jJSsftW^jr. Redigirt I>r. II. Potouie, Kgl. Bezirksgeologen, beauftragt mit Vorlesungen ber Pflanzenpalaeontologie an der Kgl. Bergakademie zu Berlin. MB*-- DREIZEHNTER BAND -*=- (Januar bis December 1898). -<-*- ERLIN. Ferd. Dnnnlcrs Verlagsbuchhandlung. Inhalts -Verzeiehniss. Die Original-Abhandlungen, -Mittheilungen und -Abbildungen sind durch die Beifgung der Abkrzung Orig." gekenn- zeichnet; ausserdem sind viele Autoren an den Referaten ber ihre Arbeiten dadurch betheiligt gewesen, dass sie die Correcturen gelesen haben. Seite Varia und Allgemeines. Borodin, Athinung. und Loben . . 520 Colin, Jugend und Alter (Orig.) . . 689 Hennig, Ueber Phantome (Orig.) . . 335 Itzigsolin, Beitrag zur naturwissen- schaftlichen Erkenntnisstheorie be- hufs Begrndung der Sociologie auf Weierstrass 'scher mathematischer Grundlage (Orig.) 81 Jaeckel, Gegenwrtiger Stand der Descendenzlehre (Orig.) ..... 387 Koppen, Ueber Phantome (Orig.) . 335 Linsbauer, Die Lichtverhltnisse des Wassers speciell mit Rcksicht auf deren biologische Bedeutung (Orig.) 349 Pietzker, Das Jahr Null (Orig.) . . 472 Sarrauton, Die Decimalstunde . . 197 Waldeyer, Befruchtung und Verer- bung (mit Abb.) 117 We tekamp, Nationalparks in Deutsch- land 562 Angelegenheiten der Naturwissenschaft- lichen Wochenschrift 35 Philosophie. Dreher, Zur Aesthetik 187 Potonie, Abhngigkeit der Seele vom Krper (mit Abb.) 139 Stau dinge r, Zur wissenschaftlichen Grundlegung der Ethik (Orig.) . . 577 Anthropologie und Verwandtes. Brck, Hermaphrodit 146 Frst, Die Bataker (Orig.) .... 225 Theater und Musik der Javaner (Orig.) 493 Matignon, Fuss einer Chinesin . . 569 Sokolo wsky, Praehistorische Pferde- zeichnung (Orig. mit Orig.-Abb.) . 42 Tissot, Ueber eine Familie 6 fingeriger Menschen 511 Wilser, Menschenrassen und Weltge- schichte (Orig.) 1 Haben sich die Ostgothen gesondert, erhalten oder vermischt? (Orig.) . 223 - Stammbaum der arischen Vlker (Orig. mit Orig.-Karte) ..... 361 Zoologie. Adams, Geruchsinn der grossen Weg- schnecke 7-1 Bachmetjew, Temperatur d. Insecten 623 Seite Baer, Siefert, v. Lendenfeld u.a., Physiologische Bedeutung der Luft- rume bei den Vgeln 320 Barring ton, Kampf zwischen Spinne und Wespe 32 Bayer, Tentorium osseum 257 Bellevoye, Merkwrdige Nester der Mauerbiene 342 Beyer inck, Wirths Wechsel bei Pflau- zengallwespen 332 Blaxland Benham, Ein 4. Exemplar von Notornis Mantelli 535 Bouvier, Peripatus 490 Boyce und Herdmann, Bedeutung der Farbe der grnen Austern . . 122 Brandt, Zur chemischen Zusammen- setzung des Planktons 594 Bullo, Rothseuche der Aale .... 148 Causard, Rolle der Luft bei der letzten Hutung der im Wasser lebenden Insectengruppen 622 Chun, Resultate der Tiefseeforschung und Aufgaben einer Tiefsee-Expe- dition 93 Clark, Ueber die Thierwelt von Jamaica 524 Collett, Neue Beobachtungen ber den Lemming HO , Der Bieber 474 Da hl, Herkunft des Flohes .... 121 Dali ms, Der Scheich des Nibelungen- liedes (Orig.) 263 , Nochmals der grimme Scheich (Orig ) 343 Darboux, Schuppen der Aphroditiden 391 Dolbear, Amerikanische Feldgrille als Thermometer 60 Dubois, Abhngigkeit des Hirnge- wichts von der Krpergrsse bei Sugethieren . . - 416 Eimer, Entstehung der Arten . . . 445 Escherich, Symphilie ist Brutpara- sitismus 342 F aus sek, Ablagerung des Pigments bei . Lamellibranchiern 450 Feddersen, Eine Krankheit der Aale 74 Fickert, Tb.. Eimer's Ansichten ber die Entstehung der Arten (Orig.) . 445 Fiseher-Sigwart, Reiten der Frsche 305 Fr ie dl ander, B. und Thilenius, Palolo-Wurm 318 Girard, Eier von Monotus albus . . 196 Godfrey, Der Kea 465, 551 Gthe, Die austerfrmige Schildlaus (Aspidiotus ostraeiformis) .... 292 Grassi u. Calan druccio, Entwicke- lung des Aales 52 Grcve, Verbreitung des Elens . . . 622 Grieg, Spitzvval bei Karm .... 319 , Tiefseeforschungen im Waagsfjord und Ulve sund 332 Seile Gnther, Appetit und Hutung indi- scher Schlangen in Gefangenschaft 74 Hrter, Erscheinung des Seeschiessens 22 Hartwig, Vorkommen einiger selte- ner Entomostraken in der Provinz Brandenburg (Orig.) 48 Heape, Ueberfhrung befruchteter Eier in ein anderes Mutterindividuum 232 Hill, Beutelthier mit Placenta ... 321 Hinkelmann, Fische des Nordostsee- Kanales 465 Hogg, Lebensweise von Bipalium kewense 148 Howard, Einfluss des Menschen auf die Verbreitung landbewohnender Arten der Insecten 97 James und Grieg, Einige interessante cetologischo Mittheilungen .... 391 Jolyet und Sellier, Athmung des Seehundes 465 Jourdain, Luft und Wasser als Fac- toren der Ernhrung bei Lurchen 569 Karsten, Formnderungen von Scele- tonema costatum 570 Kerr, Beobachtungen an Lepidosiren 41 Kobelt, Zur Theorie der Protoplasma- und Zell-Structur (Forts.) (Orig. mit Orig.-Abb.) 18, 211 K ll i k er , Euergiden im Lichte der Gewebe-Lehre der Thiero .... 229 Knig, Fang und Verbreitung der See- hunde (Orig. mit Orig.-Karte) . . 273 Lesne, Ungewhnliche Erdlcher der Larve von Cicindela hybrida . . . 332 v. Linden, M., Das Leben der Kcher- fliegen (Orig. mit Orig.-Abb.) . . . 457 Lnnberg, Biologie von Gasterosteus aculeatus . 592 Locard, Tiefen Verbreitung der Mol- lusken 332 , Verbreitung der malakologischen Fauna in den grossen Tiefen des nrdlichen atlantischen Oceans . . 418 Marsh, Protoceratiden 75 Mathias -Du val, Amboismus der Nervenzellen 315 Matschie, Verwandtschaft zwischen Lwe und Tiger 465 , Eine neue" Muserasse in Irland (Orig.) 551 , Zoographische Gebiete der thio- pischen Region 557 Mcrwarth, Vernderungen in der Zeichnung der Vogelfedern . . . 199 Mesnil und Caullery, Vivipare Poly- chaete 570 Mortensen, Palaemon Fabricii . . . 220 MTlenhoff, Neuere Untersuchungen ber den Vogelflug (Orig.) .... 377 38S23 IV Inhalts- Verzeichnis. Seite Nagel, Geschmacksorgan der Schmet- terlinge 207 Nehring, Grssenunterschied der 9 und rig.-Abb.) . . 413 , Restaurirte vorzeitliche Pflanzen (z. Th. Orig. mit Abb.) 213 Seite Geologie und Mineralogie. Bornhardt, Geologie von Deutsch (>st-At'rika 567 Daubree u. Marpmann, Zur Theorie der geschichteten Gesteine .... 440 Friedlaender, J., Knstliche Dia- manten (Orig. mit Orig.-Abb.) . . 325 Herrmann, Die vogtlndischen Kiesel- schieferbrche (Orig.) 510 Herrmann, L., Der Speckstein im Fichtelgebirge (Orig.) 595 Keilhack, Das pommersehe Urstrom- thal 567 Naumann, Reise nach Mexico (Orig.) 581 N ordenskild, Wlfing, Gans, Potonie, Bornet, Ueber Kryo- konit 173 R amann, Autochthone Entstehung der Kohlenfltze 103 v. Richthofen, Der geologische Bau von Schantung mit besonderer Be- rcksichtigung der nutzbaren Lager- sttten (mit Karten und Profilen) . 141 Wagner, P., Das Graphitlager von Schwarzbach in Bhmen (Orig-. mit Orig.-Abb.) 113 Wagner, Kieslagersttten von Boden- mais im Bhmerwabi (Orig. mit Orig.-Abb.) 285 Wahnschaffe, Stassfurter Salzlager (Orig.) 400 , Entwiekelung der Glacialgeologie im norddeutschen Flachlande (Orig.) 565 Walther, Ueber die Formen der asia- tischen Wste (Orig. mit Orig.-Abb.) 237 Zache, Tektonische Thlcr und Ero- sions-Thler in der Mark (Orig. mit Orig.-Karte) 313 Physik. Kaufmann, Die Emissionstheorie der Kathodenstrhlen (Orig.) .... 375 Knig, Neuere Forschungen auf dem Gebiete der physiologischen Optik (Orig.) . ... . ...... 374 Lj b im off, Untersuchungen ber den Fall eines schweren Systems (mit Abb.) 25 Looser, Versuche ber strahlende Wrme (Orig.) 399 Pockel, Schtzung der bei Blitz- schlgen erreichten maximalen Stromstrke 184 Spies, Einige Demonstrationen ber Wechsel- und Drehstrom (Orig.) . "'~ l > Stark, Der'Russ 61 Astronomie. Belopolsky, Doppelsternnatur von /S-Lyrae 196 Brenner. ThtigkeitderManora-Stern- warte 1897 (Orig. mit Abb.) . . . 153 . Resultate aus den Marsbeobach- tungen an der Manora-Sternwarte (Orig. mit Mais Karte) 253 Foerster, Zeitbestimmung (Orig.). . 385 , Ortsbestimmungen (Orig.) .... 386 , Gegenwrtiger Stand ber einige der wichtigsten astronomischen For- schungs-Ergebnisse (Orig.) .... 386 Hnatek, Jupiter-Monde (Orig.) . . . 69 Witt, Berberich und Foerster, Neuer Planet zwischen Erde und Mars 453, 466 Meteorologie. Hell mann, Der diesjhrige milde Winter 76 , Gewitter und Gezeiten 535 Inhalts -Verzeichnis. Seite Hennig, Kritik der Falb 'sehen Wetter- prognose fr August (Orig.) . . . 454 , Problem der kalten Tage des Mai 44'-' Less, Wetter-Monatsbersichten (Orig. mit graphischen Darstellungen ber Temperaturen und Niederschlge) 33, 90, 138, 185, 234, 293, 392, 453 Less und Hennig, Wetter- Monats- iibersieliteu (mit graphischen Dar- stellungen, Orig.) .... 500, 548, 609 Meinardus, Mglichkeit einer Witte- rungsprognose fr lngere Zeit im voraus (mit Karte und graphischer Darstellung) 243 Moureaux, Starke Anomalieen des Erdmagnetismus in Central-Russland 258 Rudolph, Herkunft der atmosphri- schen Electricitt und ihre Mit- wirkung bei Wolkenbildung u. s. w. 572 Venukows, Localer magnetischer Pol 307 Wiesner, Photochemisches Klima im arktischen Gebiete 526 Einrichtung meteorologischer Stationen I. Ordnung 247 Wetter-Monatsbersicht siehe Less Chemie. Ach u. Fischer, Oxydichlorpurin . . 61 Beim, Tropfbar flssige Luft (Orig. mit Orig.-Abb.) 374 Blank, Neue allgemeine Synthese von Indigo-Farbstoffen 514 Boottger, Verarbeitung der Stass- furter Kali-Salze (Orig.) 397 Brush u. Crookes, Entdeckung des Aethers? 585 Delbrck, Fortschritte der Ghrungs- chemio .583 De war, Verflssigung des Wasser- stoffes und des Heliums 307 Fischer, F., Trichlorpurin .... 122 , Synthese des Hypoxanthins, Xan- thins, Adenins, Guanins 159 Gttig, Chemische Vorgnge bei ex- plosiver Zersetzung von mit O-Spen- dern vermischten Nitroverbindungen 333 Harries, Aufspaltung des Sylvans . 279 van't Hoff, Ueber die zunehmende Bedeutung der anorganischen Chemie 488, 529 Le Dantec, Muscarin 429 Lengyel, Zur Chemie des Calciums 501 Moissan, Verfahren zur Darstellung des krystallisirten Calciums . . . 512 Moissan n. De war, Eigenschaften des flssigen Fluors 292 Perkin u. Pilgrim, Farbstoffe des indischen Farbstoffs Delphinium Zalil 333 Piloty, Totalsynthese des Glycerins und Dioxyaeetons 208 Pinner, Verbindung von Chloral mit Formaldehyd 596 Ramsay u. Travers, Neue Elemen- tarbestandtheile der Luft .... 478 Homogenitt des Heliums 293 Isoehore 175 Geographie und Verwandtes. Conway, Hhe des Illimani .... 586 v. Drvgalski, Aufgaben der For- schung am Nord- und Sdpol . . 333 Frst, Der Vulcan Lamongan (Orig.) 112 -, Reise durch Javas unabhngige Frstentmer (Orig.) 13 Halbfass, Grosse Seen in Europa . 151 Lang, Der Adschidarja (Orig. mit Orig. -Krtchen) 433 Makarow, Erreichung des Nordpols mittels Eisbrecher 527 Mar teil, Die Armand-Hhle .... 9 Seite Pettersson, Zur Methodik der hydro- graphischen Forschung 535 v. Richthofen, Rechtschreibung von Kiautschou 175 Richthofen , Fcrd. v., Geographischer Ueberblick von Ostasien (Orig.) . . 385 Schiroku-Honda, Besteigung des Mount Morrison auf Formosa ... 99 Speier, Neue Formaldehyd- Verbin- dungen (Orig.) 451 Sperber, Chemisch inactive Elemente (Orig.) 52 Tauber. Thcerfarbstoffe (Orig.). . . 3S8 Tiemann, Jonon aus Lemongrasl . 560 v. T o 1 1 , Expedition nach Sannikowland 405 Walther, Oxus-Problcm 5S6 Winter stein, Ein phosphorhaltiger Pflanzenbcstandtheil, d. Inosit liefert 75 Zsigmondy, Wasserlslichkcit metal- lischen Goldes und des Cassius'schen Goldpurpur 512 Expedition zur Gradmessung auf Spitz- bergen 270 Hhenmessungen auf den Frcrn . 314 Pdagogisches. Klein, F., Universitt und Technische Hochschule 481 Schwalbe, der 8. naturwissenschaft- liche Ferienkursus fr Lehrer an hheren Schulen (( >rig.) 373 , Bercksichtigung der Technik beim Unterricht und in den Ferienkursen (Orig.) 399 Wegen er, Der dunkle Erdteil. Aus- stattungs-Vortrag in der Urania" . 22 Ferienkurse s. auch unter Vereinswesen Griechisch und Latein auf den d- nischen Schulen 598 Medizin, Hygiene und Verwandtes. Ball and, Die Kastanien als Nahrungs- mittel 8 , Bedeutung des Buchweizens fr Frankreich 89 Brucker, M e gn i n und J o u r d a n , Er- zeuger des Herbst-Erythems . . . 331 Cannarsa, Krankheit von Landleuten, die mit Schilfrohr in Berhrung kommen 568 Finckler, Eiweissnahruug und Nah- rungseiweiss 402 Frser, Antitoxische Wirkung der Galle 538 Grasset, Kropf 489 Martins, Kraukheits- Ursachen und Krankheits-Anlage 487 Mendelssohn, Stellung der Kranken- pflege in der wissenschaftl. Therapie 4S8 Neubrger und Edinger, Mangel des Kleinhirns 207 Phi salix, Gift der Hymenopteren als Schutzmittel gegen Schlangengift . 110 , Tyrosiu, ein Mittel gegen Schlangen- gift 341 R e i n h o 1 d , Bau der Haare und gericht- liche Medicin 219 Scherk, Ferment- Wirkung in ihrer Beziehung zum Organismus (Orig.) 57 Tillmanns, Hundert Jahre Chirurgie 484 Vincenzi, Weihwasser in den katho- lischen Kirchen 357 Zinn und Jacob}', Anchylostomum und andere thierische Parasiten beim Menschen 533 Neuere Forschungen ber experimen- telle Pathologie des centralen Nervensystems 145 Phagocytben-Theorie 96 Was ist Bvrolin? 151 Seite Nationalkonomisches, Landwirth- schaft etc. d'Angelo, Neues Mittel gegen die Phylloxera .07 1 Castonnet des Fosses, Producte Gretas ;,7i Chittenden, Zwei den Gurken schd- liche Kfer der Vereinigten Staaten 511 Di l>d in, Neue Methode der Abwsser- Klrung KU Fab er. Der Speeht als Forstschdling 257 Frst, Kaffee-, Zucker-, Tabak- und Thee-Kultr auf Java (Orig.) . . . 297 , Kultur des Reises und der auf Reis- feldern erzielten 2. Gewchse (Orig.) 1:;.' Howard, Kampf gegen die San-Jose- Scbildlaus . 490 Kolderup, Einfluss des phosphor- sauren Gehalts des Bodens auf den Krperbau des Viehs 343 Krger, Friedr. , Die San- Jose-Schild- laus-Frage (Orig. mit Abb.) . . . 189 Laurent, Kultur des Kaffeebaumes im Congostaate 322 Lindner, Baeteriologie der Ghrungs- gewerbe (Orig.) 389 M at r uch o t u. D asson vill e , Flechten- krankheit der Pferde 608 M i 1 1 i a u , Die Gewinnung des Baum- wollensamenls 9 Nocard, Bsartige Rotzkrankheit der Pferde 307 Rad de, Theegewinnung auf der Insel Java 232 Reh, Schdigung der Landwirtschaft durch Thierfrass. Eine Zusammen- stellung (Orig.) 364 Schlatter, Physiologie der Verdauung 538 Wollny, Einfluss der Regenwrmer auf die Ackerkrume 381 Einfluss des Dngers auf Frostschaden 466 Rum ex hymenosephalus 208 Was ist ein Wiesenhobel? 271 Technik und Instrumentenkunde. Bunte, Neuere Entwickelung der Flammenbeleuchtung 42ti Gnther, Auswitterungen an Ziegeln und Ziegelmauerwerk 123 Hermann, Licht der Zukunft (Orig. mit Abb.) 447 Intze, Zweck, Bauausfhrung, Bedeu- tung von Thalsperren 485 Meyer, Rieh., Chemische Forschung u. Technik in ihrer Wechselwirkung . 105 Nagy, Verfahren zum Verkoken von Braunkohle 114 Pufahl, Das Eisen und seine Gewin- nung (Orig.) 387 Saare, Chemische Technologie der Ghrungsgewerbe und Strke-Fabri- kation (Orig.) 388 Schiller-Tietz, Neue Wege der Ghr- kunde und Ghrungstechnik (Orig.) 505 Vogel, Fortschritte der Photographie (Berichtigung) 11 , Gegenwrtiger Stand der wissen- schaftlichen Photographie .... 201 Neue Apparate zu Rntgen-Versuchen (mit Abb.) .182 Steckelmann'sPatent-Klapp-Cameramit Spiegelreflex (mit 2 Abb.) .... 395 Historisches, Biogranhieen, Nekrologe, Personalien. Schenkung - Prevot, Antony van Leeuwenhoek (Orig.) 121 VI Inhalts- Verzeichniss. Seite Personalien, kurze Angaben von Er- nennungen, Versetzungen, Todes- fllen etc. 10, 22, 34, 43, 53, 64, 77, 91, 102. 115. 124, 139, 14'.'. 162. IT:;. 186, 198, 210, 221, 235, 246, 258, 270. 281, 307, 322. 345, 358, 369, 382, 394, 405. 418, 429, 412, 455. 466, 502, 515, 527, 539, 550, 501. 574, 586, 610, 623. Vereinswesen, Museen etc. Knig, Ziele und Aufgaben natur- historischer Museen (Urig.) ... 71 Allgemeine Versammlung (29.) der Deut- schen anthropologischen Gesellschaft 345 Allgemeine Versammlung der Deutschen geologischen Gesellschaft zu Berlin 1898 369, 565 Association francais pour l'avancement des sciences 382 Balneologen-Congress 102 C'ongress (10.), russischer, der Natur- forscher und Aerzte 308 Deutsche Gesellschaft fr volkstm- liche Naturkunde 43, 102 Deutsche meteorologische Gesellschaft 124 Eine Urania in Wien 308 Ferienkurse in Jena 198 Ferienkursus (8. naturw.) in Berlin fr Lehrer an hhereu Schulen (mit Abb.) 163, 373 Ferienkursus in Frankfurt a. M. fr Lehrer hherer Schulen .... 370 Beringsmuseum in Gothenburg . . . 270 Internationaler C'ongress (3.) fr ange- wandte Chemie 294, 345 Internationaler Congress (5.) fr Hy- drologie, Kliniatologie u. Geologie 382 Internationaler Physiologen-Congress . 308 Internationaler (4.) zoologischer Con- gress 308 Jahresversammlung clor British Associa- tion for the advancement. of seience 382 Jahresversammlung (81.) der schweizeri- schen naturforschenden Gesellschaft 345 Naturwissenschaftlicher Ferienkursus f. Lehrer hherer Schulen . . 163, 373 Preisaufgaben 115, 149 Station fr Pflanzenschutz zu Hamburg 382 Versammlung (69.) der Gesellschaft deutscher Naturforscher und Aerzte 1897 45, 93 Versammlang (70.) Deutscher Natur- forscher und Aerzte .... 369, 481 Wissenschaftliches Theater der Urania 478 Litteratur. Anderssohn, Physik, Principien der Xiiturlehren ;;:,:i Arnold, Kepetitorium der Chemie . 11 Ascherson u. Graebner, Synopsis der mitteleuropischen Flora . . . 258 , Flora des norddeutschen Flachlan- des 407, 467 Barlow, Figuren zur Veranschau- lichung homogener Structuren . . 91 van Bebber, Wettervorhersage . . 210 Bechterew, Bewusstsein und Hirn- localisation 478 Beck v. Mannagetta, Alpenblumen des Semmering-Gobietes .... 574 Behrens. Tabellen fr mikroskopische Arbeiten 294 Blaas, Katechismus der Photographie 550 Bley, Botani he Bilderbuch . 43, 443 Blcher, Der praktische Mikrosko- piker 479 Bobek, Projektivische Geometrie der Ebene 371 Bokorny, Lehrbuch der Botanik . . 310 Blsehe, Darwin 502 Born st ein, Fortschritte der Physik . Bortke witsch, Gesetz der kleinen Zahlen . . . Boy er, Photographie et l'etude des images Brandes, Flora von Hannover . . . Brenner, Spaziergnge durch das Himmelszelt , Handbuch fr Amateur- Astronomen Bruch mann, Solaginella spinulosa Budde, Naturwissenschaftliche Plau- dereien Busch, 100 einfache Versuche zur Ab- leitung elektrischer Grundgesetze . Bsgeu, Waldbume .... 43, Cant.or, Geschichte der Mathematik . Christ, Die Farnkruter Colin, Willkrliche Bestimmung des Geschlechts Costantin, Vegetaux et les milieux cosmiques Czuber, Differential- und Integral- rechnung Dhnhard t, Maturgeschichtliche Volksmrchen Dammer, Palmenzucht und -Pflege . Dippel, Das Mikroskop Donath, Anfnge des menschlichen Geistes Dragendorff, Heilpflanzen .... Engler, Die natrlichen Pflanzenfa- milien Ol, 323, , Syllabus der Pflanzenfamilien . . Erdmann, Anorganische Chemie . . Ernecke, Elektrische Wellen und ihre Anwendung Eschenhagen, Magnetische Unter- suchungen im Harz Fabry, Acoustiquo et optique . . . Federow, Stereographisches Netz zur Feldspath-Bestiminung Fenkner, Arithmetische Aufgaben . Ferrier, Cause premiere d'apres les donnees experimentales Fischer, K, Sommerhochwasser Juli- August 1897 im Oderstromgebiet . Fischer, L., Katalog der Vgel Badens Fischer, M., Pokoruy's Naturge- schichte des Pflanzenreiches . . . Fleisch mann, Zoologie Flricke, Schwimmvgel Flgel, Seelenleben der Thiere . . de Fonvielle, Les ballons sondes et les ascensions internationales . . , Flipp 1, Vorlesungen ber technische Mechanik Fraisse, Zellenlehre Fuchs, Anleitung zum Bestimmen der Mineralien . . -. Gaedicke, Gummidruck Gauss' Werke Geisler, Der erste Chemie Unterricht Geissler, Mathematische Geographie v. Ghika, 5 mois au pays des Somalis Goebel, Julius Sachs , Organographie der Pflanzen . 309, Gtze, Urzeit des Menschen. . . . Graber's Leitfaden der Zoologie . . Graetz, Elektricitt Gross, Roh. Mayer und II. v. Helm- holtz . . . ." Grub er, Hesseiberg Guillaume, Recherches sur le nicke! et ses alliages Gnther, Geophysik "laas, Katechismus der Geologie . . laber landt, Vlkerkunde .... laeckel, Schpfungsgeschichte . . lann, Kliniatologie Li tis eu, Ernhrung der Pflanzen . . laniis, Naturphilosophie larraga, Contributions l'etiide de 1'hercdite Hauptf leisch, Julius von Sachs . . 79 186 283 91 103 443 66 502 115 383 310 35 :;v_< 10 295 10 44 323 199 502 407 310 443 150 503 323 198 271 419 91 102 443 394 551 383 466 283 371 358 370 611 282 10 491 478 479 271 370 44 479 54 174 443 34 35 5si; 359 419 139 Seite Hey er, Erhaltung der Arbeit . . . 371 Hertwig, Zelle und Gewebe. . . . 282 Hettner, Geographie im 19. Jahr- hundert 346 Hildebrand, Cyclamen 174 Holzmller, Ingenieur-Mathematik . 431 Hrmann, Studien ber die Proto- plasma-Strungen bei den Characeen 550 Hbl, Photographisches Reproduc- tions- Verfahren 611 Huxley, Ursachen der Erscheinungen in der organischen Natur .... 282 Januschke, Princip der Erhaltung der Energie 127 Johansen, Nansen und ich .... 247 Juraschek, Hbner's geographisch- statistische Tabellen fr 1898 . . 551 du st 's botanischer Jahresbericht . . 358 Kahlbaum, Briefe zwischen Berzelius und Schnbein 610 Kaiserling, Praktikum der wissen- schaftlichen Photographie .... 271 Keilhack, Kalender fr Geologen 1898 35 Kerner, Pflanzenlehre 174 Kirchner und Bloch mann, Mikro- skopische Pflanzen- und Thierwelt . 151 Klein, Felix, Conferences sur les mathematiques 587 Klein und Sommerfeld, Theorie des Kreisels 563 Knipping, Seeschifffahrt 174 Knuth, Handbuch der Blthenbiologie 4(l Khler, Katechismus der Bergbau- kunde 259 Kohlwey, Arten- und Rassenbildung 382 Kohl borg, Ecuador 79 Koller, Torfindustrie 419 v. Klliker, Die Energiden .... 149 Koppe, Photogrammetrie und inter- nationale Wiilkeiimessung .... 394 Korn, Theorie der Gravitation . . . 259 Krmer, Bau der Korallenriffe und Plankton-Vertheilung 64 Krpelin, Leitfaden fr den botani- schen Unterrieht 370 Krancher, Entomologisches Jahrbuch 55, 623 Krieger, Mondatlas 455 Kkenthal, Zoologisches Praktikum 406 Kster, Bedeutung der physikalischen Chemie 174 Lang, O., Wie wchst das Erz? . . 491 Lassar-Cohn, Chemie im tglichen Leben 479 Lehmann, Alfr., Aberglaube und Zauberei 418 Lehmann, O., Elektrische Lichter- scheinungen 407 Levy, Theorie des marees 334 Lilje, Gesetze der Rotations-Elemente der Himmelskrper 210 Lindenberg, Fritz Vogelsang . . . 574 Lindner, Friedr., Preussisclie Wste einst und jetzt 394 Lorenz, Genealogie 78 v. Luscha.n, Beitrge zur Vlkerkunde der deutschen Schutzgebiete . . . 126 Lutz, Sammeln und Bestimmen der Pflanzen 394 Mach 8 Grundriss der Physik . 394, 502 Maiss, Aufgaben ber Wrme . . . 334 Marshall, Im Wechsel der Tage 247, 623 , Bilderatlas der Vgel 235 , Bilderatlas Fische, Lurche und Kricehthiere 586 Meyer, A., Erstes mikroskopisches Praktikum 491 Meyer, Fritz, Hunsrck 503 Meyer, Georg, Credner's Geologie 359 Meyer, Willi., Las Weltgebudo . . 174 Migula, Synopsis Characearum euro- paearum 91 Moritz, Auftreten und Bekmpfung \"ii Rebenkrankheiten 54 Inhalts -Verzeichniss. VII Seite Mllenhoff, Die Natur im Volks- munde 270 Mller, Willi., Flora von Pommern 443 Miiller-Pouillet, Physik und Meteo- rologie 371 Nansen, In Nacht und Eis .... 174 Naumann-Zirkel, Mineralogie. . . 115 N ernst und Schn flies, Mathema- tische Behandlung der Naturwissen- schaft 323 Nessig, Geologische Exkursionen in der Umgegend von Dresden . . . 443 Neuhauss, Farbenphotographie . . . 371 Neumann, Elektrische Krfte . . . 430 Nordahl, Wir Framleute 247 Ostwald's Klassiker der exakten Wissenschaften 323 Panzer, Der weibliche Krper. . . 345 Partseh, Regenkarte Schlesiens . . 44 P a x , PHanzenverbreitung in den Kar- pathen 455 Peters, E., Der griechische Physio- logus 163 Peters, H., Bilder aus der Mineralogie und Geologie 149 Plassmann, Himmelskunde .... 419 Plss, Naturgeschichtliche Bilder fr Schule und Haus 79 Pokorny's Pflanzenreich 91 Pospichal, Flora des sterreichischen Kstenlandes 4(37 Potonie, Metamorphose der Pflanzen 53 Ramsay, Gaz de l'atmosphere . . . 257 Rathgen, Conservirung von Alter- thumsfunden 467 R at z el, Deutschland." 611 Hau. Empfinden und Denken. . . . 124 Reinecke, Flora von Samoa . . . . 311 Richter, A., Arithmetische Aufgaben 335 Richter, Eduard, Seestudien . . . 370 Riedel, A., Unsere Hochschulen . . 149 Riedel, M., Gallen und Gallwespen . 102 Riemann, Oeuvres mathematiques . 587 Rohde, Stand der Frage nach der Entstehung und Vererbung indivi- dueller Eigenschaften und Krank- heiten 406 Routh, Dynamik der Systeme starrer Krper 3^2 Rudolph, Constitution der Materie . 539 Rudolphi, Allgemeine und physi- kalische Chemie 235 Russ, sprechende Papageien .... 491 Ruths, Inductive Untersuchungen ber die Fundamental-Geaetze der psy- chischen Phnomene 221 Rtimeyer, Gesammelte kleine Schrif- ten 115 Sachs, Physiologische Notizen . . . 282 Salmon, Analytische Geometrie des Raumes 383 Sanford, Explosifs nitres 223 Scherning, Pinsgau 66 Schiller -Tietz, Ghrkunde und Maltonweine 235 Schimper, Pflanzengeographie . . . 598 Schleichert, Anleitungen zu bota- nischen Beobachtungen 115 Schm eil, Zoologie 309 Schme isser u. Vogelsang, Gold- felder Australiens 149 Schmidt, Hans, Fernobjectiv . . . 371 Sc horleiiinier u. Classen, Roscoe- Schorlemmers kurzes Lehrbuch der Chemie 394 Schubert, Mathematische Musse- stunden 562 Schulte v. Brhl, Der Goldfisch . 394 Seward, Fossil plants 599 Slaby, Funkentelegraphie . ... 91 S pen gel, Zweckmssigkeit und An- passung 491 Stein, Jos., Regen Verhltnisse von Marburg 395 Seite Steril, Kritische Grundlegung der Ethik 577 Stiger, Wetterschiessen 210 St hr, Letzte Lebenseinheiten . . . 246 Strasburger, Noll, Schenk Schimper, Lehrbuch der Botanik 282 Sturm, Lehrbuch der Analysis . . . 431 Sudhaus, Aetna 515 Sydow, Deutscher Botaniker Kalender 611 Tannery et Molk, Fonctions ellip- tii|ues 294 Thilo, Grundlehren der Chemie . . 139 Thompson, Licht 371 Thonner, Vergl. Gegenberstellung der Pflanzenfamilien Bentham- Hooker's und Engler's 310 Turner, Problem der Krystallisation 346 Tyndall, Gletscher der Alpen . . . 259 Ule, Physikalische Erforschung der baltischen Seen 503 Unbehaun, Versuch einer philoso- phischen Selections-Theorie . 198, 311 Valentiner, Handwrterbuch der Astronomie 443 Verworn, Zur Physiologie des Central - nervensystems 502 Vogel, Taschenbuch der Photographie 247 Voigt, Physikalische Eigenschaften der Krysfalle 222 Walter, Atmosphrische Strahlen- brechung 587 Warburg, Muskatnuss 54 Weiss, Zukunft der Menschheit , . 174 Wett stein, Geographisch - morpho- logische Methode der Pflanzen- systematik . . 199 Wiedemann, Elektricitt 575 Wiesner, Beziehungen der Pflanzen- physiologie zu den anderen Wissen- schaften 610 Wintzer, Denis Papins Erlebnisse in- Marburg 382 Witte, Deutsclithum im Elsass und Vogesengebiet 78 Wocke, Alpenpflanzen in der Garten- cultur 407 Wolff, G., Beitrge zur Kritik der Darwinschen Lehre 479 Wol terstorff, Reptilien und Amphi- bien der nordwestdeutschen Berg- lande 34 Woltmann, System des moralischen Bewusstseins 466 Wllner, Experimentalphysik . . . 127 Wundt, System der Philosophie . . 44 , Menschen- und Thierseele .... 359 Wnsche, Pflanzen Deutschlands . 78 Zacharias, Forschungsberichte aus der biologischen Station zu Pln . 186 Zache, Tafel der geologischen Wand im Humboldthain zu Berlin . . . 270 Zirkel siehe Naumann. Annuaire pour l'an 1898 public par le bureau des longitudes 11 Astronomischer Kalender 1898 ... 67 Bericht der Senckenbergischen natur- forschenden Gesellschaft in Frank- furt am Main 575 Berichte der naturforschenden Gesell- schaft zu Freiburg i. B 271 Bildnis von Gmbel 347 Bcher und Abhandlungen, Liste im Buchhandel erschienener, 23, 35, 44, 55, 103, 127, 163, 175. 187, 211,223, 235, 247, 259, 271, 283, 311, 323, 347, 371, 383, 395, 407, 419,431,443,467, 479, 491, 503, 515, 527, 539, 551, 563, 587, 599, 611, 623. Bulletin of the Geological Institution of the University of Upsala . . . 383 Bulletin de la societe imperiale des Naturalistes de Moscou 311 Centralblatt fr Anthropologie, Ethno- logie und Urgeschichte 575 Seit Der deutsche Schulmann 455 Doubletten -Verzeichniss des Berliner botanischen Tauschvereins .... 11 Entomologisches Jahrbuch, Kalender fr Insecten-Sammler ... 55, 623 Fauna des Balatonsees .... 126, 151 Festschriften der Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Aerzte .... 23 Forschungen zur deutschen Landes- und Vlkerkunde 503 Forschungsbericht aus der biologischen Station zu Pln 103 Fortschritte auf dem Gebiet der Rnt- genstrahlen 199 Fortschritte der Physik 1896 .... 7:1 Geological Survey Canada (17 Geologisch-agronomische Special karte von Preussen 11, 151 Jahrbuch der Chemie 115, 455 Jahrbuch der Photographie fr 1898 . 359 Jahreshefte der naturwissenschaftlichen Versammlung fr das Frstenthum Lneburg 295 L'Intermediaire des Biologistes ... 79 Litteratur ber Fermente 175 Naturae Novitates 44 Natrliche Pnanzenfamilien 91, 323, 407 Preis-Verzeichniss von Dr. Kaiser's In- stitut fr Mikroskopie 23 Rendiconti della R. Accademia dei Lincei 150 Verhandlungen des ersten internationa- len Mathematiker-Congresses in Z- rich 611 Vierteljahrsschrift der Naturforschenden Gesellschaft in Zrich 311 Vierteljahrsschrift fr wissenschaftliche Philosophie 55 Zeitschrift der Deutschen geologischen Gesollschaft 283 Zeitschrift fr Naturwissenschaften . 259 Verzeichniss der Abbildungen. Adlerfarn 409 Aequatorial der Manora-Sternwarte . 151 Annularia radiata G17 Apfel, befallen von der San-Jose-Laus 191 Apparate zur Demonstration des Falles schwerer Krper 25, 28 Apparat zur Acetylen-Beleuchtung . . 449 Apparat zur Untersuchung des Keimens von Samen unter Einwirkung von X-Strahlen > .... 306 Artisia (Orig.) 621 Aspidiotus perniciosus u. ostreaeformis 192 Birnen, abnorme 583 Blindmaus 261 Bogendne (Orig.) 240 Borstenigel (Orig.) 557 Calamites-Steinkern (Orig.) 618 Calamites-Stengel-Querschliff . . . . 617 Callipteris affinis 410 Callipteris conferta 411 Caulopteris varians 614 Cordaites, fchrige Blattstcke (Orig.) 621 Diamanten, knstliche (Orig.) . . 327, 328 Diamanten in einem Olivin-Schnielzfluss (Orig.) 326 Doppelwandiges Glasgefss fr Aufbe- wahrung flssiger Luft (Orig.) . . 375 Dnnschliff eines Olivin-Sehmelzflusses (Orig.) 325 Ehrenpforte zum Empfange des Kaisers in Kunigshtte 213 Ei der Maus 168, 169, 172 Ei einer phanerogamen Pflanze mit Spermie '66 Equisetnm hiemale Stengel-Querschnitt 617 Falliten aus dem Rothliegenden (Orig.) 249, 250, 251, 252, 338, 339, 340, 341. Farn-Lianen, fossile 217 VIII Inhalts- Verzeichniss. Favularien (Sigillarien) G20 Funkeninductor 183 Gleichenia gigantea, Wedelstck mit Adventiviiedern .... 218, 412, 614 Graphische Darstellung der Luft- und Boden - Temperatur bei Pereval (( rig.-Nachb.) 238 Graphische Darstellung der Tempera- turen und Luftdruckdifferenzen . . 245 Graphische Darstellungen zu den Wetter-Monats- Uebersichten ber Temperaturen und Niederschlge 33, 90, 138, 185, 234, 293 und 294, 344 und 345, 393, 453, 454, 500, 549, 609. Hemicentetes nigrieeps (Orig.). . . . 557 Hemitelia capensis mit Adventivfiedern 218, 412 Hoeninghausi-Aufbau 217 Ichnium acrodaetylum -Fhrten (Orig. I 337, 338 Inductor mit Apparaten zur Durchleuch- tung 184 Jupiter am 24. Februar und 22. Mrz 1897 157 Karte der alten Thler in der Mark (Orig.) " 313 Karte der Meerenge Karabugas (Orig.) 433 Karte, geologische, der nrdlichen Kohlenfelder von Schantung . . . 142 Karte der sdliehen Karabugasischen Landzunge (Orig.) 435 Karte mit Angabe der Vertheilung der Flossenfsser (Orig.) 291 Karte mit Linien gleichen Luftdruckes 244 Karte, tektonische, von Schantung . . 143 Karte von Europa mit Stammbaum der arischen Vlker (Orig.) . . . 362 Kartenskizze von China zur Illustration des Standes der floristischen Kennt- nisse (Orig.) 330 Seite Klapp-Camera mit Spiegelreflex . . . 395 Kcherfliegon, Larven u. s. w. (Orig.). 461 Lava-Bume (Orig.) 414, 415 Lepidodendron, rostaurirt 214 Lepidodendron-Polster 618 Lepidodendron Veltheimi 216 Lepidodeudron Volkmannianum . . . 216 Lsswand mit Kieszungen (Orig.) . . 241 Manora-Sternwarte 153 Mariopteridischer Aufbau . . . 216, 614 Mariopteris muricata 217, 614 Mars am 24. November und 11. Dezem- ber 1896 156 Mars-Oberflche 255 Megaphyton Mac-Layi 614 Menschliches Ei 167 Mikrometer der Manora-Sternwarte. . 155 Monstrse Birnen 583 Ovopteris Lescuriana 411 Poeopterisdentatamit Adventiv-Fiedern 218,412, 613 Pferdezeichnung, prhistorische (Orig.) 42 Profil am Silberberg beim odenmais (Orig.) 285 Profil der Erzlagersttten von Boden- mais (Orig.) 287 Profil der Kohlengruben bei Ku-ta-wan 143 Profil, ideales, der Verwerfung am Tung-Wnn-h 143 Profil des Kohlenfeldes von Wei-hsicn 144 Profil durch das Graphitlager von Schwarzbach (Orig.) 113 Profil durch das Kohlenbecken Hei- shan bei Po-schan-hsien 144 Profil durch Hyperit-Hgel in der Ebene bei Tsi-nan-fu 144 Profil, sinische Schichten auf Gneiss . 143 Pteridium aquilinum Wedelstck (nor- males) 409 Seite Pteridium aquilinum Wedelstck, durch Phytoptus deformirt 410 Pteris quadriaurita mit Hexenbesen . 412 Rhodea disseeta 219 Rhodea Schimperi 413 Rhodea Stachei 219 Rntgen-Lampe mit regulirbarem Va- cuum 182 Rntgen-Photographie einer Messing- platte 1S3 Rntgen-Photographie eines ausgerenk- ten und wieder eingerenkten Armes 183 Salzsee bei Mullahkara (Orig.) . . . 210 San- Jose-Schildlaus d" und '9 . . 189, 190 Saturn am 27. August 1897 157 Schdel des Spalax giganteus .... 262 Schdel des Spalax girgisorum . . . 2G3 Schdel des Spalax microphthalmus . 262 Schema einer Spermie (Orig.) .... 165 Schuttkegel am Fuss des grossen Bal- chn (Orig.) 239 Sigillaria elongata 620 Sigillaria, restaurirt 214 Sigillarien mit Wechselzonen .... 215 Spermie von Chara fragilis 166 Sphenophyllum euneifolium .... 214 Sphenophyllum mit Asterophyllites-Be- bltterung 616 Sphenophyllum-Stengel-Querschliff . . tj IG Sphenophyllum verticillatum .... 617 Sphenopteris Bumleri (Orig.). . . . 615 Syringodendron-Skulptur 216 Syringodendron mit Wechselzonen (Orig.) 619 Trizygia speciosa 617 Venus am 6. Mrz und 12. August 1897 156 Zeil-Formen (z. Artikel Kobelt) (Orig.) 39, 211 Zweig, von San- Jose-Laus befallen . . 191 ^g^^ "^ii/ /*-+- c^ Redaktion: f Dr. H. Potonie. Verlag: Ferd. Dmmlers Verlagsbuchhandlung, Berlin SW. 12, Zimmerstr. 94. XIII. Band. Sonntag, den 2. Januar 1898. Nr. 1. Abonnement: Hm ub< nnirt bei allen Buchhandlungen und Post- anslalten, wie bei der Ex| edition. Der Vierteljahrspreis ist Ji 4. Bringegeld bei der Po9t 15 , extra. Postzeitungsliste Nr. 5048. "If .1 Inserate. Die viergespaltene Petitzeile 40 J,. Grssere Auftrge ent- sprechenden Rabatt. Beilagen nach Uebereinkunft. Inseratenannabme bei allen Annoncenbureaus wie bei der Expedition. Abdruck ist nur mit vollstndiger Quellenangabe gestattet. Menschenrassen und Weltgeschichte. Nach einein auf der 69. Versammlung deutscher Naturforscher und Aerzte in Braunschweig gehaltenen Vortrag. 1 ) Von Dr. Ludwig Wilser. Derjenige Theil der physischen Anthropologie, welchen man in neuester Zeit die historische Anthropologie zu nennen an- gefangen hat, wird in Zukunft ohne Zweifel als eine ebenbrtige Schwester der brigen Hilfswissenschaften der Geschichte, wenn nicht als die vornehmste, betrachtet werden mssen." Alex ander Ecker, Crania Germaniae meridionalis occidentalis. Freiburg lfcGo. Was der Freiburger Forscher fr die Zukunft voraus sah, beginnt in unseren Tagen, ein Menschenalter spter, Wahrheit zu werden, und dadurch gewinnt die Wissen- schaft vom Menschen" eine allgemeine, weit ber den engen Kreis der Fachgelehrten hinausgreifende Bedeutung. Dass es in der Bevlkerung unseres Welttheils Menschen mit hellen und dunkeln Haaren, blauen und braunen Augen, lnglichen und runden Kpfen giebt, sieht Jedermann, und auch mit der wissenschaftlichen Feststellung der Zahlenverhltnisse dieser Merkmale werden die wenigsten etwas anzufangen wissen. Erst wenn die Anthropologie mehr kann als das, wenn sie es versteht, die Fden zu entwirren, die von unserem Volkstliuni zu Geschichte und Urgeschichte laufen, wird sie den todten Zahlen Leben einflssen und die Theilnahme weiterer Kreise wecken knnen. Die schriftlichen Geschichtsquellen haben dem Irrthum unterworfene Menschen zu Verfassern, die anthropologischen Merkmale aber, die der Mensch nicht wie Sprache oder Sitten vertauschen kann, beruhen auf der Wirkung ewiger Gesetze. Nach Jahrtausenden noch, wenn jede andere Erinnerung erloschen ist, trgt eine Kasse die Merkzeichen ihres Ursprungs zur Schau, und in Mischrassen lassen sich die zusammensetzenden Bestand- teile erkennen und unterscheiden. Die geschichtlichen Ereignisse geben sich als Nachspiele oder Auslufer hn- licher, durch gleiche Ursachen hervorgerufener Vorgnge zu erkennen, daher wird die Geschichte nur durch die *) Mit Obigem giebt Herr Wilser seinen in Braunschweig ge- haltenen interessanten Vortrag ausfhrlich wieder. Wegen der grossen Zahl gehaltener Vortrge knnen die Verhandlungen" der Versammlung nur einen Auszug bringen. Efed. Vorgeschichte verstndlich. Das Dunkel der Vorzeit zu erhellen, sind aber verschiedene Wissenschaften berufen : Naturwissenschaft, Sprachforschung, Geschichte und Alter- thumskunde. Findet sich ein Weg, zu dem die Forschungs- ergebnisse aus all diesen Wissensgebieten hinleiteu, so haben wir die Gewhr, dass dies der rechte ist, der zur Wahrheit fhrt. Zeitrume, fr die unserem Gehirn jede Vorstellung fehlt, sind verflossen, seitdem der Erdball um die Sonne sich dreht. Die Stoftinenge, aus der er sich zusammen- setzt, hat dabei die mannigfaltigsten Vernderungen ihres Zustandes, der Wrme, Ausdehnung, Zusammensetzung und Anordnung erfahren, Vernderungen, die aber ganz allmhlich, eine aus der anderen nach ewigen Gesetzen folgend, sich vollzogen haben. Erst nachdem die Er- kaltung so weit vorgeschritten war, dass sich an gewissen Stelleu flssiges Wasser von massiger Wrme fand, konnten die Urstoffe zu ihren hchstmglichen Verbin- dungen zusammentreten, konnte das Leben auf unserem Weltkrper beginnen. Auch die Geschichte des Lebens ist fr unsere Begriffe eine unendlich lange, wenn wir unendlich nennen drfen, was einen Anfang gehabt bat und dereinst ein Ende nehmen wird; der Fortschritt stetig, aber langsam, fast unmerklich. Auf dem Gipfel der Lebensentwickelung steht der Mensch, die Krone der Schpfung". Obgleich auch seine Geschichte fr uns un- ermessbar ist und im Dunkeln der Vorzeit beginnt, ist sie doch nur ein winziger Bruchtheil der Geschichte des Lebens berhaupt oder gar des Erdballs, und was wir Weltgeschichte" zu nennen pflegen, ist wieder nur der letzte, verschwindend kleine Abschnitt derselben. Das Gewordene ist nur dem Kenner des Werdegangs ver- stndlich. So lehrt uns auch nur die Art ihrer Entstehung die Bedeutung der Menschenrassen in der Geschichte begreifen, und da die Lebensentwickelung eine zusammen- Naturwissenschaftliche Wochenschrift. XIII. Nr. 1. hngende, ununterbrochene ist, so sei ein Rckblick zum Uranfang allen Lebens gestattet. Denn, wie in einem Ge- wlbe jeder einzelne Stein zur Tragkraft mitwirkt, wie in einer Kette jedes ausfallende Glied den Zusammenhang unterbricht, so darf auch hier nichts unerwhnt bleiben, was zur Beleuchtung der vorgeschichtlichen Zustnde, aus denen die geschichtlichen Vorgnge erwachsen sind, dienen kann. Zu den tiefsinnigsten Sprchen aus dem Alterthum gehrt das ugiatov fisv vdug ; dass wir im Wasser den Urquell alles Lebens suchen mssen, haben schon die griechischen Weisen geahnt, und Harvey's berhmten Ausspruch ,omne vivuru ex ovo' knnen wir nach unserer heutigen Erkenntniss dahin erweitern ,primum vivum ex unda', Daraus, dass die Pole die kltesten Stellen der Erde sind, drfen wir schliessen, dass dort zuerst das Wasser khl genug fr das Erwachen des Lebens war, der Sdpol auf Festland fllt, so muss am Nord- Leben begonnen haben. Wasserthiere sind all- die doppellebigen Lurche bilden den Ueber- zu Landbewohnern geworden, und dieser Ent- wickelungsfortschritt muss sich da vollzogen haben, wo die Kste des Festlandes am weitesten ins Nordmeer hineinragte. Sicher haben sich, seit es Festlnder giebt, die Umrisse derselben nicht wesentlich gendert, sind die hohen, tausend und mehr Faden ber den sich erhebenden Sockel derselben und da pol das mhlich gang Meeresgrund un er- schttert stehen geblieben. Im Einzelnen aber sind durch Schwankungen des Wasserspiegels, Erhebungen von Ge- birgen und dergl. mannigfache Verschiebungen zwischen Wasser und Land eingetreten, so dass, wo heute seichtes Meer ist, frher Land, wo jetzt niederes Schwemmland sich befindet, frher Meer gewesen sein kann, dass Meerengen und Buchten verschwunden sind oder sich neu gebildet haben, dass Inseln vom Festlande getrennt oder mit demselben vereinigt wurden. Nach der Beschaffen- heit der den Nordpol umgebenden Lnder drfen wir an- nehmen, dass die nur wenig ber den Meeresspiegel sich erhebenden und noch heute mit tief einschneidenden Buchten und Seen durchsetzten Niederungen von Sibirien und Nordamerika einst vom Meere bedeckt waren, dass dagegen die felsige Nordspitze von Europa, wahrschein- lich noch mit Spitzbergen, Franz- Josefs-Land , Island und Grnland vereinigt, viel weiter nach Norden sich er- streckt hat. Dort, an der ussersten Nordlaudskste, mssen die ersten Landthiere entstanden sein, und dass sich von dort auf jeder Entwickelungstufe immer neue Wellen derselben ber alles zugngliche Land ergossen haben, dafr sprechen alle Erfahrungen der Thiergeo- graphie*). Lassen wir aus einem Trichter Streusand auf eine ebene Flche rieseln, so erhalten wir einen kegel- frmigen Hgel, der dort am hchsten ist, wo die ersten Sandkrner aufgefallen sind, und sich nach allen Seiten gieichmssig abflacht. So wird auch das Thierleben an seinem Ursprungsort den hchsten Gipfel der Entwicke- lung erreicht haben, und die niedersten Vertreter werden wir in den ussersten Grenzgebieten suchen und finden, besonders wenn diese durch frhzeitige Lostrennung spteren Wellen nicht mehr zugnglich waren. Das Beispiel stimmt: die niedrigsten Sugcthiere leben in Australien, Neuseeland, Madagascar. Dass auch die niedrigsten Menschenrassen, Australneger, VVcddas, Andamancsen, Buschmnner, unter annhernd den gleichen Breiten leben, beweist, dass auch der Mensch, das hchstentwickelte Siiugethier, nach den gleichen Gesetzen und in gleicher Richtung sich verbreitet hat. *) Die Palaeontologie setzt dieser Auffassung Sc Reiten entgegen. hu ierig- Red. Im Norden waren auch die meisten Anstsse zu stetig fortscheiteuder Eutwickelung gegeben, theils durch die angedeuteten Schwankungen in der Vertheilung von Wasser und Land, theils durch grosse, zusammenhngende Festlaudsgebiete, ganz besonders aber durch die zu- nehmende Abkhlung, die einen Theil der Lebewesen dazu zwang, durch gesteigerten Stoffwechsel ihre Eigen- wrme bis zur Unabhngigkeit von der umgebenden Temperatur zu erhhen. Eine Folge der Abkhlung ist auch die Eiszeit, die auf die Umgestaltung der Erdober- flche von einschneidendster Wirkung war. Von den vielen Erklrungsversuchen kann keiner vllig befriedigen. Wir sehen daher, wie es die Erdkunde fr andere Erscheinun- gen schon lngst gethan, besser von allen gewaltsamen und pltzlichen Vernderungen ab und schreiben die Ent- stehung der Eiszeit den heute noch wirksamen Krften zu. Bildung und Wachsthum eines Gletschers hat drei Voraussetzungen, erstens reichliche Niederschlge, zweitens zur Schneebildung nthige Klte, drittens Gebirge, die das Abschmelzen des Schnees in der wrmeren Jahreszeit verhindern, dadurch einen wachsenden Vorrath ansammeln und denselben langsam ber die Schneegrenze vorschieben. So lange die Luft rings um den Erdball warm war, konnte sie Meere von Wasser tragen; die von den Polen her immer strker werdende Abkhlung aber musste ge- waltige Niederschlge verursachen, die von den Gebirgen aus einen grossen Theil des Festlandes vergletscherten. Die ungeheuren Eismassen entzogen der Luft eine ent- sprechende Wrmemenge, was wieder neue Niederschlge zur Folge hatte. Endlich, nach verschiedenen Schwan- kungen, wie wir sie in kleineren Verhltnissen auch an den heutigen Gletschern beobachten, trat Gleichgewicht ein: da die kalte Luft nur noch wenig Wasser enthielt, nahm die Wolkenbildung ab, die Sonne konnte ihre Wirkung entfalten, und unter ihren Strahlen erfolgte ein allmhliches Abschmelzen, wobei ungeheure Wasserflutheu, von denen die heutigen Flsse kaum eine Vorstellung geben, den Meeren zustrmten und die bekannte Um- gestaltung der Thler verursachten. Thiere und Pflanzen mussten diesen Vernderungen folgen und sich anpassen. Fr lngere Zeit wurde die Grenze des Lebens auf dem Festlande weit nach Sden verschoben, und whrend es zu Beginn der Eiszeit in Westeuropa noch so warm war, dass Elephanten, Lwen und grosse Affen unter Palmen lebten, wurde es schliesslich so kalt, dass in Sdfrank- reich nur noch das Renthicr seine krgliche Nahrung fand. Der Mensch, der noch in der Zwischeneiszeit, westlich und stlich vom Gletschergebiete, in Frankreich und Mhren, das Mammut und Nashorn gejagt hatte, war schliesslich, wie die heutigen Berglappen, fr seinen Lebensunterhalt ganz auf das in grossen Herden vor- kommende Rcnthier angewiesen. Als die Eiszeit ihrem Ende sich nherte, folgte das an die Klte angepasste und von Moosen lebende Thier dem langsam nach Norden sich zurckziehenden Rande der Gletscher, und ihm, als seiner Nahrungsquelle, folgte der Mensch. Die einzelnen Staffeln dieses Rckzuges lassen sich durch Belgien und die Niederlande bis gegen die kimbrisehe Halbinsel ver- folgen. Dort angekommen fand der Mensch unter milder gewordenem Himmel und am Strande des jetzt offenen Meeres gnstigere Lebensbedingungen. Er nhrte sich von den Frchten des Meeres", Fischen und Austern, deren Grten und Schalen wir massenhaft in den Muschel- haul'cn ( K jkkcninddingcr) der dnischen Kste finden, aber auch Landthiere, besonders Hirsche, wurden seine Beute. Er liess daher das Renthier nordwrts ziehen und blieb am grossen und kleinen Belt, wo er bei reichlicher Nahrung gedeihen und sich vermehren konnte. Nach unserer Voraussetzung von dem Entwickelungs- XIII. Nr. 1. Naturwissenschaftliche Wochenschrift. mittelpunkt im Norden nmss der europische Mensch schon vor der Eiszeit der hchststehende unter seinen Stammesverwandten gewesen sein. Dafr sprechen auch die in franzsischen Hhlen und im mhrischen Lss ge- fundenen Zeugnisse von der bildnerischen Kunst der r- europer*). Die an gewaltigen Umwlzungen, furcht- baren Naturerscheinungen und Wechselfllen aller Art reiche Eiszeit hat selbstverstndlich das ihrige dazu bei- getragen , die Leibes- und Geisteskrfte der wenigen Ueberlcbendcn zu sthlen und ihre Erfindungskraft anzu- spornen; denn bittere Noth und harter Daseinskampf waren von je die besten Lehrmeister der Menschheit. So sehen wir denn auch beim nordeuropischen Menschen nach dem Ablauf der Eiszeit einen Kulturfortschritt be- ginnen, der nimmer geruht und von Erfindung zu Er- findung gefhrt hat, von der steinernen Pfeilspitze bis zum Hinterlader, von der Knochennadel zur dampf- getriebenen Spinnerei mit hunderten sausender Web- sthle, vom Reibholz bis zum Streichhlzchen utan svafel och fosfor, vom Kienspalm zur elektrischen Beleuchtung, vom Einbaum zum riesigen Schnelldampfer. Durch starke Vermehrung wurde der auf den dni- schen Inseln lebende Mensch der Muschelhaufen zur Aus- wanderung gedrngt, und das nchstliegende, heute nur durch einen schmalen Meeresarm, den Oeresund, getrennte Land war die Sdspitze der skandinavischen Halbinsel, die Landschaft Schonen. Dieses meerumschlungene, nicht zu karge und nicht zu ppige Land war es, wo unsere Vorfahren den grossen Schritt vorwrts, von der lteren zur neueren Steinzeit gemacht haben, dort finden sich die ersten Zeugen dafr, sorgfltig gearbeitete, wohlgeglttete Steiuwerkzeuge. Von dem Umfang und der Bedeutung der sich entfaltenden Steinzeitkultur drfen wir uns keine zu geringen Vorstellungen machen: auf der Hhe ihrer Entwicklung kannte der Mensch Ackerbau und Schiffahrt, hatte feste Wohnungen und ungefhr die gleichen Hausthiere wie noch heute. Ackerbau und Vieh- zucht gestatteten eine starke Vermehrung des krftigen Volkes, und die stetige Zunahme der Bevlkerung auf einem beschrnkten Raum war die natrliche Ursache der noch heute nicht stillstehenden Auswanderung. Aus diesem Steiuzeitvolk von Schonen darber kann nach dem jetzigen Stand der Wissenschaft kein Zweifel mehr obwalten , sind die Arier" hervorgegangen, seine Kultur ist die urarische", und von der Sd- schwedischen Kste sind die Wanderungen ausgegangen, die immer neue, immer weiter entfernte Gebiete mit dieser hchststehenden und edelsten unter den Menschenrassen besiedelten. Diese Besiedelung erfolgte theils in ruhiger, allmhlicher Ausbreitung, theils, wenn die Bevlkerungs- spannung" zu gross wurde, in mchtigen, alles durchbrechen- den Strmen, und berall, wo sie hingedrungen, finden wir die gleiche Rasse, die gleiche Gesittung. Vor Kurzem hatte ich Gelegenheit, einige Schdel aus der Steinzcit- siedelung auf dem Michaelsberg bei Bruchsal zu unter- suchen. Auch auf sie aber durchaus nicht mehr auf die heutige sddeutsche Bevlkerung passt der Aus- spruch des Freiherrn von Dben ber die alten Schwedenschdel auf der Versammlung zu Stockholm im Jahre 1874: l'on reconnalt peu peu, chez ces ernes anciens, traits par traits, detail par detail, les ernes de la population actuelle**). Dort in Schweden ist bei gleichbleibenden usseren Bedingungen und unter Aus- schluss jeder Rassenmischung denn es sind nur Aus- *) Vergl. meinen Aufsatz ber diesen Gegenstand im Globus LXVI 1, 1894. **) Congres international d'anthropologie et d'archeologie pifc- historiques. Compte rendu II, p. 690, Stockholm 1876. Wanderungen, niemals Einwanderungen erfolgt, seit Jahrtausenden auch die Rasse die gleiche geblieben. Werfen wir einen Blick auf diese Rasse, die in der Weltgeschichte die grsste Rolle gespielt hat, spielt und spielen wird. Hoher, krftiger Wuchs, lnglicher Schdel, schmales Gesicht, etwas fliehende Stirn, schmale, vor- springende Nase, weisse, durch das durchschimmernde Blut rosig gefrbte Haut, gelbliches, weiches, langlockiges Haar, starker Bart, blaue Augen, das ist das ussere Bild*), so sind alle unvermischten Arier" in die Ge- schichte getreten. Ueber den Zusammenhang dieser nordischen mit den brigen Menschenrassen kann uns die Thatsache, dass Ureuroper**) und Afrikaner Langkpfe sind, Aufsehluss geben. Aus dieser Uebereinstimmung der Schdelform drfen wir schliessen, dass sieh der Mensch von seinem Ursprungslande am Nordmeerstrand in aufeinander folgenden Wellen ber unseren Welttheil und von diesem ber frhere Landbrcken allmhlich bis zur Sdspitze von Afrika verbreitet hat. Die immer strker hervor- tretenden klimatischen Unterschiede konnten nicht ohne Wirkung, besonders auf die Hautfarbe, bleiben. Die Eiszeit und das sich anschliessende nordeuropische Klima mit seiner Klte, den langen Winternchten mit starker Bewlkung, viel Feuchtigkeit und wenig Sonnen- schein musste die Farben bleichen; denn naturwissen- schaftlich kann die Hellfrbung der Nordlandsrasse nur als Albiuismus massigen Grades***) aufgefasst werden. So hoch man die Schnheitswirkung der Farbenzusammen- stellung von Gold, Weiss, Rosenroth und Blau auch an- schlagen mag, so ist doch der Verlust des Farbstoffs an sich kein Vortheil, da strkere Ablagerung von solchem die Widerstandskraft der Lebewesen erhht. Fr die Neu-Darwinisten wer sich mit Darwin berhaupt noch nicht abgefunden, ist kein Naturforscher mehr , die in der Auslese das einzige Mittel zur Artenbildung erblicken, bleibt daher die Frbung der hchststehenden Menschenrasse unverstndlich und unerklrbar. Sicher hat der Farbstoffverlust der Nordeuroper whrend, viel- leicht sogar schon vor der Eiszeit begonnen, sich dann auf der skandinavischen Halbinsel, der arischen Ur- Heimath, fortgesetzt und in Folge der durch natrliche Schranken geschtzten Reinhaltung der Rasse befestigt. Sdlich von den Alpen blieb die Frbung der Ureuroper eine dunklere, elfenbeinweisse Haut, schwarze Haare, braune Augen (Homo europaeus meridionalis). Je nher man in der alten Welt dem Aequator kommt, desto dunkler, fast schwarz unter diesem selbst, wird die Haut- farbe und hellt sich dann gegen die Siidspitze Afrikas zu wieder etwas auf. Diese, allen Vlkerwanderungen zum Trotz, noch heute deutliche Farbenvertheilung ist ein sicheres Zeichen, dass, wie schon die Alten j) annahmen, die dunkle Frbung eine unmittelbare Wirkung der *) Linne (Systema naturae, Leyden 1735) giebt von dem Menschen dieser Rasse, den or kurzweg europisch" (Homo euro- paeus) nennt, folgende Beschreibung: albus, sanguineus, torosus. Pilis flavescentibus prolixis. Oculis caeruleis. Levis, argutus, inventor. **) Die ltesten in Europa gefundenen Schdel, wie die von Neanderthal, Spy, Egisheim, Olmo, Brx, Grenelle, Brunn, Przed- most, gehren alle zur dolichocephalen Rasse. Man knnte ihr, die von den Franzosen gewhnlich noch race de Canstadt genannt wird, den Namen Homo europaeus primigenius beilegen. Den Uebergang von dieser ltesten zu der in geschichtliche Zeit herein- reichenden nordeuropischen Rasse bildet die race de Cro-Magnon (Homo europaeus priscus). ***) Schon Poesche, Die Arier 1878, sagt auf S. 17 Die Blonden sind Albinos, oder, genauer gesprochen, Halbalbinos". f) Herodot II 23; Aristoteles (Problem. XIV 4); Pli- nius (Hist. nat. II 80); Galenus (De temperatione II 5 und XXXVIII 2). Naturwissenschaftliche Wochenschrift. XIII. Nr. 1. Sonne*) ist. Da aber zur rassenhafteri Befestigung' der Farben sehr lange Zeit gehrt, so stimmen dieselben nur in der Alten Welt mit den Breitegraden; in der Neuen Welt sind die Menschen sptere Einwanderer**). Whrend die Osthlfte der Alten Welt bezglich der Farben im Grossen und Ganzen bereinstimmt, verhlt sie sich hinsichtlich des wichtigsten Rassenmerkmals, der Schdelform, grundverschieden. Europa und Afrika haben, wie wir gesehen, vorwiegend langkpfige Be- vlkerungen, Mittelasien dagegen ist das Verbreitungs- centrum der Rundkpfe. Die merkwrdige Thatsache, dass auch die asiatischen Grossaffen, Orang und Gibbon, rundkpfig, die afrikanischen, Schimpanse und Gorilla, dagegen langkpfig siud, legt die Annahme nahe, dass der Hauptunterschied menschlicher Schdelform in sehr frhe, vielleicht sogar vormenschliche Zeit zurckreicht, und dass die ber Europa und Afrika sich ergiessenden Wellen des Urmenschen von Anfang an langkpfig, die in Asien sich verbreitenden dagegen rundkpfig gewesen. Eine Einwirkung usserer Umstnde auf die Gestaltung des Schdels oder ein Zusammenhang derselben mit dem Wuchs oder der Lnge der Gliedmaassen lsst sich nicht erkennen, ebensowenig ein solcher mit der Hautfarbe oder dem Bildungszustand***). Um so wichtiger, da sie sieh nur durch Mischung verndert, ist dieselbe als Rassenmerkmal +). Deutlich heben sich, wenn man alle diese Merkmale bercksichtigt, aus dem bunten Vlkergewimmel den Theilen der Alten Welt entsprechend drei Hauptrasseu ab, zwei langkpfige, der weisse Europer und der schwarz- braune Afrikaner, und eine rundkpfige. der gelbe Asiate, alle anderen knnen als Uebergnge oder Mischungen be- trachtet werden. Nach der Frbung zerfllt, wie gesagt, die europische in zwei Unterrassen, die lichthaarige nor- dische und die schwarzhaarige sdeuropische Rasse (auch Mittelmeerrasse, race mediterraneenne genannt). Unbe- stritten ist heute die Vorherrschaft der ersteren, aber *) Ei in er, Die Entstehung der Arten 1888, der auch schon der Ansicht war, dass wir unsere Heimath in ganz nordischen Gebieten zu suchen haben", sagt darber: die Ursache der Dunkolfrbung der Krperbedeckung ist offenbar die, dass durch Einwirkung von Licht und Wrme, bezw. auf den Reiz beider, in Folge grsseren Blutzuflusses, Farbstoff in der Haut abge- lagert wird.'' Der Einwand, dass vor den Sonnenstrahlen ge- schtzte Stellen, wie die Achselhhlen, am dunkelsten seien, ist hinfllig, denn physiologisch sind diese Stelion die wrmsten und blutreichsten. Auch bei einer gewissen Erkrankung der Neben- nieren (morbus Addisonii) dunkeln die der Sonne ausgesetzten Theile zuerst und strker, dann die durch Kleiderdruck und der- gleichen gereizten. Beim Neger sind die Nebennieren grsser als beim Weissen und, besonders in der Rinde, stark pigmentirt. Cassan (Observations faites dans la zone torride, 1789); Meckel (Path. Anat. I 648); Klebs (Handbuch der Path. An. 570). **) Amerika ist, wie die geographische Verbreitung dei Thiere zeigt, von Nordeuropa her mit Einwanderern versorgt worden (grosse Sugethiere, wie Wisent, Elch, Hirsch, Br u. a. sind dem nearktischen und palarktischen" Gebiet gemeinsam); doch sind die Verbindungen jedenfalls oft unterbrochen worden und haben frhzeitig ganz aufgehrt. Da auch die ltesten in diesem Welttheil gefundenen Schdel (von Calaveras, Rock Bluff, Somi- duro, Cordoba) der langkpfigen Menschenrasse angehren, die auch heute noch in der im allgemeinen rundkptigen ameri- kanischen Bevlkerung vertreten ist, so mssen auch die ltesten amerikanischen Menschen aus Europa stammen. Spter erfolgte dann eine starke Einwanderung asiatischer Rundkpfe, die sich ber den ganzen Welttheil bis zu dessen Sdspitze verbreitet haben. In den ausgesprochen langkpfigen Eskimos drfen wir Ueberblcibsel der lteren Rasse erblicken. ' ' i ' "lade die grssten Menschen unter Farbigen und Weissen, Patagonier und Bosnier, sind (wie auch die langarmigen Orange und Gibbons) rundkpfig, die hellsten und die dunkelsten, Skandinavier und Neger, die hchststehenden und die niedersten, Nordeuroper und Weddas, sind langkpfig. t) Nach Wichtigkeit und Bedeutung fr die Eintheilung folgen sieh .lie Hauptmerkmale in nachstehender Ordnung: Sehadel, frben, Wuchs. auch solche Vlker Volk und Rasse sind verschiedene Begriffe, ein geschichtlicher und ein naturwissenschaft- licher , in denen sie jetzt nur noch sprlich vertreten ist, verdanken ihr Grndung, Sprache, Gesittung und ge- schichtliche Bedeutung. Nach den Entwickelungsgesetzen knuen die Rollen nicht vertauscht worden sein, iuuss die Nordlandsrasse immer einen Vorsprung vor den anderen gehabt haben. Allerdings lsst sich gegen diese Auf- fassung einwenden, dass die ltesten Kulturvlker, von denen die Urkunden berichten, eben nicht dieser, sondern der Mittelmeerrasse angehrt haben; neuere Forschungen*) aber machen es wahrscheinlich, dass in grauer Vorzeit auch diese Vlker im Zweistromland, am Nil und in Kleinasien dem Einflsse nordischen Blutes und ureuro- pischer Kultur ausgesetzt waren. Sicher ist, dass sie, unfhig, die vielversprechend begonnene Kulturentwicke- lung aus eigener Kraft fortzufhren, bald nordisch-arischen Eroberern unterliegen mussten. Im Mittelalter haben unter dem begeisternden, zu Todesverachtung und Aus- breitung des Glaubens mit Feuer und Schwert entflam- menden Einflsse des Islam Araber und Trken mchtige Verstsse gegen Europa unternommen, ihr Ansturm ist aber schliesslich doch an dem Eisenwall germanischer Ritterschaft abgeprallt. Auch die arabische Kultur, die iu Spanien und Unteritalien schne Frchte gezeitigt hatte, ist bald abgestorben und durch die abendlndischen, smmtlich durch germanisches Blut aufgefrischten Vlker weitergefhrt worden. Im fernen Ostasien hat die gelbe Rasse ein eigenartiges und selbstndiges Kulturgebiet ge- geschaffen, das aber lngst der Erstarrung und Ver- kncherung verfallen ist. Was jetzt noch dort an Kultur- arbeit, besonders von den gelehrigen Japanern, geleistet wird, geschieht unter Anleitung und mit Beihilfe euro- pischer Lehrmeister. Der nordische Zweig der weissen Rasse, zur Weltherrschaft geboren**) und berufen, hat keine Nebenbuhler mehr. Die Ausbreitung dieser Rasse lsst sich selbstver- stndlich nur dann richtig verstehen, wenn man ihre Ur- heimath, den Ausgang der Wanderungen, kennt. Als ich vor 16 Jahren zuerst die Lehre von der skandinavischen Herkunft der Arier" verkndete, galt die Einwanderung aus Asien als feststehende, hchstens von einem oder dem anderen Sonderling" angezweifelte Thatsache. So fest war die Ueberzeugung, dass man ber die widersprechende geschichtliche Ueberlieferung als eine Lge der Sage" sich unbedenklich hinwegsetzte, denn die Wissenschaft giebt eine andere Antwort", sagte noch im Jahre 1883 der angesehene Germanist Scherer***). Trotzdem ist meine gleich anfngst) mit Zuversicht ausgesprochene Vorhersage, dass mir die Zeit und die fortschreitende Wissenschaft Recht geben wrden, iu Erfllung ge- gangen: fr Asien jf) wagt heutzutage kaum noch ein *) Vergl. Cope, The oldest civilized man, The American Naturalist XNN, Aug. 1896, Evans, Cretan pictographs and prae-phoenician Script, London and New-York 1895 und besonders die verschiedenen Verffentlichungen des erfolgreichen Erforschers gyptischen Alterthums, Flinders Petrie, der u. a. in einem Aufsatze der Deutschen Revue, August 1895, sagt die ltesten bis jetzt bekannten Skelette (aus Aegypten) zeigen deutlich eine Mischung des Neger- und europischen Charakters." **) Diese Rasse hat das hchste durchschnittliche Hirngewicht. Vergl. Buschan, Krpergewicht in Eulenburg's Encyclopdie. 3. Aufl. 1897. ' ' I Geschichte der deutschen Litteratur. i") Sitzung des Karlsruher Altorthumsvereins vom 29. Dez. 1881. tt) Ein Sprachforscher, Hirt, sagt darber (Geogr. Ztschr. I, 1895, S. 649) heute ist in der That nur eine Discussion darber mglich, welches europische Land die Indogermanen hergebracht hat", ein Naturforscher, Buschan (Centralblatt fr Anthropo- logie II, 2, S. 128) spricht von der heutzutage gewiss als abgethan geltenden Hypothese", dass die Heimath einer arischen Vlker- Familie in Asien zu suchen sei." XIII. Nr. 1. Naturwissenschaftliche Wochenschrift. Philologe einzutreten. Die engere arische Urheimath bildet aber immer noch einen Zankapfel der Gelehrten. Fr die skandinavische Halbinsel sprechen ausser manchen anderen Erwgungen drei Hauptgrnde. Erstens ein naturwissenschaftlicher: das Verbreitungscentrum einer Rasse ist immer da, wo sie sieb am reinsten er- halten bat, das ist fr die hellfarbige, langkpfige Menschenrasse (Homo europaeus Dolichocephalus flavus), aus der alle arischen Vlker hervorgegangen sind, im sdlichen Tbeile dieser Halbinsel. Zweitens ein ge- schichtlicher: bereinstimmend hat sich bei allen Stmmen der Germanen, des letzten rassereinen Kerns der Arier", die Ueberlieferung von der Auswanderung*) aus Scndia oder Seandinavia erbalten. Drittens ein palae- ographischer: in den skandisch-germanischen Runen ist das Uralphabet der alteuropischen Schrift enthalten, das noch die Entstehung- aus einer Bilderschrift**) erkennen lsst und aus dem man jedes einzelne Zeichen aller euro- pischen und kleinasiatischen Alphabete entwickelungs- geschiehtlich ableiten kann***), d. b. die skandinavische Halbinsel ist auch der Verbreitungsmittelpunkt der noch heute gebrauchten Buchstaben. Ich verhehle nicht, dass diese Beweise bis jetzt von der Wissenschaft nur theil- weise anerkannt sind, dass sie von manchen Seiten, wenu auch ohne Grnde, heftig angegriffen werden. Niemals aber sind sie widerlegt worden, niemals haben mich berraschende Entdeckungen oder sonstige Fortschritte der wissenschaftlichen Erkenntniss genthigt, etwas zurck- zunehmen, niemals sind fr irgend ein anderes Ursprungs- land stichhaltige Grnde beigebracht worden. Die Sprachforscher reden hutig von einem Volke mit urarischer Sprache und Gesittung, aus dem durch Spaltung in verschiedene, gleicbwerthige Theile die ein- zelneu arischen Vlker, die dann in Sonderentwickelung ihre eigenen Wege verfolgten, hervorgegangen seien. So verhlt sieh in Wirklichkeit die Sache nicht; sondern die starke Vermehrung f) des krftigen Volkes in einem durch natrliche Schranken umschlossenen Lande, dem sdlichen Tbeil von Skandinavien, brachte seit der neueren Stein- zeit die unbedingte Notwendigkeit mit sich, von Zeit zu Zeit den G eb u rten bers eh uss als heiligen Frhling" zum Aufsuchen neuer Wohnsitze auszusenden. Wie ein durch innere Quellen gespeister See ber seine Ufer wallen muss, so sind auch von dem arischen Stammvolke immer neue Vlkerwellen ausgegangen, bald ruhig dahin- fliessend, bald, wie ein durch Gewitterregen angeschwol- lener Bergstrom, in strmischem Tosen alle Hindernisse durchbrechend, immer aber umgestaltend und trotz mancher unvermeidlichen Zerstrung doch befruchtend. Manchmal glich die Ausbreitung der arischen Vlker mehr dem unaufhaltsamen, bald schnelleren, bald lang- sameren Vorschieben eines Gletschers, manchmal auch einem davon losgelsten, in wilden Sprngen zu Thal strzenden Felsblock. Beispiele aus der deutschen Ge- *) Dio geschichtlichen Zeugnisse sind zum ersten Mal zu- sammengestellt in meiner Schrift Stammbaum und Ausbreitung der Germanen", Bonn 1895. **) Als Beispiele seien die Runen feh, ur, ehu, man ange- fhrt, die durch Ergnzung weniger Striche noch das Bild ihres Namens geben, der bei den drei ersten sogar noch mit den latei- niseben Wrtern pecus, urus, equus bereinstimmt. ***) Ausfhrlich dargestellt und durch Schrifttafel erlutert in meinem Vortrage ber Alter und Ursprung der Runenschrift" auf der Versammlung der deutschen Geschichte- und Alterthums- Vereine in Konstanz 1895; Correspondenzblatt Nr. 11 u. 12 gleichen Jahrgangs. f) Dass diese Auffassung frher als selbstverstndlich galt, zeigt u. a. der Ausspruch von Paul Warnefrid's Sohn, dem Ge- schichtsschreiber der Langobarden (Gest. Langobard I, 1); Septen- trionalis plaga quanto magis ab aestu solis remota est et nivali frigore gelida, tanto salubrior corporibus hoininum et propagandis est gentibus magis coaptata. schichte fr die erste Art sind die Franken, fr die zweite die Langobarden. Die Erhaltung des Volksthums und der Rasse, die berhaupt von verschiedenen Umstnden abhngt, war im ersten Falle bedeutend leichter als im zweiten. Whrend man in alter Zeit frhere Bewohner eines eroberten Landes oft schonungslos mit dem Sehwerte austrieb* . war dies spter, als kleinere Germanenscharen in die reich bevlkerten Lande des Rmischen Reiches ein- brachen, nicht mehr mglich. Obgleich die Germanen, stolz auf ihr reines und edles Blut, sich mglichst lange zurckhielten, war eine Rassenmischung doch unausbleib- lich. Ueberall aber sind aus den eingewanderten Ger- manen nicht nur die Frstengeschlechter und der krie- gerische Adel, sondern auch die Vertreter von Kunst und Wissenschaft hervorgegangen ; das beweisen die Namen**). Wir haben gesehen, dass in Ansiedelungen aus der neueren Steinzeit die langkpfige Rasse oft noch vllig- rein vorkommt; bald jedoch, z. B. in den Pfahlbauten der Schweiz, finden sich Spuren einer ganz anderen, kleineren und rundkpfigen Rasse***), die in jedem folgenden Zeit- abschnitte, wenn nicht gerade eine neue nordische Ein- wanderung stattgefunden, immer zahlreicher wird und in der heutigen mitteleuropischen Bevlkerung sehr stark vertreten ist. Wo stammt diese Rasse her? Dass sie in unserem Welttheil ursprnglich nicht heimisch ist und von Osten her sich ausgebreitet hat wahrscheinlich von der Zeit an, als Mitteleuropa in Folge der Eiszeit noch sehr menschenleer war zeigt ihre Vertheilung unter der langkptigen Bevlkerung, ihr Dichterwerden nach Osten zu und ihr Fehlen auf den Inseln, wie es auf den von Collignon fr Frankreich, von Ripley fr ganz Europa entworfenen Karten f) deutlich zu sehen ist. Ihr Zusammenhang mit den Mongolen ist vor kurzem von Tappeiner bestritten ff), das mangelhafte seiner *) Wie z. B. die gallischen Boier aus Bhmen, atque ipsa etiam sedes, pulsis olim Boiis, virtute parta, Tac. Germ. 42. **) Wie die der sdfranzsischen Troubadours: Guillem Jaufre, Rudel, Rambaut, Bernart, Guiraut, Bertrand, Gautier, Guyot, Arnaut, Raimon, Aime.ric, Gaucelm, Savaric = Wilhelm, Gotfrid, Rudolf, Raginbald, Bernhard, Gerold, Bertram, Walther, Widp, Arnold, Raginmund, Emerich, Walchelm, Sabarich u. a. Bau- meister und Knstler des Frankenreichs in Gallien haben fast durchweg germanische Namen, Geimmo, Audulf, Rumoald, Dandulf, Magulf, Gerlaic, Wido, Engelwin, Baldomer u. dergl. For- tuna! Von an t, II, 9, berichtet ausdrcklich, dass im 6. Jahr- hundert eine berhmte Kirche in Toulouse von einem Germanen erbaut wurde: hoc vir barbarica prole peregit mirum opus. ***)-Ecker, Crania Germaniae etc., 1865. Wilser, Badische Schdel, Arch. f. Anthr. XXI. Matiegka, Crania Bohemica, 1891. Studer und Bann war th, Crania Helvetica antiqua, 1894. v. Holder, Skelettfunde vorrmischer Hgelgrber in Wrttemberg und Hohenzollorn, 1895. Salmon, Denombre- ment et types des ernes neolithiques de la France, 1896. f) L 'Anthropologie I, 3 und VII, 5. Neuerdings hat Ripley in einer Abhandlung ber The ra- cial geography of Europe (Appletons Populr Science Monthley, march 1897) auch eine Weltkarte gegeben, die die Verbreitung der Schdelformen und besonders das Ausbreitungscentrum der Rundkpfe in Mittelasien sehr schn erkennen lsst. Er saut. dass die langkpfige Rasse seems to hang upon the outskirts of Europe, intronched in purity in the islands and peninsulas alone. tt) Der europische Mensch und die Tyroler, Meran 189;. In einem im Correspondenzblatt der deutschen Gesellschaft fr Anthropologie etc.-, Juli 1897, abgedruckten Briefe an Ranke wiederholt Tappeiner seine Ansicht, dass der europische Mensch ein in Europa autochthoner Arier ist" (logischer wre zu sagen: der Arier ist ein in Europa autochthoner Mensch), lsst die verschiedenen Schdeltypen in Europa selbst sich entwickeln und leugnet die Ansicht von der Einwanderung der Mongolen aus Central- und Nordasien". Da aber noch in geschichtlicher Zeit solche Einwanderungen stattgefunden haben, so liegt die Annahme auch vorgeschichtlicher Strme asiatischer Rundkpfe sehr nahe. Eine Umbildung von Langkpfen zu Ruudkpfen in unserem Welttheil ist unvereinbar mit der Thatsache, daBS ussere Einflsse auf die Schdelform wirkungslos sind. Naturwissenschaftliche Wochenschrift. XIII. Nr. 1. Beweisfhrung- jedoch von Ammon ins rechte Licht ge- setzt*) worden/ Mittelasien ist das Verbreitungscentrum fr alle Rundkpfe der Welt, und den besten Beweis dafr, dass auch unsere vorgeschichtlichen Brachycephalen von dorther stammen, haben die geschichtlichen Einwan- derungen der Huuncu, Avarcn, Magyaren und Trken ge- liefert, die alle der rundkpfigen Rasse angehren. Linne, der von der Schdelform als Rassenmerkmal noch nichts wusste, nennt die besonders iu den Alpen- lndern zahlreichen Vertreter dieser Rasse Homo alpinus (parvus, agilis, timidus) und unterscheidet sie vom eigent- lichen Asiaten, Homo asiaticus (luridus, melancholensis, rigidus, pilis nigricantibus, oculis fuscis, reverens, avarus). Nach dem heutigen Stand der Wissenschaft, die unter den zahllosen Mischungen und Uebergngen die Urrassen zu erkennen strebt, ist es besser, beide unter dem Namen Homo asiaticus brachycephalus zu vereinigen. Auf die Art, wie diese rundkopfige und dunkelhaarige Menschen- rasse mit den beiden europischen sich kreuzt, sie durch- dringt und theilweise verdrngt, eine der wichtigsten und anziehendsten Aufgaben der Anthropologie, werden wir noch zurckkommen mssen. Fr die ltesten Wanderscharen des nordischen Stein- zeitmenschen fehlen uns selbstverstndlich die geschicht- lichen Namen. Ihre Kultur aber, die sich nach dem ge- meinsamen Sprachgut mit der urarischen" deckt, und die darin enthaltenen Keime selbstndiger Weiterent- wickelung drfen wir nicht unterschtzen. Auch das Kupfer, das ltest bekannte und erstbearbeitete Metall wird noch von europischen und asiatischen Ariern gleich benannt**), whrend fr die Mischung mit Zinn***), die Bronze, die Bezeichnungen schon in Europa auseinander gehen. Da ausserdem die indische Bronze eine ganz andere Zusammensetzung, mit Zink, hat, so drfen wir schliessen, dass die Abtrennung der asiatischen Arier vom europischen Grandstamm vor der Kenntniss der Bronze, sptestens in der Kupferzeit, erfolgt ist. Geht mau von Skandinavien als Mittelpunkt fr die strahlenfrmig nach Westen, Sden und Osten sich aus- breitenden Wanderungen der arischen Vlker aus, wobei, iini ein Bild zu gebrauchen, der sdliche Theil der Halb- insel den Knauf eines Fchers bildet, so lsst sich ein genauer, mit den geschichtlichen Nachrichten wie mit der sprachlichen und kulturellen Verwandtschaft bereinstim- mender Stammbaum f) nicht nur fr die Germanen und ihre nchsten Nachbarn, sondern auch fr alle Arier ent- werfen. Wir unterscheiden in demselben drei Haupt- strme, den westlichen oder keltischen, den mittleren oder germanischen und den dicigetheilten bis nach Asien hin- ber reichenden Oststrom. Der Weststrom, dein das Weltmeer Halt gebot, besteht aus den verschiedenen Wellen der Kelten und Gallier, aus deren ltesten die Italer lateinischen Stammes hervorgegangen sind, whrend die jngsten durch die Kimbern noch im engsten Zu- sammen hange ff) mit den Germanen stehen. Der mittlere Strom, zugleich der jngste (noch zu Pytheas' Zeit schied die Elbe die Kelten von den Skythen), hat sich i Centralblatt fr Anthropologie etc. II, 3. i got. aiz, ags. ar, ahd. er (davon aruz, erz), lat. aes, sskz. altpers. ayanh. i I > I ' - Namen dieses Metalles, xi Wien Tapla zum ordentlichen Professor; Dr. Lafayette B. Mendel zum ausserordentlichen Professor derphysiologischen Chemie an der STale niversity; Dr. George T. Kemp zum Pro- fessor der Physiologie an der niversity of Illinois. E starben: Der Mcn naturwissenschaftlicher Bestrebungen Generale 1 William Schoenlank in Berlin; der Astronom in der Genfer Sternwarte Arthur Kammermann; der Alpen- forscher Antun vmi Ruthner in Salzburg; der bekannte Afrika- forscher Dr. jur. Eugen Zintgraff in Teneriffa; der Zoologe Dr. Max Graf von Zeppelin in Stuttgart; der Professor der Chirurgie in Kiew Alex. St.Jazenko; der Botaniker Conrector Friedr. Willi. Seydler in Braunsberg; der Mineraloge Prof. M. Frster Heddle in St. Andrews; der ehemalige Professor der vergleichenden Anal ie an der niversity of Pennsylvania Dr. II a rrison A llen. Litteratur. Oskar Dhnhardt, Naturgeschichtliche Volksmrchen aus nah und fern. 15. G. Teubner. Leipzig 1898. Preis 2 Mark. Verfasser stellt in dem Buche von 163 S. Mrchen zusammen, die eine Deutung geben wollen, warum eine Naturerscheinung entstanden oder warum sie gerade so entstanden ist, wie wir sie sehen." Es werden 126 Gegenstnde (z. B. 1. Die Ziegen. 2. Das Maul des Strs, 3. Die Preisseibeere, 4. Wie die Feindschaft zwischen Hund und Katze entstanden ist, und warum sich die Hunde beschnffeln u. s. w.), viele in mehreren Versionen be- handelt. Die Quellen sind stets angegeben, sodass das Buch litterarischen Werth hat. K. Goebel, Julius Sachs. N. G. Elwert'sche Verlagsbuchhandlung. Marburg 1897. - Preis 0,80 Mark. Der vorliegende, liebevoll abgefasste, mit dem Portrt des grossen Botanikers geschmckte Nekrolog ist ein Sonder-Abdruck aus der Flora' 1 . Bei der Bedeutung von Sachs haben wir in der Naturw. Wochenschrift Nr. 42, S. 495 ebenfalls einen, wenn auch nur kurzen Nekrolog gebracht, sodass wir auf eine eingehendere Bercksichtigung des Inhaltes vorliegender Schrift verzichten mssen. Die Separat-Ausgabe derselben wird zweifellos so Manchem sehr willkommen sein, wird doch jeder Botaniker und Pflanzenfreund gern die Thaten Julius Sachs', die Goebel kurz und treffend vorfhrt, einmal zusammenhngend in Gedanken an sich vorberziehen lassen; heisst das doch ein wesentliches Stck der Botanik unseres Jahrhunderts berschauen. Ein Verzeichniss der Schriften von Sachs (99 an Zahl) ist beigegeben. J. Costantin, Les Vegetaux et les Milieux cosmiques. (Adap- tation Evolution.) 1 vol. in-8 u de la Bibliotheque scienti- fique internationale, avec 171 gravures dans le texte. Felix Alcan editeur. Paris 1898. Cart. l'anglaise, 6 Francs. Vorf. betrachtet in dem vorliegenden Buch die Pflanzen unter dem Gesichtspunkt der Anpassung insofern erinnert es an das treffliche Lehrbuch der kologischen Pflanzengeographie'' War- ming's (vergl. Naturw. Wochenschr." XI, 1896, S. 375) und liegt dementsprechend in der Richtung der Descendenz-Lehre. Der Untertitel Adaptation Evolution" sind daher die beiden Schlagworte des Inhaltes. Wenn Verf. von Goethe ausgeht, so legt er ihm mehr unter als gerechtfertigt ist. Freilich war Goethe der neuen Richtung bei dem grossen Blick, den er fr die Natur hatte, auf der Spur; aber die hnungen, die ihn erfllten, wurden durch seine dichterische Ader in einer Form zur Darstellung ge- bracht, mit der eine exaete Naturwissenschaft nicht viel anfangen kann und die das thatschlich Erschaute nur zu verschleiern und zu verwischen in der Lage ist. Goethe hat in der That vorber- gehend Gedanken in der Richtung der Descendenzlehre und im Zusammenhang damit auch ber die Anpassung ausgesprochen*), aber diese Gedanken beherrschten seine Studien keineswegs mit gengendem Bewusstscin ihrer Bedeutung, sodass er denn, auf der Basis seiner Schrift: Versuch, die Metamorphose der Pflanzen zu erklren", zu einer Methodik bei Behandlung botanisch-mor- phologischer Probleme gekommen ist, die die Wissenschaft alle Ursache hat abzuschtteln (vergl. den Artikel ber die Meta- morphose der Pflanzen des Unterzeichneten in Bd. XII, 1897, Nr. 51), unter der sie aber noch immer, durch die Macht der Ge- wohnheit erhalten, fortgesetzt leidet. Costantin bespricht die Anpassungen der Pflanzen an ihre Umgebung und bemht sich die Entstehung neuer Anpassungs- Charaktere und ihre Befestigung durch Vererbung zu verfolgen. Das Buch kann auch dem Anfnger, der ber die blosse, zu- sammenhangslose Kenntnissnahme von Einzelheiten, womit sich so oft der sammelnde Botaniker" begngt, hinausstrebt, sehr em- pfohlen werden. 1 *) Goethe sagt einmal (vergl. F. Cohn's Vortrag Goethe als Botaniker" in seinem Werk Die Pflanze" 2. Aufl., Breslau 1896 I, S. 120): Das Wechselhafte der Pflanzengestalten hat in mir mehr und mehr die Vorstellung erweckt, die uns umgebenden Pflanzenformen seien nicht ursprnglich determinirt und festge- stellt, ihnen sei vielmehr bei einer eigensinnigen generischen und speeifischen Hartnckigkeit eine glckliche Mobilitt und Bieg- samkeit verliehen, um in so viele Bedingungen, die ber den Erd- kreis auf sie einwirken, sich zu fgen, hiernach bilden und um- bilden zu knnen. Hier kommen die Verschiedenheiten des Bodens in Betracht; reichlich genhrt durch Feuchte der Thaler, ver- kmmert durch Trockne der Hhen, geschtzt vor Frost und Hitze in jedem Maasse, oder beiden unausweichbar biossgestellt, kann das Geschlecht sich zur Art, die Art zur Variett, diese wieder durch and ere Bed ingungen ins Unendliche sieh verndern .... Die allerentferntesten jedoch haben eine ausgesprochene Verwandtschaft, sie lassen sich ohne Zwang unter einander vergleichen." XIII. Nr. 1. Naturwissenschaftliche Wochenschritt. 11 Prof. Dr. Carl Arnold, Repetitorium der Chemie. Mit be- sonderer Bercksichtigung der fr die Medicin wichtigen Ver- bindungen sowie des Arzneibuches fr das Deutsche Reich" und anderer Pharmacopen namentlich zum Gebrauche fr Mediziner und Pharmaceuten. 8. verbessert und ergnzte Auf- lage. Leopold Voss in Hamburg und Leipzig 189S. Preis 6 Mark. Seit 1884 sind nicht weniger als 8 Auflagen von dem zweck- dienlichen, inhaltreichen Buch erschienen. In der vorliegenden sind neu aufgenommen die Kapitel: Aggregatzustand und physi- kalische Gemische, sowie zahlreiche Anmerkungen aus dem Ge- biete der physikalischen Chemie; neubcarbeitet ist die Eintheilung der heterocyklisehen Verbindungen. Wir haben im Uebrigen uns schon so oft ber das gute Buch ausgelassen, dass wir's diesmal bei der kurzen Anzeige bewenden lassen mssen. Geologisch-agronomische Specialkarte von Preussen. Von der Kniglichen geologischen Landesanstalt in Berlin sind neuerdings von der geologisch-agronomischen Specialkarte von Preussen 1 : 25 000 verffentlicht: Lieferung 66, enthaltend die Messtischbltter Nechlin; Brsow, Lcknitz, Prenzlau, Wallmow, Hohenholz, Bietikow, Gramzow, Pencnn (Theile der landrthlichen Kreise Ueck er mnde , Stettin, Prenzlau und Anger mnde) zusammen ca. 1100 Quadratkilometer umfassend. Lieferung 75, enthaltend die Messtischbltter Schippen- beil, Langheim, Rssel, D nhoffst d t, Lamgarben, Heiligelinde, (Theile der landrthlichen Kreise Friedland a. Alle. Gerdauen, Rssel und Rastenburg in Ostpreussen) zusammen 750 Quadratkilometer umfassend. Da die geologisch-agronomischen Karten fr die Landwirt- schaft ein hervorragendes praktisches Interesse haben, indem in denselben und in den dazu gehrigen Bohrkarten und Bohrregistern die Boden-, die Untergrunds-, die Grundwasser- etc. Verhltnisse angegeben und in den beigefgten Erluterungsheften nher be- sprochen sind, werden die Grundbesitzer, die Gemeinde- und Gutsvorstndo dieser Gegenden hierauf aufmerksam gemacht. Jedem einzelnen geologischen Blatte ist eine Karte in gleichem Maassstabe mit den eingetragenen agronomischen Bohrungen, sowie ein Erluterungsheft beigegeben. Die Er- luterungen enthalten nach einem Vorwort einen geognostischen, einen agronomischen, einen analytischen Theil und ein Bohr- register. Das letztere enthlt die Bodenprofile von smmtlichen in der Bohrkarte durch Punkte und Zahlen angegebenen bis 2 m tiefen Bohrungen in bersichtlicher Weise geordnet. Da jedes einzelne Blatt, welches meist 15 25 Gemeinde- uud Gutsbezirke umfas'st, mit 1200 bis 2000 Bohrungen besetzt ist, kann sich jeder Landwirth ber die Grund- und Boden- verhltnisse etc. seiner Gegend genau informiren. Jedes Blatt ist einzeln zu dem Preise von 3 Mark (einschliesslich Bohrkarte und Erluterungen) bei der Verlagshandhing von Paul Parey in Berlin SW., Hedemannstr. 10, kuflich. Die erstgenannte Lieferung 66 aus der Gegend von Prenzlau gehrt mit ihren smmtlichen 9 Blatt dem grossen Lehmplateau der Uckermark an, das durch seine Fruchtbarkeit in weiten Kreisen bekannt und, wie die Kartenbltter erkennen lassen, in Drfern und Gtern reichlich bewohnt ist. Diese Fruchtbarkeit grndet sich eben auf die lehmige Verwitterungsrinde des in der Hauptsache die Oberflche der Uckermark bildenden Oberen Ge- schiebemergels. Whrend die in leichtverstndlicher Buchstabeu- abkrzung auf den Karten zu erkennende Zusammensetzung dieser Verwitterungsrinde in den brigen Theilen der Mark, wie auch Pommerns, meist lehmigen, oft sogar nur schwach lehmigen Sand ber sandigem Lehm und Mergel erkennen lsst, zeigen die Karteneinschreibungen hier vielfach den Lehm selbst die Ober- flche bildend. Nur an wenigen Stellen, wie beispielsweise in der Pasewalker Stadtforst am Nordrande des in Rede stehenden Kartengebietes und stlich Lcknitz in der Nordostecke desselben, wird die frucht- bare Decke dieses Lehm- oder Geschiebemergels so dnn, dass auf grssere Erstreckung der daruuter folgende Diluvialsand an die Oberflche tritt. Im Uebrigen blicken dieser Sand und andere in der Tiefe folgende Diluvialbildungen nur an den Rndern zweier grossen Thalrinnen unter dem fruchtbaren Geschiebemergel hervor. Diese beiden Thler, das Ucker- und das Randowthal durch- furchen im Westen und Osten in beiderseits fast sdlicher Richtung das Kartengebiet. Sie sind fast in ihrer ganzen Breite vertorft und enthalten somit einen gewaltigen, nicht zu unter- schtzenden und in der Folge vielleicht noch im Grossen zu ver- werthenden Schatz an Brennmaterial. Die 75ste, der Gegend von Schippenbeil und Rssel in Ost- preussen angehrende Kartenlieferung bildet ein Rechteck von 2 Blatt in der Breite und 3 Blatt in der Hhe und umfasst in der Hauptsache das Gebiet des Guberflusses, der bei Schippenbeil in der Nordwestecke des Rechteckes in die Alle fllt. Seine beiden Nebenflsschen auf dem rechten Ufer, Rahne und Liebe, durchqueren das nordstliche Eckblatt (Dnhofstedt), whrend von den beiden anderen von links einmndenden die Deine das sdstliche Eckblatt (Heiligelinde), die Zaine dagegen die drei westlichen Bltter durchfliesst. Blatt Lamgarben wird vom Guber- fluss allein beherrscht und fast in der Mitte durchschnitten. Geschiebelehm und Dockthon mit ihrer fruchtbaren Ver- witterungsrinde bedingen in der Hauptsache den Charakter der an Gtern reichen Landschaft aller 6 Bltter, aus der nur die zu ber 350 Fuss ber den Meeresspiegel aufsteigenden Hhen von Heiligelinde stlich Rssel sich als ein grsseres, zu Unrecht ent- waldetes Sandmassiv herausheben, whrend die in den etwas tiefer gelegenen beiden nrdlichsten Blttern, Schippenbeil und Dnhof- stedt, grssere Ausdehnung annehmenden Flchen oberen Sandes vielfach doch nur eine leichte Docke bilden, welche streckenweise sogar als ein Milderungsmittel des strengen Thonbodens vortheil- haft gewirkt hat. Annuaire pour l'an 1898 public par le bureau des longitudes. Avec des Notices scientifiques. Paris, Gauthier-Villars et fils. Prix 1 fr. 50 c. Dies werthvolle Jahrbuch enthlt wieder eine ausser- ordentliche Flle ausgezeichneten astronomischen, chemischen und physikalischen Materials. Neben den zahllosen Tabellen aller Art, die allein 660 Seiten in Anspruch nehmen, enthlt es folgende Abhandlungen: M. H. Poincare: Sur la stabilite du S3'steme solaire. M. A. Cornu: Notice sur l'ceuvre scientifique de M. H. Fizeau. MM. M. Leewy et P. Puiseux: Sur quelques progres aecomplis avec l'aide de la Photographie dans l'etude de la surface lunaire. M. J. Janssen: Sur les travaux executes en 1897 l'observa- toire du mont Blanc. MM. J. Janssen et M. Liewy: Discours prononces au cinquantenaire academique de M. Faye, le 25 jan- vier 1897. Doubletten - Verzeichniss des Berliner Botanischen Tausch- vereins. XXIX. Tauschjahr 1897/ 189S. Herausgegeben von <>tto Leonhardt in Nossen i. S., Deutschland. Der umfangreiche Tauschkatalog enthlt ca. 5000 Phanero- gamen und ca. 1300 Krvptogamen, darunter Raritten ersten Ranges. Ausser smmtlichen Lndern Europas sind noch ver- treten Syrien, Klein-Asien, Japan, Mexiko, Nord-Afrika, Nord- Amerika. Namentlich von letzterem Lande drften viele der an- gebotenen Species berhaupt noch in keinem europischen Lande vertreten sein. Es gelangen nur tadellos gut prparirte Arten zur Ausgabe, so dass tauschende wie kaufende Mitglieder bezw. Botaniker hier jedes Herbar zu vervollstndigen in der Lage sind. Der Katalog wird auf Wunsch jedem Botaniker postfrei zugeschickt. Berichtigung zu dem Vortrag von Prof. H. W. Vogel No. 50 S. 595. Seite 595: Spalte 1 Zeile 7 von oben lies von statt in 596: 19 24 35 40 7 11 23 33 5 36 597 Schwefelkohlen- stoff statt Kohlen- wasserstoff, seinen statt ihren. in den statt den. Mischung statt Ver- keilung. Licht leimdrcke statt Lichteindrcke. Licht lei m drcke statt Lichteindrcke. Lichtern statt Lichten. Striche statt Stiche. Lichtko pirmethoden statt Lichtkopiemetho- den. Ferricvanide statt Ferricyanoide. Theerfarben statt Theefarben. sogenannte statt dir' genannten. Inhalt: Ludwig Wilser: Menschenrassen und Weltgeschichte. Kastanie als Nahrungsmittel. Das Erfrieren der Pflanzen. Die Armand-Hhle. Die Gewinnung des Baumwollsamenles. Aus dem wissenschaftlichen Leben. Litteratur: Oskar Dhnhardt, Naturgeschichtliche Volksmrchen aus nah und fern. K. Goebel, Julius Sachs. J. Costantin, Les Vegetaux .'i lesMilieux cosmiques. Prof. Dr. Carl Arnold, Repetitorium der Chemie. Geologisch-agronomische Specialkarte von P Annuaire pour l'an 1898. Doubletten-Verzeichniss des Berliner Botanischen Tauschvereins. Berichtigung. 12 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. XIII. Nr. 1 Ferd. Dttminlers Verlagsbuchhandlung in Berlin SW. 12. In unserem Verlage erschien soeben: ber Herberstain und Hirsfogel. Beitrge zur Kenntnis ihres Lebens und ihrer Werke. Mit 10 Abbildungen im Text, Von Prof. Dr. Alfred Nehring in Berlin. 1U8 Seiten gross Octav. ^ZZZ. 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Jeder Schliff unterliegt vor der Ablieferung einer genauen mikroskopischen Prfung, sodass fr die Gte der l'raeparate und fr die richtige Auswahl von charakteristischem Material garantirt werden kann. Dp. F. Krantz, ItlicisiisrlH s Mineralien -Contor. Verlag mineralog.-geolog. Lehrmittel. Geschftsgrndung 1833. Bonn a.,nn. Geschftsgrndung 1833. Gewinnbetheiligiin g! Bedeute nder Rabatt! Neues Prinzip fr Massenbetheiligung an industriellen Unternehmungen. Antheile a Mk- 10 jedes Mitglied kann bis 500 Anlheile bernehmen, parlicipirt am Reingewinn und er- hlt b edeutenden Rabatt auf die vun der Genossenschaft selbst fabricirten Artikel. Prospekte durch den Vorstand. J ii .. s 7, 68. Ueber die gemeinsame Natur beider Strahlungen vgl. Heuser, a. a. 0., S. 92. "''! s. besonders die Darstellungen bei Carnoy (La Celhile, T. 2, Fase 1); van der Stricht (bull. Belg., S. s6r., T. 23); Leydig, a. zul. a. <>.; Metschnikoff, Z. wiss. Zool., Bd. 36, T. 28, Fig. 3 und I; Heuser, a a. I >., S. 92.; Kismond, a.a.O.; von Kostanecki und Wierzejski, Arch. mikr. Au., Bd. 47; stomosen, oder ihr Lauf ist vollkommen gestreckt, gerad- linig 140 ), mehr oder weniger isolirt 141 ), je nach dein Grad der Ueberreizung an der Oberflche. Auf diesen Ant- agonismus drfte auch der Gegensatz in den Angaben mancher Forscher zurckzufhren sein, von welchen die einen, die Mehrzahl 1 * 2 ), bekanntlich die Sphre im All- gemeinen als ein von lichtem Hof umsumtes, scharf be- grenztes kugliges Centrosom (Sphroru) 143 ) mit streng radirem, aus mikrosomenluhi enden Fibrillen bestehen- dem Strahlenkranz (Actinomc), die anderen, Eismond 144 ) vorzugsweise, lediglich als ein Waben werk mit radir gestreckten Fchern und Maschen (gross und weit an der Peripherie, klein und eng im Centrum) 145 ) beschreiben. Hermann, ebd.. Bd. 37, T. 31, Fig. 8-10; Flemming, ebd., T. 38, Fig. 10, 12, T. 40, Fig. 33, 34, 38; Mitrophanow, intern. Mtschr. An u. Phys., Bd. 11, T. 16, Fig. 5, 8, 12, 13, 18, 20-22, 27, 28; Wilson and Matthews, a. a. .; K. Foo'l, ebd., vol. 9, Fig. 1 und 3; vom Rath, biol. Ctrbl., Bd. 14, S. 462, Fig. 15; Drner, a. a. 0., T. 5, Fig. 15, 23, 24, T. 6, Fig. 30, 31, 33; Braus, ebd., T. 14, Fig. 1214. I4 ) Die Strahlung ist, wie sich immer deutlicher herausstellt, keine dem allgemeinen Netzbau des Protoplasma fremde. Erschei- nung, sondern entsteht, wie die Entwicklungsstufen beweisen. Hin- durch eine allmhliche Streckung der Fasern, der Stromlufe, da- duich bedingt, dass die Strmung eine raschere, lebhaftero wird (s. oben Bern. 61). Sie ist nur eine Umprgung" des ge- whnlichen, durch trgeren Fluss erzeugten Maschenwerkes oder Stromnetzes. S. Reinko, Arch. mikr. An., Bd. 44, S. 269; Hen- king bei Flemming, ebd., Bd. 37, S. 722, Fl. selbst, ebd , S. 726, Carnoy, La Cell., T. 1, p. 365; Eismond, a. a. 0-, S. 266; Flemming und Rabl, an. Anz , 6. Jgg., Ergh., S. 134; Platner, a. a. O., S. 362, 375; R. v. Erlanger, Vhdl. dtsch. zool. Ges., 6. Jahresvers., S. 110, zool. Anz., Bd. 19, S. 137 ff ; C. C. Schnei- der, Arb. zool. Inst. Wien, Bd. 9. S. 19 (197); Schul tze, Wrzbg. Sitzb., 1890, S. 137; Leydig, Zelle u. Gew., S. 9; Prenant, a. a. 0., p. 251; E. B. Wilson, a. a. 0., vol. 11 (Ref. in: zool. Ctrbl., 3. Jgg., s. 191). Fr die Spindel im Besonderen wird dieser Punkt hervorgehoben von Flemming, Arch. mikr. An., Bd. 37, S. 726; Nicolas, compt. rend. hebd. sc. mein. soc. biol., 9. ser., T. 4, p. 475; van der Stricht, anat. Anz., Bd. 9, Ergh., p. 231; van Beneden, bull. Belg., 1887, p. 279; Zimmermann, R. Hertwig, Reinke u. s. w., Platner, a. a. 0., S. 362; R. v. Erlanger, Vh. dsch. zool. Ges., 6. Jahres vers., S. 109. Auch nach vom Rath sind die Radiensysteme mit dem Zellplasma iden- tisch, Z. wiss. Zool., Bd. 60, S. 66, 69, 72. Vgl. endlich Fig. 1 u. 7 auf T. 3, sowie S. 56 bei Strasburger. histol. Beitr., H. 4 (Sphacelaria), wo die Structur des Zellkrpers ganz mit der Pol- strahlung zusammenfllt. Ebenso ist der Zusammenhang zwi- schen dem Centrosom und den Chromosomen keine neue Bildung, sondern blos die Weiterentwickelung eines schon bestehenden morphologischen Verhltnisses (Flemming, Arch. mikr. An., Bd. 37, S. 730; J. S. Moore, quart. j. micr. sc, vol. 34, Platner Rabl). '*') Fol nennt die Radien der Polsonne: dissociables. "-) s. auch Wilcox, bull. mus. comp, zol., Harvard Coli., vol. 29, Nu. 4. " 3 ) Flle, wo das Centrosom aus einem Krnerhaufen (Con- triolen, Microceutrum) besteht, drften ein morulitfrmiges Auf- lsungsstadium sein, dem amitotischen Kernzerfall entsprechend (s. z.B. Prenant, a. a. 0, p. 223). wenn auch nicht immer, vgl. E. B. Wilson, j. of morphol., vol. 11, 2. Ref. in zool. Ctrbl., 3. Jgg., S. 193. ") Anat. Anz, Bd. 10, S. 237; s. auch R. v. Erlanger, zool. Anz., Bd. 19, S. 137; vaeuolisirto (wabige) Centralkrner (Centro- somen) fand Schaudinn z. B. bei Sphaerastrum , Vhdl. dtsch. zool. Ges., 6. Jahresvers., S. 116. '"') Vgl hierzu die Alveolarstructur des Radiolarienkrpera, R. Hertwig, Hist. d. Rad., z. B. Thalussolampe margarodes. Das Centrum spielt bei allen organischen Structuren im Vor- hltniss zur dynamisirten Peripherie eine passive Rolle (man denke nur an die centrale Lage der Oelkugeln bei Theilun- gen im Radiolarienkrper nach Hckel u. And., bei Chlamydo- coecus, Cohn u. 3. f.), daher auch das der Astrosphre, vgl. Eis- mond, a. a. <>., S. 269 ff.; es ist eine wie alles verdichtete Protoplasma (Heitzmann) bewegungslose, inerte Partie, der todte Punkt des Systems in der Sprache des Mechanikers, ebd. S. 270; absolut passiv braucht es darum noch nicht zu sein, es kann einem anderen Theile, /.. B. der Kernmasse gegenber, sich activ verhalten. In diesem Sinne kann man darum die letztere Bezeichnung (s. z. B. Strasburger, an. Anz., 8. Jgg., S. 189; hnlich van Beneden etNoyt, bull. Belg., 3. ser., T. 14, p. 279) gelten lassen; und zwar wird sieh diese ctivitt desselben stei- XIII. Nr. 2. Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 21 Beide Darstellungen drften im Hinblick auf die am Kern beobachteten Vorkommnisse durchaus zutreffend, der Unter- schied aber objectiv, d. h. in einem wechselnden Zu- stand des Bildes selbst begrndet sein. 146 ) In jenem Fall wrde es sich eben um eine starke Polarisation (bipolare Abstossung) 141 ), in diesem um einen hheren Grad von Ausgleichung zwischen Peripherie und Cen- trum der Figur, des Archoplasma (der Astrosphre) 148 ) handeln, erstere durch einen strkeren, letztere durch einen schwcheren (der Bedrohung" sich nhernden) Ueberreizungszustand der Zelloberflche bedingt. Auch Auf blhungszustnde , Vacuolisation, Umwandlung des dichten Strahlencentrums 149 ) oder des Centrosoms 15u ) in ein immer grsser werdendes, bisweilen von einem Straugwerk durchsetztes 151 ) Blschen 153 ), das seiner- seits zerfallen kann 153 ), sind bei den Centrosomen keine ungewhnliche Erscheinung, finden sich aber vermuthlich nur bei schwacher, kaum je bei starker Polarisation der Astrosphre, weil sie ja durch eine Auswanderung der centralen Theile bedingt sind, die bei letzterer, der gern, je weiter es nach aussen rckt. Es sei brigens kurz be- tont, dass jedes der beiden Worte eine zweifache Beziehung hat. Die active Peripherie ist nur activ nach innen (beherrschend, nahrungverkrzend Tvie der Empfindungsnerv gegenber dem Centralorgan), dagegen passiv nach der Aussenwelt hin; das passive Centrum ist nur passiv nach innen, activ, reactiv nach aussen (s. oben). I48 ) Beilufig mag hier an einen hnlichen Gegensatz in der Darstellung erinnert sein, der bei Ganglienzellen besteht, wo die Eintrittsstelle des Axencylinderfortsatzes nicht blos als lngsstreifig, sondern auch als schaumartig beschrieben wird, s. Flemming, Arch. mikr. An., Bd. 46; Lenhossek, ebd., Bd. 2G, s. auch Flem- ming's Ref. in Ergebn. An. u. Entwg. 1895, S. 274). I47 ) Mglicherweise kann auch hier (s. oben Bern. 51) die Centralmasse hhere Grade der Degeneration erreichen , also in einen Secret- bezw. Excretkrper bergehen, vgl. Frenzel's Ablei- tung des Seeretblschens vom Centrosom. Ebenso drfte der De- tritus im Innern von intracellularen Skelettkrpern, die, wie es scheint, mit der Sphre genetisch zusammenhngen (s. oben Bern. 110 und 138), hier zu erwhnen sein. "'') Die Astrosphre wrde also einem hnlichen Dimorphis- mus unterliegen wie er vielfach bei Protisten vorkommt und als Amben- oder Khizopodenstadium (man denke an das Bild von Myxodiitviiin bei Hckel) und als Heliozoenstadium unterschieden wird. s. z.B. Grub er, Protozoen des Hafens von Genua, Nova acta acad. Leop. Carol., vol. 46, Biomyxa, S. 504 ff. , und Fig. 27 (Ambe), bzw. Fig. 28 und 29 (centrale Kugel mit Pseudopodien- strahlung). Derartige Vergleiche der Bauverhltnisse der Zelle mit denen einzelliger Geschpfe drngen sich fortwhrend unwill- krlich auf. Vornehmlich die Strahlungen wurden oft mit Pseu- dopodien verglichen, s. z. B. Brandt, Arch. mikr. An., Bd. 17 und 28; Platner, a. a. 0., S. 353; H. Blanc, Festg. f. Weism., S. 174; Boveri (die Spindelfasern) u. And. Auch der Gesammt- vergleich mit der Sonne fhrt zu einem Heliozoon. (s. noch Kupffer, Schrift, nwiss. Ver. Schlesw.-H., Bd. 1, S. 233.) Die Vergleichung der Eizelle mit einem encystirten Protisten wurde schon erwhnt (s. oben Bern. 137, Leydig). Vgl. endlich unten Bern. 156 und 165. u ) Eismond, a. a. 0.; Drner, Jena'sche Z., Bd. 29, S. 298. l ") Hacker, Arch. mikr. An., Bd. 42. Anhang (^die hier er- whnte Diffusion einer frbbaren Flssigkeit in die Umgebung lsst sich wohl nur als Auswanderung und Zerstreung des Inhalts deuten). Watase, j. of morph., vol. 8, p. 434, zeichnet Fig. 1 eine Astrosphre (Ei von Unio) und sagt in der Figurenerklrung: the centrosome appears to be hollow, the optical section shows it as a very thick ring of deeply staining substance. Boveri, Wrzb. Vhdl., N. F., Bd. 29. Auch das Centralkgelchen von Rha- phidiophrys kann eine grosse unfrbbare Kugel sein, K. Hei der, Vhdl. d. dtsch. zool. Gs., 4. Jahresvers., S. i>5. 1&1 ) Eismond, a.a.O., Fig. 5; Wilson a. Matthews, a.a.O., p. 325, 342; Boveri, a. a. 0. ls2 ) Hacker; Boveri (gequollene Kugel) a. a. 0.; Wilson a. Matthews, a. a. 0; R. Fick, an. Anz., Bd. 11, Ergh. S. 22; G. Mann, journ. anat. a. physiol., n. s., vol. 9, Fig. 2. Vgl. auch die Bezeichnung vsicule attractive (Y. Delage, a. a. 0., p. 69). l:i ) Meves, Arch. mikr. An., Bd. 44, der Kern wird dabei polymorph (ebenso ein Schritt zum Zerfall?). bipolaren Abstossung, unmglich ist 154 ). Aus dieser Va- cuolisirung sind wohl die mehrfach wiederkehrenden An- gaben ber vlligen Mangel des Centrosoms 155 ) bei gut entwickelter Strahlung zu erklren. Wir haben dann hier wieder den oben beim Kern berhrten Fall, wo Auf- blhung zu Strahlung hinzutritt. 1 "" 5 ) Auch andere, ge- ,5 *) Aus diesem Grunde wird uns auch der Befund eines Netz- werkes (Spongioplasma) um die Vacuole, an Stelle der Strah- lung, wie es z. B. in Fig. 5 bei Eismond, a. a. 0., zu sehen ist, nicht befremden. Im Gegentheil, er vertrgt sich besser mit der Aufblhung, beide gehren als Ausdruck der Neutrli- sationsphase sozusagen eigentlich zusammen. Ebenso wird es im letzteren Fall eher zur Entwicklung einer Spindel kommen (s. Bern. 156) als bei starker Polarisation der Astrosphre, weil ein verdichtetes Centrosom keine Aspiration ausbt, nur ein in Auflsung begriffenes (vgl. die strkere Ausbildung der Strahlung und die schwchere der Spindel bei thierischen gegen- ber dem umgekehrten Verhltniss bei pflanzlichen Zellen). 156 ) s. z. B. H. Blanc, Festgabe f. Weismann, Ber. natf. Ges. Freibg., N. F., Bd. 8, p. 14 (176) und 18 (180), Astrosphren der beiden Vorkerne (Forellenei). Seeigelei: R. Hertwig, Sitzber. Ges. Morph. Phys., Mnch., 1895; C. C. Schneider, Arb- zool. Inst. Wien, Bd. 9, S. 36 (214); Meves. an. An/... Bd. 10, S. 639; Mitrophanow, internat. Msch. An. Ph., Bd. 11, S. 355; Wilson a. Matthews, a. a. O., p. 342; van der Stricht, bull Belg., 3. ser., T. 30, No. 11. 15 ) Bei der durch den Aspirationszug verursachten Stoffver- armung des Centruins, die schliesslich zur Vacuolisation desselben fhrt, werden flssige Bestandteile der Zelle aus der Umgebung herbeistrmen, um den entstandenen Hohlraum auszufllen. Zu diesen gehrt auch der Inhalt des Kernes, wofern derselbe nicht, was selten der Fall sein wird, schon zu sehr erschpft oder zu weit entfernt ist. Daher wird auch Kernmasse in den ver- denden Mittelpunkt der Stoffvertheilung treten, und dies um so leichter, wenn etwa die Verbindung zwischen Sphre (Knospe) und Kern noch nicht vllig unterbrochen ist (die Kernmembran lst sich dabei auf, wird vielleicht auch gesprengt, s. zool. Ctrbl., 3. Jgg., S. 2G9, Ref.). Dieser Kernstof fstrom wird bei der Differenzirung des Kerninhalts kein einheitlicher, sondern aus vielen Einzelstrmchen zusammengesetzt sein (vgl. hier Mit. u. Amit., S. 25 und O. Hertwig, morph. Jahrb., Bd. 4, T. 18, Fig. 18c [a, b] und S. 163), was sich in einer Lngsstreifung desselben aus- sprechen wird (Spindelhlfte, s. Mit. u. Amit, S. 34). (Eine solche Streifung giebt neben der zipfelfrmigen Ausziehung des Kerns [Vorkerns] und dem raschen Verschwinden seiner Nucleolen auch Mark Veranlassung, an eine Verwendung seines Materials fr die Bildung der Polstrahlen [und der Spindel"] zu glauben, a. a. O., p. 228). Ausser dieser Entwickelungsweise der Spindel, die viel- leicht fr die Flle ausschliesslich anzunehmen, wo die Strahlung fehlt (manche pflanzliche Objecte z. B.), ist noch eine solche aus Radien selbst denkbar (s. Mit. u. Amit. S. 35). Bemerkt sei, dass Platner ebenfalls in den Spindelfasern eine Strmung nach den Polen zu annimmt, a. a. O., S. 380 ff. s. ferner van der Stricht, anat. Anz., Bd. 9, Ergzh. , Vhdl. anat. Ges., p. 228. Dass die Spindelfasern den Polen Nahrung" zufhren (vgl. oben Bern. 68), drfte auch aus dem nach den Enden breiter werdenden dunklen Axenstrang der Zugbndchen" (s. oben Bern. 138) hervorgehen, der einige Aehnlichkeit mit dem axilen Nahrungsstrom der Saug- rhrchen der Acineten hat (wrde besser mit der Radiennatur stimmen), sowie aus dem Umstnde, dass die Karyosomen sich allmhlich verkleinern (Platner, a. a. 0., S. 355; Strasburger, zool. Ctrbl., 3. Jgg., S. 312; Mark, a. a. 0., S. 228). s. noch Platner, a. a. ., T. 17 A, Fig. 9; H. Blanc, a. a. 0., T. 6, Fig. 10 A; die neuen Befunde von Schaudinn bei Heliozoeu, Vh. dtsch. zool. Ges., 6. Jahresvers., Fig. 3 und 21, sowie Mit. u. Amit. S. 46, Bern. 2. Der Strahlenkegel der Spindelfasern ruft eine Anzahl bekannter Bilder in's Gedchtniss , z. B. die Streifenzone unterhalb der Sarcodegeissel der Tripyleen (R. Hertwig, Jena'sche Dkschr., Bd. 2, Rad., T. 10, Fig. 10; Hckel, Rad.. 3. u. 4. Thl. Phaeodina, Aulactinium. uloccra, Aulospathis, Dictyocha, Coeloplegma), die Wurzeln" der Cilien und Sinneshaare (s. z. . Flemming, Arch. mikr. An., Bd. 6; Simroth, Z. wiss. Zool., Bd. 26, Fig. 2 b; Mit. u. Amit., S. 29, Bern. 1). Auch die fibrillre Ausbreitung des Axencylinderfortsatzes an der Polstelle der Ganglienzeilen (s. z. B. Flemming. a. a. O., Bd. 46, Fig. 5. 6 und 12); Leydig, Zelle u. Gew., T. 1, Fig. 2) drfte hier Erwhnung finden. Ja, man knnte weiterhin auf den Gedanken kommen, den Axencylin derfortsat z selbst (vgl. die Querstreifung desselben, die eine Figur bei Dogiel besonders schn wiedergiebt, anat. Anz., Bd. 11), wie auch die erwhnte Sarcodegeissel, mit der Polstrahlung, die ja hufig keine allseitige, sondern auf die Umgebung der verlngerten Spindelaxe beschrnkt ist v. Be- neden unterschied bekanntlich auch in der allseitigen Strahlung an dieser Stelle ein besonderes (strkeres) Bndel, den cne an- 22 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. XIII. Nr. 2. wohnliche Krner knnen sich in Blschen verwandeln. 157 ) tipode in Parallele zu setzen (bei Heliozoen kann gleichfalls eine beschrnkte Strahlung vorkommen, s. F. E. Schulze, Aren, mikr. Au.. Bd. 10, Actinolophus). Ausserdem sei an die An- schauungsweise von van Gebuchten (und Ramn y Cajal) er- innert, der den Axencylinderfortsatz als cellulifuge (die Dendriten oder Protoplasmafortstze als cellulipete, vgl. die Theorie von Golgi) bezeichnet. Auch hier lsst sieh eine Parallele mit einem Protisten ziehen, nmlich einem monothalamen Wurzelfsser, in- sofern der Axencylinderfortsatz (vgl. hier Btschli, Z. wiss. Zool., Bd. 28. S. 52, Tentakel der Acineten) wieder der Pseudopodien- strahlung, die Protoplasmafortstze den Protoplasmabrcken, die den Weichkrper mit dem Fundus der Schaale verbinden (vgl. Rabl, anat. Auz. 1889, Ergh., S. 46, sowie Fig. 123. T. 6 bei Leydig, Zelle u. Gew.), entsprechen wrden. Vgl. endlich noch di>' ..Morgensternform", welche Klliker bei der Sperma- togenese (Beitr. z. Ktn. Geschl.vh. wirbell. Th. 1841, s. auch ebd. Fig. 16 a [b und c]) erwhnt. ,57 ) Man vgl. Frommann, Jeua'sche Z., Bd. 9, S. 286 ff.; Eimer, Arch. mikr. An., Bd. 8; Fr. Crame'r, Wrzbg. Vhdl., N. F., Bd. 1, 1869 (Dotterblschen = ausgedehnte Dotterkrner); H. Ludwig, Wrzb. Vh-, N. F., Bd. 7, 1874, S. 188 (Gegenbaur); Heitzmann, Wien. Sitzber., m.-nw. CL, Bd. 67, III, 4, S. 104. G. Schlater, Arch. mikr. An., Bd. 44, J. Kaum, ebd. citirt; Blochmann, Heid. Jub.schr., S. 145. Leydig sah hohle sarcous Clements (bei Myriopoden), Zelle u. Gew., S. 140 ff. Derartige Krper haben dann hufig das Aussehen, als sei ihre Hlle (oder sie selbst) gequollen (Oedematinkrner?), was ja mit dem Austritt des Inhaltes stimmen wrde (nach den Vorgngen am Kern), s. Raum und Schlater, a. a. O.; J. E. S. Moore, ann. a. mag. n. h., 6. ser., vol. 11, PI. 12, Fig. 1 (Amoeba; in radiren Zgen vom Kern ausgehende Blschen), hnlich Greeff, biol. Ctrbl., Bd. 11, S. 606 (Glanzgranula). Auch an Secretblschen kann man erin- nert werden, ebenso an tue wasserhellen Blschen" (= Kerne) der Radiolarien CR. Hertwig, z. Hist. d. Rad., S. 14 ff.). Biswei- len ist der Eindruck der, als ob die sich ablsende Kernmasse gleich von Anfang nur gering sei. etwa in Folge strkerer Ueber- reizung des Kerns, wofr das compacte Aussehen und die Hieher sind vielleicht manche von den Fllen zu rechnen, wo zwar im Gegensatz zum vorigen Fall ein Cen- trosom, aber keine Strahlung, vorhanden. 158 ) Hier wrde also die Lockerung und Vertheilung des Korns (Centrosoms) ausschliesslich durch Vacuolisation in der Weise, wie wir es oben beim Kern sahen, nmlich durch allmhlichen, unmerklichen Austritt des Kerninhaltes, des chromatischen Wandbelages durch die Poren der ge- dehnten, hier wohl ebenso wenig fehlenden Blschen- wand oder durch Platzen der letzteren erfolgen. Auch an den Krnern der Chromatinschlingen vollzieht sich bei der Wiederherstellung des Kerns", wie bekannt, eine exquisite Hohlraumbildung 159 ) und Aufblhung, bisweilen gleichfalls neben Ausluferbilduug = Strahlung (Rabl) 1(;0 ). Wie die Strahlung des Kerns geht auch die der Astrosphre an ihrem Umfang ganz allmhlich in das Netz- werk des Zellplasma ber 161 ) (regiou asteroide, van Be- neden). (Fortsetzung folgt.) dicke Hlle des letzteren (wie der Knospe) sprechen knnte (s. Moore, a. a. 0.). Auch knnen sich umgekehrt Blschen" in solide Krner verwandeln (Differenzirung) , s. z. B. Holl, anat. Anz., 8. Jgg., S. 123. Nach List, J arisch und Winkler ent- wickeln sich die Pigmentkrner des Embryo aus den Dotterbls- chen (Jarisch, Wien. klin. Wschr., 1892). s. noch Scharff, a. a. O., p. 59. (Der Hohlraum im Nueleolus kann ebenfalls wieder verschwinden, s. oben Bern. 119.) I5S ) s. oben Bern. 149. I6!l ) Nach Heuser, a. a. 0., S. 92 eine Auflockerung". m ) Morph. Jahrb., Bd. 10, S. 323. 16 ') s. z. B. van der Stricht, bull. Belg., 3. ser., T. 23; Hermann, Arch. mikr. An., Bd. 37, T. 31, Fig. 810, 12; Br- ger, anat. Anz., 6. Jgg., S. 487: K. Fool, j. of morphol., vol. 9, Fig. 1 und 3; Eismond, a. a. 0., S. 236. Zu der Erscheinung des Seeschiessens (vergl. Naturw. Wochenschr." XII, No. 36, S. 430) theilt Herr Rector Hrter aus Meersburg in der Umschau" (Frank- furt am Main) interessante am Bodensee angestellte Beob- achtungen mit, die ihn zu der Ansicht gebracht, dass die charakteristischen dumpfen Detonationen auf das Platzen von Gasblasen zurckzufhren sind, welche aus Ver- wesungsprodueten von am Boden des Sees lagernden Fischleichen ausgehen. Im Bodensee leben bekanntlich mehrere Arten grsserer Fische, wie der Hecht, die Fo- relle und namentlich der Wels, welcher ein Gewicht von nahezu 2 Centner erreichen kann. Der grsste Theil dieser Seeriesen geht im See zu Grunde. Da nun diese Fischleichen bei ihrer Verwesung nicht an die Oberflche des Sees geworfen werden, sondern in der Tiefe in Ver- wesung bergehen, wird sich tagtglich der oben be- schriebene Vorgang wiederholen. Die Fischleichen fllen sich in der Verwesung naturgemss mit Gas und zwar solange, bis sie schliesslich platzen. Die ausstrmenden Gase steigen in Kugelform in senkrechter Richtung an die Oberflche des Wassers, woselbst sie ebenfalls platzen und hierdurch den stossweisen, an Strke immer abneh- menden Schall, das Seeschiessen", hervorbringen. Ueber- einstimmend mit diesem Vorgang ist das beim Seeschiessen beobachtete Aufwirbeln des Wassers; ferner die Wahr- nehmung, dass zuerst ein strkerer Schall, an welchen sich immer schwcher werdende Scliallerscheinuugen an- sihliessen, zu vernehmen ist. Auch die Wahrnehmung, dass die eigentmlichen Schallerscheinungen nur bei ruhigem See gehrt werden, lsst sich mit dem beschrie- benen Vorgang in Einklang bringen, denn nur bei ruhigem See knnen die aufsteigenden Gaskugeln senkrechte Rich- tung beibehalten und so, ohuc von den Wellen zerdrckt zu werden, als Kugeln an der Oberflche des Wassers platzen und die Schallerscheinungen des Seeschiessens bewirken. Aus dem wissenschaftlichen Leben. Ernannt wurden: Der ordentliche Professor der Anatomie in Berlin Dr. Oscar Hertwig zum Geh. Medicinal-Rath ; der ausserordentliche Professor fr Hals- und Nasenkrankheiten in Berlin Dr. Frnkel zum ordentlichen Professor; der Privtdocent der Philosophie in Berlin Dr. La sson zum ordentlichen Honorar- Professor; der Privtdocent fr Halskrankheiten in Berlin Dr. Benno Baginsky zum Professor. Es habilitirten sich: Dr. A. Ko ssler fr innere Medicin in Graz; Assistent L. Hecke fr Pflanzen-Pathologie an der Wiener Hochschule fr Bodenkultur. Es starb: Der Klner Forschungsreisende und Ethnograph Prof. Dr. Wilhelm Joest auf der Insel Santa Cruz. Wissenschaftliches Theater der Urania. Abtheilungsvor- stand: Herr W. Kranz. Der dunkle Erdtheil." Dekorativer Vortrag von Dr. Georg Wegner. Dioramen und sceuische Ausstattung von den Malern H. Hrder, H. Hart mann und W. Kranz. Vorgetragen von Herrn G. Thies. Einen Tag vor Weihnachten hatte die Urania" in Berlin zur Theilnahme an einer Premiere eingeladen. Der Text, im besten Sinne des Wortes populr, vermied Ueberschwnglichkeiten und brachte dafr in angemessener Form Thatsachen, sodass die lernlustige Jugend profitiren und mancher Aeltere diese oder jene Einzelheit repetiren konnte. Die beigegebenen Dioramen und scenischen Ausstattungen, die den Vortrag angenehm und instruetiv beleben, sind ganz prchtig. Es sind deren nicht weniger als 17, nmlich: 1. Die Citadelle von Cairo und die Mamelucken-Grber. 2. Nil-Ufer und die Pyramiden von Giseh. 3. Erster Katarakt des Nils bei Assuan. 4. Vereinigung des blauen nnil des weissen Nils; Chartum. 5. Die Papyrus-Ufer und Gras- liarrcn des Nils. ti. 1 >ie Riponflle im Mondlicht. 7. Der Albert Nyansa. 8. Der Kilima-Ndscharo. 9. Ostafrikanische Savanne mit Thierleben. 10. Im Urwald des Uerre. 11. Vogelleben am Kivusee. 12. Der Kinunga-Vulkau. Zeltlager des Grafen von XIII. Nr. 2. Naturwissenschaftliche Wochenschrift. Gtzen. 13. Die Victoriaflle des Sambesi. 14. Die Kalahari- Wste und die Wilwitschia mirabilis. 15. Diamantgrube am Kimberley. 16. Ein Kaffernkvaal. 17. Die Kapstadt mit dem Tafelberge. Wie aus dieser -Reihenfolge hervorgeht, handelt es sich um eine Durchkreuzung Afrikas von Nord nach Sd, eine Reise, die freilich in der Praxis noch nicht zur Ausfhrung gelangt ist. An der Hand dieses Fadens bespricht Verfasser die allerwichtigsten, sich an die angegebenen Uertlichkeiten knpfenden geographischen Natur- erscheinungen und kulturgeschichtlichen Reminiscenzen in wohl- thuender, ruhiger Form. Litteratur. Die Festschriften der 69. Versammlung Deutscher Natur- forscher und Aerzte zu Braunschweig 1897. Die diesjhrige Naturforscherversammlung hat den Theilnehmern nicht weniger als 5 Festschriften bermittelt, welche smmtlich und zwar zu den nachstehenden verhltnissmssig sehr geringen Preisen noch kuflich zu haben sind: 1. Die Stdtische Festschrift Braunschweig im Jahre 1897" (Verlag von Joh. Heinr. Meyer, Braunschweig) zu Mark 10. 2. Die Festschrift der Herzogl. technischen Hoch- schule (Verlag von Friedr. Vieweg & Sohn, Braunschweig) zu Mark 6. 3. Die Medicinische Fes tsc,hrift Beitrge zur wissenschaftlichen Medicin" (Verlag von Harald Bruhn, Braunschweig) zu Mark 6. 4. Die Festgabe Braunschweig Einst und Jetzt (Ver- lag von Albert Limbach, Braunschweig) zu Mark 3. 5. Der Fest-Gruss des Vereins fr Naturwissen- schaft (Verlag der Schulbuchhandlung, Braunschweig) zu M. 1,50. No. 1 Braunschweig im Jahre 1897" ist von Professor Dr. med. Rudolf Blasius herausgegeben und bildet eine um- fassende Encyklopdie der heutigen Stadt und ihrer Umgegend. Dieselbe umfasst 634 Seiten in Grossoktav und ist vom litterari- schen Ausschuss unter Mitwirkung der stdtischen und staatlichen Behrden sowie mehrerer Vereine (V. fr Naturwissenschaft, Aerztliehem Kreisverein und Verein fr ffentliche Gesundheits- pflege) hergestellt worden. Nach einem trefflichen Ueberblick der geschichtlichen Entwickelung Braunschweigs werden summt- liehe; den Arzt und Naturforscher besonders interessirende Zu- stnde und Einrichtungen: die Naturverhltnisse, die Bevlkerungs- bewegung, die Wohnungsverhltnisse, die Nahrungs- und Wasser- versorgung, Krankenanstalten und Krankenpflege, ffentliche Ge- sundheitspflege und Sicherheit, Wohlthtigkeitsanstalten, Schul- wesen, Sammlungen und Bibliotheken, wissenschaftliche und Fachvereine in ausgedehnter Weise bercksichtigt und sodann noch ein Gesammtbild der wirthschaftlichen Verhltnisse, des Verkehrs, des Handels, der Industrie und der Kunstpflege bei- gefgt. Besonderer Werth wurde auf die Beigabe zahlreicher Tafeln und Abbildungen, sowie auf eine vorzgliche Ausstattung gelegt, auch ist jedem Abschnitt die einschlgige Litteratur bei- gefgt. So hat dieses monumentale Werk eine Bedeutung weit ber den Rahmen einer Festschrift hinaus und bildet eine Quelle reichster Belehrung fr Jeden, der in naturhistorischer, sanitrer, wirtschaftlicher oder kulturhistorischer Hinsicht sich nher mit Braunschweig und seiner Umgebung zu beschftigen hat. Dem Naturforscher liegen naturgemss die Natur-Ver- hltnisse der Gegend von Braunschweig (Abschnitt 2) am nchsten: er findet hier zunchst eine vor- und frhgeschicht- liche, sowie anthropologische Skizze der Kreise Braun- schweig, Helmstedt und Wolfenbttel von Richard Andree. die geologischen Verhltnisse der nheren Umgebung be- handelt J. H. Kloos, die topisch-geographischen Verhltnisse des nrdlichen Braunschweig W. Petzold (f 1897), die Flora des- selben Gebietes hat F. Kretzer bearbeitet, whrend an der Fauna vier Specialforseher (W. und R. Blasius; F. Gra- bowsky. V. von Koch) und der Verein fr Naturwissenschaft gearbeitet haben, ber das Klima speciell der Stadt Braunschweig liefert F. Klages einen gehaltvollen Aufsatz, doch ist es hier nicht mglich, auf diese smmtlichen Einzelarbeiten nher einzu- gehen. No. 2, die Festschrift der Herzoglich technischen Hochschule Carolo- Wilhelmin a" ist den naturwissenschaft- lichen Theilnehmern der Braunschweiger Tagung vom Herzoglich Braunschweigischen Staatsministerium gewidmet und stellt gleich- falls einen hocheleganten, 464 Seiten umfassenden Band dar, in welchem 14 Mitglieder des Lehrkrpers der Carola- Wilhelmina einzelne Abhandlungen aus den Gebieten der Mathematik, der Naturwissenschaften und Etnographie ausgearbeitet haben. Hier knnen nur die Titel derselben eine Stelle finden: R. Dedekind, Ueber Zerlegungen von Zahlen durch ihren grssten gemeinsamen Theiler; R. Mller, Beitrge zur Theorie des ebenen Gelenk- Vierecks; R. Fricke, Ueber den arithmetischen Charakter gewisser Netze von unendlich vielen Kongruenten- Vierecken; H. Weber, Ableitung der Gleichgewichtsgleichung der Nadel im Rotationsinductor ; M. Mller, Ueber die fort- schreitende Geschwindigkeit von Wellen mit einer longitudinalen Schwingung der Elemente; A. Vierkandt, Die Entstehungs- grnde neuer Sitten; F. Knapp, Die wissenschaftlichen An- schauungen ber die Gerbeprocesse in ihrer Entwickelung; Richard Meye r, Ueber einige Beziehungen zwischen Fluorescenz und chemischer Constitution; J. Trger, Ueber das therische Oel der Angosturarinde; J. Trger, Ueber die Einwirkung von alkoholischem Kaliunisulfid und alkoholischem Kaliumsulf ohydrat auf symmetrische Dibromsubstitute von Sulfonen; J. H. Kloos, Die tektonischen Verhltnisse des norddeutschen Schollengebirges auf Grund der neuesten Tiefbohrungen im Leinethale und bei Hannover, sowie die Gliederung des Salzgebirges daselbst; W. Blasius, Neuer Beitrag zur Kenntniss der Vogelfauna von Celebes; R. Blasius und H. Berkurts, Ueber die centrale Wasserversorgung der Gemeinden des Herzogthums Braunschweig; P. Degener, Ueber den Einfluss der Temperatur auf die Aciditt einiger Suren. Indem wir auf No. 3, die Medicinische Festschrift, als den Lesern dieser Zeitschrift ferner liegend, nicht weiter eingehen, sei ber die beiden anderen Festgaben noch kurz berichtet. No. 4, Braunschweig einst und jetzt", ist eine fein- sinnige Ergnzung zu No. 1. Dieselbe ist von Brgern und Brgerinnen dem Verein von Freunden der Photographie zu Braunschweig" den deutschen Naturforschern und Aerzten und deren Damen gewidmet. Eine reizende Novelle von Julie Dede- kind fhrt in die 19. Tagung vom Jahre 1841, den damaligen Stand der Forschung einerseits, den der Stadt Braunschweig anderer- seits skizzirend. Zahlreiche treffliche Ansichten der vielen inter- essanten und merkwrdigen Gebude der alten Hansastadt bilden eine schne Erinnerung fr die Theilnehmer, zumal smmtliche 28 Tafeln in sachkundiger Weise von Fr. Knoll mit ausfhrlicheren Erluterungen versehen wurden. No. 5, Festgruss des Vereins fr Naturwissenschaft zu Braunschweig" (mit 2 Tafeln), enthlt in der Widmung eine Ge- schichte dieser seit 1862 bestehenden Vereine vom Vorsitzenden Wilh. Blasius und drei wissenschaftliche Abhandlungen: 1. J. H. Kloos e, Die Kohlenfelder im Bonater Gebirge (Sd- kar-paten), 2. Johannes Fromme, Zweite Mittheilung ber den Kalkspat im Korallenkalk (Korallensolith bei Bremke am Ith; 3. Wilh. Blasius, Megalithische Grabdenkmler des nordwest- lichen Deutschlands. In diesen hier nur kurz angefhrten Verffentlichungen haben die wissenschaftlichen und knstlerischen Krfte der neuerdings mchtig emporblhenden Stadt Braunschweig den Beweis er- bracht, welche Flle von Krften hier in freudigem Schaffen sich tummeln, gesttzt und gefordert durch einsichtsvolle, der voran- schreitenden Entwickelung berall Rechnung tragende staatliche und stdtische Behrden! Braunschweig kann in vieler Hinsicht anderen Gemein- und Staatswesen als leuchtendes Vorbild dienen. Fr. Regel. Preis-Verzeichniss von Dr. Ed. Kaiser's Institut fr Mikroskopie. Berlin SW 47. 1897/98. Das umfangreiche u. reich- illustrirte Preis-Verzeichniss giebt dem Interessenten ber Alles das, was zur mikroskopischen Technik gehrt, Auskunft. Nicht nur eigene, sondern auch die Apparate fremder Firmen, die das Institut ebenfalls in Vertrieb hat, werden vorgefhrt ; auch Rea- gentien u. s. w., Special-Collectionen pflauzenhistolologiseher Pr- parate werden von der Firma augeboten. Schrckenstein, Ob.-Insp. Bergingen. Frz., Silicat-Gesteine und Meteorite. Prag. 4M. Stichtenotb., Dr. Alb., Untersuchung ber die Bahn des Co- meten 1822 IV. Leipzig. 4 M. Strasburger, Prof. Dr. Ed., Das kleine botanische Practicum fr Anfnger. Jena. 7 M. Spencer, Herb., System der synthetischen Philosophie. IX. Bd. -'. Abth. (Schluss.) Stuttgart. 10 M. Violle, Prof. J., Lehrbuch der Phvsik. 2. Theil. Akustik und Optik. 2. Bd. Geometrische Optik. Berlin. 9,20 M. Wllner, Adpb.., Lehrbuch der Experimentalphysik. 5. Aufl. 3. Band. Leipzig. 18 M. Inhalt: Dr. Frst: Reise durch Javas unabhngige Frstenlnder. A. Kobelt: Zur Theorie der Protoplasma- und Zell- struetur. Erscheinen des Seeschiessens. Aus dem wissenschaftlichen Leben. Litteratur: Die Festschriften der 69. Ver- sammlung Deutscher Naturforscher und Aerzte zu Braunschweig 1897. Preis-Verzeichniss von Dr. Ed. Kaiser's Institut fr Mikroskopie. Liste. 24 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. XIII. Nr. 2. Gewinnbethfiilignng ! Bedeutend e r Rabatt! 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Verantwortlicher Redacteur: Dr. Henry Potonie, Gr. Lichtert'elde Hugo Bernstein in Berlin. -- Verlag: 1 cid. Dmmlers Verlagsbucl (P.-B.) bei Berlin, Potsdamerstrasse 35, fr den Inseratentheil: handlang, Berlin SW. 12. Druck: G. Bernstein, Berlin SW. V2. t ... ft^MchafM ffu dl naturttlttaniKhKftlfelia Fortall uog ufeielit an weltum- fukBlidao Id?6D UD'l 1 liickfn- d*n Gebil m oef Phantasie, w.rd ihr fwiclilitli eraotit durch dn ZkilbBi i-r Wirklich! t, der ihn Sclu'iplungen sclimurkt. Sohwendanar. Redaktion: f Dr. H. Potonie. Verlag: Ferd. Dmmlers Verlagsbuchhandlung, Berlin SW. 12, Zimmerstr. 94. wnf*' XIII. Band. Sonntag, den 16. Januar 1898. Nr. 3. Abonnement: Man abonnirt bei allen Buchhandlungen und Post- y Inserate: Die viergespaltene Petitzeile 40 ,*. Grssere Auftrge ent- anstalten, wie bei der Expedition. Der Vierteljahrspreis ist JC 4 (3 sprechenden Rabatt. Beilagen nach Uebereinkunft. Inseratenannahme Bringegeld bei dr Post 15 ,A extra. Postzeitungsliste Nr. 5048. \ bei allen Annoncenbureaus wie bei der Expedition. Abdruck ist nur mit vollstndiger Quellenangabe gestattet. Untersuchungen ber den Fall eines schweren Systems. Von A. N. Ljubimoff"} - , weiland Prof. der Physik an der Universitt Moskau. Uebersetzt mit gtiger Genehmigung der Redaction der Zeitschrift des russischen Cultusministeriums von S. Levinsobn. Der Unterschied zwischen den Zustnden der Ruhe und Bewegung wird durch nichts angedeutet, wenn die Bewegung eine gleichmssige und geradlinige ist. Der Stoff selbst verhlt sich indifferent zur Ruhe und Bewe- gung. Der materielle Punkt trgt nicht in sich die Ursache der Vernderung seines Zustandes. Es ist eine Wirkung von aussen erforder- lich, damit eine solche Vernderung vor sich gehe und der materielle Punkt von seinem gerad- linigen Wege abge- lenkt werde oder damit er einen positiven oder nega- tiven Zuwachs an Geschwindig- keit erhalte. Wir kennen in der Natur keine ab- solute Ruhe. Alle materiellen Punkte befinden sich in Be- wegung, und alle physikalischen Er- scheinungen sind eben Vernderungen dieser Bewegung. Und dabei gerade Vernderungen, weil die Bewegung selbst kein physikalisches Merkmal besitzt. Das vom materiellen Punkte Gesagte ist auch auf Fig i. jede Gesammtheit von Punkten anwendbar, wobei man dieselbe als etwas Ganzes, ein mechanisches System bil- dendes, betrachten kann. Die allen diesen Punkten ge- meinsame gerad- linige und gleich- mssige Bewegung offenbart sich nicht durch eine physika- lische Erscheinung. Und jene Bewe- gungen im System, welche durch das Zu- sammenwirken der das System bil- denden materiellen Punkte entstehen, gehen so vor sich, als wenn das System sich in Ruhe be- fnde ; und da usserliche Anzei- chen, die geome- trisch von der Ver- schiebung Zengniss ablegen, nicht vor- handen sind, so knnte ein ver- nnftiges Wesen, im System ein- geschlossen, wie scharfsinnig sein Verstand auch sein mag, kein Merkmal dieser allgemeinen Bewegung des Systems wahrnehmen. So das Gesetz der Bewegung, von Galilei angegeben, und seit Newton das zweite Gesetz der Bewegung genannt. Das Gesetz Fig. 2. 26 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. XIII. Nr. 3. allgemeine ist. Eine Man kanu wird beobachtet auf Schiffen, Waagen und anderen Systemen. Anders aber verhlt es sich, wenn die Bewegung des Systems eine vernderliche solche Bewegung offenbart sich physikalisch, in diesem Falle nicht mehr sagen, dass das Gegeneiuanderwirken der das System bil- denden materiellen Punkte sich so vollzieht, als wenn das System sich in Ruhe befnde: es gehen da Erscheinungen vor sich, die eine specielle Untersuchung in jedem be- sonderen Falle verdienen. Gehen wir nun nher auf die Er- scheinungen ein, die in einem System schwerer Krper sich vollziehen. Hier knnen also zwei gnzlich von einander ver- schiedene Flle vorliegen. Erstens kann sich ein solches System gleichmssig und geradlinig bewegen, zweitens kanu es fallen oder, beim Wurf, sich erheben im Zustande der vernderlichen Bewegung, als Folge der Wirkung der Schwerkraft. Stellen wir uns einen Luftballon vor, der sich mit gleichmssiger Bewegung ver- tikal erhebt oder senkt. Die Erscheinungen werden auf ihm gerade so vor sich gehen, wie auf einem sich bewegenden. Schiff, oder berhaupt auf einem System, das dem zweiten Gesetz der Bewegung unterstellt ist. Ein Gefss, das aus der Hand gelassen wird, fllt auf den Boden des Fahrzeuges, das Wasser fliesst aus dem Gefss heraus, gerade so wie auf der Oberflche der Erde. Stellen wir uns jetzt aber den anderen Fall vor, dass ein System mit Krpern, die in ihm ein- fllt, sich also gleichmssig beschleu- Fig. 3. geschlossen sind wird, wir also anz Erzhlung nigt bewegt, oder nach oben geworfen gleichmssig verlangsamt. Jetzt werden andere Erscheinungen wahrnehmen. Vielen wird wohl die phantastische von Jules Verne Die Reise nach dem Mond" bekannt sein, wo mehrere Beobachter in einem Ge- schoss von der Erde auf den Mond geschleudert werden. Von den Hun- derttausenden der Leser dieser Er- zhlung wird aber mit wenigen Aus- nahmen keiner beobachtet haben, dass die interessanteste Thatsache der ganzen Erzhlung auf einem physika- lischen Irrthum beruht. Jules Verne beschreibt nmlich die Vorgnge im Geschoss so lange, bis es den so- genannten centralen Punkt" erreicht hatte, (dort wo die Anziehung der Erde der des Mondes gleich wurde;, ebenso, als ob das Geschoss sich hn- lich wie ein Hallon mit gleichfrmiger Geschwindigkeit erhoben htte, und weist als auf eine auffallende Besonder- H s- * heit des neutralen Punktes, welche die Beobachter in Staunen versetzt habe, darauf hin. dass alle Krper im Innern des Geschosses ihr Gewicht verloren htten und ohne zu fallen, an der Stelle geblieben wren, wo sie sich gerade befanden. In meinem Lehrbuch der Physik schrieb ich (Ausgabe 1876, Seite 44) unter anderen Aufgaben: Man zeige. dass eine solche Erscheinung (der Gewichtsverlust) nicht nur in diesem neutralen Punkte stattfindet, sondern dass sie auf dem ganzen Wege zu beobachten sein wird, und dass man die Bewegung eines geschleuderten Geschosses nicht mit der Bewegung eines Luftballons, der sich empor hebt, vergleichen kann: Die einzelnen Theile des Ge- schosses fliehen nicht, weil sie von den andern mit- gezogen werden, sondern in Folge der Wurf kraft; sie bewegen sich alle mit der- selben Geschwindigkeit, und es ist gar kein Grund vorhanden, dass der eine Theil gegen den anderen zurckbleibe." Zwei aneinander- gesetzte Krper werden sich weder beim Fall noch beim Wurf scheiden, sie werden sich zusammen bewegen (wir sehen vom Luft- widerstand ab) und werden augenscheinlich keine Wirkung aufeinander ausben. Aus welchem Grnde sollen sie denn auf ein- ander drcken, auch wenn wir sie anfng- lich in Berhrung bringen? Der untere Krper wird den oberen nicht verhindern, sich, ebenso schnell zu bewegen wie er selbst. Ich gehe jetzt zur Beschreibung meiner Experimente ber. Das Experiment I will die whrend des Falles eintretende Vernderung in dem Aufeinanderwirken zweier schwerer Krper, von denen der obere auf den unteren einen Druck ausbt, zeigen (Fig. 1 und 2). Der Ver- such wird ausgefhrt mittels eines fallenden Apparates mit einem metallischen Diskus Q, auf welchem sich der metallische Cylinder P befindet. Zwischen Cylinder und Diskus sieht man eine Spiralfeder, welche der Cylinder zu- sammendrckt; wenn der Apparat fllt, be- kommen wir eine beschleunigte Bewegung, und der Cylinder hrt auf, auf den Diskus einen Druck auszuben. Die Wirkung der Spiralfeder aber bleibt be- stehen. Der Zwischenraum zwischen dem Diskus und dem Cylinder wird dadurch vergrssert : der Cylinder wird gegen den Diskus in die Hhe ge- trieben. Man kann das auf folgende Weise zeigen: Der Apparat fllt an zwei Fden, die ber eine doppelte, oben an einem vertikal befestigten Brette augebrachte Rolle gehen. Der Cylinder P ist durch einen umge- bogenen Hebel BN mit dem Zeiger Z aus leichtem Carton verbunden. Wenn der Cylinder auf dem Diskus ruht, steht der Zeiger vertikal. Entfernt sich der Cylinder, so wird der Zeiger durch den Hebel gedreht, bis er eine horizontale Lage annimmt. Das ge- schieht beim Falle, und alle Zuschauer knnen leicht bemerken, wie der Zeiger Z aus der vertikalen in die horizontale Richtung gelangt. Experiment IL Wenn der Druck des oberen Krpers auf den unteren beim Falle schwindet, dann ist die Frage nahe gelegt, ob nicht auch der hydrostatische Druck der oberen Schichten einer Flssigkeit auf die unteren aufhrt (Fig. 3, 4 und 5). Eine Antwort darauf giebt folgender Versuch. Ein zweischenkliges Rohr ist au einem Brette befestigt, mit welchem zusammen es fallen kann. Das Brett wird von zwei Fden getragen. Das Rohr enthlt in dem verschlossenen Schenkel a Luft, in dem anderen offenen, der mit dem umgebogenen Ende in das Gefss b gerichtet ist, Quecksilber. Beim Fall des ganzen Kig XIII. Nr. 3. Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 27 H:-Ej53S^= =-- BMjlHl w& IK Apparates hrt die Wirkung des Quecksilbers, durch welches die Luft coinprimirt wurde, auf; die Elasticitt der Luft aber wird durch den Fall nicht verndert. Ein Theil des Quecksilbers wird daher aus dem offenen Schenkel in das Gefss b gelangen. Die zwei anderen Figuren stellen den Apparat in etwas vernderter Gestalt dar. Experiment III. Dieser Versuch fllt in das Ge- biet des Archimedischen Gesetzes, bezieht sich also auf den Druck einer Flssigkeit auf einen in ihr betindlichen Krper. Das Archimedische Gesetz verliert seine Gltig- keit beim Falle eines Systems: In das Gefss A (Fig. 6 und 7) mit Wasser sei ein Korken hin- eingelegt. Die Spiralfeder i^hlt den Kork gegen die Wirkung des Druckes von unten nach oben, durch welchen der Krper auf der Oberflche zu schwimmen ^ veranlasst wre. Beim Falle des Gefsses ist dieser Druck nicht mehr vorhanden und der Fig. 6. Kork sinkt nach unten, wie es die Figur zeigt. Die zwei anderen Figuren (8 und 9) zeigen den Versuch objectiv mit einem Zeiger, der beim Falle in die horizontale Lage gelangt. Experiment IV. Dieser Versuch wird mit einem fallenden Pendel angestellt. Auf einem Brett (Fig. 10) ist ein schwingendes Pendel angebracht. Wenn das Brett mit beschleunigter Bewegung fllt (zur grsseren Regelmssig- keit der Bewegung lsst man sie sich zwischen zwei vertikalen Drhten voll- ziehen, die das Brett mit zwei Haken frei berhrt), so bleibt das Pendel, wenn man es am Anfang der Bewegung in schiefe Lage bringt, in dieser, ohne whrend des Falles Schwingungen auszu- fhren. Die Schwingungen wren verlangsamt, wenn der Fall kein freier, son- dern ein verlangsamter wie in der Atwood'schen Fallmaschine wre. Das Experiment V bezieht sich auf einen ein Stck Eisen oder Eisenpulver anziehenden Magneten (Fig. 11). Auf der Figur sieht man einen Magneten, unter dem eine Fig. s. Eisenplatte in solcher Ent- fernung angebracht ist, dass der Magnet ihr Gewicht nicht zu berwinden vermag, sie also nicht anziehen kann. Whrend des freien Falles wird die Platte sozusagen ihr Gewicht verlieren; sie wird vom Magneten angezogen und bleibt an ihm haften. Das- selbe geschieht auch mit dem Eisenpulver, das anfnglich in solche Entfernung vom Magneten gelegt wird, dass die Anziehung desselben nicht im Stande ist, es empor- zuheben. Erscheinungen dieser Art knnen nicht nur beim freien Fall eines Systems beobachtet werden, sondern auch an einem auf einer schiefen Ebene herabrollenden, ferner auch an einem schwingenden System. Wie mir scheint,-] knnen solche Versuche an rollenden oder schwingenden Systemen leichter ausgefhrt werden, weil der Beobachter selbst am System Platz nehmen und so besser die Vorgnge erkennen kann. Uebrigens wird es auch auf keine besonderen Schwierigkeiten stossen, ein frei fallendes System, in dem sich der Beobachter be- finden kann, zu errichten, wobei man nur Sorge tragen muss, dass das fallende System (z. B. ein Korb an ein cd ber eine Rolle gehenden Stricke augebracht) auf die Erde ohne Stoss gelange, indem es dann bereits seine Geschwindigkeit eingebsst haben muss. Das Gebiet der Erscheinungen, auf welche sich meine Versuche beziehen, hat, wie ich glaube, nicht nur ein rein physikalisches, sondern auch physiologisches Interesse. Da die in den festen und flssigen Theilen des Organismus in Folge der Schwere stattfindenden Drucke sich beim Fallen, Rollen oder Schwingen des Organismus im Verhltniss zu den Zustnden der Ruhe und gleichfrmigen Bewegung sich verndern ms- Fig. i. sen, so werden auch die physio- logischen Bedingungen des Or- ganismus dadurch Vernderungen erleiden. Darin ist der Ursprung derjenigen Gefhle zu sehen, die man beim Fallen von einer Hhe, beim Rutschen von einem Berge, beim Wiegen, beim Schwanken des Schiffes auf der See empfindet. Die Erklrung der physiologischen Bedingungen solcher Art Bewegungen des Organismus liegt in den Principien, zu deren Beweis ich die besprocheneu Versuche ausfhrte. Ich glaube, dass meine Apparate bei Luft- fahrten ntzlich sein wr- den. Ich beabsichtige einen neuen Apparat, einen Beschleuni- gungsmesser, zu con- struiren, um berhaupt Vernderungen in der Be- wegung eines Systems wahrzunehmen. Ich will noch hinzu- fgen , dass man , von meinen Experimenten aus- gehend, folgende Bemer- kungen ber den Versuch, der "im Herbst 1893 die Pariser Akademie stark interessirte, machen kann : Ich meine die Katzen- frage" (question du chat), wie man sie nannte. Die Thatsache ist bekannt, dass, wenn man die Katze von einer gewissen Hhe hinunterwirft, es ihr immer gelingt, wie auch ihre anfngliche Lage gewesen sein mag, sich so zu drehen, dass sie mit den Tatzen auf die Erde fllt. Der bekannte Physiologe Marly, der Untersucher des Vogelfluges, kam auf den Gedanken, den Fall der Katze mittels Momentphotographieaufuahmen whrend der ganzen Zeit ihres Falles zu untersuchen. Mau brauchte zur Ausfhrung dieses Versuches nicht eine grosse Hhe zur Verfgung zu haben. Die Aufnahmen gelangen auch, und man konnte gut sehen, wie die Katze, mit den Tatzen nach oben, aus den Hnden gelassen, sich um eine durch ihre Wirbelsule gebildete Axe dreht, bis die Lage erreicht ist, wo die Tatzen nach unten ge- wendet sind. Vermittels eines Stroboskopes konnte man die verschiedenen Aufnahmen zu einem sich bewegenden Bild vereinigen und klar erkennen, wie die Umdrehung des Fig. 9. 28 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. XII f. Nr. 3. Krpers vor sich geht. Die Untersuchung der Lage hat zn dem Schlsse gefhrt, dass die Umdrehung sich nicht, wie viele angenommen, durch die Sttze, die die Katze im Widerstnde der Luft findet, vollziehen kann. Sie dreht sich unabhngig von diesem Widerstand und wrde sich ebenso auch im luft- leeren Raum drehen, wenn sie dort lebend fallen knnte. Von der mechanischen Seite hat diese Erscheinung die Aufmerksamkeit vieler Mathematiker auf sich ge- lenkt, die den Versuch machten, sie mit dem Princip der Erhaltung der Ebenen (conservation des aires) in Einklang zu bringen, obgleich Anfangs die Erscheinung mit die- sem Principe sich im Widerspruch zu befin- den schien. Dabei haben die Untersuchungen von Marcel Deprez diesen zu dem Schlsse gefhrt, dass die Rotation wir F >s- 10 - sprechen schon nicht mehr von der Katze, sondern allgemeiner von Krpern wie die Sonne, die Erde nicht so fest und immanent sei, wie es auf Grund des er- whnten Princips zu sein scheine. Bedeutende Wirbel- bewegungen wie Cyklone, Strmungen wie der Golfstrom, mchtige Strmungen und Wirbel in der Sonnenatmosphre knnen eine Beschleunigung oder eine Verlangsamung der Rotationsbewegung eines Krpers bewirken. Vom Standpunkt unserer sich nun Folgendes erkennen: Experimente aus lsst Wenn ein Haufen Steine oder berhaupt schwerer Krper auf der Erde liegt, so drcken die obersten Theile auf die untersten, und der ganze Haufen drckt auf die Erde. Aber wenn derselbe Haufen von oben fllt, so hrt der gegenseitige Druck der einzelnen Theile auf. Jeder fallende Krper verliert sozusagen sein Gewicht, im Sinne der Ausbung eines Druckes auf den Widerstand. Wenn der Haufen nun aber nicht aus unab- hngigen schweren Tb ei- len besteht, sondern aus Theilen, die mit einander durch elas- tische, sich verkrzuugs- fhige Bnder, wie z. B. die Katze mit ihren so der in nicht Kr- Erde der Ge- Muskeln , besteht , ist die Wirkung elastischen Krfte diesem System dieselbe, ob der per nun auf der sich befinde oder falle. Das Gegeneinanderwirkeu Massen wird scheinbar unabhngig von ihrem wichte sein. Die fallende Katze stellt ein System das aus Theilen besteht, die an dem Vorgnge Falles in Bezug auf innere elastische Wirkungen theilnehmen, wie Massen, die kein Gewicht besitzen. dar, des Gegeneinander- Zur Theorie der Protoplasma- und Zellstructur Von Dr. A. Kobelt. (Fortsetzung.) Wir haben oben gesagt, dass in der Polarisations- oder Differenzirungsphase nur eine schwache, in der Phase der Indifferenz hingegen eine starke Ueberreizung einzu- treten pflege. Dieser Satz bedarf noch einer Erweiterung. So sehr nmlich im ersteren Stadium der Plasmakrper an den speeifischen Reiz gewhnt ist, der ihn zu beein- flussen pflegt, und so schwer er demgemss durch diese Erregung zu (berreizen ist, so stark dieselbe sein muss, um eine derartige Wirkung herbeizufhren, so hoch- gradig ist die letzterere, wenn ihm einmal das einzige Schutzmittel, die alleinige Waffe gegen den starken speeifischen Reiz, die der Nachbarschaft entzogene Nah- rung, in erheblicherem Maasse ausgeht, was in Folge des mgliehen, ja sehr wahrscheinlichen, oder da er sich ja in ihrem Banne befindet 162 ) sicheren Weiter- ansteigens der ohnedies schon extremen Reizstrke und der damit rasch zunehmenden Schwierigkeit, die zur Befriedigung des ausserordentlichen Bedrfnisses erforder- liche Nahrungsmenge mit gengender Schnelligkeit herbeizuschaffen, leicht geschehen kann. Denn whrend in der Phase der Indifferenz ausser einer ge- wissen Nahrung auch der Gehalt an andersartiger Er- ,02 ) Vgl. E. Krause, b. d. Nachthle d. einseitig. Anpassung, Kosmos, 188(1. 2. Bd. regung (durch die neutralisirende Wirkung der letzteren) eine Waffe gegen den Reiz 163 ) bildete, entbehrt der Plasmakrper in der Polarisationsphase dieses Schutzes, dessen er sich ja durch die zunehmende Hingabe an den einseitigen Reiz nach und nach vollstndig entussert hat, durchaus, und wenn nun noch das einzige ihm brig- gebliebene Rettungsmittel, die Nahrung, wegfllt, ist er dem mchtigen Reize vollkommen wehrlos preis- gegeben (eine Art pltzliche Entwhnung). Hier liegt demnach derselbe Fall vor wie bei der Involution der inneren Theile, wo das betreffende Protoplasmastck eben- falls einem starken Reiz ausgesetzt ist, whrend ihm - durch die Peripherie gleichzeitig die Nahrung entzogen wird famphigenes Eurysma). In diesem besonderen Fall wird also Ueber- reizung und Involution um so strker, je strker die Polarisation war; umso strker wird aber weiterhin auch, da der Zustand der inneren Theile mit dem der usseren in antagonistischem Sinne stets gleichen Schritt hlt, bei dem Umschlag die Entlastung der inneren Theile sein. Diesen Fall, den man graphisch als + Po- larisation und mit Worten etwa als Typus inversus oder als antitypische Polarisation bezeichnen knnte. ") s. oben Bein. 92. XIII. Nr. 3. Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 29 haben wir vor uns in der Entw.ickelung der Kernmasse zu Sporen 164 ), Keimen, Schwrmern 165 ) u. s. w., mit welcher berall eine mehr oder minder starke Involution der Pe- 10 '') In der That fungirt ja der Kern hufig als Vermehrungs- organ (s. J. P6rez, mein, soc. sc. phys. et nat., Bordeaux, 4. ser., T. 4, p. 300), als Keimkrper (Sporocyste). Solches ist z. B. der Fall bei Sporozoen, hei Flagellaten (H. Clark, ann. a. mag., 4. ser., vol. 2, p. 138 [Monas]; S. G. Foulke, ebd., 5. ser.. vol. 16, p. 260 [Chilumonas]; v. Stein, Orgsm. d. Infus. th., 3. Abth., I, S. 95 ff. JGymnodinium], Rhizopoden (Carter, ann. a. mag., 2. ser., vol. 18, p. '236 ff. und PI. 7, Fig. 96 und 97, sowie 3. ser., vol. 12 und 13 [Dif'flugia pvriform.]), Amben (Greeff, Arch. mikr. An., Bd. 2, Bd. 10, S. 65 (Pelomyxal). s. auch Bck, Z. wiss. Zool., Bd. 30 (Arcella, Amphizonella, Phonergates). Khne (Us. b. d. Protopl. u. d. Contv.) setzte Amben der Einwirkung von Kohlensure aus, worauf eine Menge winziger Amben erschien, die nach seiner Vermuthung aus anzerstrten Resten (Kern?) hervorgingen, a.a.O., S. 52. Vgl. hierzu oben Bern. 137 (Demoor). Radiolarien (Mark- masse. Binnenblase, /.. B. K. Brandt, Thalassicolla; A. Bor- gert, zool. Anz., No. 507, S. 311 [Aulacantha] ; R. Hertwig, Hist. d. Rad., S. 54, 56, 63 ff. Centralkapselinhalt, z. B. K. Brandt, Sphroz., S. 189, 194; R. Hertwig, z. Histol. d. Radiol, S. 26 |sehon Joh. Mller] 56, 63 und 85 [Clapare.de Lachmann]; Hckel, Rad., 2. Thi., T. 1, Fig. la und lb |Actissa prineeps], Cien- kowsky). Bei Actinophr. Eichh. sah Greeff nach Sprengung des Thieres die Kerne der Marksubstanz zu neuen Individuen sich entwickeln (Arch. mikr. An., Bd. 3). Infusorien (Hckel, Je- na'sche Z., Bd. 7; Th. Engelmann, Z. wiss. Zool., Bd. 11 (Epi- stylis|), Acineten (Lieberkhn, Z wiss. Zool., Bd. 8, S. 308; Engelmann, ebd., Bd. 11). Aehnlich bei Spongien (S. Kent, ann. a. mag., vol. 2, 1878, p. 152 ff. und PL 7, Fig. 19 ff.), wo die Sporen, wie sonst die Kernstofftheilchen in's Zellplasma, unter Auflsung der Cystenwand in das umgebende Syncytium auswan- dern. Auch bei Gewebezellen hherer Metazoen ist selbstndige, an Sporulation erinnernde Entwickelung von Kernsubstanz beob- achtet worden. Leydig, zool. Jb., An. u. Ont., Bd. 3, sah im Inhalt des sprossenden Keimblschens von Triton ambenartige" Keimfleeke auftreten, welche an Grsse zunahmen. S. 314, 343, 351, 3S1 und Fig. 68. L. citirt hnliche Beobachtungen von Ecker, ebd., S. 394, 419, 420; Pio Fo sah bei Gewebezellen aus Kern und Zellplasma hellbesumte Chromatinmassen austreten, sich vergrssern und mitotisch vermehren (giorn. r. accad. Torino, 1894 und arch. ital. de biol., T. 23, p. 341 ff.), s. auch Holl, anat. Anz., 8. Jgg., S. 123; van Bambeke, bull. Belg., 3. ser., T. 25, p. 348. Mglicherweise kommt bei den krankhaften (senilen) Neubildungen (Carcinome, Sarcome) gleichfalls eine derartige centrale Brutent- wiekelung vor, besonders wo es sich um nachweisbare, als tio- logisches Moment wirkende Ueberreizung (auch psychische De- pression, Shock u. s. w.) handelt. Jedenfalls hat im Senium der Kerninhalt im Allgemeinen schon eine grosse Neigung, in das Zellplasma auszutreten und sich selbstndig zu entwickeln, was ganz der selbstndigen Wucherung der vom activen, beherrschenden Einfluss (s. oben Bern. 145) der centripetalen Nervenbahn befreiten centralen Gewebe im grsseren Rahmen entspricht (vgl. hierber d. Abhandl. Kraft und Schwche" a. a. O.). Diese Erfahrungen drngen zu der Auffassung, dass, wenn das Zellplasma (das Mutterthier) noch einen gewissen Grad von Lebensenergie besitzt (Fall der Ausgleichungsphase), der Kerninhalt sich nicht selbstndig entwickeln kann, unreif, lebensunfhig bleibt und von jenem resorbirt wird (der Kern ist Ernhrungs organ das Zellplasma Vermehrungsorgan). Ist dagegen die Ueberreizung und Schwchung eine hochgradige (Fall der antitypischen Polari- sation), dann wird der Kerninhalt reif, lebensfhig und ent- wickelt sich selbstndig, und nun wird das Zellplasma resorbirt (der Kern ist Vermehrungsorgan das Zellplasma Ernh- rungsorgan, s. unten Bern. 166). Solange jedoch die Lebens- energie des Zellplasma sehr gross ist (typische Polarisation), bleibt der Kerninhalt vom Zellplasma mehr oder weniger streng gesondert (unterdrckt; latent) und wird bei den hheren Gra- den zur Entwickelungssttte der Zeugungsstoffe (s. unten). 166 ) Greef nannte die Actinosphrien, weil ihre Kerne zu In- dividuen werden, Colonien (Arch. mikr. An., Bd 3), betrachtet also auch die unentwickelten Kerne als individuelle Thiere (hnlich H. Blanc, arch. sc. phys. et d'hist. nat., Geneve, 3. per., T. 27, p. 473. In analoger Weise habe ich bei der Mitose den Kern als ein individuelles Wesen aufgefasst (Mit. u. Amit, S. 47 ff.), was mir auf Grund einiger Darstellungen berechtigt schien. Man kann die letzteren noch um manche weitere ver- mehren, s. z. B. O. Brger, anat. Anz., 6. Jgg., S. 487, Fig. 2 (der zwiebeifrmige Kern) und 4, besonders aber Strasburger, histol. Beitr., H. 4, S. 56 und T. 3, Fig. 1 und 7 (Sphacelaria). Vgl. auch Mark, a. a. 0.. Fig. 68, sowie J. Demoor, arch. de biol., T. 13, PI. 9, Fig. 1-4 und 13-15. ripherie einhergeht, 166 ) die sich z. B. in krnigem Zer- fall 167 ) der letzteren ussert. Dementsprechend drfen wir auch berall da, wo eine ausgesprochene Krner- bildung an der Oberflche zur Beobachtung- kommt, an eine Involution dieser Art denken (pigmentirte Eier, be- sonders aber Oberflche oder Kopfpol von Ecto- und Entoderm-(drsen-)zellen 168 ) und von Sttz- oder selbst von Sinncszellen in Sinnesorganen), wobei man wohl ebenfalls eine entsprechende Entlastung der iunneren oder hinteren Theile annehmen muss. In diesen Fllen von mehr oder minder hochgradiger Ueberreizung der Peri- pherie und intensiver geradliniger Strahlung, d. h. lebhafter, rascher Ausstrmung der Binnenmasse 169 ) oder gar Umwandlung derselben in die noch positiveren Bildungen austretender Keime wird das Centrum allmlig vollstndig entleert 170 ); vom Kern bleibt zuletzt nur noch l66 ) s. Khne, a. a. O., S. 51 ff. Die Zerfallproduete der Rinde werden dann von dem inneren Factor, der jungen Brut, hnlich wie bei der typischen Polarisation (mittlere Grade, die der Ausgleichung sich nhern) die des Marktheils, des Kerns, von dem usseren Factor als Nahrung benutzt, s. Brandt, Sphroz., S. 173; R. Hertwig, Orgsm. d. Rad., S. 242; Stein, a.a.O., S. 95 (Gymnodinium); Mit. u. Amit. S. 54. Vgl. Bern. 164. ,67 ) K. Brandt, a. a. 0., S. 157. I88 ) s. z. B. E. Jourdan, ann. sc. nat., Zool., 6 ser., T. 10, Fig. 94 (Ectod.), ebd., p. 140 (Ectod.); Mit. u. Amit., S. 53, Bern. 2. 160 ) Nicht nur der Inhalt des Kerns kann nach aussen wan- dern, sondern es kann auch der Kern in toto an die Oberflche emporsteigen (oder selbst austreten), was offenbar auf der gleichen Ursache beruht. Dies ist der Fall beim reifenden Ei (s. z. B. Btschli, Abb. d. Senckenb. Ges., Bd. 10; Holl, anat. Anz., 8. Jgg., S. 124; die Ausstossung des Keimblschens ist besttigt von Oellacher, Balfour, 0. Hertwig, Btschli u. And), hei Furchungszellen (s. z. B. Fol, Jena'sche Z., Bd. 7, Fig. 9, 13), bei der Mitose (s. z. B. Pfitzner, morph. Jahrb , Bd. 6, S. 487; Platner, a. a. 0., S. 342, 352, ]36S|), bei der Secretion (Kor- schelt, zool. Jahrb., An. u. Ont., Bd. 3, S. 78); dass er hier (Phase der Reizung) seinen Inhalt in Form von Strmen entsendet (Korschelt) und von der Zellenbasis sich erhebt, ist lngst bekannt. Bei den meisten Drsenzellen mit berreiztem Kopfpid findet er sich an dieser Stelle. Bei Verdickungsprocessen an der Zellwand rckt er an die betreffende Stelle (Haberlandt); auch bei der Bildung derselben nach der Theilung (Zellplatte) nhert er sich ihr auf einige Zeit, Strasburger, Zb. u. Zth., 3. Aufl., S. 115 ff. Endlich hat Vas (Arch. mikr. Anat., Bd. 40) bei Reizung von Nervenzellen das Chromatin, sowie, den Kern nach der Peripherie wandern sehen. Wie oben erwhnt, kann die Kernhlle auch wahrscheinlich in Folge einer derberen Beschaffenheit, welche den Austritt der Kernmasse hindert, vielleicht auch in Folge grsserer Consistenz der letzteren selbst platzen, wobei sich der Inhalt pltzlich zerstreut (Leidy, Auerbach, s. Mit. u. Amit. S. 54, Bern. 5). Ein solches Platzen wird berhaupt oft berichtet; so z. B. von Heitzmann, der es hufig an Leucocyten (bei ge- schwchter Constitution, desgl. nach hufig wiederholten Absehn- rungen an der Oberflche) sah, mikr. Morph. S. 41, 65. Bekannt ist dasselbe auch von den Speichelkrperchen, s. z.B. Brcke, Wien. Sitzb., m.-nw. Cl., Bd. 45, Abth. 2, S. 631. Khne rief es bei Amben durch starke Reizung hervor, a. a.O. S. 33; s. Brcke, a. a. 0. Bei ganzen Individuen wurde es beobachtet von R. Hert- wig, Jena'sche Z., Bd. 11, S. 340 (Actinophr.); M. Schnitze, Orgsm. d. Polythal., S. 27 (Troncatulinen, Rotariden); es kommt aber bei Protozoen berhaupt, namentlich Infusorien, und selbst bei Wrmern vor, vgl. z. B. Gruber, Ber. nf. Ges. Freibg , N. F., Bd. 1, S. 10 ff. S. auch Mit. u. Amit., S. 54, Bern. 6 (Pertv). n ) s. Auerbach, Jena'sche Z., Bd. 30, S. 548; Arnold, Virchow's Arch.. Bd. 79, S. 197; Henking, Z. wiss. Zool., Bd. 45, S. 145 ff. (das Keimblschen wird dabei oft ausgezackt, S. 151, was auch bei anderen Kernen vorzukommen scheint, vgl. From- mann, Jena'sche Z., Bd. 9, T. 15, Fig. S; R. Hertwig, Jena'sche Denkschr., Bd. 2, S 166), Will, Stuhlmann u. s. w. Daher die bekannte Chromatinarmuth des Kerns in Cyste, Ei(cytode) und Ganglienzelle (vgl. v. Wiclo wiejsk i , biol. Cti'bl., 8. Jgg., S. 373. 723; Korschelt, zool. Anz., 1885, S. 581 ff.; Magini. j. micr. soc. Lond., 1891, p. 420 und 717 [Ref.]; Chun, Abh. Senckenb. Ges., Bd. 16, S. 612 ff', und T. 7, Fig. 19; s. auch Carter, ann. a. mag., 3. ser., vol. 13, PI. 1, Fig. 12 |und 13]; M. Schultze, Orgsm. d. Polythal., T. 1, Fig. 7, 8). Zwischen Ei und Ganglienzelle be- steht auch sonst manche Aehnlichkeit (s. Flemming, Zellsubst. S. 100; Eimer, Med.. S. 266 ff'., Entst. d. Art., I, S. 378; O. und R. Hertwig, Jena'sche Z, Bd. 13). Das reife Ei hat also seine Proliferationsfhigkeit verloren, weil es schon getheilt", bzw. sein 30 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. XIII. Nr. 3. die Hhlung-, die Kernvaeuole, (ihrig 111 ), sowie die Mem- bran (wofern diese bei der Auswanderung nicht aufgelst wurde); aus der Zelle ist ein kernloser Plasmakrper, eine Cytode 172 ) (Monerula, Eicytode, Hckel) ge- worden; denn ein seines Inhalts vllig beraubter Kern 113 ), ein einfacher centraler Hohlraum ist (um so mehr, wenn auch die Membran geschwunden) blos in geometrischem und topographischem Sinne ein Kern, keinenfalls aber physisch, physiologisch oder mor- phologisch. Ausserdem aber kann dieser Hohlraum auch in der That spurlos verschwinden m ), oder er schrumpft wenigstens, wird kleiner 11 "), die Membran bekommt Falten und lst sich nach und nach vollstndig auf 116 ), hnlich wie der Balg einer Cyste, wenn ihr Inhalt in Schwrmer zerfallen und ausgetreten ist 171 ). Wir haben bis jetzt immer nur von zwei polaren Kerninhalt v ertheilt ist, d. h. weil aus seinem Kern die Kernstoft'e grsstentheils ausgewandert sind (oft ist sogar die Strahlung verschwunden). Das Zoosperm hingegen hat sie verloren, weil dieselben alle in seinem Kern concentrirt sind (vgl. hierzu K. Fiedler, zool. Anz. 1887, S. 634 ff.). In der Ausgleichungs- phase (Ei) ist das Auflsungsbestreben, in der Polarisationsphase (Zoosperm) das Verdichtnngsbestreben des Kerns zu gross (vgl. Mit. u. Amit. S. 13), um eine Theilung desselben zu ermglichen. m ) Das Gleiche gilt vom Kernkrperehen (s. z. B. Ho 11, an. Anz., 8. Jgg., S. 123). I12 ) ^. Delago glaubt diese Bildung nicht vollkommen leugnen zu sollen, a. a. O., Btschli nennt sie eine wenig differenzirte Form" der Zelle, a. a. 0., S. 374; vgl. auch Leydig, zool. Jahrb., An. u. Ont., Bd. 3, S. 420; Henk ing, a.a.O., S. 163, sowie oben Bern. 51. '') Nach Leydig scheint es Kerne zu geben, die eigentlich nur ein Hohlraum sind (Zelle u. Gew., S. 22 Furchungszellen ; verzweigte Kerne der Darmdrsenzellen der Insecten; s. auch Claus, Z. wiss. Zool., Bd. 14, T. 6, Fig. 17 und S. 49, Kern- blasen"). Vgl. sodann Auerbach, organolog. Stud., H. 2, S. 238; W. Salensky, Z. wiss. Zool., Bd. 22, Furchungszellen von Bra- chionus. s. ferner unter vielen hnlichen Darstellungen z. B die Keimblschen, welche H. E. Ziegler von Nematodeneiern zeichnet, Z. wiss. Zool., Bd. 60, T. 17, Fig. 37; s. auch Cohn, ebd., Bd. 12 (Winterei von Rotiferen). Im Allgemeinen bilden Contraction der Oberflche, Hllsehichtung und Kernverdung, wozu hufig noch die Strahlung tritt, einen zusammengehrigen Complex, in welchem selten ein Glied fehlt. Besonders an der Eizelle wird derselbe hufig beobachtet, desgl. bei Cysten (s. z. B. Hckel, biol. Stud., I, T. 5, Fig. 1 3, Magosphaera) s. auch oben Bern. 137 (169), und unten Bern. 185. m ) s. Henking, a. a. 0., S. 86 ff. und 139 ff.; F. Sommer, Z. wiss. Zool., Bd. 34; Btschli, ebd., Bd. 26, S. 389; Semper, ebd., S. 386. Jensen, Arch. de biol., T. 4, p. 66, 70; Blomfield, zool. Anz., 3. Jgg.; Ankermann, Z. wiss. Zool., Bd. 8, S. 143 ff.; Semper, ebd., S. 385; Hckel's Phodellen; Leydig, zool. Jahrb , a. a. O., S. 325. 17 ) s. z.B. Korscheit, Sitzb. Ges. nat.f.Frde. 1887/88; Cohn, Z. wiss. Zool., Bd. 7; R. Hertwig, Hist. d. Radiol., z. B. S. 65. m ) s. Henking, a. a. 0., S. 86; Korscheit, zool. Jahrb., An. ii. Ont., Bd. 4, S. 91; A. v. Trk, Arch. mikr. An., Bd. 13; Leydig, a. zul. a. O, S. 325, L. glaubt auch ein Platzen wahr- genommen zu haben. Gruber beobachtete eine fast moleculare Verth eilung der ganzen Kernmasse im Krper von Infusorien (Ber. nat.f. Ges. Freiburg, X. F., Bd. 3, S. 59 ff.). Unbestreitbaren Kern- mangel giebt auch M. Schultze bei Gromia an, desgl. bei jungen Milioliden und Rotalien (Orgsm. d. Polythal.). Dasselbe wird bekanntlich fr Gregarinen behauptet, s. z. B. Lieberkhn, Aldi. An. Phys., 1854, S. 360. Die Auflsung der Axenfden der Ilelizoen (die wohl unabhngige Kernbildungen sind oder we- nigstens vom Hauptkern stammen, vgl. hierber R. Lankester, quart. j. micr. sc, N. S., No. 154, p. 237, oat-shaped corpuscles) beim Einziehen der Fortstze (Leidy, Penard) gehrt wohl ebenfalls hierher. Vgl. endlich die bekannten Beobachtungen von Stricker ber Auftauchen und Verschwinden des Kerns, desgl. Arndt, Virchow's Arch., Bd. 78, S. 323; Schaudinn, Z. wiss. Zool., Bd. 59, S. 228; B. Hertwig, a. a. 0., T. 5, Fig. 5. Solche 1 ollapsei cheinungen treten besonders auch beim Austritt des Centrosoms auf, s. 0. Hertwig, Arch. mikr. An, Bd. 36, S. 38 und T. 1, Fig. 24 and 25. Vgl. oben Ben,. 126. '") Dieses Verhalten wird um so verstndlicher, als der Kern (s. oben Bern. 164) wie eini C3 te einerseits und das Ei anderer- seits, welche beide oft miteinander verglichen werden (s. z. B. Leydig, zool. Jahrb.. An. u. Ont., Bd. 8, S. 325; M. Nussbaum, Arch. mikr. An., Bd, II. S. 111; Mc Crady, proeeedings Boaton soc. nat. h., vol. 19, |>. 179), hufig Reproduetionsorgan ist. Zonen gesprochen, der Peripherie und dem Centrum. Es ist aber wohl ohne Weiteres klar, dass in diesen beiden Theilen abermals eine Gliederung mglich ist, d. h. dass Zonen von Bedrohung und Ueberreiznng mehrfach mit einander abwechseln knnen, dass z. B. auf eine innere Zone der Ueberreiznng neuerdings weiter nach innen eine Zone der Bedrohung folgen kann oder auf eine innere Zone der Bedrohung neuerdings eine solche der Ueber- reiznng. 118 ) Dies wird hufig, wenn auch nicht immer, durch eine grosse Intensitt der Processe bedingt sein, insofern starke Ueberreizung, wie wir sahen, notge- drungen abermals eine starke Entlastung, starke Be- drohung notwendigerweise eine starke Ueberreizung der nach innen zunchst folgenden Theile hervorrufen wird. Bei der mitotischen Kerntheilung habe ich die Bildung der Chromosomen durch eine solche abermalige Ueber- reizung zu erklren gesucht. Eine ebensolche wrde der oben besprochene Fall sein, wo in der Astrosphre selbst eine Polarisation eintritt, so dass das Centrosom ver- dichtet 119 ) anstatt aufgelst wird. Es will mir ferner scheinen, dass auch die Entstehung der Zeugungsstoffe auf diesem Wege erklrt werden muss. Wie mehrfach erwhnt, kommt die Eutwickelung der Sexualitt nur bei einer strkeren Nahrungsentziehung (= relative Zunahme des usseren Reizes, der Bedrohung, wie bei absoluter Zunahme Reifeperiode, Ausbildung der Polarisation, der Sinnessphre) zu Stande (im Gegensatz zur Parthenogenese, die durch gesteigerte Ernhrung = rel. Abnahme des ussereren Reizes, wie durch absolute Abnahme desselben erzeugt wird). Es wird sich daher im mehr oder weniger berreizten Marktheil des Plasmakrpers neuerdings eine (centrale) Zone der Bedrohung entwickeln, deren Dynamisationsstufe derjenigen der Oberflche oder Aussen- schicht mehr oder weniger vollkommen entsprechen wird, d. h. bei starker Polarisation werden Microsporen oder deren Aequivalente: Spcrmatogonien (Ueberreizungszone) mit Zoospermien, deren Fadenspitze nach dem Centrum gekehrt ist (centrale Bedrolmngszone) Sinuesschrfc des mnnlichen Geschlechts , bei schwcherer Differeu- zirung dagegen Macrosporen oder Eier mit Richtuugs- blschen entstehen. Steigt der Reiz an der Oberflche noch weiter, der Art, dass die starke Bedrohung derselben in Ueberreizung umschlgt, tritt insbesondere anti- typische Polarisation ein, dann entwickelt sich der Mark- theil selbstndig (endogene Keimbildung, Sporulatiou). Diese (sexuelle) Differenzirung im Marktheil (Kern) ist die Weiterentwicklung eines Zustandes, der im Indifferenz- stadiuni beginnt, wo (im Gegensatz zur Sexualitt, bei der ja exquisite Bedrohung herrscht) in Folge des Reiz- mangels und der dadurch bedingten grossen Ueberreiz- barkeit hutige Ueberreizungen eintreten, die (wieder im Gegensatz zur Sexualitt, wo die Oberflche des Marktheils stark contrahirt, berreizt ist) zur Dynami- sation = Austritt und Vertheilung seines Inhalts fhren, zu Mitose und bei niederen Graden, die das Binde- glied zur Sexualitt bilden (einfacher solider Kern) zur Amitose (beide = Zellvermehrung, Parthenogenese). In unserer bisherigen Darstellung haben wir blos die Verhltnisse bei der homaxonen Zelle untersucht; es er- brigt, dass wir auch die monaxoneu Plasmakrper iu den Kreis der Betrachtuug ziehen. Mau darf wohl zum 118 ) Vgl. hier Bilder von der Art, wie sie z. B. Leydig ge. zeichnet hat, Zelle u. Gew., T. 6, Fig. 126. m ) Vgl. auch die Verdichtung und Verkleinerung des (chro- matischen) Hauptkerns beim Wachsthum des abgelsten (achro- matischen Nebenkerns bei Blochmann, Heidelb. Jubilschr., S. 146; hnlich Rohde, a. a. ().. S. V^>; desgl. die Anhufung von Chro- matin beim Ausstrecken von Fortstzen und beim Verwischen der scharfen Umrisse des Kerns, Korscheit, zool. Jahrb., An. u. Ont., Bd. 4, S. 9:; (vgl. hierzu oben Bern. 48 [Heitzmann]). XIII. Nr. 3 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. M Voraus erwarten, dass hier die nmlichen Gesetze ob- walten, wie dort, nur werden die abweichenden Axen- verhltnisse eine andere Orientirung nthig machen. Doch drfte in dieser Hinsicht eine grssere Uebereinstiinmung herrschen, als es auf den ersten Blick den Anschein hat. Eine jede wenigstens jede mehr oder weniger polari- sirte Homaxonie (jugendliche Zelle) lsst sich nmlich als eine Gruppe oder als eine Colon ie von Monaxonien auf- fassen, die in der Richtung von Radien, als schmale oder breite Sectoren, um ein gemeinsames Centrum angeordnet sind, so dass der eine Pol der Axe nach der Peripherie, der andere nach dem Mittelpunkt sieht. Dann mssen die usseren Enden der Monaxonien die Eigen- schaften der Oberflche, die inneren die des Centrums der Homaxonie besitzen. Nun zeigen die usseren, bezw. die inneren Axenenden der monaxonen Elemente eines unzweifelhaft colonialen Verbandes, z. B. einer Blastula, einer Spongienlarve einerseits volle Uebereinstiinmung mit der Peripherie, bezw. dem Centrum einer Homaxonie. Sie stimmen aber andererseits zugleich mit den oberen oder vorderen (Kopfpol, freier Pol, Rabl), bezw. den unteren oder hinteren Enden (Caudalpol, Basalpol, Rabl) der freien Monaxonien, z. B. eines monothalameu Rhizo- poden berein; und so entspricht mithin das Vorder- ende jeder freien Monaxonie der Oberflche, das Hinteren de dem Centrum 180 ) einer Homaxonie. Wie die Oberflche der letzteren ist nun auch das Vorderende der Monaxonie oft in Fortstze ausgezogen, die bald iso- lirt verlaufen, bald mehrfach in Aeste sich theilen 181 ) und Anastomosen bilden; das Hinterende dagegen zeigt wieder die charakteristischen Formen der Involution, die Kgelchen- und Krnerbildung des Polioplasma oder (bei schwcheren Graden) die aus der Dehnung dieser Krper hervorgehenden Netze des Spongioplasma. Auf alle Flle aber ist das Vorderende in seiner Gesainmtheit schlanker als das Hinterende, welches meist keulen- oder kolben- bis kugelfrmig angeschwollen ist, ein Gegensatz, der um so schrfer ausgeprgt, je strker die Polarisation ist. Ausser den erwhnten monaxonen Rhizopoden ge- hren hierher die Neuroganglienzellen (Neurone) des Me- tazoenkrpers, d. h. der einheitliche Complex von Sinnes- haar 182 ] (Sinneszelle), Nerv (Axencylinderfortsatz) 183 ) und Ganglienzelle 184 ), die ein- (und mehr-)zelligeu Schleim- 18 ) s. 0. Maass, Vhdl. d. dtsoh. zool. Ges., 3. Jahresvers., Fig. 2 (Spongienlarve); sodann Penard, arch. de biol, T. 9, PI. 32, Fig. 39 (Homaxonie [Heliozoon], beim dekystement zu einer Mo- naxonie werdend, wobei die ussere Portion zur vorderen, die in- nere zur hinteren wird). 18 ') s. z. B. die verstelten Aussenglieder der Gabelzellen" (Sinneszellen) der Froschzunge bei VV. Engelmann, Z. wiss. Zool., Bd. 18; desgl. bei C. K. Hoffmann, niederl. Areh. f. Zool., Bd. 2, S. 13; Bd. 3, S. 5. 182 ) Vgl. auch dio poils btonnet der Crustaceen, Jourdain, j. de l'anat. et de la phys., 1881, p. 404 und PI. 24, Fig. 3, 6, 7. 183 ) s. hierzu Leydig, Zelle u. Gew., S. 191 ff., wo von einer centrifugalen Strmung des Hyaloplasma im Sinnes (Riech-) nerven die Rede ist. (L. spricht daher auch von Nervenrhren: zool. Anz., 1888, S. 312 ff., Zelle u. Gew., S. 97 und 103.) Im normalen Nerv (Polarisation, Jugendkraft) ist diese Strmung lebhaft; seine Erkrankung (Ausgleichung, Ueberreizung) besteht in der Verlangsamung des Stromes (Beard, Neurasthenie, 1881, S. G9). Bei der verwandten (Seh leim-) Drse giebt sich letztere kund als Stockung und Versiegen der Secretion (ebenfalls bei Neur- asthenie, wie auch im Senium). Die centripetale Nervenfaser entwickelt sich als Fortsetzung der Sinneszelle, die als Eintritts- pforte des Reizes, als Nervenanfang zu betrachten ist (Arndt, Arch. An. u. Phys., 1890, ph. Abth., S. 306; Virehow's Arch., Bd. 78, S. 319). His und Klliker wiesen am Olfactorius, Froriep (anat. Anz., 6. Jgg.. S. 155) am Opticus (hier von W. Mller theo- retisch erschlossen) die periphere Entstehung nach. S. ferner Arndt, Neurasthenie, 1885, S. 34. is4) YVie wir oben (Bern. 156) sahen, lassen sich manche interessante Beziehungen derselben oder richtiger des ganzen Complexes (Neuron) zur Organisation einzelliger Wesen auffinden, wie auch zur Centralkapsel und Sarcodegeissel der Tripyleen. drsen 185 ) und ganz allgemein die Epiblast- oder Epithel- 18 ) Nachdem bereits vor langer Zeit Brensprung und spter Schwalbe die Gruppen unipolarer Ganglienzellen im: acinsen Drse verglichen hatten, suchte in neuerer Zeit be- sonders Leydig nachzuweisen, dass eine enge Verbindung zwischen Nerveuthtigkeit und Abscheidung von Stoffen" bestehe (z. B. Arch. mikr. An., 1872, und noch jngst ebd., Bd. 50, H. 3, S. 415; morph. Jahrb , Bd. 2, S. 308 ff., Zelle u. Gew.. S. 1 zool. Anz., 1886, S. 309, 313, 314), ebenso vomRath, zool. Anz.. 1887, S. 648. Hckel fand in der Haut von Corycaeiden Nerven- enden, deren einer Ast in eine Drsenzelle, der andere in eine dicht daneben liegende Ganglienzelle berging, Jena'sche Z., Bd. 1. S. 86, T. 3. Vgl. ferner E. Jourdan, les sens chez les anim. infer., p. 81. Man denke hier auch an die Gallertprpfe in Sinnes- organen niederer Thiere (s. z. B. Leydig, morph. Jahrb., Bd. 2, S. 308), an die Krystallkegel der Insectenaugen (ders., d. Auge d. Gliederth. 1864, S. 26), an die Otolithen und Chitinlinsen u. s. w. Ueber die Verwandtschaft von Fortsatzbildung und Secretion s. J. H. List, Z. wiss. Zool., Bd. 45, S. 632; A. Brandt, mem. ac. imp. St. Pet., 1871 (Secretion = Zellvermehrung); F. Plateau, bull. Belg., 2. ser , T. 42, p. 730 ff. Nahe liegt auch der Gedanke, dass die wellenfrmigen Contractionen" der Pseudopodien (Joh. Mller, Hckel, Radiol., I. S. 132) sowie die Varicositten der Fibrillen (s. auch Penard, Jahrb. nassau. Ver. f. Natk., 43, S. 76, Fig. 1 3) der successiven Abscheidung von Secret ent- sprechen (vgl. E. Jourdan, ann. d. sc. nat, Zool., 6. ser., T. 10, PI. 5, Fig. 39). Wie die Secrettropfen knnen sich auch dir Protoplasmafortstze vom Krper ablsen, s. M. Grad}', a. a. it., vol. 19, p. 176; Semper (Fortstze = Testatropfen), Wrzbg. \ hdl. Bd. 8, S. 68; Eimer, Areh. mikr. An., Bd. 8 (als Trpfchen ab- fallende Dotterzotten); Heitzinann, mikr. Morph., S. 40; A. Brandt, a. a. 0., Penard, arch. de biol., T. 9, p 174; Fort- stze der abortiven Eier ; Ablsung der Zoospermien von der Spermatogonie; der Stachel bei Heliozoen und Radiolarien (vgl. z. B. Leidy, a. a. 0., PI. 43, Fig. 1, PI. 45, Fig. 14 und 15, PI. 46, Fig. 2; Carter, ann. a. mag., 3. ser., vol. 13, PI. 2, Fig. 2325); das Abwerfen der Geissein." R. Arndt sagt: die trophischen Vorgnge sind eigentlich nur Seeretionen" (= polarisatorische Ausstrmungen, Fortsatzbildung), Neurasth., S. 92, vgl. oben Bern. 68. Auch bei den Drsen, speciell der Schleimdrse, existirt bekanntlich ein Phasenwechsel: das Stadium der Bereitung" und das der Entleerung" des Secrets, die Phase der Thtigkeit" oder Rei- zung (= Ueberreizung, Ausgleichung) und die der Ruhe" (= Po- larisation, vgl. oben Bern. 51, G. Mann), jene charakterisirt durch Abrundung der Oberflche, Abtrennung einer Secre tschic h t, Ausstrmung von K e r n m a s s e und Empor rcken des vaeuo- lisirten Kerns, selbst bis zur Oberflche (s. oben Bern. 169); diese durch Fortsatzbildung und Verflssigung der Secretschicht = Secretabfluss, Verdichtung (vgl. unt. And. vom Rath, oben Bern. 109) und Hinabrcke n des Kerns zur Basis, in die er sich oft tief einbettet, s. Sthr. Wrzbg. Vhdl., N. F., Bd. 15. (Auch Korscheit weist darauf hin, dass die Beziehungen des Kerns zur Zelle wechseln, zool. Jahrb., An. und Ont., Bd. 4, S. 135). Hieraus Hesse sich vielleicht eino einheitliche Auffassung fr Nerv und Drse und damit ein Schlssel zum tieferen Verstndniss ihrer Verwandtschaft gewinnen: durch Hufung der Streckungs- phasen (Polarisation) wrde der Nerv, durch Hufung der Contrac- tionsphasen (Ausgleichung) die Schleimdrse entstehen. Durch das fortgesetzte Hinstrmen der centralen oder hinteren Massen in den Ausgleichungsphasen, wobei sich das Protoplasma in flchenhaft ausgebreitete Schichten, Lamellen von Grundsubstauz (sclerosirtes Hyaloplasma, s. Leydig, Zelle u. Gew., S. 105) ver- wandelt (structurlose Glashute besonders bei Arthropoden, Wrmern [s. z. B. Meissner, Z. wiss. Zool., Bd. 5, S. 212, Bd. 7, S. 14, 67, 105] Cuticularbildungen, Zellplatte, Neurilemm, Sar- colemm [ebenso als cuticula aufgefasst, z. B. von Grenacher, Z. wiss. Zool , Bd. 181, Schleimlagen des Spongienkrpers [Lenden- feld], die Secretschicht um Verdauungsobjecte [Wagner, bei Pagenstecher, Z. wiss. Zool., Bd. 14, T. 39, Fig. 3, S. 408, sowie Plateau, a. a. 0., Fig. 23 und p. 752], vgl. oben Bern. 43 u. s. w.), wird das Protoplasma bisweilen ganz aufgezehrt und der Hohlraum, worin es sich befand (Zell-, Kernhhle), vllig ent- leert (Epidermisschuppe, Knochen-, Knorpel-, Bindegewebs- [Seimen-] Krperchen, s. Heitzinann, mikr. Morph., S. 225, 232 [Umwand- lung zur Grundsubstanz durch Vacuolisation der Nucleolen, S 57| im Gegensatz zur Jugend, wo sie solid sind, ebd., S. 49 ff; Leydig, v. Bau d. thier. Krp. 1864, S. 74 ff.). Hierher zhlen sodann wohl die Canalsysteme des Bindegewebes (Fettkrper der Arthropoden ; Lymph-, und Blutgefsse, serse Rume), wo die zelligen Elemente zu Hutchenzellen" sich verflachen (Leydig, Zelle u. Gew., S. 78). Die freien Elemente, speciell die Erythrocyten wren Hylosomen (s. Leydig, ebd., S. 61; C. Heitzmann, med. Jahrb., Ges. Wien. Aerzte, 1873, S. 191 |E. Klein]), die sich vom Dyna- mosom, das allein (eben als Hutchenzelle) nach aussen strmt man denke hier an die sich abstossenden Randsume der Leu. 32 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. XIII. Nr. 3. zellen mit vorwiegender Ausbildung einer Lngsaxe. Als eigenthmlich ist fr das Neuroganglieneleiuent hervorzu- heben, dass die hhere Stufe der Krnerbilduug, das Pigment, hier meist nicht im Grund des Hinterendes, sondern um den Einstrahlungspol bei Sinnes- und Geisselzellen 186 ) in der Scheitelregion angehuft ist, oder auch, in den Sinnesepithelien (was in gewissem Sinne analog) die in Folge der Degeneration bisweilen mehr oder weniger zerfallenen Nachbarelemente 187 ) (die cocyten (Heidenhain, Arch. mikr. An., Bd. 43, S. G06) sowie an die Bezeichnung der letzteren als einzellige Drsen (Lwit, biol. Ctrbl., Bd. 11) getrennt haben; der Fall wre also eine leichte Polarisation (man vgl. hier beilufig die Bemerkung von Heitzmann, mikr. Morph, S. 62, dass nervse Ueberreizung die Leucocyten vermehre, d. h. die rothen Blutkrperchen durch Lockerung in weisse verwandle). 186) Vgl. Carriere, Sehorgane d. Thiere: Anneliden und Cephalopoden. > 81 ) s. z. B. Claparede, Z. wiss. Zool., Bd. 10, S. 201. Diese Erscheinung hat vielleicht ihren Grund darin, dass in den Sinnes- organen wegen der starken specifischen Reizeinwirkimg die Be- drohung" der Zellen, die Gefahr" meist eine ganz ausserordent- liche ist, strker als an irgend einem and eron Punkte, dass also hier der Wettkampf um die Existenz, d. h. um Nahrung ein usserst heftiger ist, und der geringste Mangel von grsstem Ver- bngniss und Nachtheil sein kann, in Folge wovon immer eine Anzahl Elemente am Kopfpol oder in ihrer ganzen Ausdehnung Sttzzellen") sowie das umgebende Bindegewebgerste 18S erfllt. (Schuss folgt.) dem Reiz zum Opfer fallen, d. h. eine starke Involution er- leiden. Ihre hylotisirten Reste werden dann von den Nachbarn vollends ausgentzt und liefern ein gewisses Nahrungsquantum, das sonst, was schwieriger sein wrde, dem lebenskrftigeren" Hinterende htte entzogen werden mssen; denn auch bei der strksten Polarisation , bei der besten Leitung des Reizes nach dem Hinterende, wird die Reizung (und Involution) hier doch nie so stark sein als bei einem Plasmakrper, welcher direct von dein Reize getroffen wird. Die Fhigkeit, ussere Eindrcke aufzunehmen, die specifische Function der Sinneselemente ist nur dann in hherem Grade mglich, wenn ihr morphologischer Cha- rakter sehr vollkommen ausgeprgt, die Polarisation sehr stark, wenn die Ausstrmung im vorderen Abschnitt der Sinneszelle sehr lebhaft und dementsprechend die Benachtheiligung der hinteren und seitlichen Elemente bedeutend ist, also starke Pigmentbildung stattfindet (Amblyopie, Myopie und Schwerhrigkeit der Albinos im Gegensatz namentlich zu den dunklen Rassen; auf Vitiligoflecken ist der Tastsinn herabgesetzt (Alibert, malad. de la peau 1833, p. 347 ff.] u. s. w ). Auch sonst ist rasches Wachsthum (= lebhafte Ausstrmung) von Pigmentbildung begleitet (Hypertrophien, Tumoren, namentlich bsartige), s. noch F. Wink ler, Wien. med. Wschr. 1892, Sp. 1231 und 1262, sowie Schmidt 's Jahrb. f. d. ges. Med. 1889, No. 7, S. 12; Karg und Aeby bei Klliker, Z. wiss. Zool., Bd. 45. 183 ) s. z. B. A. Dehler, Arch. mikr. An., Bd. 4G, S. 725 (Sympathische Ganglienzellen). Ueber den Nestbau des Tokko, Tockus nielano- leucus Licht., berichtet S. Schnland in den Trans. South African philos. Soc. Vol. 9 Pt. 6. Zum Nisten sucht sich das Prchen einen hohlen Baum aus, dessen Hhlung gross genug sein muss, damit sich das Weibchen bequem auf dem Neste bewegen kann, die ferner durch 1 oder 2 bequeme Eingnge leicht zugnglich ist, und schliesslich mssen letztere leicht ganz oder theilweise mit einem Kitt verschliessbar sein. Man unterscheidet 2 Typen von Nestern, das eine wird in einem oben und unten geschlossenen Loche, das nur seitlieh einen Eingang hat, angelegt, das andere in hohlen Stmmen von Eu- phorbia grandidens, die an den Seiten kein Loch haben, sondern in die das Weibchen von oben hineinkriechen muss Ins zu einer Spalte, die es mit der Aussenwelt in Verbindung setzt. Gerade unter dieser Spalte errichtet es sich einen knstlichen, wenige Zoll dicken Boden, auf den es die Eier legt und auf dem es brtet, und 3 Fuss ber dem Spalt wird das Nest durch eine Decke ge- schlossen, die aus Stcken von Aloe-Stmmen zusammenge- kitnt ist, ber die Stckcheu Holz, Moos u. s. w. gelegt werden. Diese Decke ist wasserdicht. Ist das Weibchen nun im Neste und beginnt mit dem Eierlegen und Brten, so wird bei dem 1. Typus das Eingangs-Loch allmhlich Ins auf einen Spalt verschlossen, wie Livingstone be- richtete von dem Mnnchen, das Lehm herbeischleppt, und in der Absicht, das durch das Brutgeschft hilflos gewordene Weichen zu sichern. Seh. konnte nun aber Beobachtungen anstellen, die ihn zu der Ueberzeugung brachten, dass das Weibchen selbst mit seinem Kothe, der in dieser Zeit ganz anders ist, als anderer Vogelkoth, den Cement zum Verschlusse des Nestes liefert. In diesem Ccmente finden sich denn auch Chitintheile von Insecten, Stcke von Schneckenschalen u. s. w. Es bleibt nur ein Spult von Va Zoll Weite und 46 Zoll Lnge, durch den das Mnnchen das Weibchen so eifrig fttert, dass dieses ganz dick und fett wird, whrend es zugleich durch Mauserung oft so rasch seine Federn ver- liert, dass es. herausgenommen, nicht fliegen kann. Naht Gefahr, so klettert das Weibchen in den hchsten Theil des Nestes und bleibt hier so lange ruhig, bis diese vorbei ist. Gegen kleinere Feinde kann es sich brigens mit seinem krftigen Schnabel erfolgreich wehren. Ende December, Anfang Januar beginnt das Brutgeschft. Das Weibchen legt 3, hchstens 4 Eier, die nach 6 bis 7 Wochen ausschlpfen. Nach Livingstone glaubte man, dass das Weibchen im Neste bliebe, und da man oft zwei Vgel mit Futter nach diesem fliegen sah, dass sich zwei Mnnchen dazu vereinigten. Seh. konnte nun aber wiederum fesstellen, dass das Weibchen das Nest verlsst, bevor die Jungen grsser werden, das Loch wieder sorgfltig von aussen durch seiuen Roth verklebt und dem Mnnchen bei der Ftterung hilft. Reh. Einen Kampf zwischen einer Spinne und einer Wespe beschreibt R. M. Barrington im Irish Naruralist Vol. 6 No. 12. Kaum hatte die Spinne die im Netze zappelnde Wespe bemerkt, so machte sie erst einen Sprung seitwrts, sprang dann rasch hinter die Wespe und schoss aus ihrer Spinndrse einen Faden, der als eine Art Lasso ein Bein derselben fing. Sie zog sich daun beobachtend zurck, whrend die Wespe sich zu befreien suchte. Fast wre ihr das gelungen, aber mit einem neuen Sprung warf jene ein neues Lasso ber sie, das sie so stark traf, dass sie wieder in einen der Hauptfaden des Netzes fiel. Die Spinne beobachtete zuerst wieder mit aufgerichtetem Krper; dann lief sie um die Wespe herum und spann, ohne sie zu berhren, ihre Flgel ein. Als spter die Wespe aus Mdigkeit fr einen Augenblick mit ihrer Arbeit aufhrte, strzte jene sieh auf sie, um sie zu um- wickeln. In weniger als 1 Minute war letztere wie eine Mumie eingehllt, wobei die Spinne theils um sie herum ging, meist aber mit ihren Beinen jene in eine drehende Bewegung versetzte. Sie hrte erst auf, als die Wespe aussah wie eine grauweisse Schmetterlingspuppe und nichts mehr von ihr zu sehen war. Derartiges Ein- spinnen von gefhrlicher Beute, auch von Thieren, die der Spinne nicht zur Nahrung dienen, sondern nur dem Netze grosse Gefahr bringen, ist brigens, wie Ref. z. Th. aus eigener Anschauung besttigen kann, nichts Ungewhnliches. Reh. XIII. Nr. 3. Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 33 Wetter-Monatsbersicht. Der vergangene De- cember Hess in Deutschland wie in der ganzen westlichen Hlfte Europas von der Strenge des Winters noch sehr wenig verspren. In den norddeutschen Landestheilen lagen die Temperaturen, der beistehenden Zeichnung zu- ^emperaftircn im j0eein6er 1897. __Tgliches Maximum, bei Minimum. 8l)hr Morgens, 1897. 8UhrMorgens,normal. IDu. 6. 1). 16. 21 26. 31. folge, mit Ausnahme weniger Nchte am Anfang und gegen Ende des Monats, bestndig ber dem Gefrier- punkte. Nordostlieh der Elbe fand ein hufigerer Wechsel zwischen gelindem Frost whrend der Nacht und mildem Thauwetter in den Tagesstunden statt. Nur um Mitte December war Deutschland gnzlich frostfrei, und in dieser Zeit stieg die Temperatur im Binnenlande, namentlich im Gebiete des Rhein und der Weser, vielfach bis 12 C. In Sddeutschland trat whrend der zweiten Hlfte des Monats zwar etwas strengere Klte ein; da dieselbe jedoch in den letzten Tagen durch eine neue Erwrmung abgelst wurde, so ergab sich fr das Monats - mittel der Temperatur, verglichen mit seinein langjhrigen Durchsehnittswerthe, auch dort ein wenn auch nur ge- ringer Ueberschuss. In ganz Norddeutschland aber wurde das normale Temperaturmittel um reichlich anderthalb Grade bertroffen, und nirgends in der deutschen Niede- rung sank das Thermometer innerhalb des December tiefer herab als 10 n C, die als nchtliches Minimum vom 26. zu Swinenninde und in der folgenden Nacht zu Kaiserslautern gemessen wurden. Wie schon whrend der beiden vorangegangenen Monate waren die Niederschlge, welche unsere zweite Zeichnung zur Anschauung bringt, auch im December verhltnissmssig gering. Ihre Durchschnittshlie von 28 verschiedenen Stationen aus allen Theilen Deutschlands berechnete sich zu 39,1 Millimetern, etwas grsser freilich als die Ertrge, welche die gleichen Stationen im De- cember 189(3 und 1893 geliefert hatten, dagegen be- trchtlich geringer als besonders die Niederschlagshhe vom December 1895. Hinsichtlich ihrer geographischen Vertheilung zeigten drei Abschnitte des vergangenen Monats ein ziemlich verschiedenes Verhalten. Whrend der ersten acht Tage desselben kamen bedeutendere Regenflle nur an der Kste und in einem Theile des westlichen Binnenlandes vor. Dagegen fanden solche vom 9. bis 16. December auch weiter stlich und namentlich in Sddeutschland statt. In der zweiten Decemberhlfte waren die Niederschlge berall seltener und viel weniger ergiebig. Im Sden blieben sie gnzlich aus, bis auf 3 Millimeter Regen, die in der Nacht zum 31. in Wies- baden fielen. Am 17. December war es auch in ganz Norddeutschland trocken; dann aber traten hauptschlich b nider/$fa<$wl?en im pezemfar 18$?. (2, stlich der Elbe Regenflle und seit dem 20. sehr hufige Schneeflle ein, welche jedoch in geringer Dichtigkeit fielen und zu Verkehrsstrungen daher keine Veranlassung gaben. Kurz vor Ende des Monats Hessen dieselben voll- stndig nach, doch begann es von Neuem auf den Inseln lngs der Nordseekste zn regnen, die schon whrend des ganzen December mehr Regen als die brigen Gegenden Deutschlands empfangen hatten. Die heftigen Sdweststrme, mit welchen der ver- gangene November geschlossen hatte, setzten sich in den Anfang des December hinein noch fort. Der umfang- reichen Barometerdepression, in deren Bereich dieselben herrschten, folgte jedoch bald von Westeu her ein Maxi- mum, und setzte sich ber Scandinavien mit dem in Russland lagernden Maximum in Verbindung, wodurch die De- pression nach Sden gedrngt wurde. Letztere richtete darauf im ganzen Mittelmeergebiet sehr arge Unwetter an; beispielsweise fielen am 4. und 5. December in Lussin pieeolo, auf der quarnerischen Insel Lussin, zusammen 158, in Abbazia 114 Millimeter Regen, an der unterita- lienischen Kste, auf Sicilien und Sardinien wurden viele Huser zerstrt und durch Anschwemmungen die Felder verwstet. Nachdem in Deutschland whrend dieser Zeit bei trbem Nebelwetter geringe Abkhlung stattgefunden hatte, erschien am 6. December ein tiefes Minimum bei den britischen Inseln und schritt, von sehr heftigen, aber warmen Sudwestwinden begleitet, in nordstlicher Rich- tung fort. Andere Minima folgten diesem auf der gleichen Strasse und fhrten bei uns einen hufigen Wechsel zwischen Regeufllen und Sonnenschein herbei, bis eines derselben am 18. December in das Innere Russlands ein- drang und den hohen Luftdruck von dort nach West- europa vertrieb. Whrend das barometrische Maximum an der Nordsee bis 780 Millimeter an Hhe zunahm, trat in Westdeutschland abermals dichter Nebel ein, wegen dessen die Rheinschifffahrt mehrere Tage hindurch eine vllige Unterbrechung erlitt, im Nordosten fiel bei schwachen nordwestlichen Winden hufig Schnee. Gerade inmitten des Weihnachtsfestes klrte sich der Himmel berall auf; 34 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. XIII. Nr. 3. ein neues oceanisches Minimum hatte das Hochdruck- gebiet langsam nach Sdost verschoben, wo dasselbe sehr empfindliche Klte, bis zu 23 C. in Hermannstadt er- zeugte. In Deutschland aber, das sich von da an zwischen dem hohen und niedrigen Luftdrucke in der Mitte befand, wurden von neuem sehr milde Sdwestwinde herrschend, welche sogar in wolkenlosen Nchten strengeren Frost verhteten und noch an den letzten sonnigen Tagen des Jahres die Temperaturen nicht viel weniger hoch wie um Mitte December emporsteigen Hessen. Der laugen Dauer und mehrfachen Wiederkehr der sdwestlichen Wind- richtung drften wir es demgemss in erster Linie zu ver- danken haben, dass im vergangenen December zu hoher Barometerstand und geringe Bewlkung beispiels- weise hatte Berlin 48 Stunden mit Sonnenschein gegen 25 im December 1896 und 19 solcher Stunden im De- cember 1895 mit verhltnissmssig grosser Wrme zusammenfielen, obwohl doch bei trockenem, klarem Winter- wetter der Wrmeverlust durch Ausstrahlung die Wrme- zufuhr von den Sonnenstrahlen bei weitem berwiegt. Dr. E. Less. Aus dem wissenschaftlichen Leben. Ernannt wurden: Unser Mitarbeiter, der Botaniker und Ober- lehrer am Andreas-Realgymnasium zu Berlin Rudolf Beyer zum Professor; der Privatdocent in der medicinischen Fakultt zu Breslau Dr. Eichard Stern zum Professor; der Privatdocent in der philosophischen Fakultt zu Breslau und Bibliothekar an der dortigen Kgl. und Universitts-Bibliothek Dr. Leopold Cohn zum Professor; der Ingenieur F. von H efn er- Alteneck in Berlin zum Dr. phil. h. c. der Universitt Mnchen; Dr. Julius Istvanffv zum ordentlichen Professor der Botanik in Klausen- burg; Dr. Alexander Magcsy-Dietz zum ausserordentlichen Professor der Botanik in Budapest; Prof. Dr. Zacharias zum Director des botanischen Gartens in Hamburg; C. J. Joly zum kgl. Astronomen von Irland und Professor der Astronomie in Dublin; der Privatdocent der Philosophie in Leipzig Dr. P. Barth zum Professor; der Privatdocent fr Psychiatrie in Krakau Dr. K. Zulawski zum Professor; der ausserordentliche Professor der gerichtlichen Medicin in Wien A. Hab er da zum Prosektor fr die sanittspolizeilichen Obductionen; der ausserordentliche Professor der darstellenden Geometrie an der Wiener Hochschule fr Bodencultur Th. Tapla zum ordentlichen Professor; der ordentliche Professor der praktischen Medicin in Budapest K. von Kornyi zum Prsidenten des justizrztlichen Senats. Berufen wurde: Der ausserordentliche Professor der Psy- chiatrie in Halle Dr. E. Wollenberg als Oberarzt au die Irren- anstalt Friedrichsberg bei Hamburg. Abgelehnt hat: Der ordentliche Professor der Physiologie in Marburg Dr. A. Kossei einen Ruf nach Breslau. Niedergelegt hat sein Amt: Der Professor fr Physiologie und vergleichende Anatomie am Roval Institution in London Dr. Augustus D. Waller, F. R. S. Es starben: Der Privat-Docent der Astronomie in Knigs- berg Dr. Karl Necker in Kairo (durch Unglcksfall); der ehe- liiM' Professor der Physik am South Africa College in Capstadt James Holm; der Mathematiker FrancescoBrioschi in Rom; der Director des chemischen Laboratoriums der ecole normale Superieure in Paris A. Joly; der Professor der Philosophie in Christiania Monrad; der Prsident der National Geographie So- ciety in Washington Gardiner G. Hubbard; der Professor fr angewandte Chemie an der University of Maryland Dr. Camp- bell Murfit. Berichtigung. Der ausserordentliche Professor der Chemie in Greifswald Dr. Heinrich Biltz ist nicht nach Berlin sondern nach Kiel berufen worden. Litteratur. Prof. Ernst Haeckel, Natrliche Schpfungsgeschichte. Gc- meinverstdliche wissenschaftlich'' Vortrge ber die Kntwieke- lungs-Lehre. 9. umgearbeitete Auflage. Mit dem Portrt des \ erfassers und mit 30 Tafeln, wie mit zahlreichen Holzschnitten, Stammbumen and systematischen Tabellen. Georg Reimer. Berlin 1898. Preis 24 Mark. Die Neu-Auflage des bekannten Werkes umfasst ined. Register wie die vorige nicht weniger als gegen 830 Seiten; es ist usserlich in 2 Bnde zertheilt: I. Allgemeine Entwickelungs-Lehre (Trans- formismus und Darwinismus)", H. (von S. 371 an) Allgemeine Stammes-Geschichte (Phylogenie und Anthropogenie)". Das Werk ist so bekannt und trotz vielfacher Einschaltungen und Ver- nderungen so sehr im Princip und seinem ganzen Guss das alte geblieben, dass ein nheres Eingehen kaum von Nthen sein drfte. Der Werth des Buches liegt nicht in den Einzelheiten. die mitgetheilt werden. Die Naturwissenschaften sind so gewaltig umfangreich, dass es jetzt fast ein Wagniss ist, eine umfangreichere, Natrliche Schpfungsgeschichte", die die gesammten Organismen (Thiere sowohl wie Pflanzen) bercksichtigt, allein, ohne Mithlfe von Special-Forschern zu schreiben: nothgedrungeu mssen dabei Versehen vorkommen. Wichtig ist das Work jedoch als Ein- fhrung in den Geist des Darwinismus; soweit in erster Linie das Principielle, der allgemeine Gedankengang des Werkes vom Leser bercksichtigt wird, findet dieser ein naturphilosophisches System vor, von dem Kenntniss zu nehmen auch dem Laien von Interresse sein muss, weil es sich erstens auf einen Gegenstand bezieht, der wie keiner das allgemeinste Interesse beansprucht, und weil es zweitens von einer beachtenswerthen Anzahl Natur- forscher Anerkennung gefunden hat. Speciell die Descendenz- Lehre ist ja nunmehr lngst eine derartige Grundlage aller Forschungen auf biologischem Gebiet geworden, dass z. B. um- fangreichere systematische Arbeiten berhaupt nicht mehr ohne Rcksichtsnahme auf Descendenzfragen ausgefhrt werden. Alles das, was ber die die Descendenz-Lehre begrndenden Thatsachen und ber das, was ber die Descendenz-Lehre (im engsten Sinne) gesagt wird, in dem Werke hinausgeht, ist, soweit es sieh um principielle Dinge handelt, noch immer nicht spruchreif und auch nicht in gleicher Weise allgemein von Fachleuten anerkannt. Haeckel bringt nun hier mit grosser Sicherheit Entscheidungen vor, die ihm persnlich als die einzig mglichen scheinen: fr den Anfnger (es handelt sieh ja um gemeinverstndliche Vortrge) lsst es sich aus pdagogischen Grnden rechtfertigen, in dieser Weise dogmatisch vorzugehen. Jedenfalls ist das Werk eine gute, vor allem trefflich und klar geschriebene Einfhrung, die den Anfnger wohl befhigt, nach dem Studieren derselben, gelehrte Special-Abhandlungen zum Gegenstand zu verstehen. Er wird dann schon, namentlich wenn die praktische Arbeit hinzu- kommt und er kritisch veranlagt ist, bald sehen, wo Schwierigkeiten liegen. Wolterstorff, Die Reptilien und Amphibien der nordwest- deutschen Berglande. (Jahresbericht und Abhandlungen des Naturwiss. Vereins in Magdeburg fr 1892.) Auch in Commission bei W. Niemann. Inh. V. Niemann, erschienen. Magdeburg. 1893. Pr. 2,50 M. Es ist in dieser Abhandlung des ausgezeichneten Magdeburger Amphibienforschers die zusammenhngende Bearbeituni; der Am- phibien- und Reptilienfauna des von der unteren Saale bis zum Niederrhein sich erstreckenden deutschen Berglandes vorgenommen worden, mit besonderer Bercksichtigung der orographischen und physikalischen Verhltnisse. Der Verfasser, dem eine Anzahl getreuer und amphibien- kundiger Mitarbeiter zu seinem eigenen, umfangreichen thier- geographischen Material noch manchen werthvollen Beitrag hinzu- gebracht haben, schildert in der Einleitung zu jedem Theil des behandelten Gebiets die geographischen und physikalischen Ver- hltnisse, bringt dann die Fundorte in zusammenhngender Dar Stellung, meist mit einem Anhang von Einzelangaben aus der Litteratur, nach lteren Sammlungsexemplaren u. dergl. und schliesst mit einer Zusammenfassung der gewonnenen Resultate. Auf diese Weise sind der Harz (Unterharz, Oberharz, nrdliche und stliche Vorlande), das Braunschweigische Hgelland (im Norden des Harzes), das Kyffhusergebirge, das Weser- und Leinebergland, sowie das westflische Faunengebiet (Sauerland, nordstliches Bergland, Mnsterland) anziehend und zugleich wissenschaftlich werthvoll, mit vielen biologischen und historischen Bemerkungen ausgestattet, dargestellt und es bildet diese Ab- handlung ein Muster fr fernere derartige faunistische Arbeiten, welche hoffentlich nicht nur zahlreich, sondern auch mit hn- lichem Vorrath an grndlichen Kenntnissen und kritischem Ur- teilsvermgen ausgerstet, in nicht ferner Zeit nachfolgen werden. Es giebt hier noch viel zu thun. und jeder Reptilien- und Amphibienfreund, dem es gelungen ist. sich an der Hand der jetzt ja vorhandenen ausgezeichneten Werke ber die in seiner Heimath vorkommenden Arten zu orientiren, was ja sicherlich nicht schwieriger, sondern bei der geringen Artenzahl weit leichter ist, als bei anderen Thiergruppen, kann sein Scherflein zu der herpetologischen Erforschung seines Vaterlandes beitragen, der Wissenschaft zum Nutzen, sich selber zur Freude. Ich kann in die Einzelheiten des umfangreichen, ber 240 Seiten umfassenden Werkes nicht nher eingehen; ich will nur erwhnen, dass fr das Gebiet von Reptilien Lacerta agilis und XIII. Nr. Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 30 vivipara, Anguis fragilis, Tropidonotus natrix, Coronella austriaca, Vipera berus, Emys orbicularis, von Amphibien dagegen Rana esculenta (typica und ridibunda), temporaria und arvalis, alle drei Bufo- und beide Bombinator-Arten Europas, ferner Hyla arborea, Pelobates fuseus und Alytes obstetricans, schliesslich Salamandra maculosa, Triton cristatus, alpestris, palmatus und taeniatus nach- gewiesen erscheinen. Lacerta viridis, muralis, Tropidonotus tessellatus, Coluber aesculapii, Rana agilis fehlen, auch Emys orbicularis und die stliche Form Bufo viridis sind selten; dagegen die westeuropischen B. calamita, Alytes und Triton palmatus zahl- reich und hufig vertreten; Tieflandsformen finden sicli nur an Rndern des Plateaus und in den Ausbuchtungen derselben. Schliesslich soll noch auf die Beobachtungen ber Rckgang und Aussterben von Formen und die Wanderungen derselben hingewiesen werden. Gewiss wird nicht nur jeder Freund der Kriechthier- und Lurch- welt, sondern jeder Naturfreund das vom Verfasser selbst mit Freude an der Natur und an den landschaftlichen Reizen seiner Heimath geschriebene Werk mit Vergngen lesen, und mancher wird vielleicht sein eifriger Mitarbeiter durch Einsendung von gewissenhaft zusammengestellten Localfaunen und einzelnen Beobachtungen weiden. Wenn ich durch dieses Referat, wenn- gleich versptet, zur Bekanntmachung dieser Arbeit in weiteren Kreisen und zur Frderung der Ziele des Verfassers etwas bei- tragen konnte, so soll es mich im Interesse der guten Sache herzlich freuen. Wird doch nicht nur der Wissenschaft gedient, sondern auch die alte, frhliche Wanderlust zu Fuss, die jetzt durch das leidige Stahlross" schon bald zu einer Mythe geworden sein wird, geweckt; denn Frosch und Eidechse meiden die Land- strasse, auf der der moderne Naturfreund, in Staubwolken gehllt, eilig dahinsaust. Dr. Franz Werner-Wien. Dr. H. Christ, Die Farnkruter der Erde. Beschreibende Dar- stellung der Geschlechter und wichtigeren Arten der Farn- pdanzeii mit besonderer Bercksichtigung der exotischen. Mit 291 Abbildungen. Gustav Fischer in Jena 1897. Preis 12 M. Es ist keine Frage, dass das Buch einem Bedrfniss entgegen kommt: eine reich illustrirte, systematische Farnkunde zu besitzen, die nicht zuviel Umfang einnimmt, wie etwa die bekannten Werke W. J. Hooker's, und daher billiger sein kann, ausserdem beeinflusst ist von den neueren Forschungen, ist zweifellos in jeder botanischen Bibliothek und manchem Liebhaber erwnscht. Mit Rcksicht, darauf, dass ein Cliche- Material fr ein Werk wie das vorliegende noch nicht vorhanden war und die Cliches daher alle eigens an- gefertigt werden mussten, ist der Preis des Buches als ein recht massiger zu bezeichnen; die hervorragende Verlagsbuchhandlung zeichnet sich berhaupt ganz allgemein durch verhltnissmssig niedrigePreise ihrer naturwissenschaftlichenVerlagsartikel aus. Refe- rent htte gern einen Artikel allgemeineulnhalts in dem Buch gesehen, indem also Auskunft ber das Wichtigste aus dem Leben der Farn und eine allgemeine Darstellungdes Aufbaues zu finden gewesen wre, z. B. u. a. ber die Farn-Bume, dieFarn-Lianen, ihr Vorkommen, ihre Hufigkeit im tropischen Urwalde, Grssen- Verhltnisse und dergl. inehr.Der Mangel eines solchen Abschnittes kann freilich dem Autor auch nicht entfernt zum Vorwurfe gemacht werden: es ist vor- lufig noch immer nicht blich in systematischen Werken all- gemeine Ueberblicke zu bieten; sie beschrnken sich noch immer ausschliesslich auf die systematische Vorfhrung der Arten und Abtheilungen, in denen sie untergebracht werden. Das geschickt von Christ diesbezglich gebotene, reiche Material ist nun, wie gesagt, eine zweckdienliche Quelle fr den Botaniker und Lieb- haber, denn es umfasst alle typischen Arten, die irgendwie durch ihren Bau, durch biologische Besonderheiten, durch verwandt- schaftliche Beziehungen, durch weite oder eigenartige Verbreitung bemerkenswert!! sind." Verfasser hat sich auf die Darstellung der Isosporeae beschrnkt; der Ausdruck Farn" ist also in dem volksthmlichen Sinn genommen fr die isosporen Filices. P. Julius Hann, Handbuch der Klimatologie. Zweite wesentlich umgearbeitete und vermehrte Auflage. I. Band Allgemeine Klima- tologie. II. Band Klima der Tropenzone. III Band Klima der ge- mssigten und der kalten Zone. Mit 22 Abbildungen. (Bibliothek Geographischer Handbcher, herausgegeben von Professor Dr. Friedrich Ratzel) Stuttgart, J. Engelhorn 1897. Dieses grossartige Werk, dessen erste Auflage 1883 erschien, ist in der zweiten Auflage auf den neuesten Stand der Forschung gebracht worden. Die erhebliche Erweiterung des Textes Hess es wnschenswerth erscheinen, dass der Stoff nunmehr in drei Theile zerlegt wurde. Das Werk reprsentirt nunmehr thatschlich in kurzen Zgen den Stand der ganzen heutigen klimatologisehen Forschung und Wissenschaft und giobt ausserdem den vollstndigen Litteraturnachweis ber alle diesbezglichen brauchbaren Ver- ffentlichungen. Um ein Beispiel zu geben, so sei erwhnt, dass fr die Behandlung des arktischen Klimas Nansens Beobachtungen bereits eingehend benutzt wurden. Ein ausfhrliches Namen- und Sachregister ist ebenfalls jetzt dem Werke beigegeben, so dass alle umfassenderen klimatologisehen Untersuchungen an dieses wahrhaft klassische Werk anknpfen mssen. H. Kalender fr Geologen. Palontologen und Mineralogen fr das Jahr 1898. Herausgegeben von Dr. K. Keil hack. Kniglichem Landesgeologen in Berlin. Verlag von Max Weg-, Leipzig 1898. Preis gebunden 3 M. Zum ersten Male ist ein Taschenbuch fr Geologen, Palon- tologen und Mineralogen von einem bewhrten Faclnnanne in Ka- lenderform zusammengestellt worden, welches einem wohl lngst gefhlten Bedrfniss entspricht und dessen Erscheinen daher mit. Freuden begrsst werden kann. Wie viel Ntzliches das Werk bietet, geht schon aus seinem Inhaltsverzeichniss hervor: I. Die staatlichen geologischen Landesaufnahmen Europas; IL Verzeich- niss der Professoren und Docenten der Geologie, Palontologie und Mineralogie an den europischen Hochschulen; III. Geo- logische, mineralogische und paloutologische Gesellschaften; IV. Die geologischen, mineralogischen und palontologischen Zeitschriften; V. Gebruchlichste mineralogische, geologische und palontologische Lehr- und Handbcher; VI. Die ffentlichen und privaten geologischen, mineralogischen und palontologischen Sammlungen Deutschlands; VII. Adressbuch der deutschen Geo- logen, Palontologen und Mineralogen; VIII. Kurzer Bericht ber den VII. Internationalen Geologen-Kongress in St. Petersburg; IX. Formationstafel; X. Declinationstabelle; XI. Tabelle der ge- bruchlichsten Lngcnmaasse; XII. Specifische Gewichte einer Anzahl von Elementen. Mineralien und Gesteinen; Tafel der in der Kartographie gebruchlichsten Maassstbe, Notizkalender fr 1898. Tabellarisch liniirte Bltter zum Eintragen von Einnahmen und Ausgaben, Schreibpapier zu Notizen, Millimeterpapier. Das Ganze ist in handlichem Taschenformat in Leinewand gebunden und auch geeignet zur Mitnahme auf Reisen. Bedenkt man, dass dem Verfasser nur ein Zeitraum von 4 Wochen zur Zusammenstellung des vorliegenden Buches zur Verfgung stand, so wird man um so leichter sich ber manches vielleicht Fehlende und einige. Fehler, ganz abgesehen von un- bedeutenden Druckfehlern, hinwegsetzen knnen. Nur Eines sei hervorgehoben: Die Formationstafel, die doch in diesem Buche fr die Fachgenossen bestimmt ist, drfte detaillirter sein, als die Credners Elementen der Geologie entnommene. Die unter den Verzeichnissen noch fehlenden aussereuropischen Landesanstalten verspricht der Verfasser nebst anderen Vermehrungen und Ver- besserungen im nchsten Jahrgange zu bringen. Einem Jeden gerecht zu werden, ist bei einem solchen Unternehmen schlechter- dings nicht mglich ; das vorliegende Werk aber , einzig in seiner Art, wird gewiss bei der Flle des Gebotenen recht viele Freunde finden; vielleicht wird es sich im Laufe der Jahre verbessert und vermehrt als ein unentbehrliches Vademecum fr alle Fachgenossen erweisen, und so rufen wir dem Verfasser ein herzliches Glckauf! zu. Schulte. Bchner, Prof. Dr. Ludw., Am Sterbelager des Jahrhunderts Giessen. 6 M. Fleischmann, Prof. Dr. A.. Lehrbuch der Zoologie. Wiesbaden. 11,60 M. Glazebrook, Prof. K. T., Das Licht. Berlin. 3,60 M. Hauptfleisch, Priv.-Doc. Dr. Paul, Professor Julius von Sachs. Gedchtnissrede. Wrzburg. 0,80 M. Ihle, Paulu. Mor. Lange, Zwlf Gross-Schmetterlinge Thringens, deren Eier, Raupen, Puppen, sowie Nahrungspflanzen. Gotha. - 5 M. Zur Nachricht. Hr. Prof. B. Nach Rcksprache mit der Verlagsbuch- handlung ist diese bereit, nicht nur Ihnen sondern allen neu hinzutretenden Abonnenten den im vorigen Jahr erschienenen An- fang des Kobelt'schen Artikels nachzuliefern. Red. Inhalt: A. N. Ljubimoff: Untersuchungen ber den Fall eines schweren System. A. Kobelt: Zur Theorie der Protoplasma- und Zellstructur. Ueber den Nestbau des Tokko, Tockus melanoleueus Licht. Kampf zwischen einer Spinne und einer Wespe. Wetter-Monatsbersicht. Aus dem wissenschaftlichen Leben. Litteratur: Prof. Ernst Haeckel, Natrliche Schpfungs- geschichte. Woltersdorff, Die Reptilien und Amphibien der nordwestdeutschen Berglande. Dr. H.Christ, Die Farnkruter der Erde. Julius Hann, Handbuch der Klimatologie. Kalender fr Geologen. Palontologen und Mineralogen fr das Jahr 1898. Liste. Zur Nachricht. ! ! von Poncet Glashtten -Werke 54, Kopnickerstr. BERLIN SO., Kpnickerstr, 54, Fabrik und Lager i aller Gefsse und Utensilien fr / ehem., pharm., physical., electro- u. a. techn. Zwecke. Glser fr den Versand und zur Ausstellung naturwissenschaftlicher Prparate. Prr1.*rer*eichnin8 gratis und frttneo. [ < ! PTENTBUREAU Qlrich R. JVtaerz Jnh: C. Schmidtlein.Jngenieur Berlin NW., Luisenstr. 22. Patent- Marken -U.Musterschutz Gebrauchte Gasmotoren DAM PF- u nd D VN AM O - MASCHINEN l . garantirt betriebsfhig in allen Grssen sofort lieierbar. E 1 ektr omotor, g. m b h SchilVbauerdanim21 Berlin NW. Aquarien Institut Nrnberg: Tafelfeldstrasse 32. Zierfische, Reptilien, Pflanzen, Seetiere. Aquarien, Terrarien, Apparate etc. Preisliste gratis u. franko. Franz Rartels, Patent- u. techuisches Bureau. Berlin S\V., Yorkstr. 19 ' Rillig, sorgfltig, schnell. Reelle Redienung. ferb. 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Nat, 1850, S. 247, Anm. 1. .jeder Contraction, die sich nach und nach auch dem brigen Krper mittheilt, eine Abtrennung der jeweils oberflchlichsten Lage statt, wodurch gleichfalls eine mehr oder weniger geschichtete Rinde, wie bei jener, zu Stande kommt. Mit diesem Fortschreiten der Rckbildung nimmt die Dehnung der Krner im Caudalpol noch weiter zu, sie gerathen in einen Zustand, der dem am Kopfpol, dem der eingezogenen Geissei immer hn- licher wird. Dadurch werden die Krner berhaupt mehr und mehr verschwinden und Stromnetze au ihre Stelle treten, deren Knotenpunkte (soweit dieselben nicht einfache Gabelungsstellen oder Anastomosen der Aus- lufer sind) die Reste der in Plasmastrme aufgelsten Krner darstellen. Wie die radire Streckung des Kopf- pols nimmt mit dem Rckgang der Polarisation, der bi- polaren Abstossung, natrlich auch die horizontale Aus- breitung des Caudalpols ab: die ganze Monaxonie ver- wandelt ihre gestreckte Form in eine stumpfe, gedrungene, abgerundete. So wird endlich das polygene Eurysma, die Mittelstufe, das Synthema erreicht. Was den Kern der Monaxonie anlaugt, so spielt der- selbe wohl keine so grosse Rolle wie derjenige der Ho- maxonie, doch betheiligt er sieh muthmaasslich immerhin an den Contractions- und Dehnungsprocessen im Caudal- pol, besonders au seinem (usseren) oberen Umfang. Auch fr die Monaxonie drfen wir ferner wohl unbedenklich das Vorkommen einer Polarisation mit Typus iuversus annehmen, eine extreme Involution, Contraction des Kopf- pols und eine extreme Entlastung, Dehnung des Caudal- pols. Die Klnerbildung, besonders die Pigmentablage- ruug im keulen- oder kolbenfrmigen Kopfende so vieler Drsenzellen, wie auch der Sinneszellen und deren Neben- elemente (Sttzzellen) 196 ) scheint dies unzweifelhaft zu be- weisen. Wollen wir nun in einer bersichtlichen Darstellung die Vorgnge bei den verschiedenen Phasen uns ver- gegenwrtigen, so htten wir etwa die nebenstehenden Haupt-Typen aufzustellen : Auf der Stufe I ist beim Dynamoplast Dehnung (Bedrohung), Ruhe, Reactionslosigkeit der gewhnliche oder normale Zustand; nur selten, in langen Inter- vallen erfolgt eine Contraction, die ausserdem sehr schwach ist. Der Reiz ist (in Folge von Isolirung) stark, daher auch die Bedrohung stark, aber, solang gengende Nah- rung vorhanden, paralysirt (Angewhnung). Beim Hy- loplast dagegen ist die Contraction (Ueberreizung), Thtigkeit (die man aber auch wieder einen Ruhezustand nennen kann Tonus), Reaction der gewhnliche oder normale Zustand; nur selten, in langen Inter- vallen erfolgt eine Dehnung, die berdem sehr schwach ist. Bei der (willkrlichen) Thtigkeit'' setzt sich der ussere oder vordere Factor einem hheren Grad des Reizes aus, es wird also mehr Nahrung erfordert, daher streckt sich derselbe mehr, whrend der innere oder hintere Factor sich mehr contrahirt. Doch ist diese Thtigkeit mit grosser G e fa h r verbunden, denn der Reiz ist durch sein Anwachsen nun auf eine enorme Hhe ge- stiegen und erfordert eine ungeheure Menge Nahrung, whrend andererseits der Plasmakrper ihm doch nicht mehr entrinnen kann (Angewhnung), durch ihn gebannt ist (jeder Fluchtversuch wrde Schmerz erzeugen, weil jeder andere Reiz dem Plasmakrper fremd geworden ist). Das geringste Plus von Thtigkeit kann also die 111 ,; ) Vgl. z. B. A. Brandt, mein. ac. imp. St.Pet., 7. ser., T. 71; S. 17; Jourdan, ann. ds. sc. nat., Zool., 6. ser., T. 10, Fig. 58g, Lendenfeld, Z. wiss. Zool., Bd. 38, Fig. 9; Semper, ebd., Bd. 8. Hier handelt es sich aber vielleicht immer zugleich um eine Po- larisation /.wischen Haupt- und Nebenelement, also nicht um reine amphigene Hylotisation. XIII. Nr. 4. Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 39 Bedrohte, polarisirte Zelle (inneres Skelet). a v Ueberreizte, ausgeglichene (neutralisirte) Zelle, amphige- nes Eurysma (usseres Skelet), durch Ueberreizung aus a ent- standen (der + Polarisations- zustand wurde fortgelassen). 8 Neuroganglienzelle Involution herbeifhren falls es unmglich ist, ge- ngend Nahrung herbeizuschaffen. Auf den Stufen II und III werden beim usseren, vorderen Factor die Contractionsphasen hufiger, die Dehnungsphasen krzer, der Reiz wird I durch die Mischung mit anderen schwcher Reizlosigkeit (Entwh- nung). Beim inneren, hinteren Factor dagegen werden die Dehnungs- phasen hufiger, die Contractionsphasen kr- zer. In beiden Abschnit- ten entsteht ein Mittel- zustand zwischen der Ruhe (Reactionslosig- keit) des Bathysma (A) und der Thtigkeit (Re- action, Tonus) des amphigenen Eurysma(S) oder es geht die + Ruhe des A wie die Ruhe des S in zuerst lebhafte, dann schwcher wer- dende Unruhe" (Teta- nus), in sog. unwillkr- liche Thtigkeit, ber. Beide Factoren werden einander immer hn- licher. Das Verhltniss der rhythmischen Thtigkeit des vegetativen Muskels zur Geissei- und Wim- perbewegung mag um stehendes veranschaulichen : Die reactiveu Mo- mente beider Stufen alterniren also. Beim vegetativen Muskel sind es die Contractionen des Caudalpols, bei der Geissel- zelle die mit diesen ab- wechseln- den Con- tractionen des K o p f - pols, welche die reacti- ve Wirkung nach aus- sen hervor- bringen. BeidePha- sen knnen sich ausein- ander ent- wickeln: die Geisseibewegung aus der Thtigkeit des vege- tativen Muskels dadurch, dass am Kopfpol die Streckung abnimmt, die Contraction strker wird; die Bewegung des Muskels aus der der Geissei dadurch, dass umgekehrt da- selbst die Streckung zunimmt, die Contraction schwcher wird. Dort verliert durch die Entlastung und Deh- nung der C au dal pol seine Kraft, hier der Kopfpol. In der Schrift Mitose und Amitose" habe ich am Ende kurz die bekannte Aehnlichkeit der intracellulren Skelet- krper mit den Zellstructuren, besonders den Strahlungen berhrt und selbst den Versuch gemacht, die Entstehung derselben auf letztere II b. Rckbildung, Ab- stumpfung (Einzie- hung) der Fortstze. J- Animale und vege- tative Neuromus- kelzelle. Actinom, Dynamoplast. : Geissel- und Wiinper- zelle. Spbarom, Hyloplast. Indifferente, unge- reizte*), embryonale Zelle, polygenes Eu- rysma, parthenoge- netisches Ei, soma- tische, hermaphro- ditische**) Zelle, trge Ambe. Diagramm *) Zu dem Wort ungereizt" ist zu bemerken: Dies gilt nur gegenber der Ein- wirkung eines Reizes mit ihrem -f oder Resultat. Als Uebergaugsst ufe zwischen Dynamoplast und Hyloplast, d. h. in Folge seines Gehalts an Contractions- phasen einer-, an Dehnungsphasen andererseits besitzt das Indifferenz-Stadium aller- dings einen gewissen Grad von Belastung, Involution (Ueberreizung) dem D., einen gewissen Grad von Entlastung dem H. gegenber. In diesem Sinn also kann man bei ihm trotz der , Reizlosigkeit" oder Reizarmuth von einer gewissen Hylotisation = Ueberreizung (wie andererseits von einer gewissen Dynamisatiou = Entlastung) sprechen- **) Vgl. Leydig, zool. Jahrb., An. u. Ont, Bd. 3, S. 420. Reiz stark (Isolirung). I ) Polarisation in Bathysma und (am- phig.) Eurysma, animale Phase. cd c J^-J i ii "vlr- 1 -^ V Reiz schwach (Mischung). III Indifferenz, polygen. Eurys- ma, S y n t h e m a , vegetative Phase; polytroper Organisa- tionstypus (C. Snell). c d c d ^r- d w zurckzufhren. Sehr iustructive Bilder finden sich auch, was mir da- mals entgangen war, in einer Abhandlung von Lustig und Galeot- ti 197 ). Inzwischen ist es Schaudinn 198 ) ge- lungen , durch directe Beobachtung die Identi- tt des Centralkorns der Strahlengerste mit dein Centrosom zur vollen Gewissheit zu erheben. Fr die organische Her- kunft sprechen auch sonst manche Umstnde, so unt. And. der oft gewundene Verlauf 109 ) eines Schaftes , der manchmal ohne Frage die regelmssige Bewe- gung einer Cilie in's Gedchtniss ruft oder die Schlngelungen, wie sie bisweilen an den Fden des Zellplasma beobachtet werden. Was schliesslich die concen- trischen Kreise des Zell- krpers einerseits und die concentrischen Git- terschalen der Radiola- rien und Heliozoen an- dererseits betrifft, so sei insbesondere auf Dr- ner'smehrfach citirteAb- handlung 200 ) verwiesen. Wollen wir zum Schlsse die Hauptergeb- nisse vorste- hender Be- trachtung in einem kur- zen Rck- blick zusam- menfassen, so wre unge- fhr das Fol- gende zu Actinom, Dynamoplast S = Sphrom, Hyloplast c = Contractions- und d = Dehnungsphase der unwillkrlichen, rhythmischen Thtigkeit der Elemente. Alle Le- benserschei- nungen des Protoplasma, alle vorber- gehenden oder dauernden Gestaltungsvorgnge desselben werden m ) Beitrge z. pathol. Anat. u. allg. PathoL, Bd. 14. m ) Vhdl. d. dtsch. zool. Ges., 5. Jahres vers., S. 113 ff. 19) Vgl. '/,. B. die Spicula von Sphaerozoum ital. bei H ekel; von Hymeraphia eruca, ann. a. mag., vol 6, 1880, PI. 8; von Cliona, vol. 19, 18G7, PI. 7 und 8; ferner vol. 3, 1870, PI. 28, Fig. 8; PI. 14, Fig. 33. Ray society, vol. 3, 1874, PI. 14, Fig. 5 (Tethea). 20 ) Jena'sche Z., Bd. 29, S. 307. 40 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. XIII. Nr. 4. C d Mmwm, in erster Linie hervorgerufen durch die Einflsse der umgebenden Aussenwelt. Diese Einwirkung ist zunchst von zweierlei Art. Die Einflsse wirken entweder ver- einzelt, gesondert auf die lebende Substanz oder zu mehreren, gemeinschaftlich. Ist ersteres der Fall, so ben sie eine mehr oder weniger eingreifende Wirkung auf das Protoplasma aus, man sagt dann, es wirke ein Reiz" auf den Plasmakrper ein. Diese Ein- wirkung besteht darin, dass der betreffende Eiufluss die Masse des letzteren zu durchdringen sucht, wobei es zu einer Lockerung derselben kommt, welche, fr den Fall, dass die Erregung nur schwach ist, eine als Austausch zwischen Pro- toplasma und Reizkrper aufzufassende A n n - -g herung des ersteren au die Reizquelle im Gefolge hat. Seine Masse m~ lst sich je lnger, je mehr in schmale, m = Thtigkeit des vegetat. Muskels, geradlinige, der Reiz- g = Geisseibewegung, quelle entgegeneilende ^ = D e n hn r ung 0n Strme (Actinome) auf (Zerstreuung der leben- den Substanz, C. F. Wolff, Needham). Durch dieses fortgesetzte Hinstrmen werden die Rume, in welchen sich die lebende Materie bis dahin befand, nach und nach vllig entleert, es ent- stehen Hohlrume, Vacuolen (Karyolyse im weiteren Sinn). Steigt die Reizung an, d. h. verdrngt sie die Reste der anderen, im Plasmakrper vorhandenen Erregungszu- stnde mehr und mehr, so entsteht eine ernste Gefahr fr das Protoplasma, nmlich die der gewaltsamen Lockerung und Oxydation. Dieselbe giebt sich da- durch zu erkennen, dass die Strahlen immer blasser und feiner werden (Actinom, Strahl). Dem Eintritt der Katastrophe kann nur dadurch vorgebeugt werden, dass jeden Augenblick gengende Mengen Protoplasma zur Stelle sind, um an dem bedrohten Punkt die Aus- strmung, den Stoffaustausch zu unterhalten. Je hher aber die Reizung steigt, desto hher steigt auch die Gefahr und das Bedrfniss nach Nahrung", zu deren Herbeischaffung zuletzt ein Theil der benachbarten Plasmamassen herangezogen wird. Hierdurch werden nun aber die letzteren ihrerseits mehr und mehr der Gefahr ausgesetzt, welche der Oberflche oder Spitze drohte, sie werden endlich wirklich berreizt und ent- ziehen sich der weiteren Zerstrung durch Rckzug, durch Verdichtung (bipolare Abstossung, ^Polarisation). Durch diesen theilweisen Rckstrom fllen sich die Rume wieder, aus denen das Protoplasma ausgetreten war, die Vacuolen consolidiren sich (Sphrom, Korn, Kern- bildung im weiteren Sinn). Schliesslich aber reicht bei fortwhrendem Ansteigen des Reizes auch die neue, durch Aufopferung der Nach- barschaft gewonnene Nahrungsquelle nicht mehr aus, um das maasslose Bedrfniss zu befriedigen; es kommt ber kurz oder lang auch an der Oberflche oder Spitze zur Involution, wodurch die Umgebung mehr oder weniger stark entlastet wird (Ausgleichung und Polarisation, Senium, Tod). Mit der Rckkehr der Dynamisation im Gentium, die auf den hheren Stufen der peripheren Ueberreizung sogar das ursprnglich vor- handene Maass bertrifft, stellt sich auch die Tendenz, sich zu dehnen, nach der Reizquelle hinzustrmen, wieder ein (Bildung von Grundsubstanz, C. Heitzmann), und es kommt nun abermals zu einer Entleerung und Ver- dung der viiii der betreffenden Piasinaportion eingenom- menen Rume (Vacuolisation und Karyolyse im weiteren Sinn). Treten nun aber zu einem einzelnen Einfluss an- dere hinzu, so heben sich ihre Wirkungen auf die lebende Substanz gegenseitig mehr oder weniger auf, dieselbe wird der Herrschaft des bisherigen Reizes" entzogen, die Reizung" wird immer schwcher, es tritt das Stadium der Indifferenz, das polygene Eu- rysma (Synthema), die Mittelstufe ein, dadurch charak- terisirt, dass weder eine entschiedene Annherung an die Reizquelle, noch ein entschiedener Rckzug von ihr statt- findet, sondern ein gewisses Gleichgewicht der Bewe- gungen herrscht. Zwischen diesem Mittel zustand und dem durch zunehmende Bedrohung geschaffenen des aus- gesprochenen Gegensatzes giebt es nun wieder die mannigfaltigsten Uebergangsstufen. Aus dem Zustand trger, unentschiedener Bewegung an welcher das aus dem Kern austretende im (berreizten) Hyaloplasmanetz sich auflsende Chromation theilnimnit entwickelt sich der Zustand einer allmhlichen Lockerung und lebhaften (centrifugalen) Strmung bei welcher eine allmhliche Sonderling zwischen Hyaloplasma und Chromation statt- findet, das sich immer mehr zurckzieht auf der einen Seite und der einer zunehmenden Verdichtung und voll- kommenen Stillstandes wo in Folge steigender Ueberreizung das Hyaloplasma dem Chromatin und dieses dem ersteren hnlich wird auf der anderen Seite - , und Alles, was man unter dem Namen Structur" der Zelle, womit ja vorzugsweise die somatischen, vegeta- tiven Plasmakrper gemeint sind, begreift, sind nichts Anderes als solche Stromnetze, deren ursprngliche Waben oder Fcher einestheils immer weiter werden, wo- durch sie sich in einzelne, ein Maschenwerk bildende Zge auflsen, die immer mehr in die Lnge sich strecken 201 ), bis die Querarme dieser Flusslufe mehr und mehr sich lsen und ausgesprochen radire (Ausfuhr) Strassen mit lebhafter Strmung sich entwickeln (Strah- lung, Bathysma), anderntheils hingegen immer enger und unregelmssiger werden bis die Windungen und Quer- arme ihrer Stromlufe immer dichter, bezw. hufiger werden, die Strmung immer trger, zuletzt kaum bemerk- bar, und die Verdichtung endlich eine vollkommene wird (Kugel- oder Tropfenbildung, echtes Eurysma). Whrend die positive oder progressive Bewegung der Aussenschicht, des Actinoms berall ein Zeichen der Kraft, ist umgekehrt die negative oder regressive der Innenschicht, des Sphroms durchgngig ein Zeichen der Schwche; und wenn man die Kraft als den Zustand der Gesundheit (Wohlbehagen, Lust), die Schwche als den der Krankheit (Missbehageu, Schmerz) auffasst, so rnuss man nothgedrungen Alles, was der letzteren Ent- wickelungsphase angehrt, auch krankhaft, abnorm nennen. Danach wrde das Krankhafte oder Patho- logische, Abnorme im gesammten Naturleben eine ganz ausserordentlich grosse Rolle 202 ) spielen, da es in diesem Fall ja von der berall zu Tage tretenden dua- listischen Entwickelung des organischen Lebens die ganze eine Hlfte darstellen wrde; ja, es wre vom Gesunden und Normalen gar nicht zu trennen, in- sofern es gerade bei diesem - - und zwar um so mehr, je strker dasselbe ausgeprgt als unzertrennlicher Begleiter auftritt und berdies dem Normalen fortwhrend selbst am schwersten droht. 2I ") s. z. B. Leydig, Zelle u. Gew., S. 4 und T. 1, Fig. 14, zool. Jahrb., An. u. Ont., Bd. 3, S. 345 und Fig. 61; Kupffer, Schrift nwiss. Ver. Schlesw.-H., Bd. 1, S. 233, ebenso Moore, journ. Linn. soc., Lond., vol. 24. 202 ) Man vgl. hierber z. B. einen Aufsatz von Mngruder und Stiles in New York medical record, vol. 45, 1894 (p. 294) XIII. Nr. 4. Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 41 Wre doch alle Bewegung, die wir als regressive, als Contraction bezeichnen, also nicht nur jede senile, tdtliehe Involution eines typischen Actinonis, sondern auch schon jeder Schlag eines Flimmerhaares, jede Muskelzuckung 203 ) ein krankhafter, ein Ent- artungs- und Rckbildungsprocess und der aus ihr hervorgehende Zustand, das sarcous element, besonders des animalen Muskels, vornehmlich aber das Pigmentkorn und schliesslich jeder solide Kern 204 ) immer und ber- all ein Degenerationsproduct! Wenn wir nun aber auch die Bezeichnung krankhaft blos auf die hheren Grade der Involution, die Senilitt, beschrnken wollten, so kommen dieselben ja doch that- schlich so gut wie ausnahmslos im Verlauf eines jeden individuellen Lebensganges 2 " 5 ) vor, weshalb wir auch eigentlich kein Recht haben, zu sagen: senectus ipsa morbus. Bestehen wir aber gleichwohl darauf, dieselben als krankhaft zu betrachten, so wrden also krankhafte, pathologische Processe im normalen Leben eine ganz regelmssige Erscheinung sein. Dieses mchtige Her- eingreifen des Pathologischen in das Gebiet des Nor- malen ist um so inniger, weil die Grenze zwischen den hheren und niederen Graden der Involution vollstndig verwischt ist 206 ). Da aber weiterhin auch diejenige Form, die wir als Mittelstufe (Synthema) kennen gelernt haben, keine rein positive, vielmehr in gleichem Maasse wie aus positiven oder Evolutions-, aus negativen oder Involutionspro- cessen zusammengesetzte Bildung ist, drfte man auch diese Stufe nicht als vollkommen normale, gesunde Schpfung betrachten. So kommen wir also am Schlsse noch zu der Erkenntniss, dass das Opfer, der Schmerz ebenso unerlsslieh nothwendig zum Fortgang, zum innersten Wesen des Lebens gehrt wie der Genuss, die Lust, und dass wir daher auf den ultrasocialeu Phan- tastentraum, alles Leid, alles Uebel mit Stumpf und Stiel aus der Welt auszurotten, sofern darunter eben die Einfhrung eines ewig whrenden Schlaraffenthums aller 2< ") Auch nach Verworn sind Contraction und Necrobiose verwandt, Pflger's Arch., Bd. 63, S. 264. s. noch Mit. u. Amit. S. 53, Bern. 2. 2W ) Wenn das Zellplasma specialisirt ist, so muss die Kern- masse als dessen Gegensatz mit absoluter Nothwendigkeit allezeit despecialisirt", degenerirt, ein Product der Entartung, der Rckbildung sein. Vgl. hier den Ausspruch von G. Weiss: Lebendes Protoplasma, nimmt Farbstoffe absolut nicht auf, todtes sehr intensiv (Allgem. Botan., I). 20 ) Magruder und Stiles, a. a. O. 206 ) Es ist bekannt, wie leicht hier wirkliche Degeneration (Verfettung u. s. w.) eintreten kann, s. z. B. Heitzmann, mikr. Morph., S. 440; dieselbe bildet wahrscheinlich sogar ein regel- mssiges Vorkommniss (sogen, physiolog. Untergang), vgl. z. B. Leydig, v. Bau d. thr. Krp., S. 74. Creaturen verstanden wird weil mit der Steigerung des Genusses, der Freude, die Zunahme des Leids genau gleichen Schritt hlt und eine Ausgleichung deshalb nur dadurch mglich wird, dass man dem persnlichen Vergngen zu Gunsten des allgemeinen Wohls zum Theil entsagt oder krzer ausgedrckt, weil ein zgel- loses allgemeines Geniessen die baare contradictio in adjeeto ist, als eine lcherliche, vollkommen haltlose, biologisch unmgliche Utopie verzichten mssen. Hiermit geht aber die Welt noch lange nicht aus den Fugen und ist die Sache der menschlichen Gesellschaft nichts weniger als aussichtslos. Doch bleibt uns immer- hin nichts Anderes brig, als die Gesetze der Natur auf's Strengste zu achten. Denn eher wird man sich alle Knochen im Leibe zerbrechen, als dass man die ehernen Schranken der Weltordnung auch nur einen Zoll breit zum Weichen bringt. Das Heil liegt auch hier in der Mitte. Mssen wir im Interesse der Gemeinschaft auf einen Theil des Genusses verzichten, so darf doch diese Verzichtleistung andererseits im Interesse des Genusses nicht zu weit gehen, und so wrde denn das Ergebniss unserer Schlussbetrachtung etwa lauten mssen: Die Lsung des Problems kann zweifellos nur darin liegen, dass keines der beiden natrlichen Priucipien, die wir im Vorstehenden als Differcnzirung (Unter- schied) und Indifferenz (Gleichheit) oder richtiger als starke und schwache Polarisation kennen gelernt, nach absoluter Alleinherrschaft strebe und seinen Gegner vllig niederzuwerfen trachte, vielmehr in weiser Beschrnkung die Berechtigung, ja die absolute Noth- wendigkeit des anderen in vollem Umfang aner- kenne, und dass in Uebercinstimmung hiermit die Rollen den natrlichen, durch die jeweilige, im einen oder andern Sinn geartete Constitution bedingten Fhigkeiten entsprechend vertheilt, und so die unertrglichsten, durch menschliche Unkenntniss, Kurzsichtigkeit und Ver- blendung geschaffenen, aber in jeder organischen Ent- wickelung unvermeidlichen Hrten von Epoche zu Epoche nach bestem Wissen und Knnen mehr und mehr ge- mildert und verhtet werden. Denn wenn mau das Leiden auch zum grssten Theil vermindern kann und soll : aus der Welt schaffen lsst sich dasselbe nicht, man wrde in buchstblichem Sinne dem Leben seine krftigste Wurzel rauben. Statt der berechtigten Freude des Daseins wrde die Todtcnstille des Grabes das unvermeidliche Loos alles Lebendigen sein. Ausser- dem aber hat das Leiden erfabrungsgemss ja auch eine hohe sittliche Bedeutung; es ist der mchtigste Hebel, der gewaltigste Sporn zum unbegrenzten Fortschritt, ohne welchen das Leben der Vlker ein schwler Sumpf, eine de Schlammpftze wre. Ueber seine Beobachtungen an Lepidosiren be- richtete J. Graham Kerr der Cambridge philos. Society (Natural Science No. 71). Der Lepidosiren ist ziem- lich hufig in den Smpfen des Gran Chaco (Argentinien). Er lebt trge in deren dichtem Pflanzenwuchse. In kurzen, unregelmssigen Zwischenrumen kommt er an die Ober- flche, um zu athtnen. Seine Nahrung besteht hauptsch- lich aus grossen Wasserschnecken (Ampullaria) und Algen. Zur Brutzeit wachsen die Papillen an den hinteren Flossen des Mnnchens zu langen, blutrothen Fden aus. Die ungefhr 7 mm grossen Eier werden in ein Loch am Boden des Sumpfes, das mit Gras ausgefllt wird, gelegt. Die Eier haben eine dnne, hornige Schale. Die Furchung ist in den spteren Stadien holoblastisch und ungleich, die Gastrulation erinnert an die der Cyclostomen und Urodelen. Die Kaulquappen - hnliche Larve hat grosse ussere Kiemen und einen Saugmund, die aber beide 6 Wochen nach dem Ausschlpfen verschwinden. Zu- gleich werden die Jungen dunkler und lebhafter. In den ersten 10 bis 12 Wochen fressen diese nichts, sondern leben nur von dem Dotter in den Wnden ihres Darmes. Bemerkenswerth ist, dass die dunkle Farbe der Er- wachsenen Nachts verschwindet, indem die schwarzen Chroinatophoreu sich zusammenziehen uud grosse, gelbe sich ausdehnen, so dass der Fisch fast weiss wird. Wh- rend der Trockenzeit zieht sich der Lepidosiren in den Schlamm zurck, sich nur ein Loch in diesem zum Athmen lassend. Reh. 42 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. XIII. Nr. 4. Ueber die Abnahme der Vgel im Jahre 1897 ver- ffentlicht Xavier Raspail seine Beobachtungen aus dem Departement Oise in Feuille jeun. Natur. 3. An nee 27 No. 326. Von den frher regelmssig nistenden Vgeln fehlten in diesem Jahre ganz: Distelfink, Baumpieper, Kohl-, Blau-, Sumpf- und Schwarzmeise. Von anderen Vgeln fehlten ebenfalls ganz: Gimpel, Rothschwnzchen, HeckenbrauneUe. Von den sonst hufigen waren selten : Buchfink, Gold- ammer, Dorngrasmcke, Schilfrohrsnger. Noch seltener als sonst waren: Grnfink, Leinfink, Zippammer, Sehwarz- kpfchen, Gartengrasmcke, Weidenzeisig, Rohrdrossel. In ihrer gewhnliehen Anzahl waren nur Elster, Amsel, Nachtigall, Turteltaube. Drei Arten hatten sich dagegen neu eingestellt: Hausrothkehlchen, Goldhhnchen und Zaunknig. Schon seit 8 Jahren hatten aufgehrt zu nisten: Neuntdter, Feldlerche und Fliegenfnger. Die Schwalben waren sehr heruntergegangen. Trotzdem in der Gegend berall ihre Nester waren, fanden sich nur 2 Prchen ein. Die durch ihre Vertilgung von Raupen und Maikfern so ntzliche Zwergohreule, die sonst sehr hufig war, fehlte ganz. Der Rthelfalk, der sich von Insecten, besonders Orthopteren, Reptilien und kleineren Nagern nhrt, war fast ganz verschwunden, ebenso der Waldkauz, der Hauptvertilger der Spitz- und Feldmuse, und der Kuckuck. Die Ursachen fr das Verschwinden, bezw. die Ab- nahme sovieler Vgel sind verschieden. Nur zum kleinsten Theile macht R. das ungnstige Frhjahr verantwortlich. Eine grssere Bedeutung hat wohl (las Ausschlagen der alten Bume aus den Forsten und die directe Vertilgung durch die Angestellten des Barons H. v. Rothschild, die den Auftrag haben, seinen grossen Fasanen-Park von allen Schdlingen frei zu halten, wobei natrlich aus Un- kenntniss auch viele ntzliche Vgel getdtet werden, wie z. B. der Kuckuck, einmal, weil er Eier fressen soll, dann weil er aus der Entfernung leicht fr einen Sperber ge- halten wird. Die Haupt-Ursache ist aber der directe Fang durch den Menschen, dem vor Allem die Schwalben in Italien auf ihren Herbst- und Frhjahrszgen zum Opfer fallen. Reh. Eine praehistorische Pferdezeichnung. In meiner Arbeit Ueber die Beziehungen zwischen Lebensweise und Zeichnung bei Sugethieren, Zrich 1895" stellte ich auf S. 32 die Behauptung auf, dass ich in der auf einem im Kesslerloch bei Thayingen (Kanton Schaffhausen) ge- fundenen knchernen Gerthe (Kommandostab) eingravirten & \\ Zeichnung eines pferdeartigen Geschpfes (vergl. unsere Figur), das im Wesentlichen charakteristisch wieder- gegebene Bild des Equus hemionus Pallas erblicke und die auf dem Krper des abgebildeten Thiercs angebrachte Strichelung fr eine typische Querstreifung anspreche. Der heute die Steppen des stlichen Mittelasiens be- wohnende Equus hemionus oder Dschiggctai trgt nun kein solches Streifenkleid zur Schau, sondern nur einen dunklen Lngsstreifen auf dem Rcken, welcher sich in der Lendengegend verbreitert. Nach Martin lsst sich bei einigen Individuen der fr den Wildesel typische Kreuzstreifen, sowie eine zebrahnliche Zeichnung an den Beinen nachweisen. Bell will sogar auf seiner Reise durch die Tatarei vllig tigerartig gestreifte Exemplare angetroffen haben. Da ich mich, wie dieses in meiner oben citirten Arbeit entwickelt wurde, in Bezug auf die Zeichnung der Thiere auf den Boden der Eimer'sehen Zeichnungstheorie stelle, so nehme ich fr den Equus hemionus an, dass derselbe zur Zeit als der praehistorische Knstler die Zeichnung auf den Kommandostab in Thayingen entwarf, noch mit einer Querstreifung geschmckt war, von welcher sich als letzte Ueberbleibsel die bei den einzelnen Exem- plaren beobachteten Abzeichen nachweisen lassen. Eben- dort usserte ich bei Besprechung der Zebrazeichnung die Ansicht, dass diese Zeichnungsform als Schutzmittel fr den getrennt lebenden Pflanzenfresser geschaffen ist, welcher dadurch im Dickicht des Steppengrases vor den Blicken der lauernden Rabthiere geschtzt wird. Dieses Schutzkleid kommt dadurch zu .Stande, dass whrend der Nacht die schwarzen Abzeichen sich mit dem Grund- colorit des Felles zu einem indifferenten Farbenton ver- mengen. Sobald nun aber, fgte ich wrtlich an, diese Suger sich in Rudeln zusammenrotten, ja sich sogar mit ihnen systematisch gnzlich fernstehenden Geschpfen, wie Spring- und Buntbcken, Gnu's und Straussen, deren Wachsamkeit ausnutzend, verbinden, fllt dieser fr das einzeln lebende Thier practische Zeichnungsschutz fort und es stellt sich eine Reduction der Zeichnungsmerkmale ein." Dieses beweisen die Ver- wandten des Zebra: Equus Burchelli und Equus Quagga. Der fr die Tigerpferde angefhrte Hang zur Gesellig- keit lsst sich auch fr den Equus hemionus nachweisen. Brehm sagt hierber: Ebenso wie sich Zebra, Quagga und Dauw den Heerden der afrikanischen Antilopen und Strausse zugesellen, sieht man den Dschiggetai im Hochgebirge gemeinschaftlich mit verschiedenen Wild- schafen, der Tibetantilope und dem Grunzochsen, in den Tiefebenen mit Kropf- und Saigaantilopen weiden. Auch mit versprengten Pferden hlt er gute Gemeinschaft." Die von den neuereu Forschern aufgestellten besonderen Arten der Tigerpferde, wie Equus chapmanii und Equus grevyi drften bei genauerer Betrachtung artlich von den anderen kaum zu trennen sein. Sollte es sich hier viel- leicht um Localformen handeln, bei welchen die Reduction der Zeichnung mehr oder minder zu constatiren ist? Fr den receuten Equus hemionus nehme ich an, dass bei ihm durch die Gewhnung an ein Leben in Heerden die Re- duction der Zeichnung bis auf die angefhrten Ueber- bleibsel eintrat, Alexander Sokolowsky in Zrich. Ueber die Krpertemperatur der niederen Suge- thiere bat Alexander Sutherland neuerdings in Australien interessante Studien gemacht, ber welche im Octoberheft der Natural Science" berichtet wird. Schon 1879 hatte Baron Miclucho Maclay das Scbnabelthier (Ornithorrhvnchus) auf seine Blutwrme hin untersucht und 24,8 als Durchschnittstemperatur festgestellt. Spter nahm Prof. Richard Semon aus Jena diese Untersuchungen wieder auf, indem er die Krpertemperatur des austra- lischen Ameisenigels (Echidna) bestimmte ; er fand, dass die Blutwrme bis auf 26,5 sinken konnte, in bestimmten Fllen aber auch bis 34,2 stieg. Zu hnlichen Resul- taten gelangte Sutherland an demselben Thiere. Er untersuchte eine grssere Zahl von Ameisenigeln und stellte als mittlere Krpertemperatur 29.4 fest; freilich unterliegt die Temperatur grossen Schwankungen, die von usseren Umstnden abhngen. So zeigte eine Echidna XIII. Nr. 4 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 43 an einem kalten Morgen nur 22 , whrend eine andere, die zur heissen Mittagszeit in einem Sacke weit trans- portirt worden war, eine Temperatur von 36,6 aufwies. Dieser grosse Unterschied ist fr ein Sugethier sehr auf- fllig und erinnert au den Temperaturwechsel der Thiere mit wechselwarmem Blute. Aus 126 Untersuchungen, die Sutherland an 16 Arten von Beutelthieren anstellte, kam er zu der Durchschnittstemperatur von 36 , also zu einer Zahl, die immer noch einige Grade tiefer ist, als die Temperatur der hheren Suger (ca. 38 ). Den Mono- trenien am nchsten kommt der Wombat (Phascolomys) mit 34,41 , dann folgen die Flugbeutler (Fetaurus) mit 35,7 und der Koala (Phascolarctos) mit 36,4 mittlerer Krpertemperatur. S. Seh. Aus dem wissenschaftlichen Leben. Ernannt wurden : Der ausserordentliche Professor der Botanik in Bonn Dr. Askenasy zum Honorar-Professor; der Privatdocent der Ohrenheilkunde in Berlin Dr. Louis Jacobson zum Pro- fessor; der Privatdocent fr innere Medizin in Wrzburg Dr. Otto Seifert zum ausserordentlichen Professor; der Privatdocent der Chirurgie in Mnchen Dr. Wilhelm Herzog zum ausserordent- lichen Professor; der Privatdocent fr Psychologie in Krakau K. Zulawski zum Professor; der ordentliche Professor fr prak- tische Medizin in Budapest F. von Kornyi zum Prsidenten des justizrztlichen Senats. Berufen wurden: Der ordentliche Professor der Philosophie in Halle Dr. Benno Erdmann nach Bonn als Nachfolger Jrgen Bona Meyers; der Privatdocent der Astronomie in Greifswald Dr. Martin Brendel als ausserordentlicher Professor nach Gottingen. Es habilltirten sich : der Leiter des naturwissenschaftlichen Theiles der volksthnilichen Hochschulkurse in Mnchen Professor Dr. Lassar-Cohn an der Mnchener Universitt ; Dr. K. Holter- mann fr Botanik in Berlin; Dr. K. Wolf fr Bakteriologie an der technischen Hochschule in Dresden; Dr. W. Euler fr Chemie in Leipzig; Assistent E. Brckner fr theoretische Maschinen- lehre und Maschinenbaukunde an der technischen Hochschule in Mnchen; Assistent Dr. Kauf f mann fr Chemie an der tech- nischen Hochschule in Stuttgart; Dr. C. Po nie ranz, bisher Privatdocent in Prag, fr Chemie in Wien; Dr. Tb. Posner fr Chemie in Greifswald. Es starben: Der berhmte Moskauer Kliniker Prof. Grigori A. Sacharjin; der frhere Professor der Astronomie in Strass- burg Dr. A. Winnecke; der ehemalige Professor der Chemie in Wien F. C. Ritter von Schneider; der australische For- schungsreisende Ernest Giles in Coolgardie (West Australien); der ehemalige Oberbibliothekar in Bloomsburg Sir E. A. Bond. Mit Beginn des neuen Jahres hat die Deutsche Gesellschaft fr volksthmliche Naturkunde in Berlin in erweitertem Maasse ihre Arbeiten wieder aufgenommen. Neben anregenden Einzel- vortrgen, naturwissenschaftlichen Exkursionen in die Umgegend, Demonstrationen in Museen und naturwissenschaftlichen Instituten, Besichtigungen technischer Anlagen, wie sie seither in so erfolg- reicher Weise veranstaltet wurden, sind nunmehr auch fr Mit- glieder besondere Lehrkurse ins Leben gerufen worden, welche den Zweck haben, in einer Reihe von Vortragsstunden unter Be- nutzung eines grsstmglichen Anschauungsmaterials einen Ueber- blick ber den heutigen Stand des Wissens in den Hauptzweigen der Naturwissenschaften zu geben. Der erste Kursus dieser Art ber allgemeine Chemie (Prof. Dr. B t tge r) wurde am Dienstag Abend in dem chemischen Hrsaale des Dorotbeenstdtischen Real-Gymnasiums nach einer Ansprache des I. Vorsitzenden Herrn Geh. Ober-Bergrath Dr. Hauchecorne unter recht erfreulicher Betheiligung erffnet. Fr die nchste Zukunft sind weitere Lehr- kurse in Aussicht genommen ber Mineralogie, Geologie, Zoologie, Botanik und Palaeontologie. Die Mitgliedschaft der Gesellschaft, welche bereits ber GOO Mitglieder darunter eine Anzahl von Damen zhlt, kann durch einen jhrlichen Mindestbeitrag von 2 Mk. erworben werden. Alles Nhere durch den I. Schriftfhrer Oberlehrer Dr. Greif, Kpenickerstr. 142. Litteratur. Franz Bley, Botanisches Bilderbuch fr Jung und Alt. I. Theil umfassend die Flora der 1. Jahreshlfte. 216 Pflanzenbilder in Aquarelldruck auf 24 Tafeln. Mit erluterndem Text von H. Berdrow. Gustav Schmidt (vorm. Robert Oppenheim), Verlagsbuchhandlung in Berlin. 1897. Preis cartonn. Mk. Die kleinen Illustrationen des vorliegenden Bilderbuches geben allermeist die dargestellten Pflanzen-Arten so wieder, dass sie auch von solchen, die im Unterscheiden weniger gebt sind, wiedererkannt werden knnen. Auch der gebotene Text ist zu loben, da er geschickt das bietet, was in einem fr die Familie, Jung und Alt, bestimmten Buche zunchst gesucht wird. Das Werkchen ist also wohl geeignet, Ansprche etwa einer Mutter, die ihre Kinder ber unsere Pflanzenwelt etwas zu belehren wnscht, zu befriedigen und letzteren eine gute Unterhaltung zu gewhren. Dr. M. Bsgen, Professor au der Grossherzoglich Schsischen Forstlehranstalt in Eisenach. Bau und Leben unserer Wald- bume, gr. 8. 230 Seiten. Mit 101) Abbildungen. Gustav Fischer, Jena 1897. Preis 6 M. Vor nunmehr 44 Jahren erschien ein Der Baum, Studien ber Bau und Leben der hheren Gewchse" betiteltes Buch von Hermann Schacht, damals Privatdocenten in Berlin. Sein Titel- bild zeigt den bekannten Ausblick von der Hohen Sonne auf die Wartburg in Thringen, wohin der Verfasser von der Berliner Akademie zum Studium des Waldes und seiner Bume entsendet worden war. Am Fusso der Wartburg ist das vorliegende Buch entstanden, welches sich im wesentlichen dieselbe Aufgabe wie das Schacht'sche stellt, nmlich die, Botanikern und Forstmnnern die Orientirung zu erleichtern, aber auch nicht fachmnnisch ge- bildeten Freunden unserer Wlder einen erwnschten Einblick in deren Leben und Weben zu verschaffen." Es ist ungemein inter- essant, die beiden Bcher mit einander zu vergleichen und die Fortschritte daran abzumessen, welche die Botanik in der Zeit zwischen ihrem Erseheinen in wissenschaftlicher und didaktischer Hinsicht gemacht hat. Als Schacht sein Buch schrieb, war die Aufmerksamkeit der wissenschaftlichen Botaniker fast ausschliess- lich auf Anatomie und Entwickelungsgeschichte gerichtet, und mit letzterer suchte man vor Allem die Morphologie in Beziehung zu setzen, in der damals noch vielfach die Gespenster der Naturphiloso- phie spukten. Die Physiologie steckte noch in den Kinderschuhen ; und erst zwlf Jahre nach der Herausgabe vonSchachts Buch erschien das erste Handbuch der Experimentalphysiologie von Julius Sachs. Seitdem hat diese Disciplin einen berraschenden Aufschwung ge- nommen, und ihr hat sich ein bis dahin fast ganz unbeachteter Zweig der Wissenschaft, die Oekologie, hinzugesellt. Es kann nicht fehlen, dass diese verschiedenen Tendenzen auch in den populreren botanischen Schriften der verschiedenen Zeiten her- vortreten. Whrend Schacht dio seinige mit der Lehre von der Zelle und den Geweben beginnt, whrend bei ihm neben Ent- wickelungsgeschichte eine ziemlich trockene Anatomie und Morpho- logie die Hauptrollo spielen, bernehmen in neueren Bchern Physiologie und Oekologie die Fhrung. Sie verdrngen jene an- deren drei Discipliuen nicht, aber sie lassen sie mehr in den Hintergrund treten sehr zum Vortheil der Darstellung, die da- durch an Interesse und Lebendigkeit ungemein gewinnt. Ein klassisches Beispiel dafr ist Kerners berhmtes Pflanzen- leben." Hat auch Bsgens neues Buch nicht entfernt den Um- fang dieses grossen Werkes, behandelt es auch einen viel be- schrnkteren Stoff und wendet es sich besonders an ein kleineres, und meist fachmnnisch gebildeteres Publikum, in erster Linie an die praktischen Hter unserer Wlder, so mchte ich es doch mutatis mutandis eben dem Kerner'schen Buche vergleichen, dem es stilistisch nicht nachsteht und vor dem es ausserdem den Vor- zug strenger Zuverlssigkeit hat. Sehr zweckmssig geht Verf. im ersten, von der usseren Ge- stalt der Bume handelnden Kapitel von deren winterlicher Tracht aus, errtert dann die Ursachen der Gestalt, je nachdem die Er- scheinungen von usseren Krften abhngig oder unabhngig sind, und lsst sodann ein Kapitel ber die Knospen folgen. _ Die nchsten vier Abschnitte beschftigen sich hauptschlich mit den anatomischen Verbltnissen, immer jedoch in der schon oben an- gedeuteten Weise, und behandeln Eigenschaften und Lebensthtig- keit der Bildungsgewebe, die Elemente des Holzkrpers, die Rinde, den Jahresring, Holzgewicht nebst Holzstructur und die Ver- keilung. Das kologische Moment tritt besonders hervor in dem Kapitel ber die Bltter, das physiologische in denen ber die Wurzel und ihre Thtigkeit, ber die Wasserversorgung, die Her- kunft und Bedeutung der mineralischen Nhrstoffe und die Stoff- wandlung und- Wanderung. Den Schluss macht ein Abschnitt ber Blhen, Fruchten und Keimen. Das Buch bildet also eine allerdings gedrngte, aber innerhalb der einmal gezogenen Grenzen fast vollstndige Naturgeschichte unserer Waldbume, in der nur einige Angaben ber Hhen- und Dickenverhltnisse, sowie ber Alter und Tod und vielleicht auch ber die wichtigsten Krank- heiten und Schdlinge noch wnschenswerth wren. Auf der an- deren Seite ist aber nicht nur die botanische, sondern auch dir forstliche Litteratur ausgiebig benutzt, sodass auch den Special- bedrfnissen der Forstleute Rechnung getragen ist. Ganz beson- ders ihnen, aber auch den Botanikern und einem grsseren Publikum mchte ich das treffliche Buch hiermit angelegentlichst empfohlen haben. Kienitz-Gerloff. 44 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. XIII. Nr. 4. Dr. Udo Dammer, Palmenzucht und Palmenpflege. Anweisung zur Anzucht und Pflege der Palmen. Mit 24 Vollbildern. Frankfurt a. Oder, Trwitzsch & Sohn 1897. VI. 128 S. 8. Preis 4M. Das vorliegende Werk wurde abgefasst, um der jetzt wieder aufblhenden Palmenliebhaberei neue Kreise zu erschliessen. Es soll nicht eine Beschreibung aller Palmen enthalten, auch nicht eine Beschreibung aller in Kultur befindlichen Arten. Es kam dem Verf. darauf an, dem Palmenliebhaber ein Buch in die Hand zu geben, in welchem er sich Rath holen kann, wie Palmen im gesunden und kranken Zustande zu behandeln sind. Dazu ist vor allen Dingen riothwendig, dass man weiss, unter welchen Be- dingungen die Palmen wachsen, welchen Verhltnissen sie ange- passt sind. In erster Linie ist das Werk fr den Laien, den Lieb- naber. berechnet, welcher auf die Kultur der Palmen im Zimmer angewiesen ist; doch wird auch der Fachmann manche werthvolle, neue Beobachtung in dem Werke finden. Das Werk zerfllt in sechs Abschnitte. Im ersten bespricht der Verfasser die Vege- tationsbedingungen, im zweiten die Beschaffung, im dritten die Behandlung der Palmen. Der vierte Abschnitt ist dem Dngen und der fnfte den kranken Palmen gewidmet. Im letzten Ab- schnitte giebt der Verfasser eine Beschreibung der wichtigeren Palmengattungen und eine Aufzhlung ihrer in Kultur befind- lichen Arten mit sehr ausfhrlicher Synonymik. An die Gattungs- beschreibungen schliossen sich kurze, biologische, kulturhistorische, pflanzengeographische etc. Notizen an. Standortsverhltnisse sind hier ebenfalls in weitestgehender Weise bercksichtigt. Die 24 Abbildungen sind knstlerisch ausgefhrte Portraits von Exem- plaren des Berliner botanischen Gartens. (x.) Dr. Joseph Partsch, Die Regenkarte Schlesiens und der Nach- bargebiete. Mit einer Karte (Forschungen zur deutschen Landes- und Volkskunde, Bd. IX; Heft 3. S. 195-235, Stuttgart 1895). Preis 4,70 Mk. Diese Arbeit des Breslauer Geographen ist eine Frucht ein- gehendster Studien fr die zweibndige, vortreffliche Landeskunde von Schlesien, deren erster Band im Jahre 1896 erschienen ist (Schlesien. Eine Landeskunde fr das deutsche Volk auf wissen- schaftlicher Grundlage bearbeitet. Leipzig und Breslau, F. Hirt, 2 Bnde). Die Art dieses ausgezeichneten Werkes bedingte es, dass die Specialstudien fr dieselben nicht in vollem Umfange zur Verwerthung gelangen konnten, und so hat der Verfasser wenigstens fr die Niederschlagsverhltnisse Schlesiens sich ent- schlossen, dieselben in den Forschungen" im Einzelnen niederzu- legen als Erluterung der Grundlagen, des Inhalts und der Ver- werthbarkeit der Regenkarte. Dieselbe bildet den ersten Versuch einer genaueren Darstellung der rumlichen Vertheilung der Nieder- schlge in dem ganzen Gebiete zwischen dem bhmischen Eiblauf und der Warthe, von der oberen Weichsel bis an die Spree, whrend fr benachbarte Gebiete mehrere derartige monogra- phische Arbeiten bereits vorliegen. So fllt diese treffliche Mo- nographie eine klaffende Lcke und legt von neuem rhmliches Zeugniss ab fr die so sorgfltige und kritische Arbeitsweise des um die geographische Erforschung Schlesiens hochverdienten Breslauer Gelehrten. Ueber diese selbst sei nun in Krze nur Folgendes bemerkt: Ein dichtes Netz von Beobachtungsorten ist fr Schlesien erst seit 1887 vorhanden: es traten zu den bis dahin vorhandenen 15 meteorologischen Stationen 200 Regenstationen hinzu, deren Ergebnisse monatlich verffentlicht werden. Nach fnfjhriger Beobachtungszeit war der Versuch einer ersten Ge- sammtbersicht der Niederschlagsvertheiluug gerechtfertigt, da nunmehr die relative Abstufung derselben von Landschaft zu Landschaft schon recht gut erkennbar sein musste. Verf. giug jedoch auch auf die Stationen der Nachbargebiete ein und ver- wertete im ganzen die Ergebnisse von 527 Stationen fr den- selben Zeitraum bei der Herstellung der Karte; fr alle wurde das Jahresmittel des Niederschlags genau fr den gleichen Zeit- raum (Juni 1**7 bis Mai 1892) berechnet und dann nach kritischer Prfung die Ergebnisse auf der Karte niedergelegt. Manche Einzelziffern erforderten lange Controllrechnucgen. Auf eine hydrographische Kurte des schlesischen Odergebietes (1:400000) n\ ml. n nunmehr die Curven der Regenkarte entworfen unter Heranziehung von noch 54 weiteren Hilfstationen mit unvollstn- digen Reihen und unter sorgfltigster Bercksichtigung der je- weiligen Bodengestalt des Landes. So wurde die grsstmgliche Annherung an die wirkliche Regenvertheilung erlangt, wie die- selbe fr den bezeichneten Zeitraum fr das schlesische Oder- gebiet bestand. Hinsichtlich der Einzelheiten dieser Vertheilung wie der Discussion ber die Grenzen des Werthes der Karte und ber die Verwerthung derselben sei auf die Erluterungen des Verfassers selbst verwiesen, die auch auf die Hochwassergefahr und den Landbau nher eingehen. Fr. Regel. Dr. Christian Gruber, Der Hesseiberg am Frankenjura und seine sdlichen Vorhhen. Mit einer Karte, einer hypsogra- phischen Curve und 5 Abbildungen (Forschungen zur Deutschen Landes- und Volkskunde Bd IX. Heft 0, S. 373452, Stuttgart, Engelhorn, 1896). Preis 5,20 Mk. Der durch verschiedene, werthvolle Arbeiten zur bayrischen Landeskunde bereits vortheilhaft bekannte Verfasser widmet die vorliegende Monographie seiner in dieser Hinsicht bis jetzt arg vernachlssigten speciellen Heimath, dem isolirten Hhenzug des Hesselberges, dieser bedeutsamen Landmarke an der Grenzscheide zwischen Franken und Bayerisch-Schwaben. Dieselbe beruht so- wohl auf liebevollem, autoptischen Studium und den bei den Be- wohnern eingezogenen Erkundigungen als auf der sorgfltigen Verwerthung des amtlichen Kar tenmateriales : beim Entwurf der beigegebenen Karte ist das rein orographische Bild mit dem landschaftlichen in der Weise verknpft worden, dass nicht nur die bliche Situation und die Isohypsen, sowie die dauernden und zeitweisen Quellen und Wasserlufe, sondern auch der Hoch- und der Buschwald, das Hutungland und die Felspartien eingezeichnet und die vulgren Ortsnamen hinzugefgt wurden. Im Text ver- breitet sieh der Verfasser zunchst auf die Erwhnung und Be- handlung des Hesselberges in den lteren und neueren littera- rischen Quellen und giebt die Geschichte seiner Lagen- und Hhenbestimmung wie der kartographischen Aufnahme des Berges, der seinen Namen jedenfalls von den hier reichlich wachsenden Haselstauden erhielt und daher eigentlich Hselberg lauten sollte. Dann folgen seine eigenen Ausfhrungen ber den zweifellos zum Frankenjura gehrigen, nur durch weitgehende Erosion von ihm jetzt gnzlich isolirten Bergrcken und sehr eingehende topographische Einzelschilderungen. Den Quellen und Wasserlufen ist noch ein spezielles Kapitel gewidmet, ebenso den bis jetzt vorliegenden meteorologischen Beobachtungen, den Beschluss bildet die Geschichte und wirtschaftliche Bedeutung der seit Beginn unseres Jahrhunderts alljhrlich zur Ptingstzeit auf der Platte des Hesselberges abgehaltenen Messe. F. Regel. Naturae Novitates. Bibliographie neuer Erscheinungen aller Lnder auf dem Gebiete der Naturgeschichte und der exaeten Wissenschaften. Herausgegeben von R. Friedlnder u. Sohn. Berlin NW. Diese Bibliographie, von der uns Nr. 1 (Januar 1897) vorliegt, ist eine der vollstndigsten periodisch er- scheinenden Bibliographieen. Sie ist gut und gewissenhaft von der genannten bekannten Buchhandlung zusammengestellt. Das vorliegende Heft umfasst in 8 nicht weniger als 74 Seiten. Briefkasten. Hr. Prof. H. Eine Naturphilosophie" in dem von Ihnen gewnschten Sinn vermchten wir Ihnen nicht zu nennen, jedoch knnen wir Ihnen obwohl wir auf einem anderen Standpunkt stehen nicht dringend genug den durchaus im naturwissenschaft- lichen Geiste, klar und eindringend geschriebenen naturphiloso- phischen Abschnitt in W. Wundt's System der Philosophie 1 " (Wilhelm Engelmann in Leipzig. 2. Aufl. 1897) empfehlen. Red. Chiffre B. Es handelt sich nur um Eisenglanz. Red. Arnold, Prof. Dr. Carl, Repetitorium der Chemie. Hamburg. 6 M. Brancsik, Dr. Karl, Die Fauna dos Balatonsees. Wien. 12 M. Kolbe, H. J., Kfer und Netzflgler. Berlin. 10 M. Matzenauer, Carlos, Bolivia in historischer, geographischer und cultureller Hinsicht. Wien. 2 M. Nagl, Technik.-Oberl. A., Das Wichtigste aus der Chemie der Metalloide. Mittweida. 3 M. Biggenbach, Prof. Dr. Alb., Ergebnisse 7 jhriger Niederschlags* Registrirungen in Basel. Karlsruhe. 1,50 M. Inhalt: A.Kobclt: Zur Theorie der Protoplasma- und Zellstructur. (Schluss.) Beobachtungen an Lepidosiren. Ueber die Ab- nahm, der Vgel im Jahre 1897. Eine praehistorische Pferdezeichnuug. Ueber die Krpertemperatur der niederen Sugethiere. - Aus dem wissenschaftlichen Leben. Litteratur: Franz Bley, Botanisches Bilderbuch fr Jung und Alt. Dr. M. Bsgen, Bau und Leben uns. irr Wuldbume. Dr. Udo Dammer, Palmenzucht und Palmenpflege. Dr. Joseph Partsch, Die Regen- karte Schlesiens und der Nachbargebiete. Di-. Christian Gruber, der Hesseiberg am Frankenjura. Naturae Novitates. Briefkasten. Liste. Verantwortlicher Redacteur: Dr. Henry Potonie, Gr. Lichterfelde (P.-B.) bei Berlin, Ptsdamerstrasse 35, fr den Inseratentheil: Hugo Bernstein in Berlin. - Verlag: Ferd. Dihmlers Verlagsbuchhandlung, Berlin SW. 12. Druck: G. Bernstein, Berlin SW. 12 VfP>- ^ Redaktion: ? Dr. H. Potonie. Verlag: Ferd. Dmmlers Verlagsbuchhandlving, Berlin SW. 12, Zimmerstr. 94. XIII. Band. Sonntag, den 30. Januar 1898. Nr. >. Abonnement: Man abonnirt bei allen Buchhandlungen und Post- anstalten, wie bei der Expedition. Der Vierteljahrspreis ist Jl 4. Bringegeld bei der Post 15 J, extra. Postzeitungsliste Nr. 5048. i Inserate: Die viergespaltene Petitzeile 40 ,&. Grssere Auftrge ent- sprechenden Rabatt. Beilagen nach Uebereinkunft. Inseratenannahme bei allen Annoncenbureaus wie bei der Expedition. Abdruck ist nnr mit vollstndiger ^nellenangabe gestattet. 69. Versammlung der Gesellschaft deutscher Naturforscher und Aerzte zu Braunschweig Ende September 1897 + ). J. Oi'th; Medicinischcr Unterricht und rztliche Praxis. In dem Vortrage des Herrn Orth handelt es sich wesentlich um die Aufgabe des akademischen Unter- richts, die Heranbildung junger Mediciner fr die rztliche Praxis. Will man feststellen, was der Unterricht, der fr einen bestimmten Beruf vorbereiten soll, zu leisten hat, so rnuss man sich zunchst darber klar werden, welche Anforderungen an den betreffenden Beruf gestellt werden, bezw. nach Lage der Verhltnisse gestellt werden knnen und mssen. Die Aufgabe des rztlichen Berufes ist aber die Sorge fr das krperliche Wohl der Menschen, sein Ziel die Erhaltung oder Wiederherstellung der Gesund- heit. Je nach dem .Stande unserer Kenntnisse ber die Mittel zur Erhaltung der Gesundheit, ber die Ursachen ihrer Strung und ber die Mglichkeiten, die gestrte wiederherzustellen, werden auch die Anforderungen an die praktische Thtigkeit sich ndern mssen. Es besteht gar kein Zweifel darber, dass, wie die wissenschaftliche Medicin in einen neuen Zeitabschnitt, den der Forschung nach den Ursachen der Krankheiten, eingetreten ist, so auch fr die medicinische Praxis ein Wendepunkt ge- kommen ist, wo sowohl der ffentlichen Thtigkeit der Aerzte, wie ihrer privaten Praxis neue Wege gewiesen, neue Ziele gesteckt werden. Nur zu lange ist die Medicin in erster Linie Heil- kunde und Heilkunst gewesen, deren vornehmliche Auf- gabe in der Beseitigung einer bestehenden Strung der Gesundheit gesucht wurde, von nun an muss grsseres *) Wie blich beginnen wir den Bericht ber die in den all- gemeinen Sitzungen gehaltenen Vortrge erst jetzt, da wir stets im Interesse exaeter Berichterstattung das Erscheinen der ofti- ciellen Verffentlichungen abwarten. Red. . Schmeil wies sie in den folgenden Jahren auch fr Deutschland nach und zwar fr die Um- gegend ?on Pln, Kiel und Halle. In der Provinz Brandenburg fand ich das Thier bis jetzt im Scherintzel- *) Staton nach J. Frenze! , Gegensatz von Plankton, das niclit im Wasser tr ibende; als., die Organismen des Ufers (und des Bodengnindes). \V. Bartwig. see (Buckow), im Glindower See (Werder a. 11.), im Kriensee (Rdersdorfj, im Gudelacksee (Lindow) und im Mggelsee. Im Staton des Mggelsees fand ich es vom Juni bis zum September, im Plankton desselben in den Monaten Mrz und April; danach scheint das Thier in den heimischen Gewssern das ganze Jahr hindurch vertreten zu sein. 3. Ectinosoma edwardsi (Richard): 1890. Dieser Copepode wurde von Richard zuerst in Frankreich aufgefunden und beschrieben. Da das Thier augenlos ist, glaubte Richard , es lebe unterirdisch. 0. Schmeil fand es im Maleriale des Dobersdorfer Sees bei Kiel auf. Im Jahre 189 wies ich das Thier zuerst fr unsere Provinz nach. Dazu kann ich heute vervoll- stndigend bemerken, dass es bei uns durchaus nicht selten ist und das ganze Jahr hindurch vorzukommen scheint, da ich es im Plankton des Mggelsees auch whrend der Wintermonate fand. 4. Heterocope saliens (Lilljeborg): 1863; Dieser grosse und schne Spaltfusskrebs wurde fr Deutsehland zuerst nachgewiesen durch Imhof, und zwar fr den Chiemsee in Bayern und fr den Titisee iu Baden. Ich fand das Thier im Mai 1895 auffallender Weise in einem Wiesengraben bei Char- lottenburg, der nur whrend der Frhjahrsmonate Wasser fhrt. Es ist dies sehr bemerkenswert!], da das Thier bis dabin stets nur in grsseren Gewssern gefunden wurde. 0. Zacharias fand es im Juni, Juli 1896 bei Trachenberg in Schlesien in einem Versuchsteiche. So wre dieser XIII. Nr. 5 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 49 Copepode allein fr Deutschland bis jetzt an vier Orten nachgewiesen. 5. Latona sctifera (0. F. Mller): 1776. Diese Cladocere, welche bis jetzt fr England, Skandinavien, Dnemark, Russland und Nordamerika nachgewiesen wurde, fand ich in der Mark Brandenburg whrend der letzten Jahre in drei Gewssern; es sind dies der Kalksee bei Rdersdorf, der Schwielowsee bei Werder a. H. und der fast gnzlich versumpfte Krem- mener See. 6. Pasithca rectirostris (0. F. Mller): 1785. Diese Lyncodaphnide, von welcher 0. F. Mller 1785 sagt: In aquis palustribus rara" (Entomostraca, S. 93), welche Leydig auch bloss in einigen Exem- plaren" (Dapbniden 1860, S. 201) antraf, habe ich in unserer Provinz bis heute aus mehr als einem Dutzend Gewssern in gegen 200 Stcken gesammelt, leb zhle das Thier daher zu den hufigeren Entomostraken der Heimath. 7. Alonopsis latissima Kurz (-1874). Diese zierliche Cladocere wurde bis jetzt in Bhmen, Russland und in der Schweiz gefunden, stets aber nur in wenigen Stcken. In diesem Jahre wies ich sie fr die Provinz Brandenburg nach; ich fand nmlich am 30./7. 1897 da- von ein Weibchen in dem Materiale auf, welches von Herrn Dr. W. Weltner schon am 3./8. 1887 aus einem Sumpfe bei Haiensee (Grunewald) gesammelt worden war. 8. Anchistropus emarginatus G. 0. Sars (1862). Bis zum Jahre 1896 war dieser so auffallend geformte Lynceide nur aus Norwegen und Britannien bekannt. Da fand ich am 18./8. 1896 drei Weibchen davon im Schwielowsee auf. In diesem Jahre (1897) sammelte ich am 7./8. 14 Stcke aus dem Plessower See bei Werder a. H. In der Zeit vom 26., 7. bis zum 29./9. 1897 konnte ich das Thierchen im Staton des Mggelsees nachweisen; an einigen Tagen kam es sogar recht hufig vor, da ich manchmal in einem Prparate 5 bis 10 Stcke zhlte. 9. Monospilus tenuirostris (S. Fischer): 1854. = Mon. dispar G. 0. Sars (1862). Ich fand diese Cladocere bis jetzt im Staton des Gliudower Sees (Werder;, des Schwie- lowsees (Werder), des Teupitzer Sees und in dem des Mggelsees. Was die Jahreszeit anbetrifft, in welcher das kleine, plumpe Thierchen auftritt, so konnte ich es bis heute fr die Monate April, Mai, Juli und August fest- stellen. 10. Ilyocypris bradyi G. 0. Sars (1890). = II. gibba repens Vvra (1891). = II. gibba repens Hartwig (1894). Diesen Ostracoden fand ich im August und September 1894 hufig in einer Lehmgrube bei Hermsdorf (Nordbahn). Da diese Lehmgrube seit etwa 15 16 Jahren nicht mehr ausgebeutet wird und nachdem erst voll Wasser lief, so ist die Einwanderung des Thieres daselbst auch erst jngsten Datums; es muss also, da kein Zufluss besteht, aus der nheren Umgebung eingeschleppt worden sein, mag dies nun durch Wasservgel, Wasser- kfer oder auf andere Weise geschehen sein. Ueber- gnge von Ilyocypris gibba repens nach II. gibba fand ich entgegen dem Befunde von Croneberg (Ostra- codenfauna der Umgegend von Moskau", S. 14) nicht, obwohl ich nicht wenige von meinen etwa 200 Stcken genau untersuchte. Ich halte daher II. bradyi G. 0. Sars fr eine gute Species. 11. Darwinula stevensoni Brady and Rob. (1889). Am 10./6. 1896 fand ich diesen lebendiggebrenden Muschelkrebs das erste Mal in der Provinz auf, und zwar im Schwielowsee. Nachdem habe ich ihn berall im Spree- und Havelgebiet nachgewiesen bis nach Rdersdorf hinauf. In diesem Jahre "fand ich ihn auch im Kremmener See. Der Jahreszeit nach er- beutete ich das Thier vom Mai bis zum September. Wegen seiner weissen Farbe mit Perlmutterglanz ist es leicht auch aus grsseren Schlammmassen auszulesen, zumal es durchschnittlich eine Grsse von 0,8 mm erreicht. Es kommt in unserer Provinz nur limieol vor. 12. Cythe- ridea lacustris (G. O. Sars): 1862. Dieser Muschel- krebs wurde bis heute auf den Britischen Inseln, in Skan- dinavien, in der Schweiz und in Salzburg gefunden. Als Bewohner der Mark entdeckte ich das Thier 1896 im Zenssee bei Lychen in einer Tiefe von 25 Metern. Am 26./7. 1897 fand ich es bei einer Tiefe von 30 Metern im Mohriner See (Neumark). Verwunderung erregte es bei mir jedoch, als ich am ./8. 1897 das Thier im seichten Kremmener See bei einer Wassertiefe von kaum 2 Metern fand. Es ist also nicht zutreffend, dass dieser Ostracode, wie bis jetzt meist angenommen wurde, ein ausschliess- licher Tiefenbewohner ist. -- 13. Limnicythere inopi- nata (Baird): 1850. = Linm. iueisa Dahl (1888). Ich fand in unserer Provinz sowohl die typische Form L. in- opinata wie Kaufmann (Schweiz. Cytheriden") sie be- schreibt und abbildet , sowie auch die Form L. incisa Dabl (Cyther. der westl. Ostsee'). Ich halte beide Formen, wie ich schon in der Brandenburgia" 1896 be- merkte, specitisch nicht fr verschieden. Nachdem ich auf diesen limicolen Muschelkrebs erst aufmerksam ge- worden war, fand ich ihn von Anfang Mai bis Ende September in tast allen unseren grsseren Gewssern und zwar sowohl vadal*), wie auch limuetisch. 14. Lim- nicythere saneti-patrieii Brady and Rob. (1869). Diese Art wurde auf dem europischen Festlande bis jetzt in Norwegen, in der Schweiz und in Salzburg gefunden. In unserer Provinz stellte ich sie in den letzten Jahren fest fr: Schwielowsee, Glindower See, Kalksee (Rders- dorf), Zenssee (Lychen), Kremmener See und Mggelsee. Auch dieser Muschelkrebs ist kein ausschliesslicher Tiefen- bewobuer, da ich ihn im Kremmener See und Schwielow- see bei kaum 1 m Tiefe auffand. 15. Lymnicythere relicta (Lilljeborg): 1862 = Limn. relicta Kaufmann (1896). Dieser Ostracode wurde bis jetzt nur in Schweden und in der Schweiz aufgefunden. Ich fand ihn am 15./4. 1897 vadal -im Schwielowsee in einer Tiefe von nur 0,75 m. **). A. Kaufmann fand Cytheriden (die Gat- tungen Cytheridea und Limnicythere) nie littoral". Das Autfinden dieser Species in der Mark ist nicht -ohne Be- deutung in zoogeographischer Hinsicht, da ihr Auftreten in dem weit auseinander liegenden Schweden und der Schweiz nun nicht mehr ein so unvermitteltes ist. Wir werden sicher zwischen Brandenburg und der Schweiz noch andere - sdlichere Gewsser finden, welche das Thier beherbergen; freilich wird dies kaum durch gelegentliches Fischen, sondern nur durch ausdauerndes systematisches Suchen geschehen knnen. W. Hartwig (Berlin). Experimentelle Untersuchungen an einheimischen Grossschmetterlins'eii. Seit Darwin im Jahre 1859 den Gedanken einer Abstammung und Blutsverwandt- schaft aller Organismen von Neuem belebte und be- grndete, ist die Frage nach der Entstehung und Um- wandlung der Thier- und Pflanzenarten in den Vorder- grund des Interesses getreten. Fast alle Disciplinen der Biologie sind zur Losung dieses Problems herangezogen worden. Es ist hier nicht der Ort, von den glnzenden Resultaten zu sprechen, die die vergleichend-morphologi- sche, geologische und zoogeographische Forschung in dieser Richtung zu verzeichnen hat; wir wollen im Folgenden ein Stck eines anderen Weges nher kennen lernen, der mit nicht geringerem Erfolg betreten worden ist. *) vadal nach .1. Frenzel fr dann besser allein fr das Meeresufer. **) Auffallender Weise an einer Stelle. Limnicythere inopinata fand. litoral; es bleibt .litoral W. Hartwig, wo ich frher stets nur W. Hartwig. 50 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. XIII. Nr. Schon Darwin hatte klar erkannt, dass die bis ins graue Alterthum zurckreichenden Zchtungen der Haus- thiere und Culturpflanzen zwar ein usserst werthvolles Material fr descendenztheoretisclie Fragen darstellen, dass aber erst nach rein wissenschaftlichen Gesichts- punkten und in grossem Massstabe angelegte Zucht- versuche uns einen tieferen Einblick in die Werkstatt der Natur gewhren. Es giebt wohl kaum eine Thiergruppe, die sich fr diese experimentellen Zwecke besser eignete als das leichtbeschwingte, daseinsflchtige Geschlecht der Falter. Sie sind in Massen leicht zu beschatten, ihre meist lngere Zeit beanspruchende Metamorphose vom Ei bis zur platzenden Puppe gestattet es, die Versuche auf alle einzelnen Entwickelungsstadien auszudehnen, und die im farbenprchtigen Kleid des ausgeschlpften Geschlechts- thieres unverhllt zu Tage tretenden Artcharaktere sind in ihren knstlich hervorgerufenen Umwandlungen mehrere Generationen hintereinander direct zu verfolgen. Eine umfassende Darstellung dieses ebenso interessanten als schwierigen Gebietes verdanken wir in neuester Zeit einem in Zrich lebenden Gelehrten, Standfuss*), der auf Grund seiner und seines greisen Vaters**) vereinter 80 jhriger Er- fahrung ebenso eingehend und klar die wissenschaftlichen Resultate der beobachtenden und experimentellen Schmetter- lingskunde, als die mannigfachen praktischen Bedrfnisse des Sammlers im Zusammenhang dargelegt hat. Ueber den Gesammtinhalt des Werkes und einige specielle Resultate ist dem Leser der Naturw. Wochenschrift" bereits frher berichtet worden (XI. Bd., No. 40, S. 481). Ein Punkt aber, den der Berichterstatter damals nur kurz hat streifen knnen, ist werth, aus der Flle der wissenschaftlichen Resultate besonders hervorgehoben zu werden. Er betrifft, neben den Bastardirungs- Versuchen, die- jenigen experimentellen Untersuchungen, die sich mit dem Einfluss der usseren Umgebung auf die Charaktere des Falters beschftigen. Es haben sich hier hochinteressante Baralleleu zwischen den knstlich geschaffenen Be- dingungen des Experiments und den Verhltnisen in der freien Natur ergeben. Eine kurze, zusammenfassende Darstellung dieser vom Autor in die verschiedensten Kapitel seines Werkes eingeflochtenen, oft mit weiter abfhrenden Gedankengngen verknpften Resultate wird deshalb nicht unwillkommen sein. Bereits Linne sah in der gelegentlichen Paarung zwischen Individuen verschiedener Arten (Hybridation, Kreuzung) eine Quelle fr die Entstehung einer neuen Art. Was speeiell unsere Falter betrifft, so drfen wir als feststehend betrachten, dass durch Kreuzung bis jetzt schon 24 verschiedene Bastarde gezchtet worden sind. Dass es bei allen brigen Versuchen nicht mglich war, aus der Paarung verschiedener Artgenossen Nachkommen- schaft zu erzielen, hat seineu Grund theils darin, dass die Begattungsorgane der beiden Arten zu verschieden sind, als dass die Paarung normal verlaufen knnte, theils darin, dass wohl feinere, in der geweblichen oder molecularen Structur des Eies und der Sainentden be grndete Schwierigkeiten einer Befruchtung oder einer Weiterentwickelung des befruchteten Eies im Wege stehen. Um so werthvoller sind uns die Resultate eines glcklich gelungenen Kreuzungsversuchs. Allgemein be- kannt ist ja, dass die so entstehenden Bastarde (= Hy- briden erster Ordnung) Zwischenformen der Eltern dar- stellen, die bald mehr dein Vater, bald mehr der Mutter hneln. Auffallend sind aber die physiologischen Ver- schiedenheiten der mnnlichen und weiblichen Bastarde: *) Handbuch der palaearktischen Grossschmetterlinge fr Forscher and Sammh r. '_'. Auflage. 1896. Verlag von Gustav I i her i i) Jena Mit 8 lithographischen Tafeln und Textfiguren. **) Er starb 87 Jahr. alt am 0. October 1897. die Weibchen sind vollkommen unfruchtbar; nur ein einziges Mal kam es berhaupt zur Ablage von Eiern, kleiner, verkrppelter Gebilde, die sich nicht weiter ent- wickelten. Ob das auch fr die iu der Natur gefundenen Bastarde gilt, ist experimentell noch nicht entschieden worden. Die Bastard man neben dagegen bilden zeugungs- fhigen Samen, der in einem Fall sowohl mit den Eiern jeder der beiden Grundarten, als mit denen einer dritten Art lebenskrftige (und vielleicht in sich fortpflanzungs- fhige!) Nachkommen (= Hybriden zweiter Ordnung) er- gab: So ging der 6 Bastard von Saturnia pavonia L. 6 und S. spini Schiff. 9 nicht nur mit den Weibchen dieser beiden Grundarten, sondern auch mit denen von S. pyri Schiff, erfolgreiche Paarung ein. In diesem letzteren Fall gelang es also dem Experimentator, eine neue Form zu zchten, an deren Aufbau alle drei Nachtpfauenaugen betheiligt sind! Die Frage liegt nahe, ob des Formenreichthums der Falter auch in der freien Natur zu Stande kommen kann. Ein Hinderniss scheint in der oft weitgehenden Specialisirung des Geschlechts- lebens der einzelnen Art gegeben zu sein: der Duft, den die Weibchen ausstrmen, ist bei den verschiedenen Arten meist so verschieden, dass die durch ihn angelockten Mnnchen immer nur zu den Weibchen ihrer Art gefhrt, von denen der anderen Arten dagegen nicht gereizt werden. Eine Kreuzung ist daher wie Beobachtungen gezeigt haben nur dann zu erwarten, wenn das paarungslustige, von seinem Rivalen geschlagene Mnnchen in verliebter Raserei mit einem beliebigen Weibchen einer anderen Art sich begattet. Wir drfen annehmen, dass es unter gnstigen Umstnden, wenn die Gatten eine gleiche Vermehrung verwandten Arten angehren, auch zur Entstehung nahe einer Bastardform kommt, deren Mnnchen mit den Weibchen der Stammformen oder wenigstens einer der Stammformen eine fortpflanzungsfhige Nachkommenschaft zu erzeugen im Stande ist. Von allgemeinem Interesse sind die Gesetzmssig- keiten, die ein eingehender Vergleich der Bastarde unter sich und mit den Ursprungs- Arten ergeben hat: Zunchst hat eine eingehende Vergleichung der Raupen- und Puppenformen der 3 Nachtpfauenaugen, die sehr ver- schiedenen Grade einer Schutzbildmig gegen feindliche Angriffe erkennen lassen, zu der Ueberzeugung gefhrt, dass von den 3 Arten S. spini zuerst im Laufe der Erd- geschichte entstand, dass S. pavonia jnger, S. pyri die jngste, zuletzt entstandene Form ist. Die Hybriden erster und zweiter Ordnung haben nun gezeigt, dass jedesmal die phylogenetisch ltere Form ihre physiogno- mischen und biologischen Eigenschaften (Frbung, Flug- und Paarungszeit) in strkerem Grade auf die Bastarde bertrgt als die jngere Form. Neben diesem ber- raschenden Kausalzusammenhang zwischen den Bastard- Charakteren und der Stammesgeschichte der beiden Eltern-Arten hat die Untersuchung auch ergeben, dass der Vater dem Bastard seine Eigenschaften strker aufprgt als die Mutter. Aus der Wechselwirkung dieser beiden Gesetzmssigkeiten resultirt in erster Linie der Gesammt- charakter der Bastardform, Wir drfen annehmen, dass in gleicher Richtung angestellte Untersuchungen auch fr allgemeine Probleme der thierischen Entwickelung einst von Bedeutung sein werden. Besonders klar in der Reaktion sind die Tem- peratur-Experimente. Bemerkenswert!,, auch weil sie auf einzelne in der Natur beobachtete Erscheinungen ein erklrendes Licht werfen, sind zunchst die Versuche ber den Kintluss der Temperaturverhltnisse whrend der Puppenzeit auf die Fortpflanzungsfhigkeit des ausschlpfenden Falters. Wenn wir z. B. in der XIII. Nr. 5. Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 51 Entwiekelung begriffene Puppen des grossen Nachtpfauen- auges (Saturnia pyri Schiff.) durch eine lnger andauernde Erniedrigung der Temperatur auf -+- 3 bis -2 C. in ihrer Entwiekelung verzgern, oder durch Erhhung auf -H 25 bis 35 C. beschleunigen, so werden uns die aus- kriechenden Falter, auch wenn sie sich begatten, keine Nachkommenschaft liefern. Auf hnliche Ursachen wird es zurckzufhren sein, dass die in der Natur nach kurzer Puppenzeit im Herbst auskriechende Generation des Todtenkopfes (Acherontia atropos L.) und des Windigs (Sphinx convolvuli L.) unfruchtbar ist. Einen eklatanten und durch Messungen exact zu be- stimmenden Einfluss ben ferner die Temperaturverhlt- nisse whrend des Ei-, Raupen- und Puppenlebens auf die Grsse des Falters aus. Zwei Arten der Gattung Lasiocampa, die Feuerglucke (L. pruni L.) und der Kiefernspinner (L. pini L.) sind in dieser Hinsicht sehr lehrreich. Normalerweise bringen die Raupen beider Arten die kalte Jahreszeit im Winterschlafe zu. Wenn wir ihnen aber im warmen Zimmer eine behagliche Existenz schaffen, wachsen sie munter zur Puppe und zum Falter heran. Das Experiment wird nun dadurch ein- geleitet, dass wir die Rupchen schon vom Ei ab in einer Temperatur sich entwickeln lassen, die nher ist als die fr das Auswachsen der frei lebende.: aupe nothwendige Frhlings- und Sommerwrme, Darauf erhalten wir folgende, auf den ersten Blick einander widersprechende Resultate : Whrend die Raupen von L. pruni L. in ihren warmen Brutksten zu Faltern heranwachsen, deren Spann- weite kleiner ist als das Normalmaass der Art es er- fordert, bertreffen die Falter von L. pini L. in der Flgelweite ihre freilebenden Artgenossen um ein Be- trchtliches. Dieser Widerspruch lst sich aber in ein- facher nnd fr die Frage nach der Entstehung gewisser Schmetterlings-Arten sehr lehrreicher Weise, wenn wir er- fahren, dass im ersten Fall (L. pruni) die Erhhung der Temperatur die Entwiekelung des Falters beschleunigt, die Frass- und Wachsthumsperiode des Raupenlebens daher entsprechend verkrzt hat, whrend im zweiten Fall (L. pini) diese Beschleunigung nicht stattfand, so dass die Raupe, durch nichts beeintrchtigt, die Vor- theile ihres bequemen und ergiebigen knstlichen Winter- aufenthaltes voll ausnutzen konnte. Dieses Experiment ist auch auf andere Formen aus- gedehnt worden; so fhrte bei L. quercifolia L. eine Er- hhung der Temperatur whrend der Entwiekelung zu einer Reduction des Krpergewichts beim ausgeschlpften Falter auf den 7. Theil des Normalen! Die Experimente zeigen klar, dass die Grsse des Falters direct von der Frasszeit der Raupe und indirect von der Temperatur der Umgebung abhngig ist. Eine grosse Anzahl systematischer und thiergeographischer Thatsachen, denen wir bisher rathlos gegenberstanden, werden durch diese Gesetzmssigkeit in ein neues Licht gerckt. Jetzt wird es uns z. B. verstndlicher, dass von den Lasiocampa-Arten der palarktischen Thierregion gerade die grssten bis ber die Breite von Petersburg (i. Mittel hier niedrige Temperatur, verlngerte Frasszeit) hinausgehen, whrend nur die kleinste Art, L. suberifolia Dup., noch au der Nordkste Afrikas (hohe Temperatur, verkrzte Frasszeit) fliegt. " Auch die verticale Ver- theilung der verschieden grossen Arten in den Ebenen und auf den Hhen der Gebirge, die im Einzelnen eben- falls usserst verwickelt ist und deshalb auch nicht summarisch beurtheilt werden darf, knnen wir jetzt in ihren Ursachen besser verstehen. Besonders deutlich zeigt sich in allen diesen Fllen, wie eine genaue Keuntniss anscheinend unbedeutender biologischer Einzel- heiten dem Verfasser eine werthvolle, zum Theil unent- behrliche Handhabe zur Lsung von Problemen gegeben hat, die weit ber die Specialfragen, in denen sie zuerst auftauchten, hinausgehend, allgemeines Interesse bean- spruchen. Wir wollen nun noch einen Ausflug in das Gebiet des lepidopterologischen Aberglaubens und Mrchens" machen, das die grosse Zahl der von den normalen ab- weichenden Falter umfasst. Indem wir die noch nicht gengend experimentell nachgeprften, mehr gelegent- lichen Beobachtungen ber den Albinismus und den Mela- nismus der Schmetterlinge bergehen, wenden wir uns zu der Erscheinung des Farben wechseis. Er besteht darin, dass einzelne Farben des typisch ausgebildeten Falterflgels gelegentlich durch andere Farben ersetzt werden. Zwei Flle seien hier hervorgehoben, in denen es gelang, die in der Natur beobachteten Abweichungen von der normalen Frbung in ihren Ursachen zu erkennen und dann knstlich wieder hervorzubringen: die Arctia fasciata Esp. zeigt in ihrer algerischen Variett (var. oberthri) wesentlich rthere Hinterttugel als die nrdliche Grundform; die letztere kann aber durch Zucht in knstlieh erhhter Temperatur in gleichem Sinne vom Experimen- tator verfrbt werden. Ebenso glcklich gelaug es im zweiten Fall, ein Mittel zur Bildung neuer Farbentne der Natur abzu- lauschen : Durch Ftterung der Raupen der sogenannten Jungfer" (Callimorpha dominula L.) mit Pflanzen, die in Kochsalzlauge eingetaucht waren, Hess sich dem Roth im Hinterflgel des Falters constant ein Stich in das charakteristische Gelb beimischen, das die in nicht allzu- grosser Entfernung von der sal/Juftdurchwehten Meeres- kste Liguriens (und anderer Mittehneerlnder) fliegenden Artgenossen auszeichnet. Neben dem soeben illustrirten Einfluss der Temperatur und der chemischen Beschaffenheit der Nahrung, deren Wirkung brigens meist stark berschtzt wird, sind bis- her keine Ursachen fr den Farbenwechsel der Schmetter- linge mit Sicherheit ermittelt worden. Mit diesem Farbenwechsel in innigem Zusammenhang steht die Entstehung verschiedener Localformen einer Art. In einem speciellen Fall hat das Experiment die wichtige Annahme besttigt, zu der schon eine kritische Vergleichung zahlreicher erwachsener Localformen gefhrt hatte, die Annahme, dass es gerade das mnnliche Ge- schlecht ist, das den Anstoss zur Bildung einer neuen Localform giebt, whrend die Weibchen das konservativere Element darstellen. Ein Theil der genannten Experimente hat recht klar gezeigt, wie ussere Einflsse eine direct umgestaltende Wirkung auf die Organisation des Falters herbeifhren knnen. Es ist leicht einzusehen, dass derartige Ver- nderungen sehr wohl den ersten Anstoss zunchst zu einer allmhlich constant werdenden Variett geben, die dann durch weitergehende Divergenz des Charakters zu einer neuen Art sich herausbildet. Das schon zu Anfang des Jahrhunderts von Lamarck und Geoffroy St. Hilaire hervorgehobene Princip eines direct umgestaltenden Ein- flusses der Aussenwelt auf den Organismus ist erst in neuerer Zeit in seiner grossen Bedeutung fr die Descen- denzfrage wieder ganz gewrdigt worden. Ein umfangreiches Kapitel hat Standfuss der erst seit dem Ende der 40 er Jahre bekannt gewordenen, von Wallace als Saisondimorphismus bezeichneten Er- scheinung gewidmet, die darin besteht, dass die aufeinander folgenden Generationen einzelner Falterarten whrend der kalten und warmen Jahreszeit ein verschiedenes Geprge zeigen. Die hier zu Tage tretenden Unterschiede betreffen die Gestalt, Grsse und Frbung des Falters. Das be- kannteste Beispiel eines derartigen Saison-Dimorphismus DZ Naturwissenschaftliche Wochenschrift. XIII. Nr. 5. der Umgebung als gestaltungen erkennen ist wohl das aus der Gattung Vanessa: Die aus ber- winterten Puppen ausschlpfende erste Generation des Gitterfalters (V. levana L.) isl im Allgemeinen braungelb gefrbt, mit schwarzen Flecken; die zweite Generation dagegen, die Sommerform (V. prorsa L.), ist durch ein von weissen Binden unterbrochenes Schwarz ausgezeichnet. Auf die zahlreichen, zur Erklrung des Saison- dimorphismus unternommenen Experimente nher einzu- gehen, ist bei der Krze des mir zugemessenen Raumes leider nicht mglich. Nur ein Experiment, dass in be sonders anschaulicher Weise die Teniperaturverhltnissc Ursache charakteristischer Um- und uns damit auch tiefer in das Verstndniss des Saisondimorphismus im Allgemeinen ein- dringen lsst, sei hier angefhrt : Wenn die Puppen des Schwalbenschwanzes (Papilio machaon L.), deren Kaupen wir im Juni bei Zrich sammeln, einer constanten Einwirkung hherer Temperatur ('61 38 C.) ausgesetzt weiden, so entwickelt sich aus ihnen direct ein Falter, wie er im Juli bei Jerusalem fliegt. Was die weitgehenden descendenztheretischen, geo- graphischen und systematischen Schlussfolgerungen be- trifft, zu denen die Erscheinungen des Saison-Dimorphismus Veranlassung geben, so mge der Leser hier auf das Original werk von Standfuss verwiesen werden. Er wird das Buch gewiss nicht aus der Hand legen, ohne dauernde Anregung zu eigner Arbeit auf diesem an sthetischen und intellektuellen Reizen so reichen Gebiete erhalten zu haben. L. S. Schnitze. Die Elitwickelung des Aals war, obwohl sich be- deutende Gelehrte darum bemht hatten, sie zu ent- hllen, und obwohl smmtliche europische Ksten an- scheinend berreiches Material boten, bis vor kurzem un- bekannt geblieben. Da gelang es in den letzten Jahren den italienischen Zoologen Grassi und Calandruccio den undurchsichtigen Schleier zu lften. Untersttzt von be- sonders gnstigen Verhltnissen in der Strasse von Messina, wo die von den Alten als Scylla und Charybdis gefluchteten Wirbelstrme regelmssig Tiefseeformcn an die Oberflche befrdern und von einem wackern Fischer der Tielsec, dem Mondfisch oder schwimmenden Kopf (Oithagnrisrus mola), erhielten sie zahlreiche Exemplare des sonst selten erbeuteten Leptocephalus brevirostris (s. Nr. 18, Bd. XII, S. 212 dieser Zeitschrift) und konnten durch Uebergangsstadien sowie durch Aufzucht im Aqua- rium die EntWickelung des Aals durch Metamorphose aus Leptocephalus brevirostris beweisen. Ihr Erfolg wurde durch Verleihung der goldenen Medaille von der Londoner Zoologischen Gesellschaft anerkannt. Nach ihrem neusten Bericht (Allgem. Fischereizeitung, Jahrg. XXII, Nr. 21 und 22' lsst sich nun der Lebenslauf des Aals folgender- maassen darstellen. Wie schoD seit lange bekannt, wandern in der Zeit von October bis Januar alljhrlich erwachsene, doch ge- schlechtlich noch unreife Aale flussabwrts ins Meer. Unter ihnen wurden seit 1780 nur Weibchen gefunden. Ins, last 100 Jahre spter, Syrski 1873 auch Mnnchen im Meere nachzuweisen vermochte. Whrend sich dann in den Thieren Ovarien und Hoden weiter ausbilden, wandelt sich der Aal auch usserlich um. Er legt ein silbernes Hochzeitskleid an, indem die gelbliche Farbe der Haut versehwindet. Dabei frbt sieb die Brustflosse dunkler, und die Augen weiden u-nisser (nach Petersen). Diese Silberaale versehwanden dann spurlos. Wie wir nun wissen, suchen sie grssere Meerestiefen auf, um dort ihre vllige Gi sreifc zu erreichen. Allerdings sind geschlechtsreife Aale bis jetzt nur au- der Strasse von Messina bekannt. Dort wurden Weibchen mit fast reifen Eiern und auch ein Mnnchen mit reifen Spermatozoon gefunden, die denen vom Conger hnlich waren. Die Thiere zeichneten sich, abgesehen von der Silberfarbe, durch auffallend grosse Augen von 910 mm Durch- messer und durch schwarzen Vorderrand der Kiemenff- nung aus. Ausserdem entdeckte Dr. Raffaele schon frher freischwimmende Eier von 2,7 mm Durchmesser ohne Ocltropfen, die von September bis Mrz auch nur spr- lich an die Oberflche gelangen. Aus ihnen entwickelte sieh ein Embryo, der nach Grassi aus anatomischen Grnden zu Leptocephalus brevirostris gehren muss. Demnach erfolgt die Ablage und Befruchtung der Eier frhestens im Juli oder August bei 13 C. in den Tiefen des Mittelmeeres. Aus diesen in grosser Tiefe schwe- benden Eiern entwickeln sich seitlich platt gedrckte, wasserhelle und durchsichtige Fischcheu mit dunklen Augen, die in der Form einem Oleanderblatt hnlich sehen. Sie erreichen in dieser Gestalt 60 77 mm Lnge und leben im Schlamm sich verkriechend am Grunde. Die Schwanzflosse ist wie bei jungen Aalen gebildet, der Unterkiefer springt wie- bei diesen zuweilen vor, doch finden sich verhltnissmssig grssere Augen und ab- weichende Bezahnung. Der Hufigkeit der Aale ent- sprechend treten sie dort in grossen Sehaaren auf, da der Magen des Mondfisches regelmssig mit ihnen erfllt ist und Grassi und Oalandrucci im Mrz 1895 mehrere Tausend Exemplare vom Scirocco an den Strand beim Faro der Meerenge von Messina geworfen fanden. Aus diesen blatthnlichen Fischchen entwickelt sich nun in 12 Monaten der junge, cylindrische Aal, wie Aufzucht im Aquarium und Beobachtung von Uebergangs- stadien beweisen. Ganz allmhlich wird der Krper des Thieres dicker, der Querschnitt weniger hoch, whrend die Larvenzhne ausfallen und After- und Rckenflosse sich durch Vorschieben nach vorn verlngern. Da die Thiere whrend der Umwandlung keine Nahrung zu sieh nehmen, verlieren sie an Umfang, sodass die Krperlnge des erwachsenen Leptocephalus von 60 77 mm bis auf 51 mm zurckgehen kann. Nachdem neue, definitive Zhne statt der ausgefallenen gebildet sind, nehmen die jungen Aale wieder Nahrung auf und beginnen von Neuem zu wachsen. Sie halten sich dann noch einige Zeit lang im Meer*) und steigen im Frhjahr, etwa 1 Jahr alt, in die Flsse hinauf, um dort weiter heranzuwachsen. Es fehlt nun noch der Nachweis des Leptocephalus brevirostris in den nordeuropisehen Meeren. Dr. Petersen, der erfahrene Leiter der dnischen biologischen Station in Frederikshavn, verniuthet, dass die Aale der Nordsee und Ostsee nach der tiefen Kinne bei Norwegen wandern, um zu laichen und ist mit neu construirten Apparaten be- mht, dort ihre Larven zu suchen. Hoffentlich gelingt es ihm, dieselben zu finden und so die letzten Zweifel an der Entdeckung der italienischen Gelehrten zu beseitigen. Vanhoffen. Leber chemisch inactive Elemente. -- Da die Ele- mente, Wasserstoff als Einheit ausgenommen, durchweg mit Krften oder Valenzen wirken, die nicht ihren Atom- gewichten proportional sind, so zog ich**) daraus auf Grund *) Bei der Nordseefahrt zur quantitativen Bestimmung der in der Nordsee treibenden Fischeier fingen pstein und ich im Mrz 189.3 einen jungen, glashellen Aal mit dem Planktonnetz an einer als SiLver Pit bekannten, tiefen Stell,, der Nordsee, und im Winter luden gelegentlich junge Aale (Montee) im Kieler Hafen in Klumpen von Miesmuscheln gefunden. **) Das Parallelogramm der Krfte als Grundlage des periodi- schen Systems in'der Chemie (Zrich, 1896, Verlag von E. Sp idel, Ae.elein. I\ih teeh. I im- h ha in 1 1 . 1. 1.. anorg. l'ii. 14. 164 ii. 374; 15 281. - Diese Zeitschrift Band XII. N. 1. XIII. Nr. 5. Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 53 des Satzes vom Parallelogramme der Krfte den Schluss: 1. dass die Atome unter bestimmten Winkeln in Reaction treten, so dass die Valenz nur den Werth der Componente angiebt, die das Atom in die resultirende Verbindung in der Richtung der Molecularbewegung liefert; 2. dass die Valenz (v) eines Elementes gleich dem Atomgewichte () mal dem Cosinus des Winkels (y), unter dem das Atom in Verbindung tritt: v = a cos ip*). Dieser Winkel wird einerseits von der Richtung, in der das Atom innerhalb des Molecls schwingt, ander- seits von der Richtung, in der das Molecl selbst schwingt, gebildet. Fr y = 90 cos y = t;=.0 = d. h. wenn ein Atom senkrecht zu den Molecular- bewegungen, die bei Gasen vorzglich aus longitudiualen Schwingungen bestehen, also transversal schwingt, so hat es keine Valenz, somit auch keine Affinitt und kann eo ipso keine chemischen Verbindungen eingehen. Meine Valenztheorie sagt also die Existenz von Ele- menten voraus, die keine chemischen Verbindungen ein- zugehen vermgen, weil ihre Atome vorzglich transversale Schwingungen ausfhren. Dies trifft thatschlich zu, denn ein solches Element ist zweifelsohne der kosmische Aether, der, wie bekannt, keine chemischen Verbindungen eingeht und transversale Schwingungen ausfhrt. Ausser- dem sind in neuerer Zeit die chemisch inactiven Elemente Argon und Helium entdeckt worden. Wenn es bis jetzt trotz eifriger Bemhungen nicht gelungen ist, Argon und Helium in chemische Verbindungen einzufhren, so wird nach meiner Valenztheorie der Grund darin liegen, dass ihre Atome vorzglich transversale Schwingungen auszu- fhren vermgen, die diese Elemente in nahe Beziehung zum kosmischen Aether bringen, vielleicht als Con- densationsproduete desselben, von verschiedenem Grade, erscheinen lassen. Es ist wichtig, dies festzustellen, denn weiss man ein- mal den Grund der Inactivitt von Argon und Helium, so kann man auch eher die Mittel finden, um dieselben activ zu machen. Erfahrungsgemss besitzen die Atome eines Elementes zu einander eine kleinere Affinitt als zu anderen Atomen, worauf ja die grssere Affinitt der Elemente in statu nascendi (im Entstehungszustande) beruht. Wenn also die Atome eines Elementes gar keine Affinitt zu anderen Atomen zeigen, so knnen sie auch keine Affinitt zu ein- ander besitzen. Daraus folgt, dass die inactiven Elemente einatomig sein mssen. Dies stimmt ebenfalls mit Allem, was wir bis jetzt von Argon und Helium wissen. Dr. Joachim Sperber in Zrich. Aus dem wissenschaftlichen Leben. Ernannt wurden: Der ordentliche Professor der Chomie in Berlin Dr. Emil F i s c h e r zum Geh. Reg.-Rath ; der Privatdocent der Irrenheilkunde in Zrich Dr. EugenBleuler zum ordentlichen Pro- fessor; der ausserordentliche Professor der praktischen Geometrie an der technischen Hochschule in Lemberg Widt zum ordent- lichen Professor; der Lehrer der Anatomie in Oxford, Prof. Ray Lankester zum Professor der Physiologie an der Royal Insti- tution" in London; Miss Dr. Julia Snow zum Docenten der Botanik an der University of Michigan. Niedergelegt hat sein Amt: Der Professor der Physiologie an der Royal Institution" in London Waller. *) Dabei sind rechtwinklige Componenten vorausgesetzt, wie solche in der Natur sich hufig von selbst bilden. Es starben: Der Chemiker Dr. Eduard Wiederhold in Kassel; der Professor der Pdagogik Dr. Pf leiderer in Kron- thal bei Stuttgart; der Botaniker Jean Linden in Brssel; der englische Mechaniker Joseph Warren Zambra. Die Regierung der Sd- Afrikanischen Republik hat in Pretoria eine geologische Landesaufnahme ins Leben gerufen und den Prof. Dr. G. A. F. Molengraaf mit der Aus- fhrung und Leitung derselben betraut. Den gesetzlichen Bestimmungen ist zu entnehmen: Die Sd- Afrikanische Republik wird durch oder unter Fhrung des Staatsgeologen aufgenommen und die Resultate werden mittels Jahresberichten, Abhandlungen und Karten verffentlicht werden. Mit der Landesaufnahme wird verbunden werden: a) ein ffentliches Museum von Mineralien und Gesteinen, in welchem die Sd-Afrikanischen Vorkommnisse eine besondere Bercksichtigung finden werden; b) ein Labo- ratorium, in welchem die Sammlungen wissenschaftlich bearbeitet werden; c) eine Bibliothek von Fachlitteratur, in welcher die Speciallitteratur und das Kartenmaterial ber Sd-Afrika mglichst vollstndig vertreten sein werden. L i 1 1 e r a t u r. H. Potonie, Die Metamorphose der Pflanzen im Lichte palaeon- tologischer Thatsachen. Nach einem Vortrag gehalten in Berlin am 8. Oetober 1897 vor dem cultusministeriellen VII. natur- wissenschaftlichen Feriencursus fr Lehrer an hheren Schulon. Mit 14 Figuren. Berlin, Ferd. Dmmlers Verlagsbuchhandlung. 1898. Preis 1 M. Das Heft bringt den Abdruck des den Lesern bereits bekannten in der Naturw. Wochenschr." XII, No. 51, S. 608 ff. erschienenen Aufsatzes des Verfassers; nur einige wenige unwesentliche Zu- stze werden in der Sonderausgabe beigegeben, ausserdem aber ein Vorwort, dem wir das Folgende entnehmen. Der Gegenstand, den die folgenden Zeilen behandeln heisst es beschftigt den Verfasser nunmehr, er kann wohl sagen, schon zwei Jahrzehnte. Als er im Jahre 1880 am Knigl. botanischen Garten und Museum in Berlin eintrat, hatte der auf dem morphologischen Gebiet so hervorragend thtige und bezg- lich der Einzelthatsachen dieser Disciplin so ausgezeichnet be- wanderte A . W. E i c h 1 e r die Direction der genannten Institute inne. Die vorausgehende Berhrung des Verfassers mit dem Vorgnger Eichlers, mit Alexander Braun, hat nicht minder dazu bei- getragen, die Gedanken auf den Versuch einer zeitgemssen Lsung der morphologischen Probleme zu lenken. Auf der Basis, auf der die beiden genannten Gelehrten standen, hat sich ein allseitig befrie- digendes System der botanischen Morphologie nicht errichten lassen, wie der Zerfall in mehrere morphologische Schulen, vor Allem die Abtrennung der Sachs-Goebel'schen von der Goethe-Braun- schen Schule gelehrt hat. In der That ist denn auch die Grund- lage der Goethe-Braun'schen Morphologie keineswegs eine ge- ngend exaete und klare, und die Anschauungen, die sie frderte, sind demgemss widerspruchsvoll. In mndlichen Unterhaltungen hat der Verf. wiederholt darauf hingewiesen; gern erinnert er sich diesbezglich der fast stets an die Frage nach der Mglichkeit spitzenstndiger Bltter" anknpfenden, kleinen Discutationen, die sich mit Eichler wiederholt entspannen. Eichler, dessen erste wissenschaftliche Arbeit sich mit der Entwickelungsgeschichte des Blattes beschftigt, war allerdings und psychologisch begreiflich nicht derart zu berzeugen, dass er nunmehr die Goethe- Braun 'sehe Betrachtungsweise aufgegeben htte ; aber es ist doch von besonderem Interesse, dass er immer wieder auf die Sache zurckkam: es bedurfte nur eines geringen Anlasses, um die Gedanken immer wieder auf die Begriffsbestimmung des Blattes" zu lenken, sodass wenigstens soviel hervorgeht, dass ihm durch die Opposition eine Vitaldifferenz" gesetzt worden war, die freilich einen definitiven Ausgleich bei ihm noch nicht ge- funden hat. Hierbei ist allerdings nicht zu vergessen, dass dio Gewohnheit in einer bestimmten Richtung zu denken um so un- berwindlicher wird, je lnger und intensiver diese Gewohnheit Besitz ergriffen hat. Und dann noch eins: damals vermochte ich wohl fundamentale Schwchen in der Behandlung der botanischen Morphologie zu erkennen, zu der Einsicht aber, wie nun das uothwendig werdende, neue System dieser Disciplin ungefhr aus- sehen msste, war noch eine ziemliche Strecke, die fr mich erst durch eine lange Beschftigung mit Pflanzenpalaeontologie ber- wunden wurde." Es sei die Gelegenheit benutzt, an dieser Stelle einen die nothwendig werdende neue Terminologie betreffenden Zusatz zu machen. Ueber den Gegenstand hat P. in der Sitzung vom 21. Dec. 1897 der Gesellschaft naturforschender Freunde zu Berlin" einen Vortrag gehalten, in deren Verffentlichungen (Sitzungs- berichte S. 183 ff.) er, einem Vorschlag dos Herrn Geh. R. Prof. Fr. Eilhard Schulze folgend den Ausdruck Trophosporosom einfhrt als morphologischen Terminus fr den Krper derjenigen 54 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. XIII. Nr. 5. Pflanzen, bei denen eine Arbeitsteilung in ernhrende und der Fortpflanzung dienende, besonders individualisirte Organe noch nicht stattgefunden hat; fr die bisher vom Verf. gebrauchten Ausdrcke Assimilations- resp. Laub-Sporophyll wird der Be- zeichnung Trophosporosom entsprechend Troph osporo- 1> hyll " eingefhrt. Dr. O. Warburg, Die Muskatnuss, ihre Geschichte, Botanik, Kultur, Handel und Verwerthung sowie ihre Verflschung und Surrogate. Zugleich ein Beitrag zur Kulturgeschichte der Bauda-Inseln. Mit 3 Heliogravren, 4 lithographischen Tafeln, 1 Karte und 12 Abbildungen im Text. 628 Seiten. Willi. Engelmann, Leipzig 1897. Preis 20 M. So erfreulich es ist, ein recht inhaltreiches Buch zur Hand zu nehmen, und je lieber sich ein Leser in ein Buch vertieft, und je weniger gern er es bei Seite legt, um so schwieriger ist es fr einen Referenten, eine Besprechung zu liefern, die ihrem Zweck ent- spricht, einen Ueberblick zu geben ber den Inhalt und den Werth einer Arbeit. Und so ist es hier. Wollte man auch nur den In- halt der einzelnen Kapitel mit kurzen Worten streifen, so ginge das bei weitem ber den Rahmen einer Besprechung hinaus. Zum ersten Mal rinden wir alles das zusammengestellt, was an Wissens- wcrthem ber die Muskatnuss, d. h. ber die als Muskatnsse in den Handel gebrachten Arten der Gattung Myristica bisher be- kannt geworden ist. In jahrelanger Arbeit hat Verfasser alle ihm nur irgend zugnglichen Quellen ausgezogen und sogar die mhe- vollen und den meisten Naturwissenschaftlern fremden philologisch- historischen Studien nicht gescheut, um seinen Zweck so voll- kommen wie mglich zu erreichen. Verf. betrachtet es als hchst unwahrscheinlich, dass die Griechen und Rmer die Muskatnuss gekannt haben, indem er nachweist, dass die bei den Schriftstellern des Alterthums vor- kommende, als Muskatnsse gedeuteten Namen von Gewrzen entweder ganz andere Droguen bezeichneten oder gnzlich unauf- geklrt sind. In Asien scheinen die Chinesen die ersten Abnehmer der molukkischen Gewrze gewesen zu sein, die sie an vorder- oder hinterindischen Pltzen einhandelten, wie auch der Handel nach den Kulturstaaten des Mittelmeergebietes augenscheinlich bis Ende des Mittelalters von Vorderindien aus vermittelt worden ist. Ob im 6. Jahrhundert die Muskatnuss in Europa bekannt war, erscheint unsicher, im 9. war sie am Mittelmeer sicher schon weit bekannt, auch unterschied man damals schon richtig die Macis (der Arillus des Samens), die harte Samenschale und den Kern der Nuss. Erst am Ende des 11. Jahrhunderts finden wir die Muskatnuss im Abendlande erwhnt In grosser Ausfhrlich- keit folgt die ganze Geschichte der Muskatnuss und der Ent- deckung und Bereisung ihrer Heimathinseln. Auch in der Poesie spielt die Muskatnuss bei ihrer Kostbarkeit eine grosse Rolle; zuerst im Parcival des Wolfram von Eschenbach im Anfang des 13. Jahrhunderts. Die historische Entwicklung der Namen fr die Macis und die Muskatnuss bilden die Schlusskapitel dieses rsten, so hochinteressanten Abschnittes. Im zweiten Abschnitt Productionsgebiet der Muskatnsse und Macis" folgt eine genaue Geschichte und Beschreibung der Bandainseln und ihrer Bevlke- rung als des Hauptproductiousgebietes der Muskatnsse. An der Hand der Geschichte des Landes wird die Art der Gewinnung und Ausfuhr und die mannigfachen Geschicke, die der Handel mit der Muskatnuss und der Macis erlitten, geschildert und als Anhang die Geschichte der Kulturen in den Tropen der alten und neuen Welt, mit Angabe ihrer Erfolge beschrieben und eine tabellarische Uebersicht der Gesammtproduction an Muskatnssen und Macis gegeben. Mit grosser Exactheit ist der botanische Theil durchgefhrt; in ihm wird naturgemBS der Beschreibung der echten Muskatnuss (Myristica fragrans) der grsste Raum gewidmet, obgleich auch den brigen Formen, die ebenfalls auf der beigegebenen Tafel ab- gebildet sind, in ausgiebiger Weise gedacht wird. Der IV. Ab- schnitt ist der Kultur der Muskatnuss gewidmet, der Boden und die klimatischen Bedingungen werden besprochen, dann das Leben des Baumes von der Anzucht bis zur Blthe und Fruchtreife ver- folgt und schliesslich die bei der Ernte gebruchlichen Manipula- tion! ii (durch einigeAbbildungen von Gerthen erlutert), geschildert. Von dem Handel mit der Muskatnuss und der Macis handelt der V. Abschnitt. Die Handelssorten beider Objecto werden auf- gefhrt, die Handelswege und Handelscentren angegeben, und nachdem die Verflschungen der Muskatnuss und Macis und ihre Surrogate, sowie deren Herkunft und Abstammung (mit Abbil- dungen) besprochen worden Bind, schliesst der Abschnitt mit einem Anhang ber Preistabellen der Muskatnsse und Macis", in dem wir die Werthverhltnisse seit dem 12. Jahrhundert bis auf unsere Page angegeben 6nden: VI. Unter den Nebeuproducten der Mnskatkultur, deren Handel und Geschichte nimmt die Muskat- tmtter, die meist aus zerbrochenen und wurmstichigen Nssen her- gestellt wird, die erste Stelle ein, weiter das Muskatnuss- und das.MaciSl, von denen das letztere bei weitem das werthvollore ist, die candirten und in Essig oder Salz eingelegten Consorven. Grosses allgemeines Interesse beansprucht auch der VII. Abschnitt ber die Verwendung der Producte des Muskatnussbaumes" als Aroma, als Arzneimittel und als Gewrz. Auch hier finden wir alle Nachrichten aus den ltesten Zeiten bis auf die Gegenwart ber die Art der Anwendung der Muskatnsse zusammengetragen. Zum Schluss VIII betrachtet der Verf. die Aussichten der Mus- katkultur in der Zukunft", die er im Ganzen als gnstige ansieht, besonders fr den Kleinbetrieb des einzelnen Bauern, und schliess- lich giebt Verf. ein umfangreiches Verzeichniss aller ihm bekannt gewordenen Arbeiten, Aufstze und Notizen, in denen sich etwas irgendwie auf die Muskatnuss Bezgliches findet. Wir haben es bei dem vorliegenden Buch mit einer Mono- graphie im wahren Sinne des Wortes zu thun, in Verbindung mit der in den Abhandlungen der Carolinisch-Leopodinisehen Akade- mie der Naturforscher erscheinenden, rein botanischen Monographie der Myristicaceen hat Verf. wirklich alles das zusammengestellt und kritisch gesichtet, was uns bisher ber die Muskatnuss be- kannt geworden ist. Es ist das Werk nicht nur fr den Fach- mann, sondern fr jeden Gebildeten von hohem Interesse. Der Wunsch des Verf., dass seine Arbeit auch andere Autoren zu hnlichen Unternehmungen anstacheln werden, wird kaum oft in Erfllung gehen, da es den meisten zu schwierig scheinen wird, ein auf eine so grosse Zahl von gnzlich verschiedenen Gebieten menschlichen Wissens hinberspielendes Werk durchzufhren. P. Graebner. Auftreten und Bekmpfung von Rebenkrankheiten (mit Ausnahme der Reblaus) im Deutschen Reiche im Jahre 1896 vom Regierungsrath Dr. Moritz (K. Gesundheitsamt, 20 S.) Diese hchst interessante Schrift enthlt einen eingehenden Bericht ber die durch thierische*) und pflanzliche Schmarotzer, durch die Witterung und andere Einflsse am Wein in Deutschland im vorigen Jahre beobachteten Schdigungen. Wir mssen uns hier darauf beschrnken, aus dem reichen Inhalt der Arbeit einige Punkte von allgemeinerem Interesse kurz zu berhren. Die von Mitte Juli bis zum November 1896 andauernde Nsse und ver- hltnissmssige Klte hat das Reifen der Trauben natrlich sehr geschdigt. Es fehlt den Beeren die erforderliche Ssse, auch trat vielfach starke Rohfule der Beeren ein, die z. B. in Geisen- heim '/, der Ernte vernichtete. Die Qualitt des 1896er Jahr- gangs drfte berall (mit Ausnahme von Unterfranken) eine sehr geringe sein. Auch ber Hagel und wolkenbruchartige Nieder- schlge wurde vielfach geklagt. Unter den thierischen Reben- schdlingen, von denen der Bericht 16 aufzhlt, drfte der Heu- oder Sauer wurm (Conchylis ambiguella Hbn.) nach der Reblaus den grssten Schaden angerichtet haben. An der mittleren Mosel, besonders im Kreise Bernkastei, soll er an manchen Orten die Ernte um '/s bis '/ 4 geschdigt haben. Die reifen Beeren wurden am Rhein noch vielfach durch Dachse, wilde Kaninchen, Rehe und Wespen gefressen. Unter den pflanzlichen Rebenschdlingen, deren 6 erwhnt werden, zeigten sich besonders schdlich der falsche Mehlt hau (Peronospora viticola De By.) und der Mehl - thau oder Traubenschimmel (Oi'dium Tuckeri Berk.). Die Peronospora trat in allen Weinbaugebieten sehr heftig, theilweise verheerend auf. Nur die Weinberge, welche kurz vor der Blthe und nochmals nach der Blthe mit Kupfervitriolkalkbrhe be- sprengt waren, zeigten noch im October ppiges grnes Laub und lieferten reiche Ertrge. In einigen Bezirken am Rhein wurde das Bespritzen polizeilich zwangsweise angeordnet, eine nachahmenswerthe Massregel. In manchen Gegenden standen schon im September grosse Rebenbestnde entlaubt und mit halb- welken Trauben da. Das Oi'dium richtete in der Rheinprovinz, in Rheinhessen, der bairischen Pfalz etc. grossen Schaden an. Das dagegen angewendete Bestuben der Reben mit gepulvertem Schwefel w^urde durch den anhaltenden Regen sehr erschwert, oft selbst unwirksam gemacht, theilweise auch zu spt vorgenommen Von sonstigen Krankheiten wre etwa noch die Gelbsucht, die an der Obermosel und in Wrttemberg auftrat zu nennen. R. Beyer. Dr. Siegmund Gnther, ordentlicher Professor an der technischen Hochschule in Mnchen, Handbuch der Geophysik. Zweite, gnzlich umgearbeitete Auflage. Erster Band. Mit 157 Ab- bildungen. Stuttgart, Ferdinand Enke 1897. Preis 15 Mark. Das rhmlichst bekannte Werk, dessen erste Auflage 1884 erschien, ist nunmehr, vllig umgearbeitet und auf den neuesten Stand der Forschung gebracht, zur zweiten Auflage gediehen. Der Titel Lehrbuch der Geophysik" ist in dem passenderen -Handbuch der Geophysik" gendert worden. Der zweite Band soll in ungefhr einem Jahre dem eisten nachfolgen. Von anderen hnlichen Werken unterscheidet sich das vor- liegende dadurch, dass es unter Umstnden sich eingehend auf *) Ausgeschlossen ist nur die Besprechung der Reblaus, ber welche eine besondere Denkschrift ausgegeben wurde Vgl. Natur- wissenschaftliche Wochenschrift XII, Nr. 51, S. 618, 619. XIII. Nr. 5. Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 55 mathematische Deductionen einlset, wenngleich diese keineswegs etwa einen so breiten Raum einnehmen, dass die populre Dar- stellung darunter litte. Das schne Werk sei hiermit angelegentlichst empfohlen. H. Entomologisches Jahrbuch fr das Jahr 1898. VII. Jahrgang.- Kalender fr alle Insecten-Sammler auf das Jahr 1898. Heraus- gegeben unter gtiger Mitwirkung hervorragender Entomologen von Dr. Oskar Kraucher, Realschul-Oberlehrer und Director der Buchdrucker-Lehranstalt in Leipzig. Leipzig, Verlag von Frankenstein u. Wagner, 1897. 12, "250 S. mit Textfiguren und einer bunten Tafel. Preis 1,60 Mark. Der neue Band des Entomologischen Jahrbuchs entspricht ganz den Erwartungen, die wir auf Grund der frheren Jahrgnge hegen konnten. Die Einleitung bildet einen schwungvollen, in gebundener Form abgefassten Frhlingsgruss aller Entomologen von Max Fingerling. In Begleitung des gewhnlichen Ka- lenders des brgerlichen Jahres, dem sich die gebruchlichen Ka- lenderbeigaben anschlieen, finden sich fr jeden Monat Hinweise auf die Insectenerscheinungen des betreffenden Monats angegeben (Monatliche Anweisungen fr Sammler'-); hierbei sind allerdings nur die Schmetterlinge bercksichtigt. Den Schmetterlingssammlern ist damit gewiss sehr gedient; Sammler anderer Insecten sind aber benachtheiligt. Den grsseren Theil des Bandes nehmen kleinere Abhand- lungen entomologischen Inhalts ein, z. B. ein Sammelausflug nach Schillingsfrst; Betrachtungen ber Gespinste anfertigende In- secten, von Prof. Dr. Rudow; Das Fahrrad im Dienste der Entomologie, von Ernst Fge; Massenhaftes Erscheinen einiger Insectenarten, von Prof. Dr. Rudow; Die Biene als Koch und Konsument, von P. Schn feld; Welches sind die schnsten Thiere? Von J. Stephan; Tonerzeugende Schmetterlinge, Puppen und Raupen, von A. Voelschow; Varietten und Aberrationen in der Gattung Vanessa, von P. Speiser: Ueber Varietten der Tagfalter, von Th. Voss; Cardamines, Gedicht von M. Fingerling; Nachtfang der Sphingiden auf Blumen, von A H. Fassl; Bombycidae und Endromidae der Umgegend von Chemnitz und ihre Entwickelungs- geschichte von Prof. Dr. Papst; Lasiocampa populifolia var. aestiva, von Wilh. Kunkel; Caradrina ambigua, von P. Kuhlmann; Boarmia cinctaria-Variett, von J. Fuhr; Sammelberichte aus dem Jahre 1896, von R. Tietzmann; Der erste Sammeltag im Jahre 1897 (Kfer), von R. L.; Ueber die Larve von Geotrypes typhoeus, von M. Thiem; Plauderei eines Kfersammlers der Wesergegend, von Dr. A lisch; Die Sing-Cikaden, von Dr. L. Melichar; Wichtige Er- scheinungen auf dem entomologischen Bchermarkte, von Dr. 0. Krau eher. Wie man sieht, weist der Inhalt des Jahrbuches einen ziem- lichen Reichthum an mancherlei Gesichtspunkten auf, denen allein schon weitere Verbreitung unter den Entomologen zu gnnen ist. Das Jahrbuch wirkt nicht nur belehrend, sondern auch unterhaltend und erfreut zugleich durch die eingestreuten poetischen Ergsse (S. VII, 1, 7, 9, 29, 45, 119, 145, 157, 164, 195, 221) von Max Fingerling, Gustav de Rossi u. a. Herz und Gemth. Sinnige Naturbeobachtungen finden sich neben Sammelberichten; fachwissenschaftliche Fragen werden neben po- pulren behandelt. Au die Abhandlungen schliessen sich Berichte ber Ento- mologische Vereine Deutschlands, Oesterreich - Ungarns, der Schweiz und Schwedens. Eine Todtenschau" gedenkt der heim- gegangenen Entomologeu des Jahres 1897. Den Schluss bildet eine Fortsetzung des Verzeichnisses der Entomologen Europas. Bei der Durchsicht des Bchleins fllt der Mangel an Mit- theilungen ber praktische Behandlung der gesammelten Insecten, Anweisungen zum Sammeln und andere einschlagende Fragen auf, womit jngeren Insectenfreunden sicher gedient wre. Und noch einem Wunsche mchte der Herausgeber vielleicht willfahren: Beifgung leerer Bltter fr alle Tage des Jahres; denn die Insectensammler benutzen gern einen fr alle Tage des Jahres berechneten Notizkalender, um entomologische Eintragungen verschiedenster Art zu machen. Diesem Bedrfniss ist im Ento- mologischen Jahrbuch nicht gengt. Die Zahl der Abnehmer desselben wrde sich wahrscheinlich vergrssern, wenn dem be- regten Wunsch Rechnung getragen wrde. H. J. Kolbe. Gut Licht ! Jahrbuch und Almanach fr Photographen und Kunstliebhaber. Herausgegeben von Hermann Schnauss. 3. Jahrgang. Dresden-A. Verlag des Apollo" 1898. Preis geb. 1,50 M. Das trotz seiner gediegenen Ausstattung und seines Umfanges von 146 S. sowohl wie mehrerer hbscher Kunstbeilagen, wie sie in photographischen Verffentlichungen vorliegender Art blich ge- worden sind, recht billige Buch freilich von den Inseraten kommt der fette Braten" ist sehr zweckmssig zusammen- gestellt. Es bietet, abgesehen von den- -unvermeidlichen Ka- lendern, Gedanken und Aussprchen ber die Photographie, eine Sammlung praktischer Vorschriften fr den tglichen Gebrauch, Annalen und Chronik der Photographie 1897, einen Kalender der Ausstellungen und Preisausschreiben fr 1898, Beschreibungen von Neuheiten und Litteratur. Vierteljahrsschrift fr wissenschaftliche Philosophie, gegrndet von Richard Aveuarius, herausgegeben von Fr. Carstanjen und 0. Krebs. XXII. Jahrgang. Heft I. . R. Reisland in Leipzig. 1898. Preis 3 Mark. Wir machen ausnahmsweise, ohne den fertigen Band abzu- warten, in vorliegendem Falle schn auf das 1. Heft aufmerksam, weil bei der uns mehrfach aus den Leserkreisen kund ge- wordenen Neigung nach naturwissenschaftlich -philosophischen Schriften, sagen wir getrost nach Naturphilosophie, hier Gelegen- heit ist, auf eine Abhandlung aufmerksam zu machen, die solchen Bedrfnissen sehr gelegen kommen drfte. Es ist die Abhand- lung des Herrn Fr. Carstanjen Der Empiriokriticismus, zu- gleich eine Erwiderung auf W. Wundt's Aufstze Der naive und kritische Realismus'" 1 , von der in dem Heft ein Erster Ar- tikel" (S. 4595) erschienen ist. Carstanjen hat frher eine Schrift verffentlicht: Richard Avenarius' Biomechanische Grund- legung der neuen allgemeinen Erkenntnisstheorie, eine Einfhrung in die Kritik der reinen Erfahrung"", die den Versuch macht, in die dem jetzigen philosophischen Denken immer noch fern liegende, auf' naturwissenschaftlicher Basis stehende Philosophie von R. Avenarius einzufhren; der gegenwrtige Artikel, der mit grosser Geschicklichkeit und Sachkenntniss die Wundt'schen Aus- einandersetzungen kritisirt, ist nun als allgemein-verstndliche Ein- fhrung in die Philosophie von Avenarius ganz besonders geeignet. Ueberhaupt sei ausdrcklich die Vierteljahrsschrift nochmals Den- jenigen wrmstens empfohlen, die es sich angelegen sein lassen, ber ihre Specilitt hinaus das Allgemeine nicht aus dem Auge zu verlieren. P. Altum, Geh. Beg.-B, Forstakad.-Prof. Dr. Eernard, Der Vogel und sein Leben. Mnster. 4,20 M. Brenner, Dir. Leo, Spaziergnge durch das Himmelszelt. Leipzig. 6,50 M. Christ, Dr. H., Die Farnkruter der Erde. Jena. 12 M. Fischer, Dr. L., Katalog der Vgel Badens. Karlsruhe. 4M. Fricke, Prof. Dr. Bob., Hauptstze der Differential- und Integral- Rechnung, als Leitfaden zum Gebrauch bei Vorlesungen zu- sammengestellt. 3. (Schluss.-)Thl. Braunschweig. 1 M. Haeckel. Prof. Ernst, Natrliche Schpfungsgeschichte. Gemein- verstndliche wissenschaftliche Vortrge ber die Entwickelungs- Lehre im Allgemeinen und diejenige von Darwin, Goethe und Lamarck im Besonderen. Berlin. 16,50 M. Klein, Dr. Herrn. J., Astronomische Abende. Leipzig. 6,50 M Messtischbltter des preussischen Staates. 1655. Hebelerm'eer. 1875. Bramsche. 1945. Osterkappcln. 2009. Tecklenburg. 2012. Schiedehausen. 2077. Ladbergen.. 2078. Lengerich', Jn Westfalen.) 2079. Iburg. 2080. Borgholzhausen. 2081. Neuenkirchen. (Kr. Melle.) 2138. Vreden. 2139. Ottenstein. (In Westfalen.) 2141. Horstmar,. 2142. Alten- berge. 2145- Ostbevern. 2147. Bockhorst. 2148. Halle. (In Westfalen.) 2209. Stadtlohn. 2210. Koesfeld. (West.) 2216. Sassenberg. 2285. Buldern. 2288. Enniger. 2290. Wiedenbrck. 2362. Ahlen. 2435. Rhynern. 2509. Soest. 2510. Anrchte. Berlin. -HM. Bomanes, George John, Darwin und nach Darwin. Leipzig. 3,80 M. Budolf. Dr. H., Die Constitution der Materie und der Zusammen- hang zwischen ponderabler und imponderabler Materie. Berlin. 1 M. Turner, A., Das Problem der Krystallisation. Leipzig. 10 M. Inhalt: 69. Versammlung der Gesellschaft deutscher Naturforscher und Aerzte zu Braunschweig. Ueber das Vorkommen einiger seltener" Entomostraken in der Provinz Brandenburg. Experimentelle Untersuchungen an einheimischen Grossschmetterlingen. Die Eutwickelung des Aals. Ueber chemisch inactive Elemente. Aus dem wissenschaftlichen Leben. Litteratur: H. Potonie, Die Metamorphose der Pflanzen im Lichte palaeontologischer Thatsachen. Dr. O. Warburg, Die Muskatnuss, ihre Geschichte, Botanik, Kultur, Handel und Vorwerthung sowie ihre Verflschung und Surrogate. Zugleich ein Beitrag zur Kulturgeschichte der Bauda-Inseln. Auftreten und Bekmpfung von Rebenkrankheiten (mit Ausnahme der Reblaus) im Deutschen Reiche im Jahre 1896. Dr. Siegmund Gnther, Handbuch der Geophysik. Entomologisches Jahrbuch fr das Jahr 1898. Gut Licht! Vierteljahrsschrift fr wissenschaftliche Philosophie. Liste. 56 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. XIII. Nr. 5 Gewinnbetheiligung ! Bedentender Rabatt! Neues Prinzip fr Massenbeteiligung BERUH. S.0.2B. a|| j nt j ustr j e || en Internationaler Verein Unternehmungen. zur rationellen Verwerthung von Patenten. Eingetr. Genossenschaft m. b. H., Berlin. Antheile a Mk. 10. 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Nr. 6 Abonnement: Man abonnirt bei allen Buchhandlungen und Post- anstalten, wie bei der "Expedition. Der Vierteljahrspreis ist Jl 4. Bringegeld bei der Post 15 ,A extra. Postzeitungsliste Nr. 5048. fr Inserate: Die viergespaltene Petitzeile 40 J,. Grossere Auftrge ent- sprechenden Rabatt. Beilagen nach Uebereinkunft. Inseratenannahnie bei allen Annoncenbureaus wie bei der Expedition. Abdruck ist nur mit vollstndiger Quellenangabe gestattet. Die Fermentwirkung in ihrer Beziehung zum Organismus. Von Dr. med. Carl Scherk in Bad Homburg. und Das Studium der innerhalb des fermentativen Processe ausserhalb war bis in die neueste Organismus Zeit hinein keineswegs von Erfolg gekrnt. Ueberall trat das Gefhl der Unzuverlssigkeit bei den Untersuchungs- resultaten vor Augen. Es fehlte uns die Basis, auf schwankendem Boden war der Autbau nicht auszu- fuhren! Durch die epochemachenden Entdeckungen der Ge- brder Hans und Eduard Buchner, welche exact nachge- wiesen haben, dass durch frisch ausgepressten Hefe- z eilen saft eine echte alkoholische Ghrung erzeugt werden kann, hat sich der Situationsplan bedeutend zu unseren Gunsten verndert. Heutzutage knnen wir, in Folge der Buchner'schen Forschungen, die vitalistische Theorie von der Tages- ordnung getrost streichen und es ist damit zugleich ein Hauptunterschied, wie derselbe zwischen geformten und angeformten Fermenten in ihrer Wirkungsweise fest- gehalten wurde, vollkommen auszuschalten. - Ein organisirtes Ferment ist ein solches, welches die lebende Zelle whrend des Vorganges der Ghrung nicht verlsst. Ein nicht organisirtes Ferment (Enzym) wird gegen von den Zellen ausgeschieden und bt dann seine specifisehe Wirkung aus." Diese Differenz in der Wirkungsweise wird in neuesten Lehrbchern noch mit vorstehenden Worten ge- kennzeichnet und Halliburton fgt ahnungsvoll hinzu: Wahrscheinlich ist die chemische Natur des Fer- mentes in beiden Fllen nahezu dieselbe." Derselbe hebt ausserdem hervor (Chem. Physiologie und Pathologie 1893, S. 162): Wenn es bis jetzt noch nicht gelungen ist, lsliehe Fermente da nachzuweisen, wo ihre Existenz geleugnet wird, so ist das noch kein Beweis dafr, dass es nicht in Zukunft gelingen wird." da- erst den Die eminente Bedeutung der Buchner'schen Forschungs- resultate tritt uns, nach diesen Ausfhrungen des be- kannten englischen Physiologen, in hellem Lichte ent- gegen und wir mssen anerkennen, dass wir auf Grund der Buchner'schen Entdeckung der Lehre der Ferment- wir sogenannter Wirkung eine Basis darbieten knnen, auf welcher getrost weiterbauen drfen. Wir knnen den Begriff eines Fermentes resp. Enzyms nach den jngsten Forschungen dahin prcisiren, dass wir dasselbe als katabolisches Zellenproduct an- sprechen. Dasselbe kann das Resultat des animalischen oder vegetabilischen Zellenchemismus darstellen. In allen Fllen haben wir mit einer eiweisshaltigen Flssigkeit zu rechnen, welche sich durch Beimengung verschiedener anorganischer Grundstoffe kennzeichnet. So weist bekanntlich die Hefezelle einen hohen Phosphorgehalt auf, die Derivate des phosphorhaltigen Zellkernnuclein, wie dieselben im fermentativen Product der Hefezellen vertreten sind, werden demnach auch im Fermente diese eigenthmliche, anorganische Beimengung documentiren. Von welcher Bedeutung dieselbe fr die Wirkungs- weise ist, kann jeder Bierbrauer besttigen. Durch Zusatz von Phosphaten wird anerkaunter- maassen der Brauact befrdert. Im Gegensatz zu den phosphorhaltigen Nucleinen charakterisiren sich die Albumine durch Schwefelgehalt, wir finden denselben beispielsweise im Speichelsecret als Rhodankalium in den albuminosen Derivaten vertreten. Das Product der Thyroideazellen und der Zirbel- drse kennzeichnen sieh durch ihre Jodverbindungen. Das Pepsin des Magensaftes ist nur in Vereinigung mit Salz- sure wirksam, hier treten uns die Chlorverbindungen in ihrer speeifischen Bedeutung klar vor Augen. Der Pancreassaft weist einen hohen Gehalt von Natrium auf, kurz die verschiedensten Elemente sind mit 58 Naturwissenschaftliehe Wochenschrift. XIII. Nr. 6. den eiweissartigen Substanzen der Fermente und Enzyme verbunden und die specielle Function derselben werden wir nher zu beleuchten haben, wenn wir uns die fer- mentative Wirkungsweise erklren wollen. Es besteht aber noch eine andere Analogie zwischen der Wirkungsweise der geformten und der ungeformten Fermente. Sowohl die Hefezelle ist im Stande, ver- schiedene Fermente zu produciren, wie auch die organischen Zellen befhigt sind, verschiedene Enzyme zu liefern. Die Hefezelle ist im Stande ein Ferment zu pro- duciren, welches eine alkoholische Ghrung erzeugt, sie liefert aber auch ein invertireudes Ferment, und, wie M. Hahn neuerdings constatirt, ein peptonisirendes Ferment. Die Aehulichkeit mit der Wirkungsweise bestimmter animalischer Drsenzellen, so namentlich der Bauch- speicheldrse, tritt hier zu Tage, denn die Pancreaszellen liefern neben dem amylolytischen Enzym bekanntlich ein sogenanntes proteolytisches und eiu steatolytisches Enzym. Immerhin werden wir zu dem Resultat kommen, dass der Unterschied zwischen geformter und angeformter Fennentwirkung, also zwischen organisirter Ferment- wirkimg und Enzymwirkung, wie derselbe noch von vielen Forschern festgehalten wird, fallen zu lassen ist. Wir knnen, nach meiner Ansicht, in beiden Fllen getrost von einer fermentativen Wirkung" sprechen. Wenn wir andererseits die Factoren auf die Wag- schale legen, welche bei den fermentativen Processen zu bercksichtigen sind, so kommen neben der differenten Zusammensetzung der Eiweissderivate, welche durch die Beimischungen der sogenannten anorganischen Elemente bedingt ist, Flssigkeitsmenge, Temperatur und Reactions- verhltnisse in Betracht. Andererseits ist die Zusammen- setzung der passiven Substanz, welche sozusagen durch die Fermentwirkung verarbeitet werden soll, von grosser Bedeutung, wenn die Fermentwirkung von Erfolg be- gleitet sein soll. Die differente Configuration der Molecle einer Sub- stanz, welche der Fennentwirkung ausgesetzt wird, ist selbstverstndlich fr die Beurtheiluug der Wirkung eines Fermentes von eben so grossem Einfluss, als die Be- schaffenheit des Fermentes selbst. Wie ein Schlssel zum Schloss passen muss, so kann eine Fermentwirkung, nach Emil Fischers Vergleich, nur von Erfolg sein, wenn dem speeifischen Fermente auch wirklich von der zu zersetzenden passiven Substanz aus Angriffspunkte geboten werden. Namentlich ist der Fall von Bedeutung, wo es sich nicht nur um eine Spaltung, sondern um eine Oxy- dation, als Schlussact des fermentativen Processes handelt. Es wird z. B. das Verhltniss der Wasser- stoffmolecle in seiner eigenthmlichen Gruppirung den KohlenstoffmolecUlen gegenber zu bercksichtigen sein, die Uebertragung des frei gewordenen Sauerstoffs auf Kohlenstoff und die Vereinigung des frei gewordeneu Sauerstoffs mit nascirendem Wasserstoff wird von der grssten Bedeutung sein, da sie C0 2 und Wasser, bekannt- lich die Endpunkte jeden Verbrennungsprocesses liefern. Immerhin drfen wir die Lsung, Spaltung und In- vertirung bestimmter Substanzen durch Fermentwirkung nicht mit dem Schlussact des Processes der Oxydation in einem Tiegel verarbeiten. Zweifellos findet bei jeder Lsung, Spaltung und Invertirung eine Wasseraufnahme zunchst statt. Diese Hydrolyse tritt uns nicht nur bei der Lsung der Eiweiss- krper entgegen, sondern auch bei der Invertirung des Rohrzuckers in Trauben und Fruchtzucker findet be- kanntlich eine Wasseraufnahme statt. Auch die Fette weiden durch Fermente, welche hydrolytische Spaltungen hervorrufen, in Glycerin und Fettsuren gespalten. Durch diese Umwandlung werden die zu ver- arbeitenden Substanzen oxydationsfhig gemacht, denn es findet, nach Hoppe-Seylers Ausfhrungen bei der milch sauren und alkoholischen Ghrung etc. ein Freiwerden von Wasserstoff' statt. Das Wasser wird demnach durch die Fermentwirkung in seine Dissociationsproduete, d. h. in freie Wasserstoff- und Sauerstoff-Jonen zersetzt werden. Der frei gewordene Sauerstoff wird jede oxydations- fhige Substanz oxydiren. Trifft andererseits der nascirende Wasserstoff nicht mit freiem Sauerstoff zu- sammen, so nimmt er den Sauerstoff von den organischen Substanzen, d. h. er reducirt dieselben. Die Uebertragung des frei gewordenen Sauerstoffs auf Kohlenstoff wird durch die sogenannten anorganischen Beimengungen, welche im Ferment vertreten sind, be- deutend befrdert werden. In derselben Weise, wie der Eisengehalt des Haemo- globins der rothen Blutzellen die Function zu erfllen hat, den durch die Lungenblschen aus der Atmosphre ab- sorbirten Sauerstoff auf die anderen Gewebszellen zu bertragen und dadurch die intraorganen Oxydations- processe zu befrdern, so werden auch die sogenannten anorganischen Verbindungen, welche in den Fermenten vertreten sind, denselben Zwecken dienen. Auch die Reactions Verhltnisse des Mediums werden zweifellos durch die metallischen und metalloiden Grundstoffe, welche im Ferment enthalten sind, modificirt werden. Es ist bekannt, dass beispielsweise die Pancreas- enzyme nur im alkoholischen Medium wirksam sind, da- mit correspondirt auch der hohe Gehalt von Natrium- verbindungen, welche im Pancreassaft enthalten sind. Andererseits reagirt die alkoholische, weinsaure, kurz gesagt, jede echte Ghrung sauer. Geht die Ghrung in Fulniss ber, so tritt eine alkalische Reaction eiu und anderen Mikrobien wird eine Nhrflssigkeit zur Colo- nisirung geboten, welche sich in ihrer alkalischen Reaction dein Gedeihen und Sprossen der Fulnisspilze anpasst. Diese Verhltnisse treten uns klar und deutlich bei Verlauf der harnsaureu Ghrung vor Augen. Sobald die Ghruug in das Fuluissstadium bergeht, also eine alkolische Reaction hervortritt, ist der Micro- eoecus ureae nachzuweisen. Derselbe wird dagegen in einer sauer reagirenden Flssigkeit nicht gedeihen. Der Unterschied zwischen einem Ghrungs- und Fulnissprocess ist aber nicht nur in der Reactions- differenz zu suchen, sondern verschiedene Momente kommen bei diesen fermentativen Processen noch in Betracht, welche fr den Verlauf bedeutungsvoll sind. In beiden Fllen werden wir allerdings mit Wasser- aufnahme und AVasserzersetzung zu rechnen haben. Bei der Ghrung wird indess die Sauer stoff - bertragung in den Vordergrund treten, CO und Wasser werden die Verbrennungsresultate bilden, bei der Fulniss wird dagegen die Vereinigung des Wasserstoffs mit anderen Elementen dem Vorgnge sein charakteristisches Geprge verleihen. Derselbe wird sich nicht nur mit dem Stickstoff der Eiweissubstanzen zu Ammoniak, mit dem Kohlenstoff zu Sumpfgas, mit dem Sauerstoff zu Wasser, sondern auch mit dem Schwefelgehalt der Albumine und Albumosen zu Schwefelwasserstoff und zu anderen bel- riechenden Gasen verbinden. Ziehen wir in Erwgung, dass die Fulnissvorgnge im lebenden Organismus unter normalen Verhltnissen nur im Intestinaltractus beobachtet werden und das Material, welches in diesen Process hineingezogen wird, dennoch zum Aufbau der lebenden Zelle Verwendung findet, so werden wir bei der Deutung der fermentativen Vorgnge verschiedene Factoren zu bercksichtigen haben, wenn XIII. Nr. 6. Naturwissenschaftliehe Wochenschrift. 59 wir uns die Abwickelung der Gbrungs- und Fulniss- processe im lebenden Organismus klar legen wollen. Dass dieselben nicht in derselben Weise, wie im Reagenzglase verlaufen, ist bei den eomplieirten Factoren, welche im organischen Haushalte zu bercksichtigen sind, nicht zu bestreiten. Zweifellos bleibt z. B. die Annahme, ob im Orga- nismus berhaupt eine alkoholische Ghrung stattfindet. Wir wissen, dass im Organismus die Endresultate der Oxydation von Glykosen aus C0 2 und Wasser bestehen, whrend die Hefezelle bekanntlich C0 2 und Alkohol als Verbrennungsproduct liefert. Die Acten dieser interessanten Frage sind allerdings noch nicht geschlossen, und es wre nicht unmglich, dass auch im Organismus der Alkohol eine Zwischenstufe bei der Verbrennung der Glykosen darstellt, um dann sofort wieder C0. 2 und Wasser, als Schlussresultat des Oxydationsprocesses zu liefern. Wurden doch von Rajewsky (Pflgers Arch. XL, 122) zweifellos kleine Mengen von Aethyl-Alkohol in den frischen Muskeln der Kaninchen, Ochsen und Pferde auf- gefunden. Ausserdem sind diese Untersuchungen durch Bechamps Forschungen besttigt. Immerhin ist -zu erwgen, dass wir im Zelleulebeu mit normalen chemischen Affinittsgesetzen zu rechnen haben, welche allerdings durch osmotische Strmungen und differente Permeabilitt der Membranen modificirt werden. Andererseits weisen bestimmte pathologische Ver- hltnisse uns deutlich auf die Abwickelung der fermenta- tiven Processe hin, und wir erkennen aus der Bildung der unfertigen Producte, dass eine bedeutende Analogie mit den fermentativen Vorgngen im Reagenzglase vorhanden sein muss. So wissen wir beispielsweise, dass bei dem Dia- betikern die Verarbeitung der Kohlehydrate nnd Glykosen derartig pathologisch modificirt ist, dass ein Theil der gebildeten Dextrose nicht oxydabel ist. Dieselbe kann fr die Energie des Zelleuchemismus keine Verwendung finden und wird mit den Secreten als Ballast ausge- schieden. Unter normalen Verhltnissen werden im Organismus Dextrose sowohl als Laevulose, Maltose und die anderen Glykosen zu CO., und Wasser verbrannt. Jedenfalls ist die Laevulose in Folge der gnstigen MolekUlfiguratiou leichter verbrennbar, als die Dextrose. Darauf weist der Umstand hin, dass man bei Diabetikern stets nur Dextrose in den Secreten nachweisen kann. Wird nun in Folge einer fehlerhaften speeifischen Enzym- wirkung durch mangelhafte Invertirung eine Dextrose aus Kohlehydraten oder Rohrzucker gebildet, welche schwer oxydabel ist, so wird sich Zuckerkrankheit bei dem be- treuenden Individuum herausbilden. Die Ursache einer solchen mangelhaften Enzym- wirkung lsst sich auf verschiedene Factoren zurck- fhren. Es knnen die Drsenzellen, welche das speeifische Enzym liefern, degenerirt sein, es kann auch die ganze Drse funetionsunfhig gemacht werden. So haben Min- kowski und von Mering durch ihre Versuche an Hunden nachgewiesen, dass nach Exstirpation der Bauchspeichel- drse sich unter allen Umstnden Zuckerkrankheit ent- wickelt. Durch Ausschaltung dieser Drse wird das Enzym, welches die Aufgabe hat, die Kohlehydrate und Saccharosen vorschriftsmssig zu Oxydationszwecken vorzubereiten, aus- fallen, und es wird die Bildung einer inoxydableu Dextrose die Folge sein. Aber auch, wenn eine Affection der Drsennerven- bahnen vorhanden ist. wird die Innervirung der Zellen- laboratorien mangelhaft sein. Die Folge wird sein, dass der Zellenchemismus gestrt ist, und das katabolische Product desselben, das speeifische Enzym, wird in seiner Wirkung fehlerhaft sein. Darauf weisen die Diabetes- erkrankungen hin, welche nach gewaltiger Erschtterung des Nervensystems, so z. B. nach Zusammenstoss von Eisenbahnzgen, die Menschen befallen. Auch bei den hufigen Fllen von Zuckerkrankheit, wie dieselbe nach acuten Infectionskrankheiten, nach Influenza, Diphteritis etc. auftritt, mssen wir die Erkrankungsursache auf eine Schdigung der betreffenden Drsensecretionsnerveubahnen zurckfhren. Da ausser der Bauchspeicheldrse der Leberzellen- chemismus und andere Enzyme im Organismus bei der Invertirung der Saccharosen und Umwandlung der Kohle- hydrate in Betracht kommen, so sind noch verschiedene andere Ursachen fr die Entwickelung der Zuckerkrank- heit verantwortlich zu machen. Ich habe nur die Bauchspeicheldrse gewissermaassen als Paradigma vorgefhrt, um zu beweisen, dass es sich zunchst um eine mangelhafte, speeifische Enzymbildung bei der Zuckerkrankeit handelt. Durch diese fehlerhafte Enzymbildung wird eine Dextrose gebildet, welche schwerer oxydabel ist, als die unter normalen Verhltnissen entstandene Glykose. Letztere wird durch Einwirkung des sogenannten glyko- lytischen" Fermentes, welches neuerdings im Blutstrome nachgewiesen ist, zu C0. 3 und Wasser verbraunt. Die Analogie mit der alkoholischen Ghrung, wie dieselbe durch das katabolische Product der Hefezellc be- wirkt wird, liegt klar zu Tage. Die Hefezelle fhrt neben der Zymase ein inver- tirendes Ferment und der Rohrzucker wird zunchst in Dextrose und Laevulose gespalten, um dann zu C0 2 und Alkohol verbrannt zu werden. Im Organismus wird ebenfalls der Rohrzucker in rechts- und linksdrehende Glykose zerlegt werden, um dann erst dem Oxydationsprocesse unterworfen zu werden. Es wrde ber den Rahmen dieser Skizze heraus- gehen, wollten wir die Enzymwirkung in derselben Weise bei anderen Constitutionsanomalien, so in specie der Gicht und Fettsucht, hier weiter eingehend verfolgen. Hervorheben mchte ich nur noch, dass alle diese drei Krankheiten in ihren Entstehuugsursachen im engsten Zusammenhang stehen, und wir knnen diesen eigenthm- lichen Connex wiederum auf den gestrten Pancreaszellen- chemismus zurckleiten. Bei der Gicht wird es sich, in Folge fehlerhafter Enzymbildung, um eine mangelhafte Spaltung des Zell- kernnucleins handeln, welches unter normalem Verhltniss der Einwirkung des speeifischen Enzyms, des Trypsius, unterliegt. Es wird bei Strungen des Zellenchemismus in der Reihe des Abbaues der Zellkernnucleine eine pathologisch modificirte Harnsure gebildet werden, welche nicht so leicht wie die normale Harnsure zu den Endresultaten der stickstoffhaltigen Substanzen, nmlich zu Harnstoff und C0 2 verbrannt wird. Die" Harnsure, welche sich bei Gichtkranken bildet, hat die Eigentmlichkeit, sich mit Natrium zu saurem harnsauren Natrium zu verbinden und mit Calcium zu Kalkurat zu vereinigen. Diese Ablagerungen sind schwer lslich und werden sich geeignete Stapelpltze im Knorpel- gewebe und anderen Lagersttten aussuchen. Da das Knorpelgewebe einen reichen Gehalt an Natrium- und Calcium Verbindungen aufzuweisen hat, so ist es weiter nicht auffallend, dass gerade diese Gebilde fr die Ablagerung der harnsauren Salze geeignet sind. 60 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. XIII. Nr. 6. Die selective Zelleufunction verschafft sich hier unter pathologischen Verhltnissen ihr Recht, welches durch die ehemischen Affinittsgesetze bedingt wird. Auch die mangelhafte Verbrennung des zugefhrten Nahrungsfettes bei Entwicklung der Fettsucht ist anf analoge Factoren zurckzufhren. Auch hier wird die Ursache in einer mangelhaften Beschaffenheit des aus den Pancreaszellen producirten fettspaltenden Enzyms zu suchen sein. Die Aufgabe des Arztes wird vornehmlieh darauf be- ruhen, diese aetiologischen Krankheitsfactoren zu berck- sichtigen uud seine therapeutischen Vorschriften den all- gemeinen pathologischen Modifikationen anzupassen. So wird in allen Fllen, in welchen die Oxydations- proeesse im Organismus daniederliegen, die Aufmerksam- keit des Arztes darauf zu richten sein, dieselben wo- mglich zu heben. Durch Aufenthalt in frischer, freier Atmosphre werden die allgemeinen Oxydationen bekanntlich ge- hoben, diese Erhhung der Verbrenuungsprocesse wird demnach auch auf die specifischen Oxydationen im Or- ganismus bertragen werden. Ausserdem ist nach neueren Untersuchungen nicht zu bestreiten, dass durch den Gebrauch bestimmter Mineral- wasserkuren die Enzymwirkung befrdert wird. Wir knnen uns diesen Erfolg nur durch die Hypo- these erklren, dass unter Umstnden ein Minus be- stimmter Mineralverbindungen im Organismus vorhanden ist, und dass dieses Deficit anorganischer Bestandtheile durch den Gebrauch einer natrlichen Mineralwassertrink- kur ausgeglichen wird. In analoger Weise, wie wir den Eisengehalt bei Bleichsucht in den rothen Blutzelleu durch Gebrauch von Eisenquellen auszugleichen suchen, so werden auch die anderen anorganischen Elemente, welche in den Heil- quellen vertreten sind, das Deficit eventuell decken. Eigentmlich ist immerhin der Befund, dass in einzelneu Mineralquellen alle Elemente vorhanden sind, welche der Organismus zu seinem somatischen Haushalt beansprucht. So sind beispielsweise im Homburger Elisabethbrunnen alle Grundstoffe, wenn auch zum Theil in minimalen Verhltnissen enthalten, welche auch im normalen menschlichen Organismus nachzu- weisen sind. Nach den epochemachenden Lehren von van't Hoff uud dessen Schlern liegt aber der Schwerpunkt der Joneuspaltung gerade in den minimalen Ingredienzien. Denn nur in verdnnten Salzlsungen werden die Salze in ihre Dissociationsproduc.te gespalten. Die differente Permeabilitt resp. Semipermeabilitt der organischen Membranen spielt bei der Jonenwanderung eine grosse Rolle, es wrden aber andererseits ausfhr- liehe Ausfhrungen erforderlich sein, um diese Verhltnisse hier alle klar zu legen. Deshalb mge die Thatsache vorab gengen, dass allerdings durch eine geeignete Mineralwassertrinkkur die Enzymwirkung erhht werden kann. Eine Beobachtung, welche uns den Schlssel fr viele rtbselhafte Fragen in die Hand giebt. Und so wollen wir die Hoffnung schliesslich aus- sprechen, dass die Fortschritte, welche die physikalische Chemie in der Erkenutniss der Jonenspaltung zu ver- zeichnen hat, auch fr die therapeutischen Maximen des behandelnden Arztes von grossem Werth sein werden. In Natural Science vom October 1897 findet sich ein bemerkenswerther Artikel, der ein Zeichen ist fr die immer mehr um sieh greifende Reaction gegen die ber- mssige Herrschaft der technischen Methoden in der Zoologie und eine Lanze bricht fr das Studium des lebenden Thieres. Obgleich die epochemachenden Werke Darwins den ganzen Werth der Biologie gezeigt haben, besteht auch heute noch der Lehrplan der Zoologie an den Universitten ausschliesslich aus vergleichender Ana- tomie und Embryologie. Der Zoologe, der heutzutage die Universitt verlsst, schaut mit Verachtung auf den Systematiker" herab, und er bildet sich ein, er beherrsche das Ganze der Grundzge der Biologie, bevor er die elementarsten Kenntnisse der Gattungen- und Art-Charaktere und der Erscheinungen der Variation erworben hat. Der Artikel sttzt sich des weiteren auf zwei Aeusserungen hervorragender englischer Gelehrter aus der letzten Zeit, von Prof. Miall und W. Garstang. Ein Theil der des Letzteren ist abgedruckt, und da er ebenso gut auf deutsche wie auf englische Verhltnisse passt, sei er hier frei wiedergegeben: Von verschiedenen Seiten ist in den letzten Jahren die Ntzlichkeit der Kenntnisse der mehr unbedeutenden Bildungen, die die Gattungen uud Arten von einander unterscheiden, angezweifelt worden. Man braucht sich nicht darber zu wundern, wenn man be- denkt, wie die ungeheuere Mehrheit der Biologen aus- schliesslich mit dem Studium der vergleichenden Anatomie und Entwickelungsgesehichte beschftigt ist. Die Auf- merksamkeit, die dieser zugewendet wird, steht in keinem Vergleiche zu der, die dem wissenschaftlichen Studium der Gewohnheiten der Thiere, der Funktionen ihrer < Irgane uud Krpertheile eescheukt wird. Mit wenigen Ausnahmen haben nur die reisenden Naturforscher in letzterer Richtung unsere Kenntnisse vermehrt. Doch auch an unseren Ksten und fast vor unseren Thren leben Formen, deren Gewohnheiten und Lebens-Bedinguugen wir noch nicht kennen. Ich wage zu glauben, dass die Zeit gekommen ist fr die Betrachtung, ob der lebendige Organismus nicht mehr Wrdigung verdient, als ihm heute im Lehrplan unserer Universitten zugebilligt wird. Solche Wrdigung wrde sicherlieh fast sofort zu einer raschen Erweiterung unseres Wissens fhren, und der Gegenstand bietet so tiefgehendes Interesse und hngt so eng mit den Problemen der Entwickelung zusammen, dass ich glaube, viele Forscher wrden sich der Morphologie widmen, die sie heute als einen Zweig der reinen ver- gleichenden Anatomie meiden. Selbstverstndlich knnen die grossen Probleme, die uns Darwin hinterliess, nach- dem er sie so hell beleuchtet hatte, nicht durch aus- schliesslich morphologische Studien gelst werden. Aber das Studium der funktionellen Beziehungen der Theile Hand in Hand mit der anatomischen Aufklrung ihrer Bestandtheile liefert nicht nur die Thatsachen fr Ver- allgemeinerung von einschneidender Wichtigkeit, sondern auch unschtzbare Hlfe in dem Gebiete morphologischer Unterscheidung". Reh. Nach A. E. Dolbear, Amer. Naturalist, Nov. 1897, soll die amerikanische Feldgrille ein ausge- zeichnetes Thermometer sein. Allein zirpt sie unregel- mssig, aber wenn Nachts grosse Massen von ihnen zirpen, thun dies alle Grillen eines Feldes gleichzeitig, genau im Takte. Die benachbarter Felder zirpen in dem- selben Rhythmus, aber nicht gleichzeitig. Dieser Rhythmus, die Zahl der Tne in einer Minute soll direct und genau mit der Lufttemperatur in Verbindung stehen. Bei 50 F. und weniger zirpen die Grillen eines Feldes nur 40 Mal. Von da ab aber steigt die Zahl der Zirptne bei jedem XIII. Nr. 6. Naturwissenschaftliche Wochenschrift. Grad F. um 4, bei 70 F. 120 nach der man so dass bei G0 F. die Grillen Mal in der Minute, zirpen. Die ans der Zahl N der Zirptne Minute die Temperatur T berechnen knne. 80 Mal. Formel, in der lautet: T = 50 -f- Minute T = N 40 4 = 50 + , also bei lOOmaligcm Zirpen ^7^ = 650. in der Reh. Der Russ ist ein fr die weite Kreise interessirende Frage der verschiedenen Modifikationen des Kohlenstoffs so wichtiger Krper, dass gewiss Vielen einige Angaben wichtiger Eigenschaften desselben willkommen sein werden, die J. Stark in Wiedeinauus Annalen der Physik Ch. 62, S. 353 mittheilt. Stark hat seine Untersuchungen au Gasruss ausgefhrt, weil dieser nach seiner Ansicht am wenigsten unverbrannte oder nur theilweise redueirte Kohlenstonverbindungen enthalt. Als pors" bezeichnet er den Russ in seiner unmittelbaren Niederschlagsform, als compact" dagegen denjenigen einer durch continuir- liche Aneinanderlagerung verdichteten Russschicht. Zunchst bestimmt Stark die Luftabsorption des Russes. Die Beobachtungen machen wahrscheinlich, dass der Russ bei einer Temperatur, die nicht viel kleiner ist als diejenige der Gasflamme, beinahe alle absorbirte Luft abstsst, dagegen mit sinkender Temperatur rasch Luft an seiner Oberflche verdichtet, und zwar nimmt frisch hergestellter Russ 13,4 Procent seines Gewichtes an ab- sorbirter Luft auf. Beim Liegen an freier Luft erfhrt der Russ dann noch eine weitere Gewichtszunahme haupt- schlich in Folge von Wasserdampfabsorption. Sein- wahrscheinlich hat aber auch die zunchst absorbirte Luft eine andere Zusammensetzung als die atmosphrische, indem das Absorptionsvermgen des Russes fr Stickstoff und Sauerstoff verschieden gross sein drfte, und lsst sich in Bercksichtigung dieser Unsicherheit das Normal- volumen der absorbirten Luft nicht aus der Zahl 13,4 berechnen. Das specifische Gewicht des compacten Russes in Terpentinl pyknometrisch bestimmt, wurde bei 18 C. zu 2,1 gefunden, whrend dasjenige von Graphit als zwischen 2,09 und 2,24 wechselnd angegeben wird. Um das specifische Gewicht des porsen Russes zu messen, benutzte Stark in findiger Weise das Reflexionsvermgen des Russes, indem er durch die Reflexion controlirte, dass eine Russschicht genau dieselbe Dicke erreichte, wie zwei beiderseits angrenzende Nickelblechblttchen. Aus dem Volumen und Gewicht des Russschichtkrpers wurde, als Mittel verschiedener Versuche, das spec. Gewicht ohne Bercksichtigung der Luftabsorption zu 0,055 errechnet, welche Zahl auch schon Rosicky gefunden hatte. Wird die Luftabsorption in Rechnung gezogen, so betrgt das specifische Gewicht des porsen Russes 0,048. Gemss dem Verhltniss 43,75 der beiden specifisehen Gewichte (2,1 und 0,048) sind vom Volumen des porsen Russes durchschnittlich nur 2,28 Procent von Russsubstanz erfllt, dagegen 97,72 Procent von Luft. Die Betheiligung der Russsubstanz am porsen Russ ist also eine ungemein geringe. Whrend man gewhnt ist anzunehmen, die an Menge berwiegende Substanz einer porsen Russschicht sei Russ, hat mau diese auf Grund der vorliegenden Wgungen als eine Luftschicht zu betrachten, welche durch Russ nur getrbt ist. Dabei ist aber die Russ- substanz im porsen Russe ungemein fein vertheilt. Als mittlerer Durchmesser der Russtlieilchen wurde 0,000262 mm gefunden (es wurde nmlich ermittelt, dass derselbe kleiner sei, als die Wellenlnge der violetten Strahlen). Da nun 1 ecm porsen Russes ohne absorbirte Luft 0,048 g wiegt, und das specifische Gewicht der Russsubstanz 2,1 ist, so lsst sich aus diesen drei Angaben die Zahl der in 1 ecm porsen Russes enthaltenen Russtlieilchen leicht berechnen. Unter Annahme einer Wrfelgestalt der Russtlieilchen findet man, dass in 1 ecm porsen Russes ungefhr 1 Billion und 270 900 Millionen kleiner disereter Russ- krperchen vertheilt sind. Bei Annahme von Kugelgestalt betrgt die Zahl 1 Billion 307 500 Millionen." Nach Stark's Meinung besteht der porse Russ aus unzhlig vielen, kleinen, lufterfllten Hohlrumen, deren Wnde sehr locker aus Russtlieilchen gefgt sind und deren Volumen bedeutend grsser ist als dasjenige der Wnde. Die brigen Ermittelungen Stark's betreffen optische Verhltnisse, und zwar zunchst die regelmssige Reflexion an einer rauhen Russflche. Den Grenzwinkel der regel- mssigen Reflexion bestimmt er zu 41 45'; dieser Werth gilt jedoch nur fr frisch hergestellte Russflchen; lsst man nmlich diese mehrere Tage in der feuchten Zimmer- luft liegen oder behaucht sie schwach, so wird der Grenz- winkel kleiner, weil sich in Folge der Condensation von Wasserdampf um die einzelnen Russtlieilchen Trpfchen bilden, die zusammenfliessend die Oberflche ebnen und deren Rauhheit vermindern, sodass schon bei kleinerer Incidenz regelmssige Reflexion eintritt. An knstlich polirten Russflchen (Russspiegeln) war eine starke ellip- tische Polarisation nachzuweisen, die ebenso nahe der- jenigen an Metallen, wie an Nichtmetallen verwandt ist, also eine berleitende Mittelstellung zwischen beiden ein- nimmt, Untersuchungen ber die Auslsckung des Lichtes in Russ ergaben einen sehr hohen Auslschungscoefficienten fr alle Farben; derselbe variirt mit der Wellenlnge, indem er wchst, wenn diese abnimmt. Zur Erklrung dieser Er- scheinung rnuss man sich gegenwrtig halten, dass die gefundene Schwchung des Lichtes in Russ, wenn auch nicht ausschliesslich, so doch zweifellos zu einem grossen Theil von der Structur und der Discontinuitt des porsen Russes herrhrt. In diesem liegt ein trbes Medium vor, nmlich Luft, in welcher usserst kleine Theilcheu einer fremden Substanz, nmlich von Russ, in sprlicher Menge vertheilt sind. Im vorliegenden Falle ist ein Gas durch einen festen Krper von hohem Brechungsexponenten getrbt; die optischen Eigenschaften, vor Allem die Absorption der Substanz des trbenden Krpers knnen nicht mit Sicherheit oder gar nicht aufgedeckt werden, weil dieser nicht in entsprechender makroskopischer Grsse im Aggre- gatzustand des einzelnen einheitlichen Theilchens her- gestellt werden kann." Deshalb bleibt auch die Grsse der Lichtabsorption der eigentlichen Russ-Substanz un- bekannt, 0. L. Gemeinschaftlich mit L o r e n z A c h hat E mil Fischer in den Ber. Deutsch Chem. Ges. 30, 2208 eine Arbeit Ueber das Oxydichlorpurin" publicirt. Aeltere Unter- suchungen von E. Fischer hatten gezeigt, dass Chlor- phosphor imstande ist, den Methylharusureu den Sauer- stoff partiell oder vollstndig zu entziehen, wobei ge- chlorte Purine resultiren. So liefert 9-Methylharnsure (- Methylharnsure) zunchst Methyloxydichlorpnrin und schliesslich das Methyltricblorpurin. N=C Gl I Cl C C NH II >co N C N CH, Methyloxydiehlorpurin N=C Cl I ' I Cl C C N >C Cl N C N CH 3 Methyltrichlorpuriu. 6-2 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. XIII. Nr. 6. Die damals versuchte Uebertragung der Reaction auf die Harnsure seihst fhrte zu keinen Resultaten, einer- seits wegen der geringen Lslichkeit derselben in Phosphor- oxychlorid, andererseits wegen ihrer Unbestndigkeit gegen Phosphorpentachlorid. Verwendet man nun aber statt der freien Harnsure das Kaliumsalz und bewerkstelligt die Chlorirnng durch Phosphoroxychlorid, so erhlt man eine Verbindung der Zusammensetzung C S H 2 N 4 0C1 2 , die dem oben erwhnten Methyloxydichlorpurin entspricht. Dass wirklieh das 8-Oxy-2 6-dichlorpurin vorliegt, N=C Cl C1C C NH N- C NH ,CO geht aus der Methylirung hervor, wobei das 7 9-Dime- thyloxydichlrpurin entsteht, dessen Structur bereits be- kannt ist. Durch Reduction mit Jodwasserstoff geht die Chlor- verbindung in das 8-Oxypurin, durch lngeres Erhitzen mit Salzsure in Harnsure ber; die Chloratome lassen sicli successive durch die Aminogruppe ersetzen, es ent- steht zunchst 6-Amino-8-oxy-2-chlorpurin : N=C NH, Cl C C NH N C NH CO das bei der Reduction das mit dem Guaniii isomere 6-Auimo-8-oxypurin liefert, und dann 2 -Diamiuo-8-o-xy- purin: N=C NHo NH 2 C C NH .CO N- -C NH 8-oxy-2 6-dichlorpurin. 1 Theil gut getrocknetes harnsaures Kalium wird mit 1,2 Theilen Phosphoroxychlorid innig vermischt und (i Stunden im Einscblussrohr auf 160170 erhitzt; das Reaetionsproduct wird mit Wasser zersetzt und der Nieder- schlag abgesaugt. Man trocknet denselben auf dem Wasser- bade, trgt ihn zur Zerstrung der Nebenproducte in 46 Theile heisse Salpetersure (s = 1,4) ein und kocht 2030 Minuten. Das Oxydichlorpurin bleibt grssten- teils ungelst, der Rest scheidet sich beim Verdnnen mit Wasser ab; man erhlt auf diese Weise ein gelb ge- frbtes, fein krystallinisches Pulyer, das zur Reinigung zunchst in das schon krvstallisirende Ammonsalz iiber- gefhrt und aus diesem durch Zusatz von Suren abge- schieden wird. Aus Alkohol krystallisirt es in kleinen Prismen, aus Wasser in kleinen Tafeln; die Alkalisalze krystallisiren in leinen, biegsamen, und das Barynmsalz in bschel- oder sternfrmigen Nadeln. Verwandlung des Oxydichlorpurins in Harnsure. Erhitzt man feingepulvertes Oxydichlorpurin mit der fnfzigfachen Gewichtsmenge Salzsure (s = 1 19) im ge- schlossenen Rohr unter bestndig schttelnder Bewegung, s " tritt nach :; bis 4 Stunden Lsung ein, und nach 7 Stunden ist die Reaction beendet. Verdampft mau jetzl den Ethreninbalt. so erhlt man einen gelbbraunen Rckstand, der sieh muh der Reinigung als Harnsure erweist. Methylirung des Oxydichlorpurins. Erhitzt man das Bleisalz des Oxydichlorpurins mit Jodmethyl und Aether 12 Stunden im geschlossenen Rohr auf 100 110, so scheidet sich beim Auskochen des Rhreninhaltes mit Alkohol das gebildete Dimethylderivat aus der concentrirten Lsung beim Erkalten in Nadeln ab. Das Product zeigte den Schmelzpunkt des 7 9 Di- methyl-8-oxy-2 6-dichlorpurins und wurde zur weiteren Identificirung in das Dimethyloxydiaethoxypurin ver- wandelt. Das Monomethylderivat resultirt, wenn man 10 gr Oxydichlorpurin in 40 gr Wasser und 7 gr Aetzkali lst, mit 40 cem Alkohol vermischt und in einer Kltemischung abkhlt; man idebt 7 gr Jodmethyl hinzu und lsst das Gemisch unter hufigem Schtteln bei 1 stehen. Im Laufe von 5 10 Stunden tritt Lsung ein; filtrirt man nach 48 Stunden, verdampft dann den Alkohol und suert mit Essigsure an, so fllt die Methylverbindung krystallinisch aus; ihr Uebergang in Methylharnsure beim Erhitzen mit Salzsure einerseits, ihr Schmelzpunkt andererseits erwiesen die Identitt mit dem 7-Methyl-S- oxy-2 6-dichlorpurin. N=CH H C C - NH U ^ ( N C NH CO 8-oxypurin. Zur Bereitung dieser mit dem Hypoxanthin isomeren Base wird feingepulvertes 8-oxy-2 6-dichlorpurin mit der lOfacheu Gewichtsmenge Jodwasserstoff (s = 1,96) auf dem Wasserbade erhitzt und so viel Jodphosphonium zu- gegeben als zum Verschwinden des freiwerdenden Jods erforderlich ist. Erwrmt man dann nach 20 Minuten unter Zusatz von Jodphosphonium ber freier Flamme, bis eine farblose, klare Lsung entstanden ist und dampft auf dem Wasserbade ein, so bleibt jodwasserstoffsaures Oxypurin als gelblich gefrbte Krystallmasse zurck. Durch Zerlegung des jodwasserstoffsauren Salzes mit Ammoniak erhlt man schliesslich die reine Base, die in farblosen, biegsamen Ndelchcn vom Schmelzpunkt 317 krystallisirt. Das Jodhydrat krystallisirt in farblosen Prismen, das Nitrat in spiessfrmigen, das Chlorhydrat in derben, gelb- rothen Krystallen und das Aurochlorat in feinen, gelben Blttchen. 6-Amino-8-oxy-2-chlorpurin. 1 Theil 8-Oxy-dichlorpuriu wird mit 25 Theilen alko- holischem Ammoniak 6 Stunden im geschlossenen Rohr auf 150 erhitzt. Nach dem Erkalten ist das Amino-oxy- chlorpurin zum grssten Theil in hellrothen kuglig- krystallinischen Aggregaten abgeschieden. Die Reinigung geschieht ber das Hydrochlorat, das in schwach gelb gefrbten Nadeln und ber das Baryumsalz, das in feinen, langen Nadeln krystallisirt. Lst man das Baryumsalz in heissem Wasser und giebt Essigsure bis zur stark sauren Reaction hinzu, so scheidet sich die freie Base sofort in usserst feinen, verfilzten Ndelchen ab. Das Natriumsalz krystallisirt in verfilzten und das feinen, vielfach bschelfrmig verwachsenen Sulfat in Nadeln. N B.i c c nii, NH N C-N II CO 6-Amino-8-oxypurin. XIII. Nr. 6. Naturwissenschaftliche Wochenschrift, 63 Erwrmt man das Aminooxychlorpurin mit der zehn- fachen Menge Jodwasserstoffsure (s = 1,96) unter Zusatz von Jodphosphonium unter hutigem Schtteln auf dem Wasserbade, so tritt allmhlich Lsung ein, und nach 15 bis 20 Minuten ist die Reduction beendet. Man ver- dampft zur Trockene, lst das in schnen Prismen kiystallisirte Jodhydrat in heissem Wasser und ber- sttigt mit Ammoniak. Hierbei fllt das Ainino-oxypuriu als farbloser kristallinischer Niederschlag, der zur Reinigung in Wasser unter Zusatz von Salzsure gelst und abermals mit Ammoniak gefllt wird. Das freie Amino-oxypuriu krystallisirt in mikroskopi- schen Ndclcheu, sein Sulfat in schiefen, vierseitigen Platten (Unterschied von Guaninsulfat) und das Nitrat in sternfrmig verwachsenen Nadeln. N=C NH, NHo C C NH >CO N - C-NH 2 6-Diamino-8-oxypurin. Zur Bereitung der Verbindung wird Oxydichlorpurin mit der zehnfachen 'Gewichtsmenge wssrigeui Ammoniak von 14 pCt. Gehalt 4 Stunden im Einschlussrohr auf 150 erhitzt. Der Process verluft nicht glatt, in der Klte scheiden sich schwach gelb gefrbte, blttrige Krystalle ab, deren Gewichtsmenge nur 30 pCt. der Theorie be- trgt. Die Reinigung geschieht ber das Hydrochlorat, das in langen, farblosen Nadeln krystallisirt; lst man dasselbe in heissem Wasser und fgt zu dieser Lsung Ammoniak in geringem Ueberschuss, so scheidet sich die freie Base in farblosen, langen Nadeln ab. Das Sulfat krystallisirt in feinen Ndelchen und das Chlorplatinat iu eigenthmlich gezackten, schwertfrmigen, gelbrothen Blttchen. H N CO H C C-NH II >co N C NH 6 8-Dioxypurin. Diese mit Xanthin isomere Base entsteht, wenn man 6-Amino-8-oxypurin in 16 Theilen 15 procentiger Salzsure heiss lst, die Lsung auf 40 abkhlt und allmhlich die fr l 1 ,., Molekl berechnete Menge Natriumnitrit hinzu- fgt. Es tritt lebhafte Gasentwickelung ein, und nach kurzer Zeit scheidet sich das Dioxypuriu als farbloses Pulver ab. Aus heissem Wasser krystallisirt die Verbindung in langen, schmalen, an den kurzen Enden eigenthmlich gezackten Blttern; gegen Oxydationsmittel ist sie em- pfindlicher als das Xanthin; so wirkt starke Salpeter- sure schon iu gelinder Wrme zerstrend ein; zum Unter- schied von Xanthin liefert sie bei der Oxydation mit Chlor kein Alloxan. Methylirung des 6 8-Dioxypurins. Lst man Dioxy- purin in Normalkalilauge (3 Mol.), fgt dann 3 Mol. Jod- methyl hinzu und erhitzt das Gemisch unter bestndigem Schtteln im Einschlussrohr auf 100, so erhlt man schliesslich eine farblose Lsung. Man verdampft zur Trockene und kocht den Rckstand mit Chloroform aus; beim Verjagen des Chloroforms hinterbleibt die Methyl- verbindung, die nach der Reinigung leicht mit dem auf anderem Wege dargestellten 1 7 9-Trimethyl-6 8-dioxy- purin identificiit werden konnte. Dr. A. Sp. Ueber die chemische Beschaffenheit der Diastase und ber das Vorkommen eines Arabans in den Diastaseprparaten hat A. Wrblewski in den Berichten der Deutsehen Chemischen Gesellschaft 30, 2289 berichtet. Verfasser weist in der Einleitung auf die mannigfach sich widersprechenden Vorstellungen ber die Natur der Enzyme hin und stellt sich die Aufgabe, die Eigenschaften derselben nher zu studiren ; er whlt zu diesem Zweck das am leichtesten zugngliche Enzym, die Diastase. Darstellung der Diastase : Nach den Beobachtungen Lintners und anderer Autoren lst sich Diastase in circa 50 procentigem, nicht dagegen in circa 65 procentigem Alkohol, sie dialysirt nicht und wird durch schwefelsaures Amnion ausgesalzen; diese Angaben bentzte Wrblewski bei der Gewinnung der Diastase. Zunchst wird fein geschrotetes Malz mit 68 procen- tigem Alkohol ausgezogen, der Auszug entfernt und der ausgepresste Rckstand zwei Mal mit 45 procentigem Al- kohol extrahirt. Die vereinigten Auszge werden zur Fllung mit so viel hochprocentigem Alkohol versetzt, dass eine Flssigkeit von circa 70 / an Alkoholgehalt re- sultirt; der Niederschlag wird abtiltrirt, nach abermaligem Lsen und Fllen in Wasser gelst, mit Magnesiuuisulfat ausgesalzen, dann solange der Dialyse unterworfen, als in der usseren Flssigkeit Schwefelsure nachweisbar ist und schliesslich mit absolutem Alkohol und Aether gefllt. Mau erhlt auf diese Weise in Wasser fast voll- stndig lsliche Prparate, die starke Diastasewirkung besitzen und mit Jod keine Frbung geben. Biuret- reaction war fast gar nicht oder berhaupt nicht vor- handen, whrend die brigen Eiweissreactionen eintraten; Fehling'sche Lsung wird nicht reducirt, kocht man in- dessen eine Lsung des Prparates mit Salzsure, so ent- steht ein Niederschlag, der Eiweissreaction ergiebt, das Filtrat reducirt Fehling'sche Lsung. Die Analysen- werthe der Prparate differirten stark untereinander, der Gehalt an Stickstoff schwankte zwischen 4 bis 8 Procent. Da voraussichtlich ein Gemisch von Proteinstoffen mit Kohlenhydraten vorlag, sehlug Verfasser nunmehr das Brcke-Klz'sehe Verfahren ein, das sich bei der Tren- nung des Glycogens von den Proteiustoffen sehr gut be- whrt hatte. Eine Lsung des Prparates wurde mit Jodqueck- silberjodkalium und verdnnter .Salzsure versetzt, es ent- stand ein voluminser Niederschlag, von dem abtiltrirt wurde; das Filtrat gab auf Zusatz von Alkohol einen sehr starken Niederschlag eines dextrinartigeu Kohle- hydrats, das frei von diastatischer Wirkung war. Im Niederschlag war Proteinstoff vorhanden. Das Kohlehydrat. Durch Lsen in Wasser und Wiederausfllen mit Alkohol konnte das Kohlehydrat als schneeweisses, nicht sss schmeckendes Pulver erhalten werden; eine wssrige Lsung des Prparates wird durch Jod nicht gefrbt und reducirt Fehling'sche Lsung erst nach dem Erhitzen mit Sure; Bleizucker, Bleiessig und Phosphorwolframsure erzeugen nur in concentrirten Lsungen Niederschlge, die Polarisationsebene wird stark links, nach erfolgter Inversion nach rechts gedreht. Die bei der Inversion entstandene Zuckerart konnte Verfasser auf Grund des Osazons wie Drehungs Vermgens als Arabinose charakterisiren, das Vorkommen eines Ara- bans in den Diastaseprparaten war somit erwiesen. Die Proteinstoffe. Zur Isolirung der Proteinstoffe wurde der durch das Brcke'sche Reagens erhaltene Niederschlag ausgewaschen, zur Beseitigung von Queck- silber wie Jod mit Silbercarbonat innig verrieben, wobei der Proteinstorf schwer und unvollstndig in Lsung geht; in die Lsung wird Schwefelwasserstoff geleitet, dann 64 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. XIII. Nr. 6. wird vom Schwefelsilber abfiltrirt und das Filtrat mit Alkohol versetzt; der entstandene Niederschlag wird mit Alkohol gewaschen und in Wasser gelst. Die so er- haltene, grangefrbte, opalescirende Flssigkeit wirkt ver- zuckernd auf die lsliche Strke und zeigt Biuretreaction, mit Bleizucker giebt sie keine Fllung, mit Bleiessig nur eine Trbung. Zur Gewinnung grsserer Mengen des Proteinstotfes ist diese Methode, die zugleich ein Beweis fr die prtein- artige Beschaffenheit der Diastase ist, schlecht geeignet, da sie einerseits zu grosse Schwierigkeiten bietet, anderer- seits aber kein chemisch reines Prparat liefert. Zu den folgend beschriebenen Spaltungen fand eine Proteinsub- stanz Verwendung, die aus einem von Merk dargestelltem, von Verfasser mit A belegten Diastaseprparat durch Kochen mit verdnnter Schwefelsure gewonnen war. Die Wroblewski'schen Prparate, Gemische von Kohlehydrat und Proteinstoff, waren in Wasser wenngleich schwer, so doch vollstndig lslich. Das Prparat A da- gegen war in Wasser nicht ganz lslich, der hinter- bleibende Rckstand erwies sich als Proteinstoff, der in Wasser stark aufquoll und jetzt Diastasewirkung zeigte; auch er wurde zu Spaltungsversuchen bentzt. Spaltung der Proteinstoffe. Unterwirft man den un- lslichen Proteinstoff nach der Methode von Hlasiwetz und Habermann der Spaltung, so erhlt man eine Flssigkeit, in der sich Ammoniak, stickstoffhaltige Basen und Amido- suren nachweisen lassen; von letzteren konnten Leucin und Tyrosin krystallinisch isolirt werden. In den Spaltungsproducten des lslichen Protein- stoffes Hessen sich wenig Ammoniak, organische Basen und relativ grosse Mengen Amidosuren (Leucin, Tyrosin) nachweisen. Mglicherweise ist der lsliche und unlsliche Protein- krper ein und dieselbe Substanz, da Verfasser constatirt hat, dass der lsliche Proteiustoff durch Einwirkung von Alkohol an seiner Lslichkeit einbsst; der in Prparat A vorhandene, unlsliche Proteinstoff wre demnach nur ein durch die Darstelluugsmethode vernderter, lslicher Pro- teinstoff. Was ist Diastase? Verfasser kommt auf Grund seiner Resultate zu dem Schluss, dass Diastase ein Protein- stoff ist, mannigfache Einwnde widerlegt er; eine Auf- fassung des Sinnes, dass einem an und fr sich unwirk- samen Proteinstoff usserst geringe Mengen eines wirk- lichen Enzyms anhaften knnten, beantwortet er dahin, dass dasselbe zweifellos doch in usserst nahen Be- ziehungen zu dem von ihm nachgewiesenen Proteiustoff stehen, somit einen sehr hnlichen Krper darstellen msse; als Trger der enzymotischeu Krfte will er den Protein- stoff aufgefasst wissen und bezeichnet ihn als Enzym", Diastase". Dr. A. Sp. Aus dem wissenschaftlichen Leben. Ernannt wurden: Die knigl. Bezirksgeologen Dr. Max Koch and Dr. Henry Schrder in Berlin zu knig- lichen Landesgeologen; Dr. Eenry Potonie. und Dr. August Denckmann zu kgl. Bezirksgeologen; der Privatdoceni der Bacteriologie in Breslau Dr. Richard Stern zum Professor; J>r. Gaupp aus Neuenburg (Wrttemberg) zum Assistenten an klinik fr Nervenkrankheiten in Breslau; Privat- docent Dr. Kausch in Strassburg zum Assistenten an der dor- tigen chirurgischen Klinik; die Privatdocenten der Astronomie bezw. Zoologie in Gttingen Dr. Ambronn und Dr. Rhumbler zu Professoren. Es babilitirton sich: in Berlin Dr Brich Lexer fr Chirur- gie, Dr. Georg Joachimsthal fr orthopdische Chirurgie, Dr. Wolpert fr Hygiene; in Wien Dr. Ewald fr Chirurgie; in Greifswald Dr. Hermann Triepel fr Anatomie. Es Btarben: Der als Zoologe bekannte Oberfrster . D. Oskar von Riesenthal in Charlottenburg; der ordentliche Professor der Zoologie in Halle Dr. Ernst Taschen berg; der Entomologe Dr. George H. Hrn. Professor an der University of Pennsylvania: der Astronom Eduard Lindemann an der Sternwarte zu Pulkowa; der Professor der Mineralogie in Wien Dr. Albrecht Schraf; der ehemalige Prsident der Institution of Civil Engineers Sir Charles Hutton Gregory, K. C. M. G; der Prsident der National Geographie Society in Washington Gardiner G. Hubbard; der Prsident der angewandten Chemie an der University of Maryland Dr. Campbell M'orfit; der be- kannte norwegische Arzt Joachim Voss in Christiania; der Botaniker Conrector Fr. Willi. Seydler in Bratinsberg; der Frauenarzt Stephan Tarnier in Paris; der ordentliche Pro- fessor der Ingenieur-Wissenschaften in Mnchen Gottfried Asimont; der ehemalige Professor der Chirurgie in Kiew Dr. A. Jazenko; der Professor der Physiologie an der Uniyersite Nouvelle in Brssel Emile Legros; der Odontologe Dr. Emile Magitot in Paris; der Ornithologe Charles Bvgrave Whar- ton in Totton (Hants., England); der Astronom S. E. Peal in Assam ; der franzsische Ethnograph Lucien Biart; der Pr- parator am Musee d'Hisloire Naturelle in Paris Eugene Q iinii t in : der Taxidermist am American Museum of Natural History in New- York Isaac N. Travis. Litteratur. Dr. Augustin Krmer, TJeber den Bau der Korallenriffe und die Planktonvertheilung an den Samoanischen Ksten. Nebst einem Anhang Ueber den Palolowurm* von Dr. A. Collin. Lipsius & Tischer in Kiel und Leipzig 1897. Preis 6 M. Der Samoa- Archipel besteht aus 10, in 5 Gruppen vertheilten Inseln, die sich zwischen 13,5 und 14,5 s. Br. und 168 193 w. L. von NNW. nach OSO. erstrecken, zugleich in dieser Richtung an Hhe und Grsse abnehmend. Alle Inseln sind vulcanischen Ur- sprungs; die hchsten Berggipfel erheben sich bis zu 1600 m. Von W nach 0. sind die Inseln folgende: Savaii ist die grsste (1700 qkm) und hchste. Ihr Inneres ist von mchtigen Gebirgszgen erfllt, mit vielen Kratern und jungen Schlacken-Feldern. Ringsum zieht sich ein schmaler, nur an der Ostseite sich verbreitender, flacher Ufersaum. Whrend die brigen Ksten der Riffbildungen fast ganz entbehren, liegt der Ostkste ein ungefhr 12 Seemeilen langes Strandriff vor. In dem Savaii von der nchsten grsseren Insel trennenden, 10 Seemeilen breiten, aber nur 100 m tiefen Canale liegen zwei kleine Inseln. Zuerst Apolima, der Rest eines |144 m hohen Kraters, dessen nrdlicher Rand eingestrzt ist. Hier schliesst ein nur mit einem engen Canal versehenes Korallenriff die Pforte. Die zweite Insel, Manono, ist ein niedriger dreieckiger Kegel, der nur ein abgetrenntes Stck von Upolu darstellt, in dessen grosses Riff er auch eingelagert ist. Upolu, die zweitgrsste Insel, ist lauggestreckt, mit einem sie durchziehenden bis zu 1000 m hohen Gebirge und mehreren einzelnen, steilen Bergen; Krater sind natrlich hutig, whrend frische Lavafelder hier, wie auf den nchsten Inseln fehlen. Der Strand ist, besonders nach Norden, flach. Hier zieht sich auch ein grosses Strandriff in nahezu ununterbrochener Linie ber 25 Seemeilen bin, das an einer Stelle zwei Seemeilen breit wird. Noch 2 andere, grssere Strandriffe verlngern es, berall da unterbrochen, wo steile Berge an die Kste herantreten, wie auch an den brigen Seiten der Insel Riffe berall dort fehlen, wo Steilksten vorhanden sind, und auftreten, wo Flachksten sich zwischen Berge und Meer schieben. An einer Stelle im Sden, bei der grssten Ansiedelung der ganzen Inselgruppe, Falealili. wird das Strandriff von einem 150 m breiten Canale durchbrochen, dem sich, etwa 100 in entfernt, ein 1 km langes Barrieren-Riff mit einer kleinen Insel vorlagert. Tutuila ist eine einzige, bis zu 700 m hole-, wilde Gebirgs- Masse, die berall steil ins Meer abfllt. Nur die Sdkste ist etwas weniger abfallend und hier liegt denn auch ein grsseres etwa 4 km langes Strandriff vor. Die grosse Pango-Pango-Bucht in der Sdkste ist von echten Saumriffen ausgekleidet. Etwas vor der Kste liegen dann noch 2 sogenannte versunkene Riffe, von denen das eine von einer niedrigen, mit einem Vulkane gekrnten Insel seinen Ausgang nimmt. An der steileren Nordkste finden sich Ritte nur in einigen Buchten. Manuia besteht ans 2 kleinen, schroffen Felsen-Inseln ohne bedeutende Ritte. Auf der grsseren liegen in der Hhe von 80 Fuss, '/... Meile landeinwrts, viele und grosse Stcke Korallenkalk und andere marine Reste in einer Mischung von zersetzter Lava und Sand. Ob sie durch Hebung oder eine Eruption dabin gebracht sind, ist anentschieden. Bei Manuia fand im Sept. mber 1866 ein 1 Wochen dauernder submariner Ausbruch statt, in dem ungi heure Mengen von Aschen und Schlamm hrere 100 m in die Hhe neu ort', i! w unlon. XIII. Nr. 6. Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 65 Die letzte Insel ist das Rose-Atoll, ein Kreis von 2 '/, See- meilen Durchmesser. An der Sdseite erhebt sich eine je 1 km lange und breite Insel, nrdlich davon eine Sanddne. Der Insel gegenber ist die Ausflussffnung des Atolls, I 2 m tief, die bis zu 20 m tiefe Lagune mit dem Meere verbindend. Auf der Insel liegen verschiedene grosse Basaltblcke zerstreut. Die Entstehung der Inseln fllt nach Krmer in die Schlusszeit des Tertirs. Zuerst scheint der stliche Theil ent- standen zu sein, worauf sonderbarer Weise auch die Sagen der Eingeborenen hinweisen. Hier beruhigte sich auch die vulkanische Thtigkeit zuerst; die zu Tage tretenden Gesteine sind meist zersetzte Laven, Trachyte u. s. w. Der spter entstandene west- liche Theil war noch bis in die letzten Jahrhunderte hinein vul- canisch thtig, was die frischen, unverwitterten Lava-Felder, die besonders hufig auf Savaii vorkommen, zeigen. Erst tertir trat dann im Osten eine starke Senkung ein, whrend sich der Westen noch lngere Zeit langsam hob. Neuerdings scheinen in- dess an beiden Theilen Hebungen stattgefunden zu haben, wenigstens finden sich Korallenblcke in beiden Theilen ziemlich von der Kste entfernt im Innern; und an verschiedenen Stellen sind ltere Strandlinien ber der jetzigen zu erkennen. Zeichen von Hebungen, selbst neuesten Datums (Falken-Ins., 1895), sind ebenso, wie Vorkommen von Erdbeben und vulkanischen Aus- brchen ber die ganze Sdsee zerstreut; man ist also, nach Krmer, berechtigt, auch fr Samoa Hebung anzunehmen. Die berall in der Sdsee beobachteten Zeichen von Senkungen drften also nicht als seculre, sondern nur als intermittirendo Senkung, abwechselnd mit Hebung, oder zeitweise aussetzend, an- gesprochen werden. Die Form der Korallenriffe ist eine rocht verschiedene. Doch lassen sich 5 Arten von Riffen genauer abgrenzen, auf die die brigen alle zurckgefhrt werden knnen. Sie kommen auf Samoa alle vor. 1. Die Korallenbank ist ein isolirter, sulenfrmiger, wenig umfangreicher Korallenfelsen, die Anlage jedes Riffes. In Folge ihrer Schwche knnen Bnke im freien Meere nie die Oberflche mit ihrem starken Wogengang erreichen, sondern bleiben min- destens 2 m darunter. Nur im Hafen knnen sie bis zur Luft ge- langen. Beispiele von ihnen finden sich in den Hfen von Upolo, besonders in dem von Apia. 2. Das Saumriff springt an Steilksten, in Hfen oder Buchten, balkonartig vor, ist nur wenige Meter breit und bleibt ebenfalls meist unter der Oberflche. Der Hafen von Pango-Pango auf Tutuila ist mit Saumriffen ausgekleidet. 3. Das Strandriff hat seinen Namen daher, dass es vor flach abfallendem Ufer dadurch den Strand verbreitert bezw. einen neuen bildet, dass es sich weithin ins Meer erstreckt, wo- durch die zurckliegenden Theile allmhlich absterben und versanden. Diese Riffform ist in Samoa weitaus die verbreitetste. 4. Das Barrierenriff entsteht da, wo die Kste nicht gleich- massig unter Wasser abfllt, sondern wo ihr in einiger Entfernung vom Ufer eine Erhebung vorgelagert ist, auf der sich die Korallen ansiedeln knnen. Im Rcken hat es also, im Gegensatz zum vorigen, freies, tieferes Wasser. Solche Riffe kommen besonders auf Upulo allein, oder in Verbindung mit Strandriffen, vor. Bei Tutuila liegen submarine Barrierenriffe. 5. Das Atoll ist ein ringfrmiges Riff, das mehr oder weniger weit als Land das Meer berragt. Kleine Atolle sind meist ge- schlossen, grssere haben mindestens 1 Oeffnung. Entstehen sie auf submarinen Bergkuppen, so bleibt die vom Riff umgebene Lagune flach ; entstehen sie auf submarinen Kratern, so ist die Lagune tief. Ein Beispiel fr letztere Art ist das Rose-Atoll. Verfolgen wir nun des weiteren den Aufbau eines Strand- riffes, wie er sich nach den Untersuchungen Krmers an denen Samoas ergiebt. Wir nehmen dabei den Weg vom Meere zur Kste. Zuerst kommen wir ber einen erhhten Sandgrund, den Talus. Woher der Sand kommt, ob durch die Gezeiten vom Meere dem Riff zugetrieben, oder aus dem Riff durch das ab- laufende jWasser herausgeholt, ist noch ungewiss. Durch diese Erhhung des Untergrundes vor dem Riffe wird diesem die Mg- lichkeit gegeben, nach dem Meere zuzuwachsen. Das eigentliche Riff beginnt mit dem langsam treppenartig aufsteigenden Fuss, etwa bei 15 20m Tiefe. Er ist der lebende Theil und eigentliche Bildner des Riffes, der es immer weiter ins Meer hinaus zu schieben versucht. Je strker die Brandung gegen ihn andringt, um so flacher ist er, d. h. um so schwerer hlt es den oberen, ihr besonders ausgesetzten Theilen, vorwrts zu dringen; je schwcher die Brandung, umso steiler ist er; ja er kann schliesslich bei hngend werden, wie ein Barrieren-Riff. Die obere Kante des Fusses ist die Riff kante. Sie ist verschieden gestaltet, je nachdem sie dem Wellengange ausgesetzt ist. Die vor dem Winde liegende Luvkante ist 10 20 m breit, abgerundet. Alle Lcken und Lcher werden von Sand und Trmmern ausgefllt, die ihr eine grosse Festigkeit geben. Anders die hinter dem Rande liegende Seekante. Sie ist nur 2 3 m breit, scharf abgeschnitten und oft coneav. Sie ist ganz durchsetzt von Atoll-artigen Lagunen- bildungen. Hinter ihr liegt hufig die 1020 m breite und '/ 2 m tiefe ussen-Lagune. Hinter der Kante beginnt die Platt- form, d. i. der Theil des Riffes, der sich bis an oder ber die Oberflche des Meeres erhebt. Sie ist nur eine grosse Trmmer- flache, entstanden durch Anhufung der von der Brandung los- gerissenen Korallenstcke. Ihre Breite wechselt sehr, berschreitet aber oft 200 m. Wo die Bewegung der See sehr stark ist, bildet sieh auf ihr noch ein 1 m hoher und 3 4 m breiter Schutt- kegel. Hinter der Plattform dehnt sich die Lagune in einer Breite von wenigen 100 bis zu einigen lf 00 m aus. Sie fllt ganz allmhlich nach dem Lande zu ab, sich zugleich mit immer feinerem Korallensande bedeckend. Bei tiefor Ebbe ist selten mehr als knietiefes Wasser auf ihr. Sie endigt meist in dem Strand- oder Bootskanal, so genannt, weil nur hier ein sicherer Boots verkehr mglich ist. Der Sandstrand schliesslich ist der todte, bereits trockengelegte Theil des Riffes, auf dem sich sogar selion oft Sandstein bildet. In ihm liegen hufig Brackwasserlagunen, die Quellen oder Flssen ihre Entstehung verdanken. Aehnlich sind die brigen Riffformen aufgebaut, nur dass bei joder einer oder einige der Bestandteile fehlen. Andere Ausdrcke, wie Riffbucht oder -Hafen, Kiffeinlass (wenn sehr klein, dann: Bootspassage) erklren sich von selbst. Die letzteren hngen immer mit dem Hafen oder dem Strandkanale zusammen und dienen als Abzugskanle fr das mit der Fluth oder bei Strmen ber das Riff tretende Wasser. Da dieser Strom immer Sand mit sieh fhrt, hlt er die Abzugskanle, die natrlich sonst leicht von den Korallen zugewachsen wrden, frei. Dio Entstehung eines Strandriff es findet natrlich vom Ufer aus statt. Zuerst bilden sich einzelne, kleine Bnko, die allmhlich zusammenwachsen. Je hher die Korallen wachsen, umso weiter vom Lande entfernt wird die Brandung gebrochen, und umso leichter wird den zurckliegenden Korallen das Wachs- thum, wobei dio Gezeiten einen theilweise helfenden, theilweise schadenden Einfluss ausben. Besonders ist dabei der zuerst sehr breite Fuss als Wollenbrecher von hchster Wichtigkeit. Ist er bis zur Tiefe von 15 m, der durchschnittlichen Tiefengrenze der Korallen, vorgedrungen, so kann er vorerst nicht weiter, und der Ausbau des Riffes findet statt. Erst wenn durch Korallensand ein grsserer Talus gebildet ist, kann dann das Riff noch langsam vordringen. Die Herkunft des Korallensandes ist mannigfaltig. Ein grosser Theil desselben wird gebildet von den von Korallen lebenden Krebsen. Stachelhutern, Fischen u. s. w. Seine Haupt- quelle bildet aber die bewegende Kraft der Wellen, die lockere oder durch die Thtigkeit der Bohrmuscheln, Bohrwrmer u. s. w. gelockerte Korallenblcke losreisst und stndig hin und herrollt, sie so zerreibend. Auch die Wirkung der whrend der Ebbe auf die trocken gelegten Theile des Riffes brennenden Sonne drfte diesen Vorgang nur beschleunigen. Das bei der Ebbe von der nach dem Lande zu abfallenden Plattform wegfliessende Wasser fhrt den Sand dann zum Theil wieder weg. Ueber die fr das Wachsthum der Korallen gnstigsten Bedingungen fehlen zum Theil noch zuverlssige Beobachtungen. So glaubte man vielfach seither, dass z. B. die Brandung geradezu uothwendig wre. Wie aus obigem ersichtlich, ergaben die Untersuchungen Krmers das Gegentheil. Nur da knnen die Korallen bis an die Oberflche emporwachsen, wo durch den Fuss die Macht der Wellen gebrochen wird, oder wo, wie an der Lee- kante der Riffe oder im Hafen keine Brandung vorhanden ist. Auch starke Meeresstrmungen hindern das Vordringen der Korallen, zumal sie auch nicht die ihnen vielfach zugeschriebene Bedeutung von Nahrungsquellen haben, sondern nur, wie die Winde auf dem Lande, Reiniger des umgebenden Mediums von den Stoffwechsel-Producten sind. Ein vorbergehendes Trocken- legen, wie bei tiefer Ebbe, knnen die Korallen ganz gut vertragen. Die Polypen ziehen sich in ihre Kelche zurck; aber die ganze Oberflche bleibt mit Schleim bedeckt, der das Austrocknen verhindert. Dagegen ist ein ganz wesentliches Be- dingniss fr das Wachsthum der Korallen das Licht: sie sind stark heliotropisch. Nicht nur, dass alle Polypenkelche sich nach dem Lichte [zu offnen, auch die Flchen der Schirme und die Aeste der Stcke wachsen ihm zu. In diesem Heliotropismus drfte auch ein wesentlicher Grund fr die geringe Tiefengrenze der Korallen liegen; denn schon bei 10 m ist ein grosser Theil der fr letztere wichtigsten, rothen Lichtstrahlen absorbirt. Wh- rend allgemein als niedrigste Temperatur fr das Auftreten von Korallen 21 angegeben wird, sinkt sie bei Bermudas bis auf 10". Der Einfluss des Sss w assers ist recht gering. In Samoa liegen vor den meisten Flussmndungen Riffe. Aller- dings sind die Flsse whrend der Trockenzeit meist so wasser- arm, dass eine nennenswerthe Versssung des Meerwassers nicht mglich ist. Die Schnelligkeit des Wachsthums der Ko- rallen ist ziemlich ausgiebig. Genauere Messungen liegen nicht vor. Krmer kann sich mit der Darwinschen Theorie der Ent- stehung der Korallenriffe, wenigstens fr Samoa, nicht be- freunden. Die dort beobachteten Hebungen und die Vertheilung der 66 Naturwissenschaftliehe Wochenschrift. XIII. Nr. 6. Riffe sprechen ihm zu sehr dagegen. Er glaubt nicht, dass die ver- schiedenen Riffformen in genetischem Zusammenhange stehen, sondern nur Folgen der verschiedenen Tektonik des Untergrundes Bind. Die Entstehung der Atolle erklrt er folgendermaassen : Die flachlagunige Form bildet sich, wie gesagt, auf unterseeischen Bergkuppen, die tief lagunige auf unterseeischen Kratern. Nur ein kleiner Theil der submarinen Krater wirft wie die ober- irdi chen Lava aus und steigt so steil in die Hhe; die meisten werfen Asche und Schlamm aus, die von den herrschenden Meeresstrmungen davongetragen bezw. wegen der schnell reini- genden Kraft des Meerwassers bald abgesetzt werden. So ent- standen untermeerische Hhenreken in der Richtung der Strme, und wo sie die fr die Korallen gnstige Hhe erreicht hatten, iedi [teil sich diese auf ihnen an. Die Ringform des Atolls wurde ,,,, fhei] wesentlich bestimmt durch die Richtung der Strme, in der die Atolle fast immer langgestreckt sind. War der Strom sehr stark und gleichbleibend, so entstand das hinter dem Strome offene Hufeisen-Atoll, war er schwach und mit anderen Richtungen hselnd, so entstanden die runden Atolle. Inzwischen ist indess durch die bokannten Bohrungen von Prof. T. E. David aus Sidney auf den Ellis-Inseln noch aus 557 und b'43 Fuss Tiefe Korallenkalk zu Tage gefrdert und damit ein neuer schlagender Beweis fr die Richtigkeit der Darwinschen Senkungs-Theorie geliefert worden. Immerhin drften die Aus- fhrungen Krmers sehr beachtenswert!! sein und mindestens zur Erklrung der Riff-, besonders der Atollformen werthvolle Beitrge liefern. Die Fauna der Riffe von Samoa ist arm, wie ja berhaupt dir tropischen Meere viel thierrmer sind, als man gewhnlich annnimmt und vor Allem gar keinen Vergleich aushalten mit dem riesigen Individuum-Reichthum der nordischen Meere. Die Riesen des Meeres, Wale und Delphine, sind sehr selten, dagegen mehrere Arten von Haien recht hutig, ebenso wie Schildkrten. Auch Tintenfische werden viel gefangen und Seeschlangen sind weit verbreitet. Der Reichthum von Fischen ist so gross, dass selbst die Samoaner ber 200 Arten unterscheiden, wie ja denn auch die Fischerei eine der hauptschlichsten Beschftigungen der Samoaner bildet und ihnen den Haupttheil ihrer Fleischnahrung liefert. Der hufigste Fisch ist ein Aal, Mugil sp., der wichtigste, wegen des mit seinem Fang betriebenen Sports, ein Tunfisch, der Bonito (Thymnus pelamys). Von Krebsen unterscheiden die Sa aner ungefhr 30, von Weichthieren 50 Arten. Muscheln und Schneeken kommen natrlich berall auf den Riffen vor. Stachelhuter sind recht zahlreich; die Holothurien werden ge- gessen. Ein Seeigel, Diadema, bohrt sich allenthalben in die Korallenriffe ein. Medusen sind selten, Wrmer dagegen sehr hufig, von denen der Palolowurm, Lysidice viridis, von dem man nur abgetrennto Glieder, nicht aber den Kopf kennt, zu gewissen Zeiten, October und November, in ungeheuren Massen fr kurze Zeit an die Oberflche kommt, wo die Samoaner so viele fangen, als sie nur knnen; denn sie sind ihnen ein sehr erwnschter Leckerbissen. Das Plankton von Samoa ist an Masse recht arm, wobei die Kstenfauna noch reicher ist als der offene Ozean. In 1 ebm Wasser war durchschnittlich 0,42 cem Plankton enthalten, und in 1 ecm von diesem wurden wieder etwa 1000 Individuen gezhlt. Die hchsten Fnge wurden im Mai und Juni gemacht mit dem Maximum von 1,44 cem, dir niedrigste mit 0,04 cem im October. Indessen wurde in der Zeit vorn December bis Mrz nichts ge- lingen. Bei Niedrigwasser (Ebbe) war mehr Plankton vorhanden, als bei Hochwasser (Fluth). Am dichtesten war es bei 10 bis 20 Meter Tiefe. Seine Tiefenverbreitung ist nicht sehr gross; hchstens bis 200 Meter ist es in nenenswerther Menge vor- handen. In dir Hauptsache besteht das Plankton aus Copepoden lind Ostrakoden, von denen erstere an Zahl bis zu 90 Procent ausmachen knnen, whrend sie ihrer Kleinheit wegen an Ge- wichl ofl gegen andere Formen zurcktreten. So knnen be- onders die grossen Sagitten durch ihr Volumeu in den Vorder- 'rund treten Globigerinen, Mollusken-Larven, Diatomeen und arieh sind gewhnlich in etwa je 1 Procent vorhanden, in Korallen. Iv-liinod'-rnien, Medusen u. s. w. sind recht i traten solche von Crustaceen, wie Nauplius, so- die Appi ndicularien immer auf. Als Nahrung fr dir Korallen kommen, eben ihrer I e vi ii. hauptschlich die Copepoden in Betracht. Einige Zahlen mgen das gegenseitige Verhltniss illustriren. An einer Madreprenschale sitzen etwa 100000 Polypen, und mehrere solcher Schalon kommen auf 1 cbm. In einem solchen sind etwa 5000 Plankton-Individuen vorhanden, etwa auf 1 Glas Wasser oines. Diese Menge scheint sehr gering zu sein. Aber einmal sind doch viele von dm Plankton-Thieren, besonders wieder die Copepoden reiht beweglich und knnen so stndig fr Ersatz sorgen, andererseits hngen alle Polypen eines Stockes zusammen, - i die Nahrung, die einer zu 'sich ni it, mehr oder weniger Allen zu Gute kommt. Ferner sorgen die Gezeiten auch mehr als bergenug fr Zuschub frischer Nahrung und Ausfllung der Lcken. Sind doch, nach einer niedrigen Be- rechnung, in einer Seemeile Umkreis um das Rose-Atoll z. B. gegen 1000 Tonnen ( 1000 kg) Copepoden-Plankton vorhanden. So vermgen , nach einem hbschen Vergleiche Krmer's, die zahlreichen, kleinen Korallenpolypen eines Riffes ebensowenig die ungeheuren Mengen von Plankton zu dezimireu, wie die grosse, wenn auch betrchtlich kleinere Zahl von Menschen in einer Grossstadt den Sauerstoff der Luft zu vermindern vormag. Reh. Prof. Dr. H. Bruchmann, Untersuchungen ber Selaginella spinulosa A. Br. Mit 3 Tafeln. Verlag von Friedrich Andreas Perthes in Gotha. 1897" Preis 4 M. Die vorliegende fleissige Arbeit von 64 Seiten in Gross-Octav beschftigt sich im We