, an diesen 5 Glieder. Die Kieferfüsse {VI, VII) scheinen wenig bei der Ortsbewegung mitzu- wirken. Sie bestehen aus einem, namentlich am ersten Paare dicken Stamme, einem längeren 4— 5-gliedrigen inneren und einem kürzeren ungegliederten äusseren Aste. Ausser den Endborsten finden sich Borsten von verschiedener Längte auch am Innenrande des Stammes und des inneren Astes, so wie am Aussenrande des äusseren. Das erste Paar ist länger und kräftiger als das zweite. Die beiden Aeste des Schwanzes treten jetzt, durch eine halbkreisförmige Ausbucht getrennt, unter ungefähr rechtem Winkel auseinander, erscheinen am Die Verwandlung der Garneelen. j -7 j Ende abgerundet und erhalten am inneren Rande zweimal eine neue Borste, so dass deren Zahl erst auf 7, dann auf 8 an jedem Aste steigt. Die älteste Borste bleibt durch grössere Länge (0,4 mm) kenntlich, die äusserste, der ebenfalls schon beim jüngsten Nauplius vorhandene Dorn, bleibt dadurch von den übrigen unter- schieden, dass sie glatt ist, während die anderen mit kurzen Dörnchen und längeren Haaren fiedrig besetzt sind. Das Verdauungsrohr hat nichts Besonderes; der After, anfangs endständig (Fig. 4) rückt später auf die Bauchseite bis fast zur Mitte des letzten Ringes (Fig. 7). Die Leber, von gelblicher P'arbe, besteht aus drei Paar weiten Schläuchen, (einem vorderen oberen, einem seitlichen, einem hinteren unteren), und hat in ihrem Baue ebenfalls Nichts von anderen Zoea Abweichendes. Die Lage des Herzens {h) ist die gew()hnhche, am Ende des mit dem Rückenschilde verwachsenen Leibesabschnitts; mit fortschreitender Ausdehnung des Schildes rückt auch das Herz allmählich weiter nach hinten. So liegt es bei den älteren Nauplius über dem dritten Fusspaare (Oberkiefer), jetzt über dem sechsten und siebenten (Kieferfüssen). Der Bau des Herzens dagegen weicht auf- fallend ab von dem der älteren Thiere ebenso, wie von den anderen Decapodcn- larven. Es gleicht dem vordersten erweiterten Abschnitte des Herzens der kürz- lich von mir beschriebenen jüngeren Maulfüsserlarve. Es fehlen nämlich die sich kreuzenden Balken im Innern und die Zahl der Spalten für den Eintritt des Blutes ist auf zwei beschränkt, die im hinteren Theile des Herzens auf dessen Unterseite liegen. Diese zwei Spalten sind ungemein augenfälhg und ich glaube die An- gabe, dass sie die einzigen sind, mit aller Bestimmtheit machen zu können. Oft und lange habe ich bei dieser und verwandten Arten den Lauf der Blutkügelchen durchs Herz und in dessen Nähe verfolgt, und nie sie anders als hier eintreten sehen ; von vorn herkommende Blutkörperchen sah ich einigemal dicht am Herzen entlang gleiten, um zu diesen hinteren Spalten zu gelangen. Auch dürften die später trotz des inneren Balkenwerks leicht zu erkennenden übrigen Spalten jetzt an dem einfachen Schlauche kaum zu übersehen sein. — Ein Gefäss entspringt am Vorderende, ein zweites unter dem abgerundeten Hinterende des Herzens. Am Ursprünge des ersteren wurden Klappen gesehen. Andere Gefässe scheinen noch zu fehlen. Ein grosser Theil des aus dem vorderen Theile des Körpers zurückkehrenden Blutes macht, wie bei anderen Zoöa, einen LTmweg durch das Rückenschild. Dies die Theile, die während dieses ganzen Zeitraums sich ziemlich un\er- ändert erhalten. Von den neu auftretenden Theilen sind der Zeitfolge nach zuerst die paarigen Augen zu betrachten; denn schon bei den ältesten Nauplius war ihre erste Spur zu erkennen (s. o.). Sie bilden bald eine ansehnliche, über dem vorderen Theile des Rückenschildes liegende, den Stirnrand überragende, vorn ausgerandete Masse (Fig. 4). Nahe ihrer äusseren, hinteren Ecke tritt ein schwarzer Farbfleck auf, von dem aus sich bald strahlige Linien zur Oberfläche des .späteren eigentlichen Auges verfolgen lassen (Fig. 6); nach vorn und innen davon imter- scheidet man den verdickten Sehnerven, hinter dem ein freier, später von einem Muskel durchsetzter Riium bleibt. Die anfangs dicht zusammenstossenden Augen rücken nun rasch auseinander, so dass das unpaare Auge und in ganzer Breite die Ganglien, zwischen denen es liegt, wieder von oben sichtbar werden. j-. Die Verwandlung der Garneelen. Eigenthümliche Gebilde, die ich nicht zu deuten weiss und die den anderen beobachteten Arten zu fehlen scheinen, sind die beiden halbkugligen durchsichtigen Knöpfchen, die schon bei den ältesten Nauplius am Stirnrande vorspringen. Sie verhalten sich anfangs als zarte fast kugliche wasserhelle Bläschen (Fig. 4, o), später als winzige mehr derbhäutige und undurchsichtige zitzenförmige Anhänge am Vorderrande der Augenstiele während des ganzen Larvenlebens (Fig. g, o). Die neuen Ringe, an denen später die Brust- und Afterf üsse sich ent- wickeln, bilden anfangs einen ungegliederten, weichen, kurzen, aber rasch sich verlängernden Gürtel. Noch ehe dieser Gürtel die Länge des hinter ihm liegenden Leibesabschnittes erreicht, lässt sich eine anfangs freilich wenig deutliche Sonderung in 1 1 Ringe wahrnehmen. Anfangs sind diese ziemlich gleich lang, ja die vorderen länger und deutlicher geschieden; gegen Ende dieses Zeitraumes aber bilden die fünf hinteren etwa 7;. der gesammten Körperlänge, von denen die sechs vorderen kaum V9 ausmachen, w^ihrend der Rest der Länge halb vor und halb hinter diesen neuen Ringen liegt ^). Die fünf hinteren neuen Ringe (Hinterleibsringe) erhalten am hinteren Rande in der Mitte des Rückens ein kurzes Dörnchen und der letzte derselben ausserdem eins an jeder Seite. Von inneren Theilen ist in diesen neuen Ringen anfangs nur der Darm deutlich unterscheidbar, später bildet sich die Kette der Nervenknoten aus und erst gegen Ende dieses Zeitraums sondern sich die Muskeln in scharf geschiedene Bündel. Die neuen Anhänge sprossen an der Bauchseite der entsprechenden Ringe als anfangs einfache Zapfen hervor, die aber bald einen längeren äusseren und kürzeren inneren Ast unterscheiden lassen. Zuerst und schon, wenn eben eine Sonderung der neuen Ringe sich bemerklich zu machen anfängt, das dritte Paar der Kieferfüsse und die Seitenblätter des Schwanzfächers, weit später auf einmal die fünf Paare der Brustfüsse. Die Aeste der Kieferfüsse erhalten vor Ablauf dieses Zeitraums ausgebildete Endborsten , bleiben aber noch ungegliedert, die Brustfüsse bleiben borstenlose Stummel. Die seitlichen Schwanzblätter, die un- mittelbar (ohne Gelenk) dem Grundgliede aufsitzen, erhalten einzelne kurze Borstchen, besonders die Spitze des längeren äusseren Blattes; die langen Fiederborsten der späteren Zeit fehlen noch. Durch das Hervorsprossen der Schwanzanhänge an der Bauchseite unterscheiden sich unsere Thiere nicht nur von den Porcellanen, sondern auch von denjenigen Garneelen, die in Zoeaform das Ei verlassen und bei denen, wie bei Porcellana, diese seitlichen Schwanzblätter innerhalb der breiten Schwanz- flosse angelegt werden. Den allmählichen Aenderungen, die das Ansehen des Thieres durch die Aus- bildung der paarigen Augen, der neuen Leibesringe und ihrer Anhänge erleidet, folgt, wenn es eine Länge von etwa 1,6 mm erreicht hat, eine neue tiefgreifende, plötzliche Verwandlung, der Uebergang in die Mysisform (Fig. 9). Die Fühler I) Ob der erste dieser 1 1 Ringe, wie ich glaube, schon bei Beginn dieses Zeitraums vorhanden ist, ob also alle 14, oder nur 10 Ringe als wirklich neu zu bezeichnen sind, lasse ich unentschieden. In letz- terem Falle hätte man: im ersten Zeitraum (Nauplius) fünf ursprüngliche Ringe (Fühler, Oberkiefer, Schwanz) und die Bildung von fünf neuen (für Unterkiefer und Kieferfüsse) ; im zweiten Zeitraum (Zoca) Bildung von 2X5 neuen Ringen, von denen die einen (Brustringe) jetzt, die andern (Hinterleibsringe) im dritten Zeitraum (Mysisform) Fussstummel erhalten. Dies einfache Verhältniss jedoch, weit entfernt, ein allgemeingültiges zu sein, würde nicht einmal für alle Arten der Gattung Peneus passen. Die Verwandlung der Ganieclen. j -; -j hören auf der Bewegung zu dienen ; sie werden abgelöst durch den langen Hinter- leib, der eben noch wie eine nutzlose Last mühsam nachgeschleppt wurde und dessen kräftige Muskeln jetzt das Thier in hüpfender Bewegung weiter schnellen, — und durch die langbeborsteten Brustfüsse. Das R ü c k e n s c h i 1 d , mit no(^h ungezähneltem Stirnfortsatze, hat am Vorder- rande jederseits zwei kurze Zähne erhalten, einen über dem Auge, den anderen an der unteren Ecke. Es deckt nach Kurzem die Brustringe vollständig, von denen anfangs einige wenigstens oberhalb noch unbedeckt bleiben. Die vorderen Fühler (Fig. 12, /) haben ihre langen Borsten verloren. Die drei ersten Glieder erscheinen jetzt als Stiel, indem nach innen von dem vierten, stäbchentragenden Gliede ein zweiter anfangs ung'egliederter, in eine einfache Borste auslaufender Ast sich entwickelt. Der äussere Ast der hinteren Fühler (Fig. 12, IIa) ist zur Schuppe des Garneelenfühlers geworden, zu einem ungegliederten Blatte, dessen Aussenrand in einen kurzen Zahn ausläuft, während die weiter vorspringende Spitze und der Innenrand mit langen Fiederborsten besetzt sind. Neben diesem Blatte, nach innen und unten, steht ein kurzer, borstenloser, ungegliederter Zapfen, aus dem später die Geissei des Fühlers hervorgeht. Ob dieser Zapfen aus dem inneren Aste des Zoeafühlers sich entwickelt, oder neu sich bildet, während jener innere Ast vollständig schwindet, lasse ich unentschieden; wahrscheinlich ist mir letzteres; ich glaube, dass man die Geissei des Garneelenfühlers als mittleren Ast (palpe M. Edw.) zu betrachten hat. Die schon bei Zoea vorhandenen Füsse haben keine auffallende Veränderung erlitten. Das dritte Paar der Kieferfüsse gleicht jetzt den beiden vorhergehenden. Die fünf neuen Fusspaare (Fig'. 11) haben anfangs alle dieselbe Bildung; der ungegliederte Stamm trägt einen kurzen, ebenfalls ungegliederten inneren Ast mit zwei Endborsten und einen doppelt so langen, in seiner oberen Hälfte geringelten und mit langen Borsten besetzten äusseren Ast, der in fast beständiger strudelnder Bewegung ist. Am Schwänze (Fig. 10) sind die Seitenblätter jetzt auf kurzem Grundgliede beweglich eingelenkt und mit langen Fiederborsten besetzt; das Mittelstück (der siebente Hinterleibsring) erscheint länger und schmäler, als wenn man die beiden auseinanderweichenden Aeste bis zu fast völliger Verschmelzung zusammenge- schoben hätte; die Borsten der Zoea sind vollzählig erhalten, aber zu kurzen Dornen zusammengeschrumpft. Der After liegt am Anfange dieses letzten Ringes. Um dieselbe Zeit findet eine bedeutende Veränderung des Herzens statt, das vier neue Spalten für den Eintritt des Blutes und innere Muskelbalken erhält. In dieser Mysis-ähnlichen Gestalt wurde unsere Larve von kaum 2 bis 4,5 mm Länge beobachtet. Während dieses Zeitraumes bilden sich die Gehörwerkzeuge, die Scheeren und Gangfüsse aus, Oberkiefertaster, Afterfüsse und Kiemen werden angelegt. Die Geissein der Fühler verlängern und gliedern sich; bei Thieren von 4 bis 4,5 mm Länge sind die beiden Geissein der inneren Fühler dreighedrig: die äussere, etwas kürzere, trägt etwa sieben Stäbchen ; die Geisscl der äusseren Fühler erreicht fast die Länge der Schuppe. l'jA Die Verwandlung der Garneelen. Im Grundgliede des inneren Fühlers bildet sich das Gehör Werkzeug. Das untere Drittel dieses Gliedes erhält nach aussen eine Auftreibungf, die oben durch einen halbmondförmigen Ausschnitt begrenzt wird (Fig. 12). Im Inneren dieser Auftreibung unterscheidet man bald (bei Thieren von 3 mm Länge) eine längliche Höhle. In der Höhle erscheint wenig später ein kugliger, stark licht- brechender Gehörstein und in der halbmondförmigen Ausbucht drei bis \ier kurze gefiederte unten kuglig verdickte Borstchen (Fig. 15). Der Gehörstein scheint nicht frei in der Höhle zu liegen, sondern (wie es im Schwänze der Mysis der Fall ist) durch zarte Fädchen gehalten zu werden, die von einem nach innen von der Höhle gelegenen Nervenknoten ausgehen. Der vorwärts gerichtete Dorn der Oberlippe beginnt zu schwinden, ist aber noch bei 4,5 mm langen Thieren als kleines Spitzchen zu erkennen. Am Oberkiefer erscheint etwa zur Zeit, wo die Gehörsteine sich bilden, der Taster als kleine Warze, die iich bald verlängert, aber ungegliedert und borstenlos bleibt. Die Scheeren zeigen sich schon bei 2,8 mm langen Thieren angedeutet, indem der noch ungegliederte innere Ast der entsprechenden drei Fusspaare innen unter der Spitze einen kleinen Vorsprung erhält. Bei Thieren von 3,5 mm Länge sind diese P'üsse schon wie beim erwachsenen Thiere gegliedert und jener Yor- sprung (der unbewegliche Scheerenfinger) erreicht -/s der Länge des Endgliedes (des beweglichen Fingers), das noch seine beiden Endborsten trägt (Fig. 14). Auch am vierten und fünften Paare der Brustfüsse (Fig. 13) ist jetzt der innere Ast in fünf Glieder getheilt und übertrifft schon um etwas die Länge des äusseren. Bei 4.5 mm langen Thieren sind die Scherenfinger gleich lang; am vierten und fünften Fusspaare sieht man einen spitzen Vorsprung, die Klaue, neben den Endborsten, und namentlich am vierten übertrifft die Länge des eigentlichen Fusses schon weit die des äusseren Astes. Die Afterfüsse sind schon bei 2,8 mm langen Thieren als kleine Warzen erkennbar: anfangs sind sie einfach und es ist, wie bei den Brustfüssen, der äussere Ast, der sich zuerst entwickelt. Bei Thieren von 4,5 mm Länge sind sie schon recht ansehnlich (Fig. 16), aber noch ohne Gliederung und Borsten, und der innere Ast erscheint nur als unbedeutender Anhang des äusseren. Die Anfänge der Kiemen sind als kleine rundliche Wucherungen am Grunde der Kieferfüsse und Scheerenfüsse schon bei Thieren unter 4 mm Länge zu erkennen; später auch am vierten Paare der Brustfüsse. Von der 4,5 mm langen Mysis-artigen Larve ist nur ein kleiner Schritt noch zur Garneelenform. Die jüngsten in dieser Gestalt beobachteten Thiere waren etwa 5 mm lang. Ihr Stirnhorn hatte oben drei Zähne. Die Fühler hatten keine Veränderung erlitten. An den Augen war der kleine Anhang nicht mehr zu sehen. Das unpaare Auge war sehr undeutlich geworden. Die Oberlippe hatte ihren Dorn vollständig verloren, der Taster des Oberkiefers zwei Glieder und kurze Borsten erhalten. Die beiden vorderen Paare der Kieferfüsse haben sich dem Munde dicht angelegt und sind weit kürzer als das dritte. Die äusseren Aeste der Brustfüsse, die bei manchen PeniHis (als sog, palpus flagelliformis) sich lebens- länglich erhalten , sind vollständig verschwunden. Die Afterfüsse haben (am äusseren Aste) Glieder und Borsten erhalten. i3as mittlere Blatt des Schwanz- fächers ist nach hinten verjüngt und trägt am gerade abgeschnittenen Hinterrande Die Ver\\andliing der Garneelcn. j-y- lo Dornen, von denen die an den Ecken die längsten sind; drei kürzere Dornen stehen an jedem Seitenrande. Die Kiemen (eine über dem vierten Brustfusse, je zwei über den \ orhergehenden) sind noch ganzrandige längHche Blätter (fieder- spaltig bei g mm langen Thieren). Die Leber fängt an durch Bildung neuer Schläuche und Verästelung der älteren eine zusammengesetztere Form anzunehmen. Ueber g— lo mm lang wurde das Thier noch nicht beobachtet. Eine zweite Larven art ist als ältere Zoea leicht dadurch von der eben besprochenen zu unterscheiden , dass der Vorderrand des Schildes ausser dem mittleren noch jederseits einen kürzeren seitlichen schief nach vorn und aussen gerichteten stachelförmigen Fortsatz hat. Dabei ist sie auf gleicher Stufe der Ent- wickelung grösser und wurde als Zoea bis 2,3 mm lang gesehen. Jüngere Zoea, denen noch die P'ortsätze des Schildes fehlen , sind denen der ersten Art so ähnlich, dass es mich Mühe gekostet hat, sie an der Bildung der Fühler u. s. w. unterscheiden zu lernen. Am unpaaren Auge dieser zweiten Art (Fig. 17) bildet die Haut meist zwei linsenförmige Verdickungen zu den Seiten d(^s Stäbchens; einmal sah ich eine einzige grössere dem Stäbchen gegenüber. Zwischen den beiden Nervensträngen der Bauchkette lässt sich ein unpaares von Knoten zu Knoten verlaufendes Fädchen unterscheiden (das den anderen Arten schwerlich fehlt, aber noch nicht deutlich bei ihnen gesehen wurde). Trotz der ungemeinen Aehnlichkeit mit der ersten Art ist der Gang der Entwickelung ein etwas ab- weichender, indem das dritte Paar der Kieferfüsse und die Schwanzanhänge nicht vor-, sondern gleichzeitig mit den Brustfüssen auftreten. Eine dritte Art (Pig. 18 — 22) wurde von jüngeren 1,2 mm langen Zoea, bei denen die neuen Ringe noch von gleicher Länge waren und eben die ersten Stummel des dritten Paares der Kieferfüsse und der Schwanzanhänge sich ge- bildet hatten, bis zu 3 mm langen, mit drei unvollkommenen Scheerenpaaren und Afterfüssen versehenen Mysis-ähnlichen Formen verfolgt. Sie ist ausgezeichnet durch sehr reiche Bewaffnung des Rückenschildes und der Hinterleibsringe mit stachelförmigen Fortsätzen ; auch das mittlere Blatt des Schwanzfächers ist bei der Mysisform in zwei lange Spitzen ausgezogen (Fig. 21). Der Gang der Entwicke- lung scheint ganz wie bei der ersten Art zu sein ; die Form des Grundgliedes der inneren Fühler bei den ältesten zur Beobachtung gekommenen Larven (Fig. 22) lässt vermuthen, dass auch hier ein dem der ersten Art ähnliches Ohr sich l)ilden werde. Von zwei weiteren Arten, deren Zoea in der Bildung der Fühler, der dorn- tragenden Oberlippe, des vielgliedrigen zweiten Unterkiefers, des Schwanzes, des Herzens u. s. w. sich eng an die drei anderen anschliessen, wurde die eine bis jetzt nur bis zur scheerenlosen Mysisform verfolgt, die andere aber, die drei Scheerenpaare erhält, entfernt sich im Gange ihrer Entwickelung so weit von den übrigen, dass i(^h ihre Verwandlungsgeschichte einer besonderen Schilderung vorbehalte. Desterro, im März 1862. .-^ Die Verwandlung der Garneelen. Erklärung der Abbildungen auf Tafel XXII. Die ganzen Thiere, so wie Fig. lo und 19, sind 45mal, Fig. 3 und 17 sind iSomal, Fio- 20 bis 22 sind 2 5mal, alle übrigen Qomal vergrössert. Die römischen Zahlen / bis XIX bezeichnen die den 19 Paaren des erwachsenen Thieres entsprechenden Anhänge. g Geissei des zweiten Paares; a äusserer, / innerer Ast der Anhänge; L Oberlippe; // Herz; / leber; /' vorderer, /" mittlerer, /'" hinterer Leberschlauch; o Anhang am Auge von unbekannter Bedeutung; s mittlerer Stirnfortsatz; / orangefarbene Oeltröpfchen. Fig. I. Jüngerer Nauplius eines Peneus aus dem Meere von Sta. Catliarina v. o. Fig. 2. Aelterer Nauplius desselben v. d. S. Fig. 3. Drittes Fusspaar eines noch etwas älteren Nauplius mit der Anlage der Oberkiefer, A v. u., B. v. d. S. Fig. 4. Jüngere Z o c a desselben, v. o. Fig. 5. Mundtheile derselben Zoea, v. u. Fig. 6. Augen e'.ner etwas älteren Zoea. Fig. 7. A eitere Zoea desselben, v. u. Fig. 8. Oberkiefsr einer älteren Zoea. Fig. 9. Jüngere Mysisform desselben, v. d. S. Fig. 10. Schwanz dci^elben Thieres, v. u. Fig. II. Fuss des I3ten Paares, von demselben Thiere. Fig. 12. Fühler einer 3,3 mm langen Larve, v. u. Fig. i^. Fuss des I2tenl -n . , t ,,.° ^ „ , ^ > Paares von einer ^,5 mm langen Larve. rig. 14. Fuss des I3tenj " "^ '^ Fig. 15. Theil vom Grundgliede der inneren Fühler mit ausgebildetem Gehörwerkzeuge, von einer etwa 4 mm langen Larve. Fig. 16. Füsse des i8ten Paares, von einer 4,5 mm langen Larve, v. d. S. Fig. 17. Unpaares Auge von der Zoea einer nahe verwandten Art, v. u. Fig. 18. Zoea einer dritten Art kurz vor der Verwandlung in die Mysisform, v. d. Seite. Fig. 19. Hinterer Theil des Rückenschildes derselben, v. o. Fig. 20. Hinterer Theil des Rückenschildes von einer 3 mm langen mysisförmigen Lar\e derselben Art, v. o. Fig. 21. Schwanz derselben mysisförmigen Larve, v. u. Fig. 22. Stirnfortsatz und innerer Fühler derselben, v. o. Die zweite Entwickelungsstufe der Wurzelkrebse (Rhizocephalen) ^) "). Mit Tafel XXIII. Drei Tage ungefähr, nachdem die jungen Wurzelkrebse in NaupHusform die Bruthöhle ihrer Mutter verlassen, verwandeln sie sich, wie ich kürzlich an drei verschiedenen Arten beobachtete, in eine neue von der ersten sehr abweichende Gestalt, die sich auf's Allerengste anschliesst an die zweite Entwickelungsstufe der Rankenfüsser -^l. Dieselbe Form des zu einer muschelähnlichen Schale zusammen- geklappten Rückenschildes, dieselbe Bildung der in ähnlicher Weise nirgends sonst wiederkehrenden Haftfüsse, der zwölf langbeborsteten Schwimmfüsse und der Schwanzanhänge, und natürlich also vollkommen dieselbe Art der Bewegung, Nur die paarigen Augen fehlen. Da somit die Wurzelkrebse sich als nächste Verwandte der Rankenfüsser herausstellen, so scheint es passend, auch auf die früheste Jugend- form beider Gruppen noch einmal vergleichend zurückzublicken. Die Birnform 1) Archiv für Naturgeschichte. 1863. I. p. 24—33. Taf. III, Fig. i — 7. 2) Der Verfasser bemerkt bei Uebersendung des hier folgenden Aufsatzes an den Unterzeichneten, dass er auf den Abdruck verzichte, wenn der in demselben beschriebene Cypris-ähnliche Entwickelungszustand der Rhizocephalen bereits bekannt sei. Nun hat allerdings Lilljeborg diesen Entwickelungszustand von Peltogaster sulcatus gesehen (Ann. and Mag. of nat. history 3. ser. Vol. VII. 1861. p. 57), auch ist die von Fritz Müller auf Grund seiner Untersuchungen ausgesprochene Ansicht, dass die Rhizocephalen Rankenfüsser seien, nicht neu, vielmehr von Anderson und Lilljeborg bereits vorgebracht und begründet. Aber Lilljeborg sah die Cypris-ähnlichen Jungen von Peltogaster nur als leere Schalen an älteren Entwickelungsstufen desselben Thiercs ansitzen, woraus durchaus noch nicht mit Nothwendigkeit das Hervorgehen des einen aus dem andern geschlossen werden kann, wie auch Fr. Müller hervorhebt, der eine ähnliche Beobachtung wie Lilljeborg machte; neu dagegen und eine wesentliche Lücke aus- füllend sind die Beobachtungen von Fritz Müller über die direkte Umwandlung der aus dem Eie ge- schlüpften Jungen in die Cypris-Form. Danach und wegen der mancherlei anderweitigen Beobachtungen und gehaltvollen Bemerkungen, welche in dem nachstehenden Aufsatze meines geschätzten Freundes enthalten sind, glaube ich bei der verehrlichen Redaction dieses Archives den unveränderten Abdruck desselben be- antragen zu dürfen. Max Schnitze. 3) Leider kann ich in meiner literarischen Einöde weder Darwin's ausführliche Darstellung dieser Larven, noch die Arbeiten seiner Vorgänger vergleichen. Junge Balaniden hatte ich häufig Gelegenheit zu untersuchen und konnte an ihnen die von Krohn geschilderte Verwandlung des NaupHus in die sog. cyprisähnliche Gestalt verfolgen. Fritz Müllers gesammelte Schriften. '^ j _ g Die zweite Entwickelungsstufe der Wurzelkrebsc. des ungegliederten Leibes, die Zahl der langborstigen Füsse, von denen die beiden vorderen einfach, die vier hinteren zweiästig sind, und das selten fehlende unpaare Auge haben sie gemein mit zahlreichen anderen jungen Krebschen. Sie stimmen unter sich überein und unterscheiden sich von anderen Nauplius durch die seit- lichen Hörner des breiten, wenig gewölbten Stirnrandes und vielleicht durch die beiden zarten ungegliederten Fäden (Riechfäden), die auf der Bauchseite neben dem Auge entspringen ^). Im Gegensatze zu den jungen Rankenfüssern mit ihrem wohlentwickelten Darmrohre, mit den zahlreichen scharf geschiedenen Muskel- bündeln der Füsse u. s. w. haben die jungen Wurzelkrebse ein weit unreiferes Ansehen. Verdauungswerkzeuge scheinen vollständig zu fehlen. Eine kleine, wie es scheint, rings geschlossene Höhlung, die dicht vor dem Schnabel gelegen ist, und bei einer neuen Art, Peltogaster (?) socialis, durch die lebhafte dunkelgrüne Farbe ihres aus lo bis 12 Kügelchen bestehenden Inhalts leicht in die Augen fällt, ist vielleicht a)s erste Anlage der später der Ernährung dienenden Theile zu betrachten. Die reichlichen Dotterreste, um die ich früher eine Hülle unterscheiden und als Darm deuten zu können meinte, liegen frei in der Leibeshöhle. Der Schnabel scheint ohne Mundöffnung und ebensowenig ist ein After zu bemerken. Sicher nehmen die Thierchen keine feste Nahrung zu sich. Ebenso fehlen die von den Rankenfüssern wohl als Fresswerkzeuge benutzten Zacken, Haken und Dornen am Grunde der Füsse. Endhch ist das Hinterende nicht schwanzförmig ausge- zogen und entbehrt des eigenthümlichen stachelförmigen Fortsatzes. Zur Schilderung der zweiten Entwickelungsstufe wähle ich Lernae- odiscus Porcellanae, da ich hier namenthch den Bau der Schwimmfüsse vollständiger zu erkennen vermochte. Die beiden anderen beobachteten Arten weichen übrigens nur unerheblich von dieser ab. Während der ersten beiden Tage pflegt sich der Schwärm der jungen Wurzel- krebse nahe der Oberfläche des Wassers, an der Lichtseite des Glases aufzuhalten. Im Laufe des dritten Tages senkt er sich zu Boden und noch vor Ablauf des- selben pflegt ein grosser Theil sich gehäutet und verwandelt zu haben. Der ziemlich flache Leib des Nauplius klappt sich bei dieser Verwandlung so nach unten zusammen, dass die Seitenränder des Rücken Schildes nur eine schmale Spalte zwischen sich lassen, wodurch das Thier (Fig. i) die Gestalt eines 0,2 mm langen, 0,08 mm hohen und kaum 0,05 mm dicken Muschel chens bekommt. Die Mittellinie des Rückens ist ziemlich gleichmässig gewölbt und bildet ungefähr einen Viertelkreis. Die freien Seitenränder steigen vom vorderen Ende der Rücken- linie bogig nach unten und hinten, einen Sechstelkreis bildend, dessen Mittelpunkt in die Rückenlinie fällt und dessen Halbmesser sich zu dem der letzteren wie 3 zu 5 verhält; von da verlaufen sie ziemlich geradhnig (unbedeutend nach innen i) Die Stirnhörner sind nicht blosse Fortsetzungen des Rückenscliildcs, von dem sie bei den Wur/el- krebsen bald weit überragt, bald nur am Gnmde bedeckt Averden; an der Spitze sind sie offen und hier pflegt bei massigem Druck der Leibesinhalt der jungen Wurzelkrebse auszutreten; wiederholt schienen sie mir bei Wurzelkrebsen und Balaniden mit wurst- und birnförmigen Schläuchen in Verbindung zu stehen. Die beiden Fäden an der Bauchfläche dürften allen jungen Wurzelkrebsen zukommen, sie finden sich auch bei Lernaeodiscus Porcellanae, wo ich sie früher vermisste; es fragt sich jedoch, ob sie nicht auch bei anderen Nauplius nur bisher übersehen sind. Sie gleichen den Anhängen an den innereu Fühlern vieler Krebs- thiere, die ich mit Leydig für Riechwerkzeuge halte, und dürften dieselbe Verrichtung haben. Bei Bala- niden sah ich sie unmittelbar vom Gehirne entspringen. Die zweite Entwickelungsstufe der Wurzelkrebse. j'jq sich Wölbend), in gleicher Richtung mit der Sehne der Rückenlinie, die sie um etwa Vs ihrer Länge überragen ; von den leicht abgestumpften Hinterecken end- lich steigen sie in fast gerader Linie nach oben und vorn, um im hinteren End- punkte der Rückenlinie wieder zusammen zu stossen. In seiner vorderen Hälfte ist der untere Rand mit etwa lo kurzen schief hinterwärts gerichteten Borsten besetzt; ähnliche Borsten sind bei Sacculina purpurea über die ganze Oberfläche der Schale zerstreut. So bedeutend diese Wandlung der Gestalt ist, so ist sie doch gering gegen die Veränderungen, die die Anhänge des Thieres erleiden. Vollständig ver- schwinden die Stirnhörner, der dreieckige Schnabel und die beiden hinteren Fuss- paare; letztere werden bei der Häutung unverändert, mit ihrem Inhalte ab- geworfen ^), während aus Schnabel und Stirnhörnern vor der Häutung der lebende Inhalt sich zurückzieht und wie von allen anderen Theilen nur die Chitinhülle abgestreift wird. Das erste Fusspaar verwandelt sich in die eigenthümlichen Haftfüsse. Ziemlich unverändert erhalten sich nur das Auge und die Riechfäden. Das Auge hat in der Regel an Umfang zugenommen, in verschiedenem Grade bei verschiedenen Exemplaren (in dem Fig. i gezeichneten ist es von besonderer Grösse) ; seine Lage wechselt etwas bei den Bewegungen des Thieres ; es ist etwa Y3 der Länge vom Vorderende, Yg der Höhe vom Rücken entfernt. Der Ursprung der Riechfäden (Fig. 2, r), deren Länge etwas zugenommen hat. liegt jetzt vor dem Auge, zwischen den Haftfüssen, wie bei der sog. Cyprisform der Ranken- füsser. Aeusserst selten nur sah ich bei unbehelligten Thieren ihre Spitze vorn oder unten aus der Schale hervortreten. Die Haftfüsse gehen, wie erwähnt und wie für die Rankenfüsser schon Krohn nachwies, aus dem ersten Fusspaare hervor. Das von Anfang an starke Grundglied beginnt sich bald gegen sein oberes Ende noch mehr zu verdicken und springt dann nach innen und unten bedeutend über das Endglied vor. In diesem angeschwollenen Grundgliede bildet sich aus einem feinkörnigen trüben Gewebe der ganze Haftfuss. (Was Krohn bei einer der Häutung nahen Rankenfüsserlarve dem verdickten Ende der vordersten Füsse ansitzen sah, dürfte wohl eher das Endglied des Naupliusfusses, als das des späteren Ilaftfusses ge- wesen sein.) Die Haftfüsse (Fig. 2) sind dreigUedrig. Das kräftige Grundglied ist vorwärts gerichtet, von Ve <3er Leibeslänge, am Grunde reichlich halb so hoch und gegen die Spitze stark verjüngt; sein Unterrand ist etwas länger als der obere. Das zweite Glied ist walzenförmig und hat etwa Vs der Länge des Grund- gliedes; seine Spitze scheint durch weiche Haut geschlossen. Näher dem Grunde als der Spitze entspringt von seiner unteren Seite das sehief abwärts gerichtete Endglied, das wenig kürzer, aber viel dünner und kegelförmig zugespitzt ist. Dicht am Grunde trägt jedes der beiden letzten Glieder unterhalb einen zart- häutigen, zungenförmigen Anhang; der des zweiten Gliedes hat reichlich 2/3. der des dritten etwa die Hälfte der Länge des Grundgliedes. Man sieht in diesen Anhängen meist einige kleine stark lichtbrechende Körnchen, die ich mich nicht I) Rankenfüsser sah ich noch nicht während der Häutung; ob nicht bei ihnen, wie bei den Garneelen, aus dem dritten Fusspaare sich die Oberkiefer hervorbilden? jgQ Die zweite Entwickelungsstufe der Wurzelkrebse. in den Stäbchen an den inneren Fühlern anderer Krebsthiere gesehen zu haben entsinne. Das zweite Glied ist von dem Grundgliede durch einen vollständigen Ring weicher Haut geschieden. Die Beweglichkeit der Endglieder ist daher eine sehr grosse. Aus demselben Grunde findet man an der Chitinhülle abgestorbener Thiere die beiden letzten Glieder der Haftfüsse stets abgefallen. An die hintere untere Ecke des Grundgliedes setzt sich, durch ein Gelenk mit ihm verbunden, eine hinterwärts gerichtete Chitinleiste (Fig. 2 u. 3, k'), die mit dem Unterrande des Grundgliedes ziemlich gleiche Länge hat, und mit dieser verbindet sich knieförmig eine zweite aufwärts gerichtete Leiste (Fig. 2 u. 3, k") von derselben Länge. Letztere ist oben in zwei gieichlaufende dünne Aeste ge- spalten, einen äusseren und einen inneren, die etwa -/s der Länge dieser Leiste ausmachen. Die oberen gabiigen Enden der rechten und der linken Leiste liegen dicht nebeneinander, nahe dem Rücken und ungefähr um die Länge der Leiste vom Vorderende der Schale entfernt. Diese Leisten dienen als Ansatzstellen für Muskeln, die theik von ihnen in die Füsse gehen, theils sie nach vorn und hinten an die Rücken wand befestigen. Die Haftfüsse werden benutzt, wie bei den Rankenfüssern. Zwar sah ich die jungen Wurzelkrebschen nie, wie jene, an der Wand des Glases empor- khmmen, sondern stets in der Nähe des Bodens bleiben ; allein, wenn sie durch das Deckgläschen beengt, nicht bequem schwimmen konnten, pflegten sie die beiden Haftfüsse abwechseld vorzustrecken, um mit dem Ende des zweiten Gliedes sich am Glase festzuheften und den Leib nachzuziehen. Bisweilen schienen sie auch das Endglied wie einen Haken zu benutzen. Den hinteren Theil der Schale füllt der die S c h w i m m füsse vmd S c h \\' a n z - anhänge tragende Leibesabschnitt. Als erste Anlage dieser Theile unterscheidet man in einem an der Bauchfläche des Nauplius sich bildenden körnigen, trüben Ge- webe von unten eine tiefe Längsfurche und schief nach innen und hinten verlaufende Trennungslinien der einzelnen Füsse, von oben eine Scheidung in einzelne Ab- schnitte durch quere Linien. Durch diese Neubildungen wird eine zuletzt sehr ansehnliche Auftreibung gebildet, die kielförmig nach unten und hinten vorspringt und an ihrem Ende die beiden Spitzen des Hinterleibes mit emporhebt. Wahr- scheinlich durch einen an seiner vorderen oberen Ecke sich ansetzenden Muskel wird der neue Leibesabschnitt mehr und mehr nach vorn und oben gezogen, so dass kurz vor der Verwandlung die hintere Hälfte des erwähnten Vorsprungs leer erscheint und nur von den dicht zusammengelegten Borsten der Schwimmfüsse durchsetzt wird. Nach der Verwandlung erscheint dieser hinterste Abschnitt des Leibes in der Seitenansicht (Fig. 4) als stumpfwinkliges Dreieck. Der obere freie Rand, die längste Seite des Dreiecks, liegt in der Ruhe dicht unter dem Rückenschilde, ist fast 0,1 mm lang, leicht gewölbt und geht durch abgerundete Ecken über in die kürzeren Seiten, die vorn und unten unter einem Winkel von etwa 120*^ zusammenstossen. Durch den vorderen Rand steht dieser hintere Ab- schnitt mit dem vorderen Theile des Leibes in Verbindung; der untere Rand, in der Ruhe wagerecht etwas über dem Rande der Schale liegend, trägt die Schwimm- füsse. Eine Scheidung in einzelne Ringe ist nur angedeutet durch schmale Chitin- leisten, die auf jeder Seite von den Füssen der oberen vorderen Ecke zulaufen, Die /weite PIntwickelungsslufe der Wurzelkrebse. j 3 j ohne sie ganz zu erreichen, und durch eine Einkerbung des oberen freien Randes, die die hintere Ecke, den Schwanz, von dem fusstragenden Theile scheidet. Die vorderste Leiste bildet den Vorderrand dieses Leibesabschnitts; in geringer Ent- fernung von den Füssen sind die Leisten jeder Seite unter sich durch abwärts gewölbte Querleisten verbunden. Der ganze zwischen den Leisten enthaltene Raum ist gefüllt von den mächtigen Muskeln der Füsse; ein starker und langer Muskel entspringt von der vorderen oberen Ecke und geht über das Auge und die gabiigen Chitinleisten der Haftfüsse hinweg zur Rückenwand. Die zwölf Schwimm füsse (Fig. 5) sind kurz und bestehen aus einem stärkeren (etwa 0,012 mm langen) Grundgliede und zwei zweigliedrigen Aesten, von denen der äussere etwas länger als der innere und als das Grundglied ist. Am Ende jedes Astes stehen drei lange gerade steife Borsten, deren Länge etwa der halben Höhe der Schale gleichkommt; eine ähnliche Borste steht am ersten Gliede des inneren Astes, während das erste Glied des äusseren Astes eine etwa dreimal kürzere Borste trägt. Beim lebenden Thiere pflegen beide Aeste und die langen Borsten so dicht an einander zu liegen, dass letztere wie eine einzige starke Borste erscheinen. Der Schwanz, die über den fusstragenden Theil vorspringende, oberhalb durch eine seichte Kerbe geschiedene hinterste Ecke des Leibes, trägt jederseits einen zweigliedrigen Anhang mit einer längeren und einer kürzeren Borste am Ende. Darwin deutet bei den Rankenfüssern den die Schwimmfüsse und später die Ranken tragenden Leibesabschnitt als Thorax, den dahinterliegendon als Ab- domen. Letzteren darf man wohl, namentlich im Hinblicke auf die Garneelen, als dem Schwänze (den beiden letzten Leibesringen) der höheren Krebsthiere ent- sprechend ansehen. Ob auch ersterer überhaupt bestimmten Ringen der höheren Krebse entspricht, und welchen, wage ich nicht zu entscheiden, möchte ihn aber eher dem Hinterleib, als der Brust derselben gleichsetzen. Versuche, die M^eiteren Schicksale der jungen Wurzelkrebse zu verfolgen, blieben bis jetzt ohne Erfolg, selten überlebten einzelne, ohne weitere Veränderung, die erste Woche. Eine einzige hierher gehörige Beobachtung führte mir der Zufall zu. An demselben Pagurus, in den die purpurrothe Sacculina ihre grünen Wurzeln treibt, lebt eine zweite Art von Wurzelkrebsen, Peltogaster (?) socialis n. sp., in Gestalt dottergelber, 5 mm langer Würste, die in der Mitte festsitzen und an einem Ende die Oeffnung der Bruthöhle haben. Es pflegen 4 bis 6 gleich alte Würstchen neben einander zu sitzen. Vier solche beisammensitzende Würstchen, von nur 1,5 mm Länge, — die kleinsten, die ich sah, — hatten das Ende, an dem später die Bruthöhle sich öffnet, trichterförmig eingezogen (Fig. 6) ; in der Mitte der Ein- senkung sprang wieder ein kleiner Hügel vor und auf diesem sass die leere Chitin- hülle eines Krebschens auf, das ganz den eben geschilderten glich. Ausser der Schale waren Schwimmfüsse und Schwanzanhänge mit dem sie tragenden Leibes- abschnitte erhalten; von den Haftfüssen waren nur noch die oberen gabligen Chitinleisten vorhanden, die aus der Schale hervorsahen und am Rande jener Ein- senkung festzusitzen schienen; zwischen ihnen ging ein gerader Balken von der Schale zum Thiere, vielleicht eine der unteren Leisten. Die Länge der Schale jO, Die zweite Entwickelungsstufe der "Wurzelkrebse. war 0,3 mm, während sie gleich nach der Verwandlung, wie bei Lernaeodiscus, nur 0,2 mm beträgt, — Ist es die Haut desselben Thieres, das jetzt in Wurmform festsitzt, oder etwa die eines Männchens, das hier in seinem Berufe sterbend hängen geblieben ist? Desterro, im Mai 1862. Erklärung der Abbildungen auf Tafel XXIII. Fig. I. Zweite Entwickelungsstufe von Lernaeodiscus Porcellanae; nach einem am 14. April ausgeschwärmten Thiere am 19. April gezeichnet. Fig. 2. Die Haftfüsse und die zwischen ihnen liegenden Riechfäden (r) einer solchen Larve, i', k" di^ knieförmig zusammenstossenden Chitinleisten, die den Muskeln dieser Füsse zum Ansätze dienen. Fig. 3. Die knieförmigen Leisten von einer Larve, deren Weichtheile schon durch Verwesung zerstört wu.ien. Fig. 4. Der die Schwimmfüsse tragende Leibesabschnitt. Fig. 5. Einer der Schwimmfüsse. a äusserer, i innerer Ast. Fig I — 5 sind 36omal vergrössert. Fig. 6. Chitinhülle einer ähnlichen Larve, dem Hinterrande eines jungen Peltogaster socialis aufsitzend ; 1 8omal vergr. Fig. 7. Chitinring der Sacculina purpurea, 25mal vergr. a Ausserhalb der Leibes- wand des Pagurus liegende Platte; h der innerhalb des Pagurus sich ausbreitende Kranz. Diese Figur soll die mangelhafte Fig. 6 meines ersten Aufsatzes über die Rhizo- cephalen ersetzen (vergl. Seite 146). Nachschrift. Auf die Frage, mit der ich vor wenigen Wochen vorstehenden Aufsatz schloss, wurde mir heute unerwartet Antwort. Unter einer Gesellschaft von sechs jungen Peltogaster socialis fand sich einer, dessen Hinterende die leeren Häute von zwei Krebschen ansassen, während seine Genossen je eine trugen. Jene Häute können nicht beide dem Peltogaster an- gehören, und wahrscheinhch also gehört ihm keine; denn für eine verschiedene Deutung der beiden ganz gleichgebildeten Häute liegt kein Grund vor. Man wird sie unbedenklich als Ueberreste von Männchen ansehen können, die in Krebsgestalt dem wurmförmigen Weibchen sich verbunden haben. Desterro, 26. Mai 1862. Ueber die Ursache der Strömuneen in der Leibeshöhle der Sertularinen^). In seinen vortrefflichen „I.egons sur la physiologie et l'anatomie comparee" bezeichnet Milne Edwards, wie ich so eben lese, die Strömungen in der Leibes- höhle der Sertularinen als eine Erscheinung, über deren Ursachen man noch nichts Sicheres wisse -). Dies veranlasst mich zur Mittheilung einiger vor längerer Zeit (1860) niedergeschriebenen Bemerkungen, die mir geeignet scheinen, diese Frage einer abschliessenden Entscheidung näher zu führen. Die Saftbewegung in der gemeinschaftlichen Höhle des Polypenstockes der Hydroiden ist bald [Grant, van Beneden, Siebold^)] einem Flimmerepithelium, bald (Ehrenberg,. Loven) einem Motus peristalticus der Leibeshöhle zuge- schrieben worden. Beide Ursachen wirken gleichzeitig. Dass die namentlich in jungen Knospen stets sehr lebhaften wimmelnden Bewegungen der in der Leibesflüssigkeit schwebenden Theilchen, und dass ähn- liche tanzende Bewegungen dieser Körnchen, die überall in der Leibeshöhle vor- kommen, von Flimmerhaaren bewirkt werden, ist wohl kaum zu bezweifeln. Aber neben diesen Bewegungen sieht man raschere oder langsamere Strö- mungen, die oft über weite Strecken des Stammes in gleicher Richtung fort- gehen und eine Anhäufung der Leibesflüssigkeit an bestimmten Stellen zur Folge haben, von welchen eine folgende Strömung in entgegengesetzter Richtung sie wieder hin wegführt. Bei lanijsamcren Strömen lassen sich oft sehr deutlich beiderlei Bewegungen neben einander beobachten, das Fortströmen in der Mitte der Röhre und das Wirbeln einzelner Körnchen am Rande*). Für diese Strömungen nun bleibt kaum eine andere Ursache denkbar, als Zusammenziehung der Leibeswand. Direkte Beweise für eine solche fand ich bei Plumularia laxa n. sp. ^). i) Archiv für Naturgeschichte 1863. 1. p. 34 — 36. 2) ,,On n'est pas encore bien fixe sur la cause de ces courants" oj). cit. Vol. III. p. 50. 3) Auch Milne Edwards schliesst sich dieser Ansicht an. 4) Ein gleichzeitiges Aufwärtsströmen an einer Seite der Röhre und Abwärtsstrümen an der anderen, wie es Milne Edwards (1. c. p. 49) beschreibt, entsinne ich mich nicht, bei einer der von mir be- obachteten Arten gesehen zu haben; doch mögen andere Arten sich hierin anders verhalten. 5) Eine besonders zierliche und durchsichtige, hier ziemlich seltene Art. Aus einer auf Tangen hinkriechenden Röhre erheben sich senkrechte etwa 15 mm hohe Stämmchen mit 20 bis 3ofiedrig ge- j g^ Ueber die Ursache der Strömungen in der Leibeshöhle der SerUilarinen. Hier sah ich einmal zwischen der I.eibesröhre und deren Chitinhülle einige lose Körnchen, die stets in einer dem Strome innerhalb der Leibesröhre entgegen- gesetzten Richtung sich bewegten. Wenn der innere Strom durch Zusammen- ziehung der Leibeswand erzeugt wird, so ist natürlich dieser äussere ein noth- wendiger Begleiter desselben, so wie umgekehrt seine Anwesenheit für diese Ur- sache des inneren beweisend ist. Es ist ganz dasselbe Verhältniss, wie zwischen den beiden entgegengesetzten Strömungen in den Füssen der Pycnogoniden, der des Darminhalts innerhalb und der des Blutes ausserhalb des sich zusammen- ziehenden Darmblindsacks. Es lag nun nahe, an der Leibesröhre selbst den Nachweis der Zusammen- ziehung zu versuchen. An einer Stelle, wo durch den aufsteigenden Strom die Leibesflüssigkeit sich angehäuft hatte, mass ich den Abstand der Leibeswand von der Chitinhülle und fand ihn auf einer Seite zu 0,004 ^^^^ während sie sich auf der anderen dicht anlagen. Es trat bald darauf ein absteigender Strom ein und als derselbe aufhörte, war jener Abstand auf 0,01 mm gestiegen. Der Durch- messer des Rohres war jetzt 0,042, war also 0,048 gewesen und hatte sich folglich um Ys vermindert. Diese Beobachtung besteht sehr wohl mit der Angabe van Benede n's, nie Bewegungen an der Röhre der Campanularien gesehen zu haben (wenn auch nicht mit der von ihm behaupteten, „immobilite absolue"); denn dieser „motus peristalticus" fällt vollständig in das Gebiet jener langsamen Bewegungen, die, wie das Fortschreiten der Gestirne, nicht als solche unseren Sinnen sich bemerk- lich machen, sondern aus vergleichenden Beobachtungen verschiedener Zeiten er- schlossen werden müssen. Desterro, Juni 1862. stellten bis übar 2 mm langen Aesten, die in derselben Ebene liegend, abwechelnd rechts und links vom Stamme abgehen. Jeder Ast trägt auf seiner oberen Fläche 2 bis 3 ungestielte kegelförmige Becherchen mit weiter kreisförmiger glattrandiger Oeffnung. Die campanularienähnlichen Thiere können sich nicht ganz in diese Becherchen zurückziehen. Ueber eigenthümliche Gebilde in der Samenflüssigkeit von Janthina^). Mit Tafel XXIV. Selten nur verirren sich in den buchtenreichen Mecresarm, der die Insel Santa Catharina von dem südamerikanischen Festlande scheidet, Thiere des hohen Meeres. Zu diesen bisweilen Jahre lang vermissten Gästen gehören auch zwei Arten von Janthina, die als Begleiter von Velellaschwärmen zu erscheinen pflegen. Die eine, mit spitzerem Gewinde (J. exigua I>am.), von der ausser leeren Schalen nur einmal einige Weibchen gesehen wurden, trägt ihre Eier an dem schaumigen Anhange des Fusses; die andere, wiederholt gefundene, mit flacherem Gewinde (J. pallida Harv.) ist lebendig gebärend, vmd bei ihr konnte ich mich überzeugen, dass der schaumige Anhang in ganz gleicher Weise beiden Geschlechtern zukommt. In der Samenflüssigkeit der letzteren Art finden sich sehr eigenthümliche Gebilde, auf die ich die Aufmerksamkeit der Besucher des Mittelmeeres und Anderer lenken möchte, die Gelegenheit haben zur Untersuchung dieser merk- würdigen Schnecken. Mir selbst bietet sich vielleicht in Jahren eine solche Ge- legenheit nicht wieder, und dies möge mich entschuldigen, wenn ich abgerissen und unfertig, wie sie sind, meine Beobachtungen über jene Gebilde mittheile. Schon mit blossem Auge gewahrt man in der Samenflüssigkeit der Janthina -) zahlreiche weisse wurmförmige Gebilde, die darin lebhaft herumschwimmen. Ihre Länge beträgt etwa 0,5 mm (ohne das unten zu erwähnende Schwimmwerkzeug). Das bewaffnete Auge unterscheidet an ihnen zunächst zwei scharf abgesetzte Abschnitte, die der Kürze wegen als Kopf und Schwanz bezeichnet werden mögen. Der Kopf nimmt etwa ein Viertel der Länge ein, ist bald ziemlich regel- mässig kegelförmig (Fig. 7), bald in seinem hinteren, dickeren Theile mit unregel- mässigen Vorsprüngen versehen (Fig. 8, g), und vorn bisweilen statt der einfachen in eine doppelte Spitze auslaufend (Fig. 9). Es sind ihm zahlreiche dunkelgerandete Körnchen von verschiedener Grösse eingelagert, die ihn ziemUch undurchsichtig machen; eine besondere Haut Hess sich um ihn nicht unterscheiden. Der Schwanz, 1) Archiv für Naturgeschichte 1863. I. p. 179—183. Taf. X. Fig. i — 10. 2) Wahrscheinlich nicht während des ganzen Jahres; meine Beobachtungen vor zwei Jahren fielen, wie die diesjährigen, in den Oktober, dem im Mittelmeere der April entsprechen würde. .o/, Eigenthümliche Gebilde in der Samenflüssigkeit von Janthina. von etwa dreifacher Länge des Kopfes, ist vorn weit schmäler als der hintere Kopfrand, verbreitert sich nach hinten allmähhch und endet abgerundet ; er ist fast ganz undurchsichtig und dicht mit etwa 0,03 mm langen zarten Haaren be- setzt (Fig. 7, 8, 9). Diese Haare sieht man lebhaft sich bewegen, aber nicht regel- mässig in gleicher Richtung schlagen, wie Flimmerhaare thun, sondern unregel- mässig durcheinander wallen und wimmeln, so dass man in ihnen nicht die Ur- sache der raschen Bewegung suchen kann, mit der die Gebilde in weiten Bogen durch das Wasser ziehen. Kopf und Schwanz scheinen bei dieser Bewegung als träge Masse von einer ausser ihnen liegenden Kraft fortgeschleift zu werden ; und so ist es in der That. Fast um die doppelte Länge des Kopfes von dessen Spitze entfernt, geht demselben bahnbrechend eine kegelförmige Spitze voraus, mit zarten aber scharfen Umrissen, von der aus, wie ein flatternder Schleier, eine vollkommen durchsichtige zarte Haut etwa bis zur Mitte des Kopfes niederwallt. Bisweilen konnte ich in dieser Haut eine äusserst zarte Längsstreifung erkennen. Ihre Umrisse werden nach hinten zu verschwindend zart, so dass ich sie fast nie bis zum hinteren Rande verfolgen konnte; ein einziges Mal bei einem jüngeren Exemplare (Fig. 6), sah ich deutlich den hinteren Rand, an dem sich die Haut .in zarte Fasern aufzulösen schien. Vom Vorderende des Kopfes liess sich einige- mal (Fig. 5, 7) ein schmaler, nicht scharf umrandeter Strang bis in die Nähe der kegelförmigen Spitze verfolgen. Ob diese wallende Haut („undulirende Membran") eine kegelförmige Hülle bildet, die durch einen mittleren freien Stiel mit dem Kopfe in Verbindung steht, oder ob sie flächenhaft sich ausbreitet und unmittel- bar dem Kopfe angeheftet ist, muss ich unentschieden lassen ; als ich eben dieser Frage meine Aufmerksamkeit zuwandte, raubte mir die schwarze Wolkenwand eines heraufziehenden Gewitters das zur Fortsetzung gerade dieser Untersuchung so unentbehrliche Licht, und als ich dieselbe wieder aufnehmen konnte, fand ich meinen ganzen Vorrath durch beginnende Zersetzung unbrauchbar geworden. In der Nähe der kegelförmigen Spitze lösen sich von der Haut mehrere schmale Flimmerhaaren ähnliche Zipfel ab. Während des Schwimmens nun schwingen diese Zipfel rasch und kräftig und die ganze Haut ist in lebhafter wallender Be- wegung. Im Schlepptau dieses eigenthümlichen Schwimm Werkzeuges fortgezogen, schien mir der Schwanz sich stets völlig ruhig zu verhalten ; das ganze Gebilde von der kegelförmigen Spitze der wallenden Haut bis zum abgerundeten Ende des Schwanzes bildet dann einen schwach gekrümmten Bogen {Fig. 4, 5, 7, 8), und ähnlich gekrümmt ist die Bahn, die es durchzieht. Ruht die Haut und mit ihr der Kopf, so sieht man den Schwanz langsam sich winden und krümmen (Fig. 9), ohne dass dadurch eine merkliche Ortsveränderung bewirkt würde. Getäuscht durch so mannigfache Bewegungen hatte ich vor zwei Jahren unsere Gebilde für Schmarotzerthiere gehalten, an denen ich freiUch vergeblich mich abmühte, Spuren von Mund, Darm u. s. v^^ zu entdecken. Als ich kürzlich wieder eine männliche Janthina untersuchen konnte, fand ich in deren Samen meine Schmarotzer so dicht gedrängt, dass mir schon dadurch Zweifel aufstiegen, ob ich es nicht vielmehr mit einem wesentlichen Bestandtheile des Samens zu thun habe. Und nun fiel mir dann auch sofort die Aehnhchkeit auf zwischen den wimmelnden Haaren des Schwanzes und Samenfäden, die, der Reife nahe, sich noch nicht von ihrer Bildungsstätte gelöst haben, — und bald gelang es. Eigenthümliche Gebilde in der Samenflüssigkeit von Janthina. 187 mehrere Schwänze in Gruppen unverkennbarer Samenfäden zu zerdrücken, die aufs Haar den in der Samenflüssigkeit frei umherschwärmenden ghchen (Fig. 10). Somit war die Bedeutung unserer Gebilde als wesentlicher Bestandtheil des Samens festgestellt; aber sind es die Bildungsstätten der Samenfäden, von denen diese später, gereift, sich ablösen, oder sind es Samenträger („Spermatophoren"), um die sich die reifen Samenfäden gesammelt haben? Erstere Annahme ist mir die wahrscheinlichere : es sprechen für sie namentlich mehrfach beobachtete Exem- plare (Fig. 6), an denen die Samenfäden nicht nur regungslos waren, sondern mir auch kürzer erschienen. Ausser diesen wurden zahlreiche andere, noch jüngere Formen gesehen; die jüngsten, die zur Beobachtung kamen (Fig. i), hatten die Gestalt eines langgezogenen Eies von etwa 0,2 mm J.änge und 0,1 mm Dicke. Der grösste Theil dieser eiförmigen Körper erscheint vollkommen durchsichtig, leer; nur das dickere Ende ist vcfn einer rundlichen Masse gefüllt, die durch dicht eingelagerte Körnchen undurchsichtig wird, Sie erscheint dunkler auf der der Spitze des Eies zugewandten Seite, heller auf der entgegengesetzten, ohne dass jedoch eine scharfe Grenze zwischen dem dunkleren und dem helleren Theile zu erkennen wäre. Eine solche Grenze hat sich ausgebildet, wenn die Körper zu etwa 0,3 mm Länge herangewachsen sind (Fig. 2); der hellere und dunklere Theil erscheinen jetzt etwa wie eine Eichel und der sie umfassende Becher. Später ver- längert sich der hellere Theil und wächst aus in den Schwanztheil unserer Gebilde (Fig. 3, 4, 5), während der dunklere Kopf theil allmählich Kegelform annimmt (Fig. 4, 5), und der vorderste häutige Theil seine bewegende Thätigkeit beginnt; noch aber unterscheidet sich der Schwanz, im Gegensatze zu späterer Zeit, von dem Kopfe durch sein weit helleres Aussehen und seine Oberfläche ist, statt mit Samenfäden, bedeckt mit kleinen, rundlichen, durchsichtigen Körnchen (Bläschen ?) und erinnert dadurch an die kugligen oder länglichen Körper, an denen z. B. in der Leibeshöhle der Ringelwürmer die Samenfäden sich entwickeln. Desterro, Anfang November 1862. Erklärung- der Abbildungen auf Tafel XXIV. Fig. I — C). Eigenthümliche Gebilde aus der Samenflüssigkeit von Janthina, auf ver- schiedenen Entwickelungsstufen ; gomal vergrössert. Fig. I — 3 u. 9 ruhend; Fig. 4 — 8 schwimmend; in Fig. 9 der Schwanz in lang- sam windender Bewegung. Fig. 10. Samenfäden, durch Druck vom Schwanztheile dieser Gebilde abgelöst 36omal vergrössert. Observations sur la Respiration des Ocypodiens^). (Extraites d'une lettre a M. Milne-Edwards et datee de Desterro [Bresil], le 12 juillet 1863.) Vous avez signale, chez les Ocypodes, l'existence d'une espece de surface articulaire entouree de poils a l'article basilaire des pattes de la troisieme et qua- trieme paire. Je trouve, chez VOcypode rJiombea, qu'il existe entre les bases de ces pattes un orifice assez large qui conduit dans la cavite branchiale, et j'ai pu constater, chez des animaux vivants, l'entree de l'eau par cet orifice. J'ai vu la meme disposition chez deux especes de Gelasimus, dont l'une me parait etre le Gelas. vocans. Chez cette derniere espece, les poils qui entourent la surface lisse des articles basilaires des pattes n'ont rien de particulier, tandis que chez l'autre espece plus petite de Gelasimus et chez VOcypode rhombea, ces memes poils sont depourvus de filaments lateraux, plus ou moins moniliformes et remplis d'une substance albuminoide et peut-etre ncrveuse (montrant une couleur rose assez vive sous l'influence d'une Solution de sucre concentree et de l'acide sulfurique). Ils ressemblent beaucoup aux appendices qui se trouvent aux antenncs anterieures de presque tous les Crustaces, et que je considere avec M. Leydig comme des organes olfactifs. Ces appendices, etant completement rudimentaires chez l'Ocypode, comme la tige de l'antenne qui les porte, on pourrait soup^onner que chez ce Brachyure terrestre, comme chez les Vertebres terrestres, les organes olfactifs se trouvassent ä l'entree de la cavite respiratoire. I.es Ocypodes ne sont pas les seuls Brachyures, qui possedent un orifice afferent de la chambre branchiale, situe en arriere des branchies. En observant les habitudes d'un des plus interessants de nos Brachyures, le Sesarma Pisonii, qui grimpe sur les Rhizophores, pour en manger les feuilles, j'ai vu que cet animal soulevait la partie posterieure de la carapace et qu'il se formait ainsi une fente assez large au-dessus des bases des pattes de la quatrieme et cinquieme paire. II en est de meme chez un petit Grapse (voisin du Gr. messor, ä ce qu'il me parait), chez lequel j'ai repete beaucoup de fois cette Observation. II ne souleve jamais I) Annales des Sciences naturelles 1863, 4. Ser. Zool. T. 20. p. Observations sur la Respiration des Ocypodiens. l3g la carapace quand il se trouve submerge, tandis qu'il ne tarde pas a le faire des qu'il respire l'air. Par le soulevement de la carapace l'ouverture inspiratrice an- terieure se retrecit beaucoup et peut-etre se ferme completement ; ainsi il y aurait ici deux orifices afferents dont Tun serait destine de preference ä la respiration aquatique, tandis que l'autre servirait exclusivement a la respiration aerieniie. Enfin, il m'a paru que chez VEriphia gonagra et chez quelques autres Brachyures {Sesarnia, Cyclügrapsiis, etc.) qui se trouvent souvent dans la necessite de respirer l'air pendant beaucoup d'heures, il se peut former un petit orifice temporaire ä cote des bases des pattes de la cinquieme paire, qui irait deboucher au-dessous de la base de l'abdomen. Cet orifice afferent posterieur, qui se trouve chez ces differents Brachyures terrestres ou amphibies, me rappelait la description que vous avez donnee de la chambre branchiale de la Ranine qui, suivant Rumph, viendrait aussi a terre et grimperait jusque sur le faite des maisons. Ueber den Bau der Scheerenasseln (Asellotes heteropodes M. Edw.)^). Vorläufige Mittheilung. Scheerenasseln kommen überall an den europäischen Küsten vor; sie wurden bei Neapel und Nizza, an den Küsten Englands und der Bretagne, Norwegens und Dänemarks gefunden und fehlen selbst nicht der salzarmen Ostsee. Da somit überall Gelegenheit zu deren Prüfung ist, scheint es mir nicht unpassend, in Kürze die Hauptergebnisse mitzutheilen, die mir die Untersuchung einer hiesigen, kaum von Tanais dubius Kr. verschiedenen Art lieferte. Die Gliederung des Leibes, die Bildung der Füsse, den Bau der Mundtheile des Weibchens fand ich übereinstimmend mit den Angaben Kröyers-). Der Panzer, der den Kopf und den ersten scheerentragenden Brustring bedeckt, überwölbt, frei nach unten vorspringend, kleine Höhlen zu den Seiten des Leibes. In diesen Höhlen bewegt sich ein von hinten nach vorn gerichteter Wasser- strom, unterhalten wie bei den Zoea und wie bei allen erwachsenen Krabben und Krebsen, durch einen, hier lang säbelförmigen Anhang des zw^eiten Maxillen- paares. — Auch der äussere rückwärts gerichtete Ast des ersten Kieferpaares liegt in dieser Höhle. Besondere Kiemen, wie sie die Diastyliden (Cumaceen) haben, konnte ich nicht auffinden ; dagegen sind wie bei den Zoea, die Seitentheile des Panzers von sehr reichlichen Blutströmen durchzogen, und sind als Hauptsitz der Athmung anzusehen. Die Schwimmfüsse des Hinterleibs haben nichts mit der Athmung^ zu thun ; ich sah nie auch nur ein einziges der grossen Blutkörperchen in ihre lang- beborsteten blattförmigen Aeste eintreten. 1) Archiv für Naturgeschichte 1864. I. p. 1 — 6. 2) Vergl. Naturhistor. Tidskrift 4. Bind 1842. S. 167 ff. und Ny Räkke 2. Bind 1847. S. 412 ff. Wenn van Beneden (Recherches sur la faune litt, de Belgique. Crustaccs. PI. XVl^is fig. 1 — 8) dem Hinterleibc nur vier deutlich geschiedene Ringe, allen Füssen der freien Brustringe gleichen Bau und ein kurzes erstes Glied giebt, das den von Kröyer und mir beobachteten Arten fehlt, und wenn er die Kieferfüsse in einer ganz wunderlichen unerhörten Form erscheinen lässt, so dürften alle diese Abweichungen wohl eher auf einer irrthümlithen Auffassung als auf specifischen Verschiedenheiten der von ihm unter- suchten Art beruhen. Ueber den Bau der Scheerenasseln. j q j Das Herz erstreckt sich durch die ganze Länge der Brust bis in den ersten vom Panzer bedeckten Ring ; seitliche Spalten zum Eintritte des Blutes sah ich im 2ten, 3ten und 4ten Ringe; die beiden Spalten desselben Ringes liegen einander nicht genau gegenüber. Die Leber besteht, wie bei den Bopyriden, aus einem einzigen Paare von Blindschläuchen, die vom Kopfe bis in den Hinterleib reichen. Im Grunde der oberen Fühler liegt ein Gehörwerkzeug, eine kleine von oben her zugängliche Höhle mit einem Gehörst einchen. Die frei vorspringenden Augen liegen nach hinten, aussen und unten von den vorderen Fühlern, eine Lage, die sich nicht mit der Annahme eines vor dem Fühlerringe liegenden Augenringes verträgt^). Die Augen , wenigstens des Männchens, sind beweglich ; ihre Chitinhülle (durch Kochen mit Kalilauge und Behandlung mit Säure dargestellt) zeigt in diesem Geschlechte stark nach innen vorspringende linsenförmige Verdickungen, die dem Weibchen fehlen. Die vorderen Fühler der Jungen und der Weibchen sind plump, wenig beweglich, viergliedrig (das 4te Glied winzig) und tragen einen einzigem Riech- faden am Ende des dritten Gliedes. Die Eierstöcke sind einfache Schläuche; die unpaare weibliche Geschlechts- öffnung liegt am Hinterrande des vorletzten Brustringes. Die Bruttasche, die stets nur wenige, bisweilen nur i bis 3 Eier umschliesst, wird gebildet von vier Paar hinter den Füssen der vier ersten freien Brustringe befestigten Blättern, die für jede Brut sich neu erzeugen. Die Männchen erleiden vor Erlangung der Geschlechtsreife eine bedeutende Verwandlung und finden sich geschlechtsreif in zwei verschiedenen Formen. Immer sind ihre vordem Fühler lang, schlank, sehr beweglich, reichlich mit Riechfäden ausgestattet; es fehlen ihnen alle beweglichen Anhänge des Mundes (mit Ausnahme der den Wasserstrom durch die Athemhöhle unterhaltenden Geissein); ob ihr Mund geschlossen ist, wurde mir nicht deutlich; ihren Darm fand ich stets völlig leer. Wenn sie also wohl im geschlechtsreifen Zustande nicht fressen, so werden sie für diese Zeit des Fastens mit einem reichen Vorrath von Fett ausgerüstet. Die Hoden scheinen, wie die Eierstöcke, einfache Schläuche zu sein ; sie münden in eine grosse querovale unpaare Blase, die im letzten Brust- ringe unter dem Darme liegt, die Geschlechtsöffnungen scheinen an der Spitze zweier kurzen warzenförmigen Vorsprünge zu liegen, die dieser letzte BrustrinL; beim Männchen trägt. Die Samcmkörperchcm sind KügelchcMi von etwa 0,004 »^'^i- Durchmesser; an denen ich weder einen Kern, noch strahlenförmige Fort- sätze sah; an einer Stelle haben sie einen winzigen warzen- und kiiopfformigen Vorsprung. Die gewöhnlichere Form der Mäimchen erscheint verhältnissmässig etwas breiter als die Weibchen ; ihre Scheeren sind von sehr abweichender Form, länger, langfingeriger,- bew(>glicher; die Riechfäden steh(>n zu je zwei bis drei (sehr selten zu vier) am Grunde des vierten und am Ende dieses und der folgenden JHihler- gUeder, Die andere sehr seltene Form, die man wohl kaum einmal unter 100 I) Wie Claus, kann ich die Augen der Krebse nicht als Gliedmassen ansehen. JQ2 Ueber den Bau der Scheerenasseln. gewöhnlichen Männchen findet, schliesst sich in der Form des Leibes und der Scheeren eng an die Weibchen an; ihre vorderen Fühler gleichen denen der gewöhnlichen Männchen, sind aber noch reichlicher mit Riechfäden ausgestattet, indem dieselben an denselben Stellen wie dort zu je fünf bis sieben beisammen stehen. Die Entwickelung ist die der Asseln ; das Junge im Eie ist nach oben gekrümmt, so dass also die vordere und hintere Hälfte der Rückenfläche einander zugewandt sind, wie es schon Rathke bei Ligia und Idothea fand. Die Leibesringe des ausschlüpfenden Jungen sind vollzählig vorhanden : die Anhänge des Kopfes und der sechs ersten Brustringe sind wohlentwickelt, der längere innere Ast der Schwanzanhänge hat nur drei Glieder, statt der fünf des erwachsenen Thieres; aber es fehlen noch vollständig nicht nur, wie bei vielen anderen Asseln V, das letzte siebente Paar der Brustfüsse, sondern auch die fünf Paar Schwimmfüsse des Hinterleibes. Diese sechs fehlenden Fusspaare treten später gleichzeitig auf. So weit meine Beobachtungen. Ich weiss nicht, ob Kröyer und van Ben e den, die auch von Männchen und Weibchen sprechen, dieselben anders, als durch die nichts entscheidende Ab- oder Anwesenheit der Brutblätter unterschieden haben, möchte aber immerhin die Vermuthung wagen, dass nicht nur die beiden von Kröyer bei Madeira gesammelten Formen (Tanais Edwardsii und Savign)d) als Männchen und Weibchen zusammengehören sondern ebenso die beiden Formen des Oeresunds (T. Curculio und Oerstedii). — Tanais Edwardsii weicht in ähnlicher Weise von T. Savignyi ab, wie das Männchen unserer Art von seinem dem T. Savignyi höchst ähnlichen Weibchen. Diesem Weibchen steht ebenfalls T. Oerstedii sehr nahe, während allerdings T. Curculio durch die Bildung des Kopfes und der Scheeren sich weit von unserem Männchen, wie von allen Gattungsgenossen entfernt; aber wenn innerhalb derselben Art verschieden gebildete Männchen sich finden, so darf eine weit auseinanderlaufende Gestaltung derselben innerhalb der Gattung nicht auf- fallen. Ich führe noch zur Stütze dieser Ansicht an, dass im Greifswalder Bodden zwei Formen von Tanais zusammenleben, von denen die eine häufigere dem T. Oerstedii, die andere, wie die Männchen unserer Art, weit seltenere, dem T. Curculio sehr nahe steht. Welche Stellung im Systeme gebührt nun diesen Scheerenasseln, die von allen anderen Asseln durch ihre Scheeren, durch ihre Avigen, ihre Gehörwerk- zeuge, durch ihren der Athmung dienenden Panzer, durch die Lage ihres Herzens, durch ihre fastenden Männchen, durch die der Hinterleibsfüsse entbehrenden Jungen u. s. w. sich entfernen, und erwachsen, kaum ein wesentliches Merkmal mit ihnen gemein haben? — Die an die Amphipoden, denen ältere Beobachter sie anschliessen, durch die vorwärts gerichteten Fühler, deren vorderes Paar bei Rhoea zwei Geissein trägt, durch die abweichende Bildung der beiden vorderen und die (wenigstens bei Tanais) verbreiterten Grundglieder der drei hinteren i) Nach Milne Edwards bei den Cymothoaden, ich fand es ebenso bei den Bopyriden, bei Ligia und Philoscia; nach Untersuchung ziemlich weit entwickelter Eier vermuthe ich ein gleiches Verhalten bei Idothea und Sphaeroma. Die geringe Entwickelung des siebenten Brustringes bei Serolis macht auch hier ähnliche Jugendzustände wahrscheinlich. Ueber den Bau der Scheerenasseln. 193 Fusspaare der Brust, so wie durch Lage und Bau des Herzens erinnern und deren Athmung vollständig wie bei den Jugendformen der Krabben und Krebse vor sich geht? Die Entwickelung scheint mir unzweideutig zu beweisen, dass sie ächte Asseln sind, dass sie sich nicht den stieläugigen Krebsen und viel weniger noch den Amphipoden annähern lassen, an die die erwachsenen Thiere so vielfach erinnern. Es ist mir ausser zahlreichen Asseln kein Krebs bekannt, der das Ei (oder, wie Ligia, eine anhanglose früheste Larvenhaut ^)) verliesse mit bis zum vorletzten Brustringe vollständig entwickelten Gliedmassen, während dieselben dem letzten Brustringe noch fehlen. — Dem Amphipoden-Ei scheint stets ein „Micropyl- Apparat" zuzukommen ^) ; die Jungen liegen darin in umgekehrter Weise gekrümmt und verlassen es mit vollzähligen GHedmassen. Aber was wollen nun innerhalb der Ordnung der Isopoden die Scheeren- asseln bedeuten? — Die Antwort wird verschieden ausfallen je nach den syste- matischen Grundanschauungen, von denen man ausgeht. Wer die Arten als unveränderliche Bildungen ansieht, die bei jeder der hundertfach wiederholten Schöpfungen fix und fertig aus den Elementen zusammen- schössen, und die Urform (den Typus) jeder grösseren oder kleineren Gruppe aus den der Mehrzahl ihrer Mitglieder gemeinsamen Merkmalen aufbaut, der wird natürlich in den Scheerenasseln die von dem Typus der Isopoden am weitesten abirrende Asselform erblicken. Wer dagegen mit Darwin als Endziel der Systematik die Aufstellung eines Stammbaumes der Thier- und Pflanzenwelt, und wer daher als Urform einer Gruppe den gemeinsamen Stammvater derselben betrachtet, der wird im Gegen- theile zu der Ansicht geneigt sein, dass unter allen Asseln der Gegenwart die Scheerenasseln mit ihren beweglichen Augen und ihrer Zoea-Athmung der Urassel am nächsten stehen, die vielleicht noch, wie der Urvater aller Malacostraca, eine durch Nauplius und Zoeaformen hindurchgehende Verwandlung zu bestehen hatte. Desterro, im Juni 1863. i) Näheres hierüber nächstens. 2) Ich vermisste den „Micropyl-Apparat" bei keinem der zahlreichen von mir hierauf untersuchten Amphipoden aus den Gattungen Gammarus, Amphithoe, Podocerus, Corophium, Orchestia u. a. und fand ihn ebenfalls bei Caprella. Fritz Müllers gesammelte Schriften. I3 Ein Wort über die Gattung Herklotsia J. E. Gray^). „In my opinion, this inordinate multipli- cation of genera destroys the main ad- vantages of Classification." Darwin, Lepadidae S. 216^). Herklots hat in seiner Bearbeitung der Seefedern drei Arten von Renilla unterschieden, R. reniformis Pall., violacea Quoy et Gaim., und Edwardsii n. sp. — Die von ihm gegebenen Diagnosen enthalten indess kein einziges Merkmal, das die wirkliche Verschiedenheit dieser Arten verbürgte. — Die Gestalt der Scheibe, die Streifung ihrer Unterfläche, die Länge und Form des Stiels sind sämmtlich Verhältnisse, die beim lebenden Thiere in beständigem Wechsel begriffen sind, so dass danach bisweilen dieselbe Scheibe in derselben Minute jeder der drei Arten eingereiht werden könnte. Der angebliche Mangel der „spicules" bei R. violacea beruht offenbar auf schlechter Erhaltung der Exemplare und die geringe Zahl der Polypen bei R. Edwardsii würde nur dann als bezeichnend gelten dürfen, wenn nachgewiesen wäre, dass von ihr die beobachtete Zahl nicht überschritten würde; denn bei jüngeren Scheiben aller Arten ist die Polypenzahl natürlich eine geringe. Ueber Zahl und Stellung der die Polypenzellen um- stehenden Zähne oder sonstige zur sicheren Unterscheidung von Renillaarten brauchbare Merkmale findet man bei Herklots nichts. Dass man nun auf solche Merkmale, die selbst zur Artunterscheidung völlig ungenügend sind, Gattungen bauen könne, scheint kaum glaublich. Doch dem unermüdlichen Fabricanten neuer Gattungen und Arten in allen Klassen des Thierreichs, Herrn J. E. Gray, ist in dieser Beziehung nichts unmöglich. Er hat denn auch (s. R. Leuckart's Jahresbericht in dies. Archiv. XXVII. Bd. 2. S. 346) die Renilla Edwardsii zum Typus einer neuen Gattung Herklotsia zu erheben verstanden. Diese Gattung Herklotsia ist ein zu ergötzliches Beispiel der Verirrungen, die der Beobachter der lebenden Thierwelt so manches Mal an den Museums- i) Archiv für Naturgeschichte 1864. I. p. 352 — 358. 2) Darwin schrieb diese Worte in Bezug auf die Gattung Scalpellum, deren vier ihm bekannte Arten J. E. Gray in ebenso viele Genera vertheilt hatte. Dabei hat er spasshafter Weise die Zahl der Stücke des Gehäuses, auf welche diese Genera fast ausschliesslich begründet waren, für drei derselben irrig angegeben. Ein Wort über die Gattung Herklotsia. jqe Zoologen zu rügen hat, als dass ich mir das Vergnügen einer kritischen Beleuch- tung versagen könnte. Die von Gray gegebenen Diagnosen der Gattungen Herklotsia und Renilla sind (nach Leuckart's Jahresbericht a. a. O.) die folgenden: Herklotsia. Disk expanded, upper surface armed with spicula surrounding the edge of the cells, lower moderately striated. The stem inserted in a deep notch on the lower edge, and separated from the disk by a well defined groove. Polypes few, placed in series. Renilla. Disk smooth above and beneath, without spicula and continued into the stem. Polypes numerous. Sehen wir uns die einzelnen Merkmale etwas näher an. „Disk expanded" — Vortrefflich ; — ganz als wollte man die Diagnose einer Vogelgattung mit den Worten beginnen : „Flügel ausgebreitet", als wollte man die zufällige Stellung, die der Ausstopfer einem Thiere gegeben, als Gattungs- kennzeichen verwerthen. „Disk expanded", als wäre die Renillascheibe ein starres Gebilde, wie eine Muschelschale oder Krebsscheere , und nicht vielmehr der wechselvollsten Gestaltveränderung in ungewöhnlich hohem Grade fähig. — Ent- nimmt man zur Ebbezeit eine prächtige dunkelviolette Renilla, bei der je sieben mit goldgelben Kalknadeln durchspickte Zähne den Rand der Zellen umgeben, dem Boden des Meeres, so findet man die Scheibe trichterförmig eingezogen und unmittelbar in den langen, am Ende bald kolbigen, bald zugespitzten Stiel sich fortsetzend. In ein Glas mit Seewasser geworfen, breitet sich die Scheibe zu- nächst, ohne sich auszudehnen, flach in einer Ebene aus ; der Stiel zieht sich aufs Aeusserste zusammen und während er eben etwa die dreifache Länge des Scheiben- durchmessers hatte und von der Unterseite gerade abwärts gerichtet war, liegt er jetzt als unbedeutender Vorsprung von kaum Y4 des Scheibendurchmessers in der Ausbucht der Scheibe und in gleicher Ebene mit dieser. Bei längerem Liegen beginnt die Scheibe sich durch eine in der Mitte ihrer oberen Fläche gelegene grosse Oeffnung ^) allmählich mit Wasser zu füllen. Die Polypen treten hervor, der Durchmesser der Scheibe steigt nach und nach wohl auf mehr als das Fünffache; (genaue Messungen sind mir augenblicklich nicht zur Hand). Dabei wölbt sich die obere Scheibenfläche, die beiden Lappen, zwischen denen der Stiel entspringt, schieben sich übereinander, und auch der Stiel streckt sich wieder und füllt sich mit Wasser. Die vorgestreckten Polypen sieht man ohne äusseren Anlass nur selten sich bewegen, die Scheibe dagegen ist nie in Ruhe; sie zeigt langsame kräftige Zusammenziehungen, die vom Ansatzpunkte des Stieles nach dem gegenüberliegenden Rande der Scheibe fortschreiten und dabei diese durch eine Reihe auffallend verschiedener Gestalten hindurchführen. Auch der Stiel nimmt an diesen Zusammenziehungen Antheil; er schnürt sich dabei bis- weilen von der Spitze her zu einem fadenförmigen Strange zusammen, um dann i) Diese, wie es scheint, bisher übersehene Oeffnung wurde zuerst, vor einigen Jahren, von meiner damals siebenjährigen Tochter Rosa bemerkt, die aus ihr einen kräftigen Wasserstrahl spritzen sah, als sie eine lebende Renilla aus dem Meere nahm. Eine ähnliche Oeffnung fand später, nach brieflicher Mit- theilung, Max Schultze bei Pennatula. Auch an der Spitze des Stiels hat Renilla eine kleine Oeffnung, aus der ebenfalls bisweilen ein zarter Wasserstrahl hervorspritzt, wenn man eine aufgeschwellte Scheibe aus dem Wasser nimmt. 13* igö Ein Wort über die Gattung; Herklotsia. sofort wieder zu einem weiten Rohre sich aufzublähen. — Ganz ähnhch verhält sich Renilla reniformis, nur dass sie nicht die vollkommene Trichterform der anderen Art anzunehmen vermag^). „Upper surface armed with spicula surrounding the edge of the cells" heisst es weiter von Herklotsia und im Gegensatze dazu von Renilla: „disk smooth, without spicula". Wenn unter „spicula" Kalknadeln verstanden sind, so begreife ich nicht, wie man von deren Fehlen bei ReniUa sprechen kann, da dieselben alle Theile der Scheibe durchsetzen und bei der oberflächlichsten Untersuchung in die Augen fallen. Sollten aber, unpassender Weise, durch diesen Ausdruck die von zahlreichen Kalknadeln gestützten \'orspringenden Zähne um den Zellen- rand bezeichnet sein, so fehlen diese wahrscheinlich ebenso wenig irgend einer Art; bei R. reniformis sind sie wohl entwickelt. Wenn Gray sie vermisste, so lag dies an der schlechten Erhaltung seiner Exemplare. Bei verwesenden und schon bei langsam sterbenden Thieren fallen die oberflächlichen Kalknadeln leicht ab und die Zähne am Zellenrande sind dann nur schwierig nachzuweisen. „Lower surface moderately striated" bei Herklotsia, — „disk smooth beneath" bei Renilla. — Die Streif ung der Unterfläche oder richtiger die netzförmige Zeichnung mit langstreckigen strahlig geordneten Maschen bezeichnet die Grenzen der einzelnen Polypenzellen, Wo deren Scheidewände auf die untere Wand der Scheibe stossen, stehen die oberflächlichen Kalknadeln dichter vmd ausserdem erscheinen, wenn die Zellen sich aufblähen, ihre Grenzen als vertiefte Linien, an deren Stelle umgekehrt beim Einschrumpfen der Zellen wieder deutliche erhabene Linien treten können. Dazwischen liegt natürlich ein Mittelzustand, in welchem abgesehen von den leicht abfallenden zarten Kalknadeln, die Unterfläche glatt erscheint. Daraus ergiebt sich von selbst der systematische Wert dieses Merkmals. „The Stern separated from the disk by a well defined groove" bei Herklotsia, — „the disk continued into the stem" bei Renilla. Bei Renilla reniformis sieht man fast nie, selten bei älteren, häufig dagegen bei jüngeren Scheiben unserer zweiten Art den Stiel durch eine deutliche tiefe Furche von der Scheibe geschieden. Diese Furche ist aber nicht etwa, wo sie vorkommt, etwas Festes, Bleibendes, sondern tritt nur bei bestimmten Contractionszuständen hervor. Dieselbe Renilla- scheibe kann, was dieses Merkmal betrifft, in einer Stunde ein Dutzendmal aus einer in die andere Gattung und wieder zurückspazieren. Ich kann wohl den wirklichen Werth all dieser Gray 'sehen Gattungs- merkmale nicht besser ins rechte Licht setzen, als indem ich ein untrügliches Recept mittheile, eine Herklotsia bei lebendigem Leibe tuto, cito et jucunde in eine Renilla zu verwandeln. Man setze das Thier in einer flachen Schale, nur so eben von Wasser bedeckt, eine Stunde lang den Strahlen der tropischen Mittagssonne aus, spüle es ab und die Renilla ist fertig. Die Kalknadeln der Oberfläche liegen abgefallen am Boden der Schale, die Zähne am Zellenrande sind zusammengesunken, und bei dem Zustande von Erschlaffung, in dem sich das Thier befindet, ist sicher weder Streifung der Unterfläche, noch eine Furche am Grunde des Stieles vorhanden. Man sieht, für Gra)''sche Genera bedarf es keiner jahrtausendelangen natürlichen Züchtung, um eines aus dem anderen hervor- gehen zu lassen, i) Näheres über diese und andere Lebenserscheinungen derRenillen bleibt einem anderen Orte vorbehalten. Ein Wort über die Gattung Herkiotsia. I g^ Doch es bleibt uns noch ein Kennzeichen der Gattung Herkiotsia: „Polypes few, placed in series", und dagegen bei Renilla: „Polypes numerous". Zuerst sei hierzu bemerkt, dass die Ausdrücke few und numerous überhaupt zu denen gehören, die ihrer Unbestimmtheit wegen für immer aus allen Diagnosen ver- bannt werden sollten. Ist z. B. in unserem Falle bei lo, oder 20, oder 100 Polypen die Grenze zwischen dem few und dem numerous zu suchen ? — Aber abgesehen hiervon, so hätte Herr Gray am Rande jeder beliebigen Renillascheibe sehen können, dass hier eine Neubildung von Zellen und Polypen stattfindet, — er hätte sich danach sagen können, dass überhaupt die dem Rande näheren Polypen jünger sind als die mittelständigen ; — er hätte sich sagen können, dass auch die polypen- reichste Renillascheibe in ihrer Jugend nur wenige Polypen besass und dass somit das few und das numerous nichts mehr und nichts weniger als eine Altersver- schiedenheit bezeichnet und wie all seine übrigen Merkmale nicht einmal specifischen, geschweige denn generischen Werth hat. In den ersten Wochen, das sei hier beiläufig angeführt, sind sogar, wie man sich denken konnte, die jungen Renillen einfache Polypen ohne Kalknadeln ; aber schon in dieser frühesten Zeit ist, wie später, der Stiel durch eine I^ängsscheide- wand in zwei Kammern getheilt und an der Spitze mit einer Oeffnung versehen. Glücklicherweise hatte Herr J. E. Gray im British Museum keine Gelegenheit, diese jüngsten Renillen zu sehen, auf die sonst unfehlbar wieder ein neues Genus gegründet worden wäre. Ich habe die Aufstellung der Gattung Herkiotsia eine ergötzliche Verirrung genannt. Leider hat die Sache auch ihre ernste Seite. — Die Gattung wurde nicht beiläufig, etwa bei Beschreibung einer neuen Art, von einem Neulinge auf- gestellt, sondern in einer Abhandlung, welche eine kritische Revision der syste- matischen Anordnung der Seefedern zum Zweck hat, und von einem Manne, mit dem sicher Wenige sich messen können, was Reichthum und Vielseitigkeit der auf eigene Anschauung und Untersuchung gestützten zoologischen Kenntnisse betrifft. Welch trauriges Licht wirft es auf den Zustand der heutigen Systematik, dass an solcher Stelle und von solcher Hand ein ähnlicher Missgriff gethan werden durfte. Und der Fall ist kein vereinzelter. Fast jede Seite eines zoologischen Jahresberichtes liefert Belege für die wüste, grundsatz- und haltlose Weise, in der man heutzutage so vielfach ins Blaue hinein Gattungen und Arten fabricirt. Um ihre Wissenschaft vor vollständiger Verwilderung zu bewahren, ist es wahrlich die höchste Zeit, dass die Systematiker sich allen Ernstes der Erörterung der allgemeineren Fragen zuwenden, von denen aus sie allein für ihre Arbeiten festen Boden und sichere leitende Grundsätze gewinnen können. — Die Anregung, die hierzu durch Darwin's Buch über die Entstehung der Arten gegeben wurde, hätte zu keiner gelegeneren Stunde kommen können. Desterro, 31. März 1864. Nachtrag zum vorstehenden Aufsätze^). Von Max Schultze. Fritz Müll er 's Beobachtung grösserer Oeffnungen zur Wasseraufnahme und Abgabe bei Renilla, welche mir bereits seit längerer Zeit durch briefliche Mittheilungen bekannt war, veranlasste mich die mir zu Gebote stehenden Spiritus- exemplare von Pennatula auf solche Oeffnungen anzusehen. Dass bei den Penna- tuliden sämmtlich dergleichen Oeffnungen vorhanden seien, war an sich nicht zu bezweifeln, da die Wasserlöcher ein wesentliches Ghed in der Organisation der Coelenteraten darstellen. Es handelte sich aber darum, die Lage dieser Oeff- nungen, deren bisher Niemand Erwähnung gethan, zu bestimmen und vor allen Dingen festzustellen, ob ein der bei Renilla constanten grösseren mittleren Scheiben- öffnung entsprechendes Wasserloch auch den echten Pennatuliden zukomme. Gleich die ersten Nachforschungen bei zwei wohl erhaltenen Exemplaren der Pennatula rubra aus dem Mittelmeere, welche das hiesige anatomische Museum besitzt, führten zu einem sehr bestimmten Resultat, insofern an beiden Exemplaren je eine grössere Oeffnung gefunden wurde, welche offenbar nur zur Wasseraufnahme und Abgabe in das innere Höhlensystem des Stammes dienen konnte. Doch ver- hielten sich beide Exemplare verschieden. Auf der körnigen hinteren Oberfläche des Stammes von P. rubra verläuft eine mittlere Längsrinne mit glattem Boden und von weisslicher Farbe. Dieselbe beginnt kaum sichtbar am oberen Ende des Schaftes und verbreitet sich nach abwärts, um am Anfange des drehrunden Stieles zu verschwinden. Hier an der Grenze von Fahne und Stiel entsteht aus der Längsrinne an einem der beiden Exemplare eine tiefe seitlich ausweichende Furche, und führt sofort in eine weite Oeffnung, durch welche leicht eine ge- knöpfte Sonde in das Hohlraum System des Stieles vorgeschoben werden kann. Drückt man den Stiel aufwärts nach der Oeffnung zu, so fliesst eine ansehnliche Menge Flüssigkeit aus dem Innern aus. An dem anderen Exemplare fehlt hier an der Hinterseite die tiefere Furche mit der Oeffnung gänzlich, dafür zeigt sich auf der vorderen Fläche in der Höhe des sechsten Polypen tragenden Zweiges etwas seitlich von der Mittellinie in versteckter Lage eine ansehnliche Oeffnung mit wulstigem Rande, durch welche eine geknöpfte Sonde leicht aufwärts und abwärts in das Hohlraumsystem des Körpers vorgeschoben werden kann. i) Archiv für Naturgeschichte 1864. 1. p. 359 — 360. Nachtrag zum vorstehenden Aufsatze. ign Nach diesem Befunde war ich erstaunt, an mehreren Exemplaren von Pennatula (Pteroeides Herklots) spinosa des hiesigen anatomischen und zoologi- schen Museums keine Spur einer solchen grösseren Oeffnung zu finden. Ebenso- wenig bei den kleinen zierlichen Pennatula pulchella. Dagegen fand sich eine den beschriebenen entsprechende Oeffnung an einem Exemplar von Pteroeides japonicum des hiesigen zoologischen Museums und zwar auf der Mitte der Hinter- seite des Schaftes in der Höhe des, von unten gerechnet, sechsten Polypen tragenden Armes. Die Sonde glitt von hier aus leicht aufwärts in das Innere. Ausser diesen grösseren Wasserlöchern kommen bei der Pennatula wie bei Renilla, wie es scheint, allgemein kleinere Oeffnungen vor und zwar constant an der Spitze des Stieles. Bei Renilla sind dieselben von Fritz Müller gesehen. Ihre Anwesenheit bei Pennatula ist leicht zu constatiren, wenn man Exemplare, die nicht gar zu stark in Spiritus erhärtet sind, nach der Spitze des Stieles zu mit den Fingern streicht. Ich sah bei dieser Operation immer mehrere feine Strahlen Flüssigkeit aus winzigen Oeffnungen des Stieles hervordringen. Für Darwin^). Mit 67 Textfiguren. „Caeterum, nullius in verba jurans, aliorum inventa consarcinare haud institui; quae ipse quaesivi, re- peri, repetitis vicibus diversoque tempore obser- vavi, propono." O. F. Müller, Histor. vermium. Vorwort. Die folgenden Blätter wollen nicht die für und wider Darwin's Lehre von der Entstehung der Arten vorgebrachten Gründe aufs neue erörtern und gegeneinander abwägen. Sie wollen einfach auf einige dieser Lehre günstige Thatsachen hin- weisen, gesammelt auf demselben Boden Südamerika's, auf welchem in Darwin, wie er uns erzählt, zuerst der Gedanke aufkeimte, sich mit der „Entstehung der Arten, diesem Geheimniss der Geheimnisse" zu beschäftigen. Nur durch Herbeischaffen neuen verwerthbaren Stoffes wird sich allmählich die Streitfrage für eine endgültige Entscheidung spruchreif machen lassen, und dieses erscheint einstweilen wichtiger als eine wiederholte Zergliederung des bereits vorliegenden. Zudem bleibt es billig fürs Erste Darwin selbst überlassen, die An- griffe der Gegner abzuwehren von dem stolzen Baue, den er mit solcher Meister- hand aufgeführt. Desterro, 7. September 1863. F. M. I. Als ich Charles Darwin's Buch „über die Entstehung der Arten" gelesen hatte, schien es mir, dass einer der Wege und der sicherste vielleicht, die darin entwickelten Ansichten auf ihre Richtigkeit zu prüfen, der sei, dass man eine möglichst ins Einzelne gehende Anwendung auf eine bestimmte Thiergruppe ver- suche. Ein solcher Versuch, sei es für die Familien einer Klasse, sei es für die Gattungen einer grösseren Familie, oder für die Arten einer reichen Gattung einen Stammbaum aufzustellen, und von den gemeinsamen Urahnen der verschiedenen engeren und weiteren Kreise möglichst ausgeführte und anschauliche Bilder zu entwerfen, konnte ein dreifach verschiedenes Ergebniss liefern. i) Leipzig. Engelraann. 1864. Für Darwin. 20I Es konnten i. Darwin's Vorraussetzungen bei ihrer Anwendung zu unverein- baren, sich widersprechenden Folgerungen führen, aus denen dann auf die Irrig- keit der Voraussetzungen zurück geschlossen werden durfte. Waren Darwin's Ansichten falsch, so war zu erwarten, dass Widersprüche ihre Anwendung im Einzelnen auf jedem Schritte begleiten, und dass sie, sich häufend, die Voraussetzungen, aus denen sie hervorgegangen, mit vereinter Wucht aufs Gründlichste zermalmen würden, so wenig auch die auf jeden besonderen Fall gebauten Schlüsse die Unbedingtheit mathematischer Beweise haben mochten. Es konnte 2. der Versuch in ausgedehnterer oder beschränkterer Weise ge- lingen. War es möglich, auf Grund und mit Hilfe der Darwin'schen Lehre zu zeigen, in welcher Folge die verschiedenen engeren und weiteren Kreise aus der gemeinsamen Grundform und von einander sich losgelöst, in welcher Folge sie die jetzt sie bezeichnenden Eigenthümlichkeiten erworben, welche Umwandlungen sie im Laufe der Zeiten erlitten hatten, — war eine solche von inneren Wider- sprüchen freie Aufstellung eines Stammbaumes, einer Urgeschichte der betrachteten Thiergruppe möglich, so musste diese Aufstellung, je vollständiger sie die be- kannten Arten in sich aufnahm, und je tiefer sie in das Einzelnste des Baues hinabzusteigen vermochte, um so mehr in sich selbst die Bürgschaft der Wahr- heit tragen, und um so überzeugender den Beweis liefern, dass der Grund, auf dem sie gebaut, kein lockerer Sand, dass er mehr, als blos „ein geistreicher Traum" sei. Freilich war es 3. auch möglich, und dies musste von vorn herein als der wahrscheinlichere Fall erscheinen, dass der Versuch an den ihm entgegentretenden Schwierigkeiten scheiterte, ohne die Frage, für oder wider, in Anerkennung er- zwingender Weise zu entscheiden. Glückte es indess nur, für sich selbst auf diesem Wege zu einem einigermassen gesicherten selbstständigen Urtheile über diese so tief in die höchsten Fragen eingreifende Angelegenheit zu gelangen, so musste auch das schon als reicher Gewinn gelten. Entschlossen, den Versuch zu wagen, hatte ich zunächst für eine bestimmte Klasse mich zu entscheiden. Die Wahl musste sich auf diejenigen beschränken, deren Hauptformen leicht in einiger Mannichfaltigkeit lebend zu erhalten waren. Eine so lange und bunte, und doch so innig verknüpfte Reihe nun, wie sie aus der Klasse der Kruster die Krabben und Krebse, die Maulfüsser, die Diastyliden, die Amphipoden und Asseln, die Ostracoden und Daphniden, die Copepoden und Schmarotzerkrebse, die Rankenfüsser und Wurzelkrebse unserer Küste boten (nur die Phyllopoden und Xiphosuren fehlten), stand mir aus keiner anderen Klasse zur Verfügung. Auch ohne diesen Umstand hätte indessen die Wahl der Kruster kaum zweifelhaft sein können. Nirgends, wie das schon von verschiedenen Seiten ausgesprochen wurde, ist ja die Versuchung dringender, den Ausdrücken : „Ver- wandtschaft, Hervorgehen aus gemeinsamer Grundform", und ähnlichen eine mehr als blos bildliche Bedeutung beizulegen, als bei den niederen Krustern. Nament- lich bei den Schmarotzerkrebsen pflegte ja längst alle Welt, als wäre die Um- wandlung der Arten eine selbstverständliche Sache, in kaum bildlich zu deutender Weise von ihrer Verkümmerung du rch's Schmarotzerleben zu reden. Es mochte wohl Niemandem als eines Gottes würdiger Zeitvertreib erscheinen, sich mit dem Ausdenken dieser wunderlichen Verkrüppelungen zu belustigen und so liess man 202 Für Darwin. sie durch eigene Schuld, wie Adam beim Sündenfall, von der früheren Voll- kommenheit herabsinken. Dass bereits ein grosser Theil der weiteren und engeren Kreise, in die sich diese Klasse gliedert, als endgültig festgestellt gelten durfte, während bei zwei anderen Klassen, in denen ich heimisch war, den Ringelwürmern und Quallen, alle versuchten Anordnungen nur als vorläufige Uebersichten erscheinen mussten, war ein weiterer nicht zu unterschätzender Vorzug. Diese unverrückbaren Gruppen, wie die scharfgezeichneten Formen des starren reichgegliederten Hautgerüstes, waren nicht nur als sichere Ausgangs- und Stützpuncte, sie waren auch als wohl- thätige unerbittliche Schranken vom höchsten Werthe bei einer Aufgabe, bei der nun einmal, ihrer Natur nach, die Phantasie frei ihre Schwingen entfalten musste. Indem ich also begann, mir von diesem neuen Standpuncte der Darwin'schen Lehre aus unsere Kruster näher anzusehen, indem ich versuchte, die Anordnung derselben in die Form eines Stammbaumes zu bringen und über den wahrschein- lichen Bau der Stammeltern mir Rechenschaft zu geben, sah ich freilich bald, — und ich war darauf gefasst gewesen, — dass es langjähriger Vorarbeiten bedürfen würde, ehe die eigentliche Aufgabe in ernstlichen Angriff genommen werden könne. Die bisherigen systematischen Arbeiten legten meist mehr Gewicht auf die die Gattungen, Familien, Ordnungen scheidenden, als auf die die Glieder jedes Kreises unter sich verknüpfenden Merkmale und lieferten deshalb oft verhältnissmässig wenig verwendbaren Stoff. Vor Allem aber war eine eingehende Kenntniss der Entwickelung unentbehrlich, und Jedermann weiss, wie lückenhaft in dieser Be- ziehung das bisher Erkannte ist. Diese Lücken waren um so schwieriger auszu- füllen, da man, wie van Beneden für die Decapoden bemerkt, wegen der oft un- glaublich verschiedenen Entwickelung nächstverwandter Formen, meist Familie für Familie, oft Gattung für Gattung, ja man kann in Hinblick auf Peneus hinzusetzen, bisweilen selbst Art für Art besonders studiren musste, und da diese Untersuch- ungen, an sich mühsam und zeitraubend, in ihrem Erfolge oft von einem glück- lichen Ungefähr abhingen. Musste so aber auch der „Stammbaum der Krebse" als ein Unternehmen erscheinen, für dessen befriedigende Ausführung die Kraft und die Lebensfrist eines Einzelnen kaum ausreichen mochte, selbst unter günstigeren Verhältnissen, als eine entlegene Insel, fern vom grossen Markte des wissenschaftHchen Lebens, fern von Bibliotheken und Museen, sie bieten konnte, — so wurde mir doch täg- lich seine Ausführbarkeit weniger zweifelhaft, und täglich machten mich neue Erfahrungen der Darwin'schen Lehre günstiger gestimmt. Wenn ich mich nun entschliesse, über die Gründe mich auszusprechen, die sich mir aus der Betrachtung unserer Kruster zu Gunsten der Darwin'schen An- sichten ergaben, und die — neben allgemeineren Erwägungen und beiläufigen Erfahrungen auf anderen Gebieten — wesentlich dazu beitrugen, die Richtigkeit jener Ansichten mir immer wahrscheinlicher zu machen, so bestimmt mich dazu hauptsächlich eine Aeusserung Darwin's. „Wer immer", sagt er (Uebers. v. Bronn, S. 486), „sich zur Ansicht neigt, dass Arten veränderlich sind, wird durch gewissen- haftes Geständniss seiner Ueberzeugung der Wissenschaft einen guten Dienst leisten." Dem in diesen Worten enthaltenen Wunsche entspreche ich meinerseits um so lieber, da dies mir Gelegenheit bietet, öffentlich dem Danke Worte zu Für Darwin. 203 leihen, zu dem ich mich Darwin auf's Tiefste verpflichtet fühle für die Belehrung und Anregung, die ich seinem Buche in so reichem Maasse schulde. So werfe ich denn getrost dieses Sandkorn in die Wagschale gegen den „Berg von Vor- urtheilen, unter welchem dieser Gegenstand vergraben ist", unbekümmert, ob auch mich die Priester einer alleinseligmachenden Wissenschaft zu den Träumern rechnen werden und zu den „Kindern an Erkenntniss der Naturgesetze". IL Eine falsche Voraussetzung wird früher oder später, wenn man weiter und weiter den aus ihr fliessenden Folgerungen nachgeht, zu Ungereimtheiten und greifbaren Widersprüchen führen. Solche Widersprüche zwischen den aus Dar- win's Lehre für die Klasse der Kruster sich ergebenden Schlüssen aufzufinden, habe ich mich viel bemüht während der nicht kurzen Zeit peinlichen Zweifels, in der das Zünglein der Wage mir völlig ungewiss schwankte zwischen dem Für und dem Wider, und in der jede zu rascherer Entscheidung führende Thatsache mir hoch willkommen sein musste. Ich habe keinen gefunden, weder damals, noch später. Die ich gefunden zu haben meinte, lösten sich bei näherer Betrach- tung, oder verwandelten sich selbst in Stützen der Darwin'schen Lehre. Auch von anderen Seiten sind, soviel mir bekannt geworden, keine noth- w endigen Folgerungen der Darwin'schen Voraussetzungen als in offenem, un- vereinbarem Widerspruche stehend nachgewiesen worden. Und doch, da zu den Gegnern Darwin's die gründlichsten Kenner der Thierwelt gehören, sollte man meinen, dass es ihnen ein Leichtes hätte sein müssen, ihn längst unter der Menge ungereimter widerspruchsvoller Folgerungen zu erdrücken, wenn solche überhaupt aus seiner Lehre zu ziehen wären. Auf diesen Mangel nachgewiesener Wider- sprüche glaube ich ganz dasselbe Gewicht legen zu dürfen zu Gunsten Darwin's, das wider ihn seine Gegner dem Mangel nachgewiesener Zwischenformen zwischen den Arten verschiedener Erdschichten beimessen. Letzterem Umstände wird übrigens, abgesehen von den Gründen, die Darwin für ein nur sehr ausnahmsweises Er- haltensein solcher Zwichenformen gibt, keine übergrosse Bedeutung , beizulegen geneigt sein, wer je die Entwicklung eines Thieres an aus dem Meere gefischten Larven verfolgt, und dabei Monate, Jahre lang vergeblich nach Zwischenformen gesucht hat, von denen er doch weiss, dass sie zu Tausenden ihn umschwärmen. In welcher Weise nun überhaupt Widersprüche sich als nothwendige Aus- flüsse der Darwin'schen Voraussetzungen herausstellen könnten, mögen einige Beispiele veranschaulichen. Es scheint für alle Krabben, die längere Zeit ausser Wasser sich aufhalten, Bedürfniss zu sein (weshalb, berührt uns hier nicht), dass von hintenher Luft in ihre Kiemenhöhle eintrete. Diese Krabben nun, die sich mehr oder minder dem Wasser entfremdet haben, gehören den verschiedensten Familien an: den Rani- niden (Ranina), Eriphinen (Eriphia gonagra), Grapsoiden (Aratus, Sesarma u. A.), Ocypodiden (Gelasimus, Ocypoda) u. s. w. Die Scheidung dieser Familien würde ohne Zweifel in weit frühere Zeit zu setzen sein, als die Gewohnheit einzelner ihrer Mitglieder, das Wasser zu verlassen. Die auf Luftathmung bezüglichen Ein- richtungen könnten also nicht von einem gemeinsamen Stammvater ererbt, also kaum in übereinstimmender Weise gebaut sein. Fände sich eine solche, nicht auf ?04 Für Danvin. zufällige Aehnlichkeit zurückführbare Uebereinstimmung, so würde sie als Beweis gegen die Richtigkeit der Darwin'schen Ansichten in die Wage zu legen sein. Ich werde weiter unten zeigen, wie in diesem Falle der Befund, weit entfernt solche Widersprüche zu bieten, vielmehr im vollsten Einklänge steht mit dem, was sich aus Darwin's Lehre voraussagen Hess. Ein zweites Beispiel. Man kennt vier Arten von Melita (valida, setipes, anisochir, Fresnelii), und ich kann eine fünfte hinzufügen (Fig. i), deren zweites Fusspaar auf der einen Seite eine kleine Hand von gewöhnlicher Bildung, auf der anderen aber eine ungeheure Kneifzange trägt. Diese As}^mmetrie ist etwas so Ungewöhnliches unter den Amphipoden, die Bildung der Kneifzange weicht soweit ab von dem, was man sonst in dieser Ordnung sieht, und ist so überein- stimmend bei den fünf Arten, dass man diese unbedenklich als denselben, nur ihnen unter den bekannten Arten gemeinsamen Stammeltern entsprossen ansehen müsste. Einer dieser Arten nun, der von Savigny in Aegypten gesammelten M. Fresnelii, soll die den anderen zukommende Nebengeissel der vor- deren Fühler fehlen. Bei der Zu- verlässigkeit aller Arbeiten Savigny's ist die Richtigkeit dieser Angabe kaum zu bezweifeln. Besässe nun die An- oder Abwesenheit der Nebengeissel die Bedeutung eines Gattungen scheidenden Merkmals, die man ihr beizulegen pflegt, oder fänden sich sonstige erhebliche Unter- schiede zwischen Melita Fresnelii und den anderen genannten Arten, die es natürlich erscheinen Hessen, jene als eigene Gattung abzuscheiden, diese mit den übrigen Melitaarten vereinigt zu lassen, d. h., im Sinne der Darwin'schen Lehre, anzunehmen, dass alle anderen Melita gemeinsame Stammeltern besassen, die nicht zugleich Stammeltern der Melita Fresnelii gewesen, — so würde das im Widerspruch stehen mit dem aus der Bildung der Kneifzange gezogenen Schlüsse, dass MeUta Fresnelii und die vier andern genannten Arten gemeinsame Stammeltern besassen, die nicht zugleich Stammeltern der übrigen Melitaarten gewesen. — Es würde folgen Fig. I. Melita exilii n. sp. Männchen, 5mal vergr. Zwischen den Füssen sieht mau die grossen Kiemenblätter vorragen. aus der Bildung der Kneifzange : O. M. palmata etc. M. exilii etc. M. P'resnelii. aus der An und Abwesenheit der Nebengeissel ; M. plamata etc. M. exilii etc. M. Fresnelii. Wie im ersten Falle, bei den Krabben, eine typische Uebereinstimmung unabhängig von einander entstandener Einrichtungen, so würde im zweiten jede tiefer greifende Verschiedenheit als nächst verwandt anzusprechender Arten ein für Darwin's l^ehre sehr bedenklicher Umstand sein. Nun scheint mir aber, dass die Nebengeissel in keiner Weise einen Grund abgeben kann, die enge verwandt- Für Darwin. 205 schaftliche Beziehung" von Mehta Fresnelii zu M. exih"i u. s. w. zu bezweifehi, welche anzunehmen die eigenthümliche Bildung der unpaaren Kneifzange gebietet. Man muss fürs Erste an die Möglichkeit denken, dass die nicht immer leicht aufzufindende Nebengeissel von Savigny doch nur übersehen wurde, wie auch Spence Bäte vermuthet. P'ehlt sie wirklich, so ist daran zu erinnern, dass ich sie bei Arten der Gattungen Leucothoe, Cyrtophium, Amphilochus finde, bei welchen Gattungen sie von Savigny, Dana. Spence Bäte vermisst wurde, dass eine durch den Bau der Hüftblätter (epimeres Edw., coxae Sp. B.), der Schwanzfüsse (uro- poda Westwood) u. s. w. als echte Amphithoe ^) sich ausweisende hiesige Art sie besitzt, dass sie bei manchem Cerapus zu einem kaum nachweisbaren Reste ver- kümmert, ja dass sie bisweilen in der Jugend vorhanden ist, im reifen Alter (wenn auch vielleicht nie spurlos) schwindet, wie Spence Bäte bei Acanthonotus Owenii und Atylus carinatus fand und wie ich für einen durch gefiederte Kiemen merk- würdigen Atylus unseres Meeres bestätigen kann, und dass nach alledem noch heute, wo die wachsende Menge der bekannt gewordenen Amphipoden und die dadurch herbeigeführte Zersplitterung in zahlreiche Gattungen ein Herabsteigen zu sehr kleinlichen Unterscheidungsmerkmalen erfordert, dennoch die Benutzung der Nebengeissel als Gattungsmerkmal beanstandet werden muss und dass also der Fall der Melita Fresnehi kein Bedenken gegen Darwin's Lehre erregen kann. III. Wenn die Widerspruchslosigkeit der Folgerungen, die für ein engeres und somit leichter zu übersehendes Gebiet aus ihr flössen, ein günstiges Vorurtheil für Darwin's Ansichten erwecken musste, so durfte es als ein wirklicher Triumph derselben begrüsst werden, wenn weit greifende Schlüsse, die auf sie gebaut wurden, nachträglich durch Thatsachen bestätigt wurden, deren Bestehen die bisherige Wissenschaft in keiner Weise ahnen Hess. Aus manchen Erfolgen dieser Art, von denen ich berichten könnte, wähle ich als Beispiele zwei aus, die mir von besonderer Wichtigkeit waren und Entdeckungen betreffen, deren grosse Be- deutung für die Morphologie und Systematik der Kruster auch die Gegner Dar- win's nicht in Abrede stellen werden. Betrachtungen über die Entwickelungsgeschichte der Kruster hatten mich zu dem Schlüsse geführt, dass wenn überhaupt höhere und niedere Kruster von gemeinsamen Urahnen ableitbar wären, auch erstere einst Nauplius-ähnliche Zu- stände durchlaufen haben müssten. Wenig später entdeckte ich Nauplius-ähnliche Larven von Garneelen (Troschel's Arch. f. Naturgesch. 1863. I. S. 8 = Gesammelte Schriften S. 167) und gestehe, dass dieser Fund für mich den ersten entscheiden- den Ausschlag zu Darwin's Gunsten gab. Die den Krabben und Krebsen, den Amphipoden und Asseln zukommende gleiche Zahl von Leibesringen ^), von denen die sieben letzten stets abweichend 1) Ich nehme diese, wie alle genannten Amphipodengattungen in der ihnen von Spence Bäte (Catal. of Amphipodous Crustacea) gegebenen Begrenzung. 2) Wie Claus betrachte ich die Augen der Kruster nicht als Gliedmassen und rechne daher keinen besonderen Augenring an, zähle dagegen das Mittelstück des Schwanzes mit, dem man vielfach die Be- deutung eines Leibesringes abspricht. Gegen die Deutung als Leibesring ist wohl nur der Mangel der Gliedmassen anzuführen, dafür namentlich das Verhalten des Darmes, der in diesem Stücke auszumünden pflegt, bisweilen selbst es seiner ganzen Länge nach durchsetzt, wie bei Microdeutopus und einigen anderen ,Q^ Für Darwin. von den vorhergehenden ausgestattet sind, musste unabweisHch als Erbtheil der- selben Urahnen angesprochen werden. Wenn nun heute noch die Mehrzahl der Krabben und Krebse und überhaupt der stieläugigen Kruster Zoea-ähnliche Ent- wickelungszustände durchläuft, und dieselbe Weise der Verwandlung ihren Stamm- eltern zuzuschreiben war, so musste ein Gleiches, wenn auch nicht für die Stamm- eltern der Asseln und Amphipoden, so doch für die gemeinsamen Urahnen dieser und der stieläugigen Kruster gelten. Eine solche Annahme aber war jedenfalls sehr gewagt, so lange ihr nicht eine einzige Thatsache aus dem eigenen Gebiete der Edriophthalmen zur Stütze gegeben werden konnte, da der Bau dieser so in sich abgeschlossenen Gruppe fast unvereinbar schien mit manchen Eigenthümlich- keiten der Zoea. So bildete für mich dieser Punct lange eine der Hauptschwierig- keiten bei Anwendung der Darwin'schen Ansichten auf die Kruster, und kaum durfte ich hoffen, noch jetzt bei Amphipoden oder Asseln Spuren jenes Durch- gangs durch die Zoeaform erhalten zu finden und damit einen thatsächlichen Beweis für die Richtigkeit jenes Schlusses zu erlangen. Da machte mich van Be- neden's Angabe, dass eine Scheerenassel (Tanais Dulongii), nach Milne Edwards Amphipoden. Bei Microdeutopus fühlt man sich sogar versucht, wie schon Spence Bäte hervorhebt, kleine Fortsätze dieses röhrenförmigen Schwanzstückes als verkümmerte Gliedmassen zu deuten. Auch Bell (British Stalk-eyed Crust. pag. XX) will bei Palaemon serratus Gliedmassen des letzten Ringes in Form kleiner beweglicher Spitzen beobachtet haben. Man hat mehrfach versucht, den Leib der höheren Kruster in kleinere aus gleicher Ringzahl ge- bildete Abschnitte zu zerlegen und diese Abschnitte bald aus 3, bald aus 5, bald aus 7 Ringen zusammen- gesetzt, ohne dass einer dieser Versuche sich allgemeiner Zustimmung hätte erfreuen können. Meine eigenen Untersuchungen leiten mich zu einer Auffassung, die sich nahe an die van Beneden's anschliesst. Ich nehme vier Abschnitte von je 5 Ringen an: Urleib, Vorderleib, Hinterleib, Mittelleib. Der Urleib begreift die Ringe, die die Naupliusförmige Larve aus dem Eie mitbringt; später wird er durch die in seiner Mitte sich entwickelnden jüngeren Abschnitte in Kopf und Schwanz getrennt. Diesem Urleibe gehören die beiden Fühlerpaare, die Kinnbacken (mandibulae) und die Schwanzfüsse (posterior pair of pleopoda Sp. B.) an. Noch beim erwachsenen Thiere verräth sich die Zusammengehörigkeit dieser End- abschnitte bisweilen durch die Aehnlichkeit ihrer Anhänge, besonders die des äusseren Astes der Schwanz- füsse mit dem äusseren Aste (der sog. Schuppe) des zweiten Fühlerpaars. Selbst zu Trägern höherer Sinneswerkzeuge können, wie die Fühler, so die Schwanzfüsse werden, wie das Ohr der Mysis zeigt. Die zeitliche Folge der Leibesabschnitte scheint ursprünglich die gewesen zu sein, dass erst der Vorderleib, dann der Hinterleib, zuletzt der Mittelleib sich bildete. Der Vorderleib erscheint beim er- wachsenen Thiere ganz oder zum Theile mit dem Kopfe verschmolzen, seine Anhänge (siagonopoda Westw.) alle oder theilweise der Nahrungsaufnahme dienstbar und meist scharf von denen der folgenden Gruppe geschieden. Die Ringe des Mittelleibes scheinen stets sofort nach ihrem Auftreten Gliedmassen zu treiben, während die Ringe des Hinterleibes oft während längerer Abschnitte des Larvenlebens, oder selbst für immer (bei manchen weiblichen Diastylideen) sich fusslos erhalten ; ein Grund, neben manchen anderen, — den Mittelleib der Krebse nicht, wie es üblich ist, dem stets fusslosen Hinterleibe der Insecten gleichzu- stellen. Die Anhänge des Mittelleibes (pereiopoda) scheinen niemals, selbst nicht in ihrer jugendlichsten Form, zwei gleichwerthige Aeste zu besitzen, — eine Eigenthümlichkeit, die die Anhänge des Hinter- leibes auszuzeichnen pflegt. Es ist dieses ein Umstand, der als wichtiges Bedenken gegen die Gleich- stellung des Mittelleibes der Malacostraca mit dem bei den Copepoden die Schwimmfüsse, bei den Cirri- pedien die Rankenfüsse tragenden Leibesabschnitte geltend zu machen ist. Die Füsse des Hinterleibes und des Schwanzes in eine Gruppe (als fausses pattes abdominales, oder als pleopoda) zusammenzufassen, scheint nicht gerechtfertigt. Wo eine Verwandlung stattfindet, entstehen sie wohl immer zu verschiedenen Zeiten, und durchaus verschieden sind sie fast immer in Bau und Ver- richtung. Selbst bei den Amphipoden, wo die Schwanzfüsse den beiden letzten Paaren der Hinterleibs- füsse ähnlich zu sehen pflegen, sind sie in der Regel durch irgendwelche Eigenthümlichkeit ausgezeichnet, und während die Hinterleibsfüsse in ermüdender Einförmigkeit sich durch die ganze Ordnung wiederholen, gehören bekanntlich die Schwanzfüsse zu den veränderlichsten Theilen des Amphipodenleibes. Für Darwin. ?07 in die gleiche Familie mit der gemeinen Wasserassel gehörig, einen Panzer be- sitze, wie die Decapoden, auf diese Thiere aufmerksam, und eine nähere Unter- suchung ergab, dass diese Asseln treuer, als irgend ein anderer der erwachsenen Kruster manche der wesentlichsten Zoeaeigenthümlichkeiten, namentlich deren Athmungsweise bewahrt haben. Während bei allen anderen Asseln die Hintcr- leibsfüsse der Athmung dienen, sind diese bei unserer Scheerenassel (Fig. 2) reine Bewegungswerkzeuge, in die nie ein Blutkörperchen eintritt, und der Haupt- sitz der Athmung ist, wie bei den Zoea in den von reichlichen Blutströmen durchrieselten Seitentheilen des Pan- zers, unter welchem ein beständiger Wasserstrom hinzieht, erhalten, wie bei Zoea und den erwachsenen Deca- poden, durch einen Anhang des zweiten Kieferpaares, der allen anderen Edri- ophthalmen abgeht. Fig. 2. Tanais dubius (?) Kr. ?. 25mal vergr. Man Beide Entdeckungen, das sei ne- sieht die Eingangsöffnung (x), m die vom Panzer über- , , ., 1 1 1 . T TT7- 1 r^ wölbte Höhlung, in welcher ein Anhang des zweiten benbei bemerkt, dankt dieWlSSenschaft Kieferpaares (/) spielt. An 4 Füssen (i, k, l, m) finden weniger einem glücklichen Zufall, als sich Anlagen der Blätter, die später die Bruthöhle bilden. unmittelbar Darwin und seiner Lehre. Peneusarten leben in den Meeren Europa 's, wie hier ; ihre Naupliusbrut ist sicher manchem der zahlreichen Forscher, die jene Meere ausbeuten, und mir selbst ') wiederholt unbeachtet durch die Hände gegangen ; denn sie hat Nichts, was ihr unter den so mannichfaltigen und oft so wunderlichen Naupliusformen eine besondere Aufmerksamkeit zulenken könnte. Als ich, wegen der Aehnlich- keit der Bewegung in ihr eine junge Peneus-Zoea vermuthend, zum ersten Male eine solche Larve eingefangen hatte, und nun unter dem Mikroskope einen von jenen Zoea himmelweit verschiedenen Nauplius fand, hätte ich diesen ohne Zweifel, als der Entwicklungsreihe, die ich verfolgte, völlig fremd, bei Seite geworfen, wenn nicht gerade der Gedanke an frühere Nauplius-ähnliche Zustände der höheren Krebse, die ich freilich kaum noch in der Gegenwart erhalten glaubte, mich leb- haft beschäftigt hätte. Und hätte ich nicht schon lange unter den Edriophthalmen nach Resten der vorausgesetzten Zoeazustände gesucht und Alles mit Eifer erfasst, was diese widerspenstige Ordnung mir fügsam zu machen versprach, so hätte schwerlich van Beneden's kurze Andeutung mich so elektrisch berührt und zu erneuter Be- schäftigung mit den Scheerenasseln angeregt, und dies um so weniger, da ich schon einmal, an der Ostsee mich mit ihnen geplagt hatte, ohne weiter als meine Vorgänger kommen zu können, und da zweimal auf denselben Gegenstand zurück- zukommen, nic:ht eben nach meinem Geschmack ist. IV. Unsere Scheerenassel, die überhaupt in fast allen Verhältnissen ihres Baues ein höchst merkwürdiges Thier ist, lieferte mir noch eine zweite, für die Lehre von der Entstehung der Arten durch natürliche Züchtung, beachtenswerthe Thatsache, i) Mecznikow fand neuerdings Nauplius-ähnliche Larven von Gameelen im Meer bei Neapel (Anm. aus der engl. Uebersetzung von 1869). 208 Für Darwin. Wo bei den Krustern hand-, oder scheerenförmige Bildungen vorkommen, pflegen dieselben bei den Männchen stärker, als bei den Weibchen entwickelt zu sein, und schwellen bei ihnen oft zu ganz unverhältnissmässiger Grösse an, wie wir es oben bei Melita sahen. Ein bekannteres Beispiel solcher Riesenscheeren liefern die Männchen der sogenannten Winkerkrabben (Gelasimus), von denen man sagt, dass sie diese Scheere ■ beim Laufen „hocherhaben tra- gen, als ob sie damit winkten"; — eine Angabe, die wenigstens nicht für alle Arten richtig ist; eine kleine besonders gross- scheerige Art, die ich z. B. in den Mandioccafeldern an der Mündung des Cambriü zu Tau- senden herumlaufen sah, hält sie stets dicht an den Leib ge- presst. — Eine zweite Eigen- thümlichkeit der Krustermänn- chen besteht nicht selten in einer reichlicheren Entwicklung zar- ter Fäden an der Geissei der vor- deren Fühler, die Spence Bäte Hörfäden (auditory cilia) nennt, und die ich, wie vor mir, ohne dass ich es wusste, Leydig als Riechwerkzeuge deutete. So bilden sie, wie auch van Bene- den für Bodotria angibt, lange dichte Büschel bei den Männchen mancher Diastylideen , deren Weibchen sie nur in spärlicher Anzahl besitzen. Für die Cope- poden machte Claus auf die Ver- schiedenheit der Geschlechter in dieser Beziehung aufmerksam. Es spricht, beiläufig bemerkt, diese stärkere Entwicklung bei den Männchen, wie mir scheint, sehr zu Gunsten der von Leydig und mir ver- tretenen Ansicht, da auch sonst ja die männhchen Thiere nicht selten durch den Geruch beim Aufspüren der brünstigen Weibchen geleitet werden. Bei unserer Scheerenassel nun gleichen die jungen Männchen bis zur letzten der Geschlechtsreife vorausgehenden Häutung den Weibchen ; dann aber erleiden sie eine bedeutende Verwandlung. Sie verlieren unter Anderem die beweglichen Anhänge des Mundes bis auf diejenigen, die der Unterhaltung des Athemstromes dienen; man findet ihren Darm stets leer und sie scheinen nur noch der Liebe zu leben. Was aber das Merkwürdigste ist, sie erscheinen nun unter zwei ver- Fig. 3. Kopf der gewöhnlichen Form der Männchen von Tanais dubius (?) Kr. gomal vergr. Zwischen den Scheeren- füssen ragen die Endborsten des zweiten Fühlerpaares vor. — Fig. 4. Mundgegend desselben, v. unten. X. Oberlippe. — Fig. 5. Kopf der seltneren Form der Männchen, 25mal vergr. — Fig. 6. Fühlergeissel desselben mit den Riechfäden, gomal vergr. Für Darwin. 209 schiedenen Gestalten. Die einen (Fig. 3) bekommen gewaltige, langfingrige, recht bewegliche Scheeren und statt des einzigen Riechfadens der Weibchen deren etwa 12 bis 17, die zu zwei bis drei an den Gliedern der Fühlergeissel stehen. Die andern (Fig. 5) behalten die plumpe Scheerenform der Weibchen ; dafür aber sind ihre Fühler (Fig. 6) mit weit zahlreicheren Riechfäden ausgerüstet, die zu 5 bis 7 beisammen stehen. Zunächst, ehe ich auf deren Bedeutung eingehe, noch ein Wort über die Thatsache selbst. Es war natürlich daran zu denken, ob nicht etwa zwei ver- schiedene Arten mit sehr ähnlichen Weibchen und mehr verschiedenen Männchen zusammenlebten, oder ob nicht die Männchen, statt in zwei scharf geschiedenen Formen aufzutreten, nur innerhalb sehr weiter Grenzen veränderlich wären. Ich kann weder das Eine, noch das Andere annehmen. Unsere Scheerenassel lebt zwischen dicht verfilzten Wasserfäden, die einen etwa zolldicken Ueberzug auf Steinen in der Nähe des Ufers bilden. Bringt man eine Handvoll dieses grünen Filzes in ein grösseres Glas mit reinem Seewasser, so sieht man bald seine Wände sich mit Hunderten, ja Tausenden dieser kleinen plumpen weisslichen Asseln be- decken. So habe ich mit der einfachen Linse manches Tausend, und ich habe mit dem Mikroskope sorgfältig viele Hunderte durchgemustert, aber ich habe keine Verschiedenheiten unter den Weibchen und keine Zwischenformen zwischen den zweierlei Männchen auffinden können. Das Vorkommen nun dieser zweierlei Männchen wird der Schule als blosses Curiosum, es wird denen, welche den ., Schöpfungsplan" als „freie Conception eines allmächtigen Verstandes" ansehen, „welche in dessen Gedanken gereift ist, bevor sich dieselbe in greifbaren, äusseren Formen offenbarte", als blosse Laune des Schöpfers erscheinen, da sie weder aus dem Gesichtspuncte praktischer Zweck- mässigkeit, noch aus dem „typischen Bauplane" erklärbar ist. Von Darwin's Lehre aus erhält dagegen diese Thatsache Sinn und Bedeutung, und sie scheint hin- wiederum geeignet, Licht zu werfen auf eine Frage, in der Bronn „den ersten und erheblichsten Einwand gegen die neue Theorie" erblickte, — wie es möglich sei, dass aus der Häufung in verschiedenen Richtungen auseinanderlaufender kleinster Abänderungen, Abarten und Arten entstehen, die von der Stammform nett und scharf wie ein gestieltes Dicotyledonenblatt sich abheben und nicht mit ihr und untereinander, wie der unregelmässige krause Lappen einer Blätterflechte mit der übrigen Flechtenmasse verfliessen. Lassen wir die noch gleichgebildeten Männchen unserer Scheerenassel, — meinetwegen, wie Bronn will, nach allen beliebigen Richtungen hin, — abzuändern beginnen. War die Art ihren Lebensverhältnissen angepasst, war in dieser Be- ziehung bereits durch natürliche Züchtung das Beste erreicht und gesichert, so hatten neue die Art als Art berührende Abänderungen, als Rückschritte keine Aussicht sich geltend zu machen, mussten vielmehr, wie sie auftauchten, wieder verschwinden und nur für die geschlechtlichen Beziehungen blieb den abändernden Männchen der Kampfplatz geöffnet. Hier konnten sie Vortheile über ihre Mit- bewerber erlangen, indem sie entweder ihre Weibchen besser aufzuspüren oder besser zu fassen vermochten. Die besten Riecher besiegten alle, die ihnen in dieser Beziehung nachstanden, wenn sie nicht andere Vorzüge, etwa kräftigere Scheeren, entgegenzustellen hatten. Die besten Packer besiegten alle schwächer Fritz Müllers gesammelte Schriften. '4 2IO Für Danvin. Fig. 7. Orchestia Darwinii n. sp. Männchen. bewaffneten Kämpen, wenn sie nicht andere Vorzüge, etwa schärfere Sinne, ihnen entgegenstellten. Man begreift, wie auf diese Weise einerseits alle in der Aus- bildung der Riechfäden, andrerseits alle in der Ausbildung der Scheeren minder begünstigten Zwischenstufen vom Kampfplatze verschwinden und zwei scharf ge- schiedene Formen, die besten Riecher und die besten Packer als einzige Gegner übrig bleiben konnten. Zur Zeit scheint sich der Kampf zu Gunsten der letzteren entscheiden zu wollen, da sie in weit überwiegender Mehrzahl, vielleicht zu Hundert auf Einen Riecher vorkommen. Wenn daher Bronn, um auf dessen Einwand zurückzukommen, „gerne zu Gunsten der Darwin'schen Theorie und zur Erklärung, warum nicht viele Arten durch Zwischenglieder in einander verfliessen, noch irgend ein äusseres oder inneres Princip entdecken möchte, welches die Abänderungen jeder Art nur in einer Rich- tung weiter drängte, statt sie in allen Richtungen bloss zu gestatten", — so wird ein solches, wie in diesem, so in vielen anderen Fällen einfach darin zu finden sein, dass eben nur wenige Richtungen offen stehen, nach denen hin die Veränderungen zugleich Verbesserungen sind, in denen also sie sich häufen und befestigen können, während sie in allen anderen als gleichgültig oder nach- theilig „wie gewonnen, so zerronnen" sein werden. Das Vorkommen von zweierlei Männchen bei derselben Art mag vielleicht eine nicht allzu seltene Erscheinung sein bei Thieren, wo sich dieselben weit von der Bildung der Weibchen entfernen. Doch nur bei solchen, die man sich in ge- nügender Menge verschaffen kann, wird es möglich sein, sich zu überzeugen, dass man nicht etwa verschiedene Arten oder verschiedene Altersstufen vor sich habe. Ich kann aus dem Bereiche meiner wenig ausgedehnten Erfahrung ein zweites Beispiel geben. Es betrifft einen Strandhüpfer (Shore-hopper, Orchestia). Das Thier (Fig. 7) lebt an sumpfigen Stellen in der Nähe des Meeres, unter moderndem Laube, in der lockeren Erde, welche die Sumpfkrabben (Gelasimus, Sesarma, C)^clograpsus u. s. w.) um den Eingang ihrer Höhlen aufwerfen, ja unter trockenem Kuh- und Pferdedung. Wie es sich so weiter vom Strande entfernt, als die Mehr- zahl seiner Gattungsgenossen, — (einige freilich gehen meilenweit in's Land, bis auf tausend Fuss hohe Berge, wie O. tahitensis, telluris, sylvicola) — , so entfernt sich das Männchen noch mehr von allen bekannten Arten durch die gewaltigen Scheeren des zweiten Fusspaares. Nur die Orchestia Gryphus, von der sandigen Küste von Mönchgut, zeigt eine entfernt ähnliche Bildung, während sonst die gewöhnliche Handform der Amphipoden sich findet. Namentlich in der Bildung dieser Scheeren nun findet eine erhebliche Verschiedenheit zwischen den Männchen statt, so gross als sie sonst kaum zwischen zwei Arten der Gattung wiederkehrt, und wie bei der Scheerenassel trifft man nicht etwa eine lange Reihe in einander verfliessender Bildungen, sondern nur zwei durch keinerlei Zwischenglieder ver- Für Darwin. 211 bundene Formen (Fig. 8 u. 9). Man würde die Männchen unbedenklich als zwei wohl geschiedene Arten betrachten, wenn sie nicht an gleicher Stelle mit ununter- scheidbaren Weibchen zusammenlebten. Dass nun gerade bei dieser Art die doppelte Scheerenform der Männchen vorkommt, ist insofern beachtenswerth, als die weit von der gewöhnlichen Bildung der anderen Arten abweichende Gestaltung der Scheeren darauf hinweist, dass sie noch neuerdings beträchtliche Veränderungen erlitten habe, und als daher von vornherein gerade bei ihr eher als bei anderen ein solches Vorkommen zu erwarten war. Fig. 8. Fig. 10. $ Fig. 8 u. 9. Die zweierlei Scheeren der Männchen von Orchestia Darwinii. 45 mal vergr. Fig. 10. Hüftblatt des vorletzten Fusspaares vom Männchen, sowie Hüftblatt nebst den drei fol- genden Gliedern desselben Fusspaares vom Weibchen der Melita Messalina. 45mal vergr. Fig. II. Hüftblatt desselben Fusspaares vom Weibchen der Melita insatiabilis. Ich kann mich nicht enthalten, bei dieser Gelegenheit darauf hinzuweisen, dass man (soviel Spence Bate's Katalog ersehen lässt) zu zweierlei verschiedenen Männchen (Orchestia telluris und sylvicola), die zusammen in den Wäldern von Neuseeland gesammelt wurden, erst einerlei Weibchen kennt, und die Vermuthung zu wagen, dass hier ein ähnlicher Fall vorliege. Es ist mir nicht wahrscheinHch, dass von diesen gesellig lebenden Amphipoden zwei nahe verwandte Arten unter den gleichen Lebensbedingungen mit und durcheinander vorkommen sollten. Wie die Männchen mehrerer Melita- Arten durch die mächtige unpaare Kneif- zange, so sind die Weibchen einiger anderen Arten derselben Gattung dadurch vor allen anderen Amphipoden ausgezeichnet, dass bei ihnen eine besondere Vor- richtung entwickelt ist, die dem Männchen das Halten derselben erleichtert. Die Hüftblätter des vorletzten Fusspaares sind in hakenförmige Fortsätze ausgezogen, an die sich das Männchen mit den Händen des ersten Fusspaares festklammert. Die beiden Arten, von denen ich diese Bildung kenne, gehören zu den begattungs- eifrigsten Thieren ihrer Ordnung, selbst Weibchen, die mit Eiern auf beliebiger 14* 212 Für Darwin. Entwickelungsstufe beladen sind, haben nicht selten ihr Männchen auf dem Rücken. Beide Arten sind nahe verwandt mit der an den europäischen Küsten weit ver- breiteten und häufig untersuchten Melita palmata Leach (Gammarus Dugesii Edw.) ; leider aber finde ich keinen Aufschluss darüber, ob auch die Weibchen dieser oder einer andern europäischen Art eine ähnliche Vorrichtung besitzen; bei Melita exilii sind alle Hüftblätter von gewöhnlicher Bildung. Doch, wie dem auch sei, mögen sie nun bei zwei oder bei zwanzig Arten sich finden, jedenfalls ist das Vorkommen jener eigenthümlichen hakenförmigen Fortsätze ein sehr beschränktes. Unsere beiden Arten nun leben geschützt unter flach aufliegenden Steinen in der Nähe des Ufers, die eine, Melita Messalina, so hoch, dass sie nur selten vom Wasser bedeckt wird, die andere, Melita insatiabilis, ein wenig tiefer; beide Arten leben in zahlreichen Schaaren beisammen. Weder ist also zu erwarten, dass häufiger als bei anderen Arten den Liebespaaren störende Einflüsse drohen, noch auch würde es dem Männchen, das etwa sein Weibchen verlöre, schwerer werden als denen anderer Arten, ein neues zu finden. Ebensowenig ist abzusehen, wie diese das Begattungsgeschäft sichernde Vorrichtung am Körper des Weibchens anderen Arten nachtheilig sein könnte. So lange aber weder nachgewiesen ist, dass unsere Arten dieser Vorrichtung besonders bedürftig sind, oder dass dieselbe anderen Arten mehr schädlich als nützlich sein würde, so lange wird man ihr Vorhandensein nur bei diesen wenigen Amphipoden als Werk nicht einer voraus berechnenden Weisheit, sondern eines von der natürlichen Züchtung benutzten glücklichen Zufalls ansprechen dürfen. Bei letzterer Annahme ist das so vereinzelte Vorkommen be- greiflich, während man nicht absieht, warum der Schöpfer mit einer Vorrichtung, die er doch mit dem „allgemeinen Bauplane" der Amphipoden vereinbar fand, gerade nur diese wenigen Arten beglückte und sie anderen versagte, die unter gleichen äusseren Verhältnissen leben und selbst in dem ungewöhnlichen Be- gattungseifer ihnen gleichen. In Gesellschaft oder nächster Nachbarschaft der beiden Melita leben nämlich zwei Allorchestes, von denen man ebenfalls fast mehr Pärchen, als einzelne Thiere trifft und deren Weibchen doch nichts von jenen Fortsätzen der Hüftblätter zeigen. Wie diesen, so wird man, meine ich, gegen die von Agassiz mit so viel Geist und Sachkenntniss vertretene Auffassung der Arten als verkörperter Gedanken des Schöpfers alle ähnlichen Fälle geltend machen dürfen, in welchen Einrich- tungen, die allen Arten einer Gruppe gleich nützlich sein würden, der Mehrzahl fehlen und nur einzelnen bevorzugten Günstlingen, die deren nicht mehr als andere bedürftig erscheinen, sich zugetheilt finden. V. Unter den auch in der Naturgeschichte der Kruster zahlreichen Thatsachen, auf die von Darwin's Lehre aus ein neues helles Licht fällt, ist mir neben den zwiefältigen Männchen unserer Scheerenassel und der Orchestia Darwinii noch eine besonders wichtig erschienen, — das Verhalten der Kiemenhöhle bei den luft- athmenden Krabben, von denen ich leider einige der merkwürdigsten (Gecarcinus, Ranina) noch nicht untersuchen konnte. Da dies Verhalten, das Vorhandensein eines hinter den Kiemen gelegenen Eingangs, selbst als Thatsache bisher nur bei Ranina beachtet wurde, will ich etwas näher darauf eingehen. Ich erwähnte Für Darwin. 213 schon, dass, wie es Darwin's Lehre fordert, diese Eingangsöffnung bei den ver- schiedenen Familien in verschiedener Weise zu Stande kommt. Bei der Froschkrabbe (Ranina) des indischen Meeres, die sich nach Rumph bis auf die Dächer der Häuser zu versteigen Hebt, fehlt nach Milne Edwards die gewöhnliche vordere Eingangsöffnung ganz und der Eingang eines in den hintersten Theil der Kiemenhöhle mündenden Canales findet sich unter dem An- fang des Hinterleibes. Am einfachsten ist die Sache bei mehreren Grapsoiden. So bei Aratus Pisonii, einer allerliebsten, lebhaften Krabbe, die auf die Manglebüsche (Rhizophora) steigt und deren Blätter benagt. Mit ihren kurzen, aber ungemein spitzen Klauen, die wie Stecknadeln prickeln, wenn sie einem über die Hand läuft, klettert sie mit grosser Behendigkeit die dünnsten Zweiglein hinauf. Als ich einmal ein solches Thier auf meiner Hand sitzen hatte, sah ich, wie es den hinteren Theil seines Panzers hob, und wie sich dadurch jederseits über den letzten Füssen eine breite Spalte erschloss, durch die ich tief in die Kiemenhöhle hineinsehen konnte. Ich habe seitdem das merkwürdige Thier mir nicht wieder verschaffen können, dagegen konnte ich dieselbe Beobachtung oft wiederholen an einem anderen Thiere derselben Familie (einem echten Grapsus, wie es scheint), das häufig an den Felsen unserer Küste lebt. Während der hintere Theil des Panzers sich hebt und die erwähnte Spalte sich bildet, scheint zugleich der vordere Theil sich zu senken und die vordere Eingangsöffnung zu verengen oder ganz zu schliessen. Unter Wasser findet das Heben des Panzers nie statt. Das Thier öffnet also seine Kiemenhöhle vorn oder hinten, je nachdem es Wasser oder Luft zu athmen hat. — Wie das Heben des Panzers zu Stande kommt, weiss ich nicht, doch glaube ich, dass es dadurch geschieht, dass ein häutiger Sack, der unter dem hinteren Theile des Panzers aus der Leibeshöhle weit in die Kiemenhöhle hineinragt, durch Hinein- treiben der Leibesflüssigkeit angeschwellt wird. — Dasselbe Heben des Panzers beobachtete ich auch bei einigen Arten der verwandten Gattungen Sesarma und Cyclograpsus, die in sumpfigem Boden tiefe Löcher graben und manchmal auf dem feuchten Schlamme herumlaufen, oder wie lauernd vor ihren Löchern sitzen. Man muss aber bei diesen Thieren sich oft lange gedulden, ehe sie, dem Wasser entnommen, ihre Kiemenhöhle der Luft erschliessen, denn es besteht bei ihnen eine wundervolle Vorrichtung, vermöge deren sie auch ausser Wasser noch eine Zeitlang Wasser zu athmen fortfahren können. — Die Oeffnungen zum Austritt des Wassers, das der Athmung gedient hat, liegen bekanntlich bei diesen, wie bei den meisten Krabben in den vorderen Ecken des Mundrahmens (cadre buccal Edw.), während von dessen hinteren Ecken aus die Eingangsspalten der Kiemenhöhle über dem ersten Fusspaare sich hin- ziehen. Der Theil des Panzers nun, der zu den Seiten des Mundes zwischen den beiderlei Offnungen sich hinzieht (die regions pterygostomiennes), erscheint bei unseren Thieren, und schon Milne Edwards hat das als eine besonders auffallende Eigenthümlichkeit derselben hervorgehoben, in kleine quadratische Feldchen von äusserster Regelmässigkeit getheilt. Dieses Aussehen ist bedingt theils durch kleine warzenförmige Erhöhvmgen, theils und vorzugsweise durch eigenthümlich knieförmig gebogene Haare, die gewissermaassen ein dicht über der Oberfläche des Panzers ausgespanntes feines Netz oder Haarsieb bilden. Tritt nun eine 214 Für Darwin. Wasserwelle aus der Kiemenhöhle aus. so verbreitet sie sich im Nu in diesem Haarnetze und wird durch angestrengte Bewegungen des in der Eingangsspalte spielenden Anhanges der äusseren Kieferfüsse der Kiemenhöhle wieder zugeführt. Während das Wasser so als dünne Schicht über dem Panzer hingleitet, wird es sich wieder mit Sauerstoff sättigen und dann aufs Xeue der Athmung dienen können. Zur Vervollständigung dieser Einrichtung tragen die äussern Kieferfüsse, wie ebenfalls längst bekannt, eine vorspringende, mit dichtem Haarsaum bedeckte Leiste, die vorn nahe der Mittellinie beginnt und nach hinten und aussen zur hintern Ecke des Mundrahmens sich hinzieht. Die beiden Leisten der rechten und linken Seite bilden also zusammen ein Dreieck mit nach vorn gewandter Spitze, einen Wogenbrecher, durch welchen das der Kiemenhöhle entströmende Wasser vom Munde abgehalten und der Kiemenhöhle wieder zugeleitet wird. — In recht feuchter Luft kann der in der Kiemenhöhle enthaltene Wasservorrath stundenlang Fig. 13- Fig. 12. vorhalten und erst, wenn er zu Ende geht, hebt das Thier seinen Panzer, um von hinten her Luft zu den Kiemen treten zu lassen. Bei Eriphia gonagra liegen die der Luft- athmung dienenden Eingangsöffnungen der Athemhöhle nicht wie bei den Grapsoiden über, sondern hinter dem letzten Fusspaare, zu den Seiten des Hinterleibes. Bei den sehn eil füssigen Sandkrabben (Ocy- poda), ausschliesslichen Landthieren, die im Wasser kaum einen Tag sich lebend erhalten, während weit früher schon ein Zustand gänz- licher Erschlaffung eintritt und alle willkür- lichen Bewegungen aufhören ^), kennt man schon längst, ohne jedoch ihren Zusammen- hang mit der Kiemenhöhle zu ahnen, eine eigenthümliche Vorrichtung an den Füssen des dritten und vierten Paares (Fig. 1 2). Diese beiden Fusspaare sind dichter als die übrigen aneinandergerückt; die einander zugewendeten Flächen ihrer Grundglieder, also die hintere Fläche am dritten, die vordere am vierten Fusse, sind eben, glatt, und ihre Ränder tragen einen dichten Besatz langer seidenglänzender, eigenthümlich ge- stalteter Haare (Fig. 13). Milne Edwards, der ihrem Aussehen nach diese Flächen passend mit Gelenkflächen vergleicht, meint, dass sie dazu dienen, die Reibung zwischen den beiden Füssen zu vermindern. Man musste sich bei dieser Deutung fragen, wie denn gerade bei diesen Krabben und gerade nur zwischen diesen beiden Füssen eine solche die Reibung mindernde Vorrichtung nöthig werde. Fig. 1 2. Hinterer Eingang in die Kiemenhöhle von Ocypoda rhombea Fabr. Nat. Gr. Der Panzer und der 4. Fuss der rechten Seite sind entfernt. Fig. 13. Spitzen einiger Haare vom Grundglied des 3. Fusses. 45mal vergr. i) Da dies nicht im Meere, sondern in Gläsern mit Seewasser beobachtet wurde, konnte man denken, dass die Thiere ermatten und sterben, nicht weil sie unter Wasser sind, sondern weil sie den darin enthaltenen Sauerstoff aufgezehrt. Ich brachte daher in dasselbe Wasser, aus dem ich eben eine bewusst- lose Ocypoda genommen hatte, deren Beine schlaff niederhingen, eine Lupea diacantha, die durch Ver- weilen an der Luft in gleichen Zustand gerathen war, und wie jene in der Luft, erholte sich diese im Wasser. Für Darwin. 215 abgesehen davon, dass die sonderbaren Haarbürsten, die ja im Gegentheil die Reibung mehren mussten, unerklärt bleiben. Indem ich nun die Füsse einer grossen Sandkrabbe in mancherlei Richtungen hin und herbog, um zunächst zu sehen, bei welchen Bewegungen des Thieres Reibung an der bezeichneten Stelle stattfinde, und ob dies vielleicht ihm besonders wichtige, oft wiederkehrende Be- wegungen seien, — bemerkte ich, als ich die Füsse weit auseinander gespreizt hatte, in der Tiefe zwischen ihnen eine ansehnliche runde Oeffnung, durch die sich leicht Luft in die Kiemenhöhle einblasen, oder auch ein feines Stäbchen einführen Hess. Die Oeffnung mündet in die Kiemenhöhle hinter einem kegelförmigen Zapfen, der an Stelle einer bei Ocypoda fehlenden Kieme über dem dritten Fusse steht. Sie wird seitlich begrenzt von Leisten, die sich oberhalb der Einlenkung der Füsse erheben und an die sich der untere Rand des Panzers anlegt. Auch nach aussen wird sie bis auf eine schmale Spalte von diesen Leisten überwölbt. Ueber diese Spalte legt sich der Panzer, der gerade hier weiter als sonst nach unten vorspringt, und so wird eine vollständige Röhre gebildet. Während Grapsus Wasser immer nur von vorn her zu seinen Kiemen treten lässt, sah ich dasselbe bei Ocypoda auch durch die soeben besprochene Oeffnung einströmen. Mit Ocypoda stimmen in der Lage der hinteren Eingangsöffnung und den sie begleitenden Eigenthümlichkeiten des dritten und vierten Fusspaares zwei andere dem Wasser entfremdete Arten derselben Familie überein, die ich zu unter- suchen Gelegenheit hatte. Die eine, vielleicht der Gelasimus vocans, die in Mangle- sümpfen lebt, und die Oeffnung ihrer Höhle mit einem dicken, mehrere Zoll hohen, walzenförmigen Schornstein zu versehen liebt, hat die Bürsten am Grundgliede der betreffenden Füsse aus gewöhnlichen Haaren gebildet. Die andere, ein kleinerer Gelasimus, in M. Edwards' Naturgeschichte der Kruster nicht verzeichnet, die trocknere Stellen liebt und sich nicht scheut, unter der scheitelrechten Mittags- sonne eines Decembertages im glühenden Sande umherzuschweifen, aber auch im Wasser wenigstens mehrere Wochen lang auszudauern vermag, hat dagegen in diesen Bürsten, wie Ocypoda, borstenlose, zarte, ja noch zartere und regelmässiger eingeschnürte Haare ^). Was diese eigenthümlichen Haare bedeuten mögen, ob sie nur fremde Körper von der Kiemenhöhle abhalten, ob sie der vorbeiströmenden Luft Feuchtigkeit geben, oder ob sie etwa, wie ihr Ansehen namentlich bei dem kleinen Gelasimus an die Riechfäden der Krabben erinnert, so auch ähnliche Dienste leisten, das gebührend zu erörtern würde uns zu weit von unserem Gegen- stande abführen. Doch sei bemerkt, dass bei beiden Arten, besonders bei Ocypoda, die Riechfäden an der gewöhnlichen Stelle sehr verkümmert sind, und ihre Fühler- geissein im Wasser nie die eigenthümlichen schlagenden Bewegungen ausführen, wie man sie bei anderen Krabben und auch bei den grösseren Gelasimus sieht, und dass allerdings wohl bei diesen luftathmenden Krabben, wie bei den luft- athmenden Wirbelthieren, der Sinn des Geruchs am Eingange der Athemhöhle zu suchen sein dürfte. i) Dieser kleinere Gelasimus ist auch dadurch merkwürdig, dass bei ihm besonders augenfällig der chamäleontische Farbenwechsel hervortritt, den manche Krabben zeigen. Der Panzer eines Männchens, das ich eben vor mir habe, prangte vor fünf Minuten, als ich es fing, in seinem hinteren Theile in blendendem Weiss ; jetzt zeigt er an derselben Stelle ein mattes Grau. 2l6 Für Darwin. Soweit das Thatsächliche in Betreff des Luftathmens der Krabben. Es ist schon oben angedeutet worden, weshalb Darwin's Lehre fordert, dass, wenn über- haupt besondere Einrichtungen für die Luftathmung bestanden, dieselben ver- schieden in den verschiedenen Eamilien gebildet seien. — Dass die Erfahrung mit dieser Forderung in vollem Einklang steht, wird um so schärfer zu Gunsten Darwin's betont werden dürfen, als die Schule, weit entfernt, so tiefgreifende Ver- schiedenheiten voraussehen oder erklären zu können, dieselben vielmehr als etwas höchst Verwunderliches wird betrachten müssen. Wenn bei den nahe verwandten Familien der Ocypodiden und Grapsoiden die grösste Uebereinstimmung herrscht in allen wesentlichen Verhältnissen ihres Baues, wenn für alles Andere, für die Sinne, für die Gliederung der Gliedmassen, für jedes Stäbchen und Haarbüschelchen des verwickelten Magengerüstes, für das Herz und den Kreislauf, wenn für die der Wasserathmung dienenden Einrichtungen bis auf die mikroskopischen Häkchen an den Haaren der die Kiemen abfegenden Geissein derselbe Bauplan sklavisch festgehalten ist, woher nun auf einmal diese Ausnahme, diese völlige Verschieden- heit für die Luftathmung? Die Schule wird kaum eine Antwort haben auf diese PYage, sie müsste sich denn auf den mit Recht unter uns in Verruf gekommenen theologisch-teleologischen Standpunct stellen wollen, von dem aus das Zustandekommen einer Einrichtung als erklärt gilt, wenn man ihre „Zweckmässigkeit" für das Thier nachweisen kann. Von diesem aus würde man allerdings sagen können, dass eine über den hinteren Füssen weitklaffende Spalte, die für Aratus Pisonii zwischen dem Laube der Manglebüsche nichts Bedenkliches hatte, nicht passte für die im Sande lebende Ocypoda; dass um dem Eindringen des Sandes vorzubeugen, hier die Oeffnung der Kiemenhöhle an deren tiefster Stelle angebracht, dass sie von ihr aus abwärts gerichtet, dass sie tief zwischen breiten mit schützenden Haarbürsten umsäumten Flächen verborgen sein musste. — Es liegt diesen Blättern fern, im Allgemeinen auf eine Zurückweisung jener Zweckmässigkeitslehre einzugehen. Dem vielen Trefflichen, was seit Spinoza hierüber gesagt ist, wäre auch kaum etwas Wesent- liches nachzutragen. Nur das möge bemerkt sein, dass ich es gerade als eine der wichtigsten Leistungen der Darwin'schen Lehre ansehe, die nun einmal auf dem Gebiete des Lebens unabweisbaren Nützlichkeitsbetrachtungen ihrer mystischen Ueberschwenglichkeit entkleidet zu haben. — Für den vorliegenden Fall genügt es, auf den Gelasimus der Manglesümpfe hinzuweisen, der hier mit verschiedenen Grapsoiden dieselben äusseren Verhältnisse theilt, und doch nicht mit ihnen, sondern mit der sandbewohnenden Ocypoda übereinstimmt. VI. Kaum minder schlagend als das Beispiel der luftathmenden Krabben ist das Verhalten des Herzens in der Abtheilung der Edriophthalmen, die man billig nach dem Vorgange von Dana und Spence Bäte, nur in zwei Ordnungen, die Amphipoden und die Asseln, theilt. Bei den Amphipoden, denen die genannten Forscher mit Recht auch die Caprellen und Wallfischläuse (die Lämodipoden Latreille's) zuzählen, hat das Herz unveränderlich dieselbe Lage; es dehnt sich als langer Schlauch durch die sechs dem Kopfe folgenden Ringe und hat drei Paar mit Klappen versehener Für Danvin. 217 Spalten zum Eintritt des Blutes, die im zweiten, dritten und vierten dieser Ringe liegen. So fanden es La Valette bei Niphargus (Gammarus puteanus) und Claus bei Phronima, und ebenso fand ich es bei einer ansehnlichen Zahl von Arten aus den verschiedensten Familien ^). Die einzige, unerhebliche Ausnahme, auf die ich bis jetzt gestossen bin, bietet die Gattung Brachyscelus 2) ; hier besitzt das Herz nur zwei Spaltenpaare, indem es nach vorn nur bis in den zweiten Leibesring reicht und des sonst in diesem Ringe liegenden Spaltenpaares entbehrt. ^) Dieser Einförmigkeit gegenüber, die das Herz in der ganzen Ordnung der Amphipoden zeigt, muss es sehr auffallen, es in der nächststehenden Ordnung der Asseln als eines der veränderlichsten Organe wiederzufinden. Bei den Scheerenasseln (Tanais) gleicht das Herz durch seine langstreckige Schlauchform, sowie durch Zahl und Lage der Eingangsspalten dem Amphipoden- herzen, mit dem Unterschiede jedoch, dass die beiden Spalten jedes Paares nicht genau einander gegenüberliegen. Bei allen übrigen Asseln ist das Herz nach dem Hinterleibe hingerückt. Bei den wunderlich missgestalteten Binnenasseln der Porzellankrebse (Entoniscus Porcellanae) ist das kuglige Herz des Weibchens auf eine kurze Strecke des lang- gezogenen ersten Hinterleibsringes beschränkt und scheint ein einziges Spaltenpaar zu besitzen. Bei dem Männchen des Entoniscus Cancrorum n. sp. (Fig. 16) Hegt das Herz im dritten Hinterleibsringe. Bei den Schildasseln (Cassidina) ist das Herz (Fig. 14) ebenfalls kurz und mit zwei Spaltenpaaren versehen, die im letzten Ringe des Mittelleibes und dem ersten des Hinterleibes liegen. Bei einer jungen Fischassel i) Besonders bequem für die Beobachtung der Herzspalten pflegen die Jungen im Ei, kurz vor dem Ausschlüpfen, zu sein; sie sind meist genügend durchsichtig, die Bewegungen des Herzens sind weniger stürmisch, als später, und sie liegen still selbst ohne den Druck eines Deckglases. — Bei der her- kömniHchen Ansicht von der Verbreitung der Amphipoden, dass sie an Mannichfaltigkeit polwärts zu-, nach dem Aequator hin abnehmen, mag man es befremdlich finden, wenn ich von einer ansehnlichen Artenzahl an einer subtropischen Küste rede. Ich bemerke also, dass ich in wenigen Monaten und ohne grössere, vom Strande aus unzugängliche Tiefen auszubeuten, 38 verschiedene Arten auffand, darunter 34 neue, — was mit den früher, namentlich durch Dana bekannt gewordenen schon 60 brasihanische Amphi- poden ergiebt, während Kröyer in seinen „Grönlands Amfipoder" aus dem damals schon von weit zahl- reicheren Forschern durchsuchten arctischen Meere mit Einschluss von 2 Lämodipoden nur 28 Arten kannte. 2) Nach Milne Edwards' Anordnung würden die Weibchen dieser Gattung zu den Hyperines ordinaires, die bisher unbekannten Männchen zu den Hyperines anormales gehören, deren unterscheidendes Merkmal, die wunderlichen zickzackförmig zusammengelegten unteren Fühler, überhaupt eben nur eine Geschlechtseigenthümlichkeit männlicher Thiere ist. Bei dem Systematisiren nach einzelnen todten Exem- plaren, über deren Geschlecht, Alter u. s. w. man nichts weiss, sind ähnliche Missgriffe unvermeidlich. So hat, um ein anderes Beispiel aus neuester Zeit zu geben, ein berühmter Fischkenner, Bleeker, kürzlich zwei Gruppen der Cyprinodonten dadurch unterschieden, dass die einen, Cyprinodontini, eine pinna analis non elongata, die andern, Aplocheilini, eine pinna analis elongata haben sollen; danach würden von einem hier sehr häufigen Fischchen die Weibchen zur ersten, die Männchen zur zweiten Gruppe gehören. Solche Missgriffe sind, wie gesagt, für den »dry skin philosopher« unvermeidlich und deshalb verzeihlich; sie beweisen aber immerhin, wie grundsatz- und haltlos vielfach noch die heutige Systematik ins Blaue hinein geht, und wie sehr sie des untrüglichen Prüfsteins für den Werth der verschiedenen Merkmale bedürftig ist, den Darwin's Lehre ihr zu geben verspricht. 3) In Milne Edwards' Le(;ons sur la physiol. et l'anat. comp. III. p. 197 finde ich die Angabe, dass nach Frey und Leuckart das Herz der Caprella linearis fünf Paar Spalten besitze; ich habe voll- kommen durchsichtige junge Caprellen untersucht, — wahrscheinlich Junge der Caprella attenuata Dana, mit der sie zusammen vorkamen, — aber nur die gewöhnlichen drei Spaltenpaare finden können. 2l8 Für Darwin. (Anilocra) endlich (Fig. 15) sehe ich das Herz durch die ganze Länge des Hinter- leibes sich erstrecken und mit vier (oder fünf?) Spalten versehen, die nicht paar- weise, sondern abwechselnd in dem einen Ringe links, im nächsten rechts gelegen sind. Bei anderen Thieren dieser Ordnung, die ich bis jetzt nur beiläufig untersuchte, werden sich voraussichtlich noch weitere Verschiedenheiten finden lassen. Woher nun in zwei einander so nahe stehenden Ordnungen dort jene Be- ständigkeit, hier diese Veränderlichkeit desselben hpchwichtigen Organes? Von der Schule wird man keine Erklärung erwarten dürfen, sie wird entweder die Erörterung des Woher als ihrem Gebiete fremd, als jenseit der Grenzen der Naturwissenschaft liegend ablehnen, — oder auch durch eine hochtönende, mit grie- Fig. 15- Fig. 14 Fig. 14. Herz einer jungen Cassidina. — Fig. 15. Herz einer jungen Anilocra. — Fig. 16. Hinterleib des Männchens von Entoniscus Cancrorum. h. Herz. /. Leber. chischen Worten reich durch- spickte Umschreibung des That- bestandes den zudringlichen Fra- ger zu verblüffen suchen. Da ich leider mein Griechisch vergessen, ist mir der zweite Ausweg ver- schlossen ; da ich aber zum Glück nicht zu den zünftigen Meistern, sondern, mit Freiherrn von Lie- big zu reden, zu den „Spazier- gängern an den Grenzen der Naturwissenschaft" zähle, kann mich jenes zimperliche Beden- ken der Schule nicht abhalten, eine Antwort zu suchen, die sich denn auch von Darwin's Stand- puncte aus in ungezwungenster Weise bietet. Da ausser den Scheerenasseln, welche anderweite Gründe als der Urassel besonders nahestehend anzusehen berechtigen (s. o.), und ausser den Amphipoden auch die Krabben und Krebse ein Herz mit drei Spaltenpaaren und in wesentlich gleicher Lage besitzen, — da dieselbe Lage des Herzens sogar bei den Embryonen der Heuschreckenkrebse (Squilla) wiederkehrt (s. u.), wo das Herz des erwachsenen Thieres und selbst schon, wie ich anderwärts zeigte, das weit von der Reife ent- fernter Larven als langer Schlauch mit zahlreichen Oeffnungen sich weit durch den Hinterleib streckt, — so darf man unbedenklich das Amphipodenherz als Urform des Edriophthalmenherzens ansehen. Da ferner bei diesen Thieren das Blut von den Athemwerkzeugen ohne Gefässe dem Herzen zuströmt, liegt es auf der Hand, wie vortheilhaft eine möglichst genäherte Lage dieser Organe ihnen sein muss. Als Urform der Athmungsweise hat man Grund, das bei den Scheeren- asseln bestehende Verhältniss (s. o.) zu betrachten. Wo nun später, wie bei der Mehrzahl der Asseln, Kiemen am Hinterleibe sich entwickelten, änderte sich, indem es ihnen näher rückte, Lage und Bildung des Herzens, ohne dass für diese jüngere Bildungsweisc sich wieder ein gemeinsamer Plan herausstellte, entweder weil diese Umwandlung des Herzens erst nach der Scheidung der Stammform in unter- geordnete Gruppen stattfand, oder weil wenigstens zur Zeit dieser Scheidung das Für Darwin. 219 abändernde Herz sich noch in keiner neuen Form befestigt hatte. Wo dagegen die Athmung dem vorderen Theile de§ Leibes verbUeb, — sei es in der ursprüng- lichen Weise der Zoea, wie bei den vScheerenasseln, sei es, indem Kiemen am Mittelleibe sich entwickelten, wie bei den Amphipoden, — da vererbte sich un- verändert auch die Urform des Herzens, weil etwa auftauchende Abweichungen eher Nachtheil, statt Vortheil brachten und sofort wieder untergingen. Ich schliesse diese Reihe vereinzelter Beispiele mit einer Beobachtung, die freilich nur zur Hälfte ins Bereich der Kruster fällt, auf das sich diese Blätter beschränken wollen, und auch mit den eben besprochenen Verhältnissen keinen weiteren Zusammenhang hat, als den, nur von Darwin's Lehre aus eine „verständ- liche und Verständniss bringende Thatsache" zu sein. Als ich dieser Tage eine Lepas anatifera öffnete, um das Thier mit der Beschreibung in Darwin's „Mono- graph on the Subclass Cirripedia" zu vergleichen, stiess ich im Gehäuse dieses Rankenfüssers auf einen blutrothen Ringelwurm mit kurzem, flachen Leibe, etwa Y2 Zoll lang bei 2 Linien Breite, mit 25 Leibesringeln, ohne vorspringende Borsten- höcker und ohne Gliedfäden. Der kleine Kopflappen trug 4 Augen und 5 Fühler ; jeder Leibesring jederseits am Rande ein schief aufwärts gerichtetes Büschel ein- facher Haarborsten und ziemlich entfernt davon auf der Bauchseite eine Gruppe dickerer Borsten mit stark hakig gebogener zweizackiger Spitze. Ausserdem fand sich über jedem der seitlichen Borstenbüschel eine Kieme, einfach an wenigen der vordersten Ringe, weiterhin und bis zum Ende des Leibes stark baumförmig verästelt. Das Thier, ein mit Eiern gefülltes Weibchen, gehört nach alledem offenbar in die Familie der Amphinomiden, die einzige Familie, deren Angehörige als treffliche Schwimmer im offenen Meere leben. — Dass dasselbe sich nicht zu- fällig zur Lepas verirrt habe, sondern ihr als regelmässiger bleibender Gast zu- gehöre, dafür bürgt seine im Verhältniss zu dem schmalen Eingange des Lepas- gehäuses erhebliche Grösse, der vollständige Mangel des Regenbogenschimmers, der die Haut freilebender Ringelwürmer und namentlich auch der Amphinomiden auszuzeichnen pflegt, die Bildung und Stellung der unteren Borsten u. s. w. — Dass nun aber gerade ein Wurm aus der Familie der im hohen Meere lebenden Amphinomiden in der ebenfalls an Holz, Rohr u. dgl. im Meere fluthenden Lepas als Gast sich findet, ist ohne Weiteres verständlich vom Standpuncte der Darwin- schen Lehre aus, während die Verwandtschaft dieses Schmarotzers mit den frei- lebenden Würmern des offenen Meeres völlig unbegreiflich bleibt bei der Annahme, dass er selbstständig für den Aufenthalt in der Lepas geschaffen wurde. Wie günstig nun auch für Darwin sich die besprochenen Beispiele ausnehmen, man wird ihnen, und das mit vollem Recht, das Bedenken entgegenstellen dürfen, dass es eben nur vereinzelte Thatsachen sind, die bei weit über das unmittelbar Gegebene hinausgehenden Betrachtungen nur zur leicht mit dem täuschenden Schimmer des Irrhchts von der rechten Bahn abziehen. Je hochragender der Bau, um so breiter muss die sichernde Unterlage wohl gesichteter Thatsachen sein. Wenden wir uns denn zu einem weiteren Felde, der Entwickelungsgeschichte der Kruster, auf dem die Wissenschaft bereits eine bunte Fülle merkwürdiger Thatsachen zusammengetragen hat, die aber für sie ein wüstes Haufwerk unhand- lichen Rohstoffs geblieben sind, und sehen wir, wie unter Darwin's Hand diese zerstreuten Werkstücke zu einem wohlgefügten Baue sich zusammenschliessen, in 220 Für Darw'in. dem jedes, tragend und getragen, seine bedeutsame Stelle findet. Unter Darwin's Hand, — denn ich werde Nichts zu thun haben, als eben die Bausteine an die Stelle zu setzen, die' seine Lehre ihnen anweist. „Wenn die Könige baun, haben die Kärrner zu thun." VII. Ueberblicken wir zunächst die vorliegenden Thatsachen. Unter den stieläugigen Krustern (Podophthalma) kennt man nur äusserst wenige Arten, die in der Gestalt der Eltern, mit vollzähligen, wohlge- gliederten Leibesanhängen das Ei verlassen. So nach Rathke ^) der europäische Flusskrebs und nach Westwood eine westindische Landkrabbe (Gecarcinus). Beide Ausnahmen gehören also zu der geringen Zahl im süssen Wasser oder auf dem Lande lebender Krabben und Krebse, — wie ja auch in manchen anderen FäUen Süsswasser- und Landthiere der Verwandlung entbehren, während ihre Verwandten im Meere eine solche durchlaufen. Ich erinnere an die vorwiegend dem süssen Wasser und dem Lande angehörigen Regenwürmer und Blutegel unter den Ringelwürmern, an die Plattwürmer des süssen Wassers und das Tetrastemma der salzarmen Ostsee unter den Strudelwürmern, an die Lungenschnecken und an die Flusskiemenschnecken, deren Junge (nach Troschel's Handb. der Zoologie) keine mit Wimpern besetzte Mundlappen tragen, während die der so ähnlichen Strand- schnecken (Littorina) sie besitzen. Alle Meerbewohner dieser Abtheilung scheinen eine mehr oder minder be- trächtliche Verwandlung zu bestehen. Nur unerheblich scheint dieselbe beim Hummer zu sein, dessen Brut nach van Beneden sich dadurch vom erwachsenen Thiere unterscheidet, dass ihre Füsse nach Art der Mysis einen frei nach aussen ragenden Schwimmast besitzen. Auch scheinen, nach einer von Couch gegebenen Abbildung, die Anhänge des Hinterleibes und Schwanzes noch zu fehlen. Weit tiefer greifend ist die Verschiedenheit der jüngsten Brut vom ge- schlechtsreifen Thiere bei der weit überwiegenden Mehrzahl der Podophthalmen, die als Z o e a das Ei verlassen. Diese Jugendform findet sich, soweit die bisherigen Erfahrungen reichen, bei allen Krabben, mit alleiniger Ausnahme jener einen \'on Westwood untersuchten Art. Ich sage Art und nicht Gattung, denn Vaughan Thompson fand bei derselben Gattung Gecarcinus Zoeabrut '^), die auch bei anderen landbewohnenden Krabben (Ocypoda, Gelasimus etc.) getroffen wird. — Alle Anomuren scheinen ebenfalls als Zoea ihren Lebenslauf zu beginnen; so die Porcellanen, die Tatuira (Hippa emerita) und die Einsiedlerkrebse. Unter den 1) Gewährsmänner sind nur angeführt bei Thatsachen, die ich selbst zu bestätigen keine Gelegen- heit hatte. 2) Bell (Brit. Stalk-eyed Crust. pg. XLV) hält sich berechtigt, Thompson's Beobachtung ohne Weiteres zu „eliminiren", weil derselbe nur Eier tragende Weibchen in Weingeist habe untersuchen können. Wer sich aber so viel mit der Entwicklung dieser Thieie beschäftigt, wie Thompson, musste sehr wohl auch an Eiern, die von der Reife nicht allzufern und nicht allzuschlecht erhalten waren, un- zweideutig erkennen können, ob daraus eine Zoea ausschlüpfen werde. Zudem spricht zu Thompson's Gunsten die Lebensweise der Landkrabben. „Jährlich einmal" erzählt Troschel's Ilandb. der Zoologie, „wandern sie in grossen Schaaren zum Meere, um ihre Eier abzulegen, und nachher sehr entkräftet zu ihren Wohnplätzen zurück, welche nur von Wenigen erreicht werden." — Wozu diese aufreibenden Wanderungen zum Meere bei Arten, deren Junge als Landthiere das Ei und die Mutter verlassen? — Für Darwin. 221 langschwänzigen Krebsen kennt man dieselbe früheste Jugendform namentlich von zahlreichen Garneelen; so von Crangon (Du Cane), Caridina (Joly), Hippolyte, Palaemon, Alpheus u. s. w. Endlich ist es nicht unwahrscheinlich, dass auch die jüngste Brut der Heuschreckenkrebse (Squilla) sich hier anschliesst. — Die wichtigsten Eigenthümlichkeiten nun, welche diese Zoeabrut vom er- wachsenen Thiere unterscheiden, sind die folgenden : Der Mittelleib mit seinen Anhängen, jenen fünf Fusspaaren, denen Krabben und Krebse den Namen der Zehnfüsser danken, fehlt noch vollständig, oder ist doch kaum angelegt; Hinterleib und Schwanz sind anhanglos; letzterer besteht aus einem einzigen Stücke. Den Kinnbacken (mandibulae) fehlen, wie bei den Insekten, die Taster. Die Kieferfüsse, von denen das dritte Paar oft noch fehlt, sind noch nicht in den Dienst des Mundes gezogen, sondern erscheinen als zwei- ästige Schwimmfüsse. Kiemen fehlen, oder wo sich deren erste Anlagen als kleine warzenförmige Vorsprünge erkennen lassen, sind dieses dichte vom Blute noch nicht durchströmte Zellenmassen, die also mit der Athmung nichts zu thun haben. Ein Austausch zwischen den Gasen jrjg ,7 Fig. ig. des Wassers und des Blutes wird über- all an der dünnhäutigen Oberfläche des Leibes statthaben können; als Hauptsitz der Athmung aber darf man unbedenklich die Seitentheile des Panzers bezeichnen. Sie bestehen ganz wie es Leydig von den Daphnien beschreibt aus einem äusseren und einem inneren Blatte, deren Zwischen- raum von zahlreichen an den Enden verbreiterten Querbälkchen durchsetzt ist; die Lücken zwischen diesen Bälk- chen werden von reicheren Blutströ- men diu"chflossen, als sie sonstwo im Leibe der Zoea sich finden. Dazu kommt, dass ein beständiger Strom frischen Wassers in der Richtung von hinten nach vorn unter dem Panzer hinzieht, unterhalten, wie beim erwachsenen Thiere, durch einen blatt- oder zungenförmigen Anhang des zweiten Kieferpaares (Fig. 1 8). — Zusatz feiner Farbtheilchen zu dem Wasser lässt selbst bei den kleineren Zoea leicht diesen Athemstrom wahrnehmen. Die Zoea der Krabben (Fig. 17) pflegen sich auszuzeichnen durchlange stachelförmige Fortsätze des Panzers ; ein solcher ragt von der Mitte des Rückens empor, ein zweiter von der Stirn nach unten und häufig steht noch ein kürzerer jederseits nahe der hinteren, unteren Ecke des Panzers. Alle diese Fortsätze fehlen jedoch nach Couch bei Mala, nach Kinahan bei Eurynome, und bei einer dritten Art aus derselben Gruppe der Oxyrhynchen (der Gattung Achaeus zugehörig oder nahestehend) finde ich ebenfalls nur einen unbedeutenden Rückenstachel, wäh- rend Stirn und Seiten unbewehrt sind. Wieder ein Beispiel, das zur Vorsicht mahnt beim Schliessen nach Analogie. Nichts schien näher zu liegen, als die schnabel- förmige Bildung der Stirn bei den Oxyrhynchen zurückzuführen auf den Stirn- Fig. 17. Zoea einer Sumpfkrabbe [Cyclograpsus (?)], 45 mal vergr. Fig. 18. Kiefer (maxilla) des zweiten Paares von derselben, iSomal vergr. 222 Für Darwin. Fig. 19—23. fortsatz der Zoea, und nun findet sich, dass gerade den Jungen der Oxyrhynchen ein solcher Stirnfortsatz vöUig abgeht. — Wichtigere Eigenthümlichkeiten der Krabbenzoea, wenn auch weniger augenfällig als jene Fortsätze des Panzers, die im Verein mit den grossen Augen ihnen oft ein so wunderliches Aussehen ver- leihen, sind die folgenden : die vorderen (inneren) Fühler sind einfach, ungegliedert, am Ende mit 2 — 3 Riechfäden versehen; die hinteren (äusseren) Fühler laufen in einen oft ungemein langen stachelförmigen Fortsatz (styliform process, Spence Bäte) aus, und tragen aussen einen bisweilen sehr winzigen Anhang (squamiform process, Sp. B.), der Schuppe des Garneelenfühlers entsprechend i) ; daneben ist oft schon die erste Anlage der späteren Fühlergeissel erkennbar. Schwimmfüsse (später Kieferfüsse) sind nur zwei Paare vorhanden ; es fehlt das dritte (nicht, wie Spence Bäte will, das erste) vollständig, oder ist wie die fünf folgenden Fusspaare nur als winzige Knospe vorhanden. Der Schwanz, von sehr wechselnder Form, trägt immer drei Paar Borsten an seinem Hinterrande. Die Krabbenzoea pflegen im Wasser sich so zu halten, dass der Rückenstachel nach oben steht, der Hinterleib nach vorn gekrümmt, der in- nere Ast der Schwimmfüsse nach vorn, der äussere nach aussen und oben ge- richtet ist. Zu bemerken ist noch, dass die Zoea der Krabben, wie auch der Porcel- lanen, der Tatiiira, der Garneelen beim Ausschlüpfen aus dem Eie von einer die Stachelfortsätze des Panzers, die Borsten der Füsse und Fühler verhüllenden Haut umschlossen sind, die sie schon nach wenigen Stunden abstreifen. Bei Achaeus habe ich mir angemerkt, dass der Schwanz dieser jüngsten Larvenhülle an die Gar- neelenlarven erinnert, und dasselbe scheint bei Mala der Fall zu sein (S. Bell, Brit. Stalk-eyed Crust. pg. 44). So weit sie beim ersten Anblick sich von ihnen zu entfernen scheinen, so eng schHessen sich an die Zoea der Krabben die der Porcellanen (Fig. 24) an. Fühler, Mundtheile, Schwimmfüsse zeigen dieselbe Bildung. Der Schwanz aber trägt fünf Paar Borsten, der Rückenstachel fehlt, der Stirnfortsatz dagegen und die Seitenstacheln sind von abenteuerlicher Länge und gerade nach vorn und hinten gerichtet. Auch die Zoea der Tatuira (Fig. 25) scheint nur wenig von denen der Krabben abzuweichen, denen sie auch in ihrer Bewegungsweise gleicht. Der Panzer besitzt nur einen kurzen, breiten Stirnfortsatz; der Hinterrand des Schwanzes ist mit zahlreichen kurzen Borsten besetzt. Schwänze verschiedener Krabbenzoea. Fig. 19 von Pinnotheres. — Fig. 20 von Sesarma. — Fig. 21 von Xantho. — Fig. 22. 23 von unbekannter Herkunft. i) In einem Aufsatze über die Verwandlung der Porcellanen habe ich diesen Anhang irrthümlich als „Geissei" bezeichnet (s. Ges. Schriften p. 154). Für Darwin. 223 Die Zoca der Einsiedlerkrebse (Fig. 26) besitzt die einfachen inneren Fühler der Krabbenzoea; die äusseren Fühler tragen auf kurzem Stiele aussen ein an- sehnliches der Schuppe der Garneelenfühler ähnliches Blatt, innen einen kurzen dornförmigen Fortsatz und zwischen beiden die noch kurze, aber schon mit zwei Fig. 2-]. Fig. 24. Fig. 25. % Fig. 24. Zoea der Porcellina stelli- cola F. Müll. I5mal vergr. Fig. 25. Zoea der Tatuira (Hippa eremita L.). 45nial vergr. Fig. 26. Zoea eines kleinen Ein- siedlerkrebses. 45mal vergr. Fig. 27. Zoea eines an Rhizostoma cruciatum Less. sich aufhaltenden Pa- laemon. 45mal vergr. Endborsten bewehrte Geissei. Wie bei den Krabben finden sich nur zwei Paar wohl entwickelte Schwimmfüsse (Kieferfüsse) ; aber auch das dritte Paar ist schon als ansehnlicher, zweigliedriger, wenn auch noch borstenloser Stummel vorhanden. Der Schwanz trägt fünf Paar Borsten. Das Thierchen pflegt sich im Wasser gerade ausgestreckt zu halten mit abwärts gerichtetem Kopfe. In derselben Haltung sieht man gewöhnlich die Zoea der Garneelen (Fig. 27), die überhaupt im allgemeinen Ansehen mit denen der Einsiedlerkrebse übereinstimmen. Zwischen den grossen zusammengesetzten Augen findet sich bei ihnen ein kleines unpaares Auge. Die inneren Fühler tragen am Ende eines bis- 2 24. ^^^ Darwin. weilen ansehnlich langen Grundgliedes innen eine gefiederte Borste, die auch schon bei den Einsiedlerkrebsen sich findet, aussen ein kurzes Endglied mit einem oder einigen Riechfäden. Die äusseren Fühler zeigen eine wohlentwickelte, bisweilen deutlich gegliederte Schuppe und meist nach innen davon einen dornartigen Fort- satz; die Geissei scheint in der Regel noch zu fehlen. Das dritte Paar der Kief er- fasse scheint stets, wenigstens als ansehnlicher Stummel schon vorhanden zu sein. Das spateiförmige Schwanzblatt trägt fünf bis sechs Borstenpaare am Hinterrande. Die Entwicklung der Zoeabrut zum geschlechtsreifen Thiere verfolgte Spence Bäte bei Carcinus Maenas; er wies nach, dass die Umwandlung eine ganz all- mähliche ist, dass sich in ihr keine scharf geschiedenen Entwicklungsstufen, wie etwa beim Schmetterlinge Raupe und Puppe abgrenzen lassen. Leider besitzen wir nur diese einzige vollständige Beobachtungsreihe und ihre Ergebnisse dürfen nicht ohne Weiteres als allgemein giltig betrachtet werden ; so bewahren die jungen Einsiedlerkrebse das allgemeine Aussehen und die Bewegungsweise der Zoea, während die Anlagen der Füsse des Mittel- und Hinterleibes heranwachsen, und erscheinen dann auf einmal, indem diese in Thätigkeit treten, in ganz neuer Gestalt, die von der des erwachsenen Thieres hauptsächlich durch vollkommene S3^mmetrie des Leibes und durch vier Paar wohlgebildeter Schwimmfüsse am Hinterleibe sich unterscheidet ^). Sehr eigenthümlich scheint die Entwicklung der Panzerkrebse zu sein. Claus fand in den Eiern der Languste (Palinurus) Embryonen mit vollständig gegliedertem Leibe, denen die Anhänge des Schwanzes, des Hinterleibes, und der beiden letzten Ringe des Mittelleibes fehlen ; sie besitzen ein einfaches un- paares und ansehnliche zusammengesetzte Augen; die vorderen Fühler sind ein- fach, die hinteren mit einem kleinen Nebenaste versehen; die Kinnbacken taster- los; das dritte Paar der Kieferfüsse wie die beiden folgenden Fusspaare in zwei fast gleichlange Aeste gespalten, während das letzte der vorhandenen Fusspaare und das zweite Paar der Kieferfüsse nur einen unbedeutenden Nebenast tragen. Coste will bekanntlich aus den Eiern desselben Krebses junge Phyllosomen ge- zogen haben, — eine Angabe, die um so mehr einer nähern Begründung bedarf, als die neueren Untersuchungen von Claus über Phyllosoma ihr keineswegs günstig scheinen. Die grossen zusammengesetzten Augen, die früh bewegt zu werden pflegen und bisweilen schon in frühester Zeit auf langen Stielen stehen, sowie der Panzer, der den ganzen Vorderleib deckt, weisen bei aller Verschiedenheit den bisher betrachteten Larven sofort ihre Stelle unter den Podophthalmen an. Nicht ein bezeichnendes Merkmal aber dieser Abtheilung bleibt der Brut einiger zur Gattung' Peneus oder in deren Nähe gehörigen Garneelen. Dieselben verlassen das Ei mit ungegliedertem eiförmigen Leibe, unpaarigem Stirnauge und drei Paar Schwimm- füssen, von denen die vorderen einfach, die beiden anderen zweiästig sind, — in jener unter niederen Krustern so häufigen Larvenform also, der O. F. Müller den Namen Nauplius gab. Keine Spur eines Panzers, keine Spur der paarigen Augen, keine Spur von Kauwerkzeugen neben dem von einer helmförmigen Kappe überwölbten Munde! i) Die Glaucothoö Peronii Edw. mag ein solcher junger noch symmetrischer Pagurus sein. Für Darwin. 225 Für eine dieser Arten wurden bereits die Zwischenformen, die vom Nauplius zur Garneele führen, in ziemhch enggeschlossner Reihe aufgefunden. An die jüngsten Nauplius (Fig. 28) schliessen sich Formen, bei denen hinter dem dritten Fusspacire eine Hautfalte als erste Andeutung des Panzers quer über den Rücken zieht und auf der Bauchseite vier Paar plumpe Zapfen hervorspriessen, — Anlagen neuer Gliedmassen. Innerhalb des dritten Fusspaares bilden sich kräftige Kinnbacken aus. Bei einer folgenden Häutung treten die neuen Gliedmassen, — Kiefer, vordere und mittlere Kieferfüsse, — in Thätigkeit und damit ist aus dem Nauplius eine Zoea geworden (Fig. 29), völlig übereinstimmend mit der Zoea der Krabben in Fig. 28. Fig. 29. Fig. 28. Nauplius einer Garneele. 45mal vergr. Fig. 29. Jüngere Zoea derselben Garneele. 45mal vergr. der Zahl der Leibesanhänge, — wenn auch freilich sehr abweichend in Gestalt und Bewegungsweise und selbst in manchen Verhältnissen des inneren Baues. Als hauptsächlichste Bewegungswerkzeuge dienen noch die schlanken langbe- borsteten beiden vorderen Fusspaare, die späteren Fühler; das dritte Fusspaar verliert seine Aeste und wird zu tasterlosen Kinnbacken. Die Oberlippe erhält einen ansehnlichen vorwärts gerichteten Stachel, der sich bei allen verwandten Zoeaarten wiederfindet. Die zweiästigen Kieferfüsse scheinen wenig bei der Be- wegung witzuwirken. Der gabiige Schwanz erinnert mehr an die bei niederen Krustern, namentlich den Copepoden vorkommenden Formen, als an das spatei- förmige Schwanzblatt, das die Zoea der Alpheus, Palaemon, Hippolyte und andrer Garneelen, der Einsiedlerkrebse, der Tatuira, der Porcellanen auszeichnet. Das Herz besitzt nur ein Spaltenpaar und keine sein Innres balkenartig durchsetzenden Muskeln, während bei anderen Zoea zwei Spaltenpaare und ein innres Balkenwerk stets deutlich erkennbar sind. Fritz Müllers gesammelte Schriften. '5 226 Für Darwin Während dieses Zoeazeitraums bilden sich (Fig. 30) die paarigen Augen, es bilden sich die Ringe des Mittel- und Hinterleibes, die hinteren Kieferfüsse, die seitlichen Schwanzanhänge und die stummei- förmigen Anlagen der Füsse des MitteUeibes. Die Schwanzanhänge spriessen wie andere Gliedmassen frei an der Bauchfläche herv^or, während sie bei anderen Garneelen, bei den Porcellanen u. s. w. im Innern des spatei- förmigen Schwanzblattes angelegt werden. Indem die Füsse des Mittelleibes in Thätigkeit treten, geht, unter gleichzeitigen anderen tiefgreifenden Veränderungen, die Zoea in die Mysis- oder Schizopodenform über (Fig. 31). Die Fühler hören auf, der Be- wegung zu dienen ; sie werden abgelöst durch den langen Hinterleib, der vor Kurzem noch als unnütze Last mühsam nachgeschleift wurde und dessen kräftige Muskeln jetzt das Thier in munteren Sprüngen durch's Wasser schnellen und durch die langgeborsteten Brustfüsse. Die vorderen Fühler haben ihre langen Borsten verloren und neben dem letzten (vierten) mit Riechfäden ausgestatte- ten Gliede erscheint ein zweiter anfangs un- gegliederter Ast. Der äussere bisher viel- gliedrige Ast der hinteren Fühler ist zu einem einfachen Blatte, der Schuppe des Garneelen- fühlers geworden; daneben erscheint die stummeiförmige Anlage der Geissei, wahr- scheinlich als Neubildung, indem der innere Ast vollständig schwindet. Die fünf neuen Fusspaare sind zweiästig, der innere Ast kurz, einfach, — der äussere länger, am Ende ge- ringelt, langbeborstet und wie bei den Mysis in beständiger strudelnder Bewegung. Das Herz erhält neue Spalten und innere Muskel- balken. Während der Mysiszeit bilden sich Gehörwerkzeuge im Grundgliede der vorderen Fühler, die inneren Aeste der drei vorderen Fusspaare entwickeln sich Fig. 30. Aeltere Zoea derselben Garneele 45mal vergr. Fig. 31. Mysisform derselben Garneele. 45mal vergr. Für Darwin. 227 ZU Scheeren, die der zwei hinteren zu Gang-füssen; an den Kinnbacken sprosst ein Taster, am Mittelleibe sprossen Kiemen, am Hinterleibe Schwimmfüsse hervor. Der Dorn der Oberlippe bildet sich zurück. — Das Thier nähert sich so all- mählich der Garneelenform, in der das unpaare Auge undeutlich geworden, der Dorn der Oberlippe, die äusseren Aeste der Scheeren- und Gangfüsse verloren gegangen sind, die Taster der Kinnbacken und die Hinterleibsfüsse deutliche Glieder und Borsten erhalten haben und die Kiemen in Thätigkeit treten. Bei einer anderen Garneele, deren verschiedene Larvenzustände leicht als zu- sammengehörig erkannt werden an einem dunkelgelben scharfumschriebenen Fleck, der das unpaare Auge umgiebt, stimmen die jüngsten wahrscheinlich aus Nauplius hervorgehenden Zoea (Fig. 32) in allen wesentlichen Verhältnissen mit der eben besprochenen Art überein; dagegen ist die weitere Entwicklung namentlich dadurch sehr abweichend, dass weder die Füsse des Mittelleibes noch die des Hinterleibes sich gleichzeitig bilden und dass eine mit Mysis in Zahl und Eildung der Glied- massen vergleichbare Entwicklungsstufe fehlt. Zeitig zeigen sich Spuren der äusseren Kiefer- füsse. Dann erscheinen Füsse an vier Ringen des Mittelleibes und zwar zweiästig an den drei vorderen, einfach, indem der innere Ast fehlt, an dem vierten Ring. An den inneren Aesten entwickeln sich Scheeren, die äusseren Aeste gehen verloren, ehe noch ein innerer Ast am vierten Ringe aufgetreten ist (Fig. 32). Letzterer erscheint wieder anhanglos, so dass also hier in früherer Zeit vier, in späterer nur drei Ringe des Mittelleibes Gliedmassen tragen. Der fünfte Ring fehlt noch vollständig, während in- zwischen auch sämmtliche Hinterleibsringe Glied- massen erhalten haben und zwar einer nach dem an- deren, von vorn nach hinten. Das erwachsene Thier wird jedenfalls, darauf weisen die drei Scheerenpaare hin, dem der vorigen Art sehr nahe stehen^). Der jüngsten Zoea unserer Garneelen sehr nahe steht die jüngste der von Claus beobachteten Larven der Schizopodengattung Euphausia ; aber während ihre vorderen Fühler schon zweiästig sind, und sie hierin sich weiter vorgeschritten zeigt, fehlen ihr noch die mittleren Kieferfüsse. Auch bei ihr fand Claus das Herz mit einem einzigen Spaltenpaare versehen. Ob nicht auch hier der Zoea naupliusähnliche Zustände vorausgehen? Fig. 32. Jüngste (beobachtete) Zoea einer anderen Garneele. Man bemerkt die winzigen Knospen des dritten Paares der Kieferfüsse. Die Hinterleibsringe beginnen sich zu bilden. Paarige Augen werden noch vermisst. Vergr. 45mal. i) Die ältesten beobachteten Larven zeichnen sich aus (s. Fig. 33) durch ungewöhnliche Länge der Geissei der äusseren Fühler, und gleichen hierin der von Claus bei Messina gefundenen Sergesteslarve (Zeitschr. für wiss. Zool. Bd. XIII. Taf. XXVII, P'ig. 14). Diese ungemeine Länge der Pühler lässt vermuthen, dass sie unserer gemeinsten, vielverspeisten, dem Peneus setiferus von Florida nächstverwandten Garneele zugehören. Das Acanthosoma von Claus (a. a. O. Fig. 13) ist der Jüngern Mysisform der von mir im Archiv für Naturgesch. 1863. Taf. II. Fig. 18 (= Ges. Schriften Taf. XXII Fig. 18) abgebildeten Larve ähnlich, die ich auf Sicyonia carinata zu beziehen geneigt bin. 15* 221 Für Darwin. Die Entwicklungsgeschichte der M^'sis, deren nahe Verwandtschaft mit den Garneelen neuerdings wieder allgemein anerkannt wird, hat van Beneden ausführlich geschildert. Soweit ich sie nachprüfte, kann ich dessen Angaben nur bestätigen. — Die Entwicklung des Embryo beginnt mit der Bildung des — Schwanzes! Derselbe tritt auf als einfacher Lappen, dessen Rückenfläche der Rückenfläche des Embryo zugewandt ist und dicht anliegt. (Die Jungen anderer stieläugiger Kruster sind bekanntlich im Ei so gekrümmt, dass die Bauchflächen der vorderen und hinteren Körperhälfte einander zugekehrt sind, bei ihnen er- scheint also der Rücken, bei M^^sis die Bauchseite gewölbt.) Bald nimmt der Schwanz die Gabelform an, die wir bei der zuletzt betrachteten Garneelenzoea kennen lernten. Dann sprossen am entgegengesetzten Leibesende zwei Paar plumpe säbelförmige Anhänge hervor und dahinter ein Paar leicht zu übersehender Höcker, — Fühler und Kinnbacken. Jetzt birst die Eihaut, ehe noch irgend ein inneres Organ, irgend ein Gewebe ausser den Zellen der Hautschicht gebildet ist. Man könnte das Junge einen Nauplius nennen ; eigentlich freilich ist nichts da, als eine rohe Nach- bildung einer Nauplius- haut, ge Wissermassen eine neue Eihaut, innerhalb deren' die Mysis sich ent- wickelt. Die zehn Paar Anhänge des Vorder- leibes (Kiefer , Kiefer- füsse) und des Mittel- leibes treten gleichzeitig auf; später mit einem Male die fünf Paar Hinterleibsfüsse. Kurz nachdem die junge M3'^sis die Naupliushülle abgestreift, verlässt sie die Bruttasche der Mutter ^). Aus der Entwicklungsgeschichte der Maulfüsser, denen man, den Mangel einer besonderen Kiemenhöhle einseitig betonend, eine Zeitlang auch die Mysis, die Leucifer, die Phyllosomen zuzählte, die man aber jetzt wieder, wie ursprüng- lich Latreille, auf die Heuschreckenkrebse (Squilla), die Glaskrebse (Erichthus) und ihre nächsten Verwandten beschränkt, sind bisher nur sehr vereinzelte Bruch- stücke bekannt geworden. Die Verfolgung der Entwicklung im Ei wird er- schwert durch den Umstand, dass die Heuschreckenkrebse nicht wie Krabben und Krebse ihr Laich mit sich herumtragen, sondern in die von ihnen bewohnten unterirdischen Gänge absetzen in Gestalt dünner, runder, dottergelber Platten. Das Laich ist deshalb überhaupt schwierig zu erhalten und leider verdirbt es in Tagesfrist, wenn es seiner natürlichen Brutstätte entnommen wird, während man an den Eiern einer einzigen gefangen gehaltenen Krabbe wochenlang den Fort- schritten der Entwicklung nachgehen kann. Die Eier der Squilla sterben, wie I) Van Beneden, der selbst die Augenstiele als Gliedmassen betrachtet, kann doch nicht umhin, bei Mysis zu bemerken: „Ce pedicule n'apparait aucunement comme les autres appendices et paratt avoir une autre valeur morphologique." Fig- 33- Aeltere Larve, aus der Fig. 32 gezeichneten Zoea hervor- gehend. Es fehlt der letzte Ring und die beiden letzten Fusspaare des Mittelleibes. Vergr. 2omal. Für Darwin. 229 I'ig- 34- Embryo einer Squilla, 45mal vergr. a Herz. vom Leibe der Krabbe entfernte Eier, weil ihnen der lebhafte Strom frischen Wassers fehlt, den die Mutter behufs ihrer eigenen Athmung durch ihre Höhle treibt. Beistehende Abbildung eines Squillaembryo zeigt, dass derselbe einen langen, gegliederten, anhanglosen Hinterleib, einen zweilappigen Schwanz, sechs Paar Gliedmassen und ein kurzes Herz besitzt; letzteres pulsirt nur schwach und langsam. Erhält er vor dem Aus- schlüpfen nicht noch weitere Gliedmassen, so dürfte die jüngste Larve auf gleicher Stufe mit der jüngsten Claus- schen Euphausialar\'e stehen. Von den beiden bis jetzt bekannt gewordenen Larvenformen, die mit Sicherheit, wenn auch nicht dem Heuschreckenkrebse, so doch einem Maulfüsser zu- zutheilen sind, übergehe ich die jüngere ^), da deren Gliedmassen sich nicht zuverlässig deuten lassen, und erwähne nur, dass bei ihr die drei letzten Hinterleibs- ringe noch anhanglos sind. Der älteren Larve (Fig. 35), die namentlich durch die Gestalt der grossen Raubfüsse und des vorhergehenden Fusspaares an die erwachsenen Heuschre(;kenkrebse erinnert, fehlen noch die sechs den Raubfüssen folgenden Fusspaare. Die entsprechenden Leibesringe sind schon wohl entwickelt, ein unpaares Auge ist noch vorhanden, die vorderen Fühler sind schon zweiästig, wäh- rend den hinteren die Geissei fehlt, die Kinnbacken sind tasterlos; die vier vorderen Hinterleibsringe tragen zweiästige, kiemen- lose Schwimmf üsse ; der fünfte Hinterleibs- ring ist anhanglos; ebenso der Schwanz, der noch als einfaches am Hinterrande mit zahlreichen kurzen Zähnchen besetztes Blatt erscheint. Man sieht, die Larve steht im Wesentlichen auf der Stufe der Zoea. VIII. Minder mannichfaltig, als die der stiel- äugigen Kruster ist die Entwicklungsweise der Asseln (Isopoda) und Flohkrebse (Amphi- p.^ ^^ ^^^^^^^ ^arve (Zoea) eines Maul- poda), die Leach in der Abtheilung Edrioph- füssers, ismal vergr. thalmen, der Kruster mit Sitzaugen vereinigte. Als Beispiel für die Entwicklung der Isopoden mögen die Felsenasseln (Ligia) dienen. Wie bei Mysis ist bei ihnen der Schwanztheil des Embryo nicht nach unten, sondern nach oben gekrümmt; wie dort, bildet sich zunächst eine Larvenhaut, innerhalb deren dann die Assel sich entwickelt. Bei Mysis Hess sich diese erste Larvenhaut einem Nauplius vergleichen; bei Ligia erscheint sie als völlig anhanglose Made, die in einen langen einfachen Schwanz ausläuft. Die I) Archiv für Naturgeschichte, 1863, Taf. I. = Ges. Schriften Taf. XXI. 230 Für Darwin. Eihaut bleibt länger erhalten, als bei Mysis; sie birst, wenn schon die Gliedmassen der jungen Assel vollzählig angelegt sind. Die Rückenfläche der Assel ist etwas hinter dem Kopfe mit der Larvenhaut verwachsen. An dieser Stelle findet sich, nachdem die Verbindung nicht lange vor der Häutung gelöst ist, ein blattförmiger Anhang, der nur kurze Zeit besteht und schon geschwunden ist, ehe noch die junge Assel die Bruttasche der Mutter verlässt. Das Junge gleicht, wenn es für sich selbst zu sorgen anfängt, den Alten fast in allen Stücken, bis auf einen wichtigen Unterschied: statt sieben besitzt es nur sechs Paar Gangbeine; der letzte Ring des Mittelleibes ist nur wenig ent- wickelt und anhanglos. Dass auch die geschlechtlichen Eigenthümlichkeiten noch nicht ausgebildet sind, dass den Männchen noch die bandförmigen Verdickungen an den vorderen Gangbeinen und die der Begattung dienenden Anhänge fehlen, bedarf kaum besonderer Erwähnung. Fig. 36. Fig. 37- Fig. 38. Fig. 36. Embryo von Ligia im Ei, I5mal vergr. D. Dotter, L. Leber. Fig. 37. Madenförmige Larve derselben. I5mal vergr. R. Rest der Eihaut. Man sieht an der Bauchseite von vorn nach hinten: vordre, hintre Fühler, Kinnbacken, vordre, hintre Kiefer, Kieferfüsse, sechs Gangfüsse, den letzten anhanglosen Ring des Mittelleibes, fünf Hinterleibsfüsse, Schwanz- füsse. Fig. 38. Embryo einer Philoscia im Ei, 25mal vergr. Auf die Frage, inwieweit die Entwicklung der Felsenasseln bei den übrigen Isopoden sich wiederholt, kann ich nur ungenügende Antwort geben. Die Krüm- mung des Embryo nach oben statt nach unten fand ich wie Rathke auch bei Idothea, und ebenso bei Cassidina, Philoscia, Tanais und den'Bopyriden, vermisste sie überhaupt bei keiner der darauf untersuchsen Asseln. Bei Cassidina ist auch die erste anhanglose Larvenhaut leicht zu erkennen ; es fehlt ihr der lange Schwanz, doch ist sie innerhalb des Eies stark gekrümmt, wie bei Ligia, und deshalb nicht mit einer „inneren Eihaut" zu verwechseln; letzteres könnte man bei Philoscia, wo sie sich eng an die Eihaut anschliesst und nur im Hinblick auf Ligia und Cassidina als Larvenhaut zu deuten ist. — Den blattförmigen Anhang am Rücken kennt man seit lange an den Jungen der gemeinen Wasserassel [Asellus^)]. — i) Leydig hat diesen blattförmigen Anhang der Wasserasseln der „grünen Drüse" oder ,, Schalen- drüse" anderer Kruster verglichen; er nimmt dabei an, dass die grüne Drüse ohne Ausführungsgang sei, und beruft sich darauf, dass beiderlei Organe „an derselben Stelle" sich finden. Die Deutung ist keine glückliche. Einmal überzeugt man sich, wie auch Claus fand, bei Leucifer sehr leicht, dass die „grüne Drüse" wirklich am Ende des von Milne Edwards als „tubercle auditif", von Spence Bäte als „olfactory Für Darwin. 231 Dass den Jungen der Landasseln (Porcellionides Edw.) und Fischasseln (Cymotho- adiens Edw.) das letzte Fusspaar des Mittelleibes fehle, hat schon Milne Edwards bemerkt. Das Gleiche gilt für die Schachtasseln (Idothea), für die lebendig ge- bärenden Kugelasseln (Sphaeroma) und Schildasseln (Cassidina), für die Bopyriden (Bopyrus, Entoniscus, Cryptoniscus n. g.) und für die Scheerenasseln (Tanais), also wahrscheinlich für die überwiegende Mehrzahl der Isopoden. Alle übrigen Glied- massen pflegen bei den jungen Asseln wohlentwickelt zu sein. Nur bei den Scheerenasseln fehlen sämmliche Füsse des Hinterleibes (aber nicht des Schwanzes) ; sie entwickeln sich gleichzeitig mit dem letzten Fusspaare des Mittelleibes. Das letzte Fusspaar am Mittelleibe der Larve, das vorletzte also des er- wachsenen Thieres, ist fast immer dem vorhergehenden gleichgebildet; eine be- achtenswerthe Ausnahme machen jedoch hierin Cryptoniscus und Entoniscus; — beachtenswerth als Beleg zu Darwin's Satze, dass „in ungewöhnlicher Weise ent- wickelte Theile sehr veränderlich" sind ; denn für das „. .--■ F>g- 39- i^ig- 4°- abweichend gebildete Fusspaar besteht die grösstmög- liche Verschiedenheit zwischen den drei bisher beobach- teten Arten. Bei Cryptoniscus (Fig. 3g) ist dieser letzte Fuss dünn, ruthenförmig ; bei Entoniscus Cancrorum ungemein lang, mit stark verdickter Hand und eigen- thümlich gebildeter Scheere versehen ; bei Entoniscus Fig. 39. Embryo von Crypto- Porcellanae sehr kurz, unvollständig gegliedert mit "'Fi^'.P4o"^"LSSr^°i^^i''vom grossem eiförmigen Endgliede (Fig. 40). Mittelleibe von der Larve des Einige Asseln erleiden unmittelbar vor dem Ein- Entoniscus Porcellanae, iSomal ° vergr. tritte der Geschlechtsreife eine erhebliche Verwandlung; so die Männchen der Scheerenasseln, von denen schon oben die Rede war, und nach Hesse die Pranizae, bei denen beide Geschlechter in die als Anceus bekannte Form übergehen sollen. Doch will Spence Bäte, ein sorgfältiger Beobachter, mit weit in der Entwickelung vorgeschrittenen Eiern beladene Weibchen in Praniza- form gesehen haben. Wir treffen in dieser Ordnung zum ersten Male eine weitgehende rück- schreitende Verwandlung als Folge des Schmarotzerlebens. Schon bei einigen Fischasseln (Cymothoa) sind die Jungen muntere Schwimmer, die Alten blödsichtige, steife, plumpe Gesellen, deren kurze Klammerfüsse nur noch geringer Bewegung fähig sind. Bei den Lausasseln (Bopyrus, Phryxus, Kepone u. s. w., die man füglich in einer Gattung hätte beisammen lassen können), Schmarotzern der Krabben und Krebse, die hauptsächlich in deren Kiemenhöhle ihren Wohnsitz nehmen, pflegen den erwachsenen Weibchen die Augen ganz zu fehlen ; die Fühler verkümmern ; der breite Leib ist häufig in Folge des beschränkten Raumes un- symmetrisch entwickelt, seine Ringe sind mehr oder minder verschmolzen, die Füsse verkrüppelt, die Anhänge des Hinterleibes aus langbeborsteten Schwimm- füssen zu blatt- oder zungenförmigen, bisweilen verästelten Kiemen geworden. Bei den zwerghaften Männchen pflegen Augen, Fühler, Füsse besser erhalten zu denticle" bezeichneten Vorsprunges ausmündet. Und zweitens ist die Steile eine so verschiedene, als sie nur irgend sein kann. Dort eine paarige Drüse, am Grunde der hinteren Fühler, also an der Unterseite des zweiten Ringes ausmündend; hier ein unpaares Gebilde in der Mittellinie des Rückens hinter dem siebenten Ringe („hinter der Grenzlinie des ersten Brustsegments" Leydig) sich erhebend. 232 Für Darwin. sein, als bei den Weibchen ; dagegen sind am Hinterleib nicht selten alle Anhänge und bisweilen jede Spur von Gliederung verschwunden. Bei den Weibchen der Binnenasseln (Entoniscus), welche in der Leibeshöhle von Krabben und Porcellanen gefunden werden, schwinden Augen, Fühler, Mundtheile, schwindet die Gliederung des wurmförmigen Leibes, schwinden bei einer Art (Fig. 41) sämmtliche Glied- massen fast spurlos und den Cryptoniscus planarioides endlich würde man, wenn nicht Eier und Junge die Krebsnatur verriethen, fast eher für einen Plattwurm als für eine Assel halten. Unter den Männchen dieser verschiedenen Bopyriden nimmt das des Entoniscus Porcellanae die niedrigste Stelle ein; es bleibt lebens- länglich auf sechs Fusspaare beschränkt, die zu ungestalten kugligen Klumpen verkrüppeln. Fig. 41. Fig. 42. Fig. 43- Fig. 41. Entoniscus Cancrorum , Weibchen, 3mal vergr. Fig. 42. Cryptoniscus planarioides, "Weibchen, 3inal vergr. Fig. 43. Embryo eines Corophium, gomal vergr. Die Flohkrebse (Amphipoda) sind schon zeitig im Eie von den Asseln zu unterscheiden durch die abweichende Lagerung des Embryo, dessen Hinterende nach unten gekrümmt ist. Ebenfalls sehr früh zeigt sich bei allen Thieren dieser Ordnung, die bis jetzt darauf untersucht wurden ^), ein eigenthümliches Gebilde am vorderen Theile des Rückens, durch welches der Embryo an die „innere Eihaut" befestigt ist, und das man, unpassend wie mir scheint, als „Mikropyl- apparat" bezeichnet hat 2). Man wird durch dasselbe erinnert an die Verbindung der jungen Asseln mit der Larvenhaut, und an das unpaare „Haftorgan" im Nacken der Wasserflöhe (Cladocera), welches bei Evadne besonders entwickelt ist und während des ganzen Lebens sich erhält, bei Daphnia pulex aber, nach Leydig, ebenfalls nur bei jüngeren Thieren vorhanden, bei ausgewachsenen spurlos ge- schwunden ist. Das Junge erhält schon im Eie die volle Zahl seiner Leibesringe und Glied- massen; wo Leibesringe mit einander verschmelzen, wie die beiden letzten Ringe des Mittelleibes bei Dulichia, die beiden letzten Hinterleibsringe mit dem Schwänze i) Bei den Gattungen Orchestoidea, Orchestia, Allorchestes, Montagua, Batea n. g., Amphilochus, Atylus, Microdeutopus, Leucothoe, Melita, Gammarus (nach Meissner und La Valette), Amphithoe, Cerapus, Cyrtophium, Corophium, Dulichia, Protella, Caprella. 2) So wenig am Ende der Name zur Sache thut, sollte man doch den Namen „Mikropyle" auf Canäle der Eihaut beschränken, die dem Eintritte des Samens dienen. Ueber den „Mikropylapparat" der Amphipoden aber geht die äussere Eihaut, nach den eigenen Angaben von Meissner und La Valette un- durchbohrt hinweg, er scheint nie vor der Befruchtung vorhanden zu sein, erreicht seine grösste Entwick- lung in einer späteren Zeit des Eilebens und die ihn durchsetzenden zarten Canäle scheinen sogar nicht immer vorhanden zu sein; überhaupt scheint er mehr dem Embryo als der Eihaut anzugehören. Ich ver- mochte mich noch nicht zu überzeugen, dass überhaupt die sogenannte „innere Eihaut" wirklich eine solche sei und nicht etwa eine erst nach der Befruchtung gebildete friihestc Larvenhaut, wie man im Hinblick auf Ligia, Cassidina und Philoscia annehmen möchte. Für Darwin. 233 bei Gammarus ambulans und Corophium dentatum n, sp., der letzte Hinterleibsring mit dem Schwänze bei Brachysceliis ^), oder wo ein oder mehrere Ringe fehlen, wie bei Dulichia und den Caprellen, da findet man dieselbe Verschmelzung, den- selben Mangel schon bei den der Bruttasche der Mutter entnommenen Jungen. Auch Eigenthümlichkeiten in der Bildung der Gliedmassen, sofern sie beiden Ge- schlechtern zukommen, pflegen schon bei den ausschlüpfenden Jungen ausgeprägt zu sein, so dass diese in der Regel nur durch plumpere Gestalt, geringere Zahl der Fühlerglieder, der Riechfäden, sowie der Borsten und Zähne, mit denen Leib oder Füsse bewaffnet sind, auch wohl durch verhältnissmässig grössere Neben- geissel von ihren Eltern abweichen. Eine Ausnahme von dieser Regel machen die meist an Quallen lebenden Hyperinen ; bei ihnen haben Junge und Alte oft ein ausserordentlich verschiedenes Aussehen; aber auch bei ihnen findet keine Neubildung von Leibesringen und Gliedmassen, sondern nur eine allmähliche Umwandlung derselben statt-). So i) Nach Spence Bäte soll bei Brachyscelus crusculum der fünfte Hinterleibsring nicht mit dem sechsten (dem Schwänze), sondern mit dem vierten verschmolzen sein, was ich bei der grossen Ueberein- stimmung, die sonst diese Art mit den beiden von mir untersuchten zeigt, bezweifeln möchte. 2) Spence Bäte vermisste bei den Jungen der Hyperia galba sämmtliche Füsse des Hinterleibes und die zwei letzten Fusspaare des Mittelleibes ; die sehr auffallende Angabe bedarf um so mehr der Be- stätigung, da er diese winzigen Thierchen nur in getrocknetem Zustande untersuchte. Nachträglich wurde mir die erwünschte Gelegenheit, die Entwicklung einer an Rippen- quallen, besonders Beroe güva Eschsch. nicht seltenen Hyperia zu verfolgen. Die jüngsten Larven, aus der Bruttasche der Mutter, be- sitzen schon sämmtliche Füsse des Mittel- leibes; dagegen vermisse ich, wie Spence Bäte, die des Hinterleibes. Anfangs ziem- lich einfach, werden diese Füsse bald sämmt- lich wie die Vorderfüsse zu reichgezähnelten Greiffüssen und zwar von dreifach ver- schiedener Form , indem die Vorderfüsse (Fig. 44), die beiden folgenden (Fig. 45) und endlich die drei letzten Fusspaare (Fig. 46) unter sich ähnlich und von den übrigen abweichend gebildet sind. In dieser Gestalt erhalten sich die Füsse sehr lange, während die Hinterleibsanhänge zu kräftigen Schwimmwerkzeugen, und die anfangs, wie mir schien, ganz fehlenden Augen zu ge- waltigen Halbkugeln heranwachsen. Bei dem Uebergang in die Gestalt des erwachsenen Thieres erleiden namentlich die drei letzten Fusspaare (Fig. 49) eine bedeutende Ver- änderung. Die Verschiedenheit der beiden Geschlechter ist bedeutend; die Weibchen sind durch einen sehr breiten Mittelleib, die Männchen (Lestri- gonus) durch sehr lange P^ühler ausgezeichnet, von denen die vorderen ungemein reichliche Riechfäden tragen. Die jüngsten Larven können natürlich nicht schwimmen; es sind unbehilfliche Thierchen, die sich Fig. ^^ — ^6. Füsse einer halbwüchsigen Hyperia Mar- tinezii*) n. sp. — Fig. 47 — 49. Füsse eines ziemlich er- wachsenen Männchens derselben Art.; und zwar 44 u. 47 vom ersten Paare der Vorderfüsse (gnathopoda), 45 u. 48 vom ersten, 46 u. 49 vom letzten Fusspaare des Mittelleibes, gomal vergr. *) Benannt nach meinem geschätzten Freunde, dem liebenswürdigen spanischen Zoologen, Herrn Francisco de Paula Martinez y Saes, zur Zeit auf einer Reise um die Erde. 22 , Für Darwin. gehen, um einige Beispiele zu geben, die gewaltigen Scheeren am drittletzten Fusspaare der Phronima sedentaria nach Pagenstecher aus einem einfachen Fusse von gewöhnlicher Bildung hervor, und umgekehrt bildet sich die Scheere am vorletzten Fusspaare des jungen Brachyscelus zu einem einfachen Fusse um. Bei den Jungen der letztgenannten Gattung ist der lange Kopf in eine kegelförmige Spitze ausgezogen und trägt auffallend kleine Augen ; beim Heranwachsen er- reichen diese, wie bei den meisten Hyperinen, einen ungeheueren Umfang und füllen fast vollständig den nun kuglig erscheinenden Kopf, u. s. w. Die Verschiedenheit der Geschlechter, die bei den Gammarinen besonders in der Bildung der Vorderfüsse (gnathopoda Sp. Bäte), bei den H3^perinen in der Bildung der Fühler ausgesprochen zu sein pflegt, und oft so beträchtlich ist, dass man Männchen und Weibchen als verschiedene Arten beschrieben und mehrfach sogar in verschiedene Gattungen (Orchestia und Talitrus, — Cerapus und Derco- thoe, — Lestrigonus und Hyperia) und selbst Familien (HA^perines anormales und Hyperines ordinaires) gestellt hat, bildet sich erst aus, wenn die Thiere ziemlich herangewachsen sind. Bis dahin gleichen die Jungen im Allgemeinen den Weib- chen, sogar in einigen Fällen, wo diese sich weiter als die Männchen von dem „Typus" der Ordnung entfernen. So ist das zweite Paar der Vorderfüsse bei den männlichen Strandhüpfern (Orchestia) mit einer kräftigen Hand versehen, wie bei der Mehrzahl der Amphipoden, bei den Weibchen in höchst abweichender Weise gebildet. Die Jungen gleichen dennoch den Weibchen. — So fehlen, — ein äusserst seltener Fall ^) — , den Weibchen von Brachyscelus die hinteren (oder unteren) Fühler, das Männchen besitzt dieselben, wie andere Amphipoden, bei den Jungen finde ich, wie Spence Bäte, keine Spur davon. Hervorzuheben ist noch, dass die Ausbildung der geschlechtlichen Eigentüm- lichkeiten mit erlangter Geschlechtsreife nicht stille steht. Jüngere geschlechtsreife Männchen von Orchestia Tucurauna n. sp. z. B. haben schlanke untere Fühler mit unverschmolzenen Geisseigliedern, der Greifrand (palm Sp. B.) der Hand des zweiten Fusspaares ist gleichmässig gewölbt, das letzte Fusspaar ist schlank, den vorhergehenden ähnlich. Später verdicken sich die Fühler, die zwei, drei, vier ersten Glieder der Geissei verschmelzen, der Greifrand namentlich an die Schwimmblättchen des Wirthes festklammem; die erwachsenen Hyperien, die man nicht selten frei im Meere trifft, sind, wie man weiss, die trefflichsten Schwimmer ihrer Ordnung. (,,I1 nage avec une rapidite extreme" sagt van Beneden von Hyp. Latreillii Edw.). Offenbar ist die Verwandlung der Hyperien als eine erworbene, nicht als eine ererbte zu betrachten, d. h. das späte Auftreten der Hinterleibsanhänge und die eigenthümliche Fussbildung der Jungen sind nicht mit der geschichtlichen Entwicklung der Amphipoden in Verbindung zu bringen, sondern auf Rechnung des Schmarotzerlebens der Jungen zu setzen. Wie bei Brachyscelus ist hier gegen die gewöhnliche Weise der Schmarotzer dem Alter und nicht der Jugend die freiere Beweglichkeit geblieben. Noch auffallender ist ein ähnliches Verhalten bei Caligus unter den schmarotzenden Copepoden. Das junge Thier, von Burmeister als eigene Gattung, Chalimus, beschrieben, liegt mittelst eines von seiner Stirn entspringenden Taues, dessen Ende in der Haut eines Fisches festsitzt, an diesem vor Anker. Beim Eintritt der Geschlechtsreife wird das Tau gekappt, und nicht selten fängt man die erwachsenen Caligus, vortreffliche Schwimmer, frei im Meere. — (S. Archiv für Naturgesch. 1852. I, S. 91 = Ges. .Schriften p. 59.) i) „I know of no case in which the inferior (antennae) are absolete, when the superior are deve! oped" Dana. (Darwin, Monograph on the Subclass Cirripedia. Lepadidae. pg. 15.). Für Darwin. 235 der Hand erhält nahe seiner unteren Ecke eine tiefe Bucht, die mittleren Glieder des letzten Fusspaares schwellen zu einer ansehnlichen Verdickung an. Kein Museumszoolog würde anstehen, zwei besondere Species zu fabriciren, wenn ihm die ältesten und jüngsten geschlechtsreifen Männchen ohne die verbindenden Zwischenformen übersandt würden. Bei jüngeren, aber, wie die mikroskopische Untersuchung der Hoden lehrt, schon geschlechtsreifen Männchen der Orchestia Tucuratinga n. sp. fehlt die in Fig. 50 gezeichnete Bucht des Greifrandes der Hand, sowie der entsprechende Vorsprung des Fingers noch vollständig. — Aehn- liches kann man bei Cerapus, bei Caprella und wahrscheinlich überall beobachten, wo überhaupt erhebliche Geschlechtsverschiedenheiten vorkommen. Fig. 50- Fig. 51- Fig. 52. Fig. 50. Vorderfuss des zweiten Paares (second pair of gnathopoda) vom Männchen und Fig. 51 vom Weibchen der Orchestia Tucuratinga, I5mal vergr. Fig. 52. Männchen einer Bodotria, lomal vergr. Man beachte die langen unteren Fühler, die dem Leibe dicht anliegen, und deren Spitze unter den Schwanzanhängen sichtbar ist. An die artenreichen Abtheilungen der stieläugigen und der sitzäugigen Kruster reiht sich, ersteren wohl näher verwandt als letzteren, die merkwürdige Familie der einäugigen Diastyliden oder Cumaceen. Die Jungen, die Kr03''er der Bruttasche der Weibchen entnahm und die ein Viertel der Länge der Mutter erreichten, glichen dem erwachsenen Thiere fast in allen Stücken. Ob innerhalb der ähnlich wie bei Mysis gebildeten Bruttasche eine Verwandlung stattfinde, wie bei Mysis oder Ligia, weiss man nicht ^). Gleich dürftig ist unsere Kenntniss der Entwicklungsgeschichte der Mu.schel- krebschen (Ostracoda). Man weiss kaum mehr, als dass ihre vorderen Glied- massen sich früher als die hinteren entwickeln (Zenker). I) Ein zuverlässiger englischer Forscher, Goodsir, beschrieb schon 1843 die Bruttasche und die Eier von Cuma. Kroyer, dessen peinliche Sorgfalt und Gewissenhaftigkeit bewundernd anerkennt, wer je mit ihm auf gleichem Arbeitsfelde zusammentraf, bestätigte 1846 Goodsir's Angaben und entnahm, wie oben erwähnt, der Bruttasche weit entwickelte, den Eltern ähnliche Embryonen. Damit ist die Frage, ob die Diastyliden erwachsene Thiere oder Larven seien, vollständig und für immer entschieden, und nur die berühmten Namen eines Agassiz, Dana, Milne Edwards, die sie trotzdem neuerdings wieder zu Larven stempeln möchten (s. van Beneden, Rech, sur la faune littor. de Belgique. Crustaces. pg. 73. 74), ver- anlassen mich, auf Grund zahlreicher eigener Untersuchungen mit van Beneden's Worten zu erklären: „Parmi toutes les formes embryonnaires de podophthalmes ou d'edrioplnhalmes que nous avons observees sur nos cötes, nous n'en avons pas vu une seule qui eüt meme la moindre ressemblance avec un Cuma quelconque." Das Einzige, was aus den von Kroyer aufgestellten, drei Seiten füllenden Familien- charakteren der Cumaceen (Kroyer, Nat. Tidsskrift. Ny Raekke. Bd. IL S. 203—206) auf die Larven von Hippolyte, Palaemon und Alpheus passt, ist: „Duo antennarum paria." Und das passt bekanntlich so ziemlich auf alle Kruster. Wie wohlberechtigt war man also, diese mit jenen zu identificiren. Es genügt übrigens, einen Blick auf die Paiaemonlarve (Fig. 27) und auf die Cumacee (Fig. 52) zu werfen, um sich von deren ungeheurer Aehnlichkeit zu überzeugen. 2-2 5 Für Darwin. IX. Die Abtheilung der Kiemenfüsser (Branchiopoda) umfasst zwei auch durch ihre Entwicklung geschiedene Gruppen, die Blattfüsser (Phyllopoda) und die Wasserflöhe (Cladocera). Die letzteren, mit vier bis sechs Paar blatt- förmiger Füsse ausgestattete winzige Thierchen , die hauptsächlich dem süssen Wasser angehören und in ähnlichen Formen über alle Welt verbreitet sind, ver- lassen das Ei mit vollzähligen Gliedmassen. Die Blattfüsser dagegen, deren Fuss- zahl zwischen lo und 60 Paaren schwankt, und von denen einige zwar in der gesättigten Soole der Salzwerke und der Natronseen leben, aber nur eine, ziemlich abweichende Gattung (Nebalia) im Meere gefunden wird ^), haben eine Verwand- lung zu bestehen. Die jüngsten Larven sind Nauplius, die wir schon einmal ausnahmsweise bei einigen Garneelen trafen und die wir von nun ab fast ohne Ausnahme wiederfinden werden. Die bisweilen so zahlreichen Leibesringe und Füsse bilden sich nach und nach von vorn nach hinten, ohne dass durch die Zeit ihres Auftretens oder durch ihre Gestalt scharfgeschiedene Leibesabschnitte be- zeichnet werden. Alle Füsse sind im Wesentlichen gleich gebaut und erinnern an die Kiefer der höheren Kruster'-). Man könnte die Phyllopoden als Zoea betrachten, die nicht zur Bildung eines eigenthümlich ausgestatteten Hinter- und Mittelleibes gekommen sind, und statt dessen die den Naupliusgliedmassen zuerst folgenden Anhänge in vielfacher Wiederholung erzeugt haben. Die Entwicklungsgeschichte, wie die ganze Naturgeschichte der Cope- poden, — die theils frei lebend das süsse Wasser und in weit mannichfacheren Formen das Meer bevölkern, theils als Schmarotzer Thiere der verschiedensten Klassen belästigen und dabei oft zu wunderlicher Missgestalt verkümmern, — lag .bis vor Kurzem sehr im Argen. Man wusste zwar längst, dass die Cyclopen des süssen Wassers in Naupliusform ausschlüpfen, und kannte einige andere Jugend- zustände derselben ; man hatte durch Nordmann dieselbe früheste Jugendform für mehrere Schmarotzerkrebse kennen gelernt, die bis dahin fast allgemein als Würmer gegolten hatten ; — aber es fehlten die verbindenden Mittelglieder, welche die Leibesabschnitte und Gliedmassen der Larven auf die des erwachsenen Thieres zurückzuführen erlaubt hätten. Die umfassenden und sorgfältigen Untersuchungen von Claus haben diese Lücke ausgefüllt und die Abtheilung der Copepoden zu einer der bestgekannten der ganzen Klasse erhoben. Den Arbeiten dieses wackeren Forschers sind die folgenden Angaben entnommen. Ich hebe aus der Fülle wichtiger Thatsachen, die darin niedergelegt sind, nur das für das Verständniss der Kruster- entwicklung im Allgemeinen Unentbehrliche hervor, weil, was die Copepoden im Besonderen anlangt, schon durch die Darstellung ihres neuesten Bearbeiters die Thatsachen in's rechte Licht gestellt sind, und Jedem, der offene Augen hat, als wichtige Belege für die Darwin'sche Lehre erscheinen müssen ^). 1) Dürfte man die Phyllopoden als nächste Verwandte der Trilobiten betrachten, worüber ich kein Urtheil wage, so würden sie neben Lepidosteus und Polypterus, Lepidosiren und Protopterus ein weiteres Beispiel liefern für die Erhaltung im Meere längst erloschener Formen im Binnenwasser. Das Vorkommen der Artemien in übersalzenem Wasser würde dabei zeigen, dass sie nicht durch das süsse Wasser, sondern durch die hier geringere Mitbewerbung der Vernichtung entgingen. 2) „Der Kiefer der Krebslarve ist eine Art Phyllopodenfuss" Claus. 3) Das neueste grössere Werk von Claus über Copepoden kenne ich noch nicht; doch wird sich von ihm ohne Zweifel dasselbe sagen lassen. Pur Darwin. 237 Alle von Claus untersuchten Larven der freilebenden Copepoden haben in frühester Zeit drei Gliedmassenpaare (die späteren P'ühler und Kinnbacken), die vorderen mit einfacher, die zwei nachfolgenden mit zweifachen Gliederreihen oder Aesten. Das unpaare Auge, Oberlippe, Mund nehmen schon ihre bleibende Stelle ein. Die hintere, meist kurze, gliedmassenlose Leibespartie trägt zwei Endborsten, zwischen denen der After liegt. Die Gestalt dieser Naupliusbrut ist äusserst mannichfaltig, bald seitlich comprimirt, bald flach, — bald langstreckig, bald oval, bald rund oder selbst breiter als lang u. s. w. Die Veränderungen, welche die ersten Larvenstadien mit dem weiteren Wachsthume erleiden, beruhen im Wesent- lichen auf einer Streckung des Leibes und Hervorsprossen neuer Gliedmassen. „Das nachfolgende Stadium weist schon ein viertes Extremitätenpaar, die späteren Maxillen, auf." Dann folgen auf einmal drei neue Gliedmassenpaare (die Kiefer- üsse und die zwei vorderen Schwimmfusspaare). Noch bleibt die Larve Nauplius- Fig. 53- Fig. 54- Fig. 53. 54. Nauplius von Copepoden, erstere 90, letztere 180 mal vergr. ähnlich, indem die drei vordem Gliedmassenpaare Ruderfüsse darstellen ; bei einer neuen Häutung verwandelt sie sich in den jüngsten Cyclops-ähnlichen Zustand, sie gleich nun im Bau der Fühler und Mundtheile dem erwachsenen Thiere, wenn auch die Zahl der Gliedmassen und Leibesringe noch eine viel geringere ist, denn es sind nur, in Form mit Borsten besetzter Wülste, die Anlagen des dritten und vierten Schwimmfusspaares hinzugekommen und der Leib besteht aus dem ovalen Kopfbruststück, dem zweiten bis vierten Thoracalsegment und einem langgestreckten Endgliede. Bei den Cyclopiden haben die hinteren Fühler ihre Nebenäste verloren, die Kinnbacken vollständig den früheren Schwimmfuss ab- geworfen, während bei den übrigen Familien diese Anhänge mehr oder weniger verändert fortbestehen. „Ueber diese Stufe der freien Entwicklung gelangen viele Formen der parasitischen Copepoden, z. B. Lernanthropus und Chondracanthus, nicht hinaus, indem sie weder die Gliedmassen des dritten und vierten Paares erhalten, noch eine Sonderung des fünften Thoracalsegments vom Abdomen zu Stande kommt; andere (Achtheres) sinken sogar durch den späteren Verlust der beiden Schwimmfusspaare auf eine tiefere Stufe zurück. Alle freilebenden Cope- poden aber und die meisten Schmarotzerkrebse durchlaufen noch eine grössere oder geringere Reihe von Entwicklungsstadien, in welchen in continuirlicher Aufeinanderfolge die Gliedmassen eine höhere Gliederung erhalten, die hinteren Fusspaare zur Entwicklung kommen und aus dem gemeinsamen Endabschnitt sich der Reihe nach das letzte Thoracalsegment und die einzelnen Abdominal- segmente sondern." ^38 Für Darwin. Aus der Entwicklungsgeschichte der Schmarotzer krebse sei nur noch hervorgehoben, dass einige derselben, z. B. Achtheres percarum, zwar auch wie die andern in Nauplius-ähnlicher Gestalt das Ei verlassen, indem der plumpe, ovale, mundlose Leib zwei Paar einfache Ruderfüsse und dahinter als Rest des dritten Paares zwei mit einer langen Borste versehene Auftreibungen trägt, dass aber unter dieser Naupliushaut schon eine weit verschiedene Larve fertig liegt, die nach wenig Stunden ihre unbeholfene Hülle sprengt und nun in einer Gestalt auftritt, „welche in der Gliederung des Körpers und in der x\usbildung der Extremitätenpaare mit dem ersten Cyclopsstadium übereinstimmt" (Claus). Die ganze Reihe von Naupliusstadien, welche die freilebenden Copepoden durchlaufen, wird hier vollständig übersprungen. Fig. 55- Fig- 56- Fig- 55- Nauplius der Tetraclita porosa, nach der ersten Häutung, gomal vergr. Man sieht um das Auge das Gehirn, von dem die Riechfäden entspringen, und dahinter einige zarte zur Mundkappe gehende Muskeln. Fig. 56. Nauplius der Sacculina purpurea, kurz vor der zweiten Häutung, iSomalvergr. Im ersten Fusspaare sind die späteren Haftfüsse, im Hinterleibe sechs Paar langborstiger Schwimmfüsse zu erkennen. Eine letzte sehr eigenthümliche Abtheilung der Kruster bilden die beiden Ordnungen der Rankenfüsser (Cirripedia) und der Wurzelkrebse (R h i z o c e p h a 1 a) 1). 1) Ueber die Stellung der Rankenfüsser herrschen die abweichendsten Ansichten. Die Einen weisen ihnen eine sehr untergeordnete Stellung unter den Copepoden an; so Milne Edwards (1852). Im ge- raden Gegensatz zu dieser Auffassung seines Vaters stellt sie Alph. Milne Edwards als Basinotes allen übrigen Krustern (Eleutheronotes) gegenüber. Darwin betrachtet sie als besondere den Podophthalmen, Edriophthalmen u. s. w. gleichwerthige Unterklasse. Dies scheint mir das Passendste. Die Wurzelkrebse möchte ich nicht den Rankenfüssern einverleiben, wie Liljeborg, sondern als gleichwerthig gegenüberstellen, wie die Amphipoden den Isopoden. — Man spricht auch wohl von der nahen Verwandtschaft der Ranken- füsser mit den Ostracoden; die Aehnlichkeit aber der sogenannten „cyprisähnlichen Larven" oder Ranken- füsserpuppen, wie sie Darwin nennt, mit den Cypris ist eine so rein äusserliche, selbst was die Schale anlangt, dass mir die Verwandtschaft kaum grösser scheint, als etwa die des Peltogaster socialis (Fig. 59) mit der Familie der Schlack- und Leberwürste. Für Darwin. 2^q Auch hier schwärmt die Brut in Naupliusgestalt aus und streift nach Kurzem eine früheste durch keine erwähnenswerthen Eigenthümlichkeiten ausgezeichnete Larvenhaut ab. Auch hier kehrt dieselbe Birnform des ungegliederten Leibes, dieselbe Zahl und Bildung der Füsse, dieselbe Lage des unpaaren Auges (das indess bei Sacculina purpurea und nach Darwin bei einigen Lepas vermisst wird), dieselbe Lage der „Mundkappe" wieder, wie sie bei den Nauplius der Garneelen und der Copepoden sich findet. Unterschieden von letzteren sind die Nauplius der Rankenfüsser und Wurzelkrebse durch den Besitz eines Rückenschildes oder Panzers, der bisweilen (Sacculina purpurea) den Körper ringsum weit überragt; unterschieden nicht nur von anderen Nauplius, sondern soviel mir bekannt von allen anderen Krustern dadurch, dass Gebilde, die sonst mit den beiden vorderen Gliedmassenpaaren (Fühlern) verbunden sind, hier von ihnen getrennt auftreten. Die vorderen Fühler der Copepoden, der Cladoceren, der Phyllopoden (Leydig, Claus), der Ostracoden (wenigstens der Cypridinen), der Diastyliden, der Edri- ophthalmen und der Podophthalmen tragen mit wenigen, Landthiere oder Schmarotzer betreffenden Ausnahmen, eigenthümliche Fäden, deren ich schon mehrmals als „Riechfäden" Erwähnung gethan. Ein Paar ganz ähnliche Fäden entspringen bei den Larven der Rankenfüsser und Wurzelkrebse unmittelbar vom Gehirn (Fig. 55). Am Grunde der unteren Fühler mündet bei Krabben und Krebsen, bei letztern am Ende eines kegelförmigen Vorsprunges die sogenannte „grüne Drüse" aus. Ein ähnlicher kegelförmiger Vorsprung mit dem ihn durchsetzenden Aus- führungsgange ist bei den meisten Amphipoden sehr augenfällig. Bei den Ostra- coden beschreibt Zenker eine im Grunde der unteren Fühler gelegene Drüse, die am Ende eines ungemein langen „Stachels" ausmündet. Bei den Nauplius der Cyclops und Cyclopsine findet Claus helle „Schalendrüsen", die am mittleren Glied- massenpaare (den hinteren Fühlern) beginnen. Dagegen münden bei den Nauplius der Rankenfüsser und Wurzelkrebse die „Schalendrüsen" am Ende kegelförmiger Fortsätze von bisweilen abenteuerlicher Länge, die von den Ecken des breiten Stirnrandes ausgehen und bald als Fühler (Burmeister, Darwin), bald als blosse „Hörner des Rückenschildes" (Krohn) gedeutet worden sind. Die Verbindung der „Schalendrüse" mit den Stirnhörnern wurde bei Lepaslarven in unzweideutiger Weise erkannt, wie denn überhaupt die AehnHchkeit der Stirnhörner mit dem kegelförmigen Vorsprung an den unteren Fühlern der Amphipoden oder des Leucifer eine vollständige ist ^). Uebereinstimmend in diesen wichtigen Eigenthümlichkeiten bieten die Nauplius der beiden Ordnungen in manchen anderen Stücken erhebliche Unterschiede. Der Hinterleib der jungen Rankenfüsser läuft unterhalb des Afters in einen langen am Ende gabiig getheilten schwanzförmigen Anhang aus und über dem After steht ein zweiter langer Stachelfortsatz ; der Hinterleib der Wurzelkrebse endet in zwei kurze Spitzen, in eine „bewegliche Schwanzgabel, wie bei den Räderthieren" (Oscar Schmidt). Die jungen Rankenfüsser haben Mund, Magen, Darm, After und ihre beiden hinteren Gliedmassenpaare sind mit mannichfachen Zacken, Borsten und Haken besetzt, die jedenfalls bei der Nahrungsaufnahme mitwirken. Dies i) Es mag bei dieser Gelegenheit erwähnt werden, dass bei den Weibchen von Brachyscelus, denen die hinteren Fühler fehlen, doch die kegelförmigen Vorspiünge mit dem sie durchsetzenden Canale erhalten bleiben. 240 Für Darwin. Alles vermisst man bei den jungen Wurzel krebsen. Die Nauplius der Ranken- füsser haben als solche mehrfache Häutungen zu bestehen ; die Nauplius der Wurzelkrebse können, — mundlos, wie sie sind, — natürlich nicht lange als solche leben und schon nach wenigen Tagen verwandeln sie sich in ebenfalls mundlose „Puppen", wie sie Darwin nennt. Der Panzer klappt sich zusammen, so dass das Thierchen ein muschelähn- liches Aussehen erhält, die vordersten Gliedmassen verwandeln sich in sehr eigen- thümliche Haftfüsse („prehensile antennae" Darw.), die beiden folgenden Paare werden abgeworfen, wie die Stirnhörner. Am Hinterleibe haben sich unter der Naupliushaut sechs Paar kräftiger, zweiästiger, langborstiger Schwimmfüsse ge- bildet, und dahinter stehen zwei kurze borstentragende Schwanzanhänge. (Fig. 58.) Fig. 57 Fig. 57. Puppe eines Balaniden (Chthamalus ?) , 5omal vergr. — Die Haftfüsse sind in den ziem- lich undurchsichtigen vorderen Theil der Schale zurückgezogen. Fig. 58. Puppe der Sacculina purpurea, 1 80 mal vergr. Die Fäden an den Haftfüssen mögen die An- fänge der späteren Wurzeln sein. Die Puppen der Rankenfüsser (Fig. 57), die gleichfalls mundlos sind, stimmen in allen diesen Stücken vollständig mit denen der Wurzelkrebse überein, bis ins Einzelnste der Gliederung und Beborstung der Schwimmfusspaare ^) ; sie unter- scheiden sich von ihnen besonders durch den Besitz paariger zusammengesetzter Augen. Bisweilen scheinen auch Spuren der Stirnhörner zu bleiben ^). Wie die Rankenfüsser und Wurzelkrebse im Allgemeinen jetzt einander weit ähnlicher sind, als in ihrem Naupliuszustande, so gilt dasselbe ebenso für die einzelnen Mitglieder jeder der beiden Ordnungen. Die Puppen beider Ordnungen setzen sich mittelst der Haftfüsse fest; die der Rankenfüsser an Felsen, Muscheln, Schildkröten, Treibholz, Schiffe u. s. w., die der Wurzelkrebse an den Hinterleib von Krabben, Porcellanen, Einsiedler- krebsen. Der Panzer der Rankenfüsser verwandelt sich bekanntlich in ein eigen- thümliches Gehäuse, um dessentwillen man sie früher zu den Mollusken stellte, und die Schwimmfüsse wachsen zu langen Ranken aus, die dem nun geöffneten Munde Nahrung zustrudeln. Die Wurzelkrebse bleiben mundlos ; sie verlieren spurlos alle Gliedmassen und erscheinen als wurst-, sack-, oder scheibenförmige mit Eiern gefüllte Auswüchse ihres Wohnthieres (Fig. 59, 60); von der Anheftungsstelle senken sich wurzelartig verästelte geschlossene Röhren in das Innere des Wirthes, 1) Man vergleiche die Abbildung, welche Darwin (Balanidae, PI. XXX, Fig. 5) vom ersten Schwimmfüsse der Puppe von Lepas australis gibt, mit der im Archiv für Naturgeschichte (1863, Taf. III, Fig. 5 == Ges. Schriften Taf. XXIII) mitgetheilten von Lernaeodiscus Porcellanae. Der einzige Unterschied, dass bei letzteren am Ende des äusseren Astes nur 3 Borsten stehen, bei den Rankenfüssern 4 am ersten, 5 an den folgenden Schwimmfüssen, mag auf einem Irrthum meinerseits beruhen. 2) Darwin beschreibt als „acoustic orifices" kleine Oeffnungen in der Schale der Rankenfüsserpuppen, die öfter von einem Rande umgeben, bei Lepas pectinata auf kurzen homartigen Fortsätzen gelegen sind. Ich trage kaum Bedenken, die Oeffnungen für die der „Schalendrüse", die homartigen Fortsätze für Ueber bleibsei der Stirnhörner zu halten. Für Darwin. 241 dessen Darm umspinnend, oder zwischen den Leberschläuchen sich ausbreitend. Die einzigen Lebensäusserungen, die diesen Non plus ultra's in der Reihe der rückschreitend sich verwandelnden Kruster geblieben, sind einmal kräftige Zu- sammenziehungen der Wurzeln und dann ein abwechselndes Ausdehnen und Zusammenziehen des Körpers, in Folge dessen Wasser durch eine weite Oeffnung der Bruthöhle einströmt und wieder ausgetrieben wird ^). Von mehreren in Bau und Entwicklung abweichenden Rankenfüssern ver- dient hier Cryptophialus minutus Erwähnung, der von Darwin massenweise in der Schale der Concholepas peruviana bei den Chonos-Inseln gefunden wurde. Fig. 59- Fig. 60. Fig. 61. Fig. 62. Fig. 63. mm, Fig. 64. Fig- 59- Junge Peltogaster socialis, am Hinterleibe eines kleinen Einsiedlerkrebses; bei einem der- selben sind die in der Leber des Krebses büschelförmig verzweigten Wurzeln gezeichnet. Thier und Wurzeln dottergelb. Fig. 60. Junge Sacculina purpurea mit ihren Wurzeln; das Thier purpurroth, die Wurzeln dunkel- grasgrün, 5mal vergr. (vergi. auch Ges. Schriften Taf. XVII). Fig. 61. 62. 63. Eier von Tetraclita porosa in der Furchung, gomal vergr. Die grössere der beiden zuerst gebildeten Furchungskugeln ist stets dem spitzen Ende des Eies zugewandt. Fig. 64. Ei von Lernaeodiscus Porceilanae, in der Furchung, gomal vergr. Das anfangs elliptische Ei wird nach Darwin bald am vorderen Ende breiter und erhält drei keulenförmige Hörner, eins hinten, eins an jeder Vorderecke; innre Theile sind jetzt noch nicht zu entdecken. Später schwindet das hintere Hörn und im Innern der vorderen lassen sich die Haftfüsse erkennen. Aus dieser „ei-ähnlichen Larve" (egg-like larva ; — I hardly know% what to call it, sagt Darwin) geht unmittelbar die Puppe hervor. Ihr Panzer ist wenig seitlich zusammen- gedrückt und behaart, wie bei Sacculina purpurea, die Haftfüsse sind von an- sehnlicher Grösse, Schwimmfüsse fehlen, wie beim erwachsenen Thiere die ent- sprechenden Rankenfüsse. Zum Schlüsse dieses Ueberblicks einige Worte über die frühesten Ent- wickelungsvorgänge im Ei der Kruster. Vor Kurzem noch galt als allgemeine Regel, dass sich durch theilweise Furchung des Dotters eine Keimscheibe und in dieser, der Bauchseite des Embryo entsprechend, ein Primitivstreifen bilde. Man weiss jetzt, dass bei den Copepoden (Claus), bei den Wurzelkrebsen (Fig. 64), und, i) Die Wurzeln der an einem kleinen Einsiedlerkrebse schmarotzenden Sacculina puipurea (Fig. 60) machen sich zwei schmarotzende Asseln zu Nutze, ein Bopyrus und der schon erwähnte Cryptoniscus planarioides (Fig. 42); sie siedeln sich unter der Sacculina an und bringen sie zum Absterben, indem sie die von den Wurzeln zugeführte Nahrung vorwegnehmen; die Wurzeln aber wuchern auch ohne Sacculina weiter, imd erlangen selbst, namentlich wo ein Bopyrus sich aus ihnen nährt, oft eine ungewöhnliche Aus- dehnung. Fritz Müllers gesammelte Schriften. 16 ■yA'y Für Darwin. wie ich hinzusetzen kann, bei den Rankenfüssern (Fig. 6i — 63) die Furchung eine totale ist. und die Embryonen ohne vorausgehenden Primitivstreifen in ihrer ganzen Gestalt angelegt werden. Wahrscheinlich wird Letzteres überall der Fall sein, wo die Jungen als wirkliche Nauplius (und nicht blos mit Naupliushaut, wie bei Achtheres) ausschlüpfen. Beiderlei Entwicklungsweisen können bei nächst- verwandten Thieren vorkommen, wie Achtheres unter den Copepoden beweist ^). X. Vielleicht vermag ein Anderer, glücklicher als ich, auch ohne Darwin den leitenden Pfaden zu finden durch den Wirrwarr der bald bei nächsten Verwandten so himmelweit verschiedenen, bald bei Gliedern der entferntesten Kreise so über- raschend ähnhchen Entwicklungsformen, die so eben flüchtig an uns vorüber- zogen. Vielleicht vermag ein schärferes Auge mit Agassiz den ,,seit Urbeginn feststehenden Plan des Schöpfers" ^) herauszulesen, der auch hier, wie ein portu- giesisches Sprichwort sagt ^), „in krummen Linien gerade" geschrieben haben mag. Mir will es scheinen, dass von einem allgemeinen Plane, von einer typischen, nach den einzelnen] Abtheilungen, Ordnungen, Familien gegliederten Entwicklungs- weise der Kruster kaum die Rede sein kann, wenn z. B. unter den langschwän- zigen Krebsen der Flusskrebs in bleibender Gestalt, der Hummer mit Schizo- podenfüssen , Palaemon wie die Krabben als Zoea, Peneus wie die Ranken- füsser als Nauplius das Ei verlässt, und wenn immer noch in derselben Unter- ordnung der Langschwänze Palinurus und Mysis und Euphausia wieder andere und andere Jugendformen zeigen; — wenn neue Gliedmassen bald als freie Stummel an der Bauchseite hervorspriessen, bald unter der glatt über sie hinweg- gehenden Haut sich bilden und beiderlei Entwicklungsweisen an verschiedenen Gliedern bei demselben Thiere, und an demselben Gliederpaare bei verschiedenen Thieren gefunden werden ; — wenn bei den Podophthalmen die Gliedmassen des Mittel- und Hinterleibes bald alle gleichzeitig, bald jene und bald diese früher, und wenn wieder in jeder der beiden Gruppen bald alle Paare gleichzeitig auf- treten, bald eines nach dem andern, — wenn unter den Hyperinen bei Phronima ein einfacher Fuss zur Scheere, bei Brachyscelus eine Scheere zum einfachen Fusse wird, u. s. w. — Und doch sollte ja nach der Lehre der Schule gerade in der Jugend, gerade im Laufe der Entwicklung der „Typus" am un verhülltesten hervortreten. Aber hören wir, was uns überhaupt die Schule über die Bedeutung der Entwicklungs- geschichte und über ihre Beziehung zur vergleichenden Anatomie und Syste- matik sagt. Lassen wir zwei ihrer bewährtesten Meister reden. i) Es ist niclit die Rede gewesen von den Pycnogoniden, weil ich sie nicht für Kruster halte; nicht von den Xiphosuren und Trilobiten, die ich nie selbst untersuchte, weil ich sie zu wenig kenne und namentlich mit den von Barrande gegebenen Aufschlüssen über die Enlwickelung der letzteren nicht im Einzelnen bekannt geworden biu. 2) ,,a plan fully matured in the beginning and undeviatingly pursued", oder: „In the beginning His plan was formed and from it He has never swerved in any particular" Agassiz and Gould, Principles of Zoology. 3) „Deos escreve direito em linhas tortas." Zum Lesen dieser sonderbaren Schrift bedarf man be- kanntlich der Brille des Glaubens, die an's Mikroskop gewöhnten Augen selten passt. Für Darwin. H3 „Indem die vergleichende Anatomie", sagte Johannes Müller 1844 in seinen Vorträgen über diese Wissenschaft, und die Ansichten meines unvergesslichen Lehrers sind lange Jahre die meinigen geblieben, — „indem die vergleichende Anatomie uns die unendlich mannichfache Gestaltung desselben Organes in der Thierwelt zeigt, gibt sie uns hierin das Mittel, durch Vergleichung dieser ver- schiedenen Formen das eigentlich Wesentliche, den Typus dieser Organe zu er- kennen und davon alles Unwesentliche abzuscheiden. — Hierin dient ihr zur Controle oder Probe die Entwicklungsgeschichte. Da nämlich der Begriff der Entwicklung nicht der des Grösserwerdens ist, sondern der des Fortschritts von einem noch nicht Unterschiedenen, welches aber potentia die Unterschiede in sich enthält, zu einem actu Unterschiedenen, so leuchtet ein, dass, je weniger ein Organ entwickelt ist, es sich um so mehr dem Typus nähert, und dass es bei seiner Ent- wickelung immer mehr Besonderheiten in sich aufnimmt. Die durch die ver- gleichende Anatomie und die durch die Entwicklungsgeschichte gefundenen Typen müssen nun übereinstimmen." Nachdem Johannes Müller dann die Idee einer Stufenleiter der Thiere, und eines Durchlaufens mehrerer Thierstufen während der Entwicklung bekämpft, fährt er fort : „Das Wahre an dieser Idee ist, dass jeder Embryo anfangs nur den Typus seiner Abtheilung an sich trägt, woraus sich erst später der Typus der Klasse, Ordnung u. s. w. entwickelt." Agassiz spricht sich 1856 in einem elementaren Werke ^), in das man doch nur aufzunehmen pflegt, was man als wohlgesichertes Besitzthum der Wissenschaft betrachtet, in folgender Weise aus: „Die Eierstockseier aller Thiere sind vollkommen gleich (identical), kleine Zellen mit Dotter, Keimbläschen und Keimfleck" (§278). „Die Organe des Körpers werden gebildet in der Reihenfolge ihrer organischen Wichtigkeit; die wesentlichsten erscheinen immer zuerst. So die Organe des vegetativen Lebens, Darm u. s. w. später als die des animalen Lebeus, Nervensystem, Skelet u. s. w., und diesen wieder gehen die all- gemeineren Erscheinungen voraus, die dem Thiere als solchem zukommen" 2). (§ 318.) „So bestehen beim Fische die ersten Veränderungen in der Dotter- furchung und der Bildung eines Keimes, — Vorgängen, die allen Thierklassen gemeinsam sind. Dann erscheint die Rückenfurche, die das Wirbelthier kenn- zeichnet, — das Hirn, die Sinneswerkzeuge; — später bilden sich Darm, Glied- massen unb die bleibende Form der Athmungswerkzeuge, woraus mit Sicherheit die Klasse erkannt wird. Erst nach dem Ausschlüpfen bezeichnen die Eigen- thümHchkeiten der Zahn- und Flossenbildung Gattung und Art" (§319). „Daher gleichen Embryonen verschiedener Thiere einander um so mehr, je jünger sie sind." (§ 320.) „Somit ist die hohe Bedeutung der Entwicklungs- geschichte unzweifelhaft. Denn, wenn die Bildung der Organe statt- findet in der ihrer Wichtigkeit entsprechenden Ordnung, so muss selbstverständlich (of itself) diese Reihenfolge ein Kriterium ihres verhältnissmässigen Werthes für die Systematik (Classification) i) Principles of Zoology. Part I. Comparative Physiology. By Louis Agassiz and A. A. Gould. Revised Edition. Boston, 1856. 2) „and these, in tum, are preceded by the more general phenomena, belonging to the animal as such." 16* _ . , Für Darwin. 244 sein. Die Eigenthümlichkeiten, welche früher erscheinen, soll man höher werthen (should be considered of higher value), als die, welche später erscheinen." (§ 321.) „Ein System um wahr und natürlich zu sein, muss übereinstimmen mit der Aufeinanderfolge der Organe in der Entwicklung des Embryo." (§ 322). Ich weiss nicht, ob noch heute Jemand geneigt sein wird, diese Sätze in ihrem ganzen Umfange zu unterschreiben^). Sicher ist, dass im Wesenthchen gleiche Ansichten noch überall bei systematischen Erörterungen durchklingen, und dass sich bis in die letzten Jahre hinein die wenig glücklichen Versuche wiederholt haben, die Entwicklungsgeschichte als Grundlage der Systematik zu benutzen. Wie stimmen nun mit diesen Sätzen unsere Erfahrungen aus der Entwick- lungsgeschichte der Kruster? Dass diese Erfahrungen sich grösstentheils auf die „freie Verwandlung" nach dem Verlassen des Eies beziehen, kann der Anwend- barkeit der zunächst für die „embryonale Entwicklung" im Eie ausgesprochenen Sätze keinen Eintrag thun; Agassiz selbst hebt hervor (§ 391), dass beiderlei Veränderungen von gleicher Natur und gleicher Wichtigkeit sind und dass kein wesentlicher Unterschied (any radical distinction) dadurch bedingt wird, dass die einen vor, die andern nach der Geburt stattfinden. „Die Eierstockseier aller Thiere sind identisch, kleine Zellen mit Dotter, Keimbläschen, Keimfleck." Ja, etwa wie alle Insecten identisch sind, — kleine Thiere mit Kopf, Brust und Hinterleib, — wenn man nämlich, nur das Gemeinsame berücksichtigend, absieht von der Verschiedenheit ihrer Entwicklung, von der Ab- oder Anwesenheit und dem mannichfaltigen Bau der Dotterhaut, von der wechselnden Zusammensetzung des Dotters, der verschiedenen Zahl und Bildung der Keimflecken u. s. w. Zahlreiche , leicht zu vermehrende Beispiele solcher tiefgreifenden Verschiedenheiten gibt Leydig's Lehrbuch der Histologie. — Bei den Krustern liefern die Eierstockseier sogar bisweilen treffliche Merkmale zur Unterscheidung von Arten derselben Gattung, wie sie z. B. bei einer hiesigen Porcellana schwärzlichgrün, bei einer zweiten dunkelblutroth, bei einer dritten dottergelb sind; und innerhalb derselben Ordnung zeigen sie erhebliche Unter- schiede in der Grösse, die, wie schon van Beneden und Claus hervorgehoben, in innigem Zusammenhang steht mit der späteren Entwicklungs weise. „DieOrgane desKörpers werden gebildet in der Reihenfolge ihrer organischen Wichtigkeit; die wesentlichsten erscheinen immer zuerst." Man könnte den Satz von vornherein als unbeweisbar be- zeichnen, da es unmöglich ist, sei es im Allgemeinen, sei es für ein besonderes Thier, eine Reihenfolge der Wichtigkeit unter gleich unentbehrlichen Theilen festzustellen. — Was ist wichtiger, Lunge oder Herz? — Leber oder Niere? — Arterie oder Vene? — Man könnte statt wie Agassiz die Organe des animalen Lebens, mit gleichem Rechte die des vegetativen Lebens vorausstellen, da w^ohl i) Agassiz' eigene Ansichten sind neuerdings, soviel aus Rudolf Wagner's Anzeige seines „Essay on Classification" zu ersehen ist, wesentlich andre geworden. Eine Kritik der obigen älteren, aber noch heute weitverbreiteten Ansichten trifft Agassiz selbst nicht mehr. Seine neuere Auffassungsweise kenne ich leider eben nur aus R. W.'s etwas confusem Berichte und habe daher geglaubt, mir irgendwelche kritische Bemerkung über dieselbe nicht erlauben zu dürfen. Für Darwin. 245 diese ohne jene, nicht aber jene ohne diese denkbar sind. Man könnte einwenden, dass ja nach diesem Satze provisorische Organe als die früher entstandenen an Wichtigkeit die bleibenden später gebildeten übertreffen müssten. — Aber halten wir uns an die Kruster. Bei Polyphemus findet Leydig schon während der Fur- chung die erste Anlage des Darmrohrs, Bei Mysis bildet sich zuerst ein pro- visorischer Schwanz, bei Ligia eine madenförmige Larvenhaut. Das einfache un- paare Auge entsteht früher und wäre also wichtiger, als die zusammengesetzten paarigen ; die Schuppe des Garneelenfühlers wichtiger, als die Geissei ; die Kiefer- füsse der Krabben und Krebse wichtiger als Scheeren und Gangfüsse, bei den Asseln die sechs vorderen Fusspaare wichtiger, als das ganz gleich gebildete siebente; bei den Amphipoden das wichtigste aller Organe der bald nach dem Ausschlüpfen spurlos verschwindende „Mikropylapparat" ; bei den Cyclopen wich- tiger als alle Schwimmfüsse die Borsten des Schwanzes, bei den Cirripedien die hinteren Fühler, von denen man nicht weiss, wo sie bleiben, wichtiger als die Rankenfüsse u. s. w. Die unwesentlichsten aller Organe wären die Geschlechts- theile, die wesentlichste Eigenthümlichkeit aber läge in der bis auf's Eierstocksei zurückführbaren Farbe. „Embryonen, Jugendzustände verschiedener Thiere gleichen einander um so mehr, je jünger sie sind", oder wie Johannes Müller es ausdrückt, „nähern sich um so mehr dem gemeinsamen Typu s". So verschieden die Begriffe sein mögen, die man mit dem Worte Typus verbindet so wird doch Niemand bestreiten, dass die typische Form des vorletzten Fuss- paares der Amphipoden die eines einfachen Gangfusses, und nicht die einer Scheere ist; denn letztere findet sich bei keinem einzigen erwachsenen Amphipoden; man kennt sie nur von den Jungen der Gattung Brachyscelus, die sich also hierin unzweifelhaft weiter vom T3APUS ihrer Ordnung entfernen, als die Alten. Dasselbe gilt von den jungen Männchen der Strandhüpfer (Orchestia) in Bezug auf das zweite Paar der Vorderfüsse (Gnathopoda). Ebenso wird kaum Jemand anstehen, den Besitz von sieben Fusspaaren als „typische" Eigenthümlichkeit der Edrioph- thalmen anzuerkennen, die Agassiz gerade danach Tetradecapoden nennt; die jungen Asseln, die Dodecapoden sind, stehen auch hier dem „Typus" ferner als die Alten. Regel ist allerdings, und so lässt es Darwin's Lehre erwarten, dass im Fort- schritte der Entwicklung die anfangs ähnlicheren Formen immer weiter aus- einandergehen ; aber hier, wie in anderen Klassen, sind die Ausnahmen, für die die Schule keine Erklärung hat, zahlreich. Nicht selten könnte man den Satz, geradezu umkehren und behaupten, dass die Verschiedenheit um so grösser wird, je weiter man in der Entwicklung zurückgeht, und das nicht nur in Fällen, wo von zwei nahestehenden Arten die eine sich direct entwickelt, die andere mehr- fache Larvenzustände durchläuft, — wie etwa der Flusskrebs und die aus Nauplius- brut hervorgehenden Garneelen. Man kann dasselbe sagen z. B. von Asseln und Amphipoden; bei den erwachsenen Thieren ist die Gliedmassenzahl dieselbe; man kann beim ersten Anblick eines Cyrtophium, einer Dulichia, man kann selbst nach sorgfältiger Untersuchung einer Scheerenassel in Zweifel bleiben, ob man eine Assel oder einen Amphipoden vor sich habe, bei den ausschlüpfenden Jungen ist die Zahl der Gliedmassen verschieden und geht man zurück ins Eileben, so ge- 246 Für Darwin. nügt der flüchtigste Blick, um an der Krümmung nach oben oder unten selbst die jüngsten Embryonen der beiden Ordnungen zu unterscheiden. In anderen Fällen gehen die Wege, die von gleichem Ausgan gspuncte zu gleichem Ziele führen, in der Mitte der Entwicklung weit auseinander, wie bei den oben geschilderten Garneelen mit Naupliusbrut. Endlich, damit auch die letzte Möglichkeit erschöpft werde, kommt es vor, dass die grösste Aehnlichkeit in die Mitte der Entwicklung fällt. Das schlagendste Beispiel liefern Rankenfüsser und Wurzelkrebse, mag man nun die beiden Ord- nungen mit einander, oder die Glieder einer jeden unter sich vergleichen; aus ganz verschieden ablaufender Furchung (s. Fig. 61 — 64) gehen mannichfaltige Nauplius hervor, diese verwandeln sich in äusserst ähnliche Puppen und aus den Puppen werden wieder himmelweit verschiedene geschlechtsreife Thiere. „Wenn die Bildung der Organe stattfindet in der ihrer Wich- tigkeit entsprechenden Ordnung, so muss selbstverständlich diese Reihenfolge ein Kriterium ihres verhältnissmässigen Werthes für die Systematik sein." — Vorausgesetzt nämlich, dass physiologischer und systematischer Werth eines Organes zusammen- fallen ! — Wie es in christlichen Landen eine Katechismusmoral gibt, die Jeder im Munde führt, Niemand zu befolgen sich verpflichtet hält oder von Anderen befolgt zu sehen erwartet, so hat auch die Zoologie ihre Dogmen, die man ebenso allgemein bekennt, als in der Praxis verläugnet. Ein solches Dogma ist die von Agassiz stillschweigend gemachte Voraussetzung. Unter Hundert, die sich ge- drungen fühlen, als Einleitung eines Handbuchs oder einer monographischen Ar- beit ihr systematisches Glaubensbekenntniss abzulegen, werden Neun und neunzig damit beginnen, dass ein natürliches System sich nicht auf ein einziges Merkmal stützen dürfe, sondern alle Merkmale, den gesammten Bau des Thieres zu berück- sichtigen habe, dass man aber diese Merkmale nicht wie gleichnamige Grössen einfach summiren dürfe, dass man sie nicht zählen, sondern wägen und das jedem einzelnen beizulegende Gewicht nach seiner physiologischen Bedeutung bemessen müsse. — Vielleicht folgt dann noch einiges allgemein gehaltene Wortgeklingel über die vergleichungsweise Wichtigkeit von animalen und vegetativen Organen, von Kreislauf, Athmung u, dgl. — Geht es aber an die eigentliche Arbeit, an das Sichten und Anordnen der Arten, Gattungen, Familien u. s. w., so wird wahr- scheinlich nicht Einer der Neun und neunzig sich dieser schönen Regeln erinnern und den hoffnungslosen Versuch ihrer Durchführung im Einzelnen unternehmen. -■ Agassiz z. B. betrachtet wie Cuvier und im Gegensatz zur Mehrzahl der deutschen und englischen Zoologen die Strahlthiere als eine der grossen Haupt- abtheilungen des Thierreichs, trotzdem dass Niemand etwas weiss über die Be- deutung der strahligen Anordnung für das Leben dieser Thiere, und trotzdem dass die strahligen Echinodermen aus bilateralen Larven hervorgehen. Die „eigent- lichen Fische" theilt derselbe in Ctenoiden und Cycloiden, je nachdem der Hinter- rand der Schuppen gezähnelt oder glatt ist, — ein Umstand, dessen Wichtigkeit für das Thier verschwindend klein sein muss gegen die Eigenthümlichkeiten der Bezahnung, der Flossenbildung, der Wirbelzahl u. s. w. Um zu unserer Klasse der Kruster zurückzukehren, hat man bei deren Ein- theilung etwa auf die Unterschiede in den „wesentlichsten Organen" vorwaltende Für Darwin. 247 Rücksicht genommen ? — Etwa auf das Nervensystem ? — Bei den Corycaeiden fand Claus alle Bauchganglien in eine einzige breite Masse verschmolzen, bei den Calaniden eine lange Bauchganglienkette, jene also hierin den Spinnenkrabben, diese dem Hummer ähnlich, aber Niemandem fällt es im Traume ein, deshalb an eine Verwandtschaft der Corycaeiden mit den Krabben, der Calaniden mit den Krebsen zu denken. — Oder auf die Organe des Kreislaufs? — Aber da stehen unter den Copepoden die Cyclopiden und Corycaeiden ohne Herz neben den Cala- niden und Pontelliden mit einem Herzen. Und ebenso stellen sich unter den Ostracoden neben die herzlosen Cypris und Cythere die, wie ich finde, ein Herz besitzenden Cypridinen. — Oder auf die Athmungswerkzeuge? — Milne Edwards hatte es gethan, als er die Mysis und Leucifer von den Decapoden trennte, aber er selbst hat dies später als Fehlgriff erkannt. Bei einer Cypridina sehe ich an- sehnliche Kiemen, die ich bei einer zweiten Art vollständig vermisse, aber dies scheint mir kein Grund, diese Arten selbst nur generisch zu trennen. — Auf der anderen Seite, was wissen wir von der physiologischen Bedeutung der Segmentenzahl und all der Dinge, die wir als typische Eigenthümlichkeiten der verschiedenen Ordnungen zu betrachten, denen wir den höchsten systematischen Wert beizulegen pflegen? „Die Eigenthümlichkeiten, welche früher erscheinen, soll man höher werthen als die, welche später erscheinen. Ein System um wahr und natürlich zu sein, muss übereinstimmen mit der Aufeinanderfolge der Organe in der Entwicklung des Embryo." Sind früher erscheinende Eigenthümlichkeiten höher zu werthen, als später auf- tretende, so wird in Fällen, wo der Bau des erwachsenen Thieres die eine, der Bau der I>arve eine andre Stellung im System fordert, nicht jenes, sondern diese den entscheidenden Ausschlag zu geben haben. Wie man Lernaeen und Ranken- füsser um ihrer Naupliusbrut willen aus ihrem früheren Verbände löste und den Krustern zuwies, so wird man aus gleichem Grunde Peneus von den Garneelen trennen und mit Copepoden und Rankenfüssern vereinigen müssen. Aber davor dürfte wohl auch der eifrigste Embryomane zurückschrecken. Ein „wahres und natürliches System" der Kruster würde der Reihenfolge der Erscheinungen nach in erster Linie die verschiedene Weise der Furchung, dann die Lagerung des Embryo, weiterhin die Zahl der im Ei angelegten Glied- massen u. s. f. zu berücksichtigen haben und dürfte sich etwa in folgender Weise darstellen : Classis Cmstacea. Subclass I. Holoschista. Totale Furchung. Kein Primitivstreifen. Naupliusbrut. Ord. I. Ceratometopa. Nauplius mit Stirnhörnern. (Ranken- füsser, Wurzelkrebse.) Ord. 2. Leiometopa. Nauplius ohne Stirnhörner. (Cope- poden, ohne Achthercs u.s.w., Phyllopoden, Peneus.) Subclass n. Hemischista. Keine totale Furchung. A. Nototropa. Embryo aufwärts gekrümmt. Ord. 3. Protura. Der Schwanz bildet sich zuerst. (Mysis.) 248 Für Darwin. Ord. 4. Saccomorpha. Eine maden form ige Larvenhaut bildet sich zuerst. (Asseln.) B. Gasterotropa. Embryo bauch wärts gekrümmt. Ord. 5. Zoeogona. Gliedmassen nicht vollzählig im Ei angelegt. Zoeabrut. (Mehrzahl der Podophthalmen.) Ord. 6. Ametabola. Gliedmassen vollzählig im Ei an- gelegt. (Astacus. Gecarcinus. Amphipoden, ohne Hyperia ?) Die Probe mag genügen. Je weiter man auf diesem Wege ins Einzelne einginge, um so glänzender würde sich, wie man sich denken kann, die Natürlich- keit einer solchen Anordnung herausstellen. Alles in Allem genommen, so darf man wohl das Urtheil, das Agassiz über Darwin's Lehre aussprach, mit weit grösserem Rechte auf die eben beleuchteten Sätze anwenden: „Keine Theorie, so plausibel sie auch erscheinen mag, kann in der Wissenschaft zugelassen werden, wenn sie nicht durch Thatsachen unterstützt wird." XL Von dem nicht wohl zu umgehenden unerquicklichen Seitenblicke auf die Schule, die so vornehm herabzublicken weiss auf den „geistreichen Traum" Dar- win's und auf die „schwindelhafte Begeisterung" seiner Freunde, wende ich mich zu der angenehmen Aufgabe, die Entwicklungsgeschichte der Kruster aus dem Gesichtspuncte der Darwin'schen Lehre zu betrachten. Darwin selbst hat bereits die aus seinen Voraussetzungen für das Gebiet der Entwicklungsgeschichte sich ergebenden Folgerungen im dreizehnten Kapitel seines Buches erörtert. Für eine mehr ins Einzelne gehende Anwendung wird es indess nöthig, zunächst im Allgemeinen diesen Folgerungen etwas weiter nach- zugehen, als es dort geschehen ist. Die Veränderungen, durch welche sich Junge von ihren Erzeugern entfernen und deren allmähliche Häufung die Entstehung neuer Arten, Gattungen, Familien veranlasst, können in früherem oder späterem Lebensalter auftreten, in der Jugend oder zur Zeit der Geschlechtsreife. Denn letztere ist bei weitem nicht immer eine Zeit des Stillstandes, wie bei den Insecten; die meisten anderen Thiere fahren auch dann noch fort, zu wachsen und sich zu verändern. (Man vergleiche das oben über die Männchen der Amphipoden Bemerkte.) Gewisse Abweichungen können sogar ihrer Natur nach erst eintreten, wenn das Junge die Entwicklungs- stufe der Eltern erreicht hat. So besitzen die Seeraupen (Polynoe) anfangs nur wenige Leibesringe, die während der Entwicklung allmählich zu einer für ver- schiedene Arten verschiedenen, für jede derselben beständigen Zahl anwachsen; ehe nun ein Junges die Ringzahl seiner Eltern überschreiten könnte, müsste es sie natürlich erreicht haben. Man wird einen ähnlichen nachträglichen Fortschritt überall vermuthen dürfen, wo die Abweichung der Nachkommen in einem Zu- wachse neuer Ringe und Gliedmassen besteht. Die Nachkommen gelangen also zu einem neuen Ziele, ent- weder indem sie schon auf demWege zur elterlichen Form früher oder später abirren, oder indem sie diesen Weg zwar unbeirrt durchlaufen, aber dann statt stille zu stehen noch weiter schreiten. Für Darwin. 249 Die erstere Weise wird vorwiegend gewirkt haben, wo die Nachkommen- schaft gemeinsamer Ahnen einen in den wesentlichsten Zügen auf gleicher Stufe stehenden Formenkreis bildet, wie etwa sämmtliche Amphipoden, oder Krabben, oder Vögel. Dagegen wird man zur Annahme der zweiten Weise des Fort- schreitens geführt, sobald man von gemeinsamer Stammform Thiere abzuleiten sucht, von denen die einen übereinstimmen mit Jugendzuständen der anderen. Im ersteren Falle wird die Entwicklungsgeschichte der Nachkommen mit der ihrer Vorfahren nur bis zu dem Puncte zusammenfallen können, an dem ihre Wege sich schieden, über deren Bau im erwachsenen Zustande wird sie nichts lehren. Im zweiten Falle wird die ganze Entwicklung der Vorfahren auch von den Nachkommen durchlaufen und soweit daher die Entstehung einer Art auf dieser zweiten Weise des Fortschreitens beruht, wird die geschichtliche Entwicklung der Art sich abspiegeln in deren Entwicklungs- geschichte. — In der kurzen Frist weniger Wochen oder Monden führen die wechselnden Formen der Embryonen und Larven ein mehr oder minder voll- ständiges, mehr oder minder treues Bild der Wand- lungen an uns vorüber, durch welche die Art im Laufe ungezählter Jahrtausende zu ihrem gegen- wärtigen Stande sich emporgerungen hat. Eines der einfachsten Beispiele bietet die Ent- wicklung der Wurmröhren. Gerade durch seine Einfachheit aber scheint es geeignet, auch Manchem, der nicht sehen möchte, die Augen zu öffnen, und mag deshalb hier Platz finden. Vor drei Jahren fand ich an der Wand eines meiner Gläser einige kleine Wurmröhren (Fig. 65), deren Bewohner drei Paar bärtige Kiemenfäden trugen und eines Deckels ent- behrten. Man hätte sie danach zur Gattung Protula stellen müssen. Wenige Tage später hatte sich einer der Kiemenfäden am Ende zu einem keulenförmigen Deckel verdickt (Fig. 66). Jetzt erinnerten die Thiere durch den bärtigen Deckel- stiel an die Gattung Filograna, nur dass diese zwei Deckel besitzt. Nach wei- teren drei Tagen, während deren ein neues Paar Kiemenfäden hervorgesprosst war, hatte der Deckelstiel seine seitlichen Fäden verloren (Fig. 67) und die Würmer waren zu Serpula geworden. Hier bietet sich von selbst die Annahme, dass die Urwurmröhre eine Protula war, - — dass einige Nachkommen derselben, die sich bereits zu vollständigen Protula entwickelt hatten, nachträgHch sich durch die Bildung eines Deckels vervollkommneten, der ihre Röhre vor feindlichen Ein- dringlingen schützte, — dass spätere Nachkommen dieser letzteren endlich die Fig. 65. Fig. 66. Fig. 67. Fig. 65 — 67. Junge Wurmröhre, mit der einfachen Linse, etwa 6mal vergr. FiR- 65 *), ohne Deckel, Protula- stufe. Fig. 66, mit bärtigem Deckelstiel, Filogranastufe. Fig. 67, mit nacktem Deckelstiel, Serpulastufe. i) Fig. 65 ist aus der Erinnerung gezeichnet, da mir die Thierchen, die ich anfangs für junge Protula nahm, erst merkwürdig wurden und ich sie zeichnete, als ich das Auftreten des Deckels bemerkte. 2'r\ Für Darwin. seitlichen Fäden des Deckelstiels wieder verloren, die sie wie ihre Vorfahren ent- wickelt hatten. Was sagt die Schule zu diesem Falle? Woher und wozu, wenn die Serpula als fertige Arten entstanden oder erschaffen wurden, diese seitlichen Fäden des Deckel- stiels? Sie blos um eines einmal entworfenen unabänderlichen Bauplanes willen hervorspriessen zu lassen, selbst wenn sie sofort wieder als überflüssig eingezogen werden mussten, wäre doch sicher eher Beweis kindischer Tändelei oder schulmeister- lichen Pedantismus, als unendlicher Weisheit. Aber nein, ich irre mich, von Ur- beginn her wusste ja auch der Schöpfer, dass einst neugierige Menschenkinder über Analogien und Homologien grübeln, dass christliche Naturforscher sich abmühen würden, seine Schöpf ungsgedanken nachzudenken; — jedenfalls, um diesen die Einsicht zu erleichtern, dass der Deckelstiel der Serpula einem Kiemenfaden homolog sei, Hess er denselben bei seiner Entwicklung einen Umweg machen und durch die Form eines bärtigen Kiemenfadens hindurchgehen. Die in der Entwickelungsgeschichte erhaltene geschicht- liche Urkunde wird allmählich verwischt, indem die Entwick- lung einen immer geraderen Weg vom Ei zum fertigen Thiere einschlägt, und sie wird häufig gefälscht durch den Kampf ums Dasein, den die freilebenden Larven zu bestehen haben. Wie nämlich das Gesetz der Erblichkeit kein strenges ist, wie es individuellen Schwankungen Raum gibt in Betreff der Form der Eltern, so gilt ein Gleiches auch für die Zeitfolge der Entwicklungsvorgänge. Jeder Familienvater, der darauf Acht hatte, weiss ja, dass selbst bei Kindern derselben Eltern z. B. die Zähne weder in genau demselben Alter, noch in derselben Folge hervorbrechen oder gewechselt werden. — Nun wird es im Allgemeinen einem Thiere von Nutzen sein, der Vorzüge, durch die es im Kampfe ums Dasein sich behauptet, so früh als möglich theilhaftig zu werden. Ein verfrühtes Auftreten später erworbener Eigenthümlichkeiten wird meist Vortheil, ein verspätetes Nachtheil bringen ; ersteres, wo es einmal zufällig sich zeigt, wird durch die natürliche Auslese erhalten werden. Ebenso jede Abänderung, die den Kreuz- und Querzügen durch mannichfache Larvenzustände eine mehr geradlinige Richtung gibt, den Entwicklungsgang ver- einfacht, abkürzt, in frühere Lebenszeit und endlich ins Eileben zurückdrängt. Da dieser Uebergang einer durch verschiedenartige Jugendzustände hindurch- gehenden in eine mehr unmittelbare Entwicklung nicht Folge eines inwohnenden mystischen Triebes, sondern abhängig ist von zufälHg sich bietenden Fortschritten, so wird derselbe bei nächstverwandten Thieren auf die verschiedenste Weise vor sich gehen und sehr verschiedene Zeit zu seinem Ablaufe erfordern können. Eines ist jedoch hierbei nicht zu übersehen. Die geschichtliche Entwicklung der Art dürfte schwerlich je im fortwährend gleichmässigen Flusse vor sich gegangen sein ; Zeiten der Ruhe werden mit Zeiten rascheren Fortschreitens gewechselt haben. Formen nun, die in Zeiten rascheren Fortschrittes nach kurzem Bestände von anderen abgelöst wurden, dürften auch der Entwicklungsgeschichte der Nach- kommen sich weniger tief eingeprägt haben, als solche, die in Zeiten der Ruhe bei einer langen Reihe aufeinanderfolgender Geschlechter sich unverändert wieder- holten. Diese besser befestigten Formen, weniger zu Abänderungen geneigt, werden bei dem Uebergange zu directer Entwicklung zäheren Widerstand leisten Für Darwin. '■5^ und auch bei sonst noch so verschiedenem Verlaufe dieses Vorganges in gleich- massiger Weise und bis zuletzt sich erhalten. Im Allgemeinen wird es, wie gesagt, den Jungen vortheilhaft sein, in Gestalt der Eltern, mit all deren Vorzügen ausgerüstet den Kampf ums Dasein zu be- ginnen, im Allgemeinen, — doch nicht ohne Ausnahmen. Dass festsitzenden Thieren eine der Ortsbewegung fähige Brut fast unentbehrlich ist, dass die munter durchs Meer schwärmenden Larven träger Schnecken, im Boden wühlenden Ge- würmes u. s. w. durch Ausstreuen der Art über weitere Strecken wesentliche Dienste leisten, liegt auf der Hand. In anderen Fällen ist eine Verwandlung da- durch unentbehrlich geworden, dass sich eine Teilung der Arbeit zwischen die ver- schiedenen Lebensaltern herausgebildet hat, dass z. B. die Larven ausschliesslich das Geschäft der Ernährung übernommen haben. — Ein fernerer in Betracht zu ziehender Umstand liegt in der Grösse der Eier, ein einfacher Bau ist mit weniger Stoff herzustellen, als ein mehr zusammengesetzter; je unvollkommener die Larve, um so kleiner kann das Ei sein, eine um so grössere Menge derselben kann die Mutter bei gleichem Aufwand an Stoff liefern. In der Regel, glaube ich, wird zwar dieser Vortheil einer zahlreicheren den einer vollkommneren Brut bei weitem nicht auf- wiegen ; wohl aber in FäUen, wo die Hauptschwierigkeit für die Jungen darin be- steht, einen passenden Ort für ihre Entwicklung zu finden und wo es daher gilt, die grösstmögliche Menge von Keimen auszustreuen. So bei vielen Schmarotzern. Es mag hier, wo vom Uebergang der urspünglichen Entwicklung mit Ver- wandlung in directe Entwicklung die Rede ist, an der Stelle sein, ein Wort zu sagen über den oben berührten Mangel der Verwandlung bei Süsswasser- und Landthieren, deren meerbewohnende Verwandte noch eine solche durchlaufen. Dieses Verhalten scheint in zwiefacher Weise erklärbar. Entweder wanderten besonders Arten ohne Verwandlung ins süsse Wasser ein, oder die Verwandlung wurde bei den Uebergesiedelten rascher beseitigt, als bei den im Meere zurück- gebliebenen Genossen. Thiere ohne Verwandlung konnten natürlich leichter übersiedeln, da sie nur sich selbst und nicht zugleich mannichfache Jugendformen den neuen Verhält- nissen anzuschmiegen hatten. Bei Thieren mit Verwandlung aber musste im All- gemeinen die immer bedeutende Sterblichkeit der Larven eine noch grössere sein in neuen, als in altgewohnten Verhältnissen; jeder Schritt zur Vereinfachung des Entwicklungsganges musste also hier ein noch grösseres Uebergewicht über die Artgenossen geben und das Verwischen der Verwandlung daher rascher vor sich gehen. Was in jedem Einzelfalle stattgefunden hat, ob die Art einwanderte, nach- dem sie die Verwandlung verloren, — oder die Verwandlung verlor, nachdem sie einwanderte, wird nicht immer leicht zu entscheiden sein. Wo meerbewohnende Verwandte ohne oder mit geringer Verwandlung" sich finden, wie der Hummer als Vetter des Flusskrebses, wird man nach der ersteren, — wo auf dem Lande oder im süssen Wasser noch Verwandte mit Verwandlung leben, wie bei Gecar- cinus, zu letzterer Annahme greifen dürfen. Wie neben diesem allmählichen Verklingen der Urgeschichte zugleich eine Fälschung der in der Entwicklungsgeschichte niedergelegten Urkunde statt- finde durch den Kampf ums Dasein, den die freilebenden Jugendzustände zu be- stehen haben, bedarf keiner weiteren Ausführung. Denn selbstverständlich muss 2 c 7 Für Darwin. auf Larven, die für sich selbst zu sorgen haben, der Kampf ums Dasein und die damit verbundene natürliche Auslese in gleicher Weise verändernd und fortbildend wirken, wie auf erwachsene Thiere. Die von den Fortschritten des erwachsenen Thieres unabhängigen Veränderungen der Larve werden um so bedeutender sein, je länger die Lebensdauer der Larve im Vergleich zu der des erwachsenen Thieres, je abweichender ihre Lebensweise und je schärfer ausgesprochen die Theilung der Arbeit zwischen den verschiedenen Entwicklungsstufen. Diese Vorgänge haben in gewisser Weise eine dem allmählichen Verklingen der Urgeschichte entgegen- gesetzte Wirkung; sie vergrössern die Unterschiede zwischen den einzelnen Ent- wicklungsstufen und man begreift, wie selbst ein geradliniger Entwicklungsgang durch sie wieder in eine Entwicklung mit Verwandlungen umgebildet werden kann. So lassen sich manche und, wie mir scheint, triftige Gründe für die Ansicht geltend machen, dass die ältesten Insecten den heutigen Geradflüglern, vielleicht den flügellosen Schaben, näher standen als irgend einer anderen Ordnung und dass die ^.vollkommene Verwandlung" der Käfer, Schmetterlinge u. s. w. späteren Ursprungs ist. Es hat, glaube ich. früher vollkommene Insecten, als Raupen oder Puppen, dagegen weit früher Nauplius und Zoea als vollkommene Garneelen ge- geben. Man könnte im Gegensatz zu der ererbten Verwandlung der Garneelen, die der Käfer, Schmetterlinge u. s. w. eine erworbene nennen^). Welche der verschiedenen zur Zeit in einer Thierklasse bestehenden Ent- wicklungsweisen beanspruchen dürfe, als die der ursprünglichen zunächst stehende zu gelten, ist nach dem Obigen leicht zu ermessen. Die Urgeschichte der Art wird in ihrer Entwicklungs- geschichte um so vollständiger erhalten sein, je länger die Reihe der Jugendzustände ist, die sie gleichmässigen Schrittes durchläuft, und um so treuer, je weniger sich die Lebensweise der Jungen von der der Alten entfernt, und je weniger dieEigen- thümlichkeiten der einzelnen Jugendzustände als aus späteren in frühereLebensabschnitte zurückverlegtoderalsselbstständig erworben sich auffassen lassen. Machen wir die Anwendung auf die Kruster. XII. Nach allen im letzten Satze aufgestellten Kennzeichen erscheint bis jetzt die Garneele, die wir (Fig. 28 — 31) von Nauplius durch Zoea und Mysis ähnliche Zu- stände bis zur Gestalt eines langschwänzigen Krebses begleiteten, als dasjenige Thier, welches im Bereiche der höheren Kruster (Malacostraca) die vollständigste und treueste Kunde gibt von seiner Urgeschichte. Die vollständigste, das liegt auf der Hand. Die treueste, das ist anzunehmen, einmal weil die Lebensweise der einzelnen Altersstufen eine minder verschiedene ist, als bei der Mehrzahl der übrigen Podophthalmen ; — denn vom Nauplius bis zur jungen Garneele wurden sie frei schwimmend im Meere getroffen, während Krabben, Porcellanen, die Tatuira, Squilla und viele Langschwänze erwachsen unter Steinen, in Felsspalten, Erdlöchern, unterirdischen Gängen, im Sande u. s. w. sich aufzuhalten pflegen, i) Anmerkung aus der englischen Uebersetzung des Buches siehe am Schlüsse dieser Arbeit. Der Herausgeber. Für Darwin. 253 noch abweichenderer Sitten nicht zu gedenken, wie sie Einsiedlerkrebse, Muschel- wächter u. s. w. zeigen, — und zweitens vorzüglich weil die Eigenthümlichkeiten, die namentlich die Zoea dieser Art vor anderen Zoea auszeichnen (die Benutzung der vordersten Gliedmassen zum Schwimmen, der gabiige Schwanz, das einfachere Herz, der anfängliche Mangel der paarigen Augen und des Hinterleibes u. s. w.), weder aus einem Zurückverlegen später erworbener Vorzüge in dieses frühere Lebensalter abzuleiten sind, noch überhaupt als Vorzüge vor anderen Zoea er- scheinen, welche die Larve im Kampfe um's Dasein erworben haben könnte. Eine ähnliche Entwicklung musste einst der Urahn aller Malacostraca durchlaufen, verschieden von der unserer Garneele wohl besonders dadurch, dass sie noch gleichmässigeren Schrittes durchmessen wurde ohne die plötzlichen Wechsel der Form und der Bewegungsweise, die bei letzterer besonders daraus entstehn, dass bei dem Nauplius gleichzeitig vier, bei der Zoea gleichzeitig fünf Gliedmassenpaare hervorspriessen und mit einem Male in Thätigkeit treten. Es ist anzunehmen, dass sich nicht nur ursprünglich, sondern auch noch bei den Larven der ersten Malacostraca die neuen Leibesringe und Gliedmassenpaare einzeln, zuerst die Ringe des Vorderleibes, dann des Hinterleibes, und zuletzt des Mittelleibes, und zwar in jedem Leibesabschnitte die vorderen früher als die hinteren bildeten, zuletzt also von allen der hinterste Ring des Mittelleibes. — Von dieser ursprünglicheren Weise sind heute noch mehr oder minder deutliche Spuren selbst bei Arten gebHeben, bei denen sonst der Entwicklungsgang der Vorfahren schon ziemlich verwischt ist. So bilden sich einzeln, von vorn nach hinten, die Hinter- leibsfüsse der Fig. 33 gezeichneten Garneelenlarve und später als sie die letzten Füsse des Mittelleibes; so bei PaHnurus die beiden letzten Fusspaare des Mittelleibes später als die übrigen; so entbehren bei jungen Maulfüsser- larven noch die drei letzten Hinterleibsringe, bei älteren noch der letzte der- selben der Gliedmassen; so entsteht bei den Asseln noch heute das geschichtlich jüngste Fusspaar später als alle übrigen. Vollständiger erhalten, als bei irgend einem der höheren Kruster ist diese schrittweise von vorn nach hinten vorrückende Bildung neuer Leibesringe und Gliedmassen bei den Copepoden^). Die ursprüngliche von der niedersten Stufe, die wir überhaupt freilebend in der Klasse der Kruster kennen , von NaupHus ausgehende Entwicklung der Malacostraca ist heute bei der Mehrzahl derselben ziemlich verwischt. Dass dieses Verwischen wirklich in der Weise vor sich gegangen, die oben aus Darwin's Lehre als deren unmittelbare Folge abgeleitet wurde, wird um so leichter nach- zuweisen sein, je mehr dieser Vorgang noch im lebendigen Flusse begriffen, je weniger vollständig er bereits abgelaufen ist. Die schlagendsten Beispiele darf man in der noch unbekannten Entwicklungsgeschichte der verschiedenen Schizo- i) Man weiss, dass in mehreren Fällen selbst bei erwachsenen Thieren der letzte Ring des Mittel- leibes oder einige der letzten entweder ihrer Gliedmassen entbehren oder selbst völlig fehlen. (Entoniscus Porcellanae J, Leucifer u. s. w.) Das könnte davon herrühren, dass die Thiere sich von dem gemeinsamen Stamme trennten, ehe noch diese Gliedmassen überhaupt gebildet wurden. Doch ist es mir in den Fällen, die ich näher kenne, wahrscheinlicher, dass dieselben später wieder verloren gegangen sind. Dass gerade diese Gliedmassen und Ringe sich leichter verloren, als andere („Mr. Dana, believes, that in ordinary Crusta- ceans, the abortion of the segments with their appendages takes almost always place at the posterior end of the cephalothorax". Darwin, Balanidae, S. in), findet seine Erklärung darin, dass sie als die jüngsten weniger als die anderen durch langdauemde Vererbung befestigt waren. , ^ . Für Darwin. poden, Peneiden, überhaupt der langschwänzigen Krebse zu erhalten hoffen. Für jetzt erscheinen als besonders lehrreich die mannichfachen Zoeaformen. Fast alle Eigenthümlichkeiten, durch die sie sich von der Urform der Peneus-Zoea (Fig. 2g, 30, 32) entfernen, lassen sich in der That auffassen als aus späterer Zeit in diesen früheren Lebensabschnitt zurückverlegt. So die grossen zusammengesetzten Augen ; so die Bildung des Herzens; so die Raubfüsse bei Squilla; so der kräftige mus- culöse, gerade ausgestreckte Hinterleib bei Palaemon, Alpheus, Hippolyte und den Einsiedlerkrebsen ; — (bei letzteren ist gegenwärtig der Hinterleib des erwachsenen Thieres freilich ein ungeschlachter mit Leber und Geschlechtstheilen gefüllter Sack, aber ziemlich kräftig noch auf der Glaucothoestufe, und noch kräftiger war er jedenfalls, als diese Stufe noch die bleibende Form des Thieres war). — So auch der meist unter die Brust geschlagene, dabei aber kräftige Hinterleib der Zoea von Krabben, Porcellanen und der Tatuira; letztere beide schwimmen noch jetzt leidlich mittelst des Hinterleibes, selbst erwachsen; die Krabben wenigstens in der Jugend, als sogenannte Megalops. — So endlich die Verwendung der beiden vorderen Gliedmassenpaare als Fühler. Merkwürdig ist besonders das zweite Fühlerpaar, das bei den verschiedenen Zoea sich immer einen Schritt hinter dem des erwachsenen Thieres hält. Bei den Krabben fehlt eine „Schuppe" vollständig; ihre Zoea haben sie angedeutet in Form eines oft sehr winzigen beweglichen Anhanges. Bei den Einsiedlerkrebsen findet sich ein solcher meist beweglicher dornförmiger Fortsatz als Rest der Schuppe ; ihre Zoea haben eine wohlentwickelte, aber ungegliederte Schuppe, Eine eben solche Schuppe besitzen die erwachsenen Garneelen, bei deren Zoea erscheint sie noch gegliedert, wie der äussere Ast am zweiten Fusspaare der Nauplius oder der Peneus-Zoea. — Die langen stachelförmigen Fortsätze am Panzer der Krabben- und Porcellanen- Zoea sind auf diesem Wege nicht zu erklären, doch ist ihr Nutzen für die Larven augenscheinlich. Wenn z. B. der Leib der Zoea von Porcellana stellicola (Fig. 24) ohne die Fortsätze des Panzers und ohne den nicht steif ausstreckbaren Hinterleib kaum eine halbe Linie, mit den Fortsätzen vier Linien lang ist, so bedarf es eines achtmal weiteren Maules, um das so ausgerüstete Thierchen zu verschlingen ^). Somit können diese Fortsätze des Panzers als von der Zoea selbst im Kampfe ums Dasein erworben angesehen werden. Auf ein früheres Eintreten ursprünglich später erfolgender Vorgänge ist auch die Bildung neuer Gliedmassen unter der Haut der Larven zurückzuführen. Der ursprüngliche Hergang war jedenfalls, dass sie erst nach der Häutung frei am Bauche im nächsten Larvenstadium hervorsprossten, während sie jetzt schon vor der Häutung sich entwickeln und so um ein Stadium früher in Thätigkeit treten. Bei Larven, die aus anderen Gründen als der Urform näher stehend gelten müssen, pflegt auch hierin die ursprüngliche Weise vorzuherrschen. So bilden sich die Schwanzfüsse (die „seitlichen Schwanzblätter") frei am Bauche bei Euphausia und den Garneelen mit Naupliusbrut, innerhalb des Schwanzblattes bei den Gar- neelen mit Zoeabrut, bei Pagurus, bei Porcellana. I) In ähnlicher Weise dienen der Persephone, einer seltenen Krabbe aus der Familie der Leucosiden, ihre langen Scheerenfüsse. Ergreift man das Thier, so streckt es dieselben stocksteif gerade nach unten und man würde sie wahrscheinlich eher brechen, als biegen können. Für Darwin. 9rcr Ein Zusammendrängen mehrerer Stadien in eines und dadurch eine Ab- kürzung, Vereinfachung des Entvvickkmgsganges spricht sich aus in dem gleich- zeitigen Auftreten mehrerer neuen Gliedmassenpaare, Wie frühere Jugendzustände nach und nach vollständig verloren gehen können, zeigen Mysis und die Asseln. Bei Mysis findet sich noch ein Rest des Naupliusstadiums ; zurückgedrängt in eine Zeit, wo er noch nicht selbst für sich zu sorgen hatte, ist der Nauplius zu einer blossen Haut herabgesunken ; bei Ligia (Fig. 36, 37) hat diese Larvenhaut die letzten Spuren von Gliedmassen verloren, bei Philoscia (Fig. 38) ist sie kaum mehr nachzuweisen. Wie die Stachelfortsätze der Zoea, so sind die Scheeren am vorletzten Fuss- paare des jungen Brachyscelus als von der Larve selbst erworben anzusehen. Die erwachsenen Thiere schwimmen vortrefflich und sind nicht an ihr Wohnthier ge- bunden; sobald die Chrysaora Blossevillei Less. oder das Rhizostoma cruciatum Less., an dem sie sitzen, in der Nähe des Strandes ein Spiel der Wellen wird, fliehen sie dieselben, sie sind nur von lebensfrischen Quallen zu erhalten. Die Jungen sind unbehülfliche Geschöpfe, schlechte Schwimmer; für sie musste ein besonderes Werkzeug zum Festhalten von grossem Nutzen sein. Die Entwicklungsgeschichte der verschiedenen Malacostraca im Einzelnen durchzusprechen, dürfte keine dem Zeitaufwande entsprechende Ausbeute liefern; bei vollständigerer Kenntniss würde es lohnender sein. Ich verzichte hier darauf, will jedoch nicht unerwähnt lassen, dass sich dabei manche bis jetzt nicht be- friedigend zu lösende Schwierigkeiten herausstellen würden. Auf diese vereinzelten Schwierigkeiten lege ich indess um so weniger Gewicht, als ja noch vor Kurzem, vor Entdeckung der Garneelennauplius, dieses ganze Gebiet der Entwicklung der Malacostraca für Darwin's Lehre fast unzugänglich war. Auch bei den Widersprüchen, die sich aus der Anwendung der Darwin'schen Lehren auf diesem Gebiete zu ergeben scheinen, verweile ich nicht. Ich überlasse es den Gegnern, sie aufzusuchen. Die meisten sind leicht als nur scheinbar nach- zuweisen. Nur zweien dieser Einwendungen, die zu nahe liegen, um nicht ge- macht zu werden, glaube ich vorbeugen zu müssen. ,.Die Eigenthümlichkeiten, in welchen die Zoea der Krabben, der Porcellanen, der Tatuira, der Einsiedlerkrebse, der Garneelen mit Zoeabrut übereinstimmen und durch welche sie sich gemeinsam von den aus Nauplius hervorgehenden Larven der Peneus unterscheiden, drängen (wird man sagen können) zu der An- nahme, dass schon der gemeinsame Stammvater dieser verschiedenen Decapoden in ähnlicher Zoeaform das Ei verliess. Auf diesen Stammvater würden dann aber weder die Peneus mit ihrer Naupliusbrut, noch selbst, wie es scheint, die Panzer- krebse sich zurückführen lassen. — Die Entwicklungsweise der Peneus, der Pali- nurus, sowie mehrere eigenthümliche Larven von unbekannter Herkunft, die aber mit aller Wahrscheinlichkeit langschwänzigen Krebsen zuzuschreiben sind, ver- langen dagegen die entgegengesetzte Annahme, dass die verschiedenen Gruppen der Langschwänze unabhängig von einander und unabhängig von den Krabben von der ursprünglichen zu ihrer gegenwärtigen Entwicklungsweise gelangten." — Darauf ist zu antworten, dass das Vorkommen der Zoeaform bei all den genannten Decapoden, dass ihr Bestehen bei Peneus während des ganzen an Fortschritten reichsten Lebensabschnittes, in dem die weite Kluft von Nauplius bis zum Deca- 256 Für Darwin. poden sich ausfüllt, dass ihre Wiederkehr selbst in dem so abweichenden Ent- wicklungsgang der Maulfüsser, dass das Auftreten einer den jüngsten Peneus-Zoea sich eng anschliessenden Larvenform bei der Schizopodengattung Euphausia, dass die Anklänge an den Bau der Zoea, die selbst die erwachsenen Scheerenasseln in ihrer Athmungsweise bewahrt haben, — dass Alles dieses die Zoea als eine jener Entwicklungsstufen bezeichnet, die während einer langen Zeit der Ruhe, vielleicht durch eine ganze Reihe geologischer Formationen als bleibende Form bestanden und dadurch auch der Entwicklung der Nachkommen sich tiefer ein- prägten und hier einen festeren Kern bildeten inmitten anderer leichter zu ver- wischender Jugendzustände. So kann es denn nicht befremden, dass auch bei unabhängig erfolgendem Uebergange der ursprünglichen Vetwandlungsweise in directe Entwicklung dennoch in verschiedenen Familien, bei denen die früheren Entwicklungsstufen verwischt sind, das Larvenleben in gleicher Weise mit dieser Zoeaform anhebt. Ausser dem aber, was allen Zoea gemeinsam ist. und dem, was sich leicht als aus einem späteren Stadium in dieses zurück verlegt erklären lässt, stimmen z. B. die Zoea der Krabben mit denen von Pagurus und Palaemon in keinerlei Einzelheiten des Baues überein, die eine gemeinsame Ererbung anzu- nehmen geböten. Somit erscheint die Annahme unbedenklich, dass als Krabben und Krebse sich schieden, die Stammeltern jeder dieser Gruppen noch eine voll- ständigere Verwandlung durchHefen, dass der Uebergang in die heutige Entwick- lungsweise einer späteren Zeit angehört. Man kann für die Krabben hinzusetzen, dass bei ihnen dieser Uebergang nur wenig später stattfand und zwar bevor die heutigen Familien sich trennten. Die Anordnung der Panzerfortsätze und mehr noch die gleiche Zahl der Schwanzborsten bei den verschiedensten Krabbenzoea (Fig. ig — 23) beweisen es. Eine ähnliche Uebereinstimmung in der Zahl so un- wichtig scheinender Gebilde ist nur aus gemeinsamer Ererbung erklärbar. Man kann mit Bestimmtheit voraussagen, dass unter den Krabben keine Art sich finden wird, die ähnlich wie Peneus noch heute Naupliusbrut hervorbrächte^). Von allen übrigen Krustern entfernen sich, wie wir sahen, Mysis und die Asseln in höchst auffallender Weise dadurch, dass ihre Embryonen nach oben statt wie sonst nach unten gekrümmt sind. Weist, könnte man fragen, diese so vereinzelt stehende Eigenthümlichkeit nicht, im Sinne der Darwin'schen Lehre, auf gemein- same Ererbung hin? Verlangt sie nicht, dass man einerseits als Kinder gleicher Stammeltern Mysis mit den Asseln, andererseits die übrigen Podophthalmen mit den Amphipoden vereinige? — Ich denke nein. — Nur für denjenigen, der eine Eigenthümlichkeit um desswillen höher werthet, weil sie in früherer Zeit des Ei- lebens auftritt, besteht eine solche Nöthigung. Wer die Arten nicht als unab- hängig und unveränderlich erschaffen, sondern als allmählich geworden ansieht, wird sich sagen, dass, als die Vorfahren unserer Mysis, wahrscheinlich viel später als die der Amphipoden und Asseln, dazu kamen, schon als Embryonen zahlreiche Leibesringe und Gliedmassen zu entwickeln, als sie nun gerade ausgestreckt im i) Ich darf nicht unterlassen zu bemerken, dass das über die Entwicklung der Krabben Gesagte, eigentlich nur für die von Alph. Milne Edwards als Eustomes zusammengefassten Gruppen der Cyclometopa, Catometopa und Oxyrhyncha gilt. Aus der Gruppe der Oxystomata, so wie der den Krabben nahe stehenden Anomura apterura Edw. sind mir von keiner Art die frühesten Jugendzustände bekannt geworden. Für Darwin. 2^7 Eie nicht mehr Platz fanden und sich daher krümmen mussten, diess eben nur entweder abwärts oder aufwärts geschehen konnte, und dass, welche Umstände auch für die eingeschlagene Richtung entscheidend sein mochten, dabei schwerlich eine nähere verwandtschaftliche Beziehung zu einer der beiden Edriophthalmen- ordnungen im Spiele war. Die verschiedene Krümmung des Embryo bei Amphipoden und Asseln ist, das sei hier noch bemerkt, insofern belehrend, als sie beweist, dass die heutige Entwicklungsweise erst nach der Scheidung dieser Ordnungen sich bildete, dass bei dem Urstamme der Edriophthalmen die Embryonen, wenn nicht Nauplius, so doch noch kurzleibig genug waren, um wie die von der Naupliushaut umschlossenen Achthereslarven, gerade ausgestreckt im Eie Platz zu finden. Andererseits zeugt die innerhalb jeder der beiden Ordnungen herrschende Gleichförmigkeit der Ent- wicklung, die sich bei den Amphipoden z. B. in der Bildung des „Mikropyl- apparates", bei den Asseln im Mangel des letzten Paares der Gangfüsse ausspricht, dafür, dass die heutige Entwicklungsweise aus sehr früher Zeit herrührt und bis vor die Trennung der jetzigen Familien zurückreicht. Auch in diesen beiden Ordnungen darf man wie bei den Krabben kaum Spuren früherer Jugendzustände zu finden hoffen, es sei denn in der Familie der Scheerenasseln ^). Man führe mir einen Amphipoden, eine Assel mit Naupliusbrut vor, deren Bestehen doch bei unabhängig entstandenen Arten nicht auffallender sein würde, als das einer Garneele mit Naupliusbrut, und ich gebe die ganze Darwin'sche Lehre verloren. Wenn wir bei den Krabben und ebenso bei Asseln und Amphipoden zu der Annahme geführt wurden, dass um die Zeit, wo diese Gruppen von dem ge- meinsamen Stamme sich lösten, zugleich eine Vereinfachung ihres Entwicklungs- ganges stattfand, so erscheint auch dies von Darwin's Lehre aus begreiflich. Wenn irgendwelche einer Thiergruppe günstige Umstände eine weitere Ausbreitung der- selben, ein Auseinandergehen in neue verschiedenen Lebensverhältnissen sich an- passende Formen veranlassten, so wird einmal schon diese grössere Veränderlich- keit, die eben in der Bildung neuer Formen sich kundgibt, auch die fast immer vortheilhafte Vereinfachung der Entwicklung begünstigen und es wird ausserdem gerade jetzt, bei dem Einleben in neue Verhältnisse, wie oben in Betreff der Süss- wasserthiere angedeutet wurde, diese Vereinfachung doppelt vortheilhaft sein und daher in dieser Beziehung eine doppelt strenge Auslese stattfinden. Soviel über die Entwicklung der höheren Kruster. Eines näheren Eingehens in die Entwicklungsgeschichte der niederen Kruster bedarf es nicht nach dem, was im Allgemeinen über die geschichtliche Bedeutung der Jugendzustände gesagt, und nach der Anwendung, die davon eben auf die Malacostraca gemacht wurde. Man sieht ohne Weiteres, wie die von Claus ge- gebene Schilderung der Copepodenentwicklung fast Wort für Wort als Urgeschichte dieser Thiere gelten kann, man findet in der Naupliushaut der Achthereslarven, i) Ob der Mangel der Hinterleibsfüsse bei den jungen Tanais ein Erbstück aus der Zeit der Urassel, oder eine später erworbene Eigenthümlichkeit ist, was mir für jetzt annehmbarer scheint, wird sich vielleicht mit einiger Sicherheit entscheiden lassen, wenn man Entwicklung und Lebensweise der Familiengenossen, Apseudes und Rhoea, kennen gelernt hat. Letztere ist bekanntlich die einzige Assel, die noch eine Neben- geissel an den vorderen Fühlern besitzt. Fritz Müllers gesammelte Schriften. 1/ 258 Für Darwin. in der eiähnlichen Larve von Cryptophialus ganz ähnliche Spuren eines Ueber- gangs zu directer Entwickhing, wie sie schon die NaupHushülle der Mysis- embryonen und die madenförmige Larve der Ligia zeigten, u. s. w. Es genüge, auf einen wesentlichen Unterschied im Entwicklungsgange der höheren und niederen Kruster hinzuweisen. Bei letzteren werden alle neuen Leibesringe und Gliedmassen, die sich zwischen die Endabschnitte des Nauplius- leibes einschieben, in ununterbrochener Folge von vorn nach hinten gebildet ; bei ersteren tritt noch einmal eine Neubildung in der Mitte des Leibes auf, der Mittel- leib, der sich auf ähnliche Weise zwischen Vorderleib und Hinterleib drängt, wie diese ihrerseits zwischen Kopf und Schwanz des Nauplius. — Was schon die Vergleichung der Gliedmassen der erwachsenen Thiere wahrscheinlich macht, findet also in der Entwicklungsgeschichte eine neue Stütze, dass nämlich den niederen Krustern, ebenso wie den Insecten, ein dem Mittelleibe der Malacostraca entsprechender Leibesabschnitt völlig abgeht. Dass die Schwimmfüsse der Cope- poden, sowie der Puppen von Rankenfüssern und Wurzelkrebsen den Hinterleibs- füssen der Malacostraca entsprechen, d. h. mit ihnen aus gleicher Quelle durch Ererbung sich ableiten, ist wahrscheinlich. Es wäre leicht, die einzelnen Fäden, welche die Jugendformen der ver- schiedenen Kruster liefern, zu einem Gesammtbilde der Urgeschichte dieser Klasse zu verweben. Ein solches Gemälde, mit einigem Geschick angelegt und in frischen Farben ausgeführt, würde sicher mehr Anziehendes haben, als die trockenen Er- örterungen, die ich an die Entwicklungsgeschichte dieser Thiere knüpfte. Noch aber wäre die Verschürzung der losen Fäden vielfach eine willkürliche, mit gleichem Rechte so oder so auszuführen ; noch wäre manche Lücke nur diu-ch mehr oder minder gewagte Voraussetzungen auszufüllen. Minder auf diesem Gebiete Be- wanderte würden dann leicht auch da auf sicherem Boden zu wandeln glauben, wo nur die Phantasie eine luftige Brücke geschlagen; Kenner dagegen würden bald diese schwachen Stellen des Baues herausfinden, aber dann leicht auch das als in der Luft schwebend ansehen, was auf wohlerwogene Thatsachen gebaut wurde. Diesen Missdeutungen seines wirklichen Gehaltes nach einer und der anderen Seite vorzubeugen, wäre es nöthig, ein solches Bild fortlaufend mit langen dürren Erläuterungen zu begleiten. Das hat mich abgehalten, die Umrisse, die ich schon entworfen hatte, weiter auszumalen \). Bei dem äussersten, am weitesten in die nebelgraue Urzeit zurückweichenden Vorposten der Klasse, dem Nauplius, angelangt, blickt man sich natürlich um, ob von da aus nicht Wege zu erspähen sind nach anderen naheliegenden Gebieten. Man könnte mit Oscar Schmidt bei der Hinterleibsbildung der Nauplius an die bewegliche Schwanzgabel der Räderthiere erinnern, in denen ja Manche überhaupt nahe Verwandte der Kruster, oder doch der Arthropoden erkennen wollen; man könnte bei den sechs den Mund umstehenden Füssen an einen ursprünglich strahligen Bau denken, u. s. w. Sicheres vermag ich nicht zu sehen. — Selbst nach den näher liegenden Gebieten der Tausendfüsse und der Spinnen finde ich keine Brücke. Nur für die Insecten bietet vielleicht die Entwicklung der Malaco- straca einen Anknüpfungspunct. Wie manche Zoea besitzen die Insecten drei i) Zusatz aus der englischen Uebersetzung des Ruches am Ende dieser Arlieit. Der Herausgeber. Für Darwin. ^cq Paar der Nahrungsaufnahme, drei Paar der Bewegung dienende Gliedmassen ; wie die Zoea, haben sie einen anhanglosen Hinterleib; wie bei allen Zoea, entbehren bei allen Insecten die Kinnbacken des Tasters. Allerdings des Gemeinsamen wenig, bei dem Vielen, was diese beiden Thierformen unterscheidet. Immerhin mag die Vermuthung, dass die Insecten ihren gemeinsamen Stammvater in einer Zoea hatten, die sich zum Leben auf dem Lande erhob, weiterer Prüfung em- pfohlen sein. Manches in den obigen Aufstellungen mag verfehlt sein, manche Deutung misslungen, manche Thatsache nicht ins rechte Licht gestellt. Eines aber, hoffe ich, soll mir gelungen sein, — unbefangene Leser zu überzeugen, dass wirk- lich Darwin's Lehre, wie für so viele andere ohne sie unerklärbare Thatsachen, so auch für die Entwicklungsgeschichte der Kruster den Schlüssel des Verständnisses bietet. Die Mängel also dieses Versuches wolle man nicht dem von der sicheren Hand des Meisters vorgezeichneten Plane, man wolle sie einzig dem Ungeschick des Handlangers zur Last legen, der nicht für jedes Werkstück die rechte Stelle zu finden verstand. In der Vorrede der englischen Uebersetzung des Buches „Für Darwin", welche von W. S. Dallas F. L. S., London bei John Murray i86g besorgt wurde, sagt der Uebersetzer, es seien ihm von Fritz Müller mehrere Verbesserungen und Zusätze zu der Arbeit geliefert worden. Die Verbesserungen, welche sich auf Druckfehler und falsche Stellung der Figuren bezogen, sind in dem vorliegenden Abdruck ohne weiteres berücksichtigt. Die Zusätze finden sich an den S. 252 und 258 angemerkten Stellen und lauten: Zu S. 252 : I will here briefly give my reasons for the opinion that the socalled "com- plete metamorphosis" of Insects, in which these animals quit the eg^g as grubs or caterpillars, and afterwards become quiescent pupae incapable of feeding, was not inherited from the primitive ancestor of all Insects, but acquired at a later period. The Order Orthoptera, including the Pseudoneuroptera {Ephemera, Libel- lula, &.c) appears to approach nearest to the primitive form of Insects. In f avour of this view we have : — 1, The structure of their buccal organs, especiaUy the formation of the labium, "which retains, either perfectly or approximately, the original form of a second pair of maxillse" (Gerstäcker). 2. The segmentation of the abdomen; "like the labium, the abdomen also very generally retains its original segmentation, which is shown in the development of eleven segments" (Gerstäcker). The Orthoptera with eleven segments in the abdomen, agree perfectly in the number of their bod3^-scgments with the Prawn- larva represented in fig. 33. or indeed, with the higher Crustacea (Podophthalma and Edriophthalma) in general, in which the historically youngest last thoracic Segment (see XII), which is sometimes late-developed, or destitute of appen- dages, or even deficient, is still wanting. 26o Für Darwin. 3. That, as in the Crustacea. the sexual orifice and anus are placed upon different segments; "whilst the former is situated in the ninth segment, the latter occurs in the eleventh" (Gerstäcker). 4. Their palaeontological occurrence; "in a fossil State the Orthoptera make their appearance the earliest of all Insects, namely as early as the Carboniferous formation, in which the}^ exceed all others in number" (Gerstäcker). 5. The absence of uniformity of habit at the prcsent day in an order so small when compared with the Coleoptera, Hymenoptera, e^c. For this also is usually a phenomenon characteristic of very ancient groups of forms which have already overstepped the climax of their development, and is explicable b}^ extinction in mass. A Beetle or a Butterfly is to be recognised as such at the first glance, but onty a thorough investigation can demonstrate the mutual relationships of Tennes, Blatta, Mantis, Forficula, Ephemera, Libellula, &.c. I may refer to a corresponding remarkable example from the vegetable world : amongst Ferns the genera Aneimia, Schizcea and Lygodium, belonging to the group Schizceacece which is very poor in species, differ much more from each other than an}'^ two forms of the group Polypodiacece which numbers its thousands of species. If, from all this, it seems right to regard the Orthoptera as the order of Insects approaching most nearly to the common primitive form, we must also expect that their mode of development will agree better with that of the primitive form, than, for example, that of the Lepidoptera, in the same way that some of the Prawns (Peneus) approaching most closely the primitive form of the Decapoda, have most truly preserved their original mode of development. Now, the majority of the Orthoptera quit the egg in a form which is distinguished from that of the adult Insect almost solely by the want of wings; these larvae then soon acquire rudiments of wings, which appear more strongly developed after every moult. Even this perfectly gradual transition from the youngest larva to the sexually mature insect, preserves in a far higher degree the picture of an original mode of development, than does the so-called complete metamorphosis of the Coleoptera, Lepidoptera, or Diptera, with its abruptly separated larva-, pupa- and imago-states. The most ancient Insects would probably have most resembled these wingless larvse of the existing Orthoptera. The circumstance that there are still numerous wingless species among the Orthoptera, and that some of these {Blattidce) are so like certain Crustacea (Isopods) in habit that both are indicated by the same name i^' Baratta") by the people in this country, can scarcely be regarded as of any importance. The contrary supposition that the oldest Insects possessed a "complete meta- morphosis", and that the "incomplete metamorphosis" of the Orthoptera and Hemiptcra is only of later origin, is met by serious difficulties. If all the classes of Arthropoda (Crustacea, Insecta, Myriopoda and Arachnida) are indeed all branches of a common stem (and of this there can scarcely be a doubt), it is evident that the water-inhabiting and water-breathing Crustacea must be regarded as the original stem from which the other terrestrial classes, with their tracheal respiration, have branched off. But nowhere among the Crustacea is there a mode of development comparable to the "complete metamorphosis" of the Insecta, nowhere among the young or adult Crustacea are there forms which might resemble the P"ür Darwin. 201 maggots of the Diptera or Hymenoptera, the larvse of the Coleoptera, or the cater- pillars of the Lepidoptera, still less any bearing even a distant resemblance to the quiescent pupae of these animals. The pup^, indeed, cannot at all be regarded as members of an original developmental series, the individual stages of which represent permanent ancestral states, for an animal like the mouthless and footless pupa of the Silkworm, enclosed by a thick cocoon, can never have formed the final, sexually mature State of an Arthropod. In the development of the Insecta we never see new segments added to those already present in the youngest larvae, but we do see segments which were distinct in the larva afterwards become fused together or disappear. Considering the parallelism which prevails throughout organic nature between palaeontological and embryonic development, it is therefore improbable that the oldest Insects should have possessed fewer segments than some of their descendants. But the larvse of the Coleoptera, Lepidoptera, &c., never have more than nine abdominal segments, it is therefore not probable that they represent the original young form of the oldest Insects, and that the Orthoptera, with an abdomen of eleven seg- ments, should have been subsequently developed from them. Taking into consideration on the one band these difficulties, and on the other the arguments which indicate the Orthoptera as the order most nearly approaching the primitive form, it is my opinion that the "incomplete meta- morphosis" of the Orthoptera is the primitive one, inherited from the original parents of all Insects, and the "complete metamorphosis" of the Coleoptera, Diptera, &c., a subsequently acquired one. Zu S. 258: I will only give, as an example, the probable history of the production of a Single group of Crustacea, and indeed of the most abnormal of all, the Rhizo- cephala, which in the sexually mature State differ so enormously even from their nearest allies, the Cirripedia, and from their peculiar mode of nourishment stand quite alone in the entire animal kingdom. I must preface this with a few words upon the homology of the roots of the Rhizocephala, i.e. the tubules which penetrate from its point of adhesion into the body of the host, ramify amongst the viscera of the latter, and terminate in caecal branchlets. In the pupae of the Rhizocephala (fig. 58) the foremost limbs ("prehensile antennee") bear, on each of the two terminal joints, a tongue-like, thin- skinned appendage, in which we may generally observe a few small strongly refractive granules, like those seen in the roots of the adult animal. I have there- fore supposed these appendages to be the rudiments of the future roots. A per- fectly similar appendage, "a most delicate tube or ribbon", was found by Darwin in free-swimming pupae of Lepas mistralis on the last joints of the "prehensile antennae". From the perfect accordance in their entire structure shown by the pupae of the Rhizocephala and Cirripedia, there can be no doubt that the append- ages of Sacculina and Lepas, which are so like each other and spring from the same spot, are homologous structures. Now in three species of Lepas, in Dichelaspis Warwickii and in Scalpellum Peronii, Darwin saw, on tearing recently-affixed animals from their point or Support, that a long narrow band issued from the same point of the antennae; 202 Für Darwin. its end was torn awa3% and in Dichelaspis, judging from its riigged appearance, it had attached itself firmly to the support. From this it follows that this append- age in Lepas australis can hardly be anything but a young cement-duct. If, therefore, the supposition that the appendages on the antennae of the pupae of PUiizocephala are young roots be correct, the roots of the Rhizocephala are homo- logous with the cement-ducts of the Cirripedia. And this, stränge as it may appear at the first glance, seems to me scarcely doubtful. It is true that the act of adhesion of the Rhizocephala has never yet been observed, but it is more than probable that they attach themselves, just like the Cirripedia, by means of the antennae, and that therefore the points of attachment in the two groups indicate homologous parts of the bod}^ From the point of attachment in the Rhizocephala the roots penetrate into the bod}^ of the host, whilst in the Cirripedia, the cement- ducts issue from the same point. The roots are blind tubes, ramified in different species. The cement-ducts in the basis of the Balanidae likewise contitute a gene- rally remarkably complicated System of ramified tubes, with regard to the mode of termination of which nothing certain has yet been made out. Individual caecal branches are not unfrequently seen even in the vicinity of the carina; and, at least in some species, in which the cement-ducts divide into extremely numerous and fine branchlets, forming a network which gradually becomes denser towards the circumference of the basis, these seem nowhere to possess an orifice. Now as to the question : How were Cirripedia converted by natural selection into Rhizocephala? A considerable number of existing Cirripedia settle exclusively or chiefly upon living animals; — on Sponges, Corals, MoUusks, Cetaceans, Turtles, Sea- Snakes, Sharks, Crustaceans, Sea Urchins, and even on Acalephs. Dichelaspis Darwinii was found by Filippi in the branchial cavity of Palimirus vulgaris, and I have met with another species of the same genus in the branchial cavity of Liipea diacantha. The same thing may have taken place in primitive times. The supposition that certain Cirripedes might once upon a time have selected the soft ventral surface of a Crab, Porcellana or Pagurtis, for its d wellin g-place, has certainly nothing improbable about it. If then the cement-ducts of such a Cirripede instead of merely spreading on the surface, pierced or pushed before them the soft ventral skin and penetrated into the interior of the host, this must have been beneficial to the animal, because it would be thereby more securely attached and protected from being thrown off during the moulting of its host. Variations in this direction were preserved as advantageous. But as soon as the cement-ducts penetrated into the body-cavit}^ of the host and were bathed by its fluids, an endosmotic interchange must necessarily have been set up between the materials dissolved in these fluids and in the Contents of the cement-ducts, and this interchange could not be without influence upon the nourishment of the parasite. The new source of nourishment opened up in this manner was, as constantly flowing, more certain than that offered by the nourishment accidentally whirled into the mouth of the sedentary animal. The individuals favoured in the development of the cement-ducts now converted into nutriferous roots, had more than others the prospect of abundant food, of vigorous Für Darwin. 263 growth, and of producing a niimerous progeny. With the further development, assisted by natural selection, of the roots embracing the intestine of the host and spreading amongst its hepatic tubes, the introduction of nourishment through the mouth and all the parts implicated in it, such as the whirling cirri, the buccal Organs, and the intestine, gradually lost their importance, became aborted by disuse, and finally disappeared without leaving a trace of their existence. Protected by the abdomen of the Grab, or by the shell inhabitcd by the Paguriis, the parasite also no longer required the calcareous test, in which, no doubt, the first Cirripedes settling upon these Decapods rejoiced. This protective covering, having become superfluous, also disappeared, and there remained at last only a soft sack filled with eggs, without limbs, without mouth or alimentary canal, and nourished, like a plant, by means of roots, which it pushed into the body of its host. The Cirripede had become a Rhizocephalon. If it be desired to form a notion of what our parasite may have looked like when half way in its progress from the one form to the other, we may consult the figures given by Darwin (Lepadidse PI. IV., figs. i — 7) of Anelasma squalicola. This Lepadide, which lives upon Sharks in the North Sea, seems, in fact, to be in the best way to lose its cirri and buccal organs in the same manner. The widely- cleft, shell-less test is supported upon a thick peduncle, which is immersed in the skin of the Shark. The surface of the peduncle is beset with much-ramified, hollow filaments, wich "penetrate the Shark's flesh like roots" (Darwin). Darwin looked in vain for cement-glands and cement. It seems to me hardly doubtful, that the ramified hollow filaments are themselves nothing but the cements-ducts converted into nutritive roots, and that it is just in consequence of the development of this new source of nourishment, that the cirri and buccal organs are in the highest degree aborted. All the parts of the mouth are extremely minute; the palpi and exterior maxillse have almost disappeared; the cirri are thick, inarti- culate, and destitute of bristles; and the muscles both of the mouth and cirri are without transverse striation. Darwin found the stomach perfectly empty in the animal examined by him. Description of a new Genus of Amphipod Crustacea^). Batea, nov. gen. Mit Tafel XXV. Antennse simple. Coxae of the first pair of gnathopoda rudimentary, those of the second pair of gnathopoda and the first two pair of pereiopoda largely developed. Coxse of the second pair of pereiopoda deeply excavated upon the Upper part of the posterior margin. First pair of gnathopoda rudimentary, con- sisting of coxa and basis only; second pair of gnathopoda subchelate. Mandibles having an articulated appendage. Maxilhpeds having a squamiform plate on both the basis and ischium joints. Fourth and fifth pairs of pleopoda with styHform rami, sixth pair with subfoHaceous rami. Telson single, deeply cleft. Species Batea catharinensis, F. M. I will here add some remarks on the sexual differences of this interesting species. The pereion is somewhat longer and higher in the female; the antennse of the same are shorter. The first Joint of the peduncle of the upper antennae has three, the second four fasciculi of hairs on the inferior side in the male ; they are wanting in the female. The long setse at the extremity of the alternate articles of the flagellum of the first antenna? are directed downwards in the female, back- wards in the male. The third and fourth joints of the peduncle of the lower an- tennae have fasciculi of short hairs on their upper sides in the male, which are wanting in the female. (The eyes are larger in the male.) The flagellum of the lower antennae has long upward-directed setse at the extremities of alternate joints in the female, which do not exist in the male. The first pair of gnathopoda are shorter in the male, with but few hairs near the top ; they are as long as the basis of the second pair of gnathopoda in the female, slender, flexible, with long hairs on the anterior margin, and shorter curved hairs at the distal extremity. The coxae of the second pair of gnathopoda are much higher in the female. The first two I) Annais and Magazine of natural History 1865. p. 276 — 277. Plate X. Description of a new Genus of Amphipod Crustacea. 26 S pairs of pereiopoda have the carpus and propodos fringed with long hairs at the posterior margin ; these hairs are wanting in the female. Desterro, Brazil, Oct. lo, 1864. Erklärung- der Abbildungen auf Tafel XXV. Fig. I. Batea catharinensis, male: b, superior antennse ; g, maxilliped ; h, first gna- thopod; h^, coxa; If-, basis; /, second gnathopod; q, second pleopod; r, third ditto; s, fourth ditto ; /, fifth ditto ; v, posterior pleopod ; z, telson. Ueber Cumaceen^). Beleuchtung- der Abhandlung Van Beneden's^) über diese Familie. Kröyer^) stellte 1846 die Familie der Cumaceen auf und schilderte ihren Bau in meisterhafter Weise. Als ich 1857 einige Thiere dieser Familie unter- suchte, fand ich, dass Kröyer wie gewöhnlich seinen Nachfolgern nur eine dürftige Nachlese übrig gelassen hatte und hielt desshalb die Mittheilung meiner Beobachtungen für überflüssig. Indessen scheint über der Naturgeschichte der Cumaceen ein eigener Unstern zu walten. Nachdem Goodsir'*) Bruttasche und Eier der Weibchen gesehen, nachdem Kröyer Junge der Bruttasche entnommen und sorgfältig die Unterschiede zwischen Männchen und Weibchen erörtert, hat dennoch Agassi z in den Cumaceen Garneelenlarven finden wollen und unbe- greiflicherweise haben die beiden bedeutendsten Forscher auf diesem Gebiete, H. Milne Edwards und Dana der nicht näher begründeten Vermuthung von Agassiz mehr Gewicht beigemessen als den bestimmten unzweideutigen An- gaben von Goodsir und Kröyer. Und nachdem Kröyer eine musterhafte Darstellung des Baues und namentlich auch der nicht eben leicht zu entwirrenden Mundtheile gegeben, ist neuerdings VanBeneden mit einer durchaus verfehlten Auffassung dieser Verhältnisse hervorgetreten und unbegreiflicherweise hat wieder ein Forscher, der eben so scharf zu beobachten als umsichtig die Arbeiten seiner Vorgänger zu würdigen versteht, Claus°), der oberflächlichen Darstellung Van Beneden's den Vorzug gegeben vor der gründlichen Arbeit Kröyer's, des anerkannten Meisters in carcinologischen Untersuchungen. Somit ist, was 1857 überflüssig erscheinen musste, 1864 wieder Bedürfniss geworden, eine erneute ein- gehende Schilderung des Baues der Cumaceen. Ich will jedoch diese Schilderung verschieben, bis es mir gelungen ist, die mir bekannt gewordenen Bruchstücke aus der Entwicklungsgeschichte der Cumaceen zu einem einigermassen vollstän- digen Bilde zu ergänzen, und beschränke mich für jetzt auf eine Beleuchtung der 1) Archiv für Naturgeschichte 1865. I. p. 311 — 323. 2) Van Beneden, Recherches sur la faune littorale de Beigique. Crustaccs. 1861. S. 71 — 87. Les Cumades. 3) Kröyer, Naturhistorisk Tidsskrift. Ny Raekke. II. Bd. S. 203—206. 4) Goodsir in Edinl)urgh New. Philos. Journal 1843, und daraus in Bell British Staik-cyed Crustacea p. 321 — 333. 5) Claus, Die freilebenden Copepoden 18G3. S. 18. Ueber Cumaccen. 207 Abhandlung Van Bencden's. Es ist hohe Zeit, einer noch weiteren Verbreitung der darin gehäuften Irrthümer vorzubeugen und die älteren richtigen Angaben wieder in ihr Recht einzusetzen. V. B. beginnt seine Abhandlung mit einer geschichtlichen Einleitung; es wird darin über K r ö y e r's Aufsatz gesagt, dass er diese Thiere mit der alle seine Arbeiten bezeichnenden Sorgfalt untersuchte (a. a. O. S. 73), und an einer anderen Stelle seiner Abhandlung (S. 78) wiederholt V. B,, dass Krö3^er diese Kruster mit Sorgfalt und mit vollständiger Kenntniss ihres Baues beschrieben habe. Wer die Cumaceen kennt, wird diesem Urtheile freudig zustimmen ; aber es nimmt sich äusserst sonderbar aus im Munde V. B.'s, der, wie wir sehen werden, alle nicht beim ersten flüchtigen Blicke ins Auge fallenden Verhältnisse, die Mundtheile, die Athemwerkzeuge, die Geschlechtsunterschiede u. s. w., in durchaus von Kröyer abweichender Weise darstellt und zwar ohne je auch nur mit einem Worte dieser Verschiedenheit zwischen seiner und Kröyer's Darstellung zu gedenken. Dies ist ein erster schwerer Vorwurf, der der Abhandlung V. B.'s gemacht werden muss. Kröyer's Arbeiten sind stets mit so peinlicher Gewissenhaftigkeit abge- fasst, dass jeder ernste Forscher es für seine Pflicht halten wird, alle Punkte der eingehendsten Erörterung zu unterziehen, bei denen er sich von Kr 03^ er abzu- weichen genöthigt sieht. Fühlt V. B. sich so hoch über Kröyer erhaben, dass er erwartet ohne Weiteres seine eigenen Angaben denen des bewährten dänischen Forschers vorgezogen zu sehen ? Oder ist er sich der Unterschiede zwischen seiner und Kröyer's Darstellung gar nicht bewusst geworden? Hat er in der- selben flüchtigen Weise, in der er seine Beobachtungen angestellt, auch die Ar- beiten seiner Vorgänger gelesen? Wie Kröyer wird auch Spence Bäte behandelt. Derselbe hatte aus- gesprochen, wie V. B. in seiner geschichtlichen Einleitung (S. 74) berichtet, dass in der Form der Kinnbacken ^) die Cumaceen sich den Amphipoden nähern. V. B. selbst findet dagegen, dass die Kinnbacken der Cumaceen viel von denen der Mysis haben (S. 87); aber wieder hält er es nicht der Mühe w^erth, auch nur mit einem Worte seine Auffassung der jenes gründlichen Amphipodenkenners gegen- über zu begründen ^). i) Mit Kröyer übersetze ich mandibulae durch Kinnbacken, maxillae durch Kiefer. 2) Das merkwürdigste Beispiel der harmlosen Selbstgenügsamkeit, die sich in diesem Verfahren aus- spricht, bietet in derselben Sammlung carcinologischer Aufsätze der die Gattung Naupridia (oder wie V. B. schreibt, Naupredia) betreffende Abschnitt (a. a. O. p. 96). Diese Gattung war bekanntlich von La tr ei IIa aufgestellt worden für Caprelliden, die fünf Paar Füsse in ununterbrochener Reihe und eine Kieme am Grunde des 2ten, 3ten und 4ten Paares haben sollten. Danach hatte man wohl mit Recht vermuthet, dass es sich um Thiere der Gattung Proto Leach (Leptomera Latr.) handle, die zufällig ihre letzten beiden Fusspaare verloren hatten. Dem gegenüber meint V. B. : „11 est inutile de faire remarquer qua des car- cinologistes ont eu tort de supposer que cas Naupredia ne sont qua des Leptomera mutil6s; ce sont bien des crustaces complets." Zum Beweise folgt dann eine Beschreibung, die vollständig auf eine Leptomera passen würde, der die letzten beiden Fusspaare fehlen, und die also nur zur Stütze der von V. B. be- kämpften oder vielmehr nicht einmal des Bekämpfens werth gehaltenen Ansicht dienen kann, und zum Schlüsse heisst es dann : „on est tr^s-dispose, en les voyant, ;i les prendre pour des Caprella mutil6s ; . . . . ce sont cependant bien comme nous venons de le voir, des animaux entiers". Natürlich : V. B. sagt es ; das muss genügen. Daher kein Wort über die Merkmale, durch die man eine Naupridia von einer verstümmelten Proto unterscheiden könnte; kein Wort über die Markmale, die ausser dam Mangel zweier Fusspaare die Gattung kennzeichnen sollen; es muss genügen, dass V. B. das Bestehen solcher 268 Ueber Cumaceen. Der geschichtlichen Einleitung folgt die Beschreibung dreier von V. B. an der belgischen Küste beobachteten Arten. Zwei derselben, Bodotria Goodsirii und Leucon cercaria werden als neu betrachtet, die dritte als Cuma Rathkii Kr. bestimmt. Vergleicht man nun Beschreibung und Abbildung mit Kröyer's Diagnose, so findet man nicht eines der für diese Art besonders bezeichnenden Merkmale erwähnt oder gezeichnet, weder die gezähnelten Längsleisten des Panzers, noch die sägeartige Bewaffnung oder den grossen („maximum validumque" Kr.) dornartigen Fortsatz am Hinterrande des letzten Brustringes, noch die Verbreiterung am Ende des Grundgliedes der vom ersten freien Ringe entspringenden Füsse, noch endlich die dreizehn Paare seitlicher Dornen am mittleren Schvvanzanhange. Und doch müssten alle diese Verhältnisse, wie ich nach Untersuchung einer nahe- stehenden Art behaupten darf, bei der von V. B. angewandten Vergrösserung deutlich hervortreten. Dagegen sagt V. B. ausdrücklich, dass man zwischen den drei letzten Ringen der Brust keine anderen als Grössenunterschiede sehe, und dass der mittlere Schwanzanhang leicht gezähnelt, aber borstenlos sei. Doch will ich trotz alledem nicht behaupten, dass die Art V. B.'s doch nicht die Cuma Rathkii Kr. sein könne; denn man darf sich nicht allzusehr auf V. B.'s Zeich- nungen und Beschreibungen verlassen ^). Zu den einzelnen Angaben der Abhandlung übergehend beginne ich mit einem Punkte, in Betreff dessen die beiden ersten Beobachter, welche mehrere Arten von Cumaceen zu untersuchen Gelegenheit hatten, sich widersprechen. G o o d s i r schreibt denselben kleine paarige Augen zu, die so dicht beisammen stehen, dass das Thier auf den ersten Blick einäugig erscheint; dabei werden sie, — ob in Folge eines Druckfehlers ? — „gestielt, aber sitzend" 2) genannt. Kröyer bezeichnet die Cumaceen als augenlos. Ich finde bei meinen Arten ein unpaares Auge mit bisweilen sehr ansehnlichen Linsen, so dass also Goodsir's Angaben (von der sich selbst widersprechenden Bezeichnung: „gestielt, aber sitzend" ab- gesehen) im Wesentlichen richtig sind; denn zwischen zwei bis zu anscheinender Einäugigkeit genäherten Augen und einem einzigen Auge mit paarig angeordneten Linsen ist kein grosser Unterschied. Dass Kröyer die Augen übersah, erklärt sich, wenn sie nicht seinen Arten wirklich fehlen, wohl aus deren blasser Färbung Merkmale behauptet, dass er sagt: „qu'on pourra joindre divers caracteres egalement importants ä ceux que ce savant (Latreille) leur a attribues dejä". — Ich stimme Spence Bäte bei (Catalogue of Amphipod. Crustac. p. 382), der die Naupridia tristis V. B. für eine verstümmelte Proto pedata Leach erklärt. — Eines muss jedoch anerkannt werden: der Name Naupridia tristis ist vortrefflich gewählt; V. B.'s Auf- satz ist ein trauriges Beispiel der traurigen Ergebnisse, die nur beiläufige Ausflüge in Gebiete, auf denen man nicht heimisch ist, zu liefern pflegen. i) ,,I1 est prudent de ne pas trop s'en rapporter au dessin et aux descriptions" sagt V. B. (S. 77) in Bezug auf Cyrianassa gracilis Sp. B. — Bei V. B.'s eigenen carcinologischen Arbeiten ist solche Vorsicht gewiss an der Stelle. Den trefflichen Spence Bäte aber halte ich für Pflicht gegen diesen halben Vor- wurf der UnZuverlässigkeit in Schutz zu nehmen. Ich habe bei Bestimmung von gegen 50 Amphipoden unseres Meeres in Spence Bate's Catalogue of Amphipod. Cnistacea mindestens die dreifache Zahl von Abbildungen und Beschreibungen nahestehender Arten genau verglichen und mich überzeugt, dass dieser der Wissenschaft so früh entrissene englische Forscher meisterhaft verstand, selbst in kurzen Beschreibungen wirklich bezeichnende Arteigenthümlichkeiten scharf hervorzuheben und sie treu in seinen Zeichnungen wieder- zugeben, und dass, einzelne Irrthümer abgerechnet, denen der Beste nicht entgeht, seine Abbildungen und Beschreibungen als durchaus zuverlässig bezeichnet werden dürfen. 2) ,,pedunculated, but sessile" s. Bell, Brit. Stalk-eyed Crustacea S. 323. Ueber Cumaceen. 269 bei den eigentlichen Cuma -). V. B. leugnet nun richtig das Vorhandensein ge- stielter Augen (S. 79) und sagt, dass die Cumaceen sitzende Augen haben, wie die Edriophthalmen (S. 87); über die Beschaffenheit dieser Augen aber findet sich in der Beschreibung von Cuma kein Wort, und bei Bodotria und Leucon sollen einige Pigmentflecken die Stelle des Auges vertreten. Die Dürftigkeit dieser Angaben, die weit hinter dem schon von Goodsir Gebotenen zurückbleiben, ist um so befremdlicher, da V. B. eine Bodotria untersuchte, bei welcher Gattung das dunkelgefärbte, an der äussersten Spitze des Körpers gelegene Auge dem ersten Blicke seine grossen Linsen zeigt, und da ihm in seinem Leucon cercaria eine so durchsichtige Art vorlag, wie sie noch keinem anderen P'orscher zu Ge- bote gestanden hat. Die Abbildung, die V. B. von dem Augenflecken eines zer- quetschten Thieres dieser Art giebt (PI. XIV. fig. 2), mag naturgetreu sein ; nur ist für die Untersuchung eines Auges das Zerquetschen eben keine besonders empfehlenswerthe Methode. In Betreff der Fühler ist hervorzuheben, dass V. B. (S. 86) an den hinteren Fühlern von Leucon eine kleine Nebengeissel beschreibt, und deren sogar zwei, die eine zweigliedrig, die andere ungegliedert zeichnet (Taf. XIV. fig. 2). Da nicht nur die übrigen Cumaceen, sondern überhaupt alle höheren Kruster im er- wachsenen Zustande niemals mehr als einen gegliederten Anhang am zweiten Fühlerpaare tragen, würde das Vorkommen einer und mehr noch das ganz un- erhörte Vorkommen zweier Nebengeisseln ein höchst merkwürdiger Umstand sein. Derselbe bedarf indess um so mehr der Bestätigung, da der Widerspruch zwischen Beschreibung und Abbildung kein günstiges Vorurtheil für die Zuverlässigkeit der einen wie der anderen erwecken kann. Von den Kinnbacken seiner drei Arten giebt V. B. Abbildungen, die auch nicht die leiseste Aehnlichkeit mit einander haben und alle unvollständig und falsch sind. Wie Kröyer richtig angibt, sind die Kinnbacken der Cumaceen. verglichen mit denen anderer höherer Kruster, schlank („elongata angustata" Kr.), mit starken Zähnen an der Spitze, einem sehr grossen Kaufortsatze und zwischen beiden mit einem Kamme starker Borsten oder Dornen („pectine setoso" Kr.) ver- sehen. Bei Cuma hat nun V. B. den Borstenkamm weggelassen und von dem Uebrigen eine ziemlich verquetschte Ansicht gegeben, bei Bodotria nur den Borstenkamm und die Zähne der Spitze gezeichnet, und bei Leucon sind als Kinn- backen zwei plumpe Stummel dargestellt, die am Grunde zusammenstossen und anscheinend durch ein unpaares Stück verbunden sind, wahrscheinlich die Unter- lippe des Thieres. Dass nicht nur bei Krustern und Insekten, dass ebenso bei Schnecken, bei Fischen, bei Säugethieren und wo sonst Kauwerkzeuge vorkommen, dieselben bei den Gliedern derselben natürlichen Familie übereinstimmend gebaut sind und dass deshalb wenigstens zwei seiner Abbildungen falsch sein müssen, scheint V. B. nicht in den Sinn gekommen zu sein. Sonst würde er entweder durch erneute Untersuchung übereinstimmende Bilder von den drei Arten zu er- halten gesucht, oder die völlige Verschiedenheit der Kinnbacken bei drei so nahe- i) Spence Bäte hat die Cumaceen richtig als einäugig erkannt, wie ich aus einem Briefe desselben weiss. Seine Abhandlung über diese Thiere habe ich nicht gesehen. — V. B. mag auch diese Arbeit Spence Bate's, obwohl er sein Urtheil darüber abgiebt, nur obenhin angesehen haben, da er seiner Dar- stellung der Augen nicht «edenkt. 270 Ueber Cumaceen. Stehenden Arten als einen in seiner Art einzigen Fall hervorgehoben haben. Aber weder von dem einen noch von dem anderen ein Wort im Texte, der noch dürftiger ist als selbst die Abbildungen. Die Kinnbacken der Cuma „haben nichts Merkwürdiges, als den Mangel eines Tasters" (S. 83) ; die von Bodotria ,.sind kurz und plump und ihre freie Spitze ist mit kleinen steifen Borsten besetzt" (S. 80) und auch die von Leucon „haben nichts Besonderes, als ilire plumpe Form und ihre kurzen zum Kauen dienenden Borsten" (S. 86). Die beiden Kieferpaare, von Kröyer richtig beschrieben, sind bei Cuma und Leucon von V. B. vollständig übersehen worden ; es werden als solche die beiden ersten Paare der Kieferfüsse beschrieben und abgebildet und zwar der Abwechslung wegen als vorderer Kiefer bei Cuma (Taf. XII. fig. 4, e) der erste, bei Leucon (Taf. XIV. fig. 3, b) der zweite und als hinterer Kiefer bei Cuma (Taf. XII. fig. 4, /) der zweite und bei Leucon (Taf. XIV. fig. 3, c) der erste Kieferfuss. Dass bei Leucon wirklich diese Umkehrung der natürlichen Reihen- folge stattgefunden, dass der (Taf. XIV. fig. 3, b) als vorderer Kiefer abgebildete und beschriebene Theil wirklich der zweite Kieferfuss sei, darüber lässt seine Grösse, die Länge des Grundgliedes und die für die Gattung Leucon bezeichnende Gliederzahl (sechs, bei Cuma fünf) keinen Zweifel. Dass (in Taf. XIV. fig. 3, c) statt fünf nur drei Glieder gezeichnet sind, verdient kaum besonderer Erwähnung, da solche Ungenauigkeiten zu häufig wiederkehren, um einzeln aufgezählt zu werden. Dadurch, dass bei Cuma und Leucon die beiden Kieferpaare übersehen wurden, erhält natürlich V. B. (und Claus hat sich diese Auffassung angeeignet) für die Cumaceen zwei Leibesringe weniger als für die übrigen Malacostraca und es bleiben ihm nur drei Paar eigentlicher Füsse. Bei Bodotria wird die Sache noch hübscher. Zunächst versichert V. B. (S. 76), dass hier die Gesammtzahl der Anhänge des Cephalothorax dieselbe sei, wie bei den übrigen Cumaceen, also elf Paar nach V. B. ; nur sei das dritte Paar der Kieferfüsse zu eigentlichen Füssen geworden und von letzteren daher ein Paar vorhanden. Weiterhin aber werden (S. 80) zwei Paar Fühler, ein Paar Kinn- backen, zwei Paar Kiefer, drei Paar Kieferfüsse, ein Paar eigentlicher Füsse mit äusserem Aste und ein Paar einfacher Füsse aufgezählt, was denn doch wohl dreizehn und nicht elf Paar ausmacht. Aber es kommt noch besser! Trotzdem dass ein Paar eigentlicher Füsse mit äusserem Aste, und vier Paare ohne solchen Ast beschrieben werden, versichert V. B. wiederholt (S. 76 und S. 81), dass die Zahl der eigentlichen Füsse sich auf vier Paar beläuft; also eins und vier ist vier ! ! ! — „il n'y a pas de doute ä cet egard", wie V. B. zur Beruhigung derer hinzusetzt, die die Richtigkeit dieser Rechnung bezweifeln möchten. — Ein weiteres Beispiel seiner neuen Rechenkunst bietet uns V. B. in der Behauptung, dass der Panzer der Bodotria von 10 Ringen gebildet werde ^), dass 4 freie Brustringe vorhanden seien, und dass der ganze Cephalothorax aus derselben Ringzahl wie bei Cuma, nämlich aus 11 Ringen bestehe; demnach wäre also 10 + 4=11. Was bei Bodotria als Kiefer abgebildet wird (Taf. XIII. fig. 11, 12), mögen Bruchstücke dieser Anhänge oder auch der Kieferfüsse sein, die ich indess nicht I) „Dix somites concourent ä la formalion de la caiapace" a. a. O. S. 79. Ueber Cuinaceen. 271 näher zu bestimmen vermag; der Text giebt in diesem Falle noch weniger An- halt, als sonst, da es einfach heisst: „nous passons sous silcnce les deux paires de mächoires". — Um die Verwirrung vollständig zu machen, steht die Erklärung der auf die Gliedmassen von Bodotria bezüglichen Abbildungen (S. 166 und Taf. XIII. fig. 10 — 15) in Widerspruch mit dem Texte. Die beiden ersten Paare der Kieferfüsse werden als sehr schlank und zart beschrieben und kein äusserer Ast derselben erwähnt; in der Abbildung sieht man dagegen äusserst ansehnliche, kräftige mit äusserem Aste versehene Gliedmassen (fig. 13 und 14). In der Er- klärung der Abbildungen wird das zweite Paar der Kieferfüsse als letztes be- zeichnet, im Texte ein drittes Kieferfusspaar beschrieben. Im Texte wird das erste eigentliche Fusspaar als zweiästig, dem dritten Kieferfusspaar durchaus ähn- lich, aber bedeutend länger geschildert; in der Abbildung (fig. 15) sieht man einen einfachen Fuss kaum halb so lang, als die vorhergehenden Gliedmassen. — Bei näherer Vergleichung ergiebt sich, dass, was im Texte als drittes Paar der Kiefer- füsse, erstes und zweites Paar der eigentlichen, in der Erklärung der Abbildungen als erstes und zweites Paar der Kieferfüsse und erstes Paar eigentlicher Füsse bezeichnet wird. Eine ähnliche Sudelei ist natürlich in keiner Weise zu entschuldigen, aber sie erklärt sich leicht aus dem Umstände, für den diese und andere Abhandlungen desselben Werkes mannichfache Beläge liefern, dass V. B. seine Aufsätze aus einzelnen zu verschiedenen Zeiten abgefassten Theilen zusammengestückt und dabei sich nicht einmal die Mühe gegeben hat, dieselben noch einmal aufmerksam durchzulesen und mit einander in Einklang zu bringen. V. B. fand bei Unter- suchung der Anhänge am Cephalothorax der Bodotria nur elf Paar; da er damals seine neue Gliedmassentheorie noch nicht fertig hatte, benannte er sie im Ein- klänge mit seinen Vorgängern und nahm richtig an, dass er die Kiefer übersehen haben könne ^). Als er später bei Cuma und Leucon in Betreff der Kiefer nicht glücklicher war, hielt er sich überzeugt, dass wirklich nur elf Paar Anhänge vor- handen seien, taufte daher die einzelnen Gliedmassen um und nahm diese neuen Namen auch in die Erklärung der zu Bodotria gezeichneten Abbildungen auf, ohne jedoch die abweichenden ursprünglichen Benennungen im Texte zu ändern. Ueber die so höchst eigenthümlichen Kiemen der Cumaceen erfahren wir in V. B.'s Abhandlung nicht ein Wort, er scheint dieselben für kiemenlos zu halten, und zu glauben, dass sie mit ihrer dicken verkalkten Haut athmen. Eine besondere Kiemenhöhle spricht er ihnen ausdrücklich ab (S. 87). Und doch sind die Athem- bewegungen das Erste, was bei Betrachtung einer lebenden Cuma die Aufmerk- samkeit fesselt; und doch scheint es kaum möglich, die gewaltig grosse Kieme („branchia maxima" Kr.) zu übersehen, wenn man eine Cuma mit der Nadel zer- zupft; und doch haben bereits Goodsir und Kröyer Lage und Gestalt der Kiemen richtig beschrieben ; und doch untersuchte V. B. eine ungewöhnlich durch- sichtige Art, bei der das ganze Spiel der Athembewegungen sich aufs prächtigste musste verfolgen lassen. i) Statt einfach zu erklären: ich konnte die von Kröyer beschriebenen Kiefer nicht finden, sagt V. B. : „nous passons sous silence les deux paires de mächoires". Man merke sich für vorkommende Fälle diesen Euphemismus. 212 Ueber Cumaceen. V. B. versichert, dass er von seinen drei Arten beide Geschlechter lebend gesehen habe (S. 78), sowie dass er vollständig die Angaben Kröyer's und Goodsir's über die Eier und Embryonen dieser Thiere bestätigen könne (S. 75). — Ohne diese ausdrückliche Versicherung würde man versucht sein zu glauben, dass ihm überhaupt nie ein Weibchen vorgekommen sei, denn alle von ihm be- schriebenen und abgebildeten Thiere sind Männchen. Bei Cuma und Leucon spricht sich V, B. überhaupt nicht über das Geschlecht der dargestellten Thiere aus und erwähnt keinerlei Geschlechtsverschiedenheiten ; es beweisen aber die Länge der hinteren Fühler, sowie die Anwesenheit von äusseren Aesten am vierten Paare der Brustfüsse und von Anhängen an den ersten Hinterleibsringen, dass man Männchen vor sich hat vmd zwar wahrscheinlich noch nicht geschlechts- reife Männchen, wie namentlich die unbedeutende Entwicklung der erwähnten äusseren Aeste vermuthen lässt. Bei Bodotria ist allerdings von Weibchen die Rede; aber die von dem angeblichen Weibchen abgebildeten und als bezeichnend für dieses Geschlecht betrachteten Theile, die des reichen Riechfädenbüschels noch entbehrenden vorderen Fühler, die hinteren Fühler, welche die Länge des Panzers erreichen und, äusserlich ungegliedert, eine vielgliedrige Geissei umschliessen, die borstenlosen Hinterleibsanhänge, gehören sämmtlich einem jungen Männchen an. Bei den Weibchen auch dieser Gattung, die als solche an der Anwesenheit von Eiern, sei es im Leibe, sei es in der Bruttasche, erkannt wurden, finde ich die hinteren Fühler äusserst kurz und den Hinterleib fusslos ^). — Es bleibt nun frei- lich noch ein höchst auffälliger Unterschied zwischen den Alännchen und dem angeblichen Weibchen, letzteres soll an den Hinterecken des Panzers jederseits eine starke Spitze tragen, „die nicht einem wirklichen Dorne gleicht, sondern vielmehr in ihrer ganzen Länge geringelt ist, wie ein fühlerähnlicher Anhang" (S. 79). Was ist dieser fühlerähnliche Anhang hinten am Panzer, dem Aehnliches im ganzen Bereiche der Kruster nicht gesehen wird ? Die Abbildung (Taf. XHI. fig. 6) lässt darüber keinen Zweifel; es ist offenbar einer der beiden Fühler, der sich unter dem Mikroskop zufällig so gelagert hat, dass seine Spitze die hintere untere Ecke des Panzers überragt. Die Ringelung ist ganz dieselbe, wie sie der (fig. 8) in stärkerer Vergrösserung dargestellte Fühler zeigt, und beschreibt man (in fig. 6) um den Ursprung des vollständig gezeichneten Fühlers einen Kreis durch dessen Spitze, so geht derselbe genau auch durch die Spitze des wunder- baren Panzeranhangs. Dass er mit seinen angeblichen Geschlechtseigenthümlichkeiten der Weibchen in Widerspruch mit Kröyer steht, demzufolge die Weibchen der Cumaceen ver- kümmerte nur V40 bis Vso der Länge des Körpers erreichende hintere Fühler haben u. s. w., scheint V. B. wie gewöhnlich nicht gemerkt zu haben. Die Embryonen der Cumaceen sollen im Laufe der Entwicklung die grösste Aehnlichkeit mit denen der Mysis haben (S. 87). Hätte die ganze Abhandlung nicht in jeder Zeile den Beweis geliefert, wie unglaublich oberflächlich V. B. die i) Kröyer sagt zwar in der Diagnose von Bodotria: quinque pedum abdominalium paria feminarum permagna, natatoria" ; allein er selbst hat diese Gattung nicht untersucht , sondern die Diagnose nach Goodsir's Angaben entworfen, der auch nur ein einziges Exemplar beobachtete; dieses hielt Kröyer, wahrscheinlich wegen des Mangels äusserer Aeste an den vier letzten Paaren der Brastfüsse, irrigerweise für ein Weibchen. Ueber Cumaceen. 273 Cumaceen sich betrachtet hat, so würde man aus dieser Behauptung zu schliessen geneigt sein, dass er überhaupt niemals den Embryo einer Cuma sah. Gerade ihm, der so eingehend und sorgfältig die Entwicklung der M3'sis verfolgt hatte, hätte es ja beim ersten flüchtigen Blicke auf einen Cumaceenembryo auffallen müssen, dass hier von der wichtigsten Eigenthümlichkeit der jungen Mysis, von der naupliusähnlichen Larvenhaut mit ihren säbelförmigen Fühlern und ihrem Gabeischwanze, auch nicht die leiseste Spur vorhanden ist; ähnlich ist nur die Lagerung des Embryo, dessen Schwanzende wie bei Mysis und den Isopoden nach oben gekrümmt ist. V. B. zieht aus seinen Beobachtungen den Schluss, dass die Cumaceen ihre natürliche Stelle im System zur Seite der Mysis finden und zwar wegen des Mangels der Augenstiele eine niedrigere Stufe einnehmen (S. 87). Er stützt sich dabei auf die Aehnlichkeit der Kinnbacken, die aber ganz wie bei den Amphi- poden gebaut und denen von Mysis nicht ähnlicher sind, als denen eines beliebigen Decapoden oder Isopoden ; auf den Mangel einer besonderen Kiemenhöhle, die aber vorhanden ist; auf die Aehnlichkeit der Verdauungswerkzeuge, die aber einer Magenbewaffnung entbehren („ventriculus nuUis intus organis manducatoriis instructus" Kr.), während die Leberschläuche nicht mehr an Mysis, als an die Asseln erinnern; auf die Bildung der Bruttasche, die aber wie bei den Amphi- poden zwischen den vorderen und nicht wie bei Mysis zwischen den hinteren Füssen angebracht ist, endlich auf die Entwicklung, von der so eben die Rede war. Nach alledem dürfte die Abhandlung Van Beneden's über die Cumaceen in ihrer Art einzig dastehen in der zoologischen Literatur^). Sie enthält, wie einmal Lessing sagte, und das ist das glimpflichste Urtheil, das sich über sie fällen lässt, — sie enthält viel Neues und Wahres; schade nur, dass das Wahre nicht neu, und das Neue nicht wahr ist. Desterro, im December 1864. i) Von der schönen Arbeit über die Entwicklung der Mysis abgesehen sind übrigens die meisten Aufsätze in den „Untersuchungen über die Kruster der belgischen Küste" der Abhandlung über die Cu- maceen ziemlich ebenbürtig. Es dürfte kaum der Mühe lohnen, sie in ähnlicher Weise einzeln durchzu- sprechen. Dieses eine Beispiel wird genügen, um die äusserste Vorsicht bei Benutzung derselben räthlich erscheinen zu lassen. Fritz Müllers gesammelte Schriften. Ueber die Randbläschen der Hydroidquallen^). Mit I Textfigur. In seinen ganz vortrefflichen „Studien über das Gehörorgan der Decapoden" gedenkt Victor Mensen beiläufig der Randbläschen einer E u c o p e Ggb., und gibt von denselben eine Beschreibung und Abbildung, die weit abweicht von der Darstellung aller früheren Beobachter ^). Es soll danach an der centralen Seite der „Hörblasen" oder „Otolithensäcke", wie Hensen die Randbläschen nennt, eine verdickte Stelle sich finden, von der aus sehr feine Haare nach einem in der Mitte des Sackes liegenden, von einer inneren Blase umschlossenen Steine gehen. Veranlasst durch die Angaben Hensen 's habe ich mir die Randbläschen verschiedener Hydroidquallen noch einmal angesehen und glaube danach behaupten zu dürfen, dass sich dieser umsichtige Beobachter denn doch wohl in seiner Auf- fassung der Randbläschen von Eucope getäuscht hat, die er nur einmal zu unter- suchen Gelegenheit fand. Ueber die An- oder Abwesenheit der zarten Häärchen kann ich freilich nichts sagen, da diese für mein Mikroskop kaum erkennbar sein würden. Allein es erscheint mir unzweifelhaft, einmal, dass die „Steine" nicht frei in der Mitte des Randbläschens schweben, nur durch zarte Häärchen gehalten, und zweitens, dass die „innere Blase" gar keine Blase ist, sondern ein dichter Körper. Ich glaube mich hiervon selbst bei Eucope überzeugt zu haben, obwohl gerade die vier zugänglichen Arten dieser Gattung wegen der geringen Grösse der Bläschen und der oft in Mehrzahl vorhandenen „Steine" und wegen der meist nicht besonders durchsichtigen Umgebung derselben wenig geeignet sind, befriedigende Bilder zu geben. Am bequemsten bieten sich die frei über die Scheibe vorspringenden, ver- kehrt eiförmigen, mit stielförmig verdünnter Basis aufsitzenden Randbläschen der Cunina KöUikeri F. M. der Untersuchung dar. Der „Stein" ist bei ihnen endständig und von der Basis zieht sich deutlich ein blasser Strang nach dem „Steine" hin, um ihn becherförmig zu umfassen ^). Es ist unmöglich dieses Ver- halten in Einklang zu bringen mit Hensen's Darstellung der „Otolithensäcke" i) Schultze's Archiv für mikrosc. Anat. 1865. Bd. I. p. 143 — 147. Taf. VII, Fig. 4. 2) Studien über das Gehörorgan der Decapoden, S. 37, Anm. i ; Fig. 24, B. 3) Archiv für Naturgeschichte 1861. Taf. IV. Fig. 8. = Ges. Schriften Taf. XV, Fig. 8. Ueber die Randbläschen der Hydroidquallen. ^^c von Eucope, während man sich nur den Strang verkürzt und dadurch den Stein ins Innere der Blase zurückgezogen zu denken braucht, um die bei den Hydroid- quallen gewöhnliche Bildung der Randbläschen zu erhalten, wie ich sie bei Liriope^) beschrieb und auch jetzt wieder bei dieser und anderen Arten sehe. Da ich indessen, wie Agassiz, Cunina nicht zu den Hydroidquallen rechne'-*), musste ich billig Bedenken tragen, das bei ihr leicht festzustellende Verhalten der Randkörper als Beweis gegen die Richtigkeit der Darstellung Hensen's geltend zu machen ; immerhin konnten ja bei Hydroiden und Aeginiden die Randkörper in völlig verschiedener Weise gebaut sein. Ich war daher erfreut, bei einer Hydroidqualle auf eine Bildung der Randbläschen zu stossen, die in der Mitte steht zwischen dem bei Cunina und dem bei Liriope zu beobachtenden Verhalten. Diese noch unbeschriebene Qualle, Aglauropsis Agas- -o ,,,.• i, a i -^ ' " x- fc> Randblaschen von Aglauropsis sizii F. M., erinnert durch ihre Gestalt, durch die AgassiziiF.M. Aus dem Grunde Bildung und selbst die Färbung des Magens und der f^"" ^^^'l. ^^^^^bt .sich auf einem •^ ° '^ kurzen dünnen Stiele ein blasser, Geschlechtstheile an Aglaura hemistoma Per. et solider, birnförmiger Körper, der Le S., unterscheidet sich aber von letzterer Gattung ^'^^ ^" '^['^ ^^"1. ^f ß.'''^^ 'f.''^^' , . . und in dessen Ende ein kugliger, durch die Vierzahl der Geschlechtstheile und der Strahl- starkiichtbrechender, in Säuren unter gefässe und die grosse Zahl der Randbläschen. Diese Luftentwicklung löslicher Stein ein- " ° gesenkt ist. letzteren, von etwa 0,075 ^^ Durchmesser, sind stark gewölbt; ihr frei vorspringender Abschnitt bildet eine Glocke, deren Höhe etwa V3 des unteren Durchmessers beträgt. Aus dem Grunde der Blase erhebt sich nun auf einem kurzen dünnen Stiele ein blasser, nicht hohler birnförmiger Körper, der bis in die Mitte der Blase reicht und in dessen Ende ein kugliger stark lichtbrechender Stein von etwa 0,015 mm Durchmesser zur Hälfte eingesenkt ist. Der Stein löst sich in Säure unter Luftentwicklung. — Dasselbe Bild, in aller nur wünschenswerthen Klarheit und Schärfe, bot mir eine grosse Zahl von Randbläschen. Dies stimmt nun wieder völlig zu dem, was ich früher (a. a. O.) von Liriope und Cunina angegeben habe, — ist aber ebensowenig wie jene Angaben mit Hensen's Darstellung zu vereinigen. Dies über den Bau der Randbläschen; nun einige Worte über ihre Verrichtung. Die Randbläschen der Hydroidquallen gelten jetzt fast allgemein als Hör- werkzeuge. Agassiz und ich dürften so ziemlich die einzigen sein, die sie noch jetzt als Augen betrachten. Auch Hensen bezeichnet sie ohne Bedenken als „Hörblasen" und „Otolithensäcke". Ich muss gestehen, dass gerade H e n s e n 's meisterhafte Darstellung des Gehörorgans der Krebse mich auf's Neue in meiner Auffassung bestärkt hat. Bei den Krebsen besteht das Ohr in einer als Einstülpung der äusseren Haut zu betrachtenden, häufig offenen Höhle. In dieser Höhle finden sich stets in ganz eigenthümlicher Weise eingelenkte Haare und oft Hörsteine, die mitunter 1) Archiv für Naturgeschichte 1859. S. 3 14. Taf. XI. Fig. 9—12. = Ges. Schriften S. 93. Taf. X, Fig. 9—12. 2) Fritz Müller, über die systematische Stellung der Charybdeiden im Archiv für Naturgeschichte 1861. p. 302. = Ges. Schriften S. 126. — Agassiz, Contributions to the natural history of the United States of America. Vol. IV. 1862. S. 9 u. S. 167. 18* 2^5 Ueber die Randbläschen der Hydroidquallen. ganz lose liegen, oder nur durch die in sie eintretenden Haare gehalten werden. Sie bestehen bald blos aus organischem Stoffe, bei M3^sis vielleicht aus Fluor- calcium, wie es scheint nie aus kohlensaurem Kalk, und werden bisweilen durch von aussen eingeführte Quarzstückchen u. dgl. ersetzt. Gerade bei den höchst- entwickelten Formen des Ohres fehlen sie vollständig. Das Wesentlichste von diesen verschiedenen Gebilden sind die Hörhaare, die auch selbständig, ohne Höhle und Steine, auf der Oberfläche des Körpers vorkommen und durch bestimmte Töne in Schwingungen versetzt werden. Bei den Hydroidquallen haben wir dagegen kuglige oder birnförmige, vor- springende, geschlossene Blasen, die einem wahrscheinlich als Nervenring ^) zu deutenden Streifen aufsitzen; von dem an dieser Stelle meist angeschwollenen Ringe geht ein kugliger oder birnförmiger, sitzender oder gestielter Fortsatz in die Blase hinein (bei Cunina sie vollständig durchsetzend), und umfasst becher- förmig eine wahrscheinlich aus Ca C bestehende Kugel. — Welche Spur von Aehnlichkeit nun zwischen diesen Randbläschen und dem Ohre der Krebse, ausser dass in letzterem auch bisweilen ein kugliges festeres Gebilde sich findet, das aber (nach Hensen) nie aus Ca C zu bestehen scheint? — Und selbst das Vor- handensein der von Hensen beschriebenen Haare zugegeben, würden diese so ungemein blassen und zarten Häärchen eines gallertartig weichen Thieres Steifig- keit und Elasticität genug besitzen können, um durch Schallwellen in regelmässige Schwingungen versetzt zu werden? Noch geringer, wo möglich, ist die Aehnlichkeit zwischen den Randbläschen der Hydroidquallen und den Hörblasen mit schwingenden Steinchen, wie sie bei Mollusken und Rippenquallen vorkommen. Wenn für die Deutung der Randbläschen als Ohren kein weiterer Grund vorzuliegen scheint, als die Aehnlichkeit, die sie beim ersten AnbHck, aber nicht bei näherer Vergleichung mit dem Ohre einer Mysis, eines Leucifer, einer Schnecke haben, so ist wohl gegen die Deutung als Augen nichts einzuwenden, als dass die in diesem Falle als Linsen anzusprechenden Theile aus Kalk bestehen. Dieser Grund würde nicht ohne Gewicht sein, wenn alle sonst in der Thierwelt der i) Claus (Zeitschr. für wiss. Zool. XIII. p. 440) glaubt die Deutung dieses Ringes als Nervenring um so entschiedener zurückweisen zu müssen, „als es sich hier nicht um einen Gegensatz von Ganglien und nach den einzelnen Organen ausstrahlenden Fasern handelt". Claus scheint dabei übersehen zu haben, dass bei jener Deutung nicht nur auf Anschwellungen des Ringes Bezug genommen wurde, welche in ihrer Lage den allgemein als Sinneswerkzeuge betrachteten Randbläschen entsprechen, sondern auch auf zarte Stränge (Nerven ?), die von den Anschwellungen nach dem Ursprung der Tentakel hin verfolgt wurden. „Der Ring ist absolut abgeschlossen, und was noch mehr sagt, bei den höher organisirten grossen Scheibenquallen überhaupt nicht nachzuweisen", wie Claus weiter bemerkt. Darauf ist zu erwidern: i) dass in diesem Falle die Grösse den Nachweis des Nervensystems nicht erleichtert, sondern erschwert ; 2) dass, wie bei den Rippen- quallen, so auch bei den höheren Scheibenquallen, das Nervensystem ganz wo anders liegen kann, als bei den Hydroidquallen; 3) dass, wenn auch nicht bei den echten Scheibenquallen, so doch bei Tamoya ein unzweifelhafter, dem unbewaffneten Auge sichtbarer, Nerven aussendender Nervenring vorhanden ist. — Was die dem fraglichen Nervenring bei Liriope u. s. w. aufgelagerten Nesselzellen betrifft, auf deren An- wesenheit auch ich aufmerksam gemacht hatte, so können sie, wenn sie überhaupt bei der Frage in Betracht kommen, höchstens für, in keiner Weise gegen die Deutung als Nervenring sprechen; zum Fangen von Beute können sie an jenem Orte nicht dienen ; hat ihre Anhäufung längs des Ringes irgend eine Bedeutung für das Thier, so kann es wohl nur die sein, ein wichtiges Organ, wie etwa einen Nervenring zu schützen. Hensen spricht sich bei Eucope für die Anwesenheit eines Nervensystems aus. Ueber die Randbläschen der Hydroidquallen. 27 7 Brechung des Lichts dienenden Hnsenförmigen Gebilde gleiche chemische Zu- sammensetzung hätten. Das ist indessen nicht der Fall, die 4 grossen schönen Linsen von Ampelisca Kr. (Amphipod), und ebensowohl die Cornealinsen, wie sie Claus nennt, von Coryceus und anderen Copepoden bestehen aus Chitin, und aus Arragonit (nach brieflicher Mittheilung von Max Schnitze) die Randkörper der höheren Quallen, die nur als Augen gedeutet werden können, wenn die von Henry James-Clark gegebene Darstellung derselben i) richtig ist. Wie es bei den Hörsteinen, nach Hensen's Meinung nur auf „eine gewisse specifische Schwere" anzukommen scheint, so wird bei einer Linse ebenfalls weniger ihre chemische Zusammensetzung, als ihre Durchsichtigkeit, ihr Brechungsexponent und ihre Gestalt in Betracht kommen. Und wie Hensen von den Hörhaaren behauptet und nachweist, „dass wenn nur der Nerv, welchen man in sie eintreten sieht, sensibel ist, tiefe Töne durch sie zur Perception gebracht werden müsse n" (a. a. O. S. 26), so wird man von den H3^droidquallen behaupten dürfen, dass wenn sie nur gegen Licht empfindlich sind, dieses durch die Randbläschen zur Wahr- nehmung gebracht werden muss. Das Licht muss an der Oberfläche der Blase, es muss zum zweiten Male an der Oberfläche des Steines gebrochen werden ; es muss auf das Ende des die Kugel umfassenden Stieles stärker wirken, als auf jede andere Stelle der Qualle. Desterro, Januar 1865. i) In Agassiz, Contribution etc. Vol. III, PI. Xlb Fig. i6; Vol. IV. p. 41. Ueber Darwinella aurea, einen Schwamm mit sternförmigen Hornnadeln^)^). Mit Tafel XXVI. Am Strande der Praia de fora bei Desterro findet sich äusserst selten an Steinen oder Tangen ein kleiner goldgelber Hornschwamm, der sich dadurch vor allen bekannten Schwämmen auszeichnet, dass er ansehnliche sternförmige Nadeln enthält, die nicht aus Kalk oder Kiesel, sondern aus einem, wie es scheint, von dem der Fasern nicht verschiedenen, in kochender Kalilauge löslichen Stoffe bestehen. Das Aeussere des Schwammes hat, die schöne Goldfarbe abgerechnet, nichts Besonderes. Bald sah ich ihn als ganz dünnes Häutchen einige Quadratlinien bis etwa einen halben Quadratzoll eines Steines überziehen, bald zarte Tange in einer wenige Linie dicken Schicht umwachsen und dann Formen annehmen der ähn- lich, die O. Schmidt von Spongelia incrustans abgebildet hat ^). Möglich, ja wahrscheinlich ist es, dass die Stelle, an welcher der Schwamm so äusserst selten vorkommt, nicht sein eigentlicher Standort ist, und dass er an letzterem zu be- trächtlicherer Grösse heranwächst und dann auch in eigenthümlicher bezeichnender Tracht auftritt. Die Spitzen der kegelförmigen Höcker, welche wie bei anderen Horn- schwämmen die Oberfläche bedecken, erscheinen heller als die übrige Oberfläche, da sie von den farblosen Enden der in die Höcker aufsteigenden Fasern einge- nommen werden. Nur selten tritt beim frischen Schwamm eine oder die andere Faser frei über den Höcker vor; dagegen sehe ich bei einem in Weingeist auf- bewahrten Stücke die meisten Fasern hervorstehen. Ein rundes Ausströmungs- loch habe ich nur einmal, an einer sonst nicht ausgezeichneten Stelle eines Schwammes gesehen; es hatte wohl kaum i mm Durchmesser. — Mit der ein- fachen Linse sieht man auf der Oberfläche ein dichtes Netzwerk zarter gesättigt x) Schultze's Archiv für mikrosk. Anat. 1865. I. p. 344 — 353. Taf. XXI. 2) Max Schultze, dem ich im vorigen Jahre ein Bruchstück des Schwammes mittheilte, nannte ihn Darwinia (Verhandl. d. naturhist. Vereins d. Rheinlande und Westphalens, Jahrg. XXII, 1865, Sitzungs- berichte p. 6); da dieser Name seit 1855 von Spence Bäte an einen Amphipoden vergeben ist, habe ich ihn in Darwinella geändert. 3) Oscar Schmidt, Spongien des adriatischen Meeres. Taf. III, Fig. 7. Ueber Darwinella aurea. 279 gelber Linien; sie bestehen, wie stärkere Vergrösserungen zeigen, aus spindel- förmigen Anhäufungen gelber Körnchen, ganz ähnlich denen, die O. Schmidt von Spongelia elegans gezeichnet hat ^). Ueber ihnen zieht sich eine dünne, farb- lose, körnchenfreie Hautschicht hin. Die zwischen den Hartgebilden liegende Schwammmasse ist sehr weich und wird durch zahlreiche gelbe Körnchen undurchsichtig gemacht. Ich kann über ihren Bau nichts weiter sagen, da ich nie Zeit fand, wenn mir einmal dieser seltene Fund in die Hände fiel, ihn sofort zu untersuchen; schon nach einigen Tagen aber fand ich ihn in Gläsern mit Seewasser immer abgestorben und die Weich- theile so weit zersetzt, dass sie leicht zwischen Fasern und Nadeln herauszuspülen waren. An der Luft geht die schöne Goldfarbe rasch in ein dunkles schmutziges Braun über. Abweichend, so viel ich weiss, von allen bisher beschriebenen Hornschwämmen, aber übereinstimmend mit zwei anderen hiesigen Arten bilden die schwach ver- ästelten Fasern der Darwinella kein zusammenhängendes Geflecht, sondern steigen entweder ganz getrennt empor (Fig. i) oder verkleben doch nur hie und da miteinander. Den gemeinsamen Boden, von dem sich die Fasern erheben, bildet eine dünne Haut, mit welcher der Schwamm seine Unterlage überkleidet und die in chemischer Hinsicht nicht von den Fasern und Nadeln verschieden scheint; alle diese Hartgebilde bleiben in kalter Kalilauge oder concentrirter Schwefelsäure wenigstens während einiger Stunden unverändert, lösen sich aber rasch in starker kochender Kalilauge. Die Fasern, deren Verästelungsweise aus den beigegebenen Zeichnungen (Fig. I — 4) ersichtlich ist, sind elastisch, blass horngelb und verjüngen sich ganz allmählig nach der Spitze zu; eine 4 mm lange Faser z. B. von 0,06 auf 0,016 mm. — Die Spitze selbst ist abgerundet (Fig. 6). Man unterscheidet an den Fasern eine durchsichtige, anscheinend festere Rinde und ein mehr oder weniger getrübtes, anscheinend weicheres Mark. Die Rinde wird nach der Spitze zu dünner und fehlt der äussersten Spitze ganz. Mark wie Rinde sind deutlich geschichtet. In der Rinde sind die Schichtungs- linien im Allgemeinen der Achse der Faser gleichlaufend; kleine Biegungen der Faser werden durch die später abgesetzten Schichten wieder ausgeglichen. Im Marke wiederholen die Schichtungslinien im Allgemeinen die Form der Spitze der Faser, bilden also quere, mehr oder weniger stark nach oben gewölbte Flächen, durch die das Mark oft ein gekammertes Aussehen erhält. Die Schichten des Markes gehen unmittelbar über in die der Rinde; es sind eben dieselben Schichten. Jede neue Schicht, die sich auf der Faser absetzt, bildet eine sie umhüllende zarte Röhre, die oben durch eine dicke gewölbte Kuppel geschlossen ist. Die Röhren bilden die Rinde, die Kuppeln das Mark. — Ich finde bei Darwinella nichts, was auf ein Wachsthum der Fasern durch „Intussusception" hinwiese, wie es Schmidt für Spongia annimmt 2). Natürlich kann ich nicht die Richtigkeit dieser Auffassung für Spongia anzweifeln wollen ; für Darwinella aber muss ich meine entschiedene Meinung dahin aussprechen, dass die Fasern einzig durch i) O. Schmidt, Supplement der Spongien des adr. Meeres. Taf. I, Fig. 9- 2) Suppl. der Spongien des adr. Meeres. S. 8. 2Qq Ueber Darwinella aurea. Auflagerung neuer Schichten wachsen. Besonders belehrend sind in dieser Be- ziehung Fasern, deren Wachsthum, — wahrscheinlich dadurch, dass sie über die Oberfläche des Schwammes hervorragten — , längere Zeit unterbrochen wurde. Diese stark gedunkelten und verhärteten jedenfalls leblosen Spitzen wachsen später, wenn sie wieder von der Schwammmasse überdeckt werden, in ganz derselben Weise weiter, wie früher (Fig. 7). Bei Fasern, die ihre Spitze verloren hatten (Fig. 8), sieht man nie vom Marke aus einen jungen Zapfen hervorwachsen, wie es Schmidt bei Spongia sah; es lagern sich einfach neue Schichten darüber, durch welche sie weiter wachsen. Man kann daher bei Darwinella nicht sagen, dass die Faser sich „neue Schichten der umgebenden weicheren Muttersubstanz assimilirt"^). Wollte man selbst den allem Anschein nach abgestorbenen Fasern dies Vermögen noch zugestehen, so würde man es doch nicht auf fremde Körper ausdehnen können, auf die der Schwamm in ganz gleicher Weise hornige Schichten absetzt. So sah ich ganze Zweige eines zarten mit Gemellaria verwandten Moos- thierstockes vollständig von einer geschichteten Hülle umschlossen und diese Schichten gingen ununterbrochen über in die einer Schwammfaser -j. Auch der Fig. 10 gezeichnete Fall, wo ein junger Ast wieder von den später abgesetzten Schichten des Stammes überlagert und in den Stamm wieder aufgenommen worden ist, lässt sich als Beweis dafür anführen, dass ihm keinerlei Wachsthum von innen heraus zukam, dass er sich bei seinem Wachstume vielmehr ebenso leidend ver- hielt, wie jeder andere feste Körper, auf dessen Oberfläche das Protoplasma des Schwammes erhärtend Schichten absetzt. Die Aeste treten auf als kugelförmige Hervorragungen der äussersten Schicht des Stammes, unter denen die älteren Schichten unbehelligt und geradlinig fort- gehen, so dass die Aeste aussehen wie ganz unabhängige, dem Stamme äusserlich aufgeleimte Gebilde. Anfangs structurlos, mit einfachem Umriss, erscheinen sie bald geschichtet. Die Ursprungsstellen älterer Aeste erscheinen, wie das auch anderen Beobachtern an anderen Schwämmen aufgefallen ist, stark verdickt, indem die äusseren Schichten in immer flacher werdenden hyperbolischen Linien vom Ast auf den Stamm übergehen (Fig. 9). Noch auffallender ist dieselbe Erscheinung an geknickten Fasern (Fig. 9); auch hier folgen die späteren Schichten an der Innenseite des durch die Knickung entstandenen Winkels dessen Schenkeln nicht bis zum Scheitel, sondern biegen in immer grösseren und flacheren Bogen aus der Richtung des einen in die des anderen um. Ebenso geschieht es, wo zwei sich kreuzende Fasern mit einander verkleben, in den von ihnen gebildeten Winkeln. i) Suppl. der Spongien des adr. Meeres. S. 8. 2) Ich will mir erlauben bei dieser Gelegenheit eine Vermuthung auszusprechen über die sonder- baren aus der Oberfläche der Spongelia fistularis Schmidt (Suppl. S. 28. Taf. II, Fig. 28, 29. Taf. III, Fig. 4) hervorragenden Röhren. Ich fand kürzlich eine Reniera, deren Oberfläche dicht bedeckt war mit kreisrunden auf kleinen Erhebungen angebrachten scharfrandigen Oeffnungen, die in tiefe glattwandige Röhren führten. Dazwischen lagen die gewöhnlichen Ausströmimgslöcher. Ich meinte, eine ganz wunder- bare neue Gattung gefunden zu haben. Als aber mein Schwamm ruhig in einem Glase mit Seewasser lag, kamen aus jedem Loche die beiden zarten langen Fangfäden einer winzigen Spiodee hervor und tasteten justig umher. Nach dem Trocknen treten die Röhren von Schwammnadeln bedeckt mehrere Millimeter über die eingeschrumpfte Oberfläche des Schwammes hervor. — Sollten nicht die Röhren der Spongelia fistularis auch aus Wm^nröhren entstanden sein, die von den Fasern des Schwammes aus mit einer hornigen Hülle umkleidet wurden? Ueber Darwinella aurea. 28 1 Diese Ausfüllung geradliniger Winkel durch hyperbolisch gekrümmte Schichten, sowie umgekehrt bei kleineren Biegungen der Faser, die Rückkehr der später abgelagerten Schichten zu geraden Linien scheinen darauf hinzuweisen, dass sie nicht aus einer ruhenden Umgebung, dass sie vielmehr aus einer über die Fasern hin sich bewegenden Masse abgesetzt wurden. Die Bildungsgeschichte der Fasern scheint, mit Einem Worte, ganz dieselbe zusein, wie nach Schachts Darstellung 1) die der ZeUstofffäden in der Aussackung des Embryosacks von Pedicularis silvatica und im Innern von Caulerpa. Nicht selten (Fig. 2) sind die Fasern auf weite Strecken dicht bedeckt mit einer bräunlichen einzelligen Alge. Zwei andere Hornschwämme unserer Küste stimmen im Bau der Fasern vollständig mit Darwin ella überein. Neben den Fasern enthält Darwin ella zahlreiche ansehnliche sternförmige Nadeln. Dieselben haben drei bis acht schlanke allmählig zu einer meist scharfen Spitze verjüngte Strahlen, deren Länge von 0,1 bis über i mm wechselt; an der- selben Nadel sind sie nahezu gleich lang. Die Anordnung der Strahlen ist eine ziemlich man nichf altige (Fig. 2 — 5); bis jetzt kamen zur Beobachtung: i) Nadeln mit 3 Strahlen; diese genau oder nahezu in derselben Ebene zu- sammenstossend : a) unter Winkeln von etwa 120°; b) unter Winkeln von i8o^ 90° und 90°; c) unter Winkeln von etwa iSo^ 120° und 60^. 2) Nadeln mit 4 Strahlen: a) rechtwinkliges Kreuz; b) schiefwinkliges Kreuz mit Winkeln von 120'' und 60^; selten; c) zwei Strahlen bilden einen rechten Winkel, die beiden andern eine auf dessen Ebene senkrechte Gerade ; sehr selten ; d) dreistrahliger Quirl, d. h. drei Strahlen in einer Ebene, Winkel von etwa 120" bildend, der vierte darauf senkrecht; häufig. 3) Nadeln mit 5 Strahlen: a) drei Strahlen in einer Ebene; die beiden andern bilden eine darauf senk- rechte Gerade; nicht selten; b) vierstrahHger Quirl; d. h. vier Strahlen bilden ein Kreuz, auf dessen Ebene der fünfte senkrecht steht; häufig. 4) Nadeln mit 6 Strahlen: a) die Strahlen bilden drei auf einander senkrechte Gerade; nicht selten; b) fünfstrahliger Quirl; sehr selten. 5) Nadeln mit 7 Strahlen 1 6) Nadeln mit 8 Strahlen/ Wie die Fasern zeigen auch die Nadeln eine deutliche Scheidung in Mark und Rinde; die innere Grenzlinie der Rinde pflegt sogar weit schärfer als bei den Fasern hervorzutreten. Nach der Spitze der Strahlen zu wird die Scheidung in Mark und Rinde weniger deutlich. Während bei den Fasern die Rinde nach i) H. Schacht, Lehrbuch der Anatomie und Physiol. der Gewächse. I. Theil, S. 45. Taf. I, Fig. 44, 45. Vergl. auch M. Schnitze, Die Hyalonemen. Bonn 1860. pag. 24 Anm. 282 Ueber Darwinella aurea. der Spitze zu schwindet und diese selbst nur aus dem bogig geschichteten Marke besteht, verjüngt sich bei den Nadeln das Mark rascher als die Rinde und die Spitze scheint marklos zu sein. Eine grössere Markhöhle am Kreuzungspunkte der Strahlen pflegt namentlich bei kleinen drei- oder vierstrahligen Nadeln sehr deutlich zu sein. (Fig. 1 1 .) Eine Schichtung der Rinde ist bei frischen Nadeln kaum wahrzunehmen; bisweilen sieht man einige recht deutliche oberflächliche Schichtungslinien, aber überzeugt sich dann meist leicht, dass diese nicht der Nadel selbst, sondern nach- träglich auf sie abgesetzten Schichten angehören. Nach kurzem Kochen in schwacher Kalilauge, wobei die Nadeln etwas aufgequollen waren, trat dagegen die Schichtung der Rinde deutlich herv^or. Das Mark zeigte sich in diesen ge- kochten Nadeln verschrumpft, wellig gebogen und durch einen deutlichen Zwischen- raum von der Rinde geschieden. Ebenso sah ich es bisweilen (Fig. 12) nach mehrtägigem Liegen des Schwammes in Wasser. Einigemal sah ich im Marke, doch nie recht deutlich, Linien, die spitze Winkel, mit der Spitze der Strahlen zugewandtem Scheitel, bildeten; — vielleicht Schichtungslinien, die dann wie bei den Fasern die Form der Spitze wiederholen würden. Die Nadeln liegen hauptsächlich in den tieferen Theilen des Schwammes, wo sie um die Stämme und älteren Aeste der Fasern oft ein dichtes Gewirre bilden. Nicht selten herrschen bestimmte Nadelformen an bestimmten Stellen vor; so zeigt Fig. 4 lauter vierstrahlige Nadeln und so waren die im Allgemeinen seltenen sieben- und achtstrahligen Nadeln, die mir früher nie vorgekommen waren, an einer kleinen Stelle eines vor Kurzem untersuchten Schwammes, dem Fig. 2 und 3 entnommen sind, ziemlich häufig. Die Nadeln liegen theils frei in der weichen Schwammmasse, theils sind sie mit den Fasern verklebt, oder selbst voll- ständig in sie eingeleimt. Selten verkleben zwei sich kreuzende Strahlen ver- schiedener Nadeln. Auch an die die Unterlage des Schwammes überziehende Haut können Nadeln befestigt werden. Es finden sich in diesen Fällen stets die uns schon bekannten hyperbolischen Schichtungslinien. Meist sind die Strahlen der Nadeln gerade ausgestreckt; doch ist bisweilen der eine oder andere Strahl unter einem stumpfen oder selbst rechten Winkel gebogen und die umgebogenen Spitzen sind dann, soviel ich gesehen, immer fest- geleimt; — wahrscheinlich, weil die elastischen Strahlen, durch Druck von aussen gebogen, bei Nachlass des Druckes sich wieder strecken, wenn sie nicht inzwischen an benachbarte Fasern festgekittet worden sind. Während bei Darwinella die Nadeln ausserhalb der Fasern liegen und nur ausnahmsweise mehr oder weniger vollständig in sie aufgenommen werden, pflegen bei Kieselschwämmen mit entwickeltem Fasergerüste ^) die Nadeln den Fasern eingebettet zu sein. Doch ist dieser Unterschied kein w^esentlicher ; denn auch bei letzteren entstehen die Nadeln wohl immer ausserhalb der Fasern und werden erst später von ihnen umwachsen. I) Diese Corneosilicispongiae, wie sie Schmidt nennt (Supplement S. 42) können keinenfalls eine systematische Abtheilung bilden, da von nächst verwandten Arten die einen ein höchst entwickeltes Faser- gerüst besitzen können, während bei den anderen kaum die Spitzen der Nadeln durch eine Spur erhärteten Protoplasmas verklebt sind. Das Letztere ist z.B. nach Schmidt der Fall bei seiner Reniera aquaeductus, das Erstere bei einer der genannten bis auf die Farbe höchst ähnlichen hiesigen Art; man wird diese Arten nicht auseinander reissen dürfen. Ueber Darwinella aurea. 283 Freunden Darwin's werden die eben besprochenen Hornnadeln ein er- freulicher Fund sein, da sie einen willkommenen Anhalt bieten für die An- wendung seiner Lehre auf die Klasse der Schwämme. Wenn irgendwo, so zeigte sich in dieser Klasse die Auffassungsweise von Agassiz in entschiedenem Vor- theile über die Lehre Darwin's. Die gleichen Gestalten (z. B. dreistrahlige Sterne) waren einmal in kohlensaurem Kalk, ein anderes Mal in Kieselsäure ausgeführt, zwei so verschiedenen Stoffen, dass das Band, welches in der Uebereinstimmung der Form sich unverkennbar kund gab, eben nur, wie Agassiz will, ein geistiges sein zu können schien. War die Thierwelt geschaffen nach einem vorbedachten Plane, so leuchtete ein, wie in diesem Plane zuerst im Allgemeinen der Gedanke einer Schwammnadel gefasst, wie eine bestimmte Nadelform vorgezeichnet und wie dann zu deren Ausführung bald der eine, bald der andere Stoff gewählt werden konnte. Wie aber sollte man die Kalk- und die Kieselschwämme aus einer nicht blos gedachten, — wie sollte man sie im Sinne 'der Darwin'schen Lehre aus einer in bestimmten irdischen Stoffen lebendigen Urform ableiten ? Es war offenbar eine dreifache Annahme möglich. Man konnte Kalk- und Kieselnadeln als wesentlich verschiedene unabhängig von einander entstandene Gebilde betrachten und sich dabei etwa auf die den Kalknadeln mangelnde feine Höhlung in der Achse der Kieselnadeln berufen. Man konnte zweitens Kieselnadeln aus Kalknadeln oder umgekehrt hervor- gehen lassen. Letztere Annahme wurde indess ebenso unwahrscheinlich durch die Verschiedenheit des Stoffes, wie erstere durch die Uebereinstimmung der Formen. Man konnte drittens zu der Annahme einer einfach hornigen Grundform greifen, die später bei den einen verkalkt, bei den anderen verkieselt sei; aber auch diese Annahme dürfen die Gegner abweisen mit der Forderung, doch irgend welche Spur dieser „imaginären, nur zur Stütze einer phantastischen Theorie herbei- gerufenen" ^) Hornnadeln aufzuweisen. — Nun denn, die Hornnadeln haben nicht nur bestanden, sie bestehen noch und damit ist der dritten, an sich schon an- sprechendsten Annahme eine gewisse thatsächliche Stütze gegeben. Zum Schluss, um auch der Schule gerecht zu werden, die Diagnose der neuen Gattung. Darwinella: Ceratospongiae fibris dendroideis in rete non conjunctis et spiculis magnis stelliformibus in kali caustico solubilibus praeditae, Desterro, September 1865. Erklärung der Abbildungen auf Tafel XXVL Die Abbildungen stellen sämmtlich Fasern und Nadeln der Darwinella aurea dar, und zwar Fig. 1^5 bei i5maliger, 6 — 11 bei Qomaliger und Fig. 12 bei 36omaliger Vergrösserung. — Man beachte in ' Fig. I. den häutigen Ueberzug über den Tang, dem die Schwammfaser aufsitzt, das abgebissene Ende des dunkleren von jüngeren Schichten umschlossenen Stammes, die i) The supposed intermediate forms between the species of different geological periods are „ima- ginary beings, called up merely in support of a fanciful theory" Agassiz, Contributions to the Nat. Hist. of the U. S. Vol. III. S. 90. 284 Ueber Darwinella aurea. Verschmelzung des 2. und 4. Astes, die durch spätere Schichten ausgeglichene Biegung am ersten Zweige des 4. Astes; in Fig. 2. den dunklen Ueberzug (von einzelligen Algen) auf einem Theile der Fasern und Nadeln; links die grosse achtstrahlige Nadel, unten in der Mitte die Verklebung zweier sich kreuzender Nadeln, rechts die vierstrahlige Nadel, von der ein Strahl an den häutigen Ueberzug des Tanges befestigt ist, während von einem andern sich eine Faser erhebt. (Es sind in dieser Figur kaum die Hälfte der in dem Präparat vorhandenen Nadeln gezeichnet); in Fig. 3. die fast vollständig eingekittete vierstrahlige Nadel rechts; in Fig. 4. den Ursprung der Fasern aus der häutigen Ausbreitung und die umgebogenen festgeleimten Spitzen an den beiden obern Nadeln. Fig. 5. Einzelne Nadeln. Fig. 6. Spitze einer Faser. Fig. 7 — 10. Unregelmässig geschichtete Fasern, aus deren Schichtung man ebenso ihre ganze Lebens- und Leidensgeschichte herauslesen kann, wie aus den Jahresringen eines Baumes seine mageren und fetten Jahre u. s. w. Fig. 7. Aus einer Faserspitze, die längere Zeit über ihren Höcker frei vorstand, dabei erhärtete und dunkelte und auf der sich in dieser Zeit eine Diatomee angesetzt hat, erhob sich später eine seitliche Faser, die aber bald dasselbe Schicksal hatte ; nach- dem beide wieder vom Schwamm überwachsen worden, ist von jeder Spitze ein Zweig weiter gewachsen ; in dem Winkel zwischen beiden erscheinen hyperbolische Schichtungs- linien. Fig. 8. Eine Faser wurde abgefressen und entblösst; in der Wundfläche häufte sich Schmutz an; später wurde sie wieder überwachsen und ein junger Ast bildete sich an ihrem Ende. Fig. 9. Eine Faser wurde rechtwinklig geknickt; der Winkel füllte sich mit hyper- bolisch gekrümmten Schichten; an der Aussenseite des wagerechten Schenkels bildete sich ein Zweig, der in der ursprünglichen Richtung der Faser weiter wuchs. Links sieht man eine der Faser aufgeleimte Nadelspitze. Fig. 10. Zwei entblösst gewesene Faserenden sind verklebt; an der einen sind unter dem Ursprung eines seitlichen Astes einige fremde Körnchen hangen geblieben ; der seit- liche Ast wurde verbogen, aber die Biegung durch jüngere Schichten wieder ausgeglichen; ungefähr um dieselbe Zeit, und vielleicht durch dieselbe Ursache wurde die Spitze eines jüngeren Zweiges umgebogen, und in Folge davon von den später abgesetzten Schichten des Stammes umschlossen und seinem Bestehen als Zweig ein Ende gemacht. Fig. II. Kleine dreistrahlige Nadeln mit grosser Höhle am Kreuzungspunkte der Strahlen. Fig. 12. Stück des Strahles einer grossen Nadel, nach mehrtägigem Liegen in Wasser hat sich das Mark deutlich von der Rinde abgehoben und erscheint wellig (schraubenförmig ?) gebogen. Notes on some of the Climbing-Plants near Desterro, in South BraziP). Aus einem Briefe an C. Darwin. Mit Tafel XXVII. In your Paper on the "Movements and Habits of Climbing-Plants", you say that you have seen no tendrils formed by the modification of branches, and you even seem to entertain some doubt whether such tendrils exist. In the genus Strychnos, the tendrils are caUed by Endlicher ramuli cirriformes, and I have now satisfied myself that they really are of this nature. On the branches of upright shoots of a Strychnos which grows here, the tendrils are disposed in a very regulär manner. On the branches, the leaves of the first, third, fifth, &c. pairs are horizontal, those of the second, fourth, and sixth pairs are vertical in relation to the main axis; and it is from the angles of every under leaf of these latter pairs that the tendrils spring. Now, on the points commonly occupied by tendrils, true branches are sometimes developed. The leaves from the angles of which the tendrils spring are often much reduced in size, while in other cases they are but little or not at all changed. Each tendril bears near its tip a pair of rudi- mentary leaves; and whilst very young the tendrils are straight, but soon become curved downwards and rolled into a helix, whether they have clasped a support or not. This Strychnos is a very inefficient cHmber; the short stiff tendrils but rarely catch anything. A member of the Hippocrateaceae, probably a Tontelia, is likewise a brauch climber. One of its branches, three feet in length, had not as yet developed leaves, and resembled a gigantic tendril, with most of its lateral branchlets already grasping neighbouring objects. From the angles of the tendril-branches, other branches arise, which as far as I have seen, are not sensitive, and never clasp anything. This latter arrangement must be serviceable to the plant; for such branches grow upright without being arrested in their course, whilst the plant is secured by the tendril-branches. Caulotretus, one of the Leguminosse, offers another case of tendrils being formed from modified branches. In the species which I observed, the branches bear tendrils only in the angle of their first leaf, and this leaf is always rudi- mentary. In young shoots it might, at first sight, be thought that tendrils spring from the axils of all their leaves. In this plant every tendril appears to consist I) Journal of the Linnean Society of London. Bot. 1865. IX. p. 344 — 349. PI. IX. 2g A On some Brazilian Climbing-Plants. of two parts, separated by a small swelling — the inferior being straight, the superior curved, with its end rolled into a helix. But what appears to be the inferior part of a tendril is in fact the first internode of a young branch, the swelling being its terminal bud, and the tendril reall}^ Springs from this young branch, from the angle of its first squamiform leaf, but nevertheless accompanied by two stipules. The end of the tendril very soon rolls up into a helix; but it does not lose by this the faculty of catching a support; on the contrar}'- I know of no other tendrils which become entangled with small objects so easily as these roUed-up, highly elastic tendrils of the Caulotretus. By far more interesting than the tendrils of Strychnos and Caulotretus are those (PI. XXVII. figs, i and 2) of a climbing Papilionaceous plant with a woody stem, which from its general aspect I suppose to belong to the Dalbergiece, Benth. They consist of thin, slender, flexible, leafless branches, with numerous (12 — 25) internodes, armed with sharp, hard, hook-like stipules. The young, soft, herbaceous shoots of this plant w^hich rise from the ground are leafless. I saw one, seven feet high, which in its lower half was naked, while the upper half bore about a dozen tendrils stretched out in every direction. The oldest of these tendrils were from nine to twelve inches long, and armed with from twelve to sixteen pairs of sharp hooks: at the sides of the younger tendrils there were large, foliaceous, deciduous stipules, and at their bases very small bract-like leaves. The hooks of the tendrils are evidently stipules, which so often in this family assume the form of hooks or spines; in fact, while in the older tendrils they are strongly curved, and have a hard, sharp, darkly coloured apex, at the summits of the younger ones they are straight, soft, and green, resembling in this early State the much larger stipules at the bases of the tendrils. Afterwards, on the summit of the shoot, true leaves are developed at the bases of the tendrils instead of the small rudimentary ones; and finally, when the plant has reached the light, and spreads over the upper surface of a thicket or tree, the tendrils disappear. The inverse may be observed when the plant sets out on the conquest of a new dominion, a neighbouring tree for instance. Then a branch bearing only leaves begins to produce on its tip tendrils supported by leaves, and finally, growing rapidly to a long slender shoot, it produces only tendrils, the leaves being replaced by small squamse. Thus in this plant, the branches assume four different shapes: — ist, tendrils, leafless, armed with hook-like stipules; 2nd, long, slender, leafless shoots, bearing tendrils and broad deciduous stipules; 3rd, branches with leaves, from the axils of which tendrils spring; and 4th, branches bearing only leaves without tendrils. Between the leaf and the tendril there is an accessory bud (fig. i b), which often developes into a branch; these branches issuing from the accessory buds seem never to produce tendrils. The tendrils, after having clasped a support, thicken partially where they are in contact with it (fig. i a). Tendrils which have caught nothing behave in different ways. Some wither and faU after contracting irregularly. Others likewise become flexuous, or contract into a spire, or occasio- nally into a helix, but remain, thickening somewhat and becoming ligneous and rigid. Others produce branches from one or some of their internodes: this also occurs, and perhaps more frequently, with tendrils which have found a support; in this case the tendrils thicken much, and sometimes attain a diameter of more On some Brazilian Climbing-Plants. 287 than one inch (fig. 2 a, a. thickened tendril clasping a branch of a Psidiuin ; b, branch issuing from the tendril; c, tendril-bearing branch; d, branch from an accessory bud, without tendrils). Lastly, the tendrils even transform themselves into true branches: in this case they may remain nearly straight or become but little flexuous, and at their ends they produce leaves; the first of these leaves have sometimes hook-hke persistent stipules, Hke those of the tendril, while the stipules of the following leaves are deciduous like those on other branches. These tendrils often become much elongated. I saw a shoot, almost all the tendrils of which were developed into Serpentine branches; and under each of these branches there was a straight branch from an accessory bud. One of the tendrils was thirty inches long; it had twenty-five pairs of hooks, and at the tip three short internodes with leaves and destitute of hooks; from its seventeenth internode a branch arose. Excepting their hook-like stipules, by which they may be easily recognized, the branches formed by tendrils resemble in almost every respect the ordinary branches; but, as far as I have seen, they never produce tendrils, nor do the branches which spring from an internode of a tendril or (as I have already stated) from an accessory bud. If we restrict the name of tendrils to filamentary organs used exclusively for climbing, those of the present plant would be excluded; for after having done their work as tendrils, they may be transformed into, and do all the work of branches. While in this plant the highly modified tendrils may be changed again into true branches, in two other plants which I have seen, the branches themselves, without having suffered any modification, act as tendrils. One of these plants belongs to the Dalbergiew. Many of its branches had clasped small branches of a tree. These tendril branches, as they may be called, had not continued to grow beyond the support; and where they touched it, most of them had thickened: some showed a tendency to spiral contraction, forming a semicircle between the support and the stem. The plant does not twine. I may add that another genus, belonging to the same section of the Leguminosae, namely Hecastophyllum, is also a branch climber. The second plant above referred to is a Securidaca (Polygalaceae), and a most powerful cUmber (fig. 3). Its branches often curvfe in a very odd and com- plicated manner. Thus I saw a thin branch, which with its lateral twigs had become curved like ribs into semicircles (about four inches in diameter), imitating the bones of the thorax ; from the twigs sprang secondary branchlets, which were very regularly curved, twisted together, and formed into a sort of network around the middle hollow space. When the branches wind round a support, they thicken and become more rigid, like true tendrils; but even these thickened parts may bear leaves or secondary branches. In the preceding plant the branches seem to be arrested in their longitudinal growth when they clasp a support; in the present plant the)^ continue to grow, and the same branch may successively catch different objects. The branches which project freely from a thicket are rather thin and slender: with their twigs spreading all in the same horizontal plane and diminishing in length towards the extremity of the branch, and with their leaves arranged in two horizontal rows, they apparently form gigantic bipinnate leaves; 288 ^^ some Brazilian Climbing-Plants. and when covered with their bluish-purple flowers, this Securidaca is one of the most elegant and magnificent plants of our flora. From the last two plants it is but one step to the primordial and simplest condition of branch climbers, exhibited by the numerous species which scramble up a thicket without twäning and without the aid of rootlets, hooks, or tendrils. Thus we can trace in the development of branch climbers the foUowing stages: — 1. Plants supporting themselves only by their branches stretched out at right angles — for example, Chiococca. 2. Plants clasping a support with their branches unmodified — Securidaca {Hippocratia according to Endlicher, Gen, Plant. No. 5700, "arbores v. frutices, ramis contortis scandentes"). 3. Plants climbing with the tendril-like ends of their branches. According to Endlicher (Gen. PI. No. 5745), this is the case with Helinus ("ramulorum apicibus cirrhosis scandens"). 4. Plants with highly modified tendrils, which may, however, be transformed again into branches — for example, the above-mentioned Papilionaceous plant 5. Plants with tendrils used exclusively for climbing — Strychnos, Caulotretus. I will here add a few miscellaneous observations. You describe some species of Bignonia in which the tips of the tendrils become enlarged and adhesive after remaining for a short time in contact with some object; but the trifid tendrils of Haplolophium, one of the Bignoniacese , terminate (without having come into contact with any object) in smooth shining disks, which, however, after adhesion, sometimes become considerably enlarged. In Cardiospermuni you State that the common peduncle which bears the subpeduncles with the flower-buds and the pair of short tendrils, although it spontaneously revolves, does not bend on contact or contract spirally; hence it may be worth mentioning, as showing a difference in the action of the tendrils in related genera, that in Serjania the common peduncle contracts spirally when the single tendril which it bears has clasped, as frequently happens, the plant's own stem. With respect to spirally twining plants, you State that though the Hibbertia dentata sometimes revolves in one direction and sometimes in the other, yet it invariably twines from left to right. But in another genus belonging to the same family, namely the Davilla, the stem twines indifferently from left to right or from right to left; and I once saw a shoot, ascending a tree about five inches in diameter, reverse its course in the same manner as so frequently occurs with Loasa. Although individuals, as we have just seen, in some few cases twine in opposite directions, yet you say that you have not as yet met with any case of two species in the same genus twining in opposite directions. and you are able to give only two cases of species within the same natural order thus twining. But a Mikania growing here twines from right to left, whilst the Mikania scandens described by you twines in an opposite direction; and I believe that there are species of Dioscorea which twine in opposite directions. Lastly, with respect to the thickness of the support which can be ascended by spiraUy twining plants, I have lately seen a trunk about five feet in circumference which was thus ascended by a plant apparently belonging to the Menispermaceae. Ueber das Holz einiger um Desterro wachsender Kletterpflanzen ^). Mit Tafel XXVIII. Wie längst bekannt, sind die holzigen Stämme vieler Kletterpflanzen durch eine vom gewöhnlichen Baue des Dicotyledonenstammes abweichende Bildung ihres Holzes ausgezeichnet. In einem Lande, das an Kletterpflanzen vielleicht reicher ist als jedes andere der Erde, habe ich Gelegenheit gehabt, eine ziemliche Zahl solcher „anomalen Holzbildungen" und darunter, wie ich glaube, manches Neue zu sehen. Ich will im Folgenden eine kurze Uebersicht meiner Beobachtungen geben, so weit sie den gröberen ohne Mikroskop erkennbaren Bau des Holzes betreffen. Das Gemeinsame der mannigfachen Abweichungen vom gewöhnUchen Baue, die man an den Stämmen holziger Kletterpflanzen beobachtet, besteht darin, dass bei ihnen der Holzkörper der Länge nach in mehr oder minder vollständig ge- schiedene Stücke zerklüftet oder von Strängen eines weicheren Gewebes durch- zogen ist. Die Stämme werden dadurch biegsamer, als wenn dieselbe Holzmasse eine regelmässige dichte Walze bildete. Die Zerklüftung kann auf mehrere wesentlich verschiedene Weisen zu Stande kommen, drei derselben, — durch un- gleichmässiges Wachsthum des Holzkörpers, durch Entwickelung der Markstrahlen zu zusammenhängenden Längsplatten, durch Bildung äusserer Holzringe, — finden sich bei Pflanzen der verschiedensten Familien; zwei andere sind jede auf einen kleinen Kreis engverwandter Arten, die kletternden Bignoniaceen und Sapindaceen beschränkt. Bei einer ersten Gruppe anomaler Stämme wird die Zerklüftung des Holz- körpers durch ein ungleichmässiges Wachsthum desselben hervorgebracht. Indem einzelne Theile im Umfange des Holzkörpers rascher, andere langsamer wachsen oder ganz zu wachsen aufhören, entstehen vorspringende Längswülste, die durch Rinnen oder Spalten geschieden sind. Bei den wenigen Pflanzen dieser Gruppe, die ich gesehen, schienen mir immer die Hauptwülste mit den Blättern abzu- wechseln. — Die Rinde umgiebt diese Stämme entweder in gleichmässiger Dicke, oder sie wuchert stärker an denselben Stellen, wo das Holz im Wachsthum zurück- bleibt und füllt so die Spalten des Holzkörpers aus. i) Botanische Zeitung 1866. 24. Jahrg. p. 57 — 60. 65 — 69. Taf. III. Fritz Müllers gesammelte Scbriften. '9 ,QO Ueber das Holz einiger um Desterro wachsender Kletterpflanzen. Im ersteren Falle ist die Zerklüftung des Holzes schon aussen sichtbar. Nur ganz enge Spalten, deren Weite die doppelte Dicke der Rinde nicht über- trifft, sind auch hier von Rinde ausgefüllt; aber der Querschnitt zeigt, dass jede Wand der Spalte ihre eigene Rinde hat. Ich habe diesen Fall gesehen bei einer weissblühenden Lantana ^) (Fig. 3), welche zu den zahlreichen Kletterpflanzen ge- hört, die ohne andere zu umwinden und ohne die Hülfe von Wurzeln, Dornen oder Ranken in dichtem (xebüsch emporklettern. Der mittlere unzerklüftete Theil des Holzringes ist hier meist so unbedeutend, dass die Stämme beim Zer- brechen leicht in vier Stücke spalten ; bei einem Stamm von 1 8 mm Durchmesser kamen nur 4 mm auf den mittleren Theil und davon reichlich ein Drittel auf das Mark. Im zweiten Falle, den ich bei Peixotoa, bei Tetrapterys und bei Condylo- carpon beobachtete, ist die Zerklüftung des Holzes von aussen nicht zu bemerken. Von Peixotoa (Fig. 2) habe ich nur kaum fingerdicke Stämme gefunden, auf deren Holzkörper 6 oder 8 seichte Längsfurchen sich hinziehen. Bemerkens- werth ist an diesen Stämmen der weisse brüchige Kork, der unregelmässige hohe Längsrippen bildet und dessen Dicke bisweilen die des Stammes übertrifft. Bei Tetrapterys (Fig. i) sehe ich an allen mir vorliegenden Stücken sechs oft sehr tief einschneidende schmale Hauptspalten, zwischen denen, in verschiedener Zahl und Anordnung, seichtere Furchen zu verlaufen pflegen. Das Holz der übrigen von mir untersuchten windenden Malpighiaceen ist bis auf das von Dicella (s. u.) regelmässig gebildet. Höchst eigenthümlich ist die Bildung alter Stämme von Condylocarpon (Fig. 4), einer schönen windenden Apocynee mit glänzenden wirtelständigen Blättern und kleinen goldgelben Blüthen. Das Holz jüngerer Aeste bis zu etwa i cm Durchmesser bildet einen regelmässigen Ring zwischen Mark und Rinde. Wenn die Stämme ungefähr die angegebene Dicke erreicht haben, machen sich seichte Längsfurchen bemerklich, besonders deutlich in der Nähe der Blätter; macht man hier einen Querschnitt (Fig. 4. A), so sieht man, dass von den Furchen aus weisse gefässlose Streifen durch das gelbliche Holz nach dem an dieser Stelle drei- kantigem Marke sich hinziehen. Bei etwas älteren Stämmen (Fig. 4. C) sieht man den jüngeren Theil des Holzringes von zahlreichen mehr oder minder tief ein- schneidenden Längsspalten durchzogen , die von der weissen Rinde ausgefüllt sind. Bis jetzt hat also das Holz die grösste Aehnlichkeit mit dem von Tetra- pterys. Später aber wird das Wachsthum des Holzes äusserst unregelmässig ; die älteren Spalten werden wieder vom Holze überwuchert und neue bilden sich am Rande, um bald ihrerseits dasselbe Schicksal zu erleiden. So zeigt der alte Stamm (Fig. 4. D) zahlreiche unregelmässig zerstreute Inseln von weisser Rinde inmitten des gelblichen Holzes. Die Zerklüftung des Holzes durch Längsfurchen ist nicht beschränkt auf dicotyledonische Kletterpflanzen; sie findet sich auch an der holzigen Achse der bisweilen über 70 Fuss langen Luftwurzeln eines Philo- dendron (Cipo d'Imbe der Brasilianer). — (Fig. 21.) — Abweichend vom ge- wöhnlichen Bau monocotyledonischer Stämme besteht das PIolz hier nicht aus i) Die Gattungen sind nach Endlicher, Genera plantaruni, bestimmt; zur ßestinmiung der Arten h:ihc ich keine Hülfsniitlcl. Ueber das Holz einiger um Desterro wachsender Kletterpflanzen. 20 1 einzelnen im Parenchym zerstreuten Bündeln, sondern bildet eine zusammen- hängende Masse in der Mitte des Stammes, die im Querschnitt eine sechsblättrige Rosette darstellt. Um das Holz liegt ein weiches weisses Parenchym mit zahl- reichen Harzgängen, in dessen äussersten Zellenlagen Chlorophyllkörner auftreten, und dieses ist umgeben von einer sehr zähen, leicht abzulösenden schwarzen Rinde. Bei einer zweiten Gruppe von Kletterpflanzen ist der Holzkörper dadurch in vollständig von einander getrennte Stücke zerspalten, dass die Markstrahlen zusammenhängende durch die ganze Länge des Stammes sich hinziehende Längs- platten bilden. Ausser bei einigen noch unbestimmten Pflanzen fand ich diesen Bau bei Clematis, bei einigen Cocculus-Arten, deren Stamm nicht über fingersdick zu werden scheint, bei einem hier sehr häufigen Cissus und bei Aristolochia (Fig. 5). Der von dickem, deutlich geschichtetem, braunem Korke bedeckte Stamm von Aristolochia ist wie der von Cissus im Querschnitt elliptisch; die Holzbündel sind durch weit breitere Markstrahlen von einander geschieden, als in den übrigen genannten Gattungen. In der längeren Achse des Querschnittes liegen einander gegenüber zwei breite durch secundäre Markstrahlen tief ein- geschnittene Holzbündel ; zwischen ihnen jederseits 2 oder häufiger 3 schmalere. — Das Holz ist gelblich, von weiten Gefässen durchzogen, das seine Bündel trennende und umgebende Gewebe weiss, und nach aussen von jedem Holzbündel liegt ein Streifen eines saftreichen Gewebes, das durch zahlreiche mit bitterem aromatischem Harze gefüllte Zellen eine dunkelbraune Farbe erhält. Aehnlich ist der Bau des Stammes auch bei Bryonia (Fig. 8). In der Mitte des Querschnitts sieht man einen dunkleren, grünlichen, fünfstrahligen Stern, dessen Strahlen nur durch ganz schmale weisse Linien getrennt werden. Etwas weiter nach außen, mit den Strahlen des Stammes abwechselnd, liegen fünf ähn- liche dunkle Flecken, wie jene aus einem saftreichen Gewebe bestehend. Von ihnen gehen breitere, von den Strahlen des Sternes schmalere Holzbündel aus. die durch secundäre Markstrahlen in schmale, bisweilen eine einzige Reihe der sehr weiten Gefässe enthaltende Platten zerklüftet sind. Ein ähnlicher dunkler Fleck wie am inneren findet sich am äusseren Ende jedes Holzbündels. Bei einer dritten Gruppe anomaler Holzbildungen beschränkt sich das fort- laufende Gewebe (Cambium) nicht wie bei der Mehrzahl der Dicotyledonen auf einen einzigen Kreis, sondern um den mittleren Holzring herum entstehen in der Rinde neue Streifen, Bogen oder vollständige Ringe von fortbildendem Gewebe und von ihnen erzeugt jüngere, den mittleren Holzring umschliessende und durch Rindenschichten von ihm getrennte Holzbildungen. Besonders schön und regel- mässig findet sich dieser Bau des Holzes bekanntlich bei verschiedenen Meni- spermeen, deren Holzkörper überdies durch zusammenhängende Markstrahlplatten zerklüftet ist. Die Stämme erreichen bisweilen eine ansehnliche Dicke und dann wird die Zahl der einander umschliessenden Holzringe eine sehr beträchtliche; ich habe in meinem Walde am Itajah}" Menispermeenstämme gesehen, die fast eine Spanne im Durchmesser hatten und wie gewaltige Taue sich in weiten Bogen von Baum zu Baume spannten. Das in Fig. 12 gezeichnete Holz gehört wahr- scheinlich einer Pflanze derselben Familie an; die aus weicherem saftreichem Ge- webe gebildeten dunklen Flecken am äusseren Ende jedes Holzbündels lassen die einander umschliessenden Holzkreise besonders deutlich hervortreten. — 10* ,Q2 Ueber das Holz einiger um Desterro wachsender Kletterpflanzen. Dagegen gehört die Pflanze, von der das Fig. 9 abgebildete Holz entnommen ist, und die ich wie die vorige noch nicht blühend gefunden habe, sicher weder zu den Menispermeen, noch in eine der anderen Familien (Ampelideen, Convolvulaceen, Gnetaceen), in denen nach Kunth (Lehrbuch der Botanik I. S. 14g) eine ähnliche Bildung des Holzkörpers vorkommt. Bei Mucuna (Fig. 13) wächst das Holz regelmässig bis zu einem Durch- messer von 5 bis 6 cm und darüber; dann bildet sich, durch einen ansehnlichen, bisweilen über i cm breiten Zwischenraum getrennt, ein äusserer Holzring, um welchen ich bei einem Stamme von etwa 14 cm Durchmesser noch die Anfänge eines dritten mehrfach unterbrochenen Ringes sehe. — Die äusseren Holzbündel bilden keinen geschlossenen Ring, sondern sind durch Längsplatten von Parenchym getrennt. Das Holz auch der älteren Stämme ist weich, saftreich und von sehr weiten Gefässen durchzogen. Sehr schön sieht man in den Zwischenräumen zwischen den Holzringen die Basttheile der Holzbündel, wie sie Schacht nennt, die sich durch dunklere Färbung und radiäre Streifung vor dem umgebenden Parenchym auszeichnen. — Bei den bisher erwähnten Pflanzen besteht kein erheblicher Unterschied zwischen dem Bau des mittleren Holzringes vmd dem des umschliessenden jüngeren Holzes. Anders ist es bei Securidaca (Fig. 6). Die jüngeren Zweige dieses prächtig blühenden Kletterstrauches sind drehrund und haben ein festes dichtes Holz, in welchem mit blossem Auge kaum Gefässe zu erkennen sind. Wenn die Zweige etwa I cm Durchmesser erreicht haben, oft schon früher, nur selten (z.B. Fig. 6. A) beträchtlich später, beginnt die Bildung des Aussenholzes. Das neue Cambium bildet keine vollständigen Ringe, sondern Bogen von sehr wechselnder Aus- dehnung, bisweilen so klein, dass das von ihnen erzeugte Holz nur ein einziges weites Gefäss enthält. Das neue Holz hat Gefässe von ansehnlicher Weite und ist viel weicher als der Kern, welcher sich bisweilen auch durch weit dunklere Färbung auszeichnet. Noch weicher als das neue Holz sind die dessen einzelne Stücke trennenden Bogen, die aus zwei scharf geschiedenen Schichten bestehen. Die Stücke des Aussenholzes lassen sich leicht aus einander nehmen, namentlich wo sie grössere wie Zwiebelschalen über einander liegende Bogen bilden (Fig. 6. B ) In Betreff ihrer oft sehr verwickelten Anordnung in älteren Stämmen verweise ich auf die Abbildungen (Fig. 6. C, D). Immer beginnt die Entwickelung des Aussenholzes und immer bleibt sein Wachsthum weit stärker an den Enden eines Durchmessers, welcher auf der durch den Ursprung der zweizeilig angeordneten Blätter gehenden Ebenen senkrecht steht. An dem dicksten Stamme, den ich besitze, beträgt der grösste Durchmesser 12 cm, der darauf senkrechte 9 cm, der Durchmesser des Kernholzes 6 mm. — Fast ganz wie bei Securidaca ist das Aussenholz bei einer Hippocrateaceo mit nicht aufspringenden saftigen Früchten, also wahrscheinlich einer Tontelea (Fig. 7) angeordnet. Das Holz ist röthlichbraun, der Bast, der in einer dünnen Schicht die einzelnen Lagen des Aussenholzes überzieht, schneeweiss und seiden- glänzend. — Es verdient bemerkt zu werden, dass diese beiden so verschiedenen Familien angehörenden Klettersträucher ausser im Baue des Holzes auch in der Art des Kletterns übereinstimmen. Sie gehören zu den wenigen Pflanzen, deren junge Zweige als Ranken dienen, um Gegenstände, mit denen sie in Berührung Ueher das Holz einiger um Desterro wachsender Kletterpflanzen. 2Q^ kommen, sich herumbiegen, sich dann verdicken und so den Kletterstrauch be- festigen. Ausser bei Securidaca und Tontelea kenne ich diese Weise des Kletterns nur noch bei Hecastophyllum und einer zweiten Papilionacee aus derselben Ab- theilung der Dalbergieen, — Hätten De Candolle und Mohl je einen dieser Zweig- klimmer gesehen, so würde es sicher jenem nicht eingefallen sein, die Stengel der windenden Pflanzen mit den Ranken zusammenzustellen, — noch diesem, das Umschlingen der Stütze bei Schlingpflanzen als Folge einer durch die Be- rührung erregten Reizbarkeit zu betrachten. Vielleicht gehört hierher auch das Holz der häufig abgeplatteten Stämme von Dicella, in welchem ebenfalls unregelmässig angeordnete bogenförmige Holz- streifen mit Streifen eines weichen gefässlosen Gewebes wechseln. Eine vierte Gruppe bilden die Stämme der rankentragenden Bignoniaceen, von denen ich über ein Dutzend Arten untersucht habe. Durchschneidet man einen frischen jüngeren Zweig einer Bignonia, bei dem schon ein dünner fester Holzring um das Mark vorhanden ist, so fallen nach aussen vom Holzringe vier scharf gegen die umgebende Rinde abgesetzte dunklere Flecke ins Auge, die mit den Blättern abwechseln. Seitlich sind sie begrenzt durch gerade, meist gleich- laufende Linien, aussen durch einen nach aussen, innen durch einen nach innen gewölbten Bogen; dieser innere Bogen liegt dem Holzringe dicht an. Bisweilen erkennt man schon jetzt eine, in etwas späterer Zeit meist sehr deutliche, quere Streif ung der Flecke, bedingt durch abwechselnde Schichten weicheren und festeren Gewebes. Diese zwischen Holz und Rinde eingeschalteten, scharf gegen beide ab- gesetzten Stücke, die anfangs nur vier dünne, saftreiche Längsstreifen bilden, wachsen nun in der Richtung des Halbmessers in gleichem Maasse mit dem Stamme weiter, so dass ihr inneres Ende immer bis in die Nähe des Markes, ihr äusseres bis zu den äussersten Rindenschichten reicht (Fig. i8. A). So wird durch sie der Holzkörper in vier fast bis aufs Mark getrennte Stücke zerklüftet. Später bildet sich von innen her in den Spaltstücken Holz, das von dem des eigent- lichen Holzkörpers nicht auffallend verschieden ist, aber nicht mit demselben ver- schmilzt, sondern durch eine dünne Schicht unverholzten, dünnwandigen Paren- chyms getrennt bleibt. Diese trennende Schicht setzt sich auch längs des weichen Theils der Spaltstücke und bis in die Rinde hinein fort, gegen die sich dieselben, wenigstens in jüngeren Stämmen, wie gesagt, eben so scharf absetzen wie gegen das Holz. Die jüngeren Stämme der verschiedenen Arten zeigen keine auffallenden Unterschiede in dieser Beziehung; aber aus den gleichen Jugendformen geht im Fortschritte des Wachsthums eine ziemlich mannigfache Bildung der älteren Stämme hervor. Ich habe solche alte Stämme von fünf Arten untersucht; eine derselben ist ein Haplolophium, die anderen, deren Blüthen und Früchte ich nicht kenne, mögen zu Bignonia gehören. Am einfachsten ist die Wachsthumsweise einer Art mit vierseitigem Stamme (Fig. 15). Die Seitenlinien der Spaltstücke sind bei dieser Art nicht gleichlaufend, sondern haben fast die Richtung von Halbmessern ; daher werden die Spalt- stücke nach aussen breiter; sie bleiben dabei immer von denselben Geraden be- grenzt. Die Holzbildung in den Spaltstücken hält ziemlich gleichen Schritt mit ■yQ, Ueber das Holz einiger um Dcsteiro wachsender Klelterjiflanzen. der des Holzkörpers, so dass die durch den weichen Kindentheil der Spaltstückc o-efüllten Spalten des letzteren eine geringe Tiefe haben. Der Holzkörper wächst rascher längs der ihn von den Spaltstücken trennenden Parenchymplatten ; er bildet die Seiten, die Spaltstücke bilden die abgerundeten Ecken des vierseitigen Stammes. Die Parench3^mplatten zwischen Holzkörper und Spaltstücken sind bei dieser Art besonders breit und augenfällig. Das Holz hat sehr deutliche Schichtungs- linien, deren Wölbung in den Spaltstücken nach innen, im Holzkörper (wenigstens seinem älteren Theile) nach aussen gerichtet ist. Bei einer zweiten Art (Fig. 14) sind die Seitenlinien der Spaltstücke in jüngeren Zweigen gleichlaufend oder kaum merklich aus einander laufend; wenn die Stämme etwa i cm Dicke erreicht haben, tritt zu jeder Seite jedes Spalt- stückes, ihm dicht anliegend, ein neues, etwa halb so breites auf, neben diesem ersten später ein zweites, ein drittes u. s. w. — Das Holz der mittleren Spalt- stücke reicht etwa halb so weit nach aussen, als das des Holzkörpers, das der seitlichen um so weiter, je weiter von der Mitte des Stammes sie selbst entstanden sind. Dadurch erhalten die nach aussen erweiterten Furchen, in denen der Rinden- theil der Spaltstücke liegt, treppenförmige Seitenwände. Bei einer dritten Art (Fig. 16) laufen die Seitenlinien der Spaltstücke nach aussen zusammen, und wenn der Stamm kaum i cm Dicke überschritten hat, finden sie sich vollständig vom Holzkörper umwachsen; später bilden sich bis- weilen nach aussen von den ersten neue Spaltstücke, die aber bald in gleicher Weise umwachsen werden. Ziemlich tiefe Längsrinnen, die der Holzkörper eines g cm dicken Stammes zeigte, schienen hauptsächlich durch ungleichmässigcs Wachsthum des Holzkörpers bedingt zu sein; vier solche Rinnen lagen in der Richtung der Spaltstücke, vier damit abwechselnd; von letzteren war an einem 2,5 cm dicken Stamme noch nichts zu sehen. Obwohl die vier Stücke des Holz- körpers bei dieser Art nur auf unbedeutende Strecken durch Spaltstücke getrennt sind, scheinen sie doch nicht mit einander zu verwachsen, sondern durch eine zu- sammenhängende dünne Schicht unverholzten Parenchyms getrennt zu bleiben; eine von dejn erwähnten g cm dicken Stamme abgesägte, etwa 5 mm dicke Scheibe bekam beim Trocknen feine Spalten in der Richtung der Spaltstücke und war dann leicht in vier Stücke zu zerbrechen, während die Kraft meiner Hände nicht ausreichte, sie in irgend einer anderen Richtung zu zerbrechen. Dem der letzterwähnten Art sehr ähnlich ist während langer Jahre der Stamm von Haplolophium gebaut (Fig. 18); nur macht sich ein ungleichmässigcs Wachsthum des Holzkörpers früher und in höherem Maasse bemerklich, so dass z. B. ein Stamm von 3 cm Durchmesser gegen 20 unregelmässig vertheilte Längs- rinnen von verschiedener Tiefe zeigte. Auch treten bisweilen nach dem Um- wachsen der ältesten Spaltstücke neue, nicht nur in deren Verlängerung, sondern auch mit ihnen abwechselnd auf. — Recht alte Stämme aber (Fig. 18. C) sind durch eine Eigenthümlichkeit ausgezeichnet, die mir bei keiner anderen Bignoniacee vorgekommen ist, durch die Bildung eines äusseren Holzringes. Das Aussenholz ist von dem des mittleren Holzkörpers nicht verschieden. Weit mehr als bei allen vorhergehenden Bignoniaceen ist das Holz einer fünften Art (Fig. 17) zerklüftet. Zweige von 3 bis 4 mm Durchmesser besassen nur die 4 gewöhnlichen Schaltstücke; bei 5 bis 6 mm (Fig. 17. ^4) fanden sich Ueber das Holz einiger um Desterro wachsender Kletterpflanzen. 9qc mit ihnen abwechselnd vier jüngere; die Spaltstücke hatten jetzt gleichlaufende Seitenlinien ; Holztheil und Rindentheil waren von ungefähr gleicher Länge. Leider fehlen mir Zwischenstufen zwischen diesen Zweigen und einem 2 cm dicken Stamme. Ich habe die Pflanze erst einmal gefunden und konnte mir zwar leicht, als ich die überaus zierliche Bildung des Holzes erkannt, ein langes Stück des einen Baum umwindenden Stammes herausschneiden, aber nur mit Mühe einige dünne Zweige erklettern. — Die Spaltstücke des Stammes haben, abweichend von denen der jüngeren Zweige, die Gestalt einer Raute, deren kürzere Diagonale den nach innen gewendeten Holztheil von dem nach aussen gewendeten Rindentheile scheidet. Bei dieser Gestalt würden sie vom Holzkörper umwachsen werden, wenn dem nicht durch das Auftreten neuer Spaltstücke vorgebeugt würde, die sich an die Seiten der älteren anlegen und etwa halb so breit als diese sind; die Form der Spaltstücke lässt hier die treppenförmige Bildung der Seitenwände der in das Holz eindringenden Spalten noch weit deutlicher hervortreten, als bei der zweiten Art. Ausser den vier ältesten und tiefsten Spalten finden sich noch 4 zweiter und 8 dritter Ordnung, die ebenfalls der Bildung von Spaltstücken ihre Entstehung verdanken. Man kann leicht die zahlreichen Spaltstücke, die das Holz bilden helfen, aus einander nehmen. — Nicht genug mit dieser be- deutenden Zerklüftung-; es findet sich noch zwischen den Holztheilen der vier ältesten Spaltstücke ein weisses, weiches Parenchym, das an einigen Stellen meines Stammes 2, an anderen (wie in der Abbildung Fig. 17. ß) 3 von den 4 Stücken des Holzkörpers, an anderen alle 4 vollständig von einem schmalen das Mark umschliessenden Holzringe abschneidet. Dies Parenchym steht in Zu- sammenhang mit den Parenchymplatten, welche die Spaltstücke vom Holzkörper trennen, und scheint aus einer Wucherung desselben hervorgegangen zu sein. Diese Art mit dem stark zerklüfteten Stamme ist, so viel ich bis jetzt gesehen, die einzige windende unter unsern Bignonien; die andern verlassen sich beim Klettern ausschliesslich auf die Ranken ihrer Blätter oder befestigen sich nach- träglich durch Haftwurzeln. Einen auffallenden Gegensatz zu dieser Art bildet, in Lebensweise und Bau des Holzes, eine andere Bignonie, die ich niemals klettern sah, sondern nur als niedrigen Busch mit schwanken, oft niederliegenden Aesten, sie erzeugt meist vollständige dreizählige Blätter und nur wenige einfache Ranken. Ihr Holz er- scheint als runde furchenlose Walze, indem die Holzbildung in den Spaltstücken gleichen Schritt hält mit der im eigentlichen Holzkörper. So wenigstens in fingerdicken Stämmen. Ich vermochte nicht die Spaltstücke aus dem Holze herauszunehmen, was bei anderen Arten leicht ist; ich bin an einigen Zweigen sogar in Zweifel über deren Vorhandensein gewesen, während bei anderen namentlich ihr Rindentheil, vier dunklere, scharf umschriebene Flecken in der Rinde bildend, sofort ins Auge fällt. Eine fünfte Gruppe wird gebildet von den Stämmen einiger kletternden Sapindaceen. Bei ihnen ist der mittlere Holzring umgeben von mehreren Neben- achsen, die mit demselben durch eine gemeinsame Rinde verbunden sind. Ihre Zahl und Anordnung wechselt nach den Arten. Bei einer Serjania (Fig. 19), die in allen Zäunen in und um Desterro wuchert, finden sich drei Nebenachsen, welche die Hauptachse in ihrer ganzen Länge be- ,Q^ Ueber das Holz einiger um Desteno wachsender Kletteqifianzen. gleiten und beim Ursprung jedes dritten Blattes auf eine kurze Strecke mit ihr verschmelzen (Fig. 19. A). Die Blätter entspringen zwischen den Nebenachsen von den Seiten des dreiseitigen Stammes in einer bald nach rechts, bald nach links aufsteigenden SchraubenHnie. Steigt die Schraubenlinie nach rechts auf, so entspringt eine Ranke links von jedem Blatte und die links davon verlaufende Nebenachse ist in der Nähe seines Ursprungs mit der Hauptachse verschmolzen ; dagegen stehen die Ranken rechts und die rechtsliegende Nebenachse verschmilzt mit der Hauptachse, wenn die Blattspirale nach links aufsteigt. Oberhalb des Blattes ist die dem Blatte gegenüberliegende Nebenachse weiter von den beiden anderen entfernt, zwischen denen das Blatt steht, als diese letzteren von einander (Fig. 19. B). Minder einfach ist die Anordnung der Nebenachsen bei einer anderen Sapindacee, von der ich Blüthen und Früchte nicht gesehen habe, also nicht weiss, ob sie zu Paullinia oder Serjania gehört (Fig. 20). Schneidet man einen Stamm in der Mitte zwischen zwei Blättern durch, so sieht man (Fig. 20. A) die Haupt- achse von sechs Nebenachsen umgeben, die durch zwei breite Lücken in zwei Gruppen (die eine von 4, die andere von 2) geschieden sind. Verfolgt man diese an älteren Stämmen schon äusserlich als vorspringende Wülste zu erkennenden Nebenachsen am Stamme abwärts, so findet man, dass sie in sehr verschiedener Höhe entspringen. Bezeichnen wir die älteste am tiefsten entspringende mit i, die nächstjüngere mit 2 u. s. f. bis zur jüngsten 6, so stehen sie um die Haupt- achse herum in folgender Ordnung: 3, 6, i, 4, — Lücke — , 2, 5, — Lücke. — Jede Nebenachse ist also von der nächstjüngeren durch zwei andere getrennt, oder ■% des Umfangs von ihr entfernt. Verfolgen wir nun unsern Stamm nach oben. Etwas unterhalb des nächsten Blattes trennt sich in der Lücke zwischen 2 und 4 eine neue Nebenachse (7) von der Hauptachse; mit dieser neuen Nebenachse verschmilzt 4 und von 2 geht ein dünnes Holzbündel zu ihr hinüber. Von den verschmolzenen Nebenachsen entspringt das Blatt, die Ranke und etwaige Aeste. Dicht über dem Blatte zeigen sich also die Nebenachsen in der Fig. 20 B gezeichneten Anordnung. In grösserer oder geringerer Entfernung vom Blatte trennen sich 4 und 7 wieder; die Hauptachse ist nun von 7 Nebenachsen umgeben, die von einer einzigen Lücke unterbrochen sind und in folgender Ordnung stehen: 3. 6. i. 4. 7- 2. 5. — Lücke. — (Diese Anordnung zeigt die Fig. 112 in Schacht's Lehrbuch der Anatomie u. Physiol. der Gewächse. IL S. 58). — Meist schon unter der Mitte des Stengelghedes, bisweilen erst weiter oben verschmilzt die älteste Nebenachse i. wieder mit der Hauptachse, so dass aufs Neue zwei Lücken vorhanden sind, bei folgender Anordnung der Nebenachsen: 3. 6. — Lücke. — 4. 7. 2. 5. — Lücke. — Unter dem folgenden Blatte trennt sich eine neue Nebenachse (8) von der Haupt- achse, in der Lücke zwischen 3 und 5, verschmilzt mit 5, erhält ein Holzbündel von 3 und trennt sich oberhalb des Blattes wieder von 5. Dann verschmilzt 2 mit der Hauptachse, eine neue Nebenachse löst sich ab in der früher von i ein- genommenen Lücke zwischen 4 und 6 und so weiter. — Jede Nebenachse durch- läuft also 6V2 Stengelglied; sie trennt sich von der Hauptachse etwas unterhalb eines Blattes, verschmilzt mit der links neben ihr liegenden Nebenachse und er- hält ein Holzbündel von der rechtsHegenden ; sie trennt sich von jener wieder Ueber das Holz einiger um Desterro wachsender Kletterpflanzen. 2Q7 oberhalb des Blattes; am Ende des dritten Steng-elo-liedes verschmilzt sie für eine kurze Strecke mit der rechts von ihr entspringenden Nebenachse, giebt am Ende des 5ten Stengelgliedes ein Holzbündel zu der links entspringenden und ver- schmilzt wieder mit der Hauptachse in der Mitte des siebenten. Am Ende des achten wird die so entstandene Lücke von einer neuen Nebenachse ausgefüllt. — An allen untersuchten Aesten des einzigen weitrankenden Busches dieser Art, den ich kenne, stand jede folgende Nebenachse ^8 ^^^ Umfangs rechts von der vorhergehenden und die Blätter bildeten eine nach rechts aufsteigende Schrauben- linie; doch ist es nicht unwahrscheinlich, dass auch die entgegengesetzte Richtung vorkommt. Bei zwei anderen rankenden Sapindaceen, unter denen eine hier sehr häufige PauUinia, habe ich den Stamm regelmässig gebildet gefunden. Der Stamm von Strychnos (Fig. lo) lässt sich in keine der bisher betrachteten Gruppen einreihen. Auf dem Querschnitte des frischen Stammes sieht man um einen mittleren regelmässig gebildeten Kern dunklere Flecken, die bald in ziemlich regelmässige concentrische Kreise geordnet sind, bald ohne Ordnung in den äusseren Holzschichten zerstreut scheinen ; nach aussen ist jeder Fleck von einem weissen Bogen begrenzt. Es sind die Querschnitte von Strängen eines weichen, dünnwandigen, in seinem dunkleren Theile saftreichen Gewebes, die den Stamm in seiner ganzen Länge durchziehen. Ausser langen, am Ende spitz zulaufenden Zellen finden sich in diesem Gewebe schmale Markstrahlen. Zu den sonderbarsten Stammbildungen gehört bekanntlich die von Caulo- tretus. Die deutschen Ansiedler am Itajahy haben diesen plattgedrückten Stämmen, welche mit regelmässigen, kurzen, welligen Biegungen in die Wipfel der höchsten Urwaldsbäume aufsteigen, den bezeichnenden Namen „Affentreppen" gegeben. Die Abplattung ist schon an ganz jungen Zweigen vorhanden. Bemerkenswerth ist an diesen jungen Zweigen (Fig. ii) die kreuzförmige Gestalt des Markes. Die Blätter oder Blattnarben finden sich wie bei Securidaca an den Breitseiten der Stämme, so dass, wie hier und wie bei Lantana, Condylocarpon und Tetrapterys, die vorwiegend entwickelten Abschnitte des Holzkörpers mit den Blättern ab- wechseln. Aeltere Stämme fehlen mir hier. Soweit die Thatsachen. Nun noch einige Worte über ihre Beziehung zur Frage nach der Entstehung der Arten. Es liegt auf der Hand, dass dieselben der Lehre Darwin's durchaus günstig sind. Die weit überwiegende Mehrzahl der von mir beobachteten holzigen Kletter- pflanzen hat einen auf die eine oder andere Weise zerklüfteten Stamm, den ich noch bei keiner der zahlreichen, darauf untersuchten, nicht kletternden Sträucher und Bäume gefunden. Bei einer Bignonia, die nicht mehr klettert, sind noch die bei verwandten Arten die Zerklüftung bewirkenden Theile vorhanden, aber keine Zerklüftung mehr. Jedenfalls also ist diese Zerklüftung des Stammes den Kletter- pflanzen von wesentlichem Nutzen und wo bei einer derselben eine Abweichung vom gewöhnlichen Baue in dieser Richtung eintrat, wurde sie durch die natürliche Auslese erhalten und vervollkommnet. Leichtere Abweichungen vom gewöhnlichen Bau, wie ungleichmässiges Wachsthum des Holzes, Vereinigung der Markstrahlen zu zusammenhängenden Platten, Theilung der Holzbündel in radiärer statt in 2q8 Ueber das Holz einiger um Desteno wachsender Kletterpflanzen. seitlicher Richtung {worauf nach Schacht die Bildung äusserer Holzringe beruht) konnten leicht bei Pflanzen der verschiedensten Familien unabhängig von ein- ander sich ausbilden. Es würde aber 'im höchsten Grade unwahrscheinlich sein, dass so eigenthümHche Bildungen, wie die Spaltstücke der Bignonien oder die vom Stamme sich loslösenden und nach einem bestimmten Verlauf wieder mit demselben verschmelzenden Nebenachsen der Sapindaceen zweimal bei verschiedenen Pflanzen unabhängig von einander in gleicher Weise sich entwickelt hätten. Diese durfte man also von Darwin's Lehre aus a priori nur bei nächstverwandten Arten zu finden hoffen, die sie von gemeinsamen Vorfahren ererbten. — Wären dagegen die Arten unveränderlich und unabhängig von einander erschaffen, hätte ein Schöpfer jeder die ihren Lebensverhältnissen entsprechenden Einrichtungen zugetheilt, so wäre kein Grund abzusehen, warum derselbe die Bildung des Big- nonien- und Sapindaceen-Stammes nicht ebenso unter die entferntest stehenden Fami- lien vertheilt haben sollte, wie die des Stammes von Clematis oder Menispermum ^). Desterro, October 1865. Erklärung der Abbildungen auf Tafel XXVIII. Die Figuren sind alle nach Querschnitten frischer Stämme in natürlicher Grösse gezeichnet. Fig. I . Tetrapterys. Fig. 2. Peixotoa. Fig. 3. Lantana. Fig. 4. Condylocarpon. A Querschnitt dicht unter einem Blattwirtel. B Quer- schnitt desselben Stammes etwa 1,5 cm höher genommen. C Querschnitt eines älteren. D Querschnitt eines alten Stammes, der lange Zeit, — g Jahre habe ich ihn so gekannt — , an einer schattigen Stelle der Erde aufgelegen und vielleicht daher eine ungewöhnliche dicke Rinde erhalten hat. Fig. 5. Aristolochia. Securidaca. Hippocrateacee (Tontelea?). Bryonia. Unbestimmt. Strychnos Caulotretus, junger Zweig. Menispermee (?). Fig. 13. Mucuna. Fig. 14^ — 17. Verschiedene Bignoniaceen (Bignonia?). Fig. 18. Haplolophium. Fig. 19. Serjania. A Durch den Ursprung einer Ranke gemachter Querschnitt; zur Seite der durchnittenen Ranke sieht man die Blattnarbe. B Querschnitt durch die Mitte eines Stengelgliedes; das nächste Blatt unter dem Querschnitt steht zwischen den Neben- achsen I und 2. Fig. 20. Sapindacee (Paullinia?). A Querschnitt durch die Mitte eines Stengelgliedes. B Querschnitt eines älteren Stammes dicht über einer Blattnarbe. Die Zahlen i. 2. 3. u. s. w. bezeichnen die Reihenfolge des Alters der Nebenachsen. Fig. 21. Luftwurzel von Philodendron. i) Ich darf diese Gelegenheit nicht vorübergehen lassen, ohne Darwin öffentlich meinen Dank aus- zusprechen für die Uebersendung seiner anziehenden, an trefflichen Beobachtungen reichen Abhandlung „on the movements and habits of climbing plants", durch die ich zur Beschäftigung mit den in vielen Hin- sichten so merkwürdigen Kletterpflanzen angeregt wurde. Fig. 6. Fig. 7- Fig. 8. Fig. 9- Fig. 10. Fig. 1 1. Fig. 12. Ueber die Beiruch tung der Martha (Posoqueria?) fragrans ^). Mit Tafel XXIX. Auf einem Spatziergange traf ich vor Kurzem einen Strauch, der init weissen herrHch duftenden Bkimen geschmückt war. Es fiel mir auf, dass ich in den grossen weitgeöffneten Staubbeuteln keine Spur von Blüthenstaub bemerkte. Dies veranlasste mich zu einer näheren Untersuchung, deren Ergebnisse ich im Folgenden mittheilen will. Der Strauch gehört in die Familie der Rubiaceen, zur Gruppe der Gardenieen, in die unmittelbare Nähe der Gattung Posoqueria Aubl, von der er vielleicht kaum zu trennen ist. Doch soll Posoqueria (Endlicher genera plantarum No. 3308) „stamina brevissima, apice infracto geniculata" besitzen ; letzteres Hesse sich, wie man sehen wird, höchstens von den beiden oberen Staubfäden unseres Strauches sagen und gerade diese beiden sind von ansehnlicher Länge. Ausserdem sind wohl, da das Gegentheil nicht bemerkt wird, bei Posoqueria, wie es in der Familie Regel ist, die Staubgefässe frei und alle von gleicher Bildung. Ich schlage für unsere Pflanze, falls sie noch keinen anderen besitzen sollte, den Namen Martha fragrans vor. Die kurzgestielten Blumen stehen am Ende der Zweige; ihre 11 bis 14 cm lange Röhre hat meist eine ziemlich wagerechte Richtung. Die Knospe (Fig. i im Längsschnitt) ist wie bei Posoqueria dadurch aus- gezeichnet, dass ihr dickeres von den Zipfeln der Blumenkrone gebildetes Ende abwärts gebogen ist und mit der langen Röhre einen stumpfen Winkel bildet. Eigenthümlich ist auch die Knospenlage der Blumenkrone, während sonst bei den Rubiaceen die Zipfel der Blumenkrone eine klappige oder (wie beim Kaffee) eine gedrehte Knospenlage zeigen, werden bei unserer Pflanze die beiden unteren Zipfel von den seitlichen und diese wieder von dem oberen gedeckt, also voll- ständig wie bei den Blumenblättern der Schmetterlingsblumen. Nach der Ent- faltung der Blumenkrone ist deren in der Knospe so augenfällige Unregel- mässigkeit nur noch in der etwas grösseren Länge und Breite des oberen Zipfels ausgesprochen (Fig. 2). — I) Botanische Zeitung 186G. 24. Jahrg. p. 129 — 133. Taf. VI. A. -,QQ Ueber die Befruchtung der Martha fragrans. Die Staubfäden entspringen in der Röhre der Blumenkrone dicht unter dem bärtigen Schlünde. Der untere Staubfaden ist kürzer, aber breiter als die übrigen ; er ist wenig länger als der Durchmesser des Schlundes, nach oben allmählig ver- jüngt, doppelt so breit als dick und im Querschnitt (Fig. 5) nierenförmig, da seine innere Fläche von einer tiefen Längsfurche durchzogen ist, sein Gefässbündel liegt der inneren Fläche viel näher als der äusseren. Die seitlichen Staubfäden sind unbedeutend länger und schmäler, als der untere, und im Querschnitt unregel- mässig eiförmig; die oberen Staubfäden endlich sind etwa doppelt so lang, aber nur halb so dick, als der untere, und im Querschnitt den seitlichen ähnlich. Die Staubbeutel, die am Rücken über der Basis befestigt sind, hängen ziemlich fest zusammen und zwar besonders fest die seitlichen mit den oberen. So bilden sie bis zur Zeit, wo sie sich öffnen, einen blassgelben dick eiförmigen Knopf, dessen stumpf kegelförmige Spitze geschlossen ist, während am unteren Ende ein enger Eingang bleibt zu der von den Staubbeuteln umschlossenen mittleren Höhle. Die äussersten Spitzen der Staubbeutel und die unterhalb des Befestigungspunktes liegenden Theile enthalten keinen Blüthenstaub. Wodurch das Zusammenhalten der Staubbeutel bewirkt wird, ob nur durch das Ineinander- greifen der Unebenheiten ihrer Seitenflächen, oder ob, wie es mir einige Male unter dem JMikroskope schien, durch einen besonderen Kitt, lasse ich unentschieden. Die Körner des Blüthenstaubes (Fig. 6) sind kuglig, von etwa 0,06 mm Durch- messer; ihre äussere Haut erhält durch netzförmige Verdickungen ein zelliges x\nsehen und zeigt gewöhnlich 4, selten 3, höchst selten 5 dünnhäutige Stellen zum Austritt der Schläuche. Jeder dieser Stellen sitzt eine durchsichtige, ziemlich stark lichtbrechende Halbkugel auf, neben welcher oder auch unter welcher, sie wie einen Deckel emporhebend, der Pollenschlauch hervortritt. In Folge der ungleichen Länge der Staubfäden ist der Staubbeutelknopf schief nach unten gerichtet. Der untere und die beiden seitlichen Staubfäden sind dabei, so lange sie den unversehrten Knopf tragen helfen, ziemlich gerade; die oberen dagegen zeigen eine doppelte Biegung, die bald ziemlich scharf knie- förmig, bald sanfter, mehr bogenförmig ist, die erste Biegung liegt etwa in der Mitte ihrer Länge, die zweite nahe ihrem oberen Ende. Man kann daher an diesen Staubfäden einen unteren, mittleren und oberen Abschnitt unterscheiden. In früherer Zeit sind die unteren Abschnitte beider oberen Staubfäden gleich- laufend, die mittleren weichen nach aussen aus einander, die oberen sind wieder nach innen gerichtet und heften sich nahe beisammen an die Rückenfläche ihrer Staubbeutel. Je näher die Reife der Blüthe rückt, um so mehr weichen die unteren Abschnitte der oberen Staubfäden aus einander, so dass zur Zeit des Aufblühens diese Staubfäden ein weites Thor bilden, das etwa so breit als hoch ist (Fig. 2, C). Die Staubbeutel springen mit Längsspalten nach innen auf, etwa einen Tag bevor die Blume sich öffnet, und der Blüthenstaub fällt in die Höhle des Staub- beutelknopfes. Nach dem Aufspringen schrumpfen die Staubbeutel stark zusammen und nehmen eine bräunliche Farbe an. Der Durchmesser des Knopfes sinkt durch dieses Einschrumpfen bis auf etwa die Hälfte (man vergleiche P'ig. i mit Fig. 2), und der Blüthenstaub sämmtlicher Staubbeutel wird dadurch in eine einzige lose zusammenhängende Masse zusammengepresst. Ueber die Befruchtung der Martha fragrans. ßOI Nun beginnen die Blumen sich zu öffnen. Zuerst entfalten sich, obgleich zu innerst gelegen, die beiden untern Zipfel; der obere bleibt mit den mittleren bis- weilen noch stundenlang zusammenhängend und bildet eine Art gewölbter Ober- lippe oder ein Schutzdach über den Staubgefässen. Die entfalteten Zipfel breiten sich wagerecht aus, oder biegen sich selbst mehr oder weniger stark zurück. An dem ersten Strauche, den ich fand, pflegten sie sich meist ziemlich wagerecht zu halten (Fig. 2), an einem andern stark zurück zu biegen (Fig. 3, 4). Wird jetzt einer der beiden oberen Staubfäden an der Innenseite seiner oberen Biegung' (Fig. 2, A, C, x) berührt, so birst der Staubbeutelknopf in drei Stücke, ein unteres, gebildet von dem unteren, und zwei seitliche, gebildet von je einem seitlichen und einem oberen Staubbeutel. Die seitlichen Stücke schnellen nach aussen, der untere Staubfaden springt nach oben, wodurch — wie bei Cata- setum — der Blütenstaub mit grosser Gewalt hinweggeschleudert wird ; kaum hier und da bleibt ein einzelnes Körnchen an den Staubbeuteln haftend. Um Richtung und Anfangsgeschwindigkeit dieses Wurfes festzustellen, wählte ich zwei in jeder Hinsicht möglichst ähnliche frisch aufgeblühte Blumen ; ich hielt die erste mit senkrecht gestellter Röhre so, dass ihr Staubbcutelknopf in gleicher Höhe mit der Oberfläche eines Tisches war und schoss ab ; der Blüthenstaub fiel auf den Tisch in einer Entfernung von 420 mm. Nachdem nun in 210 mm Ent- fernung ein Buch auf den Tisch gestellt war. wurde die zweite Blume von der gleichen Stelle aus abgeschossen ; der Blüthenstaub traf das Buch in 65 mm Höhe, — Ein ähnlicher Versuch mit zwei anderen Blumen ergab für die Weite des Wurfs 480 mm, für die Höhe iio mm. — Daraus berechnet sich, als Mittel der beiden Versuche, dass der Blüthenstaub mit einer Anfangsgeschwindigkeit von etwa 3 m in der Secunde, einen Winkel von etwa 50 ^ mit der Richtung der Blumenröhre bildend, fortgeschleudert wird. Selbstverständlich machen diese Zahlen keinen Anspruch auf Genauigkeit ^). — Bisweilen bleibt bei dem Wurfe der ganze Blüthenstaub in einer Masse vereint, häufiger wird er in kleineren oder grösseren Brocken über eine kürzere oder längere Strecke verstreut. Er haftet leicht selbst an glatten Gegenständen, z. B. der Klinge eines Federmessers. Die Stelle, deren Berührung die plötzliche Entladung des Staubbeutelknopfes veranlasst, ist eine sehr beschränkte. Man kann die Staubbeutel, man kann den untern und die seitlichen Staubfäden überall berühren, man kann diese Staub- fäden durchschneiden, ohne dass der Schuss losgeht; selbst die oberen Staubfäden kann man — mit einiger Vorsicht und einem recht scharfen Messer — sowohl dicht an der Blumenkrone, als dicht an den Staubbeuteln durchschneiden, man kann an der ganzen äussern gewölbten Seite des von ihnen gebildeten Thores hinfahren; aber sobald man, etwa mit der Spitze eines Bleistifts, von oben oder i) Ist TO die Weite, /i die Höhe des Wurfs, a der Elevationswinkel, c die Anfangsgeschwindigkeit, so ist bekanntlich tang. a = ~ — und c = 1/ ^ ^ ^ . Für den ersten Versuch ist a = 37" 56', c := 2,914 m ; w ' sin 2 « für den zweiten ist = 42*30'; c = 3,07301. Da die Röhre senkrecht stand, ist 90" — a der Winkel zwischen Röhre und Richtung des Wurfes. — w und k in der angegebenen Weise an zwei verschiedenen Blumen zu bestimmen, hat das Ueble, dass wenn w für beide nicht gleich ist, k zu klein erhalten wird ; doch da die Richtung des Wurfs in der Nähe des Scheitels der Parabel nahezu wagerecht ist, wird der Fehler kein allzu erheblicher werden. -,Q2 Ueber die Befruchtung der Martha fragrans. von unten her an der Innenseite des Thores hinstreichend an die obere Biegung der Staubfäden kommt, hat man, ehe man sichs versieht, den Blüthenstaub an der Nase oder im Barte sitzend. Hat man zuvor den unteren Staubfaden durch- geschnitten, so schnellen bei Berührung der bezeichneten Stelle die seitlichen Stücke wie gewöhnlich nach aussen, aber der Blüthenstaub kann natürlich nicht weggeschleudert werden ; es bleibt dann gewöhnlich der untere Staubbeutel mit einem der seitlichen Stücke verbunden und in diesem nun aus drei Staubbeuteln bestehenden Stücke bleibt der Blüthenstaub liegen. — Hat man den untern Staub- faden, einen der oberen und den dazwischenliegenden seitlichen durchgeschnitten, so biegen sich die beiden übrigen in derselben Weise wie nach dem Platzen des Knopfes nach aussen ; da nun alle Spannung der seitlichen und oberen Staub- fäden aufgehört hat, kann man die sonst so empfindliche Stelle auf jede Weise misshandeln, ohne dadurch den Knopf zu sprengen. Um das Ausschleudern des Blüthenstaubes zu veranlassen, bedarf es nur einer ganz leisen Berührung an der bezeichneten Stelle. In meiner Stube hatte ich Mühe, die zn Versuchen bestimmten Blumen vor den fliegen zu bewahren, die oft zur Unzeit den Knopf entluden. Im Allgemeinen natürlich störend, haben mir einmal diese zudringlichen Eingriffe der Fliegen einen guten Dienst geleistet. Ich hatte im Freien einigemal den Blüthenstaub auf dem oberen Blumenkron- zipfel liegend gefunden und wusste mir das nicht recht zu erklären, bis ich sah, wie eine Fliege in eine erst halb geöffnete Blume kroch und hier die Staubladung abschoss, die nun natürlich gegen den noch darüber gewölbten oberen Zipfel der Blumenkrone geworfen wurde. Nachdem die Blume eine Zeitlang geöffnet ist, erfolgt die Entladung auch, wenn man den untern Theil der Naht zwischen den beiden oberen Staubbeuteln berührt. Ohne äusseren Anstoss scheint keine Entladung stattzufinden. Eine Blume, die ich vor Insekten geschützt hatte, begann bereits zu welken, als am siebenten Tage nach dem Aufblühen durch eine zufällige Berührung der Schuss losging. Indem der untere Staubfaden, den Blüthenstaub auswerfend, nach oben schnellt, legt er sich über den Schlund der Blumenkrone und verschliesst den- selben bis auf einen schmalen Spalt jederseits (Fig. 2, D). Sein oberes Ende drückt fest gegen den Rand des Schlundes und biegt sich noch stärker, wenn man diesen wegschneidet. — Der Staubfaden wird nach oben geschnellt und hier festgehalten durch die pralle Füllung der Zellen seiner Rückenwand; wenn man die Rückenhälfte abspaltet, richtet er sich gerade in die Höhe. (Der Versuch ist mir oft misslungen, indem ich bald zu viel, bald zu wenig weggeschnitten hatte.) Spaltet man den unteren Staubfaden bald nach der Entladung des Blüthenstaubes in zwei seitliche Hälften, so biegen sich dieselben ebenso stark nach aussen, als sie nach oben gekrümmt sind. Die Spannung, die das Aufwärtsschnellen des Staubfadens bewirkte, liegt also nur im mittleren Theile der Rückenwand und überwiegt ebenso sehr die der Seitentheile dieser Wand, als die der Innenwand. Somit hat die grosse Breite, die diesen Staubfaden vor den übrigen auszeichnet, nichts mit dem Aufwärtsschnellen zu thun und scheint keinen anderen Nutzen zu haben als den, den Schlund der Blume vollständiger zu schliessen. Etwa acht bis zwölf Stunden nach der Entladung des Blüthenstaubes beginnt der untere Staubfaden sich langsam zu erheben, etwa zwei Stunden später steht Ueber die Befruchtung der Martha fragrans. ^q-i er aufrecht, um dann noch langsamer sich nach aussen zurückzubiegen. Diese zweite dem blitzschnellen Aufwärtsschlagen folgende langsame Bewegung, durch welche der verschlossene Schlund der Blume wieder geöffnet wird, beruht auf einem Einschrumpfen oder Vertrocknen der Rücken wand des Staubfadens. Früher weiss, nimmt dieselbe jetzt eine gelbliche Farbe an. — Man kann das Aufrichten sehr rasch bewirken, wenn man die Blume (die Rückenfläche des Staubfadens nach unten gewandt) über einer brennenden Lampe hin- und herfährt. Der Griffel, der in seiner oberen Hälfte schraubenförmig gedreht ist, rtdcht etwa bis in die Mitte der Röhre der Blumenkrone; in einer Röhre von 112 mm Länge hatte er genau 56 mm, in einer andern 108 mm langen Röhre hatte er 60 mm. Die Narbe ist behaart und zweispaltig; in der Knospe liegen die beiden Hälften aneinander, später weichen sie auseinander. Im Grunde der Röhre findet sich eine ansehnliche Menge Honig, der bis- weilen bis über Ve ihrer Länge füllt. — Die Blume ist, wie schon bemerkt, von reiner weisser Farbe und verbreitet einen starken ungemein lieblichen Wohlgeruch. Es sei hier beiläufig bemerkt, dass weisse Farbe und starker süsser Duft sich sehr häufig beisammen finden. Alle unsere stark duftenden Rubiaceen (Coffeä, Gardenia, Randia) sind weissblühend. Unsere zahlreichen gelben und rothen Apocyneen (Allamanda, Echites, Prestonia, Condylocarpon, Lochnera) sind geruchlos, während eine schneeweisse Tabernaemontana die Luft weithin mit betäubend süssem Dufte füllt. Ebenso entbehren unsere blauen, violetten oder rothen Winden (Qua- moclit, Ipomoea) des Geruches, während die weissen Riesenblumen von Calonyction lieblich duften. Neben gelben fast geruchlosen haben wir in unseren Gärten und halbverwildert stark riechende weisse Arten von Hedychium und Jasminum. Diese wenigen Beispiele mögen genügen ; jeder Pflanzenkenner wird zahlreiche andere hinzufügen können. Wahrscheinlich werden alle diese weissen duftreichen Blumen von nächtlichen Insekten besucht, die, durch die weisse Farbe und den Wohl- geruch angelockt, ihre Befruchtung bewirken oder unterstützen. Calonyction, das mit unserer Martha fragrans auch die ungewöhnliche Länge der Blumenröhre gemein hat, öffnet sich gegen Abend und welkt kurz nach Sonnenaufgang. Bei Martha fragrans wird nur ein Dämmerungsfalter mit langer Rollzunge den Honig aus dem Grunde der langen Röhre schlürfen nnd nur ein solcher den Blüthenstaub zu der tief verborgenen Narbe bringen können. Nun, wenn ein solcher Schmetterling durch den Duft oder die weisse Farbe einer frisch geöffneten Blume angelockt zu ihr heranfliegt, wird er die Oeffnung der Röhre, die in ihrer Tiefe seine süsse Nahrung birgt, rings von den aufrechtstehenden Staubfäden ver- sperrt finden und nur zwischen den beiden oberen Staubfäden bleibt ihm ein weites Thor geöffnet. Will er aber hier seine Zunge einschieben, so wird er fast unfehlbar an einen der Punkte stossen, deren Berührung den ihm gestellten Selbst- schuss entladet. Seine Rollzunge wird von dem kräftig dagegen geschleuderten Blüthenstaube überstreut und zugleich wird ihm der Eingang zum Honigvorrath vor der Nase zugeschlagen und erst nach zwölf Stunden wieder geöffnet. Auf diese We ise wird die Befruchtung der Blume durch ihren eigenen Blüthenstaub verhindert. — Wahrscheinlich wird sich der getäuschte Schmetterling zu trösten wissen, indem er eine andere Blume — (vielleicht, von dem Schusse verscheucht, an einem anderen Strauche) — aufsucht, deren unterer Staub- ■iQA Ueber die Befruchtung der Martha fragrans. faden sich bereits nach aussen gebogen hat und ihn ohne weitere FährHchkeit die Rollzunge bis zum Grunde der Röhre einführen lässt, — wobei dann die durch die ganze Breite der Röhre sich ausspreizende haarige Narbe den anhaftenden Blüthen- staub abfegen und sich so mit dem Staube einer anderen Blume befruchten wird. Wer in einer mondhellen Nacht bei einem Strauche Wache stehen wollte, würde wohl Zeuge dieses Befruchtungsvorganges werden können, der übrigens so einfach aus dem Baue und den Lebenserscheinungen der Blume sich ergiebt, dass er kaum einer weiteren Bestätigung bedürftig scheint. Dass die Entladung des Staubbeutelknopfes vorzüglich des Nachts und durch Insekten stattfindet, unterliegt übrigens keinem Zweifel. Ich habe meine Pflanzen während mehrerer Wochen täglich besucht und mit einer Ausnahme (5. Decbr.) des Morgens stets fast alle Blumen entladen, gegen Abend aber zahlreiche gefüllte Knöpfe gefunden. So zählte ich am Morgen des 9. Decbr. 44 Blumen, deren unterer Staubfaden den Schlund schloss, die also während der letzten 8 bis 12 Stunden, also in der Nacht abgeschossen worden waren und 5 noch geladene Blumen ; gegen Sonnen- untergang fanden sich 9 im Laufe des Tages entladene, 23 bereits geöffnete schussbereite und eine grössere Zahl dem Aufbrechen nahe Blumen. Früh am nächsten Morgen wurden 53 im Laufe der Nacht entladene Blumen gezählt, deren unterer Staubfaden den Grund schloss oder sich zu heben begann ; von den 7 unentladenen waren mehrere so zwischen Blättern versteckt, dass sie einem Schmetterlinge kaum zugänglich waren. Nur einmal, am 5. Decbr., fand ich des Morgens nur 2 während der Nacht entladene neben etwa 20 schussbereiten Blumen ; es hatte die ganze Nacht vom 4. zum 5. December sanft geregnet. Die nächtlichen Schützen, die bei Regenwetter feiern, sind ohne Zweifel Insekten. Desterro, December 1865. Erklärung der Abbildungen auf Tafel XXIX. Fig. I. Knospe von Martha (Posoqueria?) fragrans, der Länge nach durchschnitten. Fig. 2. Frisch geöffnete Blume. A Seitenansicht vor der Entladung; x die Stelle, auf deren Berührung die Entladung folgt. — Der Pfeil zeigt die Richtung des Schusses // Seitenansicht nach der Entladung; C Ansicht von oben vor und D nach der Entladung. Fig. 3. Längs durchschnittene Blume kurz nach der Entladung. Fig. 4. Eine solche, einen Tag nach der Entladung. Fig- 5- Querschnitt des unteren Staubfadens. Fig. 6. PüUenkorn, 10 Stunden nach der künstlichen Befruchtung von der Narbe genommen. Nachwort zu vorstehendem Aufsätze^). Von D. F. L. V. Schlechtendal. Ob die von Hrn. Müller beobachtete Pflanze wirklich eine neue Gattung sei, wird nicht eher zu entscheiden sein, als bis dieselbe mit der von Hrn. Prof. Dr. Karsten in Berlin beschriebenen und (nach getrockneten Exemplaren?) von Hrn. Prof. Schmidt abgebildeten Gattung Stannia (beruhend auf der einen Art, St. formosa Karst., bei Tovar in der Nähe von Caracas gefunden) verglichen worden ist, unter gleichzeitiger Beobachtung der Aublet'schen Gattung Poso- queria. Obwohl nämlich die Karsten'sche Pflanze (s. dess. Ausw. n. u. schön blühender Gew. Venezuela's, Heft II. p. 27. t. IX.) durch die Bildung ihrer Staub- gefässe eine grosse Aehnlichkeit mit der Pflanze Müller's zu haben scheint, so sind doch noch manche Verschiedenheiten zu beachten und manche Mängel in der Beschreibung durch weitere Betrachtung der lebenden Pflanzen zu beseitigen, ehe ein entscheidendes Urtheil über die beiden Pflanzen abgegeben werden kann, von denen die eine, als ein 12 — 20 F. hohes Bäumchen, auf den mit Urwald bedeckten Gebirgen bei der Colonie Tovar in einer Höhe von 5 — 6000 F. in der Nachbarschaft von Caracas (ungefähr zwischen dem 9 — lo*' S. Br.) von Karsten gefunden ward, die andere aber, als ein Strauch, in der Nähe von Desterro auf der Insel Sta. Catharina (ungefähr zwischen dem 47 — 48*^ S. Br.) durch Fr. Müller beobachtet wurde. Die verschiedene Richtung der beiderseitigen Blumen, das Fehlen der Angaben über die Knospenverhältnisse der Blumenkrone und über die genauere Beschaffenheit der Corollentheile und deren Neigung zur Symmetrie, so wie das Fehlen der eigentlichen Formen und des Zusammenhangs der Staub- fäden und Antheren, über das Trennen der letzteren von einander, über den Geruch der Blumen; weiter die Unkenntniss über die Frucht- und Blattbildung der Pflanze (von Sta. Catharina fordern zu einer genauen Vergleichung beider Gewächse im frischen Zustande auf, von denen es allerdings sehr wahrscheinlich ist, dass sie einer Gattung, aber wohl zweien verschiedenen Arten angehören. Was die Gattung Posoqueria betrifft, so giebt Karsten schon an, dass Stannia sich von ihr durch die ungleich langen (oder wie ich lieber sage, durch die sym- metrisch gebildeten) Staubgefässe unterscheide, und durch die gerade aufrechten, nicht herabhängenden Corollen, durch welche sie sich aber der Müller'schen i) Botanische Zeitung 1866. 24. Jahrg. p. 133. Fritz Müllers gesammelte Schriften. 3o6 Nachwort zu vorstehendem Aufsatze. mit wagerecht stehenden nähern würde. Aber auch die Staubgefässe von Poso- queria verdienen eine genauere Beachtung, denn ich sehe an der Abbildung in der Encyclopedie methodique, welche doch gewiss von Au biet entnommen ist, dass die Staubgefässe auch nicht gleich gebildet sein müssen {obwohl davon in E n d 1 i c h e r's Genera nichts steht), während De Candolle sie auch inaequalia nennt, weil unter Fig. c, c zwei verschiedenartige abgebildet sind, auch das „Alabastrum hinc gibbum" deutet an, dass hier eine Neigung zur S3^mmetrie vor- handen sei und dass daher auch hier eine Ungleichheit der Corolleneinschnitte und ein Zusammenhängen der Antheren stattfinden könne, mithin wohl kein zwingender Grund zur Annahme neuer Gattungen vorhanden sei. Der Blüthen- stand scheint bei allen eine Cyma composita zu sein, deren einzelne Cymen aber nur 3 — I blumig sind, doch ist nach Abbildungen allein darüber schwer ein Urtheil zu fällen und ich habe bei dieser ganzen Betrachtung absichtlich von der Unter- suchung der wenigen Herbarien-Exemplare, welche ich besitze, abgesehen, da eine Untersuchung der Lebenserscheinungen doch nur an der lebenden Pflanze vorgenommen werden kann. Ueber Baianus armatus und einen Bastard dieser Art und des Baianus improvisus var. assimilis Darw/). Mit Tafel XXX, XXXI und XXXII. I. Darwin hat bei Acasta purpurata, die in der Rinde einer Isis, so wie bei Acasta cyathus und sulcata, die in Schwämmen leben, am äusseren Aste des vierten Paares der Rankenfüsse den vorderen Rand einiger der unteren Gheder mit starken abwärts gekrümmten Zähnen bewehrt gefunden, durch welche, wie er glaubt, diese Glieder in kieferähnliche Gebilde verwandelt und wunderbar passend werden, irgend welche Beute zu fassen, (Darwin, Balanidae S. 84 und S. 311.) Von keinem anderen Rankenfüsser ist bis jetzt eine ähnliche Bewaffnung bekannt geworden. Als ich zum ersten Male in einen Schwamm eingebettete Balaniden traf, sah ich mich natürlich sofort nach dieser Bewaffnung um und hatte die Freude, beide Aeste eines der Rankenfüsse mit ähnlichen aber in weit grösserer Zahl entwickelten Zähnen ausgerüstet zu finden. Allein bei näherer Untersuchung ergab sich zu meiner grossen Ueberrcischung, dass bei meiner Art nicht das vierte, sondern das dritte Paar die Zähne trug und dass dieselbe keine Acasta war, son- dern ein ächter Baianus mit porösen Wänden und poröser Basis, im Gehäuse kaum zu unterscheiden von Baianus trigonus Darw. Vorkommen. Dieser Baianus armatus, wie ich ihn wegen der reichen Bewaffnung seiner Ranken nenne, lebt fast ausschliesshch in Schwämmen. Die drei ersten aufeinandersitzenden Gehäuse, zwei noch mit dem Thiere, traf ich am Strande ausgeworfen und ziemlich abgerieben; sie schienen nicht einem festen Körper aufgesessen zu haben und an geschützten Stellen, besonders unter der tief ausgehöhlten Basis des einen, fand sich lockere Schwammmasse, die sich nach den Nadeln als einer hier nicht seltenen grossen schwefelgelben Papillina ent- stammend bestimmen Hess. Da indess diese Papillina, (und vielleicht überhaupt die ganze Gattung Papillina Schmidt) nichts anderes ist als eine Vioa, die sich in Schneckenhäusern und anderen Kalkgebilden ansiedelt, sie durchlöchert und mit i) Archiv für Naturgeschichte 1867. I. p. 329 — 356. Taf. VII— IX. io8 Ueber Baianus armatus. der Zeit fast ganz verzehrt, um endlich sie weit überwuchernd zu kuchenförmigen Massen anzuwachsen, die bis über einen Fuss Durchmesser erreichen können, so bheb es zweifelhaft, ob in diesem Falle der Baianus den Schwamm oder der Schwamm den Baianus aufgesucht hatte und dies um so mehr, da die Gehäuse mehrfach von dem Schwämme angefressen waren. — Später habe ich den Baianus armatus oft und zahlreich in einer Reniera wiedergefunden, die in Gestalt, Farbe und Nadelform der Reniera aquaeductus Schmidt nahe steht und sich besonders durch ihr sehr entwickeltes, so leicht wie beim Badeschwamm auswaschbares Fasergerüst auszeichnet. Sehr selten (nur einmal traf ich bis jetzt drei Stück), ist der Baianus in einem unserer gemeinsten Schwämme, der als dunkelrothe mit steilen zackigen Berggipfeln besetzte Masse ganze Felswände überzieht und in seinen Hartgebilden an Reniera digitata Schmidt sich anschliesst. — Um so. häufiger ist er dagegen an einem achtstrahligen Polypen, Carijoa rupicola F. M. ^), der etwa mannstief unter dem mittleren Wasserstande an einem einzeln stehenden Felsen {nicht weit vom Ufer am Südende der Praia de fora) wuchert und dichte schwach verästelte bis 0,15 m hohe Gebüsche bildet. Den etwa 2 mm dicken fleischfarbenen Stamm dieses Polypen pflegt ein dunkeldottergelber Schwamm mit stecknadelförmigen Kieselnadeln als dünne Kruste zu überziehen und an solchen i) Carijoa rupicola (Fig. 56). Der ganze bis 0,15 m hohe, gerade aufsteigende oder leicht ge- bogene, etwa 2 mm dicke Stamm des Polypenstocks wird gebildet von einem einzigen Polypen, der seine Tentakel am Ende desselben entfaltet und dessen Leibeshöhle den ganzen Stamm durchzieht. Der Polyp kann sich ins obere Ende des Stammes zurückziehen. Dieser zurückziehbare Theil ist schneeweiss. Die ge- fiederten Tentakel laufen in einen dünnen Endfaden aus, der knotig erscheint, wie ihre schlanken seitlichen Anhänge. Unterhalb des Tentakelkranzes finden sich einige zarte Kalknadeln. Die das Magenrohr um- gebenden Scheidewände setzen sich durch die ganze Länge des hohlen Stammes fort als acht schwach vor- springende Längslinien; zwei derselben, die nebeneinanderliegen, tragen einen wellig gebogenen häutigen Saum mit verdicktem Rande, in welchem sich ebenfalls in der ganzen Länge des Stammes die dunkelge- färbten, bräunlich violetten Eier entwickeln. Die Wand des Stammes ist unten bis etwa 0,5 mm dick ; nach oben wird sie dünner und biegsam; im unteren Theile erscheint der Stamm glatt, im oberen weicheren Theile von acht Längsfurchen durchzogen. Vorspringende Kalknadeln fehlen. Die Wand erhält Festigkeit durch dichtgedrängte Kalknadeln (Fig. 57), die in der Achse parallelen Ebenen in allen möglichen Rich- tungen gelagert sind, sie sind gerade oder schwach gebogen mit mehr oder minder zahlreichen Knoten un- regelmässig besetzt, die einen sind länger (durchschnittlich 0,25, einzelne über 0,5 mm), schlanker, glatter; die anderen, durch Zwischenformen in erstere übergehend, kürzer, plumper, mit zahlreicheren, stärkeren Vorsprüngen besetzt. Letztere finden sich stellenweise mit einander verschmolzen. — Von dem Stamme entspringen zahlreiche Aeste, meist 4 — 5 in nahezu gleicher Höhe; die grosse Mehrzahl derselben bleibt kurz (etwa 4 mm lang) und einfach; einzelne verlängern sich und treiben dann ihrerseits wieder seitliche Zweige. Aeste und Zweige gleichen in ihrem Bau vollständig dem Stamme. Jeder trägt am Ende einen Polypen und ist von dessen Leibeshöhle durchzogen. Die Leibeshöhlen der einzelnen Polypen, die als Stamm, Aeste und Zweige den Polypenstock zusammensetzen, stehen nicht mit einander in Verbindung. Vom unteren Ende des Stammes entspringen dünnere Röhren, die als Wurzeln dienen nnd wo sie glatten Flächen aufliegen, sich oft abplatten und verbreitern. Bisweilen verwachsen zwei benachbarte Aeste ober- flächlich mit einander; häufiger geschieht dies bei den Wurzeln. — Am Lichte verbleicht die Farbe der getrockneten Polypenstöcke sehr rasch vollständig. Auch frisch sind einzelne Stöcke fast farblos, andere aber auch weit dunkler gefärbt, als der Fig. 56 dargestellte. — Der Name Carijoa ist abgeleitet von dem der Bewohner unserer Insel zur Zeit der Entdeckung durch die Europäer, der Carijös. — Ausser dem dottergelben Ueberzuge finden sich minder häufig noch 4 oder 5 Reniera-Arten der Carijoa aufsitzend, dunkelroth, blassviolett, grünlichgrau und schneeweiss gefärbt; man kann sich nichts Bunteres denken, als ein solches gleichzeitig, wie ich es gesehen habe, von all diesen Schwämmen durchsetztes und umhülltes Carijoagebüsch. Ueber Baianus armatus. 309 schwammbedeckten Polypenstämmen fehlt nur selten der Baianus armatus ; er sitzt da manchmal zu 10—12 dicht aneinandergedrängt und ist ebenfalls bis zur Mün- dung von dem Schwämme überkleidet. — An demselben Felsen leben noch vier andere Balaniden; zu oberst, über dem mittleren Wasserspiegel, Chthamalus stellatus, an der unteren Grenze dieser Art und meist dicht von ihr bedeckt, Tetraclita porosa, besonders an der Seeseite; ein wenig tiefer sitzen einige grosse Gehäuse von Baianus tintinnabulum, dann folgt, bis ins Bereich der an der Landseite des Felsens angesiedelten Carijoa hinabreichend, Baianus improvisus var. assimilis. Letzteren findet man auch in einzelnen Stöcken an Carijoa, bisweilen dem B. ar- matus aufsitzend, oder ihm als Unterlage dienend. Ein einziges Mal habe ich einen kleinen nur 8 mm hohen B. tintinnabulum an Carijoa angetroffen. Bisweilen, doch ziemlich selten, findet man B. armatus an Felsen festge- wachsen. Einmal traf ich zwei Gehäuse in Gesellschaft von zahlreichen B. im- provisus var. assimilis an einer lebenden Purpurschnecke. Endlich besitze ich zwei Stück, die neben einander auf der Röhre einer Serpula (Eupomatus flori- bundus F. M.) sitzen, welche dicht daneben zwei Gehäuse von B. improvisus var. assimilis trägt. Dieser gemeinste aller hiesigen Balanen findet sich bisweilen sogar in Reniera als Begleiter des B. armatus vor. Allgemeines Aussehen, Das Gehäuse des B. armatus ist nach Gestalt und Farbe sehr wechselnd in seinem allgemeinen Aussehen (Fig. i — 13). Zum grossen Theile ist, wie bei anderen Arten, so auch hier diese Verschiedenheit bedingt durch die Unterlage, auf der sich das Thier angesiedelt hat. Am regel- mässigsten sind daher im Allgemeinen die in weiche Schwämme eingebetteten Gehäuse, deren Entwickelung nirgends auf Hindernisse stösst. Man findet die- selben hier meist steil kegelförmig, bisweilen fast cylindrisch (Fig. 11), den Längs- durchmesser (vom Rostrum zum Kiel) meist etwas grösser als den Querdurch- messer, Rostrum und Kiel ziemlich gleich hoch, die Basis stets hohl und zwar meist in hohem Grade. Hierin also stimmt B. armatus mit dem verwandten B. spongicola überein und unterscheidet sich wie dieser von den schwammbe- wohnenden Acasta, bei denen die Basis mit starker Wölbung vorspringt. Selbst in Reniera aber fehlen sehr abweichende Formen nicht; ich habe Gehäuse ge- sehen, bei denen das Rostrum nur halb so hoch, und wieder andere (Fig. 12), bei denen es über doppelt so hoch war, als der Kiel. Besonders mannichfaltig ist die Gestalt der auf Carijoa sitzenden Gehäuse (Fig. I — 9 u. 13); sie ist verschieden, je nachdem sie längs oder quer, oder schief dem Polypenstamme aufsitzen, der meist eine tiefe Furche in der Basis bildet. Diese ist in der Richtung der Furche verlängert und dies hat wieder Einfluss auf das ganze Gehäuse, so dass noch in der Mitte der Höhe die Breite von V5 bis % der Länge wechselt. Nicht selten sind die einzelnen Gehäusstücke von sehr verschiedener Höhe, bisweilen die sämmtlichen Stücke der einen Seite doppelt so hoch als die der anderen (Fig. 6). Selten ist die Furche der Basis zu einer vollständigen Röhre geschlossen; so in Fig. 9, wo man zwischen Rostrum und Seitenstück die Oeffnung der in der Mitte der Basis beginnenden Röhre sieht, oder in Fig. 13, wo die Oeffnung oben vom Seiten- und Kieselseitenstücke, seit- lich und unten von Rostrum und Kiel begrenzt wird. — Einmal traf ich Baianus armatus der Spitze eines Zweiges aufsitzend (Fig. 5) und hier bildete die Basis . ^ ^ Ueber Baianus armatus. um den Zweig ein kegelförmiges Rohr, länger als die halbe Höhe des Gehäuses; der Durchmesser der Basis war nur halb so gross als die Länge der Mündung. In anderen Fällen wieder (Fig. 8) ist die Basis über doppelt so lang als die Mün- dung. Auch in der Glitte bauchig aufgetriebene Gehäuse kommen \or (Fig. 2 u. 9). Eine besonders auffallende Form ist die, welche ich Fig. 13 (A von hinten, B von der Seite) gezeichnet habe. Das Gehäuse sitzt quer auf dem Carijoastamme. Rostrum und Kiel sind ungewöhnlich breit, fast gleichseitig dreieckig; sie um- fassen den Stamm und stossen unter ihm auf einer Seite in einer scharfen Kante zusammen ; dagegen sind die Wände der Seiten- und Kieselseitenstücke nur ganz schmale Streifen. Doch man müsste hundert und aber hundert andere und wieder andere Formen zeichnen, wenn man die Mannichfaltigkeit dieser an Carijoa an- gesiedelten Balanen erschöpfen wollte. Vorherrschend ist indess auch hier und ebenso bei den an Felsen sitzenden Gehäusen eine steile Kegelform. Die beiden an Purpura beobachteten Gehäuse waren flacher als gewöhnlich, ihre Wände minder steil, die Basis grösser im Vergleiche zur Mündung. Die Oberfläche der Wände ist meist glatt, seltener mit unbedeutenden Längs- rippen versehen; stärkere Rippen pflegen die an Felsen sitzenden Gehäuse zu haben. Die Farbe der Wände ist bald ganz blass, bald sind sie heller oder dunkler schmutzig bräunlich purpurn gestreift. Die Radien pflegen eine mehr oder minder deutliche schmutzige Purpurfarbe zu zeigen. Nicht selten zeigt sich eine auf- fallende Farbenverschiedenheit zwischen den beiden Seiten desselben Gehäuses; kann man hierbei an den Einfluss des Lichtes denken, so ist diese Erklärung nicht anwendbar auf eine Gruppe von drei Gehäusen, von denen das unterste grösste ungewöhnlich dunkel gefärbt, das zweite daraufsitzende fast weiss ist, und das dritte jüngste, das dem zweiten aufsitzt, besonders deutliche weissliche Rippen und dazwischen hellbraune Streifen hat. Die Scheide ist blass; die Deckelstücke bald blass, bald dunkel, meist aber wenigstens nach der Spitze zu röthlich. Die Oberhaut fand ich nie an den Radien, selten in Spuren am vmteren Theile der Wände erhalten; doch besitze ich ein Exemplar aus Reniera, dessen Wände noch vollständig von einem gelblichen Häutchen bedeckt sind und dessen Radien ausserdem durch ihre weisse Farbe sich auszeichnen (Fig. 1 1). So verschieden nun in Gestalt und Färbung die Gehäuse des B. armatus auch sein mögen, so stimmen sie doch alle vollständig überein in der eigenthüm- lichen Form ihrer Mündung, die an die des Bai. trigonus erinnert, aber abweichend von letzterer Art stets deutlich gezähnt ist^). Die Radien sind immer schief, am meisten die des Rostrum ; ihre freien Ränder pflegen mit der Wand des Rostrum einen Winkel von etwas unter, mit der des Seitenstücks von etwas über 60 "^ zu bilden und etwa in der Mitte den Alae des Seitenstücks zu begegnen. Ebenso begegnen sich etwa in der Mitte die Ränder der Radien des Seitenstücks und der Alae des Kielseitenstücks, während die Ränder der Alae des Kiels erst dicht an den Wänden der Kielseitenstücke auf deren Radien stossen. Wie die Zähnelung der Mündung, so sieht man als zweite Eigenthümlichkeit an allen wohlerhaltenen Gehäusen, dass das Rostrum an der Mündung etwas nach innen gebogen ist. l) Die einzige, aber wohl nur scheinbare Ausnahme bilden die drei Gehäuse, die ich am Strande ausgeworfen gefunden habe; ihre Mündungen sind ganzrandig und ungezähnt; doch glaube ich, dass sie ihre Zähne erst beim Umhertollen im Meere und in der Brandung verloren haben. Ueber Baianus armatus. 3" Betrachtet man die Mündung von oben (Fig. 14), so tritt die Zähnelung derselben nicht hervor und man sieht dann auf die grösste Breite der Mündung als Basis einerseits ein gleichschenkliges Dreieck aufgesetzt, dessen Spitze mit einem Winkel von 50 — 54° von dem Kiele gebildet wird, andererseits ein niedriges Trapez, dessen ein wenig nach innen gebogene kleinere Basis die Radien des Rostrum bis zu ihrem Kreuzungspunkte mit den Alae der Seitenstücke bilden. Die Seiten des Dreiecks reichen von der Spitze des Kiels bis nahe an die Spitzen der Seiten- stücke; die Höhe des Trapezes ist etwa Y4 von der des Dreiecks, die Höhe des Drei- ecks ungefähr seiner Basis, der grössten Breite der Mündung gleich. Die kleinere Basis des Trapezes misst etwa % der grösseren. — Fünfeckige Mündungen, aus einem Dreieck und einem Trapez gebildet, die die grösste Breite der Mündung zur gemeinsamen Basis haben, kommen auch sonst bei Balanen vor, z. B. bei B. improvisus var. assimilis; eigenthümlich aber ist dem B. armatus die geringe Höhe des Trapezes. Noch niedriger, fast verschwindend, wird dasselbe bei B. trigonus, so dass hier die Mündung wie ein gleichseitiges Dreieck mit zwei leicht abgestumpften Ecken aussieht. — Legt man eine Ebene durch die Spitze von Kiel und Rostrum, parallel der durch die Spitzen der Seitenstücke gehenden Geraden, oder um es mehr praktisch als mathematisch auszudrücken, legt man ein Lineal in der angegebenen Richtung auf die Spitzen von Kiel und Rostrum, so sieht man, dass die Spitzen der Kieselseitenstücke nicht ganz diese Ebene er- reichen, und dass die Spitzen der Seitenstücke noch etwas weiter davon abstehen. Es muss auffallen, wie ungemein selten und in wie geringem Grade die Regel- mässigkeit der Mündung durch die grössten Unregelmässigkeiten des Gehäuses gestört wird. Grösse. In dem mit Reniera aquaeductus verwandten Schwämme fand ich nur kleinere Gehäuse, deren Durchmesser der Basis und deren Höhe selten 8 mm erreichte; grösser werden sie an Carijoa oder an Felsen; die grössten, die ich gesehen, sind die drei aus Papillina. — Hier einige Maasse: I. II. m. IV. V. VI. VII. Länge der Basis . . 6 7,3 ".3 8,3 20 14 6,2 Breite derselben . . 5 6,8 9,3 6,9 14 16 6,2 Länge der Mündung 3,6 5.1 6,9 5 6 6 2,6 Breite derselben . . 2,8 3,8 5,5 4 5,4 5 2 Höhe des Rostrum . 5.5 8,1 9.7 1,1 17 5 4 Höhe des Kiels . . 5.5 9.1 ri 8,5 4 12,4 2,8 I. Mittel aus 8 Messungen; Gehäuse aus Reniera. II. Mittel aus 5 Messungen; Gehäuse an Carijoa sitzend. III. Mittel aus 5 Messungen; Gehäuse an Felsen sitzend. IV. Mittel aus 20 Messungen, worunter die vorstehenden 18 inbegriffen sind V. und VI. Zwei der Gehäuse aus Papillina, die dem dritten leeren Gehäuse aufsitzen; V hat den Kiel, VI das Rostrum der Mündung des unterliegenden Gehäuses zugewandt; indem nun bei ersterem das Rostrum über 4mal so lang ist als der Kiel, bei letzterem der Kiel fast 3mal so lang als das Rostrum, werden die Ebenen der Mündungen aller drei Gehäuse nahezu gleichlaufend. VII. Gehäuse, das einer Purpura aufsitzt. S c u t a. Die Schilder sind sehr schmal ; der Schliessrand (occludent margin) ist fast oder völlig doppelt so lang als der Basalrand, der Rückenrand (tergal - . 2 Ueber Baianus armatus. margin) wenig kürzer als der Schliessrand. Die Spitze ist meist schwach aufwärts Gebogen, die Aussenfläche mit stark vorspringenden Anwachsstreifen und i bis 6 Längsreihen meist sehr tiefer, oft (Fig. 15) ansehnhch weiter Gruben bedeckt. Bei 28 aufs Gerathewohl herausgegriffenen Thieren fanden sich im unteren Theile der Schilder einmal jederseits 2, achtmal 3, ebenso oft 4, einmal 5, einmal 6 Reihen; ferner 6mal auf dem einen Schilde 3, auf dem anderen 4, zweimal einerseits 4, andererseits 5, endlich einmal auf einer Seite 5, auf der anderen 6 Grubenreihen. Eine einzige Reihe von Gruben habe ich nur bei den beiden auf Purpura sitzenden Thieren gesehen. Auf der Innenseite des Schildes (Fig. 16) sieht man eine nicht sehr breite Gelenkleiste (adductor ridge), die bis über die Hälfte oder selbst bis zum unteren Drittel des Schildes reicht und hier abgerundet oder mit einer kleinen Spitze endet. Die Adductorleiste ist unbedeutend und reicht kaum weiter als die Gelenkleiste nach unten. Bisweilen findet sich eine sehr zarte scharfe Längsleiste zwischen Gelenk- und Adductorleiste. Für den musculus depressor lateralis ist eine meist schmale und tiefe Grube vorhanden. Namentlich bei grösseren Thieren sind die Schilder oft von ungewöhnlicher Dicke. Terga (Fig. 17, 18). Diese stimmen ganz mit der von Darwin für Baianus trigonus gegebenen Beschreibung überein. Die 6 — 7 Leisten für den musculus depressor^) überragen nie den Basalrand des Rückenstücks. Die Borstenreihen i) Darwin's Angaben über die Wirknng der drei Muskelpaare, die vom Deckel nach dem Grunde des Gehäuses niedersteigen, scheinen mir nach dem, was ich namentlich an Tetraclita porosa gesehen, nicht ganz richtig zu sein. Durch die depressores scuti laterales wird nach Darwin der Deckel geöffnet. Plötz- liche Zusammenziehungen der depressores rostrales bewirken wahrscheinlich die Schläge, die das Thier mit der schnabelförmigen Spitze der Terga austheilt. Durch die gemeinsame Zusammenziehung der drei Paare wird der Deckel mit überraschender Kraft niedergehalten. Gehoben kann der Dekel nur werden durch den Druck des Körpers gegen die Basis (Darwin, Balanidae S. 62). Versucht man den Deckel einer Tetraclita porosa aus dem Gehäuse zu schneiden, so wird das Messer überall freien Weg finden bis auf zwei einander gegenüberliegende Stellen in der Gegend der Sporen. Hier liegt der Deckel der Scheide eng an; die Haut, die die Basis des Deckels mit der Scheide verbindet, ist hier schmäler und fester als sonst. So wird durch diese beiden Stellen eine freilich etwas verschiebbare Achse gebildet, um die sich der Deckel drehen kann. Man kann nun an frischen Thieren leicht die ein- zelnen Muskeln fassen und anziehen und so über ihre Wirkung Aufschluss erhalten. Wie schon die Be- festigungsweise des Deckels erwarten lässt, wird durch die depressores tergi der Kielrand der Rückenstücke niedergezogen, dagegen die Rostralecke der Schilder gehoben und der Schlussrand nimmt eine fast wag- rechte Lage an (Fig. 52). Diese Muskeln allein bewirken das kräftige Niederhalten des geschlossenen Deckels; derselbe stützt sich dabei mit dem Kielrande der Rückenstücke gegen die Scheide, die an dieser Stelle mehr oder weniger deutliche Spuren der Abnutzung zu zeigen pflegt. Durch die depressores scuti aber, die laterales sowohl als die rostrales, wird die Basis der Schilder niedergezogen, der Kielrand der Rückenstücke gehoben und der Schliessrand nimmt eine mehr oder weniger steile Lage an (Fig. 53). Weil nun seine Spitze weiter hervortritt, erscheint dabei der ganze Deckel gehoben; das ist aber nur scheinbar; man kann dieses Erheben der Spitze auch hervorbringen, indem man statt von innen an den depressores scuti zu ziehen, von aussen die Rostralecke der Schilder niederdrückt. — Ein Heben und Senken des ganzen Deckels findet überhaupt nur in ziemlich beschränktem Masse statt: in wie weit dabei ein An- stemmen des Körpers gegen die Basis mitwirkt, lasse ich unentschieden. Das Oeffnen des Deckels wird, glaube ich, nur durch das Andrängen des Thieres gegen die Deckel- spalte hervorgebracht ; die depressores laterales können ihn nicht öffnen. Wie man sich leicht an Deckeln überzeugt, die man mit der verbindenden Haut herausgenommen hat, drehen sich nämlich beim Oeffnen und Schliessen die beiden Hälften des Deckels um eine durch die Rostralecke der Schilder und die Kiel- ecke der Rückenstücke gehende Achse ; was über dieser Achse liegt, entfernt sich beim Oeffnen von der Mittellinie; was darunter liegt, nähert sich derselben. Die depressores scuti laterales aber gehen von unter- halb der Drehungsachse gelegenen Punkten nach unten und etwas nach aussen, können also unmöglich ihre Ansatzpunkte der Mittellinie nähern, wie es zum Oeffnen des Deckels nöthig wäre. Ueber Baianus armatus. 313 auf den Anwachsstreifen der Deckelstücke sind bei Baianus armatus, namentlich auf dem Schilde, stärker entwickelt als bei den wenigen anderen Arten, die ich vergleichen konnte. Kurz und zart sind sie auf der Kielseite (Fig. 19), bis über 0,2 mm lang und zart auf der Schildseite (Fig. 20) des Rückenstücks; von gleicher Länge, aber weit dicker und dichtgedrängt auf dem Schilde (Fig. 21). Es wechseln längere und kürzere Borsten, doch nicht als zwei scharf geschiedene Formen, wie es z. B. bei B. improvisus var. assimilis (Fig. 22) der Fall ist. Die Chitinstränge (tubuli Darw.), die von den Borsten aus wellig gebogen die Deckelstücke durch- setzen, verjüngen sich rasch zu zarten Fäden, die man beim Zerzupfen der durch Säure entkalkten Deckelstücke leicht aus der umgebenden Masse herauszieht^). Die Stücke des Gehäuses. Die Röhren, welche die Wände durch- ziehen, sind ziemlich weit, im obersten Theile dicht ausgefüllt, ohne quere Scheide- wände. Die Innenfläche der Wände ist meist in ganzer Länge, bisweilen nur unten längsgerippt. Die Radien sind aussen glatt, glänzend, mit feiner Streifung in doppelter Richtung, die eine den Scheidewänden, die andere der Naht (sutural edge) gleichlaufend; die erstere Streifung ist immer weit deutlicher; sie ist nicht bedingt durch Vorspringen der Scheidewände. Bei den Radien des Rostrum und der Seitenstücke steht diese Streifung ziemlich senkrecht auf der Wand der Seiten- stücke, bei den Radien der Kielseitenstücke senkrecht auf der Wand dieser Stücke. Innen sind die Radien, so weit sie nicht den Alae aufliegen, oft durch die vor- springenden Scheidewände feingerippt; meist sind diese Rippen sehr deutlich, bisweilen aber kaum wahrzunehmen und bisweilen sind die Radien innen ganz glatt. An den Scheidewänden der Radien, deren Zwischenräume bis zur Naht dicht ausgefüllt, aber oft durch röthliche Färbung von den weissen Scheidewänden ausgezeichnet sind, habe ich keine deutliche Zähnelung erkennen können. Die Nähte der Alae sind glatt. Die Scheide hat einen scharfen, frei nach unten vor- springenden Rand. Basis. Die Basis ist porös. Nur in sehr seltenen Fällen springt sie über den unteren Rand des Gehäuses vor. Auch bei den in Schwämmen angesiedelten Thieren sind die Kittröhren (Fig. 54. 55) wohl entwickelt, während sie von Darwin bei Acasta vermisst wurden. Nach der Behandlung der Basis mit Säure erscheinen sie als farblose, leere Röhren. Ihre Verästelung ist verschieden bei verschiedenen Thieren, aber genau dieselbe für die verschiedenen älteren und jüngeren Röhren desselben Thieres, so dass also die Aeste jedes jüngeren Kreises denen der älteren inneren gleichlaufen. Nicht selten kommen blind endende Aus- läufer vor (Fig. 55, a, b). Am Rande der Basis, den man selten wohlerhalten unter das Mikroskop bekommt, sah ich die Kittröhren in sehr feine netzförmig verbundene Reiserchen sich theilen, ähnlich wie es Darwin von Bai. tintinnabulum beschreibt und abbildet (Darwin, Balanidae. PI. 28. Fig. 4, a). Mundtheile. Die Oberlippe (Fig. 23) hat drei nahe beisammen stehende Zähne zu jeder Seite des mittleren Einschnitts. Die Kinnbacken (Fig. 24 — 26) haben vier deutliche Zähne; der fünfte fehlt bisweilen völlig; meist aber ist er als kleiner Höcker über der unteren Ecke des Kinnbackens zu unterscheiden; i) Bei Tetraclita porosa, wo die Chitinstränge bis zum Ende ziemlich dick bleiben, sah ich aus deren Ende ein blasses Fädchen hervorragen, als wenn ein Nerv in die Stränge einträte; zwischen den Borsten und den Chitinsträngen scheint eine Art Gelenk zu bestehen. , j , Ueber Baianus armatus. ich habe einmal bei demselben Thiere den fünften Zahn auf einer Seite unge- wöhnlich deutlich entwickelt gesehen, während er auf der anderen vollständig fehlte. Die Kiefer haben einen geraden Rand, mit einer ganz winzigen Kerbe (Fig. 27) unter den obersten Borsten, oder ohne eine solche (Fig. 28). Für die untersten Borsten ist kein Vorsprung vorhanden. Die oberste und die beiden untersten Borsten sind nur wenig länger als die längsten der mittleren. Nur etwa ein Drittel des oberen Kieferrandes ist behaart. Rankenfüsse. Erstes Paar: der längere Ast ist etwa doppelt so lang als der kürzere, bisweilen noch länger und hat fast doppelt so viel (18 — 20) Glieder; die letzten Glieder sind bedeutend länger als die unteren, walzenförmig und am Ende mit einem fast vollständigen Kranze von Borsten besetzt. Der kürzere Ast hat meist g— 1 1 kurze Glieder mit dicht beborstetem Vorsprunge an der Beuge- seite, der an den mittleren Gliedern am bedeutendsten ist. Zweites Paar: Kurz, plump, dicht beborstet ; der vordere oder äussere Ast mit 1 1 — 13 Gliedern, etwa nur ^/g — V4 länger als der innere; dieser ist 9— lo-gliedrig und etwa so lang, als der kürzere Ast des ersten Paares. — An abgeworfenen Häuten und meist auch sonst sieht man den längeren Ast gerade ausgestreckt, den kürzeren leicht gekrümmt. Drittes Paar: Vom Grunde dieses Fusspaares zieht sich eine dicht mit langen dünnen Haaren besetzte Linie nach dem Rücken in die Höhe. Ihrer Länge und Gestalt nach halten die Ranken dieses Paares die Mitte zwischen den kurzen und plumpen Ranken des vorhergehenden und den langen schlanken Ranken der folgenden Paare. Der unbedeutend längere vordere oder äussere Ast hat etwa 15 — 17 Glieder, der hintere 1 oder 2 weniger. Die Aeste sind ungefähr so lang wie der längere Ast des ersten Paares. Eine grössere oder geringere Zahl der Glieder beider Aeste sind an der Beugeseite mit starken gekrümmten Zähnen bewaffnet; bei jüngeren Thieren ist die Bewaffnung schwächer und auf einige der mittleren Glieder beschränkt; bei grösseren Thieren pflegen nur die beiden letzten Glieder des äusseren , die vier oder fünf letzten Glieder des inneren Astes der Zähne zu entbehren. Immer ist die Bewaffnung des äusseren Astes (Fig. 44) stärker als die des Innern. — Diese hakig nach abwärts gebogenen Zähne (Fig. 46) halten nicht nur den oberen Theil des stark vorspringenden Randes der Beugeseite der Glieder besetzt, sondern erstrecken sich von da aus, allmählich kleiner werdend und endlich in winzige Spitzchen übergehend, über einen grösseren oder geringeren Theil der Aussenfläche der Glieder. Dieser mit Zähnen und Flaken besetzte Theil erhebt sich meist als flache Wulst ein wenig über seine Umgebung. Ausser den Zähnen der Beugeseite finden sich besonders an den unteren Gliedern spitze nach oben stehende Dörnchen an der Streckseite, einige ebenfalls aufwärts gerichtete Dornen an der Aussenseite des oberen Randes und ebenda oft mehrere Gruppen sehr zarter Spitzchen. Die mittleren Glieder des äusseren Astes tragen nach innen von dem Zahn- besatze zwei bis vier Borstenpaare; zu diesen gesellt sich früher oder später eine erst einfache, dann mehrfache Reihe von Borsten am Innenrande des oberen Endes der Glieder und endlich an den letzten Gliedern ein dichter unregelmässiger Borstenbesatz, der oft einen grossen Theil der Innenfläche bedeckt. Am inneren Aste sind schon an den unteren Gliedern die Borsten der Innenfläche zahlreicher. Ueber Baianus armatus. 315 Viertes bissechstesPaar: Die Ranken der letzten drei Fusspaare findet man selten alle unversehrt ; bald fehlt der einen, bald der anderen ein grösseres oder kleineres Stück. Diese Verluste werden bekanntlich mehr oder minder vollständig ersetzt, indem sich in den letzten der gebliebenen Glieder eine Zahl von neuen Gliedern bildet und nach der nächsten Häutung in Thätigkeit tritt. Die Häufig- keit solcher Verstümmelungen erlaubt kaum, etwas über die Gliederzahl dieser Ranken zu sagen. An den letzten Paaren kann dieselbe bis über 45 steigen, und ihre Länge ist oft mehr als ßmal so gross, als die des dritten Paares. Die Glieder aller dieser Ranken sind dünner, aber weit länger als die der vorderen Paare; die oberen Glieder tragen an der Beugeseite fast immer vier Borstenpaare, am vierten Fusspaare manchmal nur drei. Am vierten Fusspaare pflegt die Rückenseite des ersten Gliedes des äusseren Astes mit ziemlich starken aufwärts gerichteten Zähnchen bewehrt zu sein; an den mittleren Gliedern beider Aeste, besonders aber des äusseren, findet man meist ausser den kurzen spitzen Dornen an der Aussenseite des Endrandes in deren Nähe noch mehr oder minder zahlreiche aufwärtsgerichtete Dornen über die Aussenfläche des Gliedes zerstreut; in seltneren Fällen verwandeln sich diese Dornen am äusseren Aste in abwärts gerichtete schwach gekrümmte Zähne, so dass dann (Fig. 47) eine ähnliche, aber freilich weit schwächere Bewaffnung ent- steht, als am dritten Paare. Das fünfte Fusspaar ist ausgezeichnet durch einen starken, etwas gekrümmten, aufwärtsgerichteten Zahn (Fig. 48), der am Anfange der Rückenseite des zweiten Stielgliedes steht; meist folgt ihm noch ein ähnlicher kleinerer Zahn, seltener deren zwei (Fig. 48), oder gar keiner. Am sechsten Fusspaare sind die Stielglieder und die ersten GHeder der Ranken auf der Rückenseite mit sehr zahlreichen kurzen, anliegenden, aufwärts- gerichteten Spitzchen bedeckt. Ruthe. Am Grunde der Ruthe, zwischen ihr und dem After, ist der ge- wöhnliche kegelförmige Fortsatz vorhanden ; die Ruthe, zu mehrfacher Länge der Ranken ausdehnbar, ist nur mit wenigen kurzen Haaren besetzt. Eier: 0,17 mm lang; 0,09 mm dick. An den Larven finde ich nichts Besonderes, sie sind denen von Tetraclita porosa sehr ähnlich, Verwandtschaft. Der nächste Verwandte des Baianus armatus ist B. trigonus. Ob überhaupt ersterer nicht besser als blosse Abart zu betrachten und als ß. trigonus var. armatus zu bezeichnen sei, wird nur nach Vergleichung mit zahlreichen Exem- plaren des B. trigonus von verschiedenen Fundorten zu entscheiden sein. Doch lässt sich für seine Artberechtigung anführen, dass B. trigonus bisher nur im indischen und stillen Meere und nicht im atlantischen, dass er nur an Schalen von Weichthieren und an Holz und nicht in Schwämmen gefunden wurde; dass bei B. trigonus das Gehäuse meist flach und gerippt, die Mündung ganzrandig und fast gleichseitig, bei B. armatus das Gehäuse meist steil kegelförmig und glatt, die Mündung stets deutlich gezähnt und fünfeckig ist ; dass die Schilder bei B. armatus schmäler sind, dass die bei B. armatus nie vermisste, beim ersten Blick in die Augen fallende Bewaffnung des dritten Fusspaares von Darwin bei B. trigonus ebensowenig erwähnt wird, als der ebenfalls bei B. armatus stets vorhandene starke Zahn am Stiele des fünften Paares. 3i6 Ueber Baianus armatus. Die auf Carijoa sitzenden Gehäuse erinnern bisweilen, bei vorwaltender Ent- wickelung in die Länge, besonders wenn zugleich die Basis etwas vorspringt, im allgemeinen Aussehen an die auf Gorgonien lebenden Arten, die bei Darwin die Section B. der Gattung Baianus bilden; doch ist diese Aehnlichkeit eben nur Folge der ähnlichen Befestigungs weise und kaum Zeichen einer näheren Ver- wandtschaft. — Im Uebrigen gilt von unserer Art, was Darwin über die ver- wandtschaftlichen Beziehungen des B. trigonus sagt. Bedeutung der Bewaffnung der Ranken. Wenn auch nicht in gleich mächtiger Weise entwickelt, findet sich eine ähnliche Bewaffnung der Ranken mit Dornen und Spitzchen doch auch bei anderen Balanen. Bei einzelnen Exemplaren von B. improvisus var. assimilis finden sich diese sonst aufwärts ge- richteten Dornen an der Aussenseite der Glieder des dritten (Fig. 50) und vierten (Fig. 51) Fusspaares sogar nach abwärts und rückwärts gerichtet, wie bei B. ar- matus. — Man findet diesen Besatz mit Dornen und Spitzchen fast ausschliesslich an den dem Rande der Deckelspalte zugewandten Flächen; so an der Aussen- seite der mittleren Paare und an der Rückenseite des letzten Paares. An dieser Stelle können sie nicht zum Fange irgend welcher Beute, sondern kaum zu etwas Anderem dienen, als zum Reinhalten der Deckelspalte. Man sieht in der That an lebenden Thieren, dass gerade die Ranken des dritten und vierten Paares, deren Aussenflächen besonders reich bedornt sind, beim Vorstrecken und Ein- ziehen der Ranken dicht am Rande der Deckelspalte hinstreichen. Dass nun gerade bei schwammbewohnenden und sonst keineswegs einander nahestehenden Arten diese Bewaffnung zu mächtigen gebogenen Zähnen ent- wickelt ist, weist auf einen Zusammenhang zwischen der eigenthümlichen Be- waffnung und dem eigenthümlichen Aufenthaltsorte hin, und es liegt die Ver- muthung nahe, dass die Zähne dazu dienen, die rasch wuchernde Schwammmasse zu zerreissen und zu entfernen, welche die Mündung des Gehäuses zu überwachsen droht. Bemerken swerth ist dabei der Umstand, dass bei Acasta die Zähne am äusseren Aste des vierten, bei Baianus armatus an den Aesten des dritten Fuss- paares stehen. Man könnte diesen Umstand in ähnlicher Weise zu Gunsten der Darwin'schen Ansicht von der Entstehung der Arten verwerthen, wie die ver- schiedene Bildung des hinteren Eingangs zur Kiemenhöhle bei den verschiedenen luftathmenden Krabben ^). Baianus armatus ist weit näher mit anderen niclit schwammbewohnenden Balanen verwandt, als mit Acasta ; B. armatus und spongi- cola einerseits, die Acastaarten andererseits können somit die Gewohnheit sich in Schwämmen anzusiedeln nicht von einem gemeinsamen Urahnen geerbt haben. Einrichtungen, die auf diesen eigenthümlichen Wohnplatz sich beziehen, müssen sich unabhängig von einander bei den einen und den anderen gebildet haben und es kann daher nicht befremden, dieselben bei Baianus armatus und bei Acasta an verschiedenen Stellen des Leibes entwickelt zu finden. II. Die Balanen galten bis vor Kurzem allgemein als sich selbst befruchtende Zwitter. Dass indess wenigtens nicht in allen Fällen Selbstbefruchtung stattfindet, wurde durch eine merkwürdige Beobachtung Darwin's bewiesen, der bei mehreren i) Siehe Fritz Müller, Für Darwin. Leipzig 1864. S. 20. = Ges. Schriften S. 212 ff. Ueber ßalanus armatus. 317 Baianus balanoides die Ruthe verstümmelt und geschlossen und nichts desto weniger in deren Gehäusen wohlentwickelte Larven fand (Darwin, Balanidae S. loi). Mir ist es schon lange zweifelhaft gewesen, ob überhaupt die Selbstbefruchtung Regel sei. Wozu die oft den dreifachen Durchmesser des Gehäuses übertreffende Länge der Ruthe, wenn dieselbe ausserhalb des Gehäuses nichts zu suchen hat? — Einige neuerdings gemachte Beobachtungen haben mich in diesem Zweifel bestärkt. Man weiss, dass die Balanen sehr empfindlich gegen das Licht sind ^), dass sie ihre Ranken sofort einziehen und den Deckel schliessen, sobald man z. B. mit der Hand zwischen ihnen und dem Fenster hinfährt. Merkwürdig ist dabei, dass einzelne Thiere viel scheuer, andere wieder dreister sind, dass erstere immer sich länger geschlossen halten, letztere sich rascher hervorwagen und sogar an das in regelmässigen Zwischenräumen wiederholte Vorüberfahren der Hand sich gewöhnen. Aehnliche geistige Verschiedenheiten fand ich auch, beiläufig bemerkt, zwischen den Thieren einer Gruppe von Eupomatus floribundus. — Als ich nun einmal, diese Beobachtungen wiederholend, dem Spiele der Ranken einiger Baianus ar- matus zusah, die ich frisch von Carijoa genommen und von ihrem Schwammüber- zuge gesäubert hatte, sah ich, wie einer derselben plötzlich mit dem Schlagen der Ranken aufhörte, sie einige Secunden unbeweglich und weit ausgespreizt hielt, und wie während dessen die Ruthe sich zu äusserster Länge vorstreckte und wie tastend oder suchend herumfuhr. Ich beunruhigte nun meine Thiere nicht weiter mit dem Schatten der Hand, um wo möglich dieses neue Schauspiel sich wieder- holen zu sehen, und in der That sah ich bald aufs Neue nicht nur bei diesem, sondern noch bei drei oder vier anderen Thieren mehrmals dieselbe Erscheinung. Ich legte nun diese brünstigen Thiere dicht nebeneinander, um ihnen eine gegen- seitige Begattung zu erleichtern; allein so oft die langgestreckte Ruthe in den Bereich der Ranken eines Nachbars kam, wurde sie von denselben hin- und her- geschleudert, ohne dass dieser still hielt, um ihr Einlass zu gewähren. Darauf untersuchte ich zwei der Thiere und fand den ganzen Ruthenkanal dicht mit Samen gefüllt, aber bei beiden auch Eier, die bereits die Furchung durchgemacht hatten, also einer Befruchtung nicht mehr bedurften. Bei einer solchen Füllung der Ruthe hatte wohl, indem sie sich zu äusserster Länge ausdehnte. Same aus- getrieben werden müssen (was ich auf einem weissen Teller nicht hatte sehen können); zugleich war aber bei der Länge der meist in seitlicher Richtung sich ausstreckenden Ruthe dieser Same dem durch die eigenen Ranken erzeugten Strudel entzogen und nachbarlichen Thieren, die dessen bedürfen mochten, anheim- gegeben worden. — Auffallenderweise habe ich die damals gleichzeitig an vier oder fünf Thieren gemachte Beobachtung noch nicht wiederholen können, obwohl ich mehrfach bei zahlreichen frischen Thieren mich danach umgesehen habe. i) Die Empfänglichkeit der Balanen gegen Lichteindrücke ist nicht abhängig von den durch Leidy entdeckten Augen. Ich hatte einen grossen Bai. tintinnabulum lebend aus seinem Gehäuse genommen und von dem Deckel abgelöst, mit welchem die Augen in Verbindung blieben. Derselbe lag in einem Teller mit Wasser mit halbentrollten Ranken. So oft ihn der Schatten der Hand traf, rollte er mit einer plötz- lichen Bewegung die Ranken ein. Bei B. tintinnabulum sind die Augen sehr deutlich; bei B. armatus habe ich sie noch nicht gefunden und die geringere Grösse der letzteren Art trägt daran nicht Schuld ; denn auch bei kleineren B. tintinnabulum sind sie sehr leicht nachzuweisen. 3i8 Ueber Baianus armatus. Die zweite Beobachtung, die zu beweisen scheint, dass zuweilen sogar eine Befruchtung zwischen verschiedenen Arten von Baianus vorkömmt, ist die folgende: Unter den an Carijoa erbeuteten Balanen, die ich nach dem ersten Anblicke als B. improvisus var. assimilis bestimmt hatte, war mir einer (Fig. 2g) durch etwas röthliche Färbung aufgefallen, wie ich sie sonst nie bei dieser unendlich häufigen Art gesehen hatte. Als ich ihn näher ansah, fand ich statt der schmalen mit einem gelblichen Häutchen bedeckten Radien des B. assimilis (wie ich im Fol- genden der Kürze wegen statt B. improvisus var, assimilis sagen will) die wohl- entwickelten glänzenden Radien des B. armatus mit ihrer eigenthümlichen Streifung. Dabei war aber die Form der Mündung, das Ansehen der Schilder und der Wände mit ihren durchscheinenden Streifen und den bei der röthlichen Färbung doppelt deutlichen Querwänden ihrer Röhren ganz wie bei B. assimilis. Unter Hunderten von B. armatus hatte ich nie entfernt ähnliche Wände, Mündung, Schilder, unter ungezählten Tausenden von B. assimilis nie entfernt ähnliche Radien getroffen ; — ich konnte nicht umhin, mir allen Ernstes die Frage vor- zulegen, ob ich nicht einen Bastard der beiden Arten vor mir habe, deren Eigen- thümlichkeiten hier so wunderbar vereinigt waren. Ich habe später noch drei dieser vermuthlichen Bastarde getroffen; zwei derselben sassen wie der erste un- mittelbar auf Carijoa, der dritte (Fig. 30) auf einem B. assimilis; umgekehrt sass einem der anderen ein B. assimilis auf. Eine nähere Untersuchung dieser vier Thiere ergab nun Folgendes: Allgemeines Aussehen. In der Form der deutlich gezähnten Mündung (Fig. 31), deren grösste Breite beinahe in die Mitte zwischen Kiel und Rostrum fällt, in den durchscheinenden Streifen der glatten Wände und der eigenthüm- lichen in Worten schwer wiederzugebenden Krümmung ihrer Ränder glichen alle vier Thiere dem Bai. assimilis, in der Bildung der Radien, bis auf den etwas schiefer verlaufenden Rand, dem Bai. armatus. Die Färbung war bei einem etwas röthhch, bei den übrigen fast weiss, bei zweien im unteren Theile des Gehäuses gelblich. Zufällig, in Folge ihrer Befestigungsweise, war bei allen die Basis weit länger als breit und das Rostrum höher, bei einem über doppelt so hoch als der Kiel. Grösse. Mittel aus den Massen der vier Gehäuse: Länge der Basis 7,1 mm; Breite derselben 3,7 mm; Länge der Mündung 4,3 mm; Breite derselben 3,4 mm; Höhe des Rostrum 8 mm ; des Kiels 4,4 mm. Scuta (Fig. 33. 34). Der Basalrand der Schilder hat über ^4 ^^^ Länge des Schliessrandes und ist sogar länger als der Rückenrand ; auf der Aussenfläche, die keine Spur von Gruben oder Längsstreifen zeigt, springen die Anwachsstreifen nur massig vor; auf der Innenseite ist eine starke Adductorleiste vorhanden, die nach oben mit der Gelenkleiste verschmilzt und nach unten fast bis zum Basal- rande zu verfolgen ist. Die Grube für den depressor lateralis ist flacher und mehr rundlich, als bei Bai. armatus Regel ist. Terga (Fig. 35. 36). Die Rückenstücke sind wie die Schilder, denen des Bai. assimilis weit ähnlicher als denen des Bai. armatus, und von ersteren kaum durch den etwas breiteren Sporn verschieden. Sie sind breiter als bei Bai. ar- matus; der Sporn, der noch nicht Vs der Breite der Basis einnimmt, ist fast um seine eigene Breite vom Schildrande entfernt; eine flache Längsrinne nimmt Ueber Baianus armatus. 3IQ fast die ganze Breite des Spornes ein. Die Leisten für den depressor carinalis sind sehr stark entwickelt und überragen den Basalrand. Besonders neugierig war ich auf die Behaarung der Deckelstücken, da hierin Bai. armatus und assimilis sehr von einander abweichen ; bei B. armatus stehen kurze zarte Haare auf der Kielseite (Fig. 19), lange schlanke Haare auf der Schild- seite (Fig. 20) der Rückenstücke, lange starke dicht gedrängte Haare (Fig. 21) auf den Schildern; bei Bai. assimilis (Fig. 22) finden sich überall mit je i — 3 der längeren zarten Haare abwechselnde kurze dicke Dornen. Ich war überrascht, bei dem vermuthlichen Bastarde weder die eine noch die andere, noch auch eine mittlere Bildung zu finden. Auf dem Rückenstücke (Fig. 37) standen zu beiden Seiten der haarfreien Rinne ziemlich lange und zarte Haare; auf dem Schilde waren dieselben kürzer, aber weder dicker noch gedrängter. Ich will bemerken, dass ich diese Haare nur bei einem Thiere untersucht habe. Stücke des Gehäuses. Die Stücke des Gehäuses, die sich bei Bai. as- similis schon beim lebenden Thi